Montag, 22. März 2021

Die Mitternachtsbibliothek

Bild von Argon Verlag

Steckbrief 
Name: Die Mitternachtsbibliothek 
Autor*in: Matt Haig 
Verlag: Argon Verlag 
Geeignet für: Fans von Matt Haig, Leute, die auf der Suche nach Romanen mit einer tollen Botschaft sind 
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch 
Sprecher*in: Anette Frier 
Bewertung: 4 von 5 Punkten 

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen. 

Klappentext 

"Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können. Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?" 

Meine Meinung 
Ende letzten Jahres entdeckte ich den neuen Roman von Matt Haig in einigen Jahresrückblicken. ich war schon sehr gespannt, welche Geschichte uns der Autor diesmal erzählen würde. Leider bin ich ein klitzekleines bisschen enttäuscht. Warum? Das erzähle ich euch jetzt. 

Kommen wir zuerst zum Inhalt: Noras Geschichte beginnt wie bei einer typischen Heldenreise. Ihr gewohntes Leben wird auf einen Schlag auf den Kopf gestellt. Sie verliert alles, was ihr auf irgendeine Weise wichtig war und was sie am Leben erhalten hat. Als sie einen Suizidversuch begeht, landet sie schließlich in der Mitternachtsbibliothek und trifft eine alte Bekannte wieder. 

Matt Haig hat mit Nora eine spannende Protagonistin erschaffen, die durch die Mitternachtsbibliothek beginnt, sich mit ihrem Leben auseinanderzusetzen. Wer ist sie? Wer will sie sein? Und warum gab es in ihrem Leben so viele Chancen, die sie in diesem Moment nicht nutzen konnte? Gibt es vielleicht eine Möglichkeit ihr Leben in eine andere Richtung zu lenken ? 
Gemeinsam mit Nora probieren wir einige Leben aus, die sie hätte leben können. Dabei lernen wir nicht nur neue Seiten an ihr kennen, sondern entdecken vielleicht auch das ein oder andere über uns selbst. 

Die Mitternachtsbibliothek lebt vor allem durch die Charaktere. Allen voran Protagonistin Nora. Spannend fand ich vor allem, dass es Matt Haig geschafft hat, trotz der verschiedenen Leben in denen wir unterwegs sind, einen festen Stamm an Charakteren auftauchen zu lassen. So gab es immer ein paar Fixpunkte anhand derer ich mich in den verschiedenen Leben orientieren konnte. 

Was ich faszinierend an Matt Haigs Romanen finde, ist folgendes: Er erzählt Fantasy Romane, ohne wirklich Fantasy zu erzählen. Ja, ich weiß, das klingt ziemlich verwirrend. Nora reist von Leben zu Leben. Etwas, das ohne Fantasie gar nicht möglich wäre. Dennoch geht es in diesem Roman nicht um Elfen, zu rettende Fantasywelten, sondern vor allem um zwischenmenschliche Beziehungen und die Frage, wie man das eigene Glück im Leben finden kann bzw. ob es das Glück als solches überhaupt gibt. 

Die Botschaft, die in Die Mitternachtsbibliothek steckt, hat mir sehr gut gefallen und ich finde sie auch unglaublich wichtig. Nein, natürlich werde ich sie euch nicht verraten. Ihr sollt sie schön selbst entdecken. Dennoch fiel es mir etwas schwer, die Atmosphäre in dem Roman zu erfassen. Ich glaube, dass es ein bisschen mit der Hörbuchgestaltung zusammenhängen könnte. 

Bei der Hörbuchgestaltung gab es diesmal einige Veränderungen. Bisher sind Matt Haigs Titel entweder bei der Hörverlag, oder Der Audio Verlag erschienen. Doch Die Mitternachtsbibliothek fand ihr Zuhause im Argon Verlag. Der Argon Verlag produzierte den Titel sowohl in gekürzter als auch ungekürzter Form. Die haptische Form, die in einer schönen Digifile Hülle untergebracht ist, enthält leider nur die gekürzte Fassung. Da ich Hörbücher aber gerne im Regal stehen habe und mir zuvor nicht bewusst war, dass es auch eine ungekürzte Fassung gibt, ist somit die gekürzte Version bei mir eingezogen. Die ungekürzte Fassung ist ausschließlich als Download erhältlich. 
Der Unterschied von beiden Fassungen liegt vor allem in der Laufzeit. Die gekürzte Fassung dauert 6 Stunden und 46 Minuten, während die ungekürzte Fassung in 8 Stunden und 22 Minuten erzählt wird. Inzwischen haben die Hörbuchverlage bei Kürzungen viel dazu gelernt. Das heißt, sie werfen nicht einfach so Inhalt aus einer Geschichte heraus. 
Dennoch, und das mag vielleicht mehr subjektiv, als wirklich begründbar sein, hatte ich das Gefühl, dass mir durch die Kürzungen etwas von der Atmosphäre verloren ging. Gerade gegen Ende kam mir Noras Entwicklung etwas zu schnell. (Allerdings habe ich in einigen Buchrezensionen gelesen, dass es anderen Leser:innen ähnlich ging. Und im Buch steckt ja bekanntlich der gesamte Inhalt). 

Die zweite Veränderung ist die Besetzung der Sprecherin. Die meisten Hörbücher von Matt Haig werden von Christoph Maria Herbst gesprochen. Bei Die Mitternachtsbibliothek entschied sich der Argon Verlag aber für Anette Frier, die ich bisher vor allem als Moderatorin und Gast in verschiedenen Talkshows erlebt habe und sehr schätze. 
Sie hat eine angenehme Stimmfarbe, die mir den Einstieg in die Geschichte erleichterte und dafür sorgte, dass meine Aufmerksamkeit auch beim Hörbuch blieb. Es gab einige Szenen, in denen ich ihre Interpretation sehr stark fand. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir, die Szene, in der Nora auf einen Eisbären trifft. Anette Frier hat die Spannung und die Gefahr, die mit dieser Szene verbunden ist, sehr gut transportiert. 
Allerdings gab es auch Momente, in denen mir ihre Interpretation zu schlicht war, was dafür sorgte, dass ich Nora etwas verlor und nicht mehr so gut greifen konnte. Allerdings ist das Jammern auf sehr hohem Niveau. 

Was mir an Matt Haigs Schreibstil besonders gut gefällt ist, dass er wichtige Botschaften in fiktive Romane einbaut, ohne, dass diese Botschaften belehrend oder beeinflussend wirken. In jedem seiner Romane steckt ein Angebot, wie man das eigene Leben auch sehen kann. 
Dank seinen Beschreibungen konnte ich mir die Mitternachtsbibliothek sehr gut vorstellen. Wenn sie nicht mit einem traurigen Ereignis verknüpft wäre, würde ich eines Tages vielleicht gern selbst einmal dort landen. 
Immer wieder bin ich überrascht davon, dass Haig die richtige Mischung zwischen Inhalt zwischen den Zeilen erzählen und Inhalt aussprechen trifft, damit die eigentliche Botschaft des Titels nicht verloren geht. Nora hat hier sehr spannende Gespräche mit der Bibliothekarin der Mitternachtsbibliothek und lernt sich durch die Gespräche, die sie in den einzelnen Leben führt, ein bisschen besser kennen. 

Gesamteindruck
Die Mitternachtsbibliothek ist ein Roman, der für alle geeignet ist, die gelegentlich am Leben zweifeln und sich fragen, wohin das alles führen soll. Allerdings empfehle ich das Hörbuch vor allem in ungekürzter Form, damit ihr die Geschichte als Ganzes genießen könnt. 
Mir hat Noras Reise jedenfalls sehr gut gefallen. 

-----------------------------------------------------------------------------------------

Andere Meinungen 
Sabine von Buchmomente

Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar kostenlos vom Argon Verlag zur Verfügung gestellt. 

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Hinweis: Mit dem Abschicken Deines Kommentars akzeptierst Du, dass der von Dir geschriebene Kommentar und die personenbezogenen Daten, die damit verbunden sind (z.B. Username, E-Mailadresse, verknüpftes Profil auf Google/ Wordpress) an Google-Server übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhältst Du in der Datenschutzerklärung
Den Textbaustein habe ich von Pergamentfalter übernommen.