Freitag, 3. Juli 2020

Hörmonat Juni 2020

Hallo Buchlinge, 
diesmal fällt men Hörmonat etwas kürzer aus, da ich im Juni nur zwei Titel beendet habe. Deswegen erzähle ich euch außerdem von den Titeln, die ich im Moment höre. Ich wünsche euch gute Unterhaltung. 

Podcast Folge direkt bei YouTube hören. 



Erwähnte Hörbücher und Hörproben: 
Dachdecker wollte ich eh nicht werden - Hörprobe 
Die Hörprobe zu Reckless ist auf der Verlagsseite leider nicht verlinkt. 

Und Du? 
Welche Hörbücher oder Bücher hast Du im Juni beendet? 
Kennst Du einige der Titel, über die ich gesprochen habe? 


Mittwoch, 1. Juli 2020

Zurückge(h)blickt Juni 2020

Der blühende Baum
und ein Fahrrad, 
das darunter steht. 
Foto: A. Mack

Der Juni ist vorbei und inzwischen ist der Sommer eingekehrt. In einigen Bundesländern haben die Sommerferien bereits begonnen. Hier in Baden-Württemberg müssen wir noch ein bisschen warten. 

Im Juni habe ich sehr viel organisiert und bin nur wenig zum lesen bzw. Hörbuch hören gekommen. Dennoch will ich wieder auf den vergangenne Monat zurückblicken und euch nicht nur erzählen, mit welchen Hörbüchern ich den Monat verbracht habe, sondern auch die ein oder andere erfreuliche Nachricht mit euch teilen. 

Beendet - Die Statistik 
Gelesene / gehörte Zeit: 1 Tag 16 Stunden 44 Minuten 
Gelesene Seiten: 2 Seiten 
Beendete Hörbücher: 2 Hörbücher 
Ich lese / höre gerade: 
0711ove stories Episode 2: Viktor und Paula von Adriana Popescu (eBook) 
Die Säulen der Erde von Ken Follett (Hörbuch) 
Reckless - Goldener Garn (Band 3) von Cornelia Funke (Hörbuch) 

Neuzugänge: 
Das Gegenteil von Hasen von Anne Freytag 
*Niemals (Band 2) von Andreas Pflüger 
*Geblendet (Ban 3) von Andreas Pflüger 

Beendet - Die Geschichten 
Diesmal fällt dieser Abschnitt etwas kurz aus Ich habe zwar zwei Titel beendet, bin aber noch nicht dazu gekommen, sie zu rezensieren, wobei ich mir bei einem Titel auch nicht sicher bin, ob ich ihn überhaupt separat rezensieren werde. 

Bild von Rowohlt
Dachdecker wollte ich eh nicht werden von Raul Krauthausen 
In seiner Biografie erzählt Raul Krauthausen, wie er in Berlin aufgewachsen ist und wie es dazu kam, dass er sich heute für behindertenpolitische Themen engagiert. Die Biografie wird nicht konsequent chronologisch erzählt. Die Kapitel bestehen vor allem aus verschiedenen Szenen, die bestimmte Themen hervorheben sollen. Diesen Aufbau fand ich sehr gut, weil mir am Ende des Kapitels immer bewusst war, was der Sinn des Kapitels war. Es wurde also nicht haarscharf fein drum herum geredet, was ich bei einigen Biografien bereits erlebte. 
Was ich zudem auch mutig finde, ist, dass Raul Krauthausen so offen über den Umgang mit seiner eigenen Behinderung geschrieben hat, was keine Selbstverständlichkeit ist, weil es eben auch darum geht, die schwierigen Momente zu benennen, in denen man sich wünscht normal wie alle anderen zu sein und nicht schon wieder aufgrund der Behinderung im Mittelpunkt zu stehen. 
Besonders gelungen an dieser Biografie ist, dass nicht die Behinderung als Defizit in den Mittelpunkt gestellt wird, sondern immer wieder beschrieben wird, wie Raul Krauthausen von seiner Umgebung wahrgenommen wird. So wird deutlich, dass die eigene Behinderung irgendwann in den Hintergrund rückt und der Charakter im Vordergrund steht. 
Das Hörbuch gibt es leder ausschließlich bei Audible, dafür aber ungekürzt. Elmar Börger liest uns die Biografie vor. Er hat eine tolle Mischung gefunden, das Hörbuch so vorzulesen, dass der wesentliche Inhalt nicht durch eine zu lebendige Interpretation verloren geht, aber dennoch die Spannung nicht verloren geht. 

Bild von Oetinger Audio

Reckless - Lebendige Schatten (Band 2) von Cornelia Funke 
Um seinen Bruder zu retten, hat Jacob einen hohen Preis bezahlt. In diesem Band versucht er, den daraus entstandenen Folgen zu entkommen. 
Was mir tierisch gut gefallen hat war, dass sich die Geschichte nicht so entwickelt hat, wie anfänglich von mir befürchtet. Jacobs Bruder Will und dessen Freundin Clara spielen im zweiten Band keine große Rolle. Im Mittelpunkt stehen vor allem Jacob und dessen Gefährtin Fuchs. Schön fand ich, dass wir beide in Interaktion erleben und die Handlung nicht daraus besteht, dass Fuchs 90% der Geschichte damit beschäftigt ist, auf Jacob zu warten. 
Das Hörbuch wurde ungekürzt von Oetinger Audio produziert und wird wieder von Rainer Strecker gelesen, der mich hier mit der Interpretation eines neuen Charakters wieder einmal für sich gewinnen konnte. 

Gefunden im Netz: 
Auch in diesem Monat bin ich wieder etwas zum stöbern gekommen und habe ein paar interessante Beiträge für euch gefunden. 

Elternfiguren in Büchern 
Ruth von Zwischen tausend Zeilen stellt Elternfiguren vor, die ihr in Romanen besonders gut gefallen haben. Ein sehr spannendes Thema über das ich mir bisher noch nicht viele Gedanken gemacht habe. 

Raul Krauthausen zu Gast in der Webtalkshow 
In der Webtalkshow werden regelmäßig Künstler*innen oder Politiker*innen interviewt. Immer wieder wird auch gefragt, welche Gäste sich die Zuschauer*innen wünschen. Nun war Raul Krauthausen zu Gast. Im Gespräch geht es nicht nur um das Thema Behinderung bzw. Umgang mit Menschen mit Behinderungen in den Medien oder der Gesellschaft, sondern auch um alltägliche Themen. 

Gefreut 
Im Juni habe ich mich besonders darüber gefreut, dass ich viele Dinge organisieren konnte und es nicht so schleppend voran ging, wie zu Beginn befürchtet. In diesem Abschnitt will ich euch aber vor allem von den Blog- bzw. literaturbezogenen freudigen Ereignissen erzählen. 

Frau, die uns über 
ein Buch hinweg anschaut. 
Um sieh erum ein Kreis in dem 
Buchclub steht.  
steht. Foto: A. Mack 

Über 500 Mitglieder*innen im Buchclub 
Kerstin, die mich seit ein paar Wochen bei der Organisation des Buchclubs unterstützt, hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Gruppe inzwischen (über) 500 Mitglieder*innen hat. Das hat mich im ersten Moment ziemlich erstaunt. Ich habe mich gefragt, wo die ganzen Leute auf einmal herkommen. Kurz danach kam aber de Freude darüber durch, dass es offenbar viele Literaturbegeisterte gibt, die gerne gemeinsam lesen bzw. hören wollen. 
Um das Ereignis zu feiern fand am vergangenen Wochenende ein kleines Lesewochenende statt. Wir starteten am Freitag mit einer Lesenacht und haben am Samstag und Sonntag einen kleinen Lesemarathon zelebriert. Alle zwei Stunden haben wir den Teilnehmer*innen eine Frage bzw. eine Aufgabe gestellt, mit dem Ziel, dass wir uns etwas besser kennenlernen. Die Aktion kam ziemlich gut an. Vielleicht werden wir ein ähnliches Event wiederholen. Dann komme ich auch hoffentlich dazu, hier auf dem Blog darüber zu berichten. 

Es gibt ein Ge(h)fölgchen! 
Skyara ist Anfang Juni Mutter geworden, was mich tierisch freut. Sie hat mir zum Glück erlaubt euch davon zu erzählen. Skyara und ihrer Tochter geht es soweit gut und kommendes Wochenende starten emion und ich der Familie auch den ersten Besuch ab und lernen das Ge(h)fölgchen kennen. 
Da Skyara jetzt erst einmal viel Zeit mit ihrer Tochter verbringen wird, gibt es aktuell eher sporadisch Rezensionen von ihr. Aktuell liegt noch ein Exemplar von Night of Crowns bei ihr herum. Da es sich hier aber um ein unangefragtes Rezensionsexemplar handelt, besteht kein Grund zur Eile. 

Das Weihnachtsbuch ist im Korrektorat 
Buchlinge, Anfang Juni habe ich noch ganz stolz berichtet, dass der Inhalt des Weihnachtsbuches steht. Dann kam die Grafikerin... Eigentlich wollte sie den Text nur lesen, um Inspirationen für das Cover zu bekommen. Da sie zwar nicht viel, aber dafür sehr genau liest, sind ihr viele Kleinigkeiten aufgefallen, die ich noch korrigiert habe. Zuerst verunsicherte es mich etwas, weil das Lektorat schließlich gerade abgeschlossen war. Dann habe ich mich aber über die Anmerkungen gefreut, weil es ja ärgerlich gewesen wäre, wenn euch die kleinen Fehlerchen aufgefallen wären. Ich war aber auch ziemlich erleichtert als die letzten Korrekturen durch waren und ich den Text endlich ins Korrektorat schicken konnte. 

Was gab's zu erzählen? 
Da ich diesen Monat einen echten Überarbeitungsmarathon hingelegt habe, kam der Blog etwas zu kurz. Ich hoffe aber, dass sich das im Juli wieder ändert und ich endlich dazu komme, ein paar Beiträge vorzuplanen. Ideen und Material habe ich dafür nämlich genug. 

Ge(h)schrieben: Mein Autorinnenleben 
Bye, bye Jugendbuch - Was ich aus dem Projekt gelernt habe. 

Ge(h)plaudert: Mein Podcast über Hörbücher 
Hörmonat Mai 
Hörbücher für den Sommer #1

Rezensionen 
*Kilometer 123 von Andrea Camilleri 
*Märzgefalene (Band 5) von Volker Kutscher 
Reckless - Steinernes Fleisch (Band 1) von Cornelia Funke 

Ge(h)schmökert: Stöbern in der Hörbuchwelt 
Hörbücher fürs Herz 

Zitate 
Buchlinge, sehr lange gab es diese Kategorie nicht mehr. Doch im Juni ist mir ein Zitat über den Weg gelaufen, das mich sehr bewegt hat. Das Hörbuch war schnell pausiert und das Zitat wurde notiert. 

"Elfenstaub. Ein gefährliches Mittel die Welt zu vergessen." 
(Reckless - Lebendige Schatten von Cornelia Funke, CD 3, Track 5). 

Oft wird Fantasy Liebhaber*innen vorgeworfen, das Genre nur zu lesen oder zu hören, um der realen Welt zu entfliehen. Dieser Satz hat mich wieder einmal daran erinnert. Was meint ihr? 

Und Du? 
Was hast Du im Juni erlebt? 
Welche Hörbücher oder Bücher hast Du verschlungen? 

Ich hoffe, wir lesen, hören, oder schreiben uns bald wieder. 

---------------------------------------------------------------------------

Die mit * markierten Titel wurden mir als Rezensionsexemplare kostenlos von den jeweiligen Verlagen zur Verügung gestellt. 

Montag, 29. Juni 2020

Winter der Welt (Band 2)

Bild von
Bastei Lübbe Audio
Steckbrief 
Name: Winter der Welt (Band 2) 
Autor: Ken Follett 
Verlag: Bastei Lübbe Audio 
Geeignet für: Menschen, die historische Romane mögen bzw. Hörbücher mit einer langen Laufzeit mögen, Follett-Fans, 
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch 
Sprecher: Johannes Steck 
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten 

Klappentext 

"Es ist eine Zeit des Umbruchs, eine Zeit der Finsternis.Aber auch der Hoffnung, die selbst das tiefste Dunkel erfüllt.

Während sich die Lage in Europa gefährlich zuspitzt, versuchen drei junge Menschen heldenhaft ihr Schicksal zu meistern: Der Engländer Lloyd Williams wird Zeuge der Machtergreifung Hitlers und entschließt sich gegen den Faschismus zu kämpfen. Die deutsche Adelige Carla von Ulrich ist entsetzt über das Unrecht, das im Namen des Volkes geschieht, und geht in den Widerstand, während die lebenshungrige Amerikanerin Daisy nur vom sozialen Aufstieg träumt – und eine bitterböse Überraschung erlebt!" 

Meine Meinung 
Winter der Welt ist der zweite Band von Ken Folletts Jahrhundert Saga. An sich kann man diesen Band auch unabhängig vom ersten Band hören. Wichtige Informationen über die Generationen der Familien werden hier nochmal erklärt. Zudem geht es hier um die nächste Generation der verschiedenen Familien. 
Um die einzelnen Generationen aber besser begreifen zu können, empfehle ich mit Sturz der Titanen einzusteigen. Inhaltlich werde ich in meiner Rezension nicht zum zweiten Band spoilern, aber Aspekte erwähnen, die aus dem ersten Band hervorgehen. 

Kommen wir zuerst zum Inhalt: Wir lernen hier die zweite Generation der Familien kennen, die uns schon im ersten Band begegnen. 
Wir lernen Lews Tochter Daisy kennen, die im Gegensatz zu ihrem Vater zwar ohne finanzielle Sorgen aufwächst, aber aufgrund ihres Vaters nie die gesellschaftliche Anerkennung bekommt, die sie sich wünscht. Als sie wieder einmal eine Niederlage der amerikanischen Gesellschaft einstecken muss, fasst sie kurzerhand einen Entschluss, der ihr Leben grundlegend verändern wird. 

Daisy hat einen Halbbruder nämlich Greg. Er ist einer der Gründe, weswegen sie und ihre Mutter von der elitären Gesellschaft nie wirklich akzeptiert wurden. Greg scheint ganz nach seinem Vater zu kommen. Ihm sind Macht und Einfluss ebenfalls sehr wichtig. Doch wie wird er an mächtige Positionen kommen? 
Auch Lews Bruder Grigori hat in Russland inzwischen eine Familie gegründet. Sein Sohn Walodja möchte ebenfalls eine politische Laufbahn starten und muss sich hier immer wieder behaupten. 

In Deutschland haben Walther und Maud Ulrich inzwischen eine Familie gegründet. Beiden ist es wichtig, ihre Kinder schon früh mit Politik vertraut zu machen und dafür zu sorgen, dass sie Inhalte in Frage stellen und nicht das glauben, was die Medien berichten. Während Carla dem Nationalsozialismus also kritisch gegenübersteht, schließt sich ihr Bruder der neuen aufstrebenden Partei an. Wird Familie Ulrich daran zerbrechen? 

Mein Lieblingscharakter war eindeutig LIoyd Williams, Ethels Sohn, der dank seiner Mutter, ebenfalls früh mit Politik in Berührung kommt und sich hier auf verschiedenen Ebenen für Gerechtigkeit einsetzt, immer mit dem Ziel die Situation einer bestimmten Randgruppe zu verbessern. Ihr könnt euch wahrscheinlich denken, dass er sich mit seinem Handeln nicht immer Freunde macht. 

Während ich beim ersten Mal lesen etwas Mühe hatte, mich in der neuen Generation zurechtzufinden, ging es mir beim Hören des Hörbuchs gar nicht so. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich den zweiten Band zeitnah nach Beenden des ersten Bandes gehört habe und mich deswegen nicht neu in den unterschiedlichen Familienverhältnissen orientieren musste. Etwas schade fand ich aber, dass die Protagonist*innen aus dem ersten Band hier nur noch als Nebencharaktere auftreten. Gerade Ethel und Maud, die ich als Protagonistinnen sehr ans Herz geschlossen habe, vermisste ich in diesem Band etwas. 

Allerdings bekam ich hier und da auch Probleme mit einigen Charakteren, die vermutlich mit den Kürzungen des Hörbuches zusammenhingen. Gerade die Männer fand ich aufgrund ihrer Charakterzüge und damit verbundenen Handlungen sehr austauschbar. Sie erinnerten an ihre Vorgänger aus dem ersten Band und es gab aus meiner Sicht kaum eine Wendung, die mich überraschte. Es wirkte so, als ob hier noch einmal dieselben Konflikte wie im vorherigen Band auftraten, nur, dass es eben ein anderes Setting gab. 

Was mir inhaltlich aber gefiel war, dass es einen stärkeren historischen Bezug gab, wobei es gefühlt auch unmöglich gewesen wäre, den Nationalsozialismus aus diesem Band herauszukürzen und auf politische Zusammenhänge zu verzichten. 

Der Vorteil der Hörbuchgestaltung bestand diesmal eindeutig darin, dass ich mich an das Buch kaum noch erinnern konnte und es mir deswegen nicht möglich war, das Hörbuch mit der Buchvorlage zu vergleichen. Die Charaktere schienen mir nach wie vor zwar oberflächlich, allerdings musste das nicht zwingend etwas mit einer Kürzung zu tun haben. 
Das gekürzte Hörbuch wurde wieder von Johannes Steck gelesen, der mir als Sprecher ziemlich gut gefallen hat. Besonders interessant fand ich, dass es ihm gelang, die Generation, die er im vorherigen Band als jung interpretierte, hier eine Spur älter werden zu lassen. 

Ken Folletts Schreibstil ermöglichte mir einen schnellen Einstieg in die Geschichte. Was mich hier aber störte war, dass er mehr Szenen beschrieb, in  denen es um körperliche oder psychische Gewalt ging. Einerseits kann ich nachvollziehen, dass diese Szenen nicht fehlen durften, da sie vor allem die Brutalität des Zweiten Weltkriegs hervorhoben. Dennoch war es an einigen Stellen sehr brutal und ich konnte mir Szenen bildhaft vorstellen, die ich mir eigentlich gar nicht vorstellen wollte. Was mich überraschte war, dass mich viele Charaktere nicht erreichen konnten und vergleichsweise oberflächlich dargestellt wurden. 

Gesamteindruck
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mir der zweite Band beim ersten Mal lesen nicht so gut gefallen hat. Wenn ich die beiden Hörbücher hingegen miteinander vergleiche, hat mir der zweite Band als gekürztes Hörbuch tatsächlich etwas besser gefallen und das, obwohl ich die Charaktere oberflächlicher fand. 

Während ich den ersten Band als gekürztes Hörbuch nur dann empfehlen kann, wenn man eine möglichst schnelle Zusammenfassung braucht, finde ich, dass man den zweiten Band durchaus gekürzt hören kann und einem hier gefühlt keien wichtigen Informationen verloren gehen. 

-------------------------------------------------------

Weitere Bände: 

Freitag, 26. Juni 2020

Hörbücher fürs Herz

Hallo Buchlinge, 

Anfang April starteten die Hörbuchverlage der Verlagsgruppe RandomHouse nämlich der Hörverlag, RandomHouse Audio und der Audio Verlag die Aktion #zuhausehören bzw. #Buchladenliebe. Unter diesen Hashtags wurden (Hör)buchblogger*innen dazu eingeladen, ihre Lieblingstitel zu empfehlen. Im Idealfall sollten neuentdeckte Bücher oder Hörbücher natürlich gleich in der Lieblingsbuchhandlung bestellt werden. 

In meinem ersten Beitrag habe ich euch Hörbücher gegen Langeweile vorgestellt. In meinem zweiten Beitrag gab es Hörbücher für eine kleine Auszeit von Home Office, Home Schooling oder dem Alltagsstress. Heute gibt es Hörbücher 

... fürs Herz 
Hier habe ich mich für Hörbücher entschieden, die schöne, berührende Geschichten erzählen. Dabei geht es nicht immer um die große Liebe, sondern manchmal auch einfach um Freundschaft oder den Zusammenhalt. Ich hoffe, für euch ist der ein oder andere Titel dabei. 
Wenn ihr auf den Titel des jeweiligen Hörbuches klickt, kommt ihr zu meiner vollständigen Rezension. 

Bild von der Hörverlag
Gargoyle von Andrew Davidson 
Wir lernen unseren Ich-Erzähler kennen, der schwerverletzt einen Autounfall überlebt hat. Er muss für mehrere Monate in eine Rehaklinik, damit seine Verbrennungen und andere Verletzungen so gut es geht behandelt werden können. In der Klinik lernt er Marianne kennen. Eine Frau, die glaubt ihn von früher zu kennen. 

Wer jetzt glaubt, dass wir hier einen Thriller vor uns haben, täuscht sich. Andrew Davidson erzählt hier eine Liebesgeschichte anderer Art. 
Gargoyle wird aus zwei Perspektiven erzählt: Aus der Perspektive des Verbrennungspatienten - entweder ist mir sein Name entgangen, oder er kam wirklich nicht vor - der vor dem Unfall ein sehr turbulentes Leben führte, aber auch nicht so recht wusste, was er im Leben will. 
Im zweiten Handlungsstrang erleben wir Marianne, die uns nicht nur in ihre Welt mitnimmt, sondern die uns auch Geschichten von Liebenden erzählt. Geschichten, die scheinbar perfekt in die Lebenssituatuion unserer Charaktere passen. 

Das Hörbuch wird von Sascha Icks und Stefan Kaminski gelesen. Beide haben die Geschichte unglaublich gut interpretiert und es geschafft, diese außergewöhnliche Atmosphäre in Worte zu fassen und das was zwischen den Zeilen passierte ein bisschen greifbarer zu machen. Das Hörbuch wurde als ungekürzter Titel von der Hörverlag produziert. 

Bild von HörbuchHamburg
Graffiti Moon von Cat Crowley 
Lucy hat das zwölfte Schuljahr beendet und steht schon mit einem Fuß im College. Doch neben der Frage, wie ihr Leben weiterverläuft, beschäftigt sie auch der geheimnisvolle Graffitikünstler Shadow. Als Ed ihr erzählt Shadow zu kennen, begeben sich beide auf die Suche nach ihm. 

In diesem Hörbuch werden Themen angesprochen, die Jugendliche beschäftigen. Zum einen natürlich die Frage, nach der eigenen Identität: Was macht mich als Mensch aus? Wer möchte ich sein und wie möchte ich von meinem Umfeld wahrgenommen werden? 
Zum anderen ist eines der zentralen Themen die Sache mit der Liebe. Aber nicht auf eine plumpe, sondern eher auf eine verträumte, glaubwürdige Art. 
Nicht zu vergessen stehen auch die Wünsche und Träume unserer Charaktere im Vordergrund dicht gefolgt von der Frage was die Zukunft wohl für sie bereithalten wird. 

Das Hörbuch wurde als gekürzte Fassung von HörbuchHamburg produziert. Ich hatte nicht das Gefühl, dass uns Inhalt fehlt. Dennoch hätte ich gerne mehr Zeit mit Lucy und Ed verbracht. Der Roman wird von drei Sprecher*innen gelesen. Birte Schnöink schlüpft in die Rolle von Lucy und interpretiert ihre verträumte Art ziemlich gut. Mirco Kreibich schafft es, mir Ed näherzubringen. Hans Löw hat einen besonderen Part über den ich an dieser Stelle aber noch nichts verraten möchte. 

Bild von der hörverlag 
*Wie man die Zeit anhält von Matt Haig 
Tom gehört zu den so genannten Albatrossen. Er altert langsamer als andere Menschen und muss deswegen immer wieder umziehen und in einer neuen Stadt ganz von vorne anfangen. Das zehrt nicht nur an seinen Nerven, sondern macht ihn auch sehr einsam. 
Es gibt da außerdem etwas aus seiner Vergangenheit, das ihn nicht loslässt. Als er eines Tages die Möglichkeit bekommt, mit seiner Vergangenheit abschließen zu können, wird er vor eine schwierige Wahl gestellt. 

Von Matt Haig kannte ich bis zu diesem Hörbuch nur seine weihnachtlichen, fantastischen Titel. Obwohl es die Albatrosse natürlich nicht in der Realität gibt, war das auch der einzige fantastische Anteil an dieser Geschichte. Im Mittelpunkt steht hier vor allem die Frage, wie wir mit unserer Vergangenheit umgehen und ob oder wie wir es schaffen können, sie endlich zu verdauen. Matt Haig gibt mit seiner bildhaften Sprache spannende Antworten auf diese Fragen, ohne dabei aber den Eindruck zu erwecken, eine Musterlösung parat zu haben. 
Der Klappentext zu diesem Titel ist etwas irreführend, weil die angedeutete Liebesgeschichte nur eine Nebenhandlung darstellt. Es wäre aber wahrscheinlich zu schwierig gewesen, den anderen Handlungsstrang kurz auf den Punkt zu bringen, ohne zu viel von der Handlung zu verraten. 

Der Titel wurde als ungekürzte Lesung von der Hörverlag produziert. Buchlinge, wie ihr wisst, mache ich mir ja nicht so viel aus Hörbuchcovern. Aber bei diesem Titel wurde mir wieder einmal bewusst, das die Hörbuchcover beim Hörverlag mit wunderschönen Farben gestaltet sind. 
Christoph Maria Herbst liest das Hörbuch und hat mir hier als Sprecher sehr gut gefallen. Normalerweise kenne ich ihn von humorvollen Titeln. Hier hingegen interpretiert er ruhiger und schafft es, die leisen Töne des Hörbuches gut herauszuarbeiten. 

Bild von HörbuchHamburg 

Wunder von Raquel Palacio 
August hat aufgrund eines Gendefekts ein entstelltes Gesicht. Deswegen verbrachte er sehr viel Zeit in Krankenhäusern und durfte auch nie eine normale Schule besuchen. Letzteres soll sich nun aber ändern. 
In diesem Hörbuch geht es aber nicht nur um Augusts Perspektive auf die Geschichte. Es kommen auch Verwandte, Freunde oder Lehrer zu Wort, was mir sehr gut gefallen hat, weil es so nicht bei einer einseitigen Darstellung bleibt. 

In diesem Hörbuch wird gut herausgearbeitet, was der Alltag mit einer sichtbaren Behinderung mit sich bringt. Angefangen beim angestarrt werden oder den immer wiederkehrenden Fragen zur eigenen Behinderung bis hin zur Frage, wie es Angehörigen oder Freunden von Menschen mit Behinderungen geht. Es gab nur wenige Aspekte an der Handlung, die ich etwas unrealistisch fand. 

Das Hörbuch wurde als gekürzte Fassung von Hörbuch Hamburg produziert. Etwas ungewohnt war zu Beginn, dass viele Sprecher*innen, dafür, dass sie Kinder interpretieren, etwas älter klingen. Nach einem kurzen Moment hatte ich mich daran gewöhnt und fand das Hörbuch auch recht gut besetzt. Mit dabei sind u.a. Nina Petri, Birte Schnöink, Hans Löw, Boris Aljinovic. 

Bild von Argon Verlag
Britt-Marie war hier von Fredrik Backman 
Britt-Marie hatte ein scheinbar perfektes Leben. Bis sie herausfindet, dass sie von ihrem Mann jahrelang betrogen wurde. Also packt sie ihre Sachen und geht. Doch schnell muss sie feststellen, dass sie einen Job braucht. Das verschlägt sie in das kleine Örtchen Borge... 

Dieser Titel zog durch Zufall bei mir ein und hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem meiner absoluten Lieblingstiteln entpuppt. Fredrik Backman erzählt hier nämlich nicht nur Britt-Maries Geschichte, sondern die Geschichte eines ganzen Dorfes, das sich durch Britt-Maries Ankunft Stück für Stück verändert. Im Klappentext wird zwar angedeutet, dass Fußball in Britt-Marie war hier eine größere Rolle spielen könnte. Allerdings kann ich euch sagen, dass uns Fredrik Backman wunderbar durch die Welt des rollenden Balles navigiert und andere Aspekte des Mannschaftssports hervorhebt. Fachsprache wird also nicht benötigt. 

Das gekürzte Hörbuch wurde vom Argon Verlag produziert und wird von Heikko Deutschmann gelesen. Obwohl er hier eine Frau interpretiert, was bei seiner tiefen Stimme etwas ungewöhnlich wirken könnte, hat er das Wesentliche von Britt-Marie erfasst und in Worte fassen können. Außerdem hat er das verschlafene Örtchen Borge zum Leben erweckt. Obwohl in diesem Ort nichts los ist, hatte ich nach diesem Hörbuch richtig Lust nach Borge zu fahren und all die tollen Charaktere kennenzulernen, die uns hier vorgestellt werden. 

Allerdings möchte ich euch an dieser Stelle noch dringend davon abraten, den gleichnamigen Film zu schauen. Er transportiert die Atmosphäre der Geschichte nicht einmal ansatzweise und verdreht zudem auch ein paar Handlungsstränge, was manchmal etwas toll für die Geschichte war, aber größtenteils dafür gesorgt hat, dass die Stimmung nicht wirklich rüberkam und es mehr wie eine belanglose Geschichte für zwischendurch wirkte. 

Bild von Argon Verlag 

Ein Mann namens Ove von Fredrik Backman 
Ove liebt Struktur und Ordnung. Bei seiner morgendlichen Runde durch die Siedlung achtet er strikt darauf, ob sich jede*r an die Regeln hält. Eines Tages bekommt er neue Nachbarn und ab diesem Moment ist es vorbei mit dem Frieden und der Ruhe... 

Auch dieser Titel ist eines meiner absoluten Lieblingshörbücher. Wir lernen einen Mann kennen, der sich innerlich bereits von der Welt verabschiedet hat. Bis er dann auf seine neuen Nachbarn trifft, denen er einfach nicht aus dem Weg gehen kann. Dieses Hörbuch erzählt viel über zwischenmenschliche Beziehungen und wie wichtig diese sein können und das auf eine humorvolle, liebenswerte Art. 
Der Argon Verlag produzierte diesen Titel ebenfalls als gekürztes Hörbuch. Heikko Deutschmann interpretiert Oves Geschichte und schafft es nicht nur Ove glaubhaft darzustellen, sondern auch die Positionen seines Gegenübers gut herauszuarbeiten. 

Übrigens: Oves Abenteuer ist ebenfalls verfilmt worden. Ich habe den Film für gut befunden. 

Und Du? 
Kennst Du Hörbücher oder Bücher, die Dich besonders bewegt haben? 
Kennst Du Titel, die ich Dir hier vorgestellt habe? 

-----------------------------------------------------------

Die mit * markierten Titel wurden mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom jeweiligen Verlag zur Verfügung gestellt. 

Montag, 22. Juni 2020

Märzgefallene (Band 5)


Bild von Argon Verla
Steckbrief 
Name: Märzgefallene Gereon Raths fünfter Fall 
Autor: Volker Kutscher 
Verlag: Argon Verlag 
Geeignet für: Krimi-Fans, Fans von Volker Kutscher, oder historischen Kriminalromanen, 
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch 
Sprecher: David Nathan 
Bewertung: 4 von 5 Punkten 


Klappentext 
(von Argon Verlag

"Gereon Raths fünfter Fall: Flammen über dem Reichstag
Rosenmontag 1933: Gereon Rath feiert Karneval in Köln. Der Morgen danach beginnt für ihn mit einem heftigen Kater, der falschen Frau im Bett und einem Anruf aus Berlin: Der Reichstag steht in Flammen! Sofortige Urlaubssperre!
Seinen neuen Fall aber erbt Gereon Rath von seinem Vorgesetzten Wilhelm Böhm, der sich unter dem Nazi-Polizeipräsidenten ins politische Abseits manövriert hat: Ein Obdachloser ist erstochen am Nollendorfplatz gefunden worden. Dessen Vorgeschichte führt zurück in den März 1917, als deutsche Soldaten während der »Operation Alberich« in Nordfrankreich verbrannte Erde hinterließen. Rath ermittelt, doch immer wieder funken ihm andere Dinge dazwischen. Da sind die Vorbereitungen für seine Hochzeit mit Charlie Ritter noch das geringste Problem." 

Meine Meinung 
Inzwischen ist die Gereon-Rath-Reihe von Volker Kutscher für mich ein zuverlässiger Krimi für zwischendurch. Ich kenne unsere Protagonisten und die Nebencharaktere und in jedem Band erwartet mich ein spannender Kriminalfall. Wenn ich also nach einem Hörbuch für zwischendurch suche, bei dem die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass es mir gefällt, greife ich zu einem der Bände. Heute erzähle ich euch, wie mir der fünfte Band Märzgefallene gefallen hat. 

Obwohl sich der Inhalt von diesem Band zum vierten Band unterscheidet, steht auch diesmal der Kriminalfall nicht mehr im Vordergrund der Reihe. In Märzgefallene liegt es hauptsächlich daran, dass sich die politische Situation in Berlin zuspitzt und die Nationalsozialisten an die Macht kommen. Die Arbeit der Polizei ändert sich dadurch. Der unpolitische Gereon Rath kommt nun nicht mehr an politischen Diskussionen vorbei. Charlotte Ritter beginnt sogar an ihrem Beruf zu zweifeln und das obwohl sie so lange dafür gearbeitet hat, endlich als Kommissaranwärterin anfangen zu können. 
Plötzlich werden sie gezwungen Menschen zu verhören oder zu beschatten, die eigentlich nichts Unrechtes getan haben. Ist es das, was die beiden wirklich wollen? 

Die politischen Veränderungen wirken sich auch auf unsere Nebencharaktere aus. Rath muss feststellen, dass die Hierarchie in der Polizei erheblich wackelt. Auch Marlow, der im Berliner Untergrund ein hohes Ansehen hat und dessen Kontakte dank Gereon Rath bis zur Polizei reichen, muss sein Revier verteidigen. Kann ihm das auf Dauer gelingen? 

Ich bin immer noch sehr fasziniert davon, wie Volker Kutscher einen Wechsel im Themenschwerpunkt der Reihe unmerklich eingeläutet hat. Während Politik im ersten Band nur am Rande auftauchte, nahmen die politischen Themen langsam immer mehr Raum ein, aber ohne, dass die wesentlichen Elemente eines Krimis verloren gegangen sind. Auch in diesem Band gibt es einen Toten und Verdächtige, die es zu überführen gilt. 
Schön an dieser Reihe finde ich auch, dass die politischen Veränderungen anhand der Auswirkungen beschrieben werden, die sie für unsere Charaktere haben. Schon allein daran merkt man, was in Berlin vor sich geht, ohne, dass immer wieder dieselben Konflikte wiederholt werden, die Romane, die während des Nationalsozialismus spielen, so mit sich bringen. 

Den Spannungsbogen war solide. Beeindruckend fand ich diesmal, dass Gereon Rath den zu lösenden Fall mehr zufällig bekommt und wir durch diesen Fall einen neuen liebenswerten Nebencharakter kennenlernen, über den ich in der Rezension zum Folgeband vielleicht mehr berichten kann. 

Bei Folgebänden einer mehrteiligen Reihe fällt es mir meistens immer schwerer auf die Hörbuchgestaltung einzugehen, weil ich nicht weiß, wie ich diesen Abschnitt beschreiben soll, ohne mich zu oft zu wiederholen und euch somit zu langweilen. 
Der Argon Verlag hat das Hörbuch als gekürzten Titel produziert. Gerne hätte ich das Hörbuch ungekürzt gehört, weil ich Volker Kutschers Schreibstil und die Charaktere dieser Reihe mag. Aber nicht, weil ich das Gefühl habe, dass mir Informationen fehlen, die ich benötige, um die Handlung zu verstehen. 
David Nathan in der Gereon Rath Rehe zu hören, fühlt sich inzwischen an wie nach Hause kommen. Ich mag es, wie er uns durch die Handlung führt, uns Szenen beschreibt, oder Dialoge zwischen bekannten Charakteren liest. Hin und wieder kann er auch einen waschechten Berliner interpretieren und somit ein bisschen Berliner Flair in die eigenen vier Wände bringen. 

Wie schon häufig erwähnt, gefällt mir an Volker Kutschers Schreibstil in diesem Band vor allem, wie er die Politik in die Handlung einbaut. Obwohl ich in dieser Rezension und der Rezension des vorherigen Bandes nichts über die Kriminalfälle geschrieben habe, gefällt mir in Märzgefallene, dass er diese abwechslungsreich gestaltet. Ich habe nicht das Gefühl, dass sich die Kriminalfälle ähneln, sondern bewundere, dass sich Kutscher für jeden Fall mit einer neuen Thematik auseinandersetzt. 

Gesamteindruck
Wer einen Krimi für zwischendurch sucht, macht mit Märzgefallene definitiv keinen Fehler. Allerdings solltet ihr die Reihe auch mit dem ersten Band beginnen und nicht mitten in der Reihe einsteigen. 
Wenn ihr gerne Krimis hört, solltet ihr bei dieser Reihe auch offen für Krimis mit einem historischen Schwerpunkt sein. 

-----------------------------------------------

Weitere Bände: 
*Der nasse Fisch (Band 1)
Der stumme Tod (Band 2)
Goldstein (Band 3) 


Dieses Hörbuch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. 

Samstag, 20. Juni 2020

Hörbücher für den Sommer #1

Hallo Buchlinge, h

nein, ich habe euch nicht vergessen. In den letzten Tagen musste ich viel organisieren bzw. war im Überarbeitungsstress. Darüber erzähle ich euch aber an anderer Stelle nochmal mehr. 
In der heutigen Podcast Folge erzähle ich euch aber erstmal von meinen Hörbuchtipps für den Sommer. 

Podcast Folge direkt bei YouTube hören.




Erwähnte Hörbücher und Hörproben:
Wenn ihr auf den Titel des jeweiligen Hörbuchs klickt, landet ihr bei der jeweiligen Hörprobe.

AchtNacht von Sebastian Fitzek
Wunder von Raquel Palacio
*Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson
*Into the water von Paula Hawkins

Und Du? 
Kennst Du die vorgestellten Titel? 
Liest bzw. hörst Du überhaupt bestimmte Hörbücher zu einer bestimmten Jahreszeit? 

------------------------------------------------------------

Die mit * markierten Titel wurden mir als kostenlose Rezensionsexemplare vom jeweiligen Verlag zur Verfügung gestellt. 

Montag, 15. Juni 2020

Kilometer 123

Bild von JUMBO Verlag
Steckbrief 
Name: Kilometer 123 
Autor: Andrea Camilleri 
Verlag: JUMBO - Neue Medien im Label GoyaLit 
Geeignet für: Krimi Fans, die einen Krimi für zwischendurch suchen und Leute, die noch nicht viele Hörbücher gehört haben und gerne mal einen Titel ausprobieren wollen 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch 
Sprecher: Hans Löw, Julia Nachtmann, Jacob Weigert, Oda Thormeyer, Bernd Stephan, Volker Hanisch, Julian Greis, Inga Reuters, Kai Böckmann, Niklas Heinecke, Karl Menrad, Christian Rudolf, Tim Niebuhr, Rolf Becker, Jonas Engelke, Diana Müller
Bewertung: 5 von 5 Punkten 

Klappentext 
(von JUMBO Verlag

"Alles beginnt mit einer unbeantworteten SMS. Die Absenderin ist Ester, und der Adressat ist Giulio. Warum Giulio nicht antworten kann: Er liegt nach einem heftigen Auffahrunfall auf Kilometer 123 der Via Aurelia im Krankenhaus. Wer hingegen die SMS von Ester liest, ist Giuditta, Giulios Ehefrau, die vorher von Esters Existenz nichts wusste. Dies könnte der Anfang einer Liebeskomödie sein, aber der Beigeschmack ist eindeutig ein anderer: Denn ein Zeuge sagt aus, dass Giulios Unfall keineswegs unbeabsichtigt, sondern versuchter Mord war, und die Angelegenheit wird ans Kriminalkommissariat übergeben. Kurze Zeit später findet sich eine Leiche, auf eben jenem Kilometer 123 auf der Via Aurelia. Und plötzlich ist nichts mehr so, wie es scheint."

Meine Meinung
Kilometer 123 wurde mir im Rahmen eines Pressetermines auf der vergangenen Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Da ich allgemein mehr Thriller als Krimis lese, wollte ich mich mal aus der Thriller Komfortzone heraus bewegen. Andrea Camilleri sagte mir bisher zwar nichts, aber schon allein aufgrund ihres Namens hätte ich schwören können, dass sie in der Krimiszene vielleicht so ein Urgestein ist, wie Donna Leon. Warum dieser Titel zu einem Highlight gehört, was die Hörbuchgestaltung betrifft, erzähle ich euch in dieser Rezension. 

Da der Titel eine Laufzeit von etwas über zwei Stunden hat, möchte ich gar nicht so viel über den Inhalt und die Charaktere schreiben. Der Klappentext bringt den Inhalt ziemlich gut auf den Punkt. Wir werden auch recht schnell in die Handlung hineingeworfen und wissen nicht so recht, wo wir uns befinden. Das ist kein Nachteil, sondern hat mich sehr neugierig auf die Handlung und die Charaktere gemacht. Wir finden nämlich schnell heraus, dass es Charaktere gibt, die etwas zu verbergen haben. 

Die Charaktere sind vergleichsweise oberflächlich gehalten, was einfach daran liegt, dass das Hörbuch in einer kurzen Laufzeit erzählt wird und die Handlung somit im Vordergrund steht. Dennoch konnte ich die Charaktere aufgrund hervorstechender Charaktereigenschaften gut voneinander unterscheiden. Die Beziehungen der einzelnen Charaktere zueinande waren zuem schnell geklärt, was ebenfalls für eine gute Übersicht sorgte. 

Der Spannungsbogen von Kilometer 123 hat mir sehr gut gefallen. Dadurch, dass wir in die Handlung hineingeworfen wurden und schnell herausfanden, dass manche Charaktere ein falsches Spiel spielen, war die Spannung für mich schnell aufgebaut. Außerdem hielt Andrea Camilleri zum Schluss einen ziemlich guten Überraschungsmoment bereit. 

Die Gestaltung des Hörbuches ist absolut großartig und hat mich positiv überrascht. Normalerweise werden Hörbücher von einem/r Sprecher*in gelesen. Wenn ein Titel mehrere Perspektiven hat, kommt es auch mal vor, dass pro Perspektive unterschiedliche Sprecher*innen eingesetzt werden. Hier hingegen gab es zwar Perspektiven, aber die Dialoge, die in der jeweiligen Perspektive vorkamen wurden von unterschiedlichen Sprecher*innen gelesen, was sofort für eine ganz andere Dynamik sorgte. Außerdem wurde durch das Einsetzen mancher Geräusche Telefongespräche, oder Nachrichtenverläufe akustisch dargestellt, was ebenfalls für Dynamik sorgte. 

Wie ihr oben im Steckbrief bereits lesen konntet, hat hier jeder Charakter eine*n eigene*n Sprecher*in. Da es so viele Sprecher*innen sind und ich manche von ihnen auch nicht kannte, kann ich leider nicht auf alle Sprecher*innen im Einzelnen eingehen. Ich habe mich aber immer gefreut, wenn ich die ein oder andere für mich bekannte Stimme wie beispielsweise Julia Nachtmann oder Julian Greis entdeckt habe. Alle Sprecher*innen haben diesen italienischen Flair aufgrund ihrer Betonung gekonnt umgesetzt, was mir ein bisschen Italien in mein Zimmer gebracht hat. 

Andrea Camilleris Schreibstil gefiel mir sehr gut. Vor allem die Dialoge zwischen den einzelnen Charakteren haben mich sehr gut unterhalten. Hier wurden die Konflikte zwischen ihnen gut herausgearbeitet. Camilleri schaffte es zudem, durch ihre Dialoge den italienischen Flair gut zu transportieren. 

Gesamteindruck 
Kilometer 123 hat mich wirklich positiv überrascht. Das Hörbuch ist zwar ein unterhaltsamer Krimi für zwischendurch, der aber durch seine kreative und lebendige Hörbuchgestaltung sehr viel Dynamik bekommt und so für ein spannendes Hörerlebnis sorgt. 

----------------------------------------------------------------------

Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar kostenlos vom JUMBO Verlag zur Verfügung gestellt. 

Montag, 8. Juni 2020

Reckless - Steinernes Fleisch (Band 1)

Dieses Hörbuch habe ich im Rahmen unseres Buchclubs gehört. In diesem Beitrag erfährst Du, was es mit dem Buchclub auf sich hat. Obwohl wir uns im Buchclub überdas gesamte Buch austauschen, bleibt diese Rezension spoilerfrei. 

Bild von Oetinger Audio

Steckbrief 
Name: Reckless - Steinernes Fleisch (Band 1) 
Autor: Cornelia Funke 
Verlag: Oetinger Audio
Geeignet für: Fantasy Fans, Fans von Cornelia Funke, Märchenliebhaber*innen 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch 
Sprecher: Rainer Strecker 
Bewertung: 4 von 5 Punkten 

Klappentext 

"Wenn Jacob durch seine Geheimtür geht, gelangt er in eine düstere und zugleich reizvolle Märchenwelt. Als sein Bruder ihm folgt und verflucht wird, beginnt für die Geschwister ein Wettlauf gegen die Zeit. Zusammen müssen sie sich unzähligen Gefahren stellen und ein Happy End scheint immer unwahrscheinlicher." 

Meine Meinung 
Vor ein paar Jahren habe ich meine erste Lesung von Cornelia Funke besucht. Dort stellte sie einen Band der Reckless-Reihe vor. Mich sprach der Schreibstil damals zwar an, aber ich verlor die Reihe schnell aus den Augen. Dank dem Buchclub durfte ich diese Reihe nun kennenlernen. 

Der Inhalt ist schnell erzählt: Jacob flüchtet aus unserer Welt in die Welt hinter den Spiegeln. Dort findet er sein zweites Zuhause. Sein Bruder Will folgt ihm eines Tages in die Spiegelwelt. Für ihn hat es aber fatale Folgen. Schnell geht es für Will um Leben und Tod. Jacob setzt alles daran, seinen Bruder zu retten. Ob es ihm gelingt, müsst ihr selbst herausfinden. 

Besonders faszinierend fand ich den Weltenbau. Cornelia Funke orientiert sich bei der Spiegelwelt an bekannten Märchen. So reisen wir mit Jacob beispielsweise in das Schloss, in dem Dornröschen und ihre Untertanen immer noch schlafen und erlöst werden müssen. 
Ein Nebencharakter berichtet von Schneewittchen und den sieben Zwergen. Jacob, der inzwischen als Schatzjäger arbeitet, fand schon einen Knüppel aus dem Sack oder ein Tischlein Deck dich. 
Immer wieder baut Cornelia Funke eigene Elemente in die Spiegelwelt ein, wie beispielsweise die Goyl, die als Wesen aus Stein vorgestellt werden. Diese Mischung aus bereits bekannten Figuren sowie Merkmalen und neu hinzugekommenen Elementen ist Cornelia Funke hier sehr gut gelungen. 

Ungewöhnlich an Reckless ist aber, dass wir die Spiegelwelt nicht gemeinsam mit Jacob entdecken. Im Prolog sind wir zwar dabei, wie er das Tor zur Spiegelwelt entdeckt. Danach gibt es aber einen größeren Zeitsprung. Da die Welt aber aus Elementen aus der Märchenwelt besteht, ist vieles aus der Welt selbsterklärend. Deswegen fand ich es nicht so schlimm, dass Jacob die Welt vertraut war und nicht mehr viel erklärt wurde. 

Was mir besonders gut an diesem Reihenauftakt gefallen hat war, dass der Konflikt der Handlung nicht daraus bestand, dass eine Welt vor dem Bösen gerettet werden musste. Im Mittelpunkt stand Jacobs Liebe zu seinem Bruder Will und die Frage, was er bereit ist zu tun, um seinen Bruder zu retten. 
Natürlich gibt es in der Spiegelwelt auch politische Krisen: Zwei Völker, die schon seit Jahren im Krieg leben. Allerdings war dieser Konflikt ein Nebenschauplatz. 

Die Charaktere waren aus meiner Sicht etwas oberflächlich dargestellt. Das zeichnete sch für mich dadurch aus, dass sich viele Charaktere nur durch eine Eigenschaft kennzeichnen, aber keine Facetten haben Allerdings fand ich es nicht so schlimm, weil mich gerade der Weltenbau, Cornelia Funkes Schreibstil und die Hörbuchgestaltung begeistern konnten.

Jacob ist ein Einzelgänger. Er macht vieles mit sich aus und ist es offenbar nicht gewohnt, sich von Freund*innen helfen zu lassen. Deswegen reist er im Reihenauftakt sehr viel umehr und vertraut sich nur wenigen Leuten an. Ich konnte es zwar nachvollziehen, dass er Mühe hat, auf Leute zuzugehen, fand ihn teilweise auch etwas eogistisch, weil andere wegen ihm viel Zeit damit verbringen, auf ihn zu warten. 

Clara ist Wills Freundin, die es mehr oder weniger freiwillig in die Spiegelwelt verschlägt. Sie möchte Jacob dabei unterstützen, Will zu retten. Sie merkt aber, dass das gar nicht so einfach ist. Mir war Clara von Anfang an sympathisch und es tat mir leid, dass sie in der fremden Welt ein bisschen allein gelassen wirkte. 
Fuchs, Jacobs Gefährtin, fällt es schwer, Jacob alleine zu lassen. Nach außen hin wirkt sie zwar stark und will nicht, dass man ihr anmerkt, wie viel ihr an Jacob liegt. Doch wenn man genauer hinschaut, wird deutlich, wie sehr Fuchs die Situation belastet. Sie war mir ebenfalls sehr sympathisch. Ich bin neugierig, in den Folgebänden mehr über sie zu erfahren. 

Cornelia Funke baut den Spannungsbogen sehr gut auf. Entweder es passiert sehr viel aktive Handlung und wir erleben unsere Charaktere, insbesondere Jacob, in Aktion. Oder wir lernen die Charaktere dadurch ein bisschen kennen, dass sie uns in ruhigen Momenten an ihren Gedanken teilhaben lassen. Schnell wird deutlich, dass einige Charaktere nicht wirklich wissen, was sie wollen, was ebenfalls für Spannung sorgte. 

Die Hörbuchgestaltung konnte mich vollkommen überzeugen. Das Hörbuch wurde ungekürzt produziert und von Rainer Strecker gelesen. Gleich zu Beginn fiel mir auf, dass die Namen der Kapitel angesagt wurden. Das ist ein großer Pluspunkt, weil es ermöglicht, den Titel im Rahmen einer Lese- oder Hörrunde zu hören, in der ein Roman in unterschiedliche Abschnitte aufgeteilt wird. 
Außerdem gab es, wie bei den meisten Titeln von Cornelia Funke, wieder Musik zwischen den einzelnen Kapiteln. Diese Musik wirkte teils faszinierend, zauberhaft, aber auch sehr düster, was die Atmosphäre sehr gut untermalte. 
Anhand der Länge der Kapitel vermute ich, dass der Titel für ältere Hörer*innen geeignet ist. 
Rainer Streckers Interpretation gefiel mir sehr gut. Er gab den Charakteren nicht nur ihre eigene Stimme, sondern schaffte es auch innere Monologe spannend zu gestalten und die Unsicherheit der Charaktere gut herauszuarbeiten. Nicht zu vergessen bin ich nach wie vor ein großer Fan von Rainer Streckers Stimmfarbe. 

Cornelia Funkes Schreibstil ist sehr bildhaft. Ich mag es, wie sie mit Worten spielt und uns fremde Welten so beschreibt, dass wir sie uns vorstellen können. Cornelia Funke schafft es, mir einen schnellen Einstieg in die Handlung zu ermöglichen. 
Sie erzählt Reckless aus mehreren Perspektiven was uns die Möglichkeit gibt, herauszufinden, was manche Charaktere denken, oder auch erste Fährten zu erkennen, die die Autorin für Folgebände spinnt. 

Etwas erstaunt war ich diesmal aber von der düsteren Atmosphäre der Geschichte. In der Tintenwelt-Reihe gibt es auch immer wieder bedrohliche Szenen, die aus meiner Sicht zwar gruselig gestaltet waren, aber keine schlimmen Bilder erzeugten, die sich nur schwer verkraften ließen. 
In Reckless hingegen wurden Kampfszenen beschrieben und gerade gegen Ende gab es auch ein Blutbad. Aufgrund des Schreibstils bin ich davon ausgegangen, dass der Titel vor allem für jünge Hörer*innen gedacht ist. Aber aufgrund der Gewalt, die beschrieben wird, bin ich mir nicht sicher, ob jüngere Hörer*innen hier nicht eher Albträume bekommen würden. 
Was mir aber sehr gut gefiel war das sprachliche Bild der Goyl. Goyl sind nicht nur Wesen aus Stein. Ihnen bleiben Gefühle und Empathie auch völlig verborgen. Dieses Bild lässt sich wunderbar auf unsere Welt übertragen: Denn, wer genug schlimme Dinge erlebt, oder Ereignisse für sich als schlimm einstuft, wird nach außen hin ebenfalls kalt und baut eine Mauer um sich herum auf. 

Gesamteindruck
Bei Reckless - Steinernes Fleisch handelt es sich um einen soliden Reihenauftakt, der vor allem für Jugendliche gedacht ist. Hier und da fehlte mir etwas die Tiefe. Aber ich glaube es liegt daran, dass ich nicht mehr ganz zur Zielgruppe des Titels gehöre. Dennoch werde ich mir de Folgebäne anhören, weil ich mehr über unsere Charaktere und die Welt hinter den Spiegeln erfahren möchte. 

Frau, die uns über 
ein Buch hinweg anschaut. 
Um sieh erum ein Kreis in dem 
Buchclub steht.  
steht. Foto: A. Mack 

Und Du? 
Warst Du Teil des #TeamReckless? 
Welche Schulnote gibst Du dem Band? 
Wie hat Dir der Reihenauftakt gefallen? 
Hast Du einen Lieblingscharakter? 
Was denkst Du über die Spiegelwelt? 

Ich bin gespannt auf Deine Meinung. Ich bitte Dich aber darum, Spoiler in Deinem Kommentar zu kennzeichnen, damit es für die Mitleser*innen keine bösen Überraschungen gibt. 

Samstag, 6. Juni 2020

Mein Hörmonat Mai 2020

Hallo Buchlinge, 

eigentlich wollte ich ein Experiment mit euch starten und euch auf dem Blog ab sofort die Podcast Folgen inklusive Hörproben hochladen. Leider musste ich gerade feststellen, dass das Video zu groß ist. Kurzum: Vergesst, was ich in der Podcast Folge erwähnt habe. Es bleibt alles so, wie es ist. 

Podcast Folge direkt bei YouTube hören. 




Erwähnte Hörbücher und eBooks: 
Reckless - Steinernes Herz von Cornelia Funke. 
Märzgefallene von Volker Kutscher. 
*Endgültig von Andreas Pflüger. 
*Kilometer 123 von Andrea Camileri. 
Die Säulen der Erde von Ken Follett. 
Dachdecker wollte ich eh nie werden von Raul Krauthausen. 
0711ove stories Viktor und Paula von Ariana Popescu. 

Und Du? 
Welche Hörbücher oder Bücher hast Du im Mai beendet? 
Kennst Du einen der vorgestellten Titel? 

-----------------------------------------------------------------------

Die mit * markierten Titel wurden mir als Rezensionsexemplar von den jeweiligen Verlagen zur Verfügung gestellt. 

Mittwoch, 3. Juni 2020

Bye, bye Jugendbuch - Was ich an dem unbeendeten Projekt gelernt habe

Schreibmaschine.
Ein eingespanntes Blatt auf
dem "Ge(h)schrieben" steht.
Bild von A. Mack

Hallo Buchlinge, 

in meinem heutigen Beitrag will ich euch von meinem Never-Ending-Jugendbuch erzählen, das zum Schluss auch wirklich never ending wurde. Ich habe nämlich beschlossen, das Jugendbuch fürs Erste abzubrechen, oder schöner formuliert: zu den Akten zu legen. 
Ich habe seit Ende 2013 an dem Projekt gearbeitet und muss feststellen, dass ich zwar nach wie vor an der Grundidee festhalte, sie mit dem Material, das ich mir erarbeitet habe, aktuell nicht umsetzbar ist. An der Grundidee halte ich nach wie vor fest. Dennoch brauche ich ein anderes Setting und je mehr ich darüber nachdenke, desto schlimmer wird das Ganze. Deswegen lasse ich die Geschichte vorerst ziehen und widme mich einer Idee für einen Thriller, die schon 2016 bei mir anklopfte, aber aufgrund des Jugendbuches nach hinten verschoben wurde. 

In diesem Blogbeitrag will ich euch aber erzählen, was ich aus dem nicht beendeten Jugendbuch mitnehme. Damit will ich vor allem zeigen, dass es für mich kein gescheitertes Projekt ist, nur, weil ich zum Schluss kein fertiges Buch in den Händen halte. 
Vielleicht gibt es ja auch (angehende) Autor*innen unter euch, die schon einmal ähnliches erlebt haben. Da tut es vielleicht gut zu wissen, dass ihr nicht alleine seid. 
Kommen wir aber nun zu den Dingen, die ich gelernt habe. 

Die richtigen Testleser*innen finden 
Wenn ihr euch mit anderen Autor*innen austauscht, ist immer wieder von Testleser*innen die Rede. Das sind Leute, die die Rohfassung eures Textes lesen und euch ein erstes Feedback geben. Immer wieder wird geraten, sich unbedingt Testleser*innen zu suchen. Als ich 2016 mit meinem Roman fertig war und das Ziel verfolgte, mir eine Literaturagentur zu suchen, gab ich meinen Roman erstmal an ein paar Testleser*innen meines Vertrauens weiter. 

Unter den Testleser*innen waren Freund*innen von mir, die mich schon sehr lange und sehr gut kennen, die zu dem Zeitpunkt das Ziel verfolgten als Lektorin arbeiten zu wollen, oder die sich gut darauf verstehen, zwischen den Zeilen zu lesen. Ich glaubte zu Beginn eine sehr gute Testleser*innen Mischung gewählt zu haben. Allerdings stellte ich sehr schnell fest, dass es nur zum Teil stimmte. 

Viele Meinungen - große Verunsicherung 
In Autor*innenforen wird immer wieder davon abgeraten, gute Freund*innen als Testleser*innen zu engagieren. Das Hauptargument besteht darin, dass Freund*innen nicht ihre ehrliche Meinung mitteilen oder nicht differenziert genug sind. Ich hingegen erlebte das Gegenteil, was mich ziemlich verunsicherte. 
Die Freundin, die zwischen den Zeilen lesen sollte, konnte viele Aspekte meines Textes nachvollziehen. Die Figuren haben sie erreicht und die Geschichte hat sie sehr bewegt. Dennoch gab es einige Logikfehler, die ihr entgangen sind. 
Die Freundinnen, die mich sehr gut und sehr lange  kennen, konnten mit einer der Figuren überhaupt nichts anfangen und merkten mir daher ziemlich viele Logikfehler an, weil sie die Handlungen der Figur meist nicht nachvollziehen konnten. 

Ich frage mich also: Welcher Meinung konnte ich trauen? Konnte ich mich auf eine Freundin verlassen, die zwar zwischen den Zeilen lesen, aber Logikfehler nicht erkennen kann? Kennen mich die beiden Freundinnen wirklich so gut, wenn ihnen eine meiner Figuren völlig fremd schien? Oder war mein Roman wirklich so unverständlich geschrieben? 
Ich kam zu dem Schluss, dass ich offenbar etwas falsch gemacht hatte. Wenn nicht einmal meine besten Freundinnen verstanden, was ich meinte, wie sollten das dann erst wildfremde Leser*innen können? 
Ich war verunsichert und diese Unsicherheit hielt sehr, sehr, sehr lange an. 

Außerdem hatte ich nicht bedacht, dass meine Testleser*innen eigentlich wenig lesen, oder hauptsächlich andere Genres lesen und somit überhaupt keine Möglichkeit hatten, meinen Text mit anderen Titeln aus demselben Genre zu vergleichen. 

Der Fragebogen 
Gerade weil unter meinen Testleser*innen auch Leute waren, die wenig lesen, habe ich teilweise auch mit Fragebögen gearbeitet, in der Hoffnung, dass die Fragen dabei helfen, die eigene Meinung der Testleser*innen in Worte zu fassen. Das Blöde an der Sache. Es kann natürlich sein, dass die Testleser*innen voreingenommen an den Text gehen. 

Meine Lösung 
Was ich aus dem Testleser*innen Experiment mitgenommen habe ist, dass mich viele Testleser*innen verunsichern. Falls ich also nochmal mit Testleser*innen arbeiten sollte, werde ich mir höchstens zwei Testleser*innen suchen, die dann aber unterschiedliche Schwerpunkte haben. 

Buchbloggerin und Autorin Jasmin Zipperling sprach neulich in einem Video mit einer anderen Autorin über das Thema Testleser*innen. Hier wurde ebenfalls über die Schwerpunkte-Methode gesprochen. Allerdings wurde hier auch ausdrücklich davon abgeraten, den Testleser*innen vorab gezielte Fragen zum Text zu stellen. 

Der Anfang und das Ende 
Als ich damals mit dem Schreiben begann, hatte ich nur ein Thema im Kopf. Nämlich Krankheitsbewältigung. Ich wusste überhaupt nicht, wohin die Reise mit meiner Protagonistin hingehen sollte. Inzwischen glaube ich, dass es mit ein Problem war, warum ich drei Jahre gebraucht habe, um die Rohfassung zu beenden. Ich wusste nicht, worauf ich hinarbeiten sollte. 

Das sorgte vor allem dafür, dass ich die Handlungsstränge zu Beginn nicht gut miteinander verband. Hinzu kam auch, dass ich die Handlungsstränge oft umwerfen musste, weil mir während des Schreibens eine neue Idee kam, die aber Veränderungen in den ersten Kapiteln bedeutete. So mussten nicht nur Szenen gestrichen, sondern auch regelmäßig Kapitel neu geschrieben werden. 

Während mein großes Projekt weiterhin das Jugendbuch blieb, schrieb ich auch ein paar Kurzgeschichten, bei denen ich mich ausprobieren konnte. Ich stellte fest, dass ich am besten voran kam, wenn mir die Ausgangssituation der Charaktere klar war und ich wusste wo die Charaktere am Ende sein sollten. Im Fall von Findet mich und meinem aktuellen Projekt hatte bzw. habe ich eine konkrete Szene im Kopf. Bei Findet mich hat sie sich sogar relativ schnell wieder geändert, aber das Ende stand für mich immer sicher fest. 

Das Ende beim Jugendbuch hingegen war zu vage. Dadurch habe ich mich auch von Fragen leicht verunsichern lassen. Ich merkte, dass ich entweder selbst keine Idee hatte, oder die Ideen, die ich hatte, auf mein Gegenüber nicht schlüssig wirkten. 

Erzählperspektive 
Am Anfang hatte ich auch Mühe, die richtige Erzählperspektive für mein Jugendbuch zu finden. Die Handlung sollte aus der Perspektive von zwei Protagonistinnen erzählt werden. Da es mir ziemlich leicht fällt, in der Ich-Perspektive zu schreiben übernahm ich diese Perspektive auch für beide Handlungsstränge. 

Irgendwann klopfte meine Bekannte die Unsicherheit an und fragte mich, ob es nicht besser sei, einen Handlungsstrang in einer anderen Erzählperspektive zu schreiben. Schließlich wollte ich ja nicht Gefahr laufen, dass meine Leser*innen die Charaktere miteinander verwechselten. Also schrieb ich die ersten Kapitel um. Ich glaube, es waren damals die ersten 50 Seiten. Das sorgte natürlich dafür, dass Gedanken und Gefühle einer Figur untergingen, weil ich nicht wusste, wie ich diese in der dritten Person unterbringen sollte, ohne sie die ganze Zeit denken zu lassen. 

Obwohl ich für einen Schreibwettbewerb erst kürzlich wieder dieses Stilmittel gewählt habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich es nochmal für einen Roman anwenden würde. Inzwischen habe ich auch ein paar Kurzgeschichten geschrieben, die in der dritten Person geschrieben sind. 
Inzwischen habe ich auch realisiert, dass es in keinem mir bekannten Roman einen Wechsel von der Ich-Perspektive hin zur dritten Person, oder umgekehrt, gibt. 

Das nächste Projekt? 
Aktuell tue ich mich auch etwas schwer, mit meinem aktuellen Projekt zu starten, weil ich mir noch nicht sicher bin, aus wie vielen Perspektiven die Geschichte erzählt werden soll und zu welcher Erzählperspektive ich greifen werde. Allerdings glaube ich, dass ich das ganz einfach lösen werde: Einfach drauf los schreiben und schauen, was passiert. (Immerhin steht mein Plan, um was es inhaltlich gehen soll). 

Die Recherche 
Wer einen Roman zum Thema Krankheitsbewältigung schreiben möchte, sollte vorab sehr gut recherchieren. Eine Sache, die ich nicht getan habe. Naiv wie ich war, suchte ich mir zuerst eine Hand voll Symptome aus, die meiner Ansicht nach für eine Einschränkung in der Lebensqualität meiner Protagonistin sorgten. Ich erfand kurzerhand ein Syndrom in dem diese Symptome versammelt waren. 

Eine Testleserin erklärte mir dann, dass man mich damit wohl kaum ernst nehmen würde und ich gab ihr recht. Allerdings stellten sich nun die Fragen: Welche Erkrankung sollte ich stattdessen nehmen? Gab es sogar eine Erkrankung, die die von mir aufgezählten Symptome enthielt? 
Ich begann zu recherchieren, was mich sehr viel Zeit kostete. Zum Schluss hatte ich dann auch eine seltene Erkrankung gefunden. Allerdings musste ich feststellen, dass der Krankheitsverlauf nicht zum Verlauf meiner Geschichte passte. 

Leute, die diese Erkrankung in dem Alter bekommen, in dem meine Protagonistin war, haben oft wenige bis gar keine Einschränkungen. Alternativ hätte ich meine Protagonistin auch einfach jünger schreiben können. Allerdngs wäre dann der Verlauf der Erkrankung schwerer gewesen und ich hätte mich mehr einarbeiten müssen. Außerdem wäre dann der Schwerpunkt der Geschichte ein anderer geworden. 

Also überlegte ich, ob ich in einer Art Vorwort erklärte, dass der Roman zwar an die Erkrankung anlehne, aber keinen realen Verlauf beschreibe. Für mehrere Wochen stellte mich die Idee zufrieden. Dann fragte ich mich aber irgendwann, warum iich mir eine Erkrankung aussuchte und es nicht mal schaffte, einen realen Verlauf zu beschreiben. Was sollten meine Leser*innen aus dieser Geschichte mitnehmen? Etwas über die Erkrankung würden sie ja wohl kaum lernen, wenn ich mir den Verlauf so zurechtbog, dass er in die Handlung des Jugendbuches passte. 

Dennoch ist es für mein nächstes Projekt wichtig, die richtige Mischung zwischen: sich informieren, aber sich nicht in der Recherche zu verlieren zu finden. Ob mir das gelingen wird? Es bleibt spannend. 

Und Du? 
Schreibst Du ebenfalls an Deinem Roman, oder hast vielleicht sogar ein Projekt, das Du zu den Akten gelegt hast? 
Welche Erkenntnisse hast Du bei Deinem Projekt gewonnen?