Montag, 28. September 2020

Mathilda oder irgendwer stirbt immer

Bild von JUMBO Verlag

Steckbrief 
Name: Mathilda oder irgendwer stirbt immer 
Autor*in: Dora Heldt 
Verlag: JUMBO Verlag (Label GoyaLit) 
Geeignet für: Menschen, die Cosy Crime oder Familiengeschichten mit einer Prise schwarzer Humor und Spannung mögen 
Gelesen oder gehört: gehört, unklar, ob gekürzt oder ungekürzt 
Sprecher*in: Katja Danowski 
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten 

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Klappentext 
(von JUMBO Verlag

"Mathilda liebt ihr Dorf Dettebüll in Nordfriesland, seine Einwohner und ihre Familie. Naja, bis auf Ilse, ihre Mutter, vielleicht. Ilse ist - im Gegensatz zu Mathilda - eine Ausgeburt an Boshaftigkeit und Niedertracht. Veränderungen sind Mathilda ein Gräuel, und so kämpft sie seit vierzig Jahren um Harmonie in der Familie. Doch dann gerät Mathilda und mit ihr ganz Dettebüll in einen Strudel von Ereignissen, die den Frieden in ihrem Dorf gründlich aus den Angeln heben. Aus heiterem Himmel interessieren sich plötzlich Fremde für die endlosen Wiesen von Dettebüll. Unruhe macht sich breit unter der Dorfbevölkerung. Und noch bevor Mathilda sich auf all das einen Reim machen kann, gibt es die erste Tote: Ilse kommt bei einem tragischen Unfall (unter Einwirkung von Tiefkühlkost) ums Leben. Und sie wird nicht die einzige Tote bleiben ..." 

Meine Meinung 
Dora Heldt ist eine dieser Autorinnen, die mir gefühlt immer wieder begegnen. Ich wusste, dass sie Krimis schreibt, hatte bisher aber noch keinen ihrer Titel gehört. Als mir Mathilda oder irgendwer stirbt immer im Rahmen der letzten Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde, wusste ich, dass jetzt die Zeit gekommen ist, um einen Krimi der Autorin zu hören. 
Vorweg: Ich glaubte, eine ungefähre Vorstellung davon zu haben, was mich erwartete. Allerdings hatte ich dennoch keine bestimmten Erwartungen an den Titel. 

Der Inhalt ist solide und erinnert mich an das Genre Cosy Crime: Hier gibt es zwar einen Mordfall oder eine*n Tote*n, aber der Kriminalfall ist eher Nebensache. Im Mittelpunkt stehen die Charaktere und deren Beziehung zueinander. Hier gibt es zwar Tote, aber dennoch wird nicht versucht, aufzuklären, was zu den Umständen des Todes führte. Manchmal fand ich das ziemlich irritierend, weil Charaktere sterben, die im Roman sehr präsent sind und es offenbar niemanden gibt, der sich fragt, was zum Tod der Charaktere führte. 
Stellenweise blitzte beim ein oder anderen Todesfall auch ein bisschen schwarzer Humor auf, der mich an Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand erinnerte. 

Bei Mathilda oder irgendwer stirbt immer ist mir erstmals aufgefallen, wie wichtig der Titel eines Hörbuchs ist. Der Nebensatz oder irgendwer stirbt immer passt wunderbar, weil es hier einige Tote gibt. Allerdings finde ich nicht, dass Mathilda im Mittelpunkt der Handlung steht. Wir erleben den Roman aus verschiedenen Perspektiven. Wir lernen Charaktere kennen, die durchs Leben stolpern und ihren Weg noch nicht gefunden haben. Andere müssen erkennen, dass sie belogen wurden. Mathilda aber hält alles zusammen und versucht nicht nur Ordnung in ihre Familie, sondern auch in das Geschehen im Dorf zu bringen. 

Der Spannungsbogen ist geradlinig. Es gibt keine verstrickten Handlungsstränge, die uns Hörer*innen miträtseln lassen. Vielmehr können wir erahnen, welche Auswirkungen die ein oder andere Entscheidung unserer Charaktere für die Handlung hat. Wir begleiten sie dann dabei, wie sie sich in dem angerichteten Chaos zurechtfinden müssen. Das ist stellenweise sehr unterhaltsam. 

Das Hörbuch wurde im Hause JUMBO Verlag produziert. Was mir an der Hörbuchgestaltung sehr gut gefällt ist, dass zu Beginn jeder neuen CD angesagt wird, welche CD es ist. Wer kennt es nicht? Das Hörbuch ist auf den PC übertragen aber in der Hörbuchhülle herrscht das pure Chaos? Dank der Ansage auf welcher CD wir uns befinden, kann man gut den Überblick behalten, ohne die Beschriftung lesen zu müssen. 
Was mich bei den Titeln des Verlages aber immer etwas verwirrt: Für mich ist oft nicht klar erkennbar, ob es sich um gekürzte oder ungekürzte Titel handelt. Aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau und im Grunde ein echtes Luxusproblem. In diesem unabhängigen Hörbuchverlag warten definitiv viele spannende und sehr gut produzierte Titel auf euch. 

Das Hörbuch wird von Katja Danowski gelesen, der ich angehört habe, dass sie vermutlich gebürtig aus dem Norden kommt. Genau dieser sprachliche Flair passt wunderbar zu Mathilda oder irgendwer stirbt immer. Sie hat eine etwas tiefere Stimme, die mich ein bisschen an die Lesungen von Cornelia Funke erinnerte. 
Obwohl ich Katja Danowskis Stimmfarbe mochte, hatte ich bei ihrer Interpretation Mühe, die Nebencharaktere voneinander zu unterscheiden. Ich ertappte mich oft dabei, wie ich die Nebencharaktere miteinander verwechselte und nicht ganz verstand, in welcher Beziehung sie zu den Protagonist*innen standen. 

Dora Heldt schafft mit ihrem Schreibstil eine angenehme, gemütliche Atmosphäre, die mit einer Prise schwarzem Humor gewürzt ist, was sehr gut zur Handlung passt. Der schwarze Humor hat mich sogar etwas überrascht, weil ich nach den ersten zwanzig Minuten dachte, dass ich hier einen schönen, friedlichen Familienroman vor mir habe. 
Das Spannende an Dora Heldt Schreibstil fand ich, dass sie es schafft, die Handlung so zu erzählen, als würden sich unsere Charaktere schon ewig kennen. Mathilda oder irgendwer stirbt immer hätte für mich auch gut ein Teil einer Reihe sein können. Schön fand ich aber, dass ich dennoch nicht das Gefühl hatte, hier etwas verpasst zu haben. 

Gesamteindruck
Hier begegnet uns eine solide, teils spannende Familiengeschichte fürs Herz, die mir unterhaltsame Hörstunden beschert hat. Wer aber im Krimi Genre beheimatet ist und den Krimianteil an einem Hörbuch sucht, muss hier vergeblich warten. Dennoch hat mir die Handlung sehr gut gefallen. 

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Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt. 

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