Mittwoch, 3. Juli 2019

Ge(h)schrieben Folge 1: Das Planen und ich



Schreibmaschine.
Ein eingespanntes Blatt auf
dem "Ge(h)schrieben" steht.
Bild von A. Mack
Hallo Buchlinge, 

heute ist es also soweit: Ich präsentiere hiermit das erste Update der neuen Rubrik Ge(h)schrieben. In diesem Beitrag stelle ich euch die Rubrik vor. Hier in Kürze: Monatlich werde ich euch ab sofort von meinem Autorenleben berichten. Dabei geht es nicht nur um die Projekte, die ich aktuell schreibe, sondern auch um Fragen, die mich als Autorin beschäftigen. 

An dieser Stelle will ich noch einmal darauf hinweisen, dass ich hier von meinen persönlichen Erfahrungen und Gedanken zu bestimmten Themen berichte. Diese Gedanken sind nicht in Stein gemeißelt. Es kann sein, dass ihr andere Erfahrungen gemacht habt und das ist auch gut undvöllig in Ordnung so. 
Kommen wir also erstmal zur... 

Ge(h)schrieben im Juni - Die Statistik
Erst einmal beginnen wir mit dem Statistik Teil. Die Autor*innen unter euch, die regelmäßig schreiben, kennen diese Wörterzählerei ja vielleicht. Obwohl ich wirklich nicht viel mit Zahlen anfangen kann, mag ich das Wörter zählen tatsächlich ganz gerne. 

Stand: 30.06.19 
Geschriebene Zeit: 18 Stunden und 4 Minuten 
Geschriebene Wörter: 20.915 Wörter

Dieser Monat zeigt wunderbar, dass eine bestimmte Wortanzahl überhaupt nichts über das aussagt, was ich wirklich geschafft habe. Bis Mitte Juni hing ich nämlich an einer Idee für den Adventskalender, die leider nicht funktionierte. Warum erzähle ich euch im Laufe des Beitrages. Deswegen kann ich die Wörter, die ich bis zum 15.06 geschrieben habe, überhaupt nicht mehr gebrauchen, da ich inzwischen an einer neuen Idee arbeite, die mir viel besser gefällt und absolut nichts mit der ersten Idee zu tun hat.

Interessant finde ich meine Schreibzeit. Da ich aktuell recht voll gepackte Tage habe und gerade im Juni viel Zeit am PC verbringen musste, fehlte mir oft die Motivation, mich zum schreiben nochmal an den PC zu setzen. Zum Glück wird sich das im Juli ändern und ich rechne mit etwas mehr Schreibzeit.
Ich weiß, im Gegensatz zu Autor*innen, die hauptberuflich schreiben, ist meine Schreibzeit vermutlich echt etwas wenig, weil es pro Tag nicht mal acht Stunden sind. Aber ich bin schon etwas stolz auf meine 18 Stunden, weil mir das zeigt, dass ich es ab Mitte Juni doch ganz gut geschafft habe, regelmäßig zu schreiben und somit langsam eine Routine zu entwickeln. 

Das Planen und ich 
Ihr kennt es sicher: Ihr habt eine Idee für ein neues Projekt. Zuerst ist es nur ein Gedanke und dann kommt Stück für Stück mehr dazu: Ideen für die Figuren, die ersten Szenen, das Setting. Nun stellt sich die Frage: Schreibt ihr einfach drauf los und lasst euch überraschen, wohin die Reise geht oder fühlt ihr euch mit einem Plan wohler? Viele Autor*innen, die beruflich schreiben, planen ihre Romane bis ins kleinste Detail. Fantasyautor Kai Meyer beispielsweise hat zu seinen Projekten nicht nur ein Expose, sondern auch Szenenpläne.

Wenn ihr euch also dafür entschieden habt, euer Projekt planen zu wollen, gibt es verschiedene Methoden, die euch dabei helfen, das Wesentliche eurer Geschichte herauszuarbeiten. In diesem Artikel findet ihr eine Übersicht der gängigen Methoden des Storytelling. Autor und Lektor Hans-Peter Roentgen stellt in einem Artikel die Methode des Phönix aus der Asche vor.
Erfahrene Autor*innen werden jetzt vielleicht die Köpfe schütteln. Aber ich habe bisher nur ein Hilfsmittel ausprobiert, anhand dessen ich meine Projekte geplant habe. Und das ist das Expose.

Wer überlegt, das Schreiben zum Beruf zu machen, oder zu den Student*innen gehört, weiß, dass man sich irgendwann dem Thema Expose stellen muss: Egal, ob für eine wissenschaftliche Arbeit, oder einen Roman, das Expose dient dazu, den Inhalt eures Textes zusammenzufassen. Hier sollt ihr nicht nur euren Text planen, sondern die Schritte der Planung auch noch begründen. Annika Bühnemann, Autorin und Gründerin des Blogs vomschreibenleben.de fasst in einem Artikel nicht nur zusammen, was ein Expose ist, sondern auch, wie man das Expose für den eigenen Roman schreibt. 

Ich habe mich im Mai und im Juni sehr intensiv mit dem Thema Expose schreiben beschäftigt. Wie bereits schön häufig erwähnt, arbeite ich seit Jahren an einem Jugendbuch, von dem ich bis vor kurzem davon ausgegangen bin, dass es fertig ist und Literaturagenturen angeboten werden kann. (Warum ich mich für den Weg über eine Literaturagentur und nicht beispielsweise das Selfpublishing entscheide, werde ich in einem der nächsten Beiträge erzählen).

Das Schwierige war: Ich musste meine Geschichte auf 2-3 Normseiten zusammenkürzen. Für diejenigen unter euch, die nicht wissen, was eine Normseite ist, empfehle ich einen Artikel, der bei Literaturcafe erschienen ist. Hier gibt es nämlich auch Vorlagen für Word zum Download. An dieser Stelle nur so viel: Die Normseite wird in 30 Zeilen a 60 Anschläge und der Schriftart Courier New formatiert und hat sich in der Literaturbranche bei Agent*innen und Verleger*innen als Standard etabliert. Das Problem an der Sache: Bei dieser Formatierung haben nur sehr wenige Wörter Platz. Man kann noch ein bisschen an der Schriftgröße schrauben und das Ganze in 11 pt formatieren. Allerdings bringt einem das auch nicht so viel Platz, wie erhofft. 

Was außerdem hinzukam: Ich habe das Expose erst geschrieben, nachdem ich meinen Roman beendet hatte. Ich schreibe seit Ende 2013 an dem Projekt. Ich kenne meine Geschichte also gefühlt in und auswendig und habe sie schon zu oft überarbeitet. Da fiel es mir sehr schwer, zu entscheiden, welche Aspekte in das Expose rein gehören. Es wird geraten, die Motive und die Entwicklungen der Charaktere herauszuarbeiten. Doch was gehört alles zu einem Motiv? Was können sich Agent*innen oder Lektor*innen denken und wo braucht es mehr Informationen? 

Nun erzähle ich euch etwas, dass euch Menschen aus der Buchbranche wahrscheinlich nicht empfehlen werden: Ich habe mir eine Testleserin gesucht, die absolut nichts mit Büchern am Hut hat. Was aber für sie spricht: Sie liest aufmerksam und erkennt, wo es an Präzision fehlt. Und genau das habe ich für mein Expose gebraucht. Nach einigen Anläufen, Tränen und Frustration habe ich es schließlich geschafft, mein Projekt in der von Literaturagenturen vorgegebenen Seitenzahl zusammenzufassen. Und dabei haben sich wichtige Veränderungen in der Handlung herausgestellt, die in den Text eingearbeitet werden müssen. Einige Handlungsstränge ergeben keinen Sinn mehr. Kapitel müssen um- oder neu geschrieben werden. Also fasste ich den Entschluss die Geschichte anhand des Exposes nochmal neu zu schreiben. (Ein weiterer Grund, der auch dafür gesprochen hat, war die Arbeit mit Testleser*innen. Aber auch dazu an anderer Stelle mehr). 

Die Vorteile: Inzwischen habe ich meinen Text schon so oft überarbeitet, dass ich das Gefühl habe, dass er inzwischen tot ist. Es fehlt an Lebendigkeit. Die Formulierungen wirkten hohl und ich konnte meine Charaktere nicht mehr spüren. Außerdem gab es zwei wesentliche Änderungen in der Handlung, die ich wahrscheinlich nur sehr schwer ausbessern konnte. Und da ich inzwischen durch meine Überarbeitungsprozesse einen Szenenplan und jetzt auch ein gutes Expose habe, glaube ich, mit guten Hilfsmitteln in einen neuen Anlauf zu starten.

Fazit
Ich habe mir fest vorgenommen, beim nächsten Roman zuerst ein Expose zu schreiben, bevor ich an den Text gehe, um mir dieses ganze Chaos zu ersparen. Und als Übung nahm ich mir den kommenden Adventskalender vor. Eine Geschichte mit 24 Kapiteln, also ein Projekt, was in meinen Augen recht überschaubar ist. So weit so gut... 

Wo ist der Weg? 
Die Idee meines ersten Adventskalender Entwurfes gefiel mir wirklich gut. Ich habe sie an einem Gespräch angelehnt, das ich während einer Busfahrt mitgehört habe. Hier unterhielten sich zwei Jugendliche über einen Vertretungslehrer, der offenbar Franzose war und ihnen empfahl, wenn sie mal in Frankreich waren unbedingt an einem Ort ein bestimmtes Baguette zu essen. Die Schüler taten diese Idee ab und hielten sie für völlig verrückt. Ich fragte mich in diesem Moment: Warum eigentlich nicht? Und einige Monate später begann ich die Idee etwas auszuarbeiten und ein Expose zu schreiben, das die Motive meiner Charaktere und das Ziel der Geschichte enthielt, an dem sie zum Schluss ankommen sollten. Doch die Reise dorthin hielt ich bewusst offen, um mich beim Schreiben nicht einzuschränken, sondern der Kreativität freien Lauf zu lassen.

Und so habe ich den Startpunkt und das Ziel deutlich vor mir gesehen. Ich habe es mit Mühe und Not geschafft, die Charaktere auf die Reise zu schicken, doch dann gingen mir die Ideen aus. Erst sagte ich mir, dass man halt nicht an jedem Tag kreativ sein könnte. Ich schrieb also einfach weiter und hoffte, dass sich das Problem von selbst erledigte, wenn ich mich einfach treiben ließ und die Geschichte gemeinsam mit den Charakteren entdeckte. Fehlanzeige! Die Dialoge blieben lahm und die Charaktere bewegten sich nicht von der Stelle. Also begann ich mir zu überlegen, wie ich die Geschichte lebendiger machen könnte. Und je mehr ich überlegte, desto mehr begann ich, zu konstruieren. Künstliche Elemente hinzuzufügen, in der Hoffnung, dass sie die gewünschte Wirkung erzeugten: Nämlich meine Charaktere an ihre Grenzen zu bringen. Unterschiedliche Motive, das Ziel zu erreichen, waren zwar vorhanden, aber, obwohl erste Feindschaften geschlossen wurden, war die Stimmung eben doch zu harmonisch. 

Nochmal auf Null und die Sache mit dem Pitch 
Schweren Herzens verabschiedete ich mich also von der Baguette-Idee und begann mit jemand anderem Ideen für eine neue Geschichte zu sammeln. Und sehr schnell fand ich einen neuen, spannenden Gedanken. Hier hatte ich zu Beginn nur zwei Sätze im Kopf. Ganz vereinfacht gesagt, nennt sich das Pitch. Hier fasst ihr eure Geschichte auf das Wesentliche zusammen und versucht das Interesse eures Gegenübers zu gewinnen. (Okay, wer etwas Seriöses zum Pitch lesen will, kann auch mal hier vorbeischauen).

Diesmal beschloss ich, kein dreiseitiges Expose zu schreiben und mir nicht einmal diese zwei Sätze zu notieren. Bisher habe ich fast sechzig Normseiten und acht Kapitel geschrieben. Obwohl diese Idee um einiges kürzer ist, als das Baguette-Konzept, schneiten die Ideen zur Tür herein. Kaum war ein Kapitel beendet, hatte ich auch schon eine Idee für das nächste Kapitel. Und das motiviert mich, dran zu bleiben. 

Und wie ist das jetzt mit dem Expose? 
Viele Autor*innen, die hauptberuflich schreiben, fluchen wenn der Verlag oder die Agentur ein Expose zum neuen Projekt haben möchte. Schließlich muss dort das Wesentliche des Projektes herausgearbeitet werden. Sebastian Fitzek hat einmal in einem Interview erzählt, dass 70% von seinem Expose auch in der Endfassung seines Romanes landen. Er empfiehlt allen Autor*innen, die nebenberuflich schreiben, unbedingt ein Expose zum aktuellen Projekt zu schreiben, weil es gut sein kann, dass man eben nicht jeden Tag dazu kommt, am Projekt zu arbeiten. Und das Expose gibt eine gute Struktur und soll dabei helfen, wieder in die Geschichte reinzukommen. 

Das Planen und ich 
Ich habe bisher schon einige Geschichten geschrieben. Da wären zum einen die Adventskalender, die auf diesem Blog existieren und Projekte, die ihr bisher noch nicht lesen durftet. Je ausführlicher ich ein Projekt geplant habe, desto wahrscheinlicher war es, dass ich irgendwann blockiert habe und mir die Ideen ausgegangen sind, um die Figuren oder die Handlung voranzustreiben. 

Gerade bei meinem letzten Adventskalender konnte ich das Wesentliche in 2-3 Sätzen zusammenfassen. Die Geschichte basierte am Anfang tatsächlich nur auf einer Szene, die in dieser Form schlussendlich gar nicht im Adventskalender aufgetaucht ist. Allerdings habe ich mir beim letzten Adventskalender während der Überarbeitung eine Struktur erarbeitet. Ich merkte während des schreibens, an welchen Stellen ich nochmal nachbessern musste und legte mir zum Schluss Kapitelübersichten an, damit mir nichts entging. Und für zukünftige Projekte werde ich vorerst an dieser Idee festhalten: schreiben und beim überarbeiten ausarbeiten. 

Und sonst so? Schreibchallenge Camp NanoWriMo
Am ersten Juli startete das Camp NaNoWriMo, die kleinere Ausgabe des NaNoWriMos, der jährlich im November stattfindet. Ziel dieser Challenge ist es, innerhalb eines Monats eine bestimmte Wortanzahl zu schreiben und - zumindest laut der offiziellen Website - somit einen Roman innerhalb eines Monats zu beenden. In der November Ausgabe sollen 50.000 Wörter geschrieben werden. Im Juli ist das Ganze etwas entspannter: Dort könnt ihr euch eure Ziele selbst setzen.

Damit der Camp Charakter zustande kommt, gibt es die oben verlinkte Website unter der man sich mit einem Account anmelden und eine eigene Kabine eröffnen kann. Ich selbst habe kein Konto auf der Seite, werde aber bei Twitter über meine Updates berichten. Somit wäre also auch die Frage beantwortet, ob ich an der Aktion teilnehme :).
Wenn ihr noch weitere Infos zum NaNoWriMo wollt, schaut mal in den FAQs auf der offiziellen Website vorbei. In diesem Artikel wird versucht, euch eine Registrierung auf der Website schmackhaft zu machen.

Mein Ziel für das Camp NaNoWriMo 
Mein Ziel besteht darin, so gut wie möglich beim Adventskalender voranzukommen. Ich bin inzwischen fast bei der Hälfte angelangt und gespannt, wohin mich die Reise führt.
Im Idealfall wäre es natürlich super, wenn ich den Adventskalender im Juli beende. Aber da gibt es eben noch so eine Bachelorarbeit, die auch Aufmerksamkeit verlangt...

Kanalempfehlungen
An dieser Stelle möchte ich noch auf ein tolles Projekt der Schreibdilettanten hinweisen: Axel und Markus sprechen in wöchentlichen Podcast Folgen über wichtige Fragen und Themen, die Autor*innen betreffen. Vor ein paar Wochen ist ihr Schreibratgeber Romane schreiben und veröffentlichen für Dummies in einem Verlag erschienen. 

In diesem Video stellen uns die beiden ein neues Projekt vor, das wir die nächsten Monate auf ihrem YouTube Kanal finden werden. Und zwar starten sie ein Sommercamp: Dort zeigen sie uns nicht nur, wie man an das Schreiben eines Romanes herangeht, sondern auch, was man tun muss, wenn man den Roman beendet hat und anschließend veröffentlichen will. 
Das Video, in dem Axel und Markus diese Aktion ankündigen, hat mich unglaublich neugierig gemacht und ich bin sehr gespannt, was die beiden zu erzählen hben. 

Und Du? 
Wie ausführlich planst Du Deine Geschichten? 
Schreibst Du zu jedem Projekt ein Expose? 
Nimmst Du am Camp NaNoWriMo teil? 

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