Montag, 10. August 2020

Die Säulen der Erde (Band 1)

ACHTUNG: Der Klappentext enthält einen massiven Spoiler. Ich habe ihn der Vollständigkeit halbe aber dennoch in diese Rezension eingefügt. 

Bild von Lübbe Audio
Steckbrief 
Name: Die Säulen der Erde 
Autor*in: Ken Follett 
Verlag: Bastei Lübbe Audio bzw. Audible 
Geeignet für: Fans von historischen Romanen bzw. Leute, de sich für den Kathedralenbau interessieren 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch 
Sprecher: Tobias Kluckert 
Bewertung: 2,5 von 5 Punkten 

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Klappentext 

"England 1123-1173, eine Zeit blutiger Auseinandersetzungen zwischen Krone und Adel, Klerus und Volk. Der junge Prior Philip träumt von einem Zeichen des Friedens, von einer gotischen Kathedrale. Doch bis der kühne Traum Wirklichkeit geworden ist und in Kingsbridge das großartige Gotteshaus endlich emporragt, müssen der Klosterherr, sein Baumeister Tom und die Grafentochter Aliena sich in einem Kampf auf Leben und Tod gegen ihre Widersacher behaupten." 

Meine Meinung 
Die Säulen der Erde ist ein Roman, den offenbar viele kennen und der deswegen den Eindruck erweckt, dass er zu den Büchern bzw. Hörbüchern gehört, die man gelesen oder gehört haben muss. Zwei Bücherstammtisch Mitgliederinnen und ich haben uns drei Monate Zeit genommen das Buch zu lesen bzw. zu hören. Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt. Warum? Das erzähle ich euch jetzt. 

Die Handlung wird aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt. Da ich euch spoilern würde, wenn ich alle Personen aufzähle, beschränke ich mich vor allem auf den Mönch Philip und den Baumeister Tom, die beide davon träumen, eine Kathedrale für ein Kloster zu bauen.  Beide haben mit Herausforderungen zu kämpfen: Philip muss seine Stellung im Kloster behaupten und Tom muss seine Familie ernähren. Alles leichter gesagt, als getan. 

Was mich am Inhalt massiv störte, waren vor allem zwei Punkte: Erst einmal gab es viele Wiederholungen, was die Handlung betraf. Philip und Tom begannen damit, den Plan zum Bau einer Kathedrale in die Tat umzusetzen. Ihren Gegenspielern passte das nicht. Sie sorgten für eine Intrige, für die sich Philip und Tom natürlich rächen mussten. Dieses Muster wiederholte sich beinahe die ganze erste Hälfte des Hörbuchs und begann mich irgendwann zu langweilen. 

Außerdem schaffte es Ken Follett nicht, seine Figuren zu entwickeln. Die meisten von ihnen kennzeichneten sich vor allem durch eine Eigenschaft. Anstatt uns Hörer*innen daran teilhaben zu lassen, wie sie sich weiterentwickeln, oder sich dem auseinandersetzten, was sie erlebten, gab uns Ken Follett die Gefühle und Gedanken der Charaktere vor. Es wirkte so, als würde er uns von den Erlebnissen eines Bekannten erzählen. Im ersten Moment ist das natürlich spannend. Allerdings langweilte es mich schnell, weil ich weder die Handlung noch die Figuren auf irgendeine Weise entdecken konnte, sondern alles vorgekaut wurde. 

Die Spannung baute Ken Follett für mich durch einen interessanten Prolog auf, der darauf schließen ließ, dass die Figuren, die in diesem Prolog vorkamen, möglicherweise Protagonisten der Handlung sein könnten. 
Allerdings fehlte mir im restlichen Roman der Bezug zum Prolog. Dieser wurde gegen Ende noch einmal kurz erwähnt, so als wäre dessen Inhalt beinahe vergessen worden und müsste nur nochmal schnell aufgeklärt werden. Zudem verlor das, was im Prolog beschrieben wurde, für mich auch recht schnell an Wirkung. Der Prolog war also nun kein Geheimnis mehr, das es zu lüften gab, sondern eher etwas Austauschbares 

Obwohl es inhaltlich viele Wiederholungen gibt, war ich froh, dass Bastei Lübbe bei der Hörbuchgestaltung darauf geachtet hat, dass der Titel ungekürzt produziert wurde. So haben wir die Wahl, ob wir lieber eine gekürzte oder eben die vollständige Geschichte hören wollen. 
Das Hörbuch wird von Tobias Kluckert gelesen, dessen Stimmfarbe und Interpretation mir sehr gut gefallen haben. 
Der einzige Nachteil an der Gestaltung erlebte ich im Einsatz von Musik: Zu Beginn von jedem neuen Kapitel gab es eine kleine Melodie. Allerdings wurde diese Melodie manchmal auch innerhalb eines Kapitels eingesetzt, wenn entweder eine wichtige Entscheidung getroffen wurde, oder ein Perspektivenwechsel anstand. Hier hätte ich mir etwas mehr Struktur gewünscht, da es manchmal zu abrupten Perspektivenwechsel kam und eine kurze Melodie, welche eine neue Perspektive einläutet, wahrscheinlich eine schnellere Orientierung ermöglicht hätte. 

Diesmal war ich wirklich negativ überrascht, was Ken Folletts Schreibstil betrifft. Die Elemente, die mir bei der Jahrhundert-Saga so gut gefielen, nämlich eine gut verstrickte Handlung und tiefgründige Charaktere, fehlten hier. Zwischen den beiden Romanen lagen für mich Welten. 
Was mir aber an Die Säulen der Erde gefallen hat, waren de Dialoge. Sie waren lebendig und haben die Konflikte gut herausgearbeitet. 
Allerdings gab es auch ein Element mit dem mich Ken Follett überrascht hat. Und zwar werden im Laufe des Romans eine wichtige Perspektive durch eine neue Perspektive ersetzt. Mit diesem Wechsel hatte ich definitiv nicht gerechnet. 

Gesamteindruck
Schlussendlich muss ich aber sagen, dass ich mir mehr von dem Auftakt der Kingsbridge-Reihe erhofft habe. Ich bleibe daher etwas enttäuscht zurück. 
Wer historische Romane mag und kein Problem mit sich wiederholenden Handlungen und oberflächlichen Charakteren hat, sondern von Intrigen und vielleicht auch einem Kathedralenbau hören will, kommt bei Die Säulen der Erde definitiv auf seine Kosten. 

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