Mittwoch, 25. September 2019

Dear Evan Hansen

Bild von der Hörverlag
Steckbrief 
Name: Dear Evan Hansen (auch als Buch erhältlich) 
Autor: Val Emmich, Steven Levenson, Benj Pasek, Justin Paul
Verlag: der Hörverlag 
Geeignet für: Menschen, die gerne Jugendbücher lesen 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch 
Sprecher: Julian Greis und Pascal Houdus 
Bewertung: 3 von 5 Punkten 


Klappentext 

"Ein nie für die Öffentlichkeit bestimmter Brief lässt Evan Hansen als besten Freund seines toten Mitschülers Connor erscheinen. Dieses Missverständnis eröffnet dem Außenseiter Evan die Chance, endlich dazuzugehören. Plötzlich steht er im Zentrum der Aufmerksamkeit – sogar der von Connors attraktiver Schwester. Doch der Preis für die Lüge ist hoch: Sein Geheimnis kann jederzeit auffliegen. Und dann würde er nicht nur alles verlieren, sondern müsste sich seiner größten Herausforderung stellen: sich selbst.


Meine Meinung 
Im vergangenen Jahr entdeckte ich Rezensionen von Dear Evan Hansen auf ein paar Buchblogs und ich wurde ziemlich neugierig auf die Geschichte, die ursprünglich als Musical aufgeführt wurde. Meine Erwartungen an die Geschichte waren sehr hoch. Leider konnten sie nicht ganz gehalten werden.

Inhalt
Der Anfang von Dear Evan Hansen ist wirklich stark. Wir lernen Marc Evan Hansen kennen, der von allen eigentlich nur Evan genannt wird. Er verbringt viel Zeit alleine in seinem Zimmer und uns wird schnell klar, dass ihn zwischenmenschliche Kommunikation überfordert, oder ihm Angst macht. Das beginnt beispielsweise bei einer harmlosen Bestellung beim Lieferservice und endet beim Smalltalk in der Schule mit Mitschüler*innen, die er im Grunde schon sein ganzes Leben lang kennt.
Seine Mutter ist alleinerziehend und muss viel arbeiten. Sie hat daher eine Therapie für Evan organisiert. Dort soll er Briefe an sich selbst schreiben. Eines Tages lässt er seinen Gefühlen endlich freien Lauf. Doch dann gerät dieser Brief in die Hände eines Jungen, der Suizid begeht. Und alle glauben, es handelt sich um seinen Abschiedsbrief. Anstatt das Missverständnis aufzukären, gerät Evan in einen Strudel aus Lügen und Halbwahrheiten. 

Was mir in der Handlung wirklich fehlte, war der rote Faden der Geschichte. Durch die unglücklichen Verkettungen, die das Missverständnis um den Brief mit sich bringen, kommen zwar viele Themen in Gang, werden aber nicht ausreichend behandelt, sondern meist durch ein neues Thema abgelöst. Mir fehlten hier aber die zentralen Themen: Die Themen auf die man immer wieder zurückkommt und die auch in der Geschichte aufgelöst und nicht einfach fallen gelassen werden. Da Evan immer neue Notlügen erfinden muss, wurden auch plötzlich Dinge thematisiert, die ich zu Beginn der Geschichte überhaupt nicht als Problem empfunden habe.
Evan verbringt viel Zeit alleine, was ihm am Anfang der Geschichte scheinbar auch nicht viel ausmacht. Doch eines Tages gerät er genau deswegen mit seiner Mutter aneinander. Mir fehlte hier - und auch in anderen Situationen - ein klarer Übergang, in dem deutlich wird, dass sich die Situation zuspitzt oder doch nicht so war, wie man am Anfang hätte vermuten können.

Dear Evan Hansen bringt zwei Perspektiven mit: Den Großteil der Geschichte erleben wir aus Evans Sicht. Wir lernen seine Gefühle und Gedanken kennen und können deutlich spüren, wie ihn die Kommunikation mit anderen Menschen verunsichert. Seine Handlungen werden in der Geschichte gut begründet und waren für mich größtenteils auch nachvollziehbar. Mich verwirrte nur diese Vielfalt an Themen.

In der zweiten Perspektive lernen wir Connor kennen: Wir erfahren seine Geschichte und finden heraus, warum er Suizid begangen hat. Diese Perspektive war mir allerdings zu ungenau herausgearbeitet. Einerseits war es gut, dass wir durch Connor erfahren konnten, wie sein Leben wirklich verlief. Andererseits erkannte ich nicht, wie diese Perspektive die Geschichte voran gebracht hat. Es war zwar spannend, etwas über Connors Leben zu erfahren, aber für mich hing dieser Handlungsstrang etwas lose herum.

Was die zentralen Themen des Romans betreffen, gibt es einige Möglichkeiten: Eine davon könnte beispielsweise die Einsamkeit sein. Durch Evans (Not)Lüge bekommt er viel positive Aufmerksamkeit, was ihn nicht sonderlich zu stören scheint. Wir können also vermuten, dass Evan die Rolle des Einzelgängers nicht wirklich gefallen hat. Connor war ebenfalls einsam. Er war von Menschen umgeben, die ihn, bis auf eine Person, aber nicht wirklich verstehen konnten. Obwohl Evan und Connor nichts miteinander zu tun hatten, ist die Einsamkeit etwas, das beide miteinander verbindet. Allerdings kann aufgrund der Handlung der Geschichte diese Parallele nur schwer herausgearbeitet werden.
Was mich etwas irritierte war, dass Connors Suizid überhaupt nicht in der Geschichte thematisiert wurde. Natürlich bleibt seine Familie ratlos zurück. Aber im Mittelpunkt der Geschichte steht die angebliche Freundschaft zwischen Evan und Connor. Allerdings gibt es auch hier nur wenig Möglichkeiten den Suizid zu thematisieren, weil die Handlung der Geschichte auf andere Themen ausgelegt ist.

Was mich an Dear Evan Hansen aber beeindruckte war eindeutig die Hörbuchgestaltung. Erst einmal war ich froh, dass die Geschichte ungekürzt produziert wurde. Da die Geschichte im Original ja ein Musical ist, war ich gespannt, ob man das in der Hörbuchgestaltung bemerkte. Es handelt sich hier aber um eine klassische Lesung, was mir sehr gut gefallen hat.
Da wir zwei Perspektiven haben, lernen wir hier auch zwei Hörbuchsprecher kennen.
Julian Greis schlüpft in die Rolle von Evan und liest den Großteil der Geschichte. Aufgrund seiner hellen Stimmfarbe klingt er unglaublich jung und ich habe ihm die Rolle des Teenagers wirklich abgenommen. Inzwischen habe ich schon ein paar Titel gehört, die von dem Hörbuchsprecher gelesen wurden und ich muss sagen, dass mich seine Interpretation von Evan wirklich beeindruckt hat, weil Evans Unsicherheit und Orientierungslosigkeit für mich wirklich greifbar wurden. Obwohl ich die Handlung teilweise nicht nachvollziehen konnte, hat es Julian Greis geschafft, mir Evan als Charakter näher zu bringen.
Pascal Houdus schlüpft in die Rolle von Connor. Er klingt ebenfalls jung. Man hört ihm die Zerbrechlichkeit und die Einsamkeit, die ihn umgeben, deutlich an.
Mir hat die Kombination aus den beiden Sprechern auch sehr gut gefallen, weil sie stimmlich gut miteinander harmonieren. Julian Greis hat eine hellere Stimmfarbe, während Pascal Houdus etwas tiefer, aber dennoch jung genug klingt, um in die Rolle eines Jugendlichen schlüpfen zu können.

Der Schreibstil von Dear Evan Hansen hat mir sehr gut gefallen. Beide Handlungsstränge werden aus der Ich-Perspektive erzählt und haben somit dafür gesorgt, dass ich der Geschichte gut folgen konnte, bzw. Evans Reaktionen auf bestimmte Situationen nachvollziehen konnte.  Was ich besonders mochte, waren die Dialoge zwischen Evan und den anderen Charakteren, oder die Briefe, die Evan an sich selbst geschrieben hat.
Was ich diesmal spannend finde ist, dass mir der Schreibstil der Geschichte wirklich gut gefallen hat, obwohl ich mit der Handlung nicht immer mitgehen konnte. Wenn mir eine Geschichte nicht gut gefällt, habe ich häufig die Erfahrung gemacht, dass sich das auch auf den Schreibstil auswirkt. 

Gesamteindruck
Dear Evan Hansen ist eine Geschichte, die interessante Themen und Fragen anspricht. Allerdings wurde sich aus meiner Sicht zu wenig mit den Themen auseinandergesetzt. Dennoch lernen wir hier zwei spannende Charaktere kennen und haben eine unglaublich gute Hörbuchproduktion. Diese zwei Gründe sorgen dafür, dass ich das Hörbuch generell weiterempfehlen kann.

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* Dieses Hörbuch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. 

Montag, 23. September 2019

Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg

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HörbuchHamburg

Eine Rezension von Skyara 

Name: Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg (auch als Buch erhältlich) 
Autor: Jenny Colgan 
Verlag: HörbuchHamburg (Osterwold audio) 
Geeignet für: Menschen, die eine nette Liebesgeschichten für nebenbei suchen 
Gelesen oder gehört: gehört, (Leihweise aus der Bibliothek) 
Sprecher: Vanida Karun 
ISBN: 978-3-86952-356-9 
Bewertung: 3 von 5 Punkten 


Klappentext 

"Endlich hat der Sommer an Cornwalls Küste Einzug gehalten, und Polly Waterford könnte nicht glücklicher sein: Ihre kleine Bäckerei läuft blendend, und zusammen mit Huckle, der Liebe ihres Lebens, genießt sie die lauen Abende in dem Hafenstädtchen Mount Polbearne, das inzwischen zu ihrer Heimat geworden ist. Doch plötzlich ist die Bäckerei in Gefahr, denn die alte Besitzerin stirbt. Außerdem fällt es Huckle schwer, seine Vergangenheit in Amerika gänzlich hinter sich zu lassen. Und während Polly Mehl siebt, Teig knetet und Brot backt, bangt sie um ihre Zukunft …


Meine Meinung 
Kurz vorab: Ich habe Die kleine Bäckerei am Strandweg noch nicht gelesen! 

Mit diesem Hörbuch kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Es ist leider eine gekürzte Lesung des Buches, dies fällt aber nur ganz selten während des Hörens auf, weshalb das Hörerlebnis kaum beeinträchtigt ist! 
Die Sprecherin Vanida Karun hat eine sehr angenehme und melodische Klangfarbe weshalb ich ihr gerne aufmerksam zugehört habe! 

Die Geschichte geht hier anscheinend ein paar Monate nach dem Abschluss des ersten Bandes weiter. Man erfährt so manche Info direkt am Anfang, mit der man doch sehr viel anfangen kann, weshalb man einen problemlosen Einstieg hat. Ganz im Gegenteil: Dadurch das man im ersten Moment nicht erahnen kann, wer die Person beim Psychiater ist (das ist kein Spoiler!) hat es sogar etwas Spannendes für sich. 

Auch ist Neil, der kleine Papageientaucher dabei, der für ganz schön Wirbel sorgt und die Protagonistin und ihren Lebensgefährten ganz schön ins Grübeln bringen. 
Gegen Ende spitzt sich die ganze Geschichte um die kleine Insel und ihre Bäckerei auch ganz schön zu und es wird wortwörtlich ziemlich stürmisch! 

Ich kann dem Hörbuch somit eine Gesamtpunktzahl von 3 Punkten geben. Abzug aufgrund der teilweise fehlenden Stellen aus dem Buch (0,5 Punkte Abzug) und weil es leider keine Geschichte war, welche mich vom Hocker gehauen hat, sondern für mich einfach nur eine nette Geschichte für nebenher war (1,5 Punkte Abzug). 

Montag, 16. September 2019

Chocolat

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steinbach - sprechende Bücher
Steckbrief 
Name: Chocolat (auch als Buch, eBook und Film erhältlich) 
Autor: Joanne Harris 
Verlag: steinbach - sprechende Bücher 
Geeignet für: Menschen, die zauberhafte Geschichten suchen 
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch
Sprecher: Maud Ackermann 
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 


Klappentext 

"Ist Vianne Rocher eine Magierin? Sie verzaubert die Menschen mit ihren selbstgemachten Pralinés und Schokoladenkreationen. In dem französischen Städtchen, in dem sie sich niederlässt, gewinnt sie rasch Zugang zu allen Herzen. Mit einer Ausnahme: Pater Reynaud erklärt ihr, besorgt um das Seelenheil seiner Gemeinde, den Krieg." 


Meine Meinung 
Buchlinge, eigentlich sollte dieses Hörbuch einen Platz in meinem diesjährigen Weihnachtsspecial bekommen. Doch da es inzwischen wohl nur noch gebraucht erhältlich ist, habe ich es mir kurzerhand anders überlegt und erzähle euch deswegen heute schon von der Geschichte. 

Inhalt 
Wir lernen die junge Mutter Vianne kennen, die seit Jahren mit ihrer Tochter von Ort zu Ort zieht, immer auf der Suche nach einer neuen Heimat. Sie hat das Reisen inzwischen satt und beschließt sich in einem kleinen Dorf in Frankreich niederzulassen. Doch auch hier wird sie nicht mit offenen Armen empfangen. 

Was Joanne Harris hier sehr schön beschreibt, ist, was passiert, wenn man Menschen durch und durch freundlich begegnet, egal, ob die Freundlichkeit erwidert wird, oder eben nicht. Der Inhalt der Geschichte besteht im Grunde darin, zu beobachten, wie sich die Dynamik im Dorf verändert. Können Vianne und ihre Tochter vor Ort wirklich eine neue Heimat finden? Oder ist es vielleicht wirklich besser, die Zelte wieder abzubrechen und sich nach einem anderen Ort umzuschauen? 

Auch die Handlung von Chocolat glänzt vor allem durch die Haupt- und Nebencharaktere der Geschichte: Vianne hat ein gutes Gespür für Menschen und dafür, was ihnen in einer schwierigen Situation helfen könnte, egal, wie lange sie ihr Gegenüber schon kennt. Und diese Eigenschaft irritiert viele Dorfbewohner*innen, weil sie es zum einen nicht gewohnt sind, das man sich für sie interessiert und sie zum anderen so in ihrem Alltagstrott gefangen sind, dass ihnen der Zauber des Lebens verloren gegangen ist. 
Das Interessante ist, dass wir Vianne an einem Wendepunkt in ihrem Leben kennenlernen: Bisher war sie es gewohnt, nie lange an einem Ort zu bleiben. Diesmal ist es anders: Sie will sich den Dingen stellen, die sie im Dorf erwarten. Das ist insofern spannend, als das sie sich Konflikten stellt, den sie bisher immer erfolgreich aus dem Weg gegangen ist. 

Der zweite Protagonist der Geschichte ist der Pfarrer des Dorfes. Er hat sich in dem Dorf bereits gut eingerichtet. Er wird von den Dorfbewohner*innen akzeptiert und die meisten von ihnen, orientieren sich an dem, was der Pfarrer in seiner wöchentlichen Predigt so erzählt. Das Leben im Dorf hat also eine Ordnung, die Vianne mit ihrer Ankunft ganz langsam aber sicher auflöst. Je mehr Kontrolle der Pfarrer verliert, desto nervöser wird er. 
Spannend fand ich hier die Unschlüssigkeit des Pfarrers zu erleben: Einerseits verteufelte er Vianne und ihre Chocolaterie. Andererseits wurde in schwachen Momenten deutlich, wie sehr er sich wünscht, Teil der Gemeinschaft zu sein, die sich um Vianne sammelt. 

Hörbuch Gestaltung 
Besonders beeindruckt hat mich Hörbuchsprecherin Maud Ackermann. Sie kam mir aufgrund ihrer Stimmfarbe sehr bekannt vor, obwohl ich nicht klar sagen konnte, woher ich sie als Sprecherin kannte. Mir hat ihre Lesung von Chocolat unglaublich gut gefallen. Sie bringt nicht nur eine tolle Lesegeschwindigkeit mit, sondern lässt die Charaktere aufgrund ihrer Interpretation lebendig werden. 

Der Schreibstil von Joanne Harris ist leicht zu lesen bzw. in diesem Fall zu hören. Sie erzählt die Geschichten aus zwei Perspektiven: Der Perspektive von Vianne und der des Pfarrers. Beide Handlungsstränge sind in der Ich-Perspektive geschrieben und haben mir somit einen schnellen und guten Einstieg in die Geschichte ermöglicht. 
Obwohl der Inhalt bedrückend ist, weil wir immer wieder mitbekommen, wie Vianne und ihre Tochter aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen werden, schafft es Joanne Harris der Geschichte auch eine Leichtigkeit zu verleihen. Somit hat ihr Schreibstil für mich auch etwas zauberhaftes. 

Gesamteindruck 
Bei Chocolat handelt es sich um eine kurzweilige, aber sehr liebenswerte Geschichte. Obwohl sie nicht ganz im Winter spielt, würde ich euch empfehlen, sie in der Weihnachtszeit zu lesen oder zu hören. 

Montag, 9. September 2019

Unter der Drachenwand

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HörbuchHamburg

Steckbrief
Name: Unter der Drachenwand (auch als Buch erhältlich) 
Autor: Arno Geiger 
Verlag: HörbuchHamburg
Geeignet für: Leute, die gerne historische Romane hören, oder Leute, die sich für sprachlich gut aufbereitete Geschichten interessieren 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch 
Sprecher: Torben Kessler, Cornelia Niemann, Michael Quast, Torsten Flassig 
Bewertung: 3 von 5 Punkten 


Klappentext 

"Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch? Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom ›Brasilianer‹, der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich – und von der Liebe. Ein herausragender Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden."


Meine Meinung 
Buchlinge, sowohl von Arno Geiger als auch seinem Roman Unter der Drachenwand habe ich schon viel gehört. Deswegen ist der Titel Ende letzten Jahres bei mir eingezogen. Nun wollte ich hören, was es mit der Geschichte auf sich hat und muss leider gestehen, dass ich etwas enttäuscht zurückbleibe. 

Inhaltlich gibt es in Unter der Drachenwand nicht viel Neues. Die Geschichte spielt während des zweiten Weltkrieges in Österreich. Wir lernen einen Soldaten kennen, der aufgrund einer Kriegsverletzung beurlaubt ist und sich aufs Land in die Region Mondsee zurückzieht. Dort lernt er eine junge Frau aus Deutschland kennen, die aus Darmstadt vor dem Krieg geflohen ist und regelmäßig Briefe von ihrer Mutter aus der Heimat bekommt. 
Außerdem lernen wir einen Juden kennen, der gemeinsam mit seiner Familie um das Überleben kämpft und hören die Briefe eines Jungen, der an seine Cousine schreibt, die ebenfalls in der Region Mondsee lebt. 

Lange habe ich mich gefragt, wie die vier Handlungsstränge zusammenkommen. Letztendlich war das zwar gut gelöst, dennoch hatte ich auf etwas mehr Verbindung zwischen den verschiedenen Charakteren gehofft. Inhaltlich beschreibt die Geschichte nicht viel Neues, weil sie die Themen aufgreift, die einem während dem Krieg beschäftigen: Die Frage, was richtiges Handeln ist; ob sich das Kämpfen überhaupt noch lohnt; oder wie viel man für die Menschen tut, die man liebt. 

Durch die vier Perspektiven, die uns Arno Geiger hier zeigt, hatte ich mir eigentlich eine neue Sichtweise auf das Thema Krieg, oder die verschiedenen Positionen, in denen sich unsere Charaktere befinden, erhofft. Dennoch bewegt sich die Geschichte viel auf der Stelle bzw. wenn unsere Charaktere in die Handlung gingen, - besonders bei dem krankgeschriebenen Soldaten -, fiel es mir schwer, dessen Handlung nachvollziehen zu können, weil diese für mich häufig unbegründet bleibt. 

Obwohl mich der Inhalt von Unter der Drachenwand nicht packen konnte, beeindruckte mich Arno Geiger mit seinem Schreibstil. Den Handlungsstrang unseres Soldaten erzählt er aus der Ich-Perspektive. Alle anderen Handlungsstränge werden zwar ebenfalls aus der Ich-Perspektive aber auch aus der Briefform erzählt, was ich als interessante Abwechslung empfand. 
Im Handlungsstrang unseres Soldaten war es für mich spannend zu beobachten, wie sich eine Veränderung in den zwischenmenschlichen Beziehungen auf die Sprache auswirkt. So lernt der Soldat in Mondsee andere Leute kennen, die er aber nach ihrer Ortszugehörigkeit beschreibt. So spricht er von der Frau aus Darmstadt lange von der Darmstädterin. Das ändert sich erst, als sich die beiden anfreunden. Dann bekommt die Frau plötzlich einen Vornamen.

Beeindruckt haben mich auch die Handlungsstränge, die in Briefform geschrieben waren. Gerade die Briefe, die die Darmstädterin von ihrer Mutter bekommt, sind sprachlich sehr gut aufbereitet. Sie schwanken zwischen Sehnsucht nach der Tochter und Vorwürfen, dass sie von der Tochter verlassen wurde. Besonders interessant finde ich die Stellen, an denen die Briefe von der einen in die andere Richtung kippen. 

Was mich bei der Hörbuch Gestaltung etwas verwirrte, waren die vielen Sprecher*innen. Die Geschichte wird von Torben Kessler, Michael Quast, Cornelia Niemann und Torsten Flassig gelesen. Cornelia Niemanns Rolle ist klar: Sie liest die Briefe der Mutter, die aus Darmstadt an ihre Tochter schreibt. Ihre Interpretation hat mir unglaublich gut gefallen, weil sie diesen unmerklichen, oder manchmal auch sehr plötzlichen Wechsel in der Stimmung der Mutter unglaublich gut transportiert hat. 
Torben Kessler schlüpft hier in die Rolle des Soldaten und liest einen Großteil der Geschichte, Er hat eine helle, angenehme Stimmfarbe. Er hat es ebenfalls geschafft, die sprachlichen Feinheiten von Unter der Drachenwand gut herauszuarbeiten. Wenn die Perspektive des Soldaten aber in die Vergangenheit wechselte, hatte ich manchmal Mühe, Torben Kessler zu folgen, weil ich mir hier nicht sicher war, wann wir wieder in der Gegenwart und wann wir noch in den Erinnerungen des Charakters waren. 
Leider kann ich nicht sagen, welcher der beiden anderen Hörbuchsprecher welche Perspektive gesprochen hat. Beide Stimmen empfand ich als sehr angenehm. 
Was ich mir von Hörbüchern wünsche, die von mehreren Sprecher*innen gelesen werden ist, dass zu Beginn des Hörbuches erwähnt wird, wer welche Rolle spricht. Je nachdem wie viele Perspektiven es in der Geschichte gibt, klärt sich diese Frage meist von selbst. Allerdings ist es bei Hörbüchern mit mehr als drei Perspektiven häufig schwierig, den/die Sprecher*in der richtigen Perspektive zuzuordnen, vor allem, wenn man noch nicht alle Sprecher*innen kennt. 

Gesamteindruck 
Inhaltlich hat mich Unter der Drachenwand leider enttäuscht. Ich hatte mir hier mehr von der Geschichte erhofft, bin mir aber auch nicht sicher, ob ich einige Aspekte, der Geschichte vielleicht einfach nicht verstanden habe. 
Dennoch hat mich Arno Geiger mit seinem Schreibstil beeindrucken können. Ich kann mir also gut vorstellen, eines Tages nochmal zu Unter der Drachenwand zu greifen, um mit der Geschichte arbeiten zu können. 

Sonntag, 8. September 2019

Ge(h)plaudert: Mein Hörmonat August 2019

Hallo Buchlinge, 

ich bin etwas aus der Übung, was das Podcast aufnehmen betrifft. Dennoch nutze ich heute die Gelegenheit, um euch von den Geschichten zu erzählen, die ich im August beendet habe. 

Hinweis: Bei Unter der Drachenwand von Arno Geiger war ich etwas verwirrt, was den vierten Hörbuchsprecher betrifft. Beim Überarbeiten der Podcast Folge ist mir der vierte Handlungsstrang der Geschichte wieder eingefallen. Meine Aussage, dass ich die Sprecher nicht auseinanderhalten konnte, nehme ich also hiermit zurück. 

Podcast direkt bei YouTube hören. 




Erwähnte Hörbücher: 
Drachenläufer von Khaled Hosseini 
Die Sturmschwester von Lucinda Riley 
Unter der Drachenwand von Arno Geiger 

Inhaltsverzeichnis 
00:00 Min: Intro 
00:36 Min: Drachenläufer 
01:08 Min: Drachenläufer Hörprobe 
02:47 Min: Meinung zum Hörbuch 
06:53 Min: Die Sturmschwester 
07:43 Min: Die Sturmschwester Hörprobe 
12:11 Min: Meinung zum Hörbuch 
17:40 Min: Unter der Drachenwand 
24:53 Min: Outro 

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Und Du? 
Kennst Du eine der Geschichten? 
Welche Titel hast Du im August beendet? 

Sonntag, 1. September 2019

Zurückge(h)blickt August 2019

Baum, Sonnenschirm, der über
einen Liegestuhl gespannt ist.
Foto: A. Mack
Hallo Buchlinge, 

die Sommerferien gehen auch hier in Baden-Württemberg dem Ende entgegen und es wird Zeit auf den August zurückzublicken. Kleinlaut muss ich gestehen, dass ich kaum Hörbücher gehört oder Bücher gelesen habe. Dennoch ist im August viel passiert, von dem ich euch nun berichten werde. 


Beendet - Die Statistik 
Bevor ich euch von den beiden Geschichten erzähle, die ich im August beendet habe, wollen wir erst einmal einen Blick auf meine Statistik werfen. 

Gelesene / gehörte Zeit: 1 Tag 21 Stunden 57 Minuten 
Gelesene Seiten: 133 Seiten 
Beendete Hörbücher: 3 Hörbücher 
Neuzugänge:
Britt Marie war hier von Fredrik Backman 
Die wilden Hühner Fuchsalarm (Bd. 2) von Cornelia Funke
Die wilden Hühner und das Glück der Erde (Bd. 3) von Cornelia Funke 
Sorry von Zoran Dvrenkar 


Beendet - Die Geschichten 
Wenn ihr auf den Titel der Geschichte klicken könnt, ist die Rezension bereits online gegangen. 

Bild von
HörbuchHamburg
Unter der Drachenwand von Arno Geiger
In dieser Geschichte erleben wir vier Charaktere, die im zweiten Weltkrieg um das eigene Überleben kämpfen. Sie treffen alle unter der Drachenwand aufeinander.
Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich von diesem Titel halten soll. Das Thema Krieg ist nichts Neues und so gab es auch inhaltlich keine Aspekte, die mich groß überrascht haben bzw. mir eine neue Perspektive auf das Thema Krieg ermöglichen konnten. Arno Geiger hat mich hier aber mit seiner Darstellung der Charaktere und seinem Schreibstil überrascht und somit viel Raum gegeben, um Unter der Drachenwand interpretieren zu können. Dennoch muss ich kleinlaut gestehen, dass ich mir inhaltlich etwas mehr von der Geschichte erhofft hätte und einige Wendungen nicht ganz verstanden habe.


Bild von der Hörverlag
Die Sturmschwester von Lucinda Riley
Im zweiten Band der Sieben-Schwestern-Reihe lernen wir Ally kennen, die sich ebenfalls auf die Suche nach ihrer Herkunftsfamilie begibt. Lucinda Riley überraschte mich hier mit einem neuen Stilmittel und zwar der Geschichte in der Geschichte, die ich fast spannender fand, als den Handlungsstrang mit Protagonistin Ally. Was mir an der Reihe gut gefällt ist, dass wir am Ende immer einen kleinen Einblick in den nächsten Band bekommen und so die nächste Protagonistin und auch die nächste Sprecherin kennenlernen. Nun bin ich gespannt, welche Geschichte im dritten Band der Reihe auf uns wartet.


Bild von steinbach 
Drachenläufer von Khaled Hosseini
Wir lernen hier Amir kennen, der in Afghanistan lebt und mit seinem Diener Hassan aufwächst. Eines Tages erleben die beiden eine Situation, die ihr Leben verändert.
Dieses Hörbuch war mein Monatshighlight. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und wir haben deswegen auch unterschiedliche Konfliktebenen, die sehr gut umgesetzt waren.
Einzig bei der Verknüpfung der Handlungsstränge bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich die Verbindung gut oder etwas konstruiert finden soll. 


Gefreut 
Auch im August gab es wieder Ereignisse, über die ich mich gefreut habe und die ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte.

Erste Hochzeit im Freundeskreis 
Ende August fand die erste Hochzeit in meinem Freundeskreis statt. Ich habe mich sehr für das Brautpaar gefreut und muss auch gestehen, dass die Hochzeit nochmal ein weiterer Schritt in die Wir-werden-erwachsen-Richtung war.

Die Planung für die Frankfurter Buchmesse beginnt 
Im August ist der Veranstaltungskalender der Frankfurter Buchmesse online gegangen und ich bin schon fleißig dabei, interessante Termine vorzumerken. Außerdem bekam ich Mitte August bereits die erste Terminanfrage von einem Hörbuchverlag, worüber ich mich ebenfalls sehr gefreut habe.

Endlich wieder gesund 
Nachdem ich von Anfang Juli bis Mitte August krank war, scheine ich jetzt endlich wieder gesund und vor allem belastbar zu sein. Das ist unglaublich angenehm. Mir ging das rumhängen und nichts tun können nämlich wirklich auf die Nerven.


Getrennt 
... habe ich mich von einem großen Stapel meiner Bücher. Ich plane nämlich, mir ein richtig episches Hörbuchregal bauen zu lassen. Damit das aber in meinem Zimmer untergebracht werden kann, muss eines meiner Bücherregale weichen. Und da ich die meisten Bücher nicht noch einmal lesen (können) werde, habe ich kurzerhand beschlossen, einen weiteren Stapel zum Verkauf anzubieten. Wer mir auf Instagram folgt, hat meine drei Bücherstapel Bilder bereits gesehen. Wenn ihr hier auf dem Blog an einem eigenen Post interessiert seid, in dem ich euch die Titel zeige, die ein neues Zuhause suchen, schreibt es mir gerne in die Kommentare. (Ich verlange für die Hardcover Titel 5 Euro und für die Paperback und Taschenbücher 3 Euro. Ein Tausch ist nur möglich, wenn ihr mir ein Hörbuch anbieten könnt, bzw. mich der Titel auch anspricht).


Hinter den Kulissen 
Im August feierte Ge(h)Schichten fünfjähriges Bestehen. Das ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Ge(h)Schichten ist mein dritter Blog und hier bin ich bisher am längsten dabei geblieben und habe nach wie vor Spaß an dem, was ich hier so für euch produziere.

Der August ist seit 2017 der Monat des Buchblog Awards. Ge(h)Schichten war in diesem Jahr ebenfalls nominiert. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass es um de 600 Nominierungen gab. Deswegen rechne ich mir mal nicht so hohe Chancen auf einen Shortlist Platz aus. Ich hoffe sehr, dass die Shortlist morgen bekannt gegeben wird und ich bin natürlich unglaublich gespannt, welche Kanäle dort vertreten sein werden.


Was gab's zu erzählen? 
Lasst uns nun einen Blick auf die Beiträge werfen, die im August online gegangen sind.

Ge(h)plaudert 
Hörmonat Juli 2019

Rezensionen aus dem vorherigen Monat 
Der stumme Tod
Nijura - Das Erbe der Elfenkrone
Eine Tüte grüner Wind
Ophelia Scale - Die Welt wird brennen

Ge(h)schrieben 
Das Camp NaNoWriMo und ich

Ge(h)dacht 
5 Jahre Ge(h)Schichten


In diesem Sinne...
Ja, Buchlinge, da ich im August eben noch krank war, gibt es leider gar nicht so viel zu berichten. Dennoch wollte ich nicht auf den Monatsrückblick verzichten. An dieser Stelle interessiert mich natürlich, welche Geschichten ihr im August verschlungen habt und weiterempfehlen könnt.
Ich hoffe, ihr seid gut in den September gekommen (und die Potterheads unter euch sind nicht allzu traurig, dass sie den Hogwarts Express nicht erreicht haben).