Montag, 10. Oktober 2022

Das tiefschwarze Herz

Hierbei handelt es sich um den sechsten Band einer Reihe. Inhaltlich werde ich nicht spoilern. Für meine Rezension setze ich das Wissen aus den vorherigen Bänden aber voraus. 

Das Hörbuch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar von RandomHouse Audio zur Verfügung gestellt. 

Bild von 
RandomHouse Audio


Zum Inhalt 
Eines Tages bekommt Robin in der Detektei Besuch von der Drehbuchautorin Edie Ladwell. Sie hat gemeinsam mit ihrem Freund die Serie Das tiefschwarze Herz entwickelt. Die Serie wurde zum Erfolg und hat eine große Fangemeinde. Doch nicht alle mögen das, was Edie und Josh aus der Serie machen. Edie wird online von einer Person terrorisiert, die sich Anomie nennt. Edie bittet Robin um Hilfe, Anomies Identität aufzudecken. Obwohl die Detektei über beide Ohren in Arbeit versinkt, weckt der Fall Robin und Strikes Interesse. 

J. K. Rowling, die hier unter ihrem offenem Pseudonym Robert Galbraith schreibt, hat mich in diesem Fall vor eine große Herausforderung gestellt: Es gibt nämlich unglaublich viele Figuren. Wir lernen zum einen die Personen kennen, mit denen Edie und Josh im realen Leben zu tun haben. Zum anderen gibt es aber eine Website auf der sich die Fans über das tiefschwarze Herz austauschen. Diese Website wird von acht Personen betreut, die wir durch Chatverläufe kennenlernen. Lange laufen beide Handlungsstränge parallel. Aber irgendwann liegt es nahe, herauszufinden, wer die Personen aus der Website sind und ob vielleicht Personen hinter den Accounts stecken, die Edie und Josh im offline Leben kennen. 
Mir waren es fast zu viele Figuren. Dennoch stellte sich heraus, dass manche Figuren wichtiger waren, als andere. Das half mir dabei, mich zu orientieren. 

Ich habe mich sehr auf ein Wiederhören mit den bereits bekannten Haupt- und Nebenfiguren gefreut. Allen voran Robin und Strike, welche die Detektei nun gemeinsam führen. Ihr Team hat sich auch vergrößert, was für Abwechslung sorgt. 
Während sich Strike und Robin im vorherigen Band gefühlt laut weiterentwickelt haben, fand ihre Entwicklung in Das tiefschwarze Herz leise, aber dafür deutlich sichtbar statt, was mir sehr gut gefallen hat. 

Robin weiß inzwischen was sie will und lässt sich nicht mehr von anderen Menschen beeinflussen. Bezogen auf den Fall beweist sie wieder einmal, was für ein gutes Gespür sie hat und das ihre Art Personen zu erfassen ihnen hier die ein oder andere Tür öffnet. 
Strike haben wir vor allem als einen Mann kennengelernt, der eher für sich ist und wenig Interesse an partnerschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen hat. Das ändert sich in diesem Band, was mich sehr gefreut hat. In Nebensätzen wird deutlich, dass er wahrnimmt, was um ihn herum passiert und es auch wertschätzt. Außerdem gewinnt er zwei wichtige Erkenntnisse, die großes Potenzial für neue Themen in den Folgebänden bieten. Nun bin ich fast etwas traurig, dass wir wieder eine Weile warten müssen, bis es einen neuen Band gibt. 

Die Frage, wer sich hinter Anomie versteckt, fand ich ziemlich spannend. Es sorgte nämlich dafür, dass J. K. Rowling schwierige Themen anspricht. Zum einen geht es um das Thema Cybermobbing. J. K. Rowling arbeitet gut heraus, dass es den Menschen deutlich leichter fällt, andere Personen zu beleidigen oder zu bedrohen, wenn sie im Internet anonym agieren können. Dabei nimmt das soziale Netzwerk Twitter einen großen Raum ein. Twitter ist allgemein dafür bekannt, dass scheinbar belanglose Tweets schnell für eine Kettenreaktion sorgen können und offen Streitigkeiten ausgetragen werden. Erschreckend war, wie J. K. Rowling die Parallele in die Handlung eingebaut hat. Für mich war es sehr nah an der Realität. 

Das zweite Thema ist die Dynamik von Fangemeinden. Das ist vor allem spannend, wenn man den Inhalt auf Rowlings eigene Fangemeinde bezieht. In Das tiefschwarze Herz beschreibt sie, wie die Fans anfangs Feuer und Flamme für die Serie und die Personen sind, welche sie erfunden haben. Aber als die Serie immer erfolgreicher wird und Entscheidungen getroffen werden, welche für die Fans nicht immer nachvollziehbar sind, kippt die Stimmung von Liebe zu Hass. Nun sind die Fans an einem Punkt, an dem sie glauben, selbst zu wissen, was das Beste für die Serie sein soll. Sie koppeln also die Personen, welche die Serie erfunden haben, von den Inhalten der Serie ab. 
Interessant finde ich, dass J. K. Rowling von beiden Themen betroffen war: Ausgelöst durch einen Tweet wurde sie auf Twitter angefeindet. Hinzu kam, dass sich Potterheads von ihr als Person aber nicht von Harry Potter als Reihe distanzieren. 

Die Hörbuchgestaltung 
Das Hörbuch wurde ungekürzt sowohl als CD als auch als Download im RandomHouse Audio Verlag produziert. Es hat eine Laufzeit von ca. 33 Stunden. Beim Hören hatte ich den Eindruck, dass die Handlung nicht mal eben so in 10 Stunden erzählt wird. Aber ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dass die Laufzeit so lang ist. Die Zeit verging wie im Flug. 

Dietmar Wunder, der auch die vorherigen Bände der Reihe gelesen hat, ist als Sprecher wieder mit dabei. Da es in Das tiefschwarze Herz so viele Figuren gibt, muss Wunder sehr vielen Personen eine eigene Stimme geben, was ihm sehr gut gelungen ist. Beeindruckt war ich vor allem davon, wie er es geschafft hat die Chatverläufe lebendig zu lesen und zwar so zu betonen, dass ich die moderierenden Personen wirklich auseinanderhalten konnte. 

Der Schreibstil 
Was mir an J. K. Rowlings Schreibstil gut gefällt ist, wie sie die Figuren beschreibt. Damit meine ich nicht nur beschreiben, sondern vor allem zeigen. Sie erzählt uns nicht nur von den Figuren, sondern zeigt uns, wer die Figuren sind, wie sie denken und fühlen und sich durch das Erlebte entwickeln können. 
Beeindruckt war ich diesmal von der Komplexität des Falls. Es gibt eine Fülle von Figuren, die alle ihren Platz in der Handlung brauchen, aber trotzdem nicht zu eindimensional wirken dürfen. 
Was mich ebenfalls fasziniert hat war, wie lebendig sie die Chatverläufe und Twitterthreads beschreibt. Beides erinnerte mich sehr an meine aktive chatroom Zeit. Sie hat es geschafft, diesen rauen Ton gut herauszuarbeiten. 

Gesamteindruck 
In Das tiefschwarze Herz gibt es nicht nur ein Wiederhören mit unserem Lieblingsduo Strike und Robin. Wir finden auch heraus, welche Schattenseiten Erfolg haben kann. J. K. Rowling hat hier eine runde Geschichte geschaffen, die gehört werden soll. Warum? Weil in Frage gestellt wird, wie wir miteinander kommunizieren. 

Infos zum Hörbuch 
Das tiefschwarze Herz von J. K. Rowling als Robert Galbraith wurde ungekürzt im RandomHouse Audio Verlag produziert. Das Hörbuch hat eine Laufzeit von 33 Stunden und wird von Dietmar Wunder gelesen. 
Bewertung: 5 von 5 Punkten. 

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen. 

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Weitere Bände: 
Weißer Tod (Band 4) 
Böses Blut (Band 5) 

6 Kommentare:

  1. Hi Emma!

    Ich freu mich sehr dass es dich auch so gut gefallen hat! Ich war sowas von begeistert und bin ja leider auch viel zu schnell durch die Seiten geflogen!
    Ich überlege nur grade, wie sie Chat-Verläufe beim sprechen variiert haben, war da jeder Chat erstmal einzeln fertig gesprochen oder? Denn im Buch laufen 2-3 Chats gleichzeitig nebeneinander ;)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,
      je nachdem um welche Stelle es ging, wurden die Chats auch parallel vorgelesen.
      ACHTUNG SPOILER

      Als Robin z.B. herausfindet, dass Paperwhite und Anomie dieselben Personen sind. Da schreibt sie ja parallel mit Paperwhite und Anomie. Da wurde dann parallel gelesen, aber immer wieder durch Robins Perspektive unterbrochen.
      SPOILER ENDE


      Ansonsten hatte ich aber den Eindruck, dass in vielen Chats mehrere Leute anwesend waren. Das hat für mich dann manchmal viel Konzentration erfordert. Aber ich fand es toll, dass sie die Chatverläufe im Hörbuch umgesetzt bekommen haben.

      viele Grüße
      Emma

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    2. Ah, das hört sich echt interessant an. Dann haben sie es ja anscheinend auch im Hörbuch gut umgesetzt :)
      Vielen waren die Chatverläufe zu kompliziert, ich fand es faszinierend!

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    3. Guten MOrgen :),
      mir hat es sehr gut gefallen, obwohl es wirklich viele Figuren waren.

      ACHTUNG SPOILER
      Die Auflösung, nämlich, dass Gus der Mörder war, hat mir gut gefallen, weil er nicht "die Nebenfigur hinten links" ist, sondern so gut beschrieben war, dass ich ihn auf dem Schirm hatte. Es hätte mich z.B. sehr genervt, wenn der Täter aus der Kommune gekommen wäre, weil ich die Leute eher miteinander verwechselt habe.
      SPOILER ENDE

      Es freut mich, dass offenbar viele zum Buch gegriffen haben. Ich dachte in der Blogger*innenwelt haben J.K. Rowlings Bücher inzwischen eher einen schweren Stand.

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    4. Ja, es wird natürlich noch gelesen. :)

      Aber es gibt auch genügend Menschen, wenn ich z. B. an meine Mutter denke, die den ganzen Hype überhaupt gar nicht mitbekommt und das gar nicht weiß. Oder auch Freundinnen von mir, die beschäftigen sich halt nicht mit der Buchwelt, sondern lesen einfach nur Bücher ...
      Es gibt aber auch leider genügend, die Rowling boykottieren.
      Ich bin ja auch nicht mit allem einverstanden, was sie sagt, aber sie deshalb zu "verteufeln" ist ja das gleiche in grün. Und ihre Bücher sind nunmal großartig.

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Den Textbaustein habe ich von Pergamentfalter übernommen.