Montag, 22. November 2021

Der Heimweg

Wenn ihr nichts über das Thema häusliche Gewalt lesen / hören könnt oder wollt, kann ich euch dieses Hörbuch nicht empfehlen. Wenn ihr einen packenden Thriller sucht und Gewalt in Thrillern aushalten könnt, wird euch dieser Thriller womöglich gefallen. 

Bild von
 Droemer Knaur
Steckbrief 
Name: Der Heimweg 
Autor:in: Sebastian Fitzek 
Verlag: Audible Studios 
Geeignet für: Fans von Sebastian Fitzek, Psychothriller Liebhaber:innen, Leute, die Gewalt in Büchern aushalten können 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch über Audible 
Sprecher:in: Simon Jäger 
Bewertung: 5 von 5 Punkten 

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen. (ACHTUNG: Im Buchhandel gibt es nur das gekürzte Hörbuch). 

Klappentext 

"Es ist Samstag, kurz nach 22.00 Uhr. Jules Tannberg sitzt am Begleittelefon. Ein ehrenamtlicher Telefonservice für Frauen, die zu später Stunde auf ihrem Heimweg Angst bekommen und sich einen telefonischen Begleiter wünschen, dessen beruhigende Stimme sie sicher durch die Nacht nach Hause führt - oder im Notfall Hilfe ruft.
Noch nie gab es eine wirklich lebensgefährliche Situation. Bis heute, als Jules mit Klara spricht.
Die junge Frau hat entsetzliche Angst. Sie glaubt, von einem Mann verfolgt zu werden, der sie schon einmal überfallen hat und der mit Blut ein Datum auf ihre Schlafzimmerwand malte: Klaras Todestag! Und dieser Tag bricht in nicht einmal zwei Stunden an ..." 

Meine Meinung 
Die Idee von Der Heimweg klang ziemlich interessant und mir war schnell klar, dass dieses Hörbuch bei mir einziehen würde. Dann sah ich Sebastian Fitzek in einer Talkshow. Dort erzählte er, dass es in Der Heimweg um häusliche Gewalt geht und meine Vorfreude verpuffte ziemlich schnell. Ich fragte mich, ob ich mir das Hörbuch wirklich anhören sollte. Ich befürchtete nämlich jede Menge Bilder, die ich eigentlich nicht in meinem Kopf haben wollte. 
An dieser Stelle sei vielleicht so viel verraten: Es wird gruselig und blutig. Aber ich habe damit gerechnet, dass es schlimmer werden wird. Warum? Das erzähle ich euch jetzt. 

Der Klappentext fasst den Inhalt von Der Heimweg ziemlich gut zusammen. Wir lernen Jules kennen, der als Ehrenamtlicher bei einem Begleittelefon arbeitet. Seine Aufgabe ist es, Frauen auf ihrem Heimweg zu begleiten, um im Notfall Hilfe holen zu können. Eines Tages telefoniert er mit Klara, einer Frau, die eigentlich gar nicht anrufen wollte. Sie steckt in einer ausweglosen Situation. Jules ahnt, dass es hier um keinen normalen Heimweg geht. Schafft er es dennoch, Klaras Vertrauen zu gewinnen? Oder wird sie irgendwann einfach auflegen? 

Der Roman wird aus den Perspektiven unserer Hauptfiguren Jules und Klara erzählt. Das war besonders spannend, da wir hier zwei Handlungsstränge haben: Der erste Handlungsstrang zeigt das Telefonat zwischen Jules und Klara und stellt sich der Frage, ob es beide schaffen sich einander anzunähern. 
Im zweiten Handlungsstrang erleben wir das, was beide außerhalb des Telefonates erleben. Wo befinden sich Klara und Jules? Können sie in Ruhe telefonieren? Oder werden sie beobachtet? 

Besonders spannend fand ich Klara und Jules, die beide vielschichtige Charaktere sind: Sie sind nicht einseitig und wir merken schnell, dass sie schon viel erlebt haben, was sie noch nicht verarbeiten konnten. 
Jules wirkt hilflos. Er ahnt, dass Klara Hilfe braucht und das er nur begrenzt in der Lage ist, ihr zu helfen. Das konfrontiert ihn mit einer Ohnmacht, die er schon einmal erleben musste. Schafft er es diesmal die Kontrolle zu behalten? 
Klara weiß nicht wohin mit sich. Zuhause erwartet sie ein gewaltbereiter Ehemann. Doch die Flucht ist keine Option. Schließlich hat Martin sie bisher überall gefunden. Und dann gibt es da noch einen bedrohlichen Begleiter, der ihr keine Ruhe lässt. 
Besonders gut gefallen haben mir hier die Nebenfiguren, die im Laufe der Handlung eine wichtige Rolle einnehmen. 

Der Spannungsbogen wird langsam aufgebaut. Immer wieder gab es diese typischen Fitzek-Momente, in denen ich mich entspannt zurücklehnte, weil ich glaubte, dass wir gerade auf die völlig falsche Fährte gelockt werden. Ich schaffte es in solchen Momenten gut, das Hörbuch von den Ohren zu nehmen. Aber irgendwann nimmt die Handlung an Fahrt auf und der Spannungsbogen wird rasant angezogen. Was ich besonders toll fand war, dass zum Schluss viel erklärt wird und es bis auf eine Frage eigentlich keine offenen Fragen gibt. 

Die Hörbuchgestaltung hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Der Titel wurde ungekürzt von Audible produziert und ist als gekürztes Hörbuch über den Buchhandel erhältlich. Ich greife gerne zum ungekürzten Hörbuch, weil ich es bei Thrillern unglaublich schwierig finde, Teile zu kürzen, ohne dass nachher Inhalt bei der Auflösung vermisst wird. Außerdem habe ich bei den ungekürzten Hörbüchern von Sebastian Fitzek immer die Hoffnung, dass auch die Danksagungen aufgesprochen werden. Bei einigen Hörbüchern hatte ich Glück. Diesmal aber leider nicht. 
Simon Jäger liest das Hörbuch. Seine Interpretation hat mir unglaublich gut gefallen. Er hat genau das richtige Lesetempo und schafft es, spannende Stellen gut zu betonen. Diesmal hat er es aber nicht immer geschafft, mich in die Irre zu führen. 

Was den Schreibstil von Sebastian Fitzek betrifft, hatte ich diesmal wirklich etwas Angst davor, was mich erwartet. Der Autor überzeugt normalerweise durch einen packenden Schreibstil, der sich leicht lesen lässt und lebendigen Dialogen, die auch eine Prise Humor in die ernste Handlung bringen. Schon in den letzten Romanen wurde es aber zunehmend blutiger und ich fragte mich, ob wir in diesem Buch detailliert beschriebene Gewaltszenen wiederfinden würden. Das war zum Glück nicht so. Wir landen zwar in Szenen, in denen Frauen Gewalt angetan wird. Der Autor beschreibt, wie misshandelte Frauen aussehen. Aber es gibt immer an den wichtigen Stellen einen Szenenwechsel. Ich hatte zu Beginn befürchtet, im Hörbuch viel vorspulen zu müssen. Letztendlich gab es nur eine Szene, die ich vorgespult habe. Gruselig fand ich hier nicht mal so sehr den Inhalt, sondern die Tatsache, dass die beschriebene Gewalt der Alltag vieler Frauen ist. 

Gesamteindruck 
Der Heimweg ist einer der Psychothriller von Sebastian Fitzek, die mich wieder überzeugen konnten. Er erzählt eine spannende Handlung und hat eine Auflösung, mit der ich diesmal wieder etwas anfangen konnte. 
Wenn ihr also einen spannenden Thriller sucht, der Überraschungsmomente bereithält, seid ihr mit Der Heimweg wahrscheinlich gut beraten. 

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Den Textbaustein habe ich von Pergamentfalter übernommen.