Montag, 20. Dezember 2021

Mitte

Dieses Hörbuch gehört in das Gereon-Rath-Universum. Inhaltlich werde ich nicht zu diesem Band spoilern, setze aber das Wissen aus der Gereon Rath Reihe für meine Rezension vraus. 

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HörbuchHamburg
Steckbrief 
Name: Mitte (ein Roman aus dem Gereon Rath Universum) 
Autor:in: Volker Kutscher 
Verlag: HörbuchHamburg 
Geeignet für: Fans von Volker Kutscher, Fans der Gereon Rath Reihe, Fans von Briefromanen 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch 
Sprecher:innen: Leonard Scheicher, Walter Kreye, Felix von Manteuffel, 
Bewertung: 5 von 5 Punkten 

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Klappentext 

"Fritze Thormann, Vielleser und begeisterter Sportler, gehört zu den Menschen, die das Pech haben, dass sie immer wieder zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Mit seinen fast 16 Jahren ist er deswegen schon in viele riskante Situationen geschlittert. Zuletzt beim Ehrendienst der HJ während der Olympiade 1936. Gerade noch gelang es ihm, seinem Läufer-Idol Jesse Owens ein Autogramm abzujagen, als kurz darauf dunkle Wolken über ihm aufziehen: Fritz wird zufälliger Zeuge eines Selbstmords, dessen Umstände mehr als fragwürdig sind. Doch die Polizei und sein Ziehvater glauben ihm nicht. Schlimmer noch: die Gestapo will ihn für etwas drankriegen, das er nicht getan hat, sodass dem Jungen nichts übrigbleibt als zu fliehen und abzutauchen.
Mit gefälschtem Pass fängt Fritz beim Kohlenhandel Kleinfeld in Berlin-Mitte an. Der Lohn stimmt, sein Chef ist in Ordnung, doch Fritz ist allein und vermisst seine Freunde. Vor allem Charly, die einmal seine Pflegemutter war. Und seine Schicksalsfreundin Hannah, von der er auch nur weiß, dass sie sich in Breslau unter falschem Namen versteckt. Und so beginnt Fritz aus seiner Tarnung heraus Briefe zu schreiben. Sie ersetzen ihm die Gesprächspartner, die er dringend braucht, weil es erneut kreuzgefährlich für ihn wird. Denn nicht nur die Gestapo hat sich auf die Suche nach dem unliebsamen Zeugen begeben. Über Fritz schwebt noch eine viel direktere Bedrohung …" 

Meine Meinung 
Nachdem ich Olympia beendet habe und Mitte in der Verlagsvorschau des HörbuchHamburg Verlages entdeckt habe, war meine Vorfreude ziemlich groß. In diesem Roman sollte Fritze, eine meiner Lieblingsfiguren, im Mittelpunkt stehen. Das Hörbuch habe ich in einem Rutsch durchgehört. Ob es mir gefallen hat? 

Da das Hörbuch nur eine Laufzeit von ca. zwei Stunden hat, möchte ich gar nicht viel über den Inhalt verraten. Die Hauptfigur in diesem Hörbuch ist Fritze, der sein Glück in Berlin sucht. Er hat eine Arbeit gefunden und berichtet den zwei wichtigsten Personen in seinem Leben davon, wie es ihm in der Hauptstadt so ergeht. 

Volker Kutscher arbeitet Fritzes Charakter wunderbar heraus. Einerseits möchte der Junge endlich erwachsen werden und auf eigenen Beinen stehen. Andererseits fühlt er sich allein und sehnt sich nach den Menschen, die ihm viel bedeuten. Doch diese Sehnsucht kann ziemlich schnell gefährlich werden. 

Das Spannende am Inhalt ist, dass der Roman in Briefform erzählt wird. Wir bekommen also nur allein durch Fritzes Briefe mit, was passiert. Das Schwierige ist nur, dass sich anhand von Fritzes Briefen viel ableiten lässt und wir somit mehr Informationen haben, als der Junge selbst. Das macht den Inhalt manchmal ziemlich bedrückend, aber auch ziemlich spannend. 

Kommen wir nun zur Hörbuchgestaltung. Der Titel ist auch diesmal im HörbuchHamburg Verlag produziert worden. Toll finde ich, dass man sich für eine ungekürzte Fassung entschieden hat. Etwas hin- und her gerissen bin ich, was die Hörbuchausstattung betrifft. Was das Cover betrifft, hat man sich an Moabit orientiert. Im Vergleich zu den klassischen Rath-Krimis, sind die Cover diesmal heller gehalten. Der Titel steht in der Mitte des Covers. Wie Moabit ist auch Mitte in einer CD Box untergebracht. Einerseits ist es toll, weil das Hörbuch so auch optisch gut zu Moabit passt. Andererseits habe ich Mühe damit, dass ein Hörbuch mit so wenigen CDs in einer ganzen Box untergebracht ist. Die Verpackung kommt mir im Vergleich zum Inhalt etwas groß und übertrieben vor. 
Da Verlage aber kaufmännisch denken, ist davon auszugehen, dass der Verlag eine andere Ausstattung gewählt hätte, wenn sie günstiger geworden wäre. 
Etwas traurig ist, dass David Nathan diesmal nicht als Sprecher mit dabei ist. Mitte wird von drei Sprechern gelesen. Und zwar von Leonard Scheicher, Walter Kreye und Felix von Manteuffel, 
Leider wird im Hörbuch nicht genannt, wer welche Rolle spricht. Da ich Felix von Mantheuffel und Walter Kreye aber bereits von anderen Hörbüchern kenne, weiß ich, dass ihre Rollen in dem Hörbuch relativ klein waren. Leonard Scheicher hat den Großteil von Mitte gesprochen und somit Fritzes Briefe interpretiert. Er hat die Figur, seine Stärken und Schwächen wirklich gut herausgearbeitet. Ich habe es manchmal kaum ausgehalten, weil ich Fritze gerne vor schlimmeren bewahrt hätte. Während Leonard Scheicher die zerbrechliche Seite von Fritze herausarbeitet, müssen Walter Kreye und Felix von Manteuffel die Härte der Handlung interpretieren und in Rollen schlüpfen, die es nicht gut mit Fritze meinen. Alle Sprecher ergänzen sich stimmlich sehr gut. 
Obwohl der Inhalt wirklich nicht leicht zu verdauen ist, hat mir die Hörbuchgestaltung sehr viel Spaß gemacht. 

Bei Volker Kutschers Schreibstil habe ich den Eindruck, dass er sich immer wieder neu erfindet. Mit Mitte hat er einen Briefroman geschrieben. Was mich beeindruckt hat war, dass er, obwohl wir die Handlung vor allem aus Fritzes Perspektive erleben, trotzdem eine Art allwissenden Erzähler in die Handlung eingebaut hat. Ich hatte den Eindruck Fritze sehr oft etwas voraus zu sein. Durch Fritzes Naivität baut Kutscher eine bedrohliche Kulisse auf. 
Mitte hat mir wieder einmal bewusst gemacht, dass ich unbedingt mehr Romane von Volker Kutscher hören möchte. Natürlich am liebsten solche, die im Gereon Rath Universum spielen. 

Gesamteindruck
Bestimmte Erwartungen an Mitte hatte ich nicht. Ich war vor allem gespannt, was uns Volker Kutscher in dem Roman über die Figuren aus der Gereon-Rath-Reihe erzählt. Der Roman ist kurzweilig und vor allem Hörer:innen zu empfehlen, die die Gereon-Rath-Reihe bereits kennen, weil ihnen sonst der Bezug zu den Figuren fehlt. Mir hat Mitte sehr gut gefallen und ich bin froh, dass es nicht der letzte Roman ist, der im Gereon-Rath Universum spielt. 

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Rezensionen zu weiteren Bänden: 
Der nasse Fisch (Band 1)
Der stumme Tod (Band 2)
Goldstein (Band 3)
Die Akte Vaterland (Band 4) 
*Märzgefallene (Band 5) 
Lunapark (Band 6) 
Marlow (Band 7)
Olympia (Band 8) 

Weitere Romane aus dem Rath Universum: 

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