Montag, 25. Januar 2021

Moabit

Bild von Argon Verlag

Steckbrief 
Name: Moabit 
Autor*in: Volker Kutscher 
Verlag: Argon Verlag 
Geeignet für: Fans von Kurzgeschichten, Kutscher-Fans, Fans der Gereon-Rath-Reihe 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch 
Sprecher*innen: Karoline Herfurth, Marc Hosemann, David Nathan 
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 

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Klappentext 
(von Argon Verlag

"Berlin 1927: Charlotte Ritter genießt nach dem Abitur ihre frisch errungene Freiheit, gemeinsam mit ihrer Freundin Greta zieht sie nachts durch die Tanzlokale Berlins. Tagsüber lernt sie Schreibmaschine und Stenografie, denn ihr Studium wird sie sich selbst finanzieren müssen. Lottes Vater ist Gefängniswärter – ein einfacher, ehrlicher Mann, der seine Tochter unterstützt, wo er kann. Kein Wunder, dass es nicht spurlos an Lotte vorübergeht, als ihr Vater eines Tages in ein brutales Attentat im Moabiter Gefängnis verwickelt wird. Ein Vorfall, der ihr weiteres Leben prägt und der aus Lotte letzten Endes Charly macht.

Karoline Herfurth, David Nathan und Marc Hosemann lassen in ihrer Lesung von Moabit das vibrierende und schillernde Berlin der 20er Jahre authentisch auferstehen." 

Meine Meinung 
Es ist mir wirklich peinlich, wie lange dieses Rezensionsexemplar schon auf meinem Stapel ungehörter Hörbücher lag. Vor ein paar Wochen habe ich bemerkt, dass ich mir dringend die Folgebände der Rath-Reihe zulegen muss. Ich befürchtete nämlich, wenn ich Moabit hörte, ist die Lust auf die Reihe rund um den Berliner Kommissar groß. Ich sollte Recht behalten... 

Zum Inhalt möchte ich gar nicht viel erzählen, weil es sich hier um eine Kurzgeschichte handelt. Wir lernen Charly Ritters Familie kennen. Allen voran ihren Vater, der seine Tochter Lotte nennt und nichts von Charlottes zweitem Leben, dem Leben ahnt. 
Außerdem lernen wir einen Häftling kennen, der kurz vor seiner Entlassung steht. Doch dann passiert etwas, dass die Entlassung innerhalb weniger Sekunden aufs Spiel setzt. Mittendrin: Charlottes Vater. 

Ich habe mich tierisch gefreut, wieder literarisch in Berlin unterwegs zu sein und in dieser Kurzgeschichte auf altbekannte Charaktere zu treffen: Allen voran Charly Ritter. Ich fand es fast schade, dass es sich hier nur um eine Kurzgeschichte handelte. Zumal wir einem ziemlich offenem Ende begegnen. Ich hoffe sehr, dass dieser Fall in einem der weiteren Bände der Gereon-Rath-Reihe thematisiert wird. Ich habe nämlich noch einige Fragen, die es zu klären gibt. 
Volker Kutscher hat es innerhalb der kurzen Zeit geschafft, Handlungsstränge zu spinnen und mich neugierig auf mehr Informationen zu machen. 

Bei der Hörbuchgestaltung hat sich der Argon Verlag etwas Besonderes einfallen lassen: Der Titel wurde nicht nur ungekürzt produziert, sondern befindet sich auch in einer schön gestalteten CD Box. Womöglich werden einige von euch jetzt den Kopf schütteln und sich fragen, warum ein Hörbuch, das nur zwei CDs enthält eine ganze Box braucht. Außerdem passt die Box auch nicht so recht zu den anderen Bänden, die sehr schmal gehalten sind. Mir gefällt die Box aber sehr gut und ich fand es angenehm eine CD Box in den Händen zu halten, in der sich nicht gefühlt tausend CDs befinden. 
Da die Kurzgeschichte aus drei Perspektiven erzählt wird, haben wir hier auch drei Sprecher*innen mit an Bord. 
Der Häftling wird von Marc Hosemann interpretiert. Er hat eine recht helle Stimmfarbe, verleiht seiner Stimme aber einen harten Ton, der sehr gut zu dem Charakter gepasst hat, den er interpretiert hat. 
David Nathan schlüpft in die Rolle von Charlys Vater. Einem Mann, der sehr viel Wert auf Ordnung legt und Mühe hat, mit Fehlern umzugehen, oder diese zu verdauen. Genau das hat David Nathan in Worte fassen können. Somit zeigt er wieder einmal wie wandlungsfähig er ist. 
Charly Ritter wird von Karoline Herfurth interpretiert. Am liebsten würde ich die Perspektiven von ihr jetzt immer interpretiert von Karoline Herfurth hören. Sie hat es innerhalb kurzer Zeit geschafft, mir Charly Ritter näherzubringen und auch die zwei Welten in denen Ritter lebt, gut herauszuarbeiten. 

Immer wieder habe ich mich gefragt, ob ein Roman funktionieren könnte, wenn er aus verschiedenen Erzählperspektiven erzählt wird. Volker Kutscher hat mir diese Frage durch seinen Schreibstil mit dieser Kurzgeschichte unabsichtlich beantwortet. Er erzählt die Handlung aus der Sicht von drei verschiedenen Figuren, sondern nutzt dafür auch unterschiedliche Personen, sondern nutzt pro Perspektive auch unterschiedliche Personalpronomen. 
Die Perspektive des Häftlings ist aus der zweiten Person geschrieben. Die meisten Sätze beginnen also mit Du. Ich fand es ziemlich faszinierend, dass diese Perspektive funktioniert und es nicht gekünstelt oder holprig klingt. 
Die Perspektive von Charlottes Vater wird aus der Ich-Perspektive erzählt, was dafür sorgt, dass wir ihm als Charakter innerhalb kurzer Zeit sehr nah sind. 
Charlys Perspektive hingegen wird aus der dritten Person erzählt, einer Perspektive, die wir schon aus den Romanen der Gereon-Rath-Reihe kennen. 
Ich hatte keine Mühe, mich den unterschiedlichen Perspektiven anzupassen, was aber wahrscheinlich auch daran lag, dass alle Perspektiven von unterschiedlichen Sprecher*innen gelesen wurden. Mich hätte sehr interessiert, ob diese drei Erzählperspektiven auch innerhalb eines längeren Textes funktionieren würden. 

Gesamteindruck 
Das Hörbuch hat mir an sich sehr gut gefallen. Inhaltlich hat mich zwar das offene Ende der Kurzgeschichte genervt, aber ich habe die Hoffnung, dass wir irgendwann Antworten auf die noch offenen Fragen bekommen werden. 
Wer einen spannenden Krimi für zwischendurch sucht und herausfinden will, ob die Gereon-Rath-Reihe vielleicht eine passende Lektüre sein könnte, kann dieses Hörbuch dazu nutzen, um eine Protagonistin der Reihe kennenzulernen. 

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Dieses Hörbuch wurde mir vom Argon Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

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