Sonntag, 12. Juli 2020

Die Sache mit dem Marketing

Schreibmaschine.
Ein eingespanntes Blatt auf
dem "Ge(h)schrieben" steht.
Bild von A. Mack
Hallo Buchlinge, 

wie ihr schon gemerkt habt, verschieben sich auch im Juli ein paar Artikel. Dennoch möchte ich heute die Gelegenheit nutzen, euch von meinen Gedanken zum Thema Buchmarketing zu erzählen. 
Was ich unbedingt betonen möchte: Ich habe keine professonelle Erfahrung mit Marketing. Das, was ich euch hier in diesem Artikel erzähle, ist lediglich meine eigene Meinung bzw. Wissen, das ich mir aufgrund von Recherche angeeignet habe. Dennoch hoffe ich, dass ihr etwas aus dem Artikel für eure Projekte mitnehmen könnt. 

Rentierfieber: Mein Kinderbuch 
Um meine Gedanken zum Thema Marketing besser nachvollziehen zu können, sollte ich euch wahrscheinlich erst einmal etwas über mein Weihnachtsbuch erzählen. Wie ihr an der Überschrift schon unschwer erkennen könnt, hat es inzwischen auch einen offiziellen Namen: Rentierfieber. Und darum geht's: 

»Du willst mir also sagen, dass all meine Rentiere in Wahrheit verzauberte Weihnachtsmänner sind?«

Als das Christkind Besuch vom Weihnachtsmann bekommt, erschrickt es. Der sonst so fröhliche Mann sieht müde aus und zeigt erste Anzeichen einer drohenden Rentierverwandlung. 
Um dieses Schicksal zu verhindern und Weihnachten zu retten, schickt ihn das Christkind zu den Menschen, um einen Nachfolger zu finden. 
Doch was er wirklich bei den Menschen entdeckt, ist noch viel wichtiger. 

Ihr lest: Es handelt sich um ein weihnachtliches Kinderbuch. Der Titel ist somit vor allem für Familien und Kinder geeignet. Außerdem ist das Kinderbuch ein Adventskalender. An jedem Tag kann ein Kapitel gelesen. Außerdem gibt es einen Prolog und zwei Kapitel für den ersten und den zweiten Weihnachtsfeiertag. Ein Adventskalender mit Jokern, falls ihr an einem Tag mehr lesen wollt. 

Marketing: Erste Schritte und Gedanken
Die Grundlage für meinen Artikel bietet ein Beitrag auf Buchvermarktung. Dort wird nicht nur erklärt, mit welcher Marketingformel eine Buchvermarktung geplant werden kann, sondern auch, wie die Formel auf das Buchmarketing angewendet werden kann. 

Marketing - ein Must have?
Viele Autor*innen scheuen sich vor dem Thema Marketing. Sie wollen schreiben - nicht mehr und nicht weniger. Wenn ihr also schon von vorne herein wisst, dass euch Marketing nicht groß interessiert bzw. liegt, gebt es am besten an Dienstleister*innen ab, oder an Leute, die Freude am Marketing haben und euch vielleicht auch unentgeltlich unterstützen. 
Allerdings gilt: Ihr braucht Marketing. Über den Umfang, oder damit verbundene Aktionen lässt sich streiten. Es stellt sich nämlich die Frage, wie Leser*innen eure Bücher finden sollen, wenn sie nicht wissen, dass es sie gibt. 
Ich habe häufig den Eindruck, dass viele Autor*innen glauben, dass Marketing viel mit Kommunikation und Organisation zu tun haben muss. Dabei können schon kleine Maßnahmen, wie beispielsweise eine auffindbare Autor*innenwebsite wichtig oder ausreichend sein. 

Wenn ich in meiner Funktion als Bloggerin Interviews mit Autor*innen führe, gehört es zu meiner Vorbereitung erst einmal die Autor*innenwebsite zu besuchen, um mich über die Autor*innen zu informieren. Je weniger Infos das Internet oder die Autor*innenwebsite hergibt, desto schwieriger wird es für mich, spannende Fragen zu stellen, die über die klassischen Interviewfragen hinausgehen. 
Der Schwerpunkt von diesem Beitrag liegt auf dem Buchmarketing. Wenn ihr euch einen Artikel zum Thema Autor*innenmarketing wünscht, gebt Bescheid und ich überlege mir was. 

Erster Schritt im Buchmarketing: Die Zielgruppe 
Damit ihr auch die Leute erreicht, für die euer Buch interessant sein könnte, ist es erst einmal wichtig, die Zielgruppe eures Buches zu bestimmen. Anhand des Klappentextes von Rentierfieber wird deutlich, dass meine primäre Zielgruppe Kinder sind. Mit Hilfe meiner Lektorin habe ich die Zielgruppe zwischen 8 - 10 Jahren eingeordnet. Nun ist es aber selten, dass Kinder in diesem Alter in eine Buchhandlung oder eine Bibliothek marschieren, mein Buch entdecken und sagen: Genau das will ich haben!  

Das heißt meine sekundäre Zielgruppe sind auch Eltern und Großeltern, die ihren Kindern oder Enkelkindern ein Buch für die Adventszeit schenken wollen. Das heißt, ich muss mir überlegen, an welchen Orten sich Eltern oder Großeltern bewegen. 
Da ich Rentierfieber im Selfpublishing veröffentliche, muss ich damit rechnen, dass meine Chancen, einen Platz im stationären Buchhandel zu bekommen, aufgrund der Vielzahl an Büchern eher gering sein wird. Natürlich werde ich ein paar Buchhändler*innen anschreiben, mich bei meinem Marketing aber nicht primär auf den stationären Buchhandel konzentrieren, sondern meinen Fokus auf das Onlinemarketing legen. 

Zurück zur Frage nach der Zielgruppe: Nun muss ich mich also fragen, wo sich Eltern oder Großeltern im Netz bewegen. Da kamen mir folgende Ideen: 

  • Social Media Kanäle 
Hier ist mir vor allem Twitter als geeignetes Netzwerk aufgefallen. In meiner Timeline befinden sich einige (alleinerziehende) Mütter, die nicht nur von ihrem Familienalltag, sondern zum Teil auch von den Schwierigkeiten als Alleinerziehende berichten. 
Außerdem erlebe ich, dass auch bei Facebook immer mehr ältere Nutzer*innen sind. 

  • Eltern- bzw. Familienblogs 
Diese Option entpuppte sich als ziemlich schwierig. Zum einen musste ich mich in ein neues Themengebiet einarbeiten und zum anderen stellte sich heraus, dass in der Eltern- / Familienblog Branche sehr viel über bezahlte Kooperationen läuft. Das ist für mich natürlich vollkommen nachvollziehbar, aber aufgrund eines kleinen Budgets leider nicht machbar. Ich habe mir hier also nur zwei Blogger*innen herausgeschrieben, die möglicherweise auch an unentgeltlichen Kooperationen interessiert sein könnten. Die Preise pro Beitrag bewegten sich zwischen 500 - 1.000 Euro.  

  • Kinderbuchblogs 
Wer Kinderbücher im Internet sucht, wird zwangsläufig über Buchblogger*innen stolpern. Hier habe ich mich auf die Blogs spezialisiert, die ausschließlich Kinderbücher besprechen, oder eine größere Reichweite haben. 

Zweiter Schritt: Das Marketingbudget 
Selfpublisher*innen kennen das wahrscheinlich: Schon allein die Herstellung des Buches geht ziemlich ins Geld. Schließlich müssen Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Cover und ggf. der Distributor finanziert werden. Bevor ihr euch also Gedanken um Marketingaktionen macht, solltet ihr erst einmal überlegen, welches Budget euch zur Verfügung steht. 
Falls ihr euch jetzt fragt, warum ihr überhaupt Geld für Marketing ausgeben sollt bzw. wofür ihr das Geld einsetzt: Ihr könnt Blogger*innen Rezensionsexemplare anbieten. Diese Exemplare finanziert ihr aber selbst. Oder ihr könnt eine bestimmte Anzahl eurer Bücher verlosen. 

Wie finde ich die geeignete Marketing Aktion? 
Ich persönlich glaube nicht, das es diese eine, geeignete Marketingaktion gibt. Die geeignete Aktion hängt aus meiner Sicht vor allem davon ab, ob sie zu euch, eurem Buch und eurer Zielgruppe passt. 
Was nutzt euch ein Social Media Kanal, wenn ihr ihn nicht benutzt? Was nutzt euch eine schöne Aktion, wenn sie eure Zielgruppe nicht erreicht? Und wie soll eine Aktion funktionieren, wenn sie euch im Grunde gar nicht liegt? 

Ihr solltet euch also fragen: 
  • Was bereitet euch Freude? 
  • Wo seht ihr eure Stärken / Schwächen? 
  • Wo bzw. wie erreicht ihr eure Zielgruppe?
  • Gibt es einen bestimmten Zeitraum an dem eure Aktion am besten geeignet ist? 
Was mir liegt, sind vor allem schriftliche Aktionen oder schriftliche Kommunikation. Ich sehe also kein Problem darin, Kooperationspartner*innen anzuschreiben und ihnen Rentierfieber bzw. meine Ideen vorzustellen. 
Wenn es aber um visuelle Aktionen geht, wie beispielsweise eine Lesung organisieren, oder einen Livestream koordinieren, komme ich hingegen an meine Grenzen. 
Meine Lösungen? Eine Bekannte von mir liest sehr gut und gerne. Sie wird uns wenn alles gut geht, eine Hörprobe von Rentierfieber einlesen. 
Wenn ich bei einem Livestream eine*n Gesprächspartner*in habe, sehe ich kein Problem. Mein Gegenüber kann dann den Chat im Blick behalten und da wir zu zweit sind, gibt es immer etwas zu erzählen. 

Die Frage, wie ich meine Zielgruppe erreiche, habe ich weiter oben schon beantwortet. Es geht hier vor allem darum, die eigenen Interessen mit den Interessen der Zielgruppe zu verbinden. Was bringt es mir, wenn mein Kinderbuch von einem*r Blogger*in rezensiert wird, die hauptsächlich Thriller liest? Die Chance, dass unter ihren Follower*innen Fans von Kinderbüchern sind, ist relativ gering. 

Die Frage nach dem geeigneten Zeitpunkt zur Durchführung der Aktion hängt nicht nur vom Inhalt eures Buches ab. Ich habe mir sagen lassen, dass es gerade in den Monaten der Buchmessen, also Mitte / Ende März oder Mitte / Ende Oktober sowohl mit Aktionen als auch mit den Buchveröffentlichungen schwierig ist, weil der Fokus vor allem auf den Buchmessen liegt. Blogger*innen und Buchhändler*innen sind mit Messe Vor- und Nachbereitungen beschäftigt. 

Wenn ihr einen Roman geschrieben habt, der zu einer bestimmten Jahreszeit spielt, oder der bestimmte Feste thematisiert, bietet es sich an die Aktionen kurz vor Beginn der Feste bzw. vielleicht auch während der Jahreszeit zu starten. 
Mein Kinderbuch ist ein Adventskalender. An jedem Tag kann ein Kapitel gelesen werden. Das heißt, meine Zielgruppe sollte das Buch am besten zum ersten Dezember besitzen. Das heißt meine Marketingaktionen müssen Mitte oder Ende November starten und je nachdem, was ich plane, entweder Anfang Dezember enden oder dann den Höhepunkt finden. 

In der Überschrift frage ich, welche Aktionen geeignet sind. Ich habe euch aber überhaupt nicht erzählt, welche Aktionen überhaupt möglich sind: 

  • Blogtouren 
Blogtouren finden meist eine Woche lang auf verschiedenen Blogs statt. Die Blogger*innen verlinken die Beiträge der Blogger*innen, die vor oder nach ihnen dran kommen, damit die Follower*innen keinen Beitrag verpassen. Die Blogger*innen gestalten ihre Artikel selbst. Wenn ihr aber schon konkrete Ideen habt, was zu eurem Buch passen könnte, könnt ihr das auch kommunizieren. Seid aber auch offen für die Ideen der Blogger*innen. 
Im Rahmen einer Blogtour kann es Leseproben, Autor*inneninterviews oder Vorstellungen unterschiedlicher Themenbereiche geben. 
Allerdings habe ich erfahren, dass sich viele Blogger*innen von den Blogtouren ein Stück weit gesättigt fühlen, weil eine Blogtour eine Art Standardaktion ist. Ich persönlich denke aber, dass es von der Art der Blogtour bzw. der Kreativität der einzelnen Blogger*innen abhängt, wie gut eine Blogtour ankommt. 

  • Lesungen 
Wenn ihr gerne vorlest und sich eure Zielgruppe an einem bestimmten Ort einfindet wie Gemeindezentren, Schulen, Kindergärten, sind Lesungen eine gute Möglichkeit euer Buch regional bekannt zu machen. Hier müsst ihr euch aber überlegen, wie ihr mit der Honorarfrage umgeht. Besteht ihr auf ein Honorar? Oder reicht es euch beispielsweise, wenn euch kostenlos ein Veranstaltungsort zur Verfügung gestellt wird wie z.B. die Räumlichkeiten eines Gemeindezentrums? 

  • Challenges 
Challenges bieten sich vor allem für Social Media Kanäle an. Eine Challenge kann beispielsweise das Nachstellen des Buchcovers, oder das Posten der Lieblingszitate sen. Hier solltet ihr aber einen gemeinsamen Hashtag festlegen, damit alle Beiträge unter einem Hashtag auffindbar sind. 
Es könnte sich anbieten, die Challenge mit einem Gewinnspiel zu koppeln. Allerdings müsst ihr hier aufpassen, was die Teilnahmebedingungen betrifft. Ich habe irgendwo - leider fehlt mir gerade die Quelle - gelesen, dass nur bestimmte Teilnahmebedingungen erlaubt sind. 

  • Leserunden 
Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Onlineaktion. Ihr stellt einer bestimmten Anzahl an Leser*innen kostenlos jeweils ein Exemplar eures Buches zur Verfügung. Ihr einigt euch dann auf eine Plattform in der sich die Leser*innen zu eurem Buch austauschen können. Der Vorteil an Leserunden: Ihr bekommt direktes Feedback von eurer Zielgruppe. Außerdem könnt ihr auf Fragen reagieren. 

  • spezifische Aktionen, die zu eurem Buch passen 
Je nachdem, um was es in eurem Buch geht, bietet sich vielleicht auch eine spezifische Aktion an. Euer Buch spielt an einem bestimmten Schauplatz in eurer Nähe? Ihr könntet eine Führung organisieren oder eine Lesung an diesem Ort veranstalten. Euer bzw. eure Protagonist*in kocht gerne? Ihr könntet Rezepte von Gerichten vorstellen, die in dem Buch eine Rolle spielen. 
Es ist schwer hier konkrete Vorschläge zu erarbeiten, da diese vor allem von eurem Roman und eurer Kreativität abhängen. 

Wie finde ich geeignete Blogger*innen oder andere Kooperationspartner*innen? 
Die Frage nach geeigneten Blogger*innen hängt zum einen vom Inhalt eures Buches und zum anderen von der Marketingaktion ab, die ihr euch vorstellt. Hier ist es besonders wichtig, dass ihr die Blogs aufmerksam lest. Die meisten Blogger*innen machen nämlich transparent, welche Genres sie hauptsächlich oder gar nicht lesen. Außerdem haben einige Blogger*innen besondere Aktionen, in denen sie Selfpublisher*innen vorstellen, oder lehnen die Zusammenarbeit mit Selfpublisher*innen ab. 

Besonders wichtig ist: Akzeptiert das, was auf den Blogs steht und versucht nicht, den / die Blogger*in von eurem Buch zu überzeugen. Das kostet euch nur unnötig Energie, die ihr auch darin investieren könntet eine*n Blogger*in zu finden, die zu eurem Projekt oder eurer Aktion passt. 

Ich habe mir zuerst überlegt, welche Marketing Aktionen ich gerne machen möchte und dann geschaut, zu welchen Blogger*innen die Aktionen passen könnten. 
Bei einer Zitate Aktion, die auf Twitter stattfinden soll, setze ich beispielsweise voraus, dass die Blogger*innen Twitter auch als eigenständiges Medium nutzen und nicht nur Links zu Instagram Posts, oder eigenen Blogbeiträgen teilen. 
Wenn ich eine Aktion plane, auf der ein Cover nachgestellt werden soll, auf dem eine Person zu sehen ist, ist es von Vorteil, wenn die Bookstagrammer*innen kein Problem damit haben, Selfies von sich zu veröffentlichen. Das lässt sich schnell herausfinden, in dem man sich durch die Instagram Profile der Blogger*innen scrollt. Übrigens: Ein weiteres Kriterium bei Instagram war für mich auch, ob die Blogger*innen in ihrem Profil eine eigene E-Mailadresse zur Kontaktaufnahme angegeben haben. Ich persönlich finde es nämlich sehr unpraktisch Rezensionsanfragen über Social Meda Kanäle zu bekommen und würde deswegen auch nie andere Blogger*innen in einer Direktnachricht fragen, ob sie mein Buch besprechen wollen. 

Und Du? 
Hast Du bereits Erfahrungen mit Buchmarketing gemacht und möchtest sie mit uns teilen? 
Gibt es Marketingaktionen, die Dir in Deiner Funktion als Blogger*in oder Autor*in besonders gut bzw. nicht gut gefallen haben? 

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