Montag, 13. Juli 2020

Das Lied der Krähen (Hörbuch)

Buchlinge, hierbei handelt es sich um meine Rezension zur Hörbuchfassung von Das Lied der Krähen. Mir hat der Titel leider nicht so gut gefallen. Falls ihr aber absolute Fans des Reihenauftaktes seid und euch gerne mit einer anderen Liebhaberin über die Geschichte austauschen wollt, empfehle ich euch Isonas Rezension

Bild von Audiobuch Verlag
Steckbrief 
Name: Das Lied der Krähen 
Autor: Leigh Bardugo
Verlag: Audiobuch Verlag
Geeignet für: Fantasy Fans
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Frank Stieren
Bewertung: 3 von 5 Punkten

Klappentext 
(von Audiobuch Verlag)

"Ein Dieb, der die unwahrscheinlichsten Auswege entdeckt. Eine Spionin, die nur "der Geist" genannt wird. Ein Verurteilter mit einem unstillbaren Verlangen nach Rache. Eine Magierin, die ihre Kräfte nutzt, um in den Slums zu überleben. Ein Scharfschütze, der keiner Wette widerstehen kann. Ein Ausreißer aus gutem Hause mit einem Händchen für Sprengstoff. Höchst unterschiedliche Motive treiben die sechs »Krähen« an, die einen gefährlichen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt befreien sollen. Nicht nur Kaz Brekker, Meisterdieb und Mastermind, verheimlicht mehr als nur seine Gefühle für die schöne Inej vor den anderen. Und natürlich steckt weitaus mehr hinter dem Auftrag, als die "Krähen" ahnen können …"

Meine Meinung 
Bei diesem Titel handelt es sich um eine unserer Bücherstammtisch Lektüren. In regelmäßigen Abständen lesen wir gemeinsam ein Buch, das per Abstimmung gewählt wird. Wir haben ein paar echte Leigh Bardugo bzw. Six of Crows Fans in unseren Reihen, sodass die Freude groß war, als wir uns für diesen Reihenauftakt entscheiden haben. Ich war neugierig darauf, was den Stammtisch Mitglieder*innen an diesem Titel gefällt und musste leider erkennen, dass mich die Handlung nicht ganz überzeugen konnte. 
An dieser Stelle weise ich darauf hin, dass meine Rezension spoilerfrei ist. Dennoch hatte ich während des Hörens zwei Vermutungen, wie die Handlung weitergehen könnte. Diese Vermutungen werde ich mit euch teilen. 

Der Inhalt ist schnell erzählt: Der berüchtigte Bandit Kaz bekommt einen lukrativen Auftrag. Er soll einen Wissenschaftler aus einem sehr gut bewachten Gefängnis befreien. Wenn ihm das gelingt, bekommt er eine hohe Belohnung. Diesen Auftrag schlägt er natürlich nicht aus und heuert dafür seine besten Leute an. 

Das Problem an dem Inhalt war, dass ich wusste, dass es sich hier um einen Reihenauftakt handelte. Ich hatte also zwei Vermutungen, wie die Handlung verlaufen würde: Entweder Kaz und seine Leute erfüllen den Auftrag und reiten sich damit aber in enen größeren Konflikt hinein. Oder er und seine Leute werden gefasst und müssen sich im Folgeband aus dem Gefängnis befreien. Egal, wie es kommen sollte, ich befürchtete, dass mich ein offenes Ende erwartete. 

Was mich zudem störte war, dass die Handlung auf dem, für Fantasyromane typischen, Gut-Böse-Konflikt aufbaut. Die Guten versuchen den Bösen zu schaden. Es lässt sich erahnen, dass die Bösen das nicht gerade toll finden und sich rächen werden. Außerdem müssen teils verfeindete Gruppen zusammenarbeiten. 
Was mich auch überraschte war, dass ich einige Handlungsstränge erraten habe. Das nahm für mich ziemlich viel Spannung heraus. 

Womit mich Leigh Bardugo aber packen konnte, waren die Charaktere von Das Lied der Krähen. Alle haben eine Schwäche oder eine Herausforderung, der sie sich im Laufe der Handlung stellen müssen und aus der sie im Idealfall reifer hervorgehen. Es war für mich spannend zu hören, wie Leigh Bardugo die Konflikte aufbaut und wieder entwirrt. 

Wir haben vier Protagonist*innen aus deren Perspektiven die Handlung erzählt wird. Und zwar: Kaz, Inej, Nina und Matthias. 
Anführer Kaz wittert nicht nur Ehre und Reichtum, sondern will sich mit dem Auftrag auch an seinem Erzfeind rächen. Vor vielen Jahren wurde ihm nämlich etwas Schlimmes angetan. Kaz hat ein verletztes Bein und trägt deswegen immer einen Stock bei sich, den er gelegentlich auch als Waffe einsetzt. 

Inej wird von allen nur das Phantom genannt, weil sie sich lautlos anschleichen und somit ziemlich gut spionieren kann. Sie ist darauf trainiert sich bedeckt zu halten und in der Masse unterzugehen. Diese positive Eigenschaft kann sich auch sehr schnell umkehren. Inej muss sich fragen, ob sie die Rolle des Phantoms wirklich glücklich macht. 

Nina ist eine Magierin und wird in Das Lied der Krähen als Grisha bezeichnet. An dieser Stelle befürchtete ich kurz, dass ich zuerst die Grisha-Reihe hören müsste, um den Inhalt von Das Lied der Krähen zu verstehen. Das ist zum Glück nicht so. Nina hat sich bisher mehr schlecht als recht durchs Leben geschlagen und versucht mit ihrer Magie dort zu helfen, wo sie gebraucht wird. Einst lud sie große Schuld au sich. Dieses Ereignis holt sie nun wieder ein und sie muss sich schlimmen Vorwürfen stellen. 

Auch Matthias, ein begabter Soldat, ist auf Rache aus. Er wurde nämlich verraten, was für ihn eine lange Zeit im Gefängnis bedeutete. Kaz braucht ihn, weil Matthias wichtige Informationen hat, die ihm nutzen könnten. Matthias behagt es aber gar nicht, mit Nina zusammenarbeiten zu müssen. Schließlich hat er schon früh gelernt, dass Grishas gefährlich und böse sind. Wird sich dieses Bild im Laufe der Handlung ändern? 

Aber auch die beiden Nebencharaktere Jasper und Wylan haben es in sich. 
Jasper ist ein hervorragender Schütze, den man für jeden Angriff gebrauchen kann. Doch auch er hat ein Geheimnis, das ihm sehr unangenehm wird. Die Belohnung, die Kaz ihm verspricht, kommt wie gerufen um die Probleme aus dem Weg zu räumen. 
Wylan ist der perfekte Zeichner und Jaspers treuer Gefährte. Doch auch er hat eine Schwäche, die besser unentdeckt bleiben sollte. Ob er damit durchkommt? 

Interessant und gleichzeitig auch etwas ungewöhnlich fand ich, dass in diesem Fantasyroman das Thema Behinderung viel Raum einnimmt. Kaz macht sein Bein immer wieder Probleme. Auch andere Charaktere haben ein Suchtproblem bzw. eine andere Behinderung, die ich aus Spoilergründen leider nicht verraten kann. Wir erfahren hier, mit welchen Tricks die Charaktere versuchen, ihre Behinderungen zu verbergen und an welche Grenzen sie immer wieder stoßen. 
Besonders schön fand ich aber, dass die Charaktere nicht aufgrund ihrer Behinderung im Vordergrund standen. Sie hatten auch wichtige Stärken, die ihnen im Alltag helfen. 

Der Spannungsbogen konnte mich, wie bereits erwähnt, nicht ganz überzeugen, da mich der Grundkonflikt der Handlung nicht interessierte und mir einige Wendungen zu offensichtlich waren. Was ich aber spannend fand war die Entwicklung unserer Charaktere. 

Was die Hörbuchgestaltung betrifft, war ich positiv überrascht. Das Hörbuch ist als ungekürzter Titel beim Audiobuch Verlag erschienen. Der Audiobuch Verlag ist ein kleiner unabhängiger Verlag aus Freiburg. Ich hatte bei einem Titel von Leigh Bardugo damit gerechnet, dass er eher von einem Konzern übernommen wird und habe mich sehr gefreut, dass der Audiobuch Verlag das Hörbuch produzieren konnte. 
Das Hörbuch wird von Frank Stieren gelesen, dessen Stimmfarbe mir auf Anhieb gefiel. Er hat eine tiefe, angenehme Stimme und schafft es, die Charaktere anhand kleiner Details gut voneinander zu unterscheiden. Unfreiwillig komisch fand ich seine Aussprache von Kaz, weil es hier und da wie Käs klang. Aber das hat mich nicht vom Inhalt abgelenkt, sondern mich hier und da zum schmunzeln gebracht. 

Legh Bardugo hat einen angenehmen, lebendigen Schreibstil, der ebenfalls dafür gesorgt hat, dass ich den Titel nicht abgebrochen habe. Ich konnte mir die Orte, an denen wir uns befanden bildhaft vorstellen. Zudem wurden auch die inneren und äußeren Konflikte gut und glaubhaft aufgebaut und herausgearbeitet. 

Gesamteindruck
Wenn ihr zu den Fantasy Liebhaber*innen gehört und eine neue Reihe sucht, ist Das Lied der Krähen definitiv ein Hörbuch, das ihr euch genauer anschauen solltet. Leigh Bardugo erschafft hier nicht nur spannende Charaktere, sondern entführt uns auch in eine fantasievolle Welt. 

Kommentare:

  1. Hallo Emma

    Das Buch habe ich im letzten Jahr auch gelesen, nachdem alle so davon geschwärmt haben. Du bist wohl eine der wenigen Ausnahmen, die sich ein bisschen kritischer zu der Geschichte äussern - und das gefällt mir. Ich hatte nämlich nach dem Lesen auch irgendwie mehr erwartet und die Story konnte mich nicht vollends überzeugen.
    Ich habe die Grisha Reihe auch erst danach gelesen und die hat mir überraschenderweise besser gefallen, obwohl die Krähen-Reihe deutlich bessere Bewertungen von den meisten Leser*innen bekommen hat :D

    Wirst du die Fortsetzung denn trotzdem noch hören?

    Liebe Grüsse
    Mel

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    1. Hi Mel,
      bitte entschuldige meine späte Antwort. Vielen Dank für Deinen Besuch und DEinen Kommentar. Ich bin gerade sehr froh, dass ich nicht die Einzige bin, die den Krähen nicht so viel abgewinnen konnte. Ich habe bisher auch eher Schlechteres von der Grisha-Reihe gehört. Da ich allgemein sehr selten Fantasy höre, werde ich wohl nicht zu der Reihe greifen. (Außer natürlich ich werde im Rahmen des Bücherstammtisches dazu gezwungen :) Allerdings hoffe ich, dass wir bald Titel außerhalb der Fantasy lesen).

      Ob ich mit den Krähen weitermachen werde, weiß ich noch nicht. Die Charaktere mochte ich echt gern, aber ich habe momentan Hörbücher, die mich mehr interessieren, bzw. die ich auch aufgrund von Rezensionsexemplaren dringender hören sollte.

      viele Grüße

      Emma

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    2. Ach, zwei Tage sind doch nicht spät, ich brauche oft viel länger zum Antworten :))

      Nicht viel abgewinnen ist vielleicht zu viel gesagt, aber ich war auf jeden Fall nicht so hin und weg, wie die meisten anderen Leser*innen. Ich fand das Buch ... okay. Mehr nicht.

      Wenn du aber selten Fantasy hörst, dann würde ich dir die Grisha Reihe auch nicht empfehlen. Ich fand sie ganz unterhaltsam, wenn auch mit kleineren Schwächen :)

      Kann ich verstehen, falls du den zweiten Teil jemals hören solltest, bin ich gespannt auf deine Meinung. Beim zweiten Teil hatte mich die Geschichte ein bisschen verloren.

      Liebe Grüsse

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Den Textbaustein habe ich von Pergamentfalter übernommen.