Montag, 9. Mai 2022

Die Tore der Welt (Band 2)

Bei der Rezension handelt es sich um die Fortsetzung einer Reihe. Der Klappentext und meine Rezension sind aber spoilerfrei. 

Bild von Bastei Lübbe

Steckbrief
Name: Die Tore der Welt (Kingsbridge Band 2)
Geschrieben von: Ken Follett
Verlag: Bastei Lübbe Audio
Geeignet für: Fans von historischen Romanen, Fans von Ken Follett
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Gesprochen von: Tobias Kluckert
Bewertung: 5 von 5 Punkten

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Klappentext

"England im Jahre 1327. Es ist der Tag nach Allerheiligen. In der Stadt Kingsbridge trifft sich im Schatten der Kathedrale das Volk. Vier Kinder flüchten vor dem Trubel in den nahe gelegenen Wald. Dort werden sie Zeugen eines Kampfes – und eines tödlichen Geheimnisses.
Merthin, ein Nachfahre von Jack Builder, dem Erbauer der Kathedrale, hat dessen Genie und rebellische Natur geerbt. Sein starker Bruder Ralph strebt den Aufstieg in die Ritterschaft an. Caris, Tochter eines Wollhändlers, hat den Traum, Arzt zu werden. Gwenda, Kind eines Taglöhners, will nur ihrer Liebe folgen. Und da ist noch Godwyn, Caris' Vetter, ein junger Mönch, der entschlossen ist, Prior von Kingsbridge zu werden. Koste es, was es wolle.
Ehrgeiz und Liebe, Stolz und Rache werden den Weg dieser Menschen bestimmen. Pest und Krieg werden ihnen das Liebste nehmen, was sie besitzen. Glück und Unglück werden sie begleiten Doch sie werden die Hoffnung niemals aufgeben. Und immer wird der Schwur sie verfolgen, den sie an jenem schicksalhaften Tage leisteten."

Meine Meinung
Nachdem ich gemeinsam mit zwei Freundinnen den ersten Band von Ken Folletts Kingsbridge Saga gehört habe, wollten wir natürlich alle wissen, wie es weitergeht. Was soll ich sagen? Ich bin wirklich positiv überrascht.

Was den Inhalt betrifft, hatte ich zu Beginn etwas Mühe in die Handlung reinzukommen. Das lag hauptsächlich daran, dass zu Beginn viel erklärt wurde. Wir lernen die neuen Figuren kennen und müssen nicht nur verstehen, wie ihre Beziehung untereinander ist, sondern auch in welcher verwandtschaftlichen Beziehung sie zu den Figuren aus dem vorherigen Band standen. Einerseits war es toll, dass Bezug auf die Charaktere aus dem ersten Band genommen wurde. Andererseits machte es das für mich etwas komplizierter, zumal es am Anfang einen recht großen Zeitsprung gibt.

Bei der Handlung handelt es sich um einen klassischen historischen Roman, was wir aus meiner Sicht an mehreren Merkmalen erkennen können:
Die Figuren stammen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. Wir lernen Caris und ihre Schwester Alice kennen. Ihr Vater ist ein reicher Wollhändler in Kingsbridge und gehört somit zu den einflussreichen Bürgern der Stadt.
Merthin und sein Bruder Ralph erleben gleich zu Beginn der Geschichte einen gesellschaftlichen Absturz. Ihr Vater verliert eine wichtige Stellung und die Familie findet sich plötzlich in ärmlichen Verhältnissen wieder. Ralph tritt eine Stellung als Knappe an und hofft, eines Tages zum Ritter geschlagen zu werden. Merthin muss eine handwerkliche Lehre beginnen und zieht zum Lehrmeister und dessen Familie.
Gwenda scheint es zu Beginn der Geschichte am schwersten zu haben. Sie wird nämlich von ihrem Vater zu einem Diebstahl angestiftet, der schlimme Folgen für sie und ihre Familie haben könnte. Die Familie braucht diese Diebstähle um sich ernähren zu können. Schaffen sie es aus dieser Armut heraus?

Das zweite Merkmal ist die Art, wie die Handlungsstränge verwoben werden. Wir haben hier nämlich jede Menge Intrigen, die manchmal verhindert werden können, aber oft auch durchgezogen werden.
Das dritte Merkmal kennzeichnet sich dadurch, dass die fiktive Handlung mit realen Ereignissen in Verbindung gebracht wird. Die Figuren müssen sich beispielsweise im Laufe der Handlung mit der Pest und deren Folgen herumschlagen.

Ken Follett konnte die Entwicklung mancher Figuren in diesem Band besser herausarbeiten. Manche von ihnen hatten mehr als eine Eigenschaft. Andere hingegen haben sich klar stereotypisch verhalten, was einerseits etwas schade war, aber andererseits auch als eine Eigenart des historischen Romans gesehen werden kann.

Der Spannungsbogen hat mir in diesem Band deutlich besser gefallen als in Die Säulen der Erde. Während es im ersten Band immer wieder zum plötzlichen Anstieg und genauso schnellen Abfall des Spannungsbogens kam, wurde der Spannungsbogen in Die Tore der Welt deutlich besser aufgebaut und gegen Ende auch langsamer aufgelöst.
Während es einige Handlungsstränge gab, deren Ende klar auf der Hand lagen, fragte ich mich immer wieder, wie der Weg zu diesem Ende wohl sein würde. Das sorgte dafür, dass ich neugierig darauf war, wie die Handlung weiterging.

Die Hörbuchgestaltung hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Das Hörbuch wurde von Bastei Lübbe sowohl in gekürzter als auch in ungekürzter Fassung produziert. Was ich interessant finde: Beide Fassungen werden von unterschiedlichen Sprechern gelesen. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass es für einen Verlag kostengünstiger wäre, ein Hörbuch von einem Sprecher einzulesen und für eine gekürzte Fassung den ein oder anderen Teil aus dem ungekürzten Hörbuch zu entnehmen.
Um in der Leserunde mitzukommen, habe ich mich wieder für die ungekürzte Fassung entschieden, die von Tobias Kluckert gelesen wird. Kluckerts Stimmfarbe gefällt mir sehr gut. Deswegen hatte ich auch keine Mühe ihm über eine so lange Zeit zuzuhören. (Das Hörbuch hat eine Laufzeit von 50 Stunden). Seine Interpretation ist schlicht. Dennoch schafft er es, den Figuren eine eigene Stimme zu geben, bzw. seine Tonlage und den Lesefluss leicht zu verändern, wenn die Handlung aus einer anderen Perspektive erzählt wird.

Bei den Stilmitteln der Hörbuchgestaltung gab es diesmal eine kleine Veränderung. Beim ersten Band wurden die einzelnen Kapitel durch eine Melodie getrennt. Das war ganz praktisch, weil die Kapitel nicht fließend ineinander übergingen und man eine kleine Pause zwischen den Kapiteln hatte.
Bei Die Tore der Welt gab es nur zu Beginn und am Ende des Hörbuches eine Melodie, was ich etwas schade fand.
Das Printbuch ist in mehrere Teile gegliedert. Die einzelnen Teile sind nochmal in Kapitel unterteilt. Im Hörbuch werden allerdings nur die Teile angesagt. Da die Teile recht lang sind, kann das unter Umständen zu Problemen führen, wenn das Hörbuch im Rahmen einer Leserunde gelesen wird und man sich nicht an den Teilen, sondern an den Kapiteln orientiert.

Ken Folletts Schreibstil hat mir in diesem Band deutlich besser gefallen. Er hat es geschafft uns das Innenleben der Charaktere nicht auf dem Silbertablett zu servieren, sondern es im Laufe der Handlung herauszuarbeiten. Mir haben in diesem Band die Dialoge sehr gut gefallen. Hier habe ich oft mitgefiebert oder musste auch das ein oder andere Mal schmunzeln.
Zudem hatte ich das Gefühl, dass sich Folletts Schreibstil verändert hat. Allerdings kann ich noch nicht richtig in Worte fassen, worin diese Veränderung besteht.

Gesamteindruck
Die Tore der Welt hat mir deutlich besser gefallen, als Die Säulen der Erde. Es war spannend zu sehen, wie sich Kingsbridge und das Kloster im Vergleich zum ersten Band weiterentwickelt haben. Außerdem mochte ich die Charaktere sehr gerne und fand es spannend, dass Ken Follett diesmal auch einen handlungsstrang eingebaut hat, der nicht direkt in Kingsbridge spielt.
Ich freue mich schon auf den dritten und letzten Band der Kingsbridge Saga.

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Weitere Bände
Die Säulen der Erde (Band 1)

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