Freitag, 29. Oktober 2021

Wie war's bei der #fbm21?

gelbe Fläche, die mit einem
Reißverschluss aufgezogen wird.
Heraus schaut eine große
Menschengruppe.
Foto: A. Mack 

Hallo Buchlinge, 

die Frankfurter Buchmesse ist vorbei und es wird Zeit euch von den Veranstaltungen zu erzählen, die ich mir angeschaut habe. Wie lief es diesmal mit der Technik? Wie sah es mit der Vielfalt im Programm der Frankfurter Buchmesse aus? Wie war die Stimmung? Was kann ich von dieser Frankfurter Buchmesse mitnehmen? Das erzähle ich euch in diesem Artikel. 

Die Frankfurter Buchmesse: Der Plan
In diesem Jahr konnte die Frankfurter Buchmesse wieder ihre Türen für Publikum öffnen. Die Messe sollte zwar deutlich kleiner ausfallen. Dennoch entschlossen sich Verlage, Autor:innen und Publikum den Messehallen einen Besuch abzustatten. Vor Ort war mehr Platz für die Stände eingeplant. Außerdem waren die Gänge viel breiter. Manche Verlage hatten auch gar keinen eigenen Stand, sondern haben sich mit anderen Verlagen zu Gemeinschaftsständen zusammengetan. 
Ergänzend zum Programm vor Ort, sollte es auch viele Veranstaltungen in der Frankfurter Innenstadt und im Livestream geben. 

Da die Verlage, die mich interessierten nur kurz oder gar nicht in Frankfurt waren, hatte ich mich dazu entschlossen, das digitale Angebot der Frankfurter Buchmesse zu nutzen und nicht nach Frankfurt zu fahren. In meinem Terminplan konntet ihr erkennen, dass mein Programm vollgepackt war. 

Wie wollen wir leben? 
Das war die Leitfrage der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Sie könnte nicht aktueller sein. Der Wunsch nach Veränderung ist groß. Doch wie setzt man sie am besten um? ARTE hat hierzu ein Filmprojekt gestartet und acht Menschen aus verschiedenen Branchen dazu eingeladen, acht Stunden auf einem Boot zu verbringen, um genau diese Frage zu diskutieren. Das Ergebnis gibt es in der ARTE Mediathek
Mir war der Film leider ein bisschen zu kurz. Wir sehen wie angeregt diskutiert wird. Aber der Weg wie die Gruppe zum Schluss auf ein Ergebnis kommt, war mir nicht greifbar genug herausgearbeitet. Allerdings stelle ich es mir auch schwierig vor, sich bei einem Material von acht Stunden entscheiden zu müssen, welche Ausschnitte in den Film kommen und welche man lieber weglässt. 

Das Programm 
Die Frage, wie wir leben wollen, bestimmte auch das offizielle Programm der Frankfurter Buchmesse. Das wurde auch in diesem Jahr wieder von dem Team der Frankfurter Buchmesse, ARD und dem ZDF organisiert. 
Die Verlagsgruppe RandomHouse und Bastei Lübbe waren die einzigen Verlage, die ein Programm parallel zur Frankfurter Buchmesse auf die Beine stellten. Die Verlagsgruppe Penguin RandomHouse baute am eigenen Stand eine Bühne auf und lud zur Veranstaltungsreihe #30MinutenWG. Da ich die Veranstaltungen von Bastei Lübbe nicht verfolgt habe, weiß ich nicht,von wo aus gestreamt wurde. 
Droemer Knaur veröffentlichte auf dem eigenen YouTube Kanal wieder vorproduzierte Videos. Von anderen Verlagen bekam ich nichts mit. 

Daher orientierte ich mich vor allem am Programm der Buchmesse, der ARD Buchmessenbühne und der Verlagsgruppe Penguin RandomHouse. Vereinzelt hatte ich mir auch Programmpunkte von das blaue Sofa und anderen Veranstaltern herausgesucht, diese aber im Messezeitraum nicht verfolgt. 

Was mir vor allem auffiel war die Schwere des Programmes. Auch in vorherigen Buchmessen nahmen gesellschaftliche, gesellschaftspolitische Themen, immer einen großen Raum auf der Frankfurter Buchmesse ein. Nur, wenn über Themen und Inhalte diskutiert wird, kann es zu Veränderungen kommen. Zumindest hoffe ich das. Daher finde ich nicht, dass das Programm auf einer Buchmesse fehlplatziert ist. 

Doch ich merkte schnell wie mich das Programm ermüdete. Alle Botschaften waren ähnlich: Es wurde darum gebeten, nicht zu verallgemeinern, sondern sich differenziert mit Themen, oder Personen, die bestimmte Argumente vorbringen, zu beschäftigen. Personen riefen dazu auf, dass inhaltlicher Austausch wichtig sei, aber es nicht darum gehen solle, Personen zu verurteilen, nur weil sie eine andere Meinung vertreten. Außerdem wurde von vielen Personen bemerkt, dass Diskussionen gerade in den Sozialen Medien sehr schnell hochkochen und das das nicht gut sei. 
Und jetzt stellt euch vor, diese Botschaften fast fünf Tage in unterschiedlichen Debatten zu hören. Ich finde es wichtig, dass sie ausgesprochen werden, aber mir fehlte auch etwas Abwechslung und die Leichtigkeit. 

Was ich damit meine: Autor:innen dabei zuzuhören, wie sie von ihren neuen Büchern vorschwärmen, von ihrem Schreiballtag erzählen. Autor:innen, die im Rahmen einer Veranstaltung über verschiedene Themen sprachen. Aussteller, die Projekte vorstellten. Also eine Mischung aus verschiedenen Bereichen: Interviews, Diskussionsrunden, aber auch Kurzvorträge zu bestimmten Themen. Alles Veranstaltungsformate, die bei der Frankfurter Buchmesse eigentlich Standard sind, doch offenbar nur schwer ins hybride Format übertragen werden konnte. 

´Da ich meinen Terminplan irgendwann über den Haufen warf, weil sich für mich zu viel wiederholte, erzähle ich euch im folgenden Abschnitt nur von den Veranstaltungen, die mir besonders gut gefallen haben. 

Meine Messehighlights 2021 
Die Programmpunkte sind rein zufällig geordnet. Die Reihenfolge hat also keine bestimmte Priorität. 

Während zur Leipziger Buchmesse und zum Auftakt der lit.cologne der Deutsche Hörbuchpreis verliehen wird, gibt es im Rahmen der Frankfurter Buchmesse die hr2 Hörbuchnacht. Im hessischen Radiosender werden immer samstags ab 12:00 Uhr eine Stunde lang Hörbücher oder auch mal Hörspiele besprochen. Die Redaktion hat für die Hörbuchnacht eine kleine Auswahl zusammengestellt. Auf Twitter habe ich einen kleinen Liveticker veranstaltet. Die hr2 Hörbuchnacht wurde am 23. Oktober ab 20:04 Uhr im Radio ausgestrahlt. 

Ein großes Thema der Frankfurter Buchmesse war Rassismus. In einigen Veranstaltungen wurde von Rassismuserfahrungen erzählt. Durch Zufall entdeckte ich eine Veranstaltung mit dem Titel Erziehung zur Vielfalt. Hier erzählt Diversity Expertin Nkechi Madubuko wie man Kinder dabei unterstützen kann mit rassistischen Kommentaren oder Alltagsrassismus umzugehen. Es geht hier nicht darum, diese Kommentare zu verharmlosen. Soweit ich es verstanden habe, steht im Mittelpunkt den Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich zu signalisieren, dass es zwar Menschen gibt, die sie nur auf ein bestimmtes Merkmal reduzieren, aber die Mehrheit sie als Menschen mit all ihren Fähigkeiten sieht und wahrnimmt. Schaut euch das verlinkte Video unbedingt an. 

Eine Radiosendung, die ich immer wieder gern verfolge ist das Tischgespräch von WDR 5. Dort werden Leute aus verschiedenen Branchen interviewt. Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse nahm Elke Heidenreich am Tisch Platz. Den Beitrag könnt ihr euch unter diesem Link anschauen. 
Bei Twitter habe ich spontan beschlossen, von der Veranstaltung zu berichten. Hier gibt es meinen Liveticker

Durch Zufall fand ich heraus, dass der Verband deutscher Schriftsteller:innen ebenfalls Veranstaltungen im Rahmen der Frankfurter Buchmesse geplant hat. Der Verband war live vor Ort und streamte die Veranstaltungen auf dem eigenen Twitch Kanal. Dort können die Livestreams noch zwei Wochen lang nachgeschaut werden. 
Ich habe mir einen Livestream zum Thema Agentur- und Verlagsverträge angeschaut. Hier wurde der Rechtsanwalt Tobias Kiwitt interviewt. Auch auf vorherigen Buchmessen hat er bereits über das Thema Verlagsverträge referiert. In meinem Liveticker auf Twitter, habe ich nur den Teil mit den Agenturverträgen dokumentiert, da mir dieser Teil neu war. Das ist ca. die erste halbe Stunde des Livestreams. 

Sehr spannend fand ich die Diskussion zum Thema Schreiben und Cancel Culture, die auf der ARD Buchmessenbühne stattfand. Die Diskussion könnt ihr euch unter diesem Link anschauen. Toll fand ich, dass sich die Teilnehmenden nur sehr selten unterbrochen haben. Spannend fand ich die Positionen und die dazugehörigen Argumente. Spontan habe ich wieder einen Liveticker bei Twitter veranstaltet, bin aber nicht immer ganz mitgekommen. 

Parallel zur Frankfurter Buchmesse findet auch das Literaturfestival open books statt. Dort ging es an einem Abend ebenfalls um das Gastland Kanada. Drei Autor:innen stellten in einer Abendveranstaltung ihre Bücher vor. Es gab jeweils kurze Lesungen aus den Büchern und Interviews. Leider scheint es die Titel noch nicht als Hörbücher zu geben. Das Video könnt ihr euch unter diesem Link anschauen. 

Durch Zufall erfuhr ich das die Autorin Adriana Popescu am Freitag Abend auf dem Booktube Kanal Herz auf der Zunge von Eva in Form eines Livestreams zu Gast war. Die Autorin sprach mit Eva und Basti von BelletristikBasti nicht nur über ihren aktuellen Jugendroman Wie ein Schatten im Sommer. Es gab eine bunte Mischung aus verschiedenen Themen, wie Themen zum Buch, den Alltag als Autorin, Castingshows. Ihr lest: Neben den ernsten, aber auch wichtigen Themen gab es immer wieder lustige Momente. 
Zudem kamen die zuschauenden Personen immer wieder zu Wort. Ich war im Chat recht aktiv und habe mich sehr über diesen tollen Livestream gefreut. Insgesamt wurden fast vier Stunden gestreamt. Die letzten Minuten fehlen mir noch. Die werde ich vermutlich noch nachschauen. Falls ihr Zeit und Lust habt, könnt ihr den Livestream unter diesem Link, entweder am Stück oder vielleicht auch in Etappen nachschauen. 

Eines meiner Highlights war auch ein einstündiges Interview mit Volker Kutscher, dem Autor der Gereon-Rath-Reihe. Hierbei handelte es sich um eine Aufzeichnung für eine Radiosendung, die am Sonntag den 24. Oktober ausgestrahlt werden sollte. Soweit ich das überblicke, soll der Podcast hier online gehen. 
Wahrscheinlich könnt ihr es euch denken. Genau, auch zu dieser Veranstaltung gab es einen Liveticker von mir. 

Die ARD hat alle Veranstaltungen, die im Rahmen der ARD Buchmessenbühne stattfanden, in dieser Mediathek zusammengestellt. Ich wünsche euch also viel Spaß beim stöbern. 

Die Stimmung
Da ich die Frankfurter Buchmesse nur online verfolgt habe, kann ich über die Stimmung vor Ort nichts sagen. Was mir aber aufgefallen ist: Bei Twitter war unter dem #fbm21 kaum etwas los. Vielleicht hing es damit zusammen, dass die Zielgruppe auf Twitter die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr boykottierte, oder das nur wenige Leute digital an der Messe teilnehmen wollten und konnten. 

Insgeheim hatte ich gehofft, mich bei Twitter mit ein paar Literaturmenschen über die Frankfurter Buchmesse austauschen zu können. Stattdessen fand ich vor allem Tweets von Ausstellern. Da ich bei Präsenzmessen kaum aktiv auf Twitter sein kann, war ich ein bisschen enttäuscht, hoffe aber, dass es irgendwann wieder freudige Messetweets geben wird. 

Mein Fazit 
In diesem Jahr war ich positiv überrascht, wie gut das Veranstaltungsprogramm seitens der Frankfurter Buchmesse und der öffentlich-rechtlichen Sender organisiert war. Die Veranstaltungen waren leicht auffindbar. Bis auf einmal funktionierten die Livestreams sowohl über die Website der Buchmesse als auch über den YouTube Kanal der Buchmesse. 
Sowohl in den Livestreams bei YouTube als auch auf der Website der Frankfurter Buchmesse war beim jeweiligen Livestream eine Programmübersicht angegeben. Das ermöglichte einen schnellen Überblick und einen schnellen Raumwechsel, falls eine andere Bühne interessanter war. 
Besonders gefreut hat es mich, dass die Verlagsgruppe Penguin RandomHouse mit einer eigenen Veranstaltungsreihe an den Start ging. Das Programm hat mir wirklich gut gefallen und bot eine tolle Abwechslung. 

Dennoch habe ich den Eindruck, dass viele Aussteller kein Interesse haben, ein hybrides Angebot zur Verfügung zu stellen. Das meist gehörte Argument in diesem Zusammenhang ist, dass es offenbar kein Interesse an digitalen Angeboten gibt. 
Zum Vergleich: Im oben verlinkten Livestream mit Adriana Popescu waren im Schnitt 30-50 Leute für fast vier Stunden dauerhaft anwesend. Immer wieder kamen Gespräche im Chat zustande, was zeigt, dass die zuschauenden Personen auch Interesse an Interaktion hatten. Leute sind also durchaus in der Lage, länger am Bildschirm zu  sitzen, wenn das Programm interessant ist. Mehr dazu in meinem Artikel Buchmesse ist das, was wir daraus machen

Zusammenfassend lässt sich sagen: Sobald Präsenzmessen im vollen Umfang möglich sind, werde ich auch wieder vor Ort sein. Dennoch finde ich das digitale Angebot sehr bereichernd und hoffe, dass es in den nächsten Jahren ausgebaut und weiterentwickelt wird. 

Und Du? 
Hast Du die Veranstaltungen im Rahmen der diesjährigen Frankfurter Buchmesse verfolgt? 
Oder warst Du sogar in Frankfurt vor Ort? 

Erzähl mir gern von deinen Messeerlebnissen. 

Weitere Berichte: 
Vlog von Juli von Juli Bücher (Video). 
Vlog von Lea von Liberiarium

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