Montag, 29. Juli 2019

Der Abgrund

Bild von Hörverlag Serials

Steckbrief 
Name: Der Abgrund 
Autor*in: Melanie Raabe 
Verlag: der Hörverlag unter dem Label Hörverlag Serials 
Geeignet für: alle, die Podcasts, oder Thriller Hörspiele mögen und Fans der Autorin 
Der Cast (Quelle Hörverlag Serials): 
Andreas Pietschmann - Boris
Anne Müller - Katharina
Bettina Kurth - Bianca
David Wittman - Vincent (jung)
Jannik Schümann - Kai (jung)
Heike Warmuth - Sandra
Lisa Hrdina - Jette
Luise Helm - Liya
Max Urlacher - Vincent
Steffen Groth - Markus
Nebenrollen: Anne Abendroth, Sebastian Walch, Jan Ullmann, Pascal Thinius und Cathrin Bonhoff
Bewertung: 4 von 5 Punkten 

Inhalt 
(von Hörverlag Serials)

Ein Wochenendtrip auf eine Insel. Eine Gruppe von Freunden, die Geburtstag feiert. Eine Fremde, die wortlos Umschläge mit Geld hinterlässt. Alte Konflikte, die wieder aufbrechen – und Geheimnisse, die nie ans Licht kommen dürfen ..." 

Meine Meinung 
Unter dem Label Hörverlag Serials geht mit Der Abgrund der erste Fiction Podcast des Hörverlags online. Im Juli erschienen jeweils am Freitag in Der Abgrund Playlist (der Link führt zur Playlist bei Spotify) immer zwei neue Folgen des Fiction Podcasts: Fiction deshalb, weil hier eine fiktive Geschichte erzählt wird, die wie ein klassisches Hörspiel aufgebaut ist. Diese Hörspielreihe wurde von Melanie Raabe geschrieben. 
Das Interessante an diesem neuen Projekt: Der Abgrund kann kostenlos überall, wo man Podcasts hören kann, verfolgt werden. Auch nachdem die Serie nun abgeschlossen ist, sind die Folgen weiterhin kostenlos verfügbar. 

Der Inhalt ist schnell erzählt: Vincent, der während seiner Schulzeit zu den Außenseitern gehörte, hat noch eine Rechnung mit der Clique der Coolen seiner ehemaligen Schule offen. Als er zu einer Geburtstagsfeier eingeladen wird, bekommt er die Möglichkeit die Rechnung zu begleichen.

Melanie Raabe greift hier zwei Themen auf, die in der Gesellschaft nicht gerne thematisiert werden. An dieser Stelle kann ich leider nur eines der Themen nennen, weil ich euch sonst spoilern würde. Es handelt sich hierbei um das Thema Geld bzw. gesellschaftlicher Status: Aus der Clique der Coolen scheint etwas geworden zu sein. Alle haben angesehene Positionen in Firmen oder der Politik. Das ihr Geldbeutel daher gut gefüllt ist, muss wohl kaum erwähnt werden.
Vincent hingegen verdient sein Geld damit, Texte zu schreiben. Er wirkt glücklich mit dem was er tut. Doch nehmen ihn die Anderen ernst? Hat er aus ihrer Sicht etwas erreicht? Und was denkt Vincent über die Positionen seiner ehemaligen Mitschüler*innen?

Die Handlungsstränge von Der Abgrund sind, im Vergleich zu Melanie Raabes anderen Titeln, verhältnismäßig einfach gehalten. Vermutlich liegt das aber am Format des Podcasts. Die Geschichte soll nämlich innerhalb von zehn Folgen erzählt werden. Melanie Raabe schafft es aber wunderbar, Spannung aufzubauen: Jeden Freitag gab es eine Doppelfolge der Serie, wobei die zweite Folge meist mit einem Cliffhanger endete, der neugierig auf die Fortsetzung der Geschichte machte. 

Besonders spannend finde ich bei Der Abgrund das Zusammenspiel zwischen der Geschichte und der Umsetzung in das Hörspiel. Die Folgen starten immer mit einer Melodie, die einen teils bedrohlichen Beigeschmack hat. Jedes Mal saß ich da und wartete auf den großen Knall. Darauf, dass die Situation eskalierte. 
Außerdem finde ich das Hörspiel wirklich gut besetzt. Es gab hier keine/n Sprecher*in, der/die mir irgendwie negativ aufgefallen ist. Einzig und allein die Frauen in der Clique der Coolen konnte ich nicht immer ganz auseinanderhalten, wobei sich das ab der Hälfte des Podcasts etwas verändert hat, weil es hier erste Verdächtige gibt und ich mir nicht mehr alle Namen und dazugehörigen Stimmen merken musste. 

Die Länge der Podcast Folgen war sehr gut gewählt. Man hatte meist etwas über eine halbe Stunde Hörzeit. Für mich als Vielhörerin war das fast schon etwas zu wenig, da ich meistens eine halbe bis ganze Stunde am Tag mit einem Hörbuch verbringe.
So wie ich das Format aber wahrnehme, geht es vor allem darum, neue Hörer*innen auf das Verlagsprogramm des Hörverlags, oder auch auf weitere Hörbücher von Melanie Raabe aufmerksam zu machen. Man muss also davon ausgehen, dass interessierte Hörer*innen maximal 45 Minuten investieren, um in eine Doppelfolge reinzuhören. Von daher war die Dauer der Folgen gut abgestimmt und durch die Cliffhanger am Ende der zweiten Folgen wurde hoffentlich das Interesse geweckt, den Podcast weiter zu verfolgen.  

An dieser Stelle möchte ich noch auf die Stilmittel eingehen, mit denen im Podcast gearbeitet wird: Mir ist aufgefallen, dass wir hier sehr viel aus Erzählungen erleben. Charaktere berichten von einer Situation, oder wir erleben, wie Charaktere in einer bestimmten Situation reagieren. Aber es gab aus meiner Sicht wenig aktive Handlung. Also im Grunde das, was Lektor*innen bei Romanen immer anprangern. Hier hat das Stilmittel aber sehr gut gepasst, da nur wenig Zeit blieb, die Geschichte zu erzählen und man sich natürlich auch fragen muss, was man überhaupt als Hörspiel umsetzen kann.

Hier wird also vor allem gezeigt, wie unsere Charaktere auf bestimmte Situationen reagieren, was verdeutlicht, wie angespannt die Situation ist, in der sich unsere Charaktere befinden.
Außerdem wird verstärkend mit Soundeffekten gearbeitet, wie der bereits beschriebenen Melodie, die auch als eine Art Schnitt, zwischen den Szenen verwendet wird.

Zwei weitere Stilmittel haben mir besonders gut gefallen und ich bin mir sehr sicher, dass eines davon überhaupt nicht beabsichtigt war. 
Im ersten Stilmittel handelt es sich um die Darstellung von den Gedanken unseres Protagonisten Vincent. Er spricht hier mit einem Gegenüber und wünscht sich einen ziemlich schmerzhaften Ausgang der Szene. Im ersten Moment war ich etwas verwirrt, weil ich dachte, dass wir uns hier in der Gegenwart bewegen und sich die Geschichte schnell erledigt hätte, wenn diese Szene wirklich so enden sollte. Als ich dann aber bemerkt habe, dass es sich um Vincents Gedanken handelt, fand ich die Darstellung ziemlich gut, vor allem, weil wir hier eine andere Perspektive bekommen und Vincent besser kennenlernen.

Das zweite - und vermutlich völlig unabsichtlich gewählte - Stilmittel war die Darstellung des Straßenverkehrs im Hörspiel: Natürlich lässt sich der Straßenverkehr vor allem durch die Geräusche von Autos darstellen. Doch wie überträgt man eine Ampel ins Akustische? Richtig, man nutzt das Tacken, das viele Ampeln in Großstädten von sich geben. Eigentlich ist dieses Geräusch dazu gedacht, dass Blinde oder Sehbehinderte hören können, an welcher Stelle eine Ampel auf sie wartet. (Das Geräusch wird übrigens heller und schneller, sobald die Ampel grün wird). Ich fand es ziemlich cool, dass dieses Geräusch im Hörspiel schon als Standard Geräusch gewertet wurde, um den Straßenverkehr akustisch darzustellen. Das zeigt mir, das tackende Ampeln inzwischen als normal gelten. Leider sind sie dennoch nicht bundesweit in allen Städten vorhanden. 

Gesamteindruck 
Die Handlung von Der Abgrund war vergleichsweise zu Melanie Raabes bisherigen Geschichten etwas oberflächlich. Allerdings lag das aus meiner Sicht auch hauptsächlich an dem Medium des Hörspiels und den Zielen, die damit verbunden waren: In erster Linie ging es hier darum, Hörer*innen eine spannende, vielleicht kurzweilige Geschichte zu präsentieren. Im besten Fall interessieren sich die Hörer*innen nun für andere Projekte der Autorin oder des Hörverlags.

Melanie Raabe konnte mich nicht nur mit ihrem Spannungsaufbau, sondern auch mit ihrem Schreibstil überzeugen. Gerade in den Dialogen unserer Charaktere ging es ordentlich zur Sache: Fronten wurden geklärt, alte Wunden wurden aufgerissen, was die Situation immer bedrohlicher werden ließ. 

Das Zusammenspiel zwischen Inhalt und der Umsetzung ins Hörspiel funktionierte so gut, dass ich mich jeden Freitag auf eine neue Folge von Der Abgrund freute und gespannt war, wie die Geschichte endete. 
Aus meiner Sicht ist der Auftakt des Labels Hörverlag Serials also definitiv gelungen.
Der Abgrund kann ich allen empfehlen, die gerne Thriller lesen und herausfinden wollen, ob ihnen das Hörspiel als Medium liegt.

Freitag, 26. Juli 2019

Emmi, geht's euch gu-hut? - Mark Forster bei I EM Music 2019


gelbe Fläche, die mit einem
Reißverschluss aufgezogen wird.
Heraus schaut eine große Menschengruppe.
Foto: A. Mack 
Hallo Buchlinge,

nun kommen wir also zum zweiten Konzertbericht in diesem Monat. Als ich vor einigen Monaten erfuhr, dass Mark Forster wieder auf dem Emmendinger Schlossplatz spielen würde, war meine Freude sehr groß. Leider folgte kurz darauf die Enttäuschung: Denn das Konzert war über ein halbes Jahr im Voraus bereits ausverkauft. Durch eine coole Aktion des Veranstalters bin ich dann aber doch noch an Karten gekommen. Und so machten sich meine LBM-Begleitung und ich am vergangene Freitag auf den Weg nach Emmendingen.... 


Daten und Fakten 
Was: Mark Forster im Rahmen von I EM Music 2019 (Vorgruppe Lutz Rode) 
Wann: Freitag, 19.07.19, ab 20:00 Uhr. 
Wo: auf dem Emmendinger Schlossplatz 
Preis: 54,90 Euro 

Wie es bei Konzerten eben üblich ist, können Menschen mit Behinderungen ihre Begleitperson eigentlich kostenlos mit auf das Konzert nehmen. (Natürlich muss das beim Ticketkauf abgeklärt sein). Da ich aber an Restkarten gekommen bin, die ich zwar über den Veranstalter bezogen habe, war eine Ermäßigung nicht mehr möglich. Im ersten Moment fand ich es etwas schade, dass Menschen mit Behinderungen bei dieser Aktion - mit Sicherheit nicht absichtlich - ausgeklammert wurden. Das habe ich bei dem Kauf der Karten auch erwähnt, hatte aber leider nicht den Eindruck, dass verstanden wurde, was ich meine. Jedenfalls wollte ich unbedingt auf das Konzert und habe deswegen zwei Karten zum Normalpreis gekauft (und damit den Geldbeutel des Künstlers und des Veranstalters unterstützt, was ja auch nicht schlecht ist, oder?) 


Über die Künstler 
Lutz Rode erzählte nach den ersten Liedern, dass er Mark Forster für drei Konzerte auf der Tour als Support Act begleitet. Leider habe ich nicht viel zu dem Musiker herausfinden können. Ich weiß nur, dass er aktuell wohl in Berlin lebt und gerade seine erste EP (Link führt zur Spotify Playlist) herausgebracht hat. 
Lutz Rode bei Instagram

Mark Forster machte erstmals mit der Single Au revoir auf sich aufmerksam. Inzwischen hat der Musiker im November 2018 sein viertes Studioalbum veröffentlicht, war zweimal mit Musiker*innen im Rahmen von Sing meinen Song - Das Tauschkonzert in Südafrika und sitzt seit einigen Staffeln in der Jury der The Voice-Formate. (Sowohl bei The Voice Kids, der Erwachsenen Ausgabe von The Voice und - zumindest für eine Staffel - der Ausgabe von The Voice Senior). 


Der Support Act Lutz Rode 
Lutz Rode bringt eine Stimme mit sehr viel Volumen mit. So konnte er relativ schnell meine Aufmerksamkeit gewinnen. Er spielte eher ruhigere Lieder, die aber interessante Texte mitbrachten. Leider habe ich von den Texten nicht viel verstanden, weil es im Publikum sehr unruhig war. Allerdings habe ich mir vorgenommen,die gleichnamige EP Lutz Rode mal genauer anzuschauen. 


Mark Forster - Die Musik 
Mark Forsters Sommertour findet unter dem Motto Liebe 2019 statt. Es gibt zwar einige Lieder, die mir auf seinem aktuellen Album richtig gut gefallen. aber es gibt auch Lieder, mit denen ich nicht viel anfangen kann. Deswegen hoffte ich auch bei diesem Konzert, dass der Musiker auch Lieder aus seinen anderen Alben spielen würde. 

Mark Forster schaffte es mich mit seinem Intro zu faszinieren. Hier legte er nämlich erst einmal eine Beatbox Einlage hin. Ich war wirklich schwer beeindruckt, wie lange er das Beatboxen durchgehalten hat. Den Rhythmus zu halten, ist das eine, aber ich war fasziniert davon, dass ihm zwischen drin nicht einfach die Luft ausgegangen ist und er es problemlos von Beatboxen in den Gesang geschafft hat. Sein Intro ging dann in eine Akustikversion seines Hits Flash mich über, einem Lied, das auf seinem zweiten Album zu finden ist. 

Mark Forster singt nicht nur von den verschiedenen Stadien einer Beziehung, also dem Kennenlernen, dem Verliebt sein oder auch den Krisen und der Frage, wie es weitergeht. Er singt auch von schönen und schwierigen Situationen. In der ersten Singleauskopplung Einmal, aus seinem aktuellen Album besingt er beispielsweise die Momente, die man eben nur einmal erlebt, die einem aber im Gedächtnis bleiben.
Besonders schön finde ich die Texte seiner Lieder: So singt er in Sowieso beispielsweise davon, dass das Leben eben so läuft, wie es läuft und irgendwo eine neue Tür aufgeht, auch wenn es erstmal nicht danach aussieht. Positiv bleibt mir sein Lied Chöre in Erinnerung, in dem es Konfetti für liebe Menschen regnen und Chöre für sie singen sollen.

Doch obwohl viele Lieder von Mark Forster positiv und hoffnungsvoll klingen, zum mittanzen und singen anregen, hatte ich den Eindruck, dass sich durch diese Setlist ein bisschen Melancholie zieht. Vielleicht lag es daran, dass Mark Forster nicht so gesprächig war, wie sonst. (Dazu später mehr).
Leider wurden an diesem Abend viele Lieder gespielt, die zwar interessante Texte mitbringen, mich aber eher weniger abholen konnten und beim Hören der CDs auch mal übersprungen werden. Da habe ich mich dann gefragt, wie viel Variationen Musiker*innen auf den Touren in ihre Setlist einbauen können. Ist es möglich, dass sie die Setlist ihrer aktuellen Stimmung anpassen? Oder müssen sie Tag ein Tag aus wirklich immer dieselben Lieder spielen? Je nachdem wie lange eine Tour geht, stelle ich mir das unglaublich zäh vor.

Neben den interessanten Texten fallen Mark Forsters Lieder aufgrund seines guten Arrangements auf. Er hat nicht nur eine klassische Band, bestehend aus Schlagzeuger, Bassisten und Keyboarder, sondern arbeitet live ebenfalls mit einem Saxophonisten und ein paar Bläsern. Das hat mich überrascht. Ich war bisher immer davon ausgegangen, dass die Musik der Bläser - ja, ich weiß, es ist fast schon etwas peinlich -, vom Band kommt. Ich kann mir vorstellen, dass es ein unglaublich gutes Gefühl sein muss, die Lieder nicht nur im Studio einzuspielen, sondern sie auch live mit allen Instrumenten präsentieren zu können.


Die Stimmung 
Wie voll ist ausverkauft? 
Wie bereits erwähnt, stand lange im Voraus fest, dass das Konzert ausverkauft sein würde. Doch wie viel ist ausverkauft in Personen? Schon als meine Begleitung und ich das Festivalgelände betraten, stellten wir fest, dass sich die Menschen beinahe stapelten. Das war das dritte Konzert, das ich auf dem Emmendinger Schlossplatz besucht habe. Und ich habe das Gelände noch nie so voll erlebt.
Mark Forster hat auf seiner Open Air Tour bereits einige ausverkaufte Konzerte gespielt. Aber auch er betrat die Bühne und schien erstaunt und vielleicht auch beeindruckt davon zu sein, wie viele Menschen gekommen waren, um seine Musik zu hören. Zu einem späteren Zeitpunkt meinte er, dass 5.000 Besucher*innen an diesem Abend da waren.

Meine Begleitung und ich hatten, obwohl wir in diesem Jahr echt spät dran waren, einen recht guten Stehplatz. Es war zwar eng, aber dennoch so, dass wir uns nicht zwischen andere Menschen quetschen mussten. Nach wenigen Minuten wurden wir aber von anderen Zuschauern angesprochen und zur Tribüne für Menschen mit Behinderungen gebracht.
Der Vorteil: Die Bühne war etwas erhöht, sodass meine Begleitung einen guten Blick auf die Bühne hatte. Und auch ich konnte dank dem Monitor, der gelegentlich auch mal Mark Forster und nicht nur irgendwelche Lichteffekte zeigte, einen Blick auf den Musiker erhaschen.
Zur Erinnerung: Mein erstes Konzert von Mark Forster hab ich ebenfalls auf der Tribüne verfolgt. Allerdings stand ich da viel weiter außen und habe gefühlt weniger mitbekommen, als diesmal.

Textsichere Kinder
Schon ab dem ersten Lied wurde fleißig mitgesungen. Und hier zeigte sich sehr schnell, wie viele Kinder an diesem Abend anwesend waren. Da Mark Forster schon seit Jahren in der Jury von The Voice Kids sitzt, finden sich seine Fans in mehreren Altersgruppen. Das Schöne ist, dass so ein Konzert somit zu einem richtigen Familienausflug wird, bei dem jede*r der Familie etwas davon hat.
Was mich überraschte war, wie textsicher die Kinder waren. Schließlich greift Mark Forster in seinen Liedern auch Themen auf, die sie im Moment noch nicht nachvollziehen können. 

Straffes Programm
Wer Mark Forster aus den The-Voice-Formaten kennt, weiß, dass der Musiker eigentlich sehr gesprächig ist. An diesem Abend machte er auf mich einen etwas zurückhaltenden Eindruck. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass er seit über einem Monat auf Tour ist. Er ist jeden Tag in einer anderen Stadt und hat maximal ein oder zwei Tage Pause zwischen den Konzerten. Da kann ich mir gut vorstellen, dass dieses ständige Unterwegs sein auch ermüdet. Mark Forster bedankte sich mehrfach dafür, dass so viele Leute gekommen waren. Und das nehme ich einfach mal als Zeichen dafür, dass ihm der Abend gefallen hat.

Was ich nicht kann... 
Irgendwann in einer kleinen Pause zwischen den Liedern erzählte er, dass es zwei Sachen gibt, die er nicht gut kann: Über seine Gefühle sprechen und vor Leuten Klavier spielen. Für das erste Problem, so sagt er, hat er eine Lösung gefunden. Nämlich Lieder schreiben. Ich finde es mutig, dass er offen damit umgeht, ungern über Gefühle zu sprechen. Gerade, wenn ich nicht über meine Gefühle sprechen kann, oder auch möchte, würde ich das wahrscheinlich nicht in der Öffentlichkeit thematisieren, um so der Gefahr aus dem Weg zu gehen, dass mich Leute darauf ansprechen.


Funfacts 
Dann ruf ihn doch an! 
Ich kann mich noch gut an mein erstes Konzert von Mark Forster erinnern. Hier rief er einfach mal live vor Ort die Harlem Gospel Singers an, damit sie mit ihm ein Lied performten. Damals fand ich diese Szene unglaublich schräg, weil ich mich fragte, ob er wirklich glaubt, dass ihm das jemand abnimmt. Aber das Publikum schien es nicht groß zu stören.
Und auch bei diesem Konzert meinte irgendwann: "Ich weiß, was ihr jetzt denkt." (Tatsächlich wusste er nicht, was ich in diesem Moment dachte. Ich frage mich nämlich, ob wir langsam schon in Richtung Zugabe unterwegs seien). Er hingegen dachte, dass wir auf den Stargast des Abends warteten. Er spielte das Spiel weiter und gab zu, dass er vergessen hatte, sich um einen Gast zu kümmern.
Und eines der Kinder, die hinter mir standen meinte nur ganz trocken: "Mann, dann ruf ihn doch an!" Da musste ich dann wirklich lachen, weil mir das zeigte, dass es wohl ein festes Ritual von Mark Forsters Konzerten ist, immer mal wieder Special Guests anzurufen und das Publikum genau weiß, wie die Überleitung endet.
Und noch überraschter war ich, dass alle Kinder brüllten, er solle Sido anrufen. Natürlich war das naheliegend, da Sido ihn bei dem Lied Danke, danke unterstützt. Aber dennoch war ich zum einen überrascht, dass die Kinder Sido kannten und das sie ihn, zum anderen, offenbar hören wollten.

Kaddafeld? Nee! NUMMER GELÖSCHT! 
Wer die The-Voice-Staffeln regelmäßig verfolgt, der weiß, dass Mark Forster eine inoffizielle Feindschaft mit Yvonne Catterfeld pflegt, die ihm regelmäßig bei den Blind Auditions die Kandidat*innen vor der Nase wegschnappt. Als - leider bin ich mi, je länger ich darüber nachdenke, nicht mehr so sicher - es um die Frage ging, wen er anrufen sollte, fragte er: "Was? Kaddafeld?!" Und ich dachte im ersten Moment, dass jemand aus dem Publikum diesen Vorschlag gemacht hat, was ich sehr witzig gefunden hätte. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr frage ich mich, ob das nicht eher ein Schachzug des Musikers war, was ja im Prinzip auch kein Problem ist.


Mein Fazit 
Obwohl bei diesem Konzert viele Lieder gespielt wurden, mit denen ich nicht so viel anfangen konnte, hat mir das Konzert unglaublich gut gefallen. Das Publikum war gut drauf, hat mitgesungen und Mark Forster, inklusive seiner Band, bieten live einfach eine sehr beeindruckende musikalische Show. Ich bin wirklich sehr gespannt, was wir musikalisch noch von Mark Forster hören werden.

-------------------------------------------------------------------------------------

Setlist: Flash mich, Einmal, 194 Länder, Für immer forever, Killer, Zu dir (weit weg), Nimmerland, Königin Schwermut, Flüsterton, 747, Irgendwann happy, Sowieso, Karton, Genau wie du, Kogong, Danke, Comeback, Wir sind groß, Au revoir.
Zugaben: Medley bestehend aus Auf dem Weg, Like a Lion, Stimme; Chöre, Bauch und Kopf, 

Weitere Artikel: 
Konzertbericht aus der Badischen Zeitung

Mittwoch, 24. Juli 2019

Die kleine Sommerküche am Meer (Floras Küche Band 1)

Bild von HörbuchHamburg
Steckbrief 
Name: Die kleine Sommerküche am Meer
Autor*in: Jenny Colgan 
Verlag: HörbuchHamburg 
Geeignet für: Fans von Liebes- oder Familienromanen und Reihen in diesem Stil 
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch 
Sprecher*in: Vanida Karun 
Bewertung: 2,5 von 5 Punkten 

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen. 

Klappentext 
(von HörbuchHamburg

"Vom quirligen London zur entlegenen Insel Mure? Nein – nur widerwillig kehrt die junge Flora in ihre schottische Heimat zurück. Weder die unberührte Landschaft noch das glitzernde Meer können sie aufmuntern, während sie ihren geschwächten Vater und ihre Brüder versorgt. Doch dann entdeckt sie das alte Kochbuch ihrer verstorbenen Mutter, und als sie ein Rezept nach dem anderen ausprobiert, öffnet sich ihr Herz: für die Sinnlichkeit des Essens, für die Schönheit der Natur und für einen neuen Anfang …" 

Meine Meinung 
Dieses Hörbuch wurde vor einer Weile in einem Hörbuchthread bei LovelyBooks empfohlen. Natürlich ging ich nur nach dem Titel der Geschichte und dachte mir, dass es, allein nach dem Titel zu urteilen, nach einer interessanten, vielleicht auch emotionalen Geschichte klingt. Doch leider muss ich sagen, dass mich der Auftakt dieser Reihe nicht vollständig von sich überzeugen konnte. 

Inhalt 
Wir lernen Protagonistin Flora kennen, die von einer kleinen Insel nach London gezogen ist. Dort arbeitet sie für eine Anwaltskanzlei. Doch dann bekommt ihre Arbeitsstelle einen Kunden, der sich ausgerechnet in Floras Heimat niedergelassen hat. Natürlich wird sie als Mitarbeiterin für das neue Projekt gebraucht. Und das, obwohl sie ihre Heimat am liebsten so schnell nicht wieder betreten hätte. 

Das Schöne an der Geschichte war die Atmosphäre in Floras Heimat, die Jenny Colgan wirklich gut beschreibt. Wir begleiten Flora nämlich auf eine kleine irische Insel, die aber alles andere als verschlafen wirkt. Die Bewohner*innen, wissen genau, was sie wollen und sind nicht gut auf Flora zu sprechen. Schließlich hat sie ihren Vater und ihre Brüder nach dem Tod der Mutter im Stich gelassen. 

Die Charaktere von Die kleine Sommerküche am Meer sind sehr oberflächlich gehalten. Flora ist liebevoll und wächst langsam über sich hinaus. Außerdem lernen wir zwei Männer kennen, die Flora sehr beschäftigen. Doch die beiden Charaktere wirken austauschbar und erinnern mich an das Männerklischee, das uns in vielen Liebesgeschichten dieser Art begegnet: Der introvertierte Typ, der die Protagonistin erst nach einigen Prügeleien mit dem Zaunpfahl wahrnimmt und auf der anderen Seite der naturverbundene, in sich ruhende Typ, der mit seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden ist. Und natürlich wird sich Flora im Laufe der Geschichte für einen der beiden Männer entscheiden. 

Wen ich aber interessant und sympathisch fand, waren die Nebencharaktere, die hier vor allem in Form von Floras Brüdern, einer Nichte und einem Hund auftreten. Und sie symbolisieren das bunte Familientreiben, das die Atmosphäre der Geschichte untermalt hat. 

Was mich etwas genervt hat, war die Botschaft der Geschichte. Es wurde deutlich, dass die Idylle von Floras Heimat der Londoner Großstadt eindeutig zu bevorzugen ist. Flora hat sich ein Leben außerhalb von ihrer Heimat aufgebaut. Doch die Geschichte war eher darauf ausgelegt, dass sie sich neu orientieren soll: Die Alternative, die Flora von der Handlung her zur Verfügung gestellt wurde, war die Freude am Backen und Kochen zu entdecken. An sich ist nichts schlechtes dabei. Allerdings erinnerte mich dieser Sinneswandel ein bisschen an diese Frauen-an-den-Herd-Theorie. Das Flora mit ihrem Leben außerhalb der Heimat nicht glücklich war, ist verständlich. Aber die Antwort, die uns erwartete, schien mir zu einfach. 

Die Geschichte bot zwar Handlungsstränge, diese waren aber für mich leicht zu durchschauen. Allerdings vermute ich, dass es aufgrund der Geschichte auch so gewollt war und Leute, die eben zu dieser Reihe greifen genau wissen, was sie erwartet. Ich hingegen hätte mir etwas mehr Tiefe gewünscht. 

Einer der Gründe, die mich motiviert haben, weiterzuhören, war Jenny Colgans Schreibstil. Sie erzählt Floras Geschichte aus der Sicht des allwissenden Erzählers, da wir innerhalb einer Szene die Gedanken und Gefühle mehrerer Beteiligter mitbekommen. Der Einstieg in die Geschichte wurde mir sehr leicht gemacht. Außerdem liefert sie uns tolle Landschaftsbeschreibungen und lebendig, lustige Dialoge. 

Der zweite Grund, weswegen ich das Hörbuch nicht abgebrochen habe, war die Gestaltung. Die Sprecherin Vanida Karun war für mich hier eine echte Überraschung. Ich mag nicht nur ihre Stimmfarbe, sondern fühlte mich durch ihre Art, die Geschichte zu interpretieren, sehr gut unterhalten. Sie verleiht nicht nur den Menschen und Tieren eine eigene Stimme, bzw. Laute, sondern schafft es auch, die Atmosphäre der Geschichte gut zu transportieren. Obwohl mich der Inhalt hin und wieder echt nervte, habe ich Vanida Karun sehr gerne zugehört. 

Gesamteindruck
Der Inhalt von Die kleine Sommerküche am Meer ist sehr überschaubar. Man kann schnell erahnen, wohin die Reise geht. Das Gute ist, dass man so genau weiß, woran man ist und man sich so bewusst für die Reihe entscheiden kann, die mit Sicherheit eine nette Lektüre für zwischendurch ist. 
Allen, die aber Liebes- oder Familiengeschichten mit Tiefe suchen, werden hier womöglich mit einer kleinen Enttäuschung zurückbleiben. 

Montag, 22. Juli 2019

[Buchclub] Wie geht es weiter?

Frau, die uns über 
ein Buch hinweg anschaut. 
Um sieh erum ein Kreis in dem 
Buchclub steht.  
steht. Foto: A. Mack 

Hallo Buchlinge,

vor etwas über einem Jahr habe ich den Online Buchclub gegründet, aus dem Wunsch heraus, mich mit anderen Bücherwürmern über gute Geschichten auszutauschen. Der Ablauf sollte so demokratisch wie möglich sein.
Doch nun wird es Zeit zurückzublicken: Wie kommt der Buchclub wirklich bei euch an? Braucht es eine Veränderung? Wenn ja, welche? 

Freitag, 19. Juli 2019

Bücher, die man unbedingt lesen sollte - Bücherstammtisch im Juni



Bild von A. Mack
Hallo Buchlinge,

inzwischen sind wir bereits im Juli angekommen und ich habe euch noch gar nicht von unserem Bücherstammtisch Treffen aus dem vergangenen Monat berichtet. 
Im Juni haben wir uns kurzfristig für zwei interessante Themen entschieden. Auf eines davon habe ich schon ewig gewartet. Das zweite Thema gestaltete sich als ziemlich große Herausforderung. 
Aber beginnen wir von vorne. 



Ein Buch, das man unbedingt gelesen haben muss 
Immer wieder schickt mir Ge(h)folge Mitglied Isona interessante Themenvorschläge, die wir beim Bücherstammtisch diskutieren sollten. So schlug sie zum Beispiel vor, dass jede*r einen Titel mitbringen sollte, den man unbedingt gelesen haben sollte. Ich fragte sie daraufhin entgeistert, ob es wirklich nur ein Titel sein darf und sie meinte, dass genau das den Reiz an der Aufgabe ausmachte... Soweit so gut. 

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich vor meinem Bücherregal stand, viele Titel herauszog, um das Feld einzugrenzen. In meinem Regal habe ich einige Titel, die ich sehr gerne gelesen oder gehört habe und jederzeit weiterempfehlen kann. Aber handelt es sich hierbei wirklich um einen Titel, der zu mehreren Zielgruppen passt? Ist genau dieser Titel wirklich so besonders? Was muss ein Titel mitbringen, damit er in meine innere Bestenliste aufgenommen wird? 

Das Interessante war diesmal, dass sich die anderen Stammtischteilnehmer*innen ebenfalls schwer damit taten, sich auf einen Titel festzulegen. Eine Stammtisch Besucherin meinte, dass sie gar keinen bestimmten Titel, sondern eher Autor*innen weiterempfehlen kann. Ein anderer Stammtisch Teilnehmer - und ich muss zugeben, dieses Kriterium wende ich gezwungenermaßen bei jedem Bücherstammtisch Treffen an -, beschloss nur die Titel in die engere Auswahl zu nehmen, an deren Inhalt er sich noch erinnern konnte. Und so berichtete er uns von Licht im August von William Faulkner. Uns scheint hier nicht nur eine gut verstrickte Handlung zu begegnen, sondern es werden auch gesellschaftlich psychologisch wichtige Themen angesprochen. Als uns von dem Titel berichtet wurde, bekam ich gleich Lust in die Geschichte einzutauchen. 

Isona setzte für ihre Titel voraus, dass man ein Interesse für das Fantasy Genre mitbringen sollte. Zuerst stellte sie uns Der Hobbit von J.R.R. Tolkien vor. Isona meinte, dass es sich hier, ähnlich wie bei Harry Potter, um einen Klassiker aus der Fantasyliteratur handelte. Fantasyliebhaber*innen empfahl sie dann noch die Reihe Die Gilde der schwarzen Magier von Peter Prange, wobei sie hier auch voraussetze, dass man eben ein Fan von Reihen sein sollte. 
emion erzählte uns von Emerald, dem ersten Band einer Reihe, die sie jedes Jahr um Weihnachtszeit liest. Die Atmosphäre der Reihe und die drei Geschwister haben es ihr besonders angetan. 

Außerdem wurde mehrfach Die Schachnovelle von Stefan Zweig empfohlen. Obwohl das Wort Schach bereits im Titel steckt, erzählte uns ein Schachspieler, dass der Autor hier offenbar nicht gut recherchiert hat und einige Informationen zum Thema Schach in dem Buch nicht stimmen. Allerdings schwächt das die Geschichte keinesfalls. Das fand ich besonders interessant: Bisher habe ich immer wieder von Leser*innen gehört, die genervt waren, wenn Themen, in denen sie sich gut auskannten, in einer Geschichte schlecht recherchiert oder umgesetzt waren. Und auch mich nervt es gelegentlich, wenn ich den Eindruck habe, dass Inhalte aus meiner Sicht falsch vermittelt werden. Und da fand ich es beruhigend, mal von einer Geschichte zu hören, in der Recherchefehler zwar auffallen, die aber nicht dafür sorgen, dass die Geschichte als Gesamtes geschwächt wird. 

Und ich? Ja, Buchlinge, ich muss kleinlaut gestehen, dass ich mir brav alle erwähnten Titel aufgeschrieben habe. Obwohl - typisch ich - häufig die Begründung fehlt, warum man sich gerade ür diesen Titel entschieden hat. Aber ich musste im Nachhinein wirklich überlegen, welchen Titel ich im Juni mitgebracht habe. Ich weiß noch genau, wie schwer mir die Entscheidung fiel. Und nun erzähle ich euch von einem Titel, von dem ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich ihn im Juni wirklich vorgestellt habe.
Ich glaube, Sand von Wolfgang Herrndorf mitgebracht zu haben. Der Autor bekam mit seinem zweiten Roman tschick bundesweite Aufmerksamkeit. Sand war der zweite und letzte Roman des Autors, der 2013 Suizid beging. Wolfgang Herrndorf litt an einem Hirntumor und ich finde, dass die Geschichte seines Protagonisten Carl ziemlich viel mit Herrndorfs Lebensgeschichte zu tun hat. Beide können jeweils auf ihre eigene Weise ihrem Schicksal nicht entkommen. Egal, wie sehr sie sich anstrengen. 

Unsere Empfehlungen im Überblick 
Arundhati Roy The god of small things.
Peter Prange Die Gilde der schwarzen Magier
William Faulkner Licht im August
Stefan Zweig Die Schachnovelle.
John Stephens Chroniken vom Anbeginn
Carlos Ruiz Zafon und Luca di Fulvio (die Autorenempfehlungen) 


Das Hörbuch 
Seit das Hörbuch als Thema für den Bücherstammtisch vorgeschlagen wurde, habe ich sehnsüchtig darauf gewartet, dass wir endlich darüber sprechen. Leider gab es zu Beginn des Stammtisches gleich ein kleines Problem: Und zwar hatten zwei Interessentinnen unsere Themenumfrage beeinflusst, die aber im Juni leider nicht da waren. Das bedeutete, dass einige der anwesenden Stammtisch Mitglieder*innen gar nicht so viel zum Hörbuch zu erzählen hatten und lieber über ein anderes Thema auf der Liste gesprochen hätten. Und das indirekt Ärgerliche war: Ich bin voll eskaliert und hatte wirklich einige Titel im Gepäck über die ich gerne sprechen wollte. 

Da mich das Hörbuch Thema zu einer kleinen Artikelreihe inspiriert hat, die ich hier auf dem Blog gerne umsetzen möchte, bzw. mit dem Auftakt, was ein gutes Hörbuch ausmacht, bereis getan habe, werde ich hier eher oberflächlich bleiben. 

Einer der Hauptgründe für einige Stammtisch Mitglieder*innen eher wenig zum Hörbuch zu greifen, ist der, dass sie nicht wissen, was sie nebenbei machen können. Einfach ruhig irgendwo zu sitzen und in eine Geschichte eintauchen zu können, ist ihnen zu wenig. Außerdem berichteten sie, dass sie eben immer noch schneller lesen. Als ich daraufhin verkündete, dass es auch eine App gibt, in der man Hörbücher in doppelter Geschwindigkeit hören kann, brach allgemeines Gelächter aus.

Einer der Hauptgründe weswegen ich viele Hörbücher höre ist, der, dass ich kaum noch Bücher lesen kann. Und beim Bücherstammtisch Treffen stellte ich fest, dass es nicht nur mir so ging, was mich ziemlich überraschte. 
Ein Bücherstammtisch Mitglied berichtete, dass sie während dem Hörbuch hören sehr gut nähen oder andere Bastelarbeiten erledigen konnte. Und da sie hier in nächster Zeit ein paar Projekte umsetzen will, bekam sie beim Treffen im Juli neuen Hörstoff von mir. 

Eine der Fragen, die ich in meiner Einladungsmail zum Thema Hörbuch stellte, war, welche Titel unbedingt als Hörbuch gehört werden sollten. Und hier übernahm Marc-Uwe Klings Känguru-Trilogie ganz klar die Führung. Der Kleinkünstler erzählt hier, welche Abenteuer er mit seinem kommunistischem Mitbewohner, dem Känguru, erlebt. Und dabei gibt es ziemlich viel Ironie, die der Sprecher eben wunderbar durch seine Livelesungen übertragen kann. Außerdem finde ich es nebenbei ganz interessant zu hören, welche Witze beim Publikum gut ankommen. 


Ausblick auf den September: 
Wir sprechen über Ophelia Scale Band 1 von Lena Kiefer 
Ja, Buchlinge, ich weiß, wir befinden uns noch im Juli. Allerdings legen wir vom Bücherstammtisch im August eine Sommerpause ein. Obwohl unser Termin im September noch nicht feststeht, haben wir uns schon mal für ein Thema entschieden. Und zwar wollen wir uns über unsere aktuelle Bücherstammtisch Lektüre Ophelia Scale - Die Welt wird brennen von Lena Kiefer austauschen. 
Diesmal wollen wir unsere Besprechung auch etwas strukturieren und haben im Juli eine Art Gliederung erarbeitet.

Und zwar vergeben wir Schulnoten von 1 bis 6 für:


  • Cover 
  • Handlung 
  • Schreibstil 
  • Charaktere 
  • Anfang 
  • Ende 
  • Gesamteindruck 
Außerdem diskutieren wir über: 

  • die beste und die schlechteste Szene 
  • das was uns an dem Buch gefallen / nicht gefallen hat 
  • Fragen, die wir an die Gruppe haben 
Und bringen unsere Lieblingszitate mit. Vor Ort wollen wir unsere Ergebnisse auf einem Plakat eintragen. Es ist also praktisch, wenn Du schon mit Notizen zum Stammtisch kommst. (Natürlich kannst Du die Punkte auch spontan ausfüllen, wenn Dir das lieber ist). 
Außerdem bekommen wir im September wahrscheinlich Besuch von der Autorin. 



Bücherstammtisch in Freiburg? Da will ich hin!
Du kommst aus Freiburg oder der Umgebung und möchtest Dich mit anderen Bücherwürmern einmal im Monat über Bücher austauschen?
Dann bist Du hier genau richtig: Wir treffen uns einmal im Monat an einem Montag ab 17:20 Uhr vor dem Haupteingang der Buchhandlung Rombach in der Bertoldstraße in Freiburg.
Von dort aus gehen wir gemeinsam zu unserem Raum. Monatlich legen wir bestimmte Themen fest, über die wir dann bei unseren Treffen sprechen.

Auf dieser Seite findest Du Infos zu unseren nächsten Terminen und den Themen. (Die Themen werden spätestens eine Woche vor unserem aktuellen Treffen auf der Seite bekannt gegeben). 

Momentan besteht unsere Gruppe größtenteils aus Studierenden, ist aber für alle Altersgruppen offen. Wir reden hauptsächlich über Bücher aus der Belletristik (Unterhaltungsliteratur wie beispielsweise Fantasy, Jugendbuch, Thriller) sind aber auch offen für Bücher aus anderen Bereichen.

Um auf dem Laufenden zu bleiben, hast Du zwei Optionen:

Mailverteiler: Mail an EmmaZecka(at)gmx.de
Du lässt Dich in den Mailverteiler eintragen. Hier lade ich regelmäßig zu den Stammtisch Treffen ein oder verschicke Umfragen, damit wir die Themen unserer Treffen festlegen können.
Den Mailverteiler führe ich über die Gruppen Funktion von Outlook: Deine E-Mailadresse wird also in meinem Outlook Account im Adressbuch gespeichert, aber nur nach Deinem Einverständnis an die anderen Bücherstammtisch Mitglieder weitergegeben.

What'sApp Gruppe (ab drei besuchten Treffen)
Wenn absehbar ist, dass Du regelmäßig beim Bücherstammtisch vorbeischauen wirst, nehmen wir Dich gerne in unsere What'sApp Gruppe auf: Hier teilen wir Impressionen, tauschen hin und wieder Bücher oder suchen einfach jemanden zum reden, wenn wir gerade eine besonders bewegende Geschichte beendet haben.

Info zur Facebook Gruppe: Da unser Austausch hauptsächlich offline stattfindet, habe ich mich dazu entschlossen, nicht mehr in der Facebook Gruppe zu posten. Ich halte die Gruppenbeschreibung auf dem neusten Stand, werde aber keine aktuellen Infos in der Gruppe teilen.

Neugierig? Wir freuen uns auf Dich!

Mittwoch, 17. Juli 2019

Revolverheld beim Stimmen Festival 2019

gelbe Fläche, die mit einem
Reißverschluss aufgeschlossen wird.
Heraus schaut eine große Menschengruppe.
Foto: A. Mack 
Buchlinge, es ist schon viel zu lange her, dass ich euch von einem besuchten Konzert berichtet habe. Wie gut, dass ihr im Juli gleich 2 1/2 Konzertberichte bekommt. 
Ge(h)folge Mitglied Skyara und ich haben uns am Samstag den 13.07. gegen Abend auf den Weg nach Lörrach gemacht. Dort findet nämlich das jährliche Stimmen Festival statt. Und für diesen Abend standen Revolverheld auf dem Programm. 


Daten und Fakten 
Was: Revolverheld - Zimmer mit Blick Tour 2019 (mit den Vorgruppen: Celine Huber, Greg Holden). 
Wann: Samstag, 13.07. ab 19:30 Uhr. 
Wo: auf dem Marktplatz in Lörrach 
Preis: 49 € ermäßigt (d.h. die Begleitperson kommt kostelos mit rein). 

Tickets für Menschen mit Behinderungen müssen telefonisch bestellt werden. Hier war ich am Anfang etwas misstrauisch, weil mir die Tickets nicht vorab zugeschickt wurden, sondern direkt an der Abendkasse abgeholt werden mussten. Allerdings musste ich die Tickets auch nicht im Voraus bezahlen und habe zudem am Telefon auch eine Bestellnummer bekommen. 
Vor Ort lief die Ticketabholung aber wirklich problemlos. Ich war im System gespeichert und wir konnten uns schnell auf den Weg zum Festival Gelände machen. 


Über die Künstler 
Celine Huber, die erste Künstlerin des Abends, nahm bereits an einem ESC Vorentscheid (Unser Lied für Baku) teil und blieb dort für ein paar Runden im Rennen. Die Künstlerin kommt aus dem Raum Lörrach und beschreibt ihren Musikstil als eine Mischung aus Pop und R&B. Das aktuelle Album Auf der Suche (der Link führt zur Playlist bei Spotify) kann entweder auf allen Streaming Plattformen gehört, oder als physische CD bei der Künstlerin bestellt werden. 
Celine Huber bei Instagram

Greg Holden kommt aus Schottland und lebt aktuell in der USA. Er veröffentlichte bereits mehrere Alben und arbeitet unter anderem auch als Songwriter für andere Künstler*innen. 
Greg Holden bei Facebook
Quellen: Wikipedia

Revolverheld haben sich 2002 gegründet und ein Jahr darauf ihr erstes Konzert gespielt. Die Musiker aus Hamburg haben bereits fünf Studioalben veröffentlicht und stellten in Lörrach einige Lieder aus ihrem aktuellen Album Zimmer mit Blick vor. Der Musikstil der Gruppe wird als Pop-Rock bezeichnet. 
Revolverheld bei Instagram
Quelle: Wikipedia 


Der Countdown 
Revolverheld ist eine der Bands, die ich schon seit Jahren einmal live erleben wollte. Es gibt einige Lieder der Band, die ich sehr gerne höre und gerade in der vorletzten Staffel von Sing meinen Song - Das Tauschkonzert ist mein Interesse für die Band noch einmal gewachsen. 
Als ich dann hörte, dass Revolverheld nach Lörrach kommen sollte, war ich wirklich froh, dass Skyara sich mit mir auf die Reise zum Festival begeben wollte. 
Doch lange war ich mir unsicher, ob sich Zimmer mit Blick (Link führt zur Playlist bei Spotify) live wirklich gut umsetzen lässt. Einige Lieder aus dem Album gefielen mir zwar sehr gut. Andere hingegen konnte ich mir live überhaupt nicht vorstellen. 
Da die Band bereits auf ein gut gefülltes Repertoire zurückblickt, hoffte ich, dass auch ein paar ältere Lieder zur Setlist gehören würden. 
Am Tag des Konzertes begann ich mich dann mit Zimmer mit Blick auf den Abend einzustimmen und merkte, dass mich die Vorfreude packte und ich ziemlich gespannt war, welche der Lieder ich am Abend live erleben würde. 


Die Vorbands 
Als mir Skyara auf dem Weg nach Lörrach erzählte, dass es diesmal sogar zwei Vorgruppen geben sollte, war ich etwas misstrauisch. Meist begann die Vorgruppe um 20:00 Uhr und der Hauptact betrat gegen 21 Uhr die Bühne. Ich fragte mich also, ob wir vielleicht erst gegen 21:30 Uhr mit Revolverheld rechnen konnten. Natürlich fragte ich mich dann, ob das im Umkehrschluss nicht bedeutete, dass sie auch weniger Lieder spielen würden. 

Doch vor Ort stellte sich dann schnell heraus, was der Grund für die beiden Hauptgruppen war. Celine Huber, die bereits während dem Einlass die Bühne betrat, ist eine Künstlerin aus der Region. Die Organisator*innen des Stimmen Festivals hatten beim Management von Revolverheld angefragt, ob die Künstlerin den Abend eröffnen durfte und die Band hatte offenbar nichts dagegen. Obwohl ich mit Celine Hubers Musik nicht so viel anfangen kann, habe ich mich sehr gefreut, dass sie diese Möglichkeit bekommen hat. So konnte ein großes Publikum auf ihr aktuelles Album aufmerksam gemacht werden. Und da sie bereits um 19:30 Uhr zu spielen begann und gegen 20 Uhr fertig war, gab es auch keine Verzögerung im Ablauf. 
Ihr Musikstil erinnerte mich eher an eine Art deutschsprachigen Jazz. Die Lieder klangen zwar interessant, passten für mich aber leider nicht ganz zum Musikstil von Revolverheld. Außerdem fiel Skyara und mir auf, dass Celine Huber und ihre Band sehr leise klangen und das, was sie zwischen den Liedern erzählte bei uns akustisch teilweise nicht richtig ankam. (Wir standen etwas weiter hinten). 

Greg Holden hingegen wirkte wie der schottische Ed Sheeran. Er stellte erst einmal klar, dass er nicht unser Feind ist, was ich mit einem Schmunzeln kommentierte. Greg war der Support Act, den Revolverheld mitbrachte. er spielte ebenfalls eher ruhigere Lieder, was mich etwas überraschte. Häufig besteht die Aufgabe der Vorgruppe ja darin, dass Publikum auf den Hauptact vorzubereiten. Celine Huber und Greg Holden könnte ich mir super in einer Club- oder Kneipenatmosphäre vorstellen. Allerdings hatte ich beim Konzert den Eindruck, dass es bei den beiden Künstlern eher etwas unruhig war. 

Greg Holden konnte mich stimmlich zwar für sich gewinnen, aber seine Akustikversionen waren mir etwas zu schlicht und teilweise eben zu ruhig. Skyara und mir gefiel Hold on tight am besten, weil das Lied, neben den ruhigeren Liedern, etwas lebendiger wirkte. 
Leider wurde ich überhaupt nicht neugierig auf das Album, welches der Musiker im Gepäck hatte und nach seinem Konzert verkaufte. Zum Glück war Skyara mit dabei. Sie schlug nämlich nach dem Revolverheld Konzert zu, plauderte ein bisschen mit Greg und ließ sein Album mitgehen, das wir auf der Rückfahrt hörten. Und was soll ich sagen? Das Album (Link führt zur Spotify Playlist) klingt unglaublich vielversprechend und ich fand es fast etwas schade, dass er den Rock, den ich beim Album raushören konnte, nicht auf die Bühne bringen konnte. 
Skyara ist felsenfest davon überzeugt, dass wir noch viel von Greg Holden höen werden. Sie schätzt seine kraftvolle Stimme und findet, dass er einen klaren Wiedererkennungswert hat.


Revolverheld - Der Auftritt 
Wie erwartet traten die Künstler wegen denen das Publikum eigentlich gekommen war, gegen kurz nach 21:00 Uhr auf die Bühne. Sie eröffneten die Show mit dem Lied So wie jetzt, in dem es darum geht, dass man sich nicht mit seinen tausend Gedanken aufhalten, sondern lieber das Leben und die schönen Momente, die es mit sich bringt, genießen soll. Das Lied bringt nicht nur eine schöne Botschaft mit, sondern mit diesem Lied setzen Revolverheld auch ein klares Signal: Sie eröffnen die Show nicht, in einem Lied, das eine traurige Geschichte erzählt, sondern mit einem Lied, das Kraft gibt und eine neue Perspektive auf das Leben ermöglicht. 

Es gibt viel zu erzählen 
Bei den Konzerten, die ich bisher von Bands erlebt habe, waren die Leadsänger*innen nicht nur damit beschäftigt, gut zu singen, sondern erzählten zwischen den Liedern jede Menge Geschichten aus dem Leben eines Künstlers bzw. einer Künstlerin. Die Musiker hingegen blieben eher ruhig. Bei Revolverheld hingegen, erleben wir ein Gespräch unter Freunden. Die Musiker ziehen sich gegenseitig auf, ergänzen sich beim Geschichten erzählen und es wird deutlich, wie gut sie sich kennen und das sie eben nicht nur eine gemeinsame Band, sondern auch eine Freundschaft verbindet. (Leider habe ich natürlich nicht daran gedacht, ein paar der erzählten Witze mitzuschreiben. An dieser Stelle sie nur so viel gesagt: Es wurde an diesem Abend nicht nur viel gesungen, sondern auch geschmunzelt oder gelacht). 

Der Blick für den Nachwuchs
Was ich an Revolverheld ebenfalls schätze ist, dass sie ihre Support-Acts auch in ihr Konzert mit eingebunden haben. Bisher war Max Giesinger der einzige Künstler, den ich kenne, der seinen Support Act für ein gemeinsames Lied auf die Bühne holte. Andere Musiker*innen baten das Publikum sonst ausschließlich darum, noch einmal für den Support Act zu applaudieren. Revolverheld hingegen holten Greg Holden nochmal für eines der ersten Lieder mit auf die Bühne und gaben auch Celine Huber bei dem Duett Halt dich an mir fest noch einmal die Gelegenheit, ihre Stimme zu zeigen. Es macht deutlich, dass Revolverheld etwas daran liegt, Nachwuchskünstler*innen zu fördern. Auch an diesem Abend signalisierten die Hamburger mehrfach, dass sie dankbar dafür sind, dass so viele Leute zum Konzert gekommen sind und sie sehr wohl wissen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist. 

Eine musikalische Reise 
Revolverheld stehen seit sechzehn Jahren auf der Bühne. Irgendwie ist das schon ein merkwürdiges Gefühl, weil sechzehn Jahre nach einer sehr langen Zeit klingen, in der viel passieren kann. Die Musiker haben inzwischen selbst Familien gegründet oder neben Revolverheld noch eigene Soloprojekte, wie beispielsweise Gitarrist Kristoffer Hünecke, der 2012 in Kooperation mit anderen Musikern eine eigene Single veröffentlichte. 

Und mit den Jahren verändert sich auch die Musik der Band: Während die ersten Lieder der Band noch mehr nach Rock klingen, wird das Arrangement mit den Jahren aus meiner Sicht etwas schlichter, aber nicht unbedingt schlechter. 
Doch die Botschaften der Lieder bleiben: Während die Karriere der Band mit dem Lied über das Ende einer Beziehung begann, schaffen sie mit den Jahren Lieder, die verbinden und die zeigen, wie wichtig Beziehung ist und auch sein kann. 
An diesem Abend werden nicht nur Lieder aus dem aktuellen Album gespielt, sondern auch das Lied, das seit sechzehn Jahren auf keinem Konzert fehlen darf: Freunde bleiben. Alle Bandmitglieder sind sich einig: Für das, was sie mit dem Song bisher schon veranstaltet haben, hätten sie als Song die Band wahrscheinlich schon längst verlassen. 

Auch die Zeit in Südafrika wird nicht vergessen 
Als Johannes Strate gegen Ende dann noch die ersten Zeilen des Wir sind Helden Hits Denkmal (Link führt zur Sing meinen Song Version) anstimmte und die Band das Lied kurzerhand in voller Länge spielte, schickte ich ein weiteres Wunschlied aus der Sing meinen Song-Staffel zu den Musik Göttern dieser Welt. Mein absolutes Lieblingslied war nämlich das Cover von Damage Done, das im Original von Leslie Clio stammt. Und ich finde, es hätte ziemlich gut in diese Setlist gepasst. Leider hat es mit diesem Lied nicht geklappt. Aber es hat mich unglaublich gefreut, dass die Band einen Hit aus der Sing meinen Song-Zeit auf eigenen Konzerten umsetzen kann und die Musik somit nicht nur in Südafrika bleibt. 
Was mich an diesem Abend überraschte war, dass ich doch recht viele Lieder der Band kannte. Und das obwohl ich zur Konzertvorbereitung ausschließlich das aktuelle Album der Band gehört habe. Es freute mich sehr, dass sie bei ihrer Setlist nicht nur auf aktuelle Lieder zurückgriffen, sondern auch Lieder, die bereits etwas älter waren, miteinbezogen. 

Spagetthi Eis und bis zu dreißig Leuten auf der Bühne 
Revolverheld betonten, dass sie die Open Air Konzerte besonders mochten, weil sie hier vielfältige Kulissen haben. Im Winter müssen die Musiker auf Mehrzweckhallen ausweichen. Besonders schlimm ist es da, wenn einen Tag zuvor ein Eishockey- oder Handballspiel stattfand und man die Spuren des Spiels auch einen Tag danach noch in den Umkleiden riechen könne. 
Da ist das Ambiente auf dem Lörracher Marktplatz schon deutlich angenehmer. Und wie das auf einem Marktplatz eben so ist, gibt es dort Cafes, die es sich natürlich nicht nehmen lassen, ihre Kunden auch bei einem Konzert der Hamburger Band mit leckerem Essen zu versorgen. Und so machen es sich Revolverheld gleich mal zu nutze und bestellen zwischen den Liedern ganz fix ein paar Portionen Eis und lassen es sich auf die Bühne bringen. (Leider glaube ich, dass die Musiker nicht dazu kamen, das Eis zu genießen, wobei ich ihnen eine kurze Eis-Pause definitiv verziehen hätte). 
Außerdem bemerkte Johannes Strate, dass es mit seinen Bandkollegen auf der Bühne doch recht einsam ist. Also holte er einfach mal so einige Zuschauer*innen - Skyara schätzte, dass es zum Schluss an die dreißig Leute sein mussten - für zwei Lieder auf die Bühne. Das fand ich wirklich eine echt coole Aktion, die wahrscheinlich nicht viele Künstler umsetzen können. 

Lass uns gehen - Nein eigentlich nicht! 
Doch auch dieser Abend muss irgendwann zu Ende gehen. Als Revolverheld dann Lass uns gehen als eines der Zugabe Lieder anstimmte, war ich hin- und her gerissen. Denn eigentlich gefiel es mir im Moment recht gut und ich wollte die Musiker genau genommen noch nicht wirklich gehen lassen. Und so war ich doch recht glücklich, dass das letzte Lied des Abends dann doch Zimmer mit Blick geworden ist. 


Funfacts 
Die Schwalben fliegen hoch - ein neuer Code? 
Da es auf der Fahrt nach Lörrach ziemlich bewölkt war, waren Skyara und ich mit Regenjacken ausgestattet. Doch in Lörrach angekommen wurden wir von Sonnenschein empfangen. Und als wir nach Greg Holden so da standen und auf Revolverheld warteten, meinte Skyara plötzlich: "Die Schwalben liegen hoch!"
Mein Gehirn lief auf Hochtouren: Was konnte das bedeuten? Hatte sie bereits eines der Bandmitglieder von Revolverheld gesehen? 
Doch dann erklärte sie mir, dass es sich um waschechte Schwalben handelte und das ein Zeichen dafür sei, dass es heute ganz bestimmt nicht mehr regnet. 

Was ist das für eine Werbung? 
Nachdem Revolverheld das Lied Liebe auf Distanz zu Ende gespielt hatten, wurde es dunkel auf der Bühne und ein Monitor wurde angeworfen. Dort startete ein Videoclip. Ich fragte mich schon, ob nun für eine Spendenaktion geworben wurde und der Clip das Konzert beenden sollte. Auch hier versorgte mich Skyara mit den nötigen Infos und erzählte, dass es sich um ein bekanntes Video handelte, das zu dem Lied gehörte. Ihr könnt es euch hier anschauen. 

Explosionen auf der Bühne? Nicht mit Revolverheld!
Skyara merkte an, dass die Bühnenshow schlicht gehalten war. Hier wurde mit einem sehr kleinen Feuerwerk oder Konfettikanonen gearbeitet, um einen Wow-Effekt zu erzeugen. Andere Musiker*innen sind da deutlich weniger umweltbewusst, bemerkt Skyara.


Mein Fazit 
Revolverheld füllte den Lörracher Marktplatz an diesem Abend mit toller, kreativer und auch tiefgründiger Musik und sorgte dafür, dass mein Glücksbarometer wieder ordentlich auflud. 
Ich hoffe sehr, dass sich bald wieder die Gelegenheit ergibt, die Musiker aus Hamburg bei einem Konzert erleben zu können. 

-----------------------------------------------

Setlist 
So wie jetzt, Das kann uns keiner nehmen, Das Herz schlägt bis zum Hals, Immer in Bewegung, Ich werde die Welt verändern, Freunde bleiben, Bands deiner Jugend, Unsere Geschichte ist erzählt, Spinner, Halt dich an mir fest (mit Celine Huber), Immer noch fühlen, Denkmal (Cover von wir sind Helden), Werde nie erwachsen, Ich lass für dich das Licht an. 
Zugaben: Liebe auf Distanz, Lass uns gehen, Zimmer mit Blick 

Mittwoch, 10. Juli 2019

[Buchclub] #TeamMängel - Mängelexemplar

Mängelexemplar ist unsere zweite Buchclub Lektüre unserer aktuellen Leserunde im Buchclub. In diesem Artikel erfährst Du, was es mit dem Buchclub auf sich hat und wie Du mitmachen kannst. (Hinweis: Ende Juli werden Änderungen bekannt gegeben, die sich auf den Ablauf des Buchclubs auswirken).


Bild von Argon Verlag
Steckbrief 
Name: Mängelexemplar
Autor*in: Sarah Kuttner 
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Fans von Sarah Kuttner 
Gelesen oder gehört: gehört 
Sprecher*in: Sarah Kuttner 
Bewertung: 2,5 von 5 Punkten   

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen. 

Montag, 8. Juli 2019

[Buchclub] #TeamKurt - Kurt

Hierbei handelt es sich um einen Buchclub Diskussionsbeitrag. In diesem Artikel erfährst Du, was es mit dem Buchclub auf sich hat und wie Du mitmachen kannst. (Hinweis: Ende Juli werden Änderungen bekannt gegeben, die sich auf den Ablauf des Buchclubs auswirken). Wenn Du Kurt ebenfalls gelesen oder gehört hast, freue ich mich, wenn wir uns in den Kommentaren etwas über die Geschichte austauschen. 


Bild von Argon Verlag
Steckbrief 
Name: Kurt
Autor*in: Sarah Kuttner 
Verlag: Argon Verlag 
Geeignet für: Kuttner-Fans, Menschen, die tragische Familiengeschichten mit Hoffnung mögen 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch 
Sprecher*in: Sarah Kuttner 
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten 

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen. 

Sonntag, 7. Juli 2019

Ge(h)plaudert: Bücherregaltour 4: Meine Taschenbücher Teil 1

Hallo Buchlinge, 

ganz spontan habe ich vorhin beschlossen, euch heute wieder einmal mit in mein Bücherregal zu nehmen. Diesmal zeige ich euch den ersten Teil meiner Taschenbücher. Und ich glaube, diese Podcast Folge wird wohl die kürzeste in der Bücherregaltour-Reihe bleiben. Deswegen gibt es diesmal auch kein Inhaltsverzeichnis für euch. Ich dneke, ihr werdet es verkraften. 

Direkt bei YouTube hören.




Erwähnte Bücher: 
Vermiss mein nicht von Cecilia Ahern 
Schmetterling und Taucherglocke von Jean-Dominque Bauby 
Die hellen Tage von Zsu Zsa Bank 
Stadt der Diebe von David Benioff
Bäume reisen nachts von Aude Le Corff
Wo der Hund begraben liegt von Martina Dierks 
Die unendliche Geschichte von Michael Ende 
Die Therapie von Sebastian Fitzek 
Splitter von Sebastian Fitzek 

Bisherige Teile der Bücherregaltour: 
Teil 3 Paperback
Teil 2 Hardcover 
Teil 1 Reihen


Und Du? 
Kennst Du welche der vorgestellten Titel? 
Wie haben sie Dir gefallen? 
Was denkst Du über mein Bücherregal Format? 
Gefällt Dir die bisherige Aufmachung? 

Mittwoch, 3. Juli 2019

Ge(h)schrieben Folge 1: Das Planen und ich



Schreibmaschine.
Ein eingespanntes Blatt auf
dem "Ge(h)schrieben" steht.
Bild von A. Mack
Hallo Buchlinge, 

heute ist es also soweit: Ich präsentiere hiermit das erste Update der neuen Rubrik Ge(h)schrieben. In diesem Beitrag stelle ich euch die Rubrik vor. Hier in Kürze: Monatlich werde ich euch ab sofort von meinem Autorenleben berichten. Dabei geht es nicht nur um die Projekte, die ich aktuell schreibe, sondern auch um Fragen, die mich als Autorin beschäftigen. 

An dieser Stelle will ich noch einmal darauf hinweisen, dass ich hier von meinen persönlichen Erfahrungen und Gedanken zu bestimmten Themen berichte. Diese Gedanken sind nicht in Stein gemeißelt. Es kann sein, dass ihr andere Erfahrungen gemacht habt und das ist auch gut undvöllig in Ordnung so. 
Kommen wir also erstmal zur... 


Ge(h)schrieben im Juni - Die Statistik
Erst einmal beginnen wir mit dem Statistik Teil. Die Autor*innen unter euch, die regelmäßig schreiben, kennen diese Wörterzählerei ja vielleicht. Obwohl ich wirklich nicht viel mit Zahlen anfangen kann, mag ich das Wörter zählen tatsächlich ganz gerne. 

Stand: 30.06.19 
Geschriebene Zeit: 18 Stunden und 4 Minuten 
Geschriebene Wörter: 20.915 Wörter

Dieser Monat zeigt wunderbar, dass eine bestimmte Wortanzahl überhaupt nichts über das aussagt, was ich wirklich geschafft habe. Bis Mitte Juni hing ich nämlich an einer Idee für den Adventskalender, die leider nicht funktionierte. Warum erzähle ich euch im Laufe des Beitrages. Deswegen kann ich die Wörter, die ich bis zum 15.06 geschrieben habe, überhaupt nicht mehr gebrauchen, da ich inzwischen an einer neuen Idee arbeite, die mir viel besser gefällt und absolut nichts mit der ersten Idee zu tun hat.

Interessant finde ich meine Schreibzeit. Da ich aktuell recht voll gepackte Tage habe und gerade im Juni viel Zeit am PC verbringen musste, fehlte mir oft die Motivation, mich zum schreiben nochmal an den PC zu setzen. Zum Glück wird sich das im Juli ändern und ich rechne mit etwas mehr Schreibzeit.
Ich weiß, im Gegensatz zu Autor*innen, die hauptberuflich schreiben, ist meine Schreibzeit vermutlich echt etwas wenig, weil es pro Tag nicht mal acht Stunden sind. Aber ich bin schon etwas stolz auf meine 18 Stunden, weil mir das zeigt, dass ich es ab Mitte Juni doch ganz gut geschafft habe, regelmäßig zu schreiben und somit langsam eine Routine zu entwickeln. 


Das Planen und ich 
Ihr kennt es sicher: Ihr habt eine Idee für ein neues Projekt. Zuerst ist es nur ein Gedanke und dann kommt Stück für Stück mehr dazu: Ideen für die Figuren, die ersten Szenen, das Setting. Nun stellt sich die Frage: Schreibt ihr einfach drauf los und lasst euch überraschen, wohin die Reise geht oder fühlt ihr euch mit einem Plan wohler? Viele Autor*innen, die beruflich schreiben, planen ihre Romane bis ins kleinste Detail. Fantasyautor Kai Meyer beispielsweise hat zu seinen Projekten nicht nur ein Expose, sondern auch Szenenpläne.

Wenn ihr euch also dafür entschieden habt, euer Projekt planen zu wollen, gibt es verschiedene Methoden, die euch dabei helfen, das Wesentliche eurer Geschichte herauszuarbeiten. In diesem Artikel findet ihr eine Übersicht der gängigen Methoden des Storytelling. Autor und Lektor Hans-Peter Roentgen stellt in einem Artikel die Methode des Phönix aus der Asche vor.
Erfahrene Autor*innen werden jetzt vielleicht die Köpfe schütteln. Aber ich habe bisher nur ein Hilfsmittel ausprobiert, anhand dessen ich meine Projekte geplant habe. Und das ist das Expose.

Wer überlegt, das Schreiben zum Beruf zu machen, oder zu den Student*innen gehört, weiß, dass man sich irgendwann dem Thema Expose stellen muss: Egal, ob für eine wissenschaftliche Arbeit, oder einen Roman, das Expose dient dazu, den Inhalt eures Textes zusammenzufassen. Hier sollt ihr nicht nur euren Text planen, sondern die Schritte der Planung auch noch begründen. Annika Bühnemann, Autorin und Gründerin des Blogs vomschreibenleben.de fasst in einem Artikel nicht nur zusammen, was ein Expose ist, sondern auch, wie man das Expose für den eigenen Roman schreibt. 

Ich habe mich im Mai und im Juni sehr intensiv mit dem Thema Expose schreiben beschäftigt. Wie bereits schön häufig erwähnt, arbeite ich seit Jahren an einem Jugendbuch, von dem ich bis vor kurzem davon ausgegangen bin, dass es fertig ist und Literaturagenturen angeboten werden kann. (Warum ich mich für den Weg über eine Literaturagentur und nicht beispielsweise das Selfpublishing entscheide, werde ich in einem der nächsten Beiträge erzählen).

Das Schwierige war: Ich musste meine Geschichte auf 2-3 Normseiten zusammenkürzen. Für diejenigen unter euch, die nicht wissen, was eine Normseite ist, empfehle ich einen Artikel, der bei Literaturcafe erschienen ist. Hier gibt es nämlich auch Vorlagen für Word zum Download. An dieser Stelle nur so viel: Die Normseite wird in 30 Zeilen a 60 Anschläge und der Schriftart Courier New formatiert und hat sich in der Literaturbranche bei Agent*innen und Verleger*innen als Standard etabliert. Das Problem an der Sache: Bei dieser Formatierung haben nur sehr wenige Wörter Platz. Man kann noch ein bisschen an der Schriftgröße schrauben und das Ganze in 11 pt formatieren. Allerdings bringt einem das auch nicht so viel Platz, wie erhofft. 

Was außerdem hinzukam: Ich habe das Expose erst geschrieben, nachdem ich meinen Roman beendet hatte. Ich schreibe seit Ende 2013 an dem Projekt. Ich kenne meine Geschichte also gefühlt in und auswendig und habe sie schon zu oft überarbeitet. Da fiel es mir sehr schwer, zu entscheiden, welche Aspekte in das Expose rein gehören. Es wird geraten, die Motive und die Entwicklungen der Charaktere herauszuarbeiten. Doch was gehört alles zu einem Motiv? Was können sich Agent*innen oder Lektor*innen denken und wo braucht es mehr Informationen? 

Nun erzähle ich euch etwas, dass euch Menschen aus der Buchbranche wahrscheinlich nicht empfehlen werden: Ich habe mir eine Testleserin gesucht, die absolut nichts mit Büchern am Hut hat. Was aber für sie spricht: Sie liest aufmerksam und erkennt, wo es an Präzision fehlt. Und genau das habe ich für mein Expose gebraucht. Nach einigen Anläufen, Tränen und Frustration habe ich es schließlich geschafft, mein Projekt in der von Literaturagenturen vorgegebenen Seitenzahl zusammenzufassen. Und dabei haben sich wichtige Veränderungen in der Handlung herausgestellt, die in den Text eingearbeitet werden müssen. Einige Handlungsstränge ergeben keinen Sinn mehr. Kapitel müssen um- oder neu geschrieben werden. Also fasste ich den Entschluss die Geschichte anhand des Exposes nochmal neu zu schreiben. (Ein weiterer Grund, der auch dafür gesprochen hat, war die Arbeit mit Testleser*innen. Aber auch dazu an anderer Stelle mehr). 

Die Vorteile: Inzwischen habe ich meinen Text schon so oft überarbeitet, dass ich das Gefühl habe, dass er inzwischen tot ist. Es fehlt an Lebendigkeit. Die Formulierungen wirkten hohl und ich konnte meine Charaktere nicht mehr spüren. Außerdem gab es zwei wesentliche Änderungen in der Handlung, die ich wahrscheinlich nur sehr schwer ausbessern konnte. Und da ich inzwischen durch meine Überarbeitungsprozesse einen Szenenplan und jetzt auch ein gutes Expose habe, glaube ich, mit guten Hilfsmitteln in einen neuen Anlauf zu starten.

Fazit
Ich habe mir fest vorgenommen, beim nächsten Roman zuerst ein Expose zu schreiben, bevor ich an den Text gehe, um mir dieses ganze Chaos zu ersparen. Und als Übung nahm ich mir den kommenden Adventskalender vor. Eine Geschichte mit 24 Kapiteln, also ein Projekt, was in meinen Augen recht überschaubar ist. So weit so gut... 

Wo ist der Weg? 
Die Idee meines ersten Adventskalender Entwurfes gefiel mir wirklich gut. Ich habe sie an einem Gespräch angelehnt, das ich während einer Busfahrt mitgehört habe. Hier unterhielten sich zwei Jugendliche über einen Vertretungslehrer, der offenbar Franzose war und ihnen empfahl, wenn sie mal in Frankreich waren unbedingt an einem Ort ein bestimmtes Baguette zu essen. Die Schüler taten diese Idee ab und hielten sie für völlig verrückt. Ich fragte mich in diesem Moment: Warum eigentlich nicht? Und einige Monate später begann ich die Idee etwas auszuarbeiten und ein Expose zu schreiben, das die Motive meiner Charaktere und das Ziel der Geschichte enthielt, an dem sie zum Schluss ankommen sollten. Doch die Reise dorthin hielt ich bewusst offen, um mich beim Schreiben nicht einzuschränken, sondern der Kreativität freien Lauf zu lassen.

Und so habe ich den Startpunkt und das Ziel deutlich vor mir gesehen. Ich habe es mit Mühe und Not geschafft, die Charaktere auf die Reise zu schicken, doch dann gingen mir die Ideen aus. Erst sagte ich mir, dass man halt nicht an jedem Tag kreativ sein könnte. Ich schrieb also einfach weiter und hoffte, dass sich das Problem von selbst erledigte, wenn ich mich einfach treiben ließ und die Geschichte gemeinsam mit den Charakteren entdeckte. Fehlanzeige! Die Dialoge blieben lahm und die Charaktere bewegten sich nicht von der Stelle. Also begann ich mir zu überlegen, wie ich die Geschichte lebendiger machen könnte. Und je mehr ich überlegte, desto mehr begann ich, zu konstruieren. Künstliche Elemente hinzuzufügen, in der Hoffnung, dass sie die gewünschte Wirkung erzeugten: Nämlich meine Charaktere an ihre Grenzen zu bringen. Unterschiedliche Motive, das Ziel zu erreichen, waren zwar vorhanden, aber, obwohl erste Feindschaften geschlossen wurden, war die Stimmung eben doch zu harmonisch. 

Nochmal auf Null und die Sache mit dem Pitch 
Schweren Herzens verabschiedete ich mich also von der Baguette-Idee und begann mit jemand anderem Ideen für eine neue Geschichte zu sammeln. Und sehr schnell fand ich einen neuen, spannenden Gedanken. Hier hatte ich zu Beginn nur zwei Sätze im Kopf. Ganz vereinfacht gesagt, nennt sich das Pitch. Hier fasst ihr eure Geschichte auf das Wesentliche zusammen und versucht das Interesse eures Gegenübers zu gewinnen. (Okay, wer etwas Seriöses zum Pitch lesen will, kann auch mal hier vorbeischauen).

Diesmal beschloss ich, kein dreiseitiges Expose zu schreiben und mir nicht einmal diese zwei Sätze zu notieren. Bisher habe ich fast sechzig Normseiten und acht Kapitel geschrieben. Obwohl diese Idee um einiges kürzer ist, als das Baguette-Konzept, schneiten die Ideen zur Tür herein. Kaum war ein Kapitel beendet, hatte ich auch schon eine Idee für das nächste Kapitel. Und das motiviert mich, dran zu bleiben. 


Und wie ist das jetzt mit dem Expose? 
Viele Autor*innen, die hauptberuflich schreiben, fluchen wenn der Verlag oder die Agentur ein Expose zum neuen Projekt haben möchte. Schließlich muss dort das Wesentliche des Projektes herausgearbeitet werden. Sebastian Fitzek hat einmal in einem Interview erzählt, dass 70% von seinem Expose auch in der Endfassung seines Romanes landen. Er empfiehlt allen Autor*innen, die nebenberuflich schreiben, unbedingt ein Expose zum aktuellen Projekt zu schreiben, weil es gut sein kann, dass man eben nicht jeden Tag dazu kommt, am Projekt zu arbeiten. Und das Expose gibt eine gute Struktur und soll dabei helfen, wieder in die Geschichte reinzukommen. 

Das Planen und ich 
Ich habe bisher schon einige Geschichten geschrieben. Da wären zum einen die Adventskalender, die auf diesem Blog existieren und Projekte, die ihr bisher noch nicht lesen durftet. Je ausführlicher ich ein Projekt geplant habe, desto wahrscheinlicher war es, dass ich irgendwann blockiert habe und mir die Ideen ausgegangen sind, um die Figuren oder die Handlung voranzustreiben. 

Gerade bei meinem letzten Adventskalender konnte ich das Wesentliche in 2-3 Sätzen zusammenfassen. Die Geschichte basierte am Anfang tatsächlich nur auf einer Szene, die in dieser Form schlussendlich gar nicht im Adventskalender aufgetaucht ist. Allerdings habe ich mir beim letzten Adventskalender während der Überarbeitung eine Struktur erarbeitet. Ich merkte während des schreibens, an welchen Stellen ich nochmal nachbessern musste und legte mir zum Schluss Kapitelübersichten an, damit mir nichts entging. Und für zukünftige Projekte werde ich vorerst an dieser Idee festhalten: schreiben und beim überarbeiten ausarbeiten. 


Und sonst so? Schreibchallenge Camp NanoWriMo
Am ersten Juli startete das Camp NaNoWriMo, die kleinere Ausgabe des NaNoWriMos, der jährlich im November stattfindet. Ziel dieser Challenge ist es, innerhalb eines Monats eine bestimmte Wortanzahl zu schreiben und - zumindest laut der offiziellen Website - somit einen Roman innerhalb eines Monats zu beenden. In der November Ausgabe sollen 50.000 Wörter geschrieben werden. Im Juli ist das Ganze etwas entspannter: Dort könnt ihr euch eure Ziele selbst setzen.

Damit der Camp Charakter zustande kommt, gibt es die oben verlinkte Website unter der man sich mit einem Account anmelden und eine eigene Kabine eröffnen kann. Ich selbst habe kein Konto auf der Seite, werde aber bei Twitter über meine Updates berichten. Somit wäre also auch die Frage beantwortet, ob ich an der Aktion teilnehme :).
Wenn ihr noch weitere Infos zum NaNoWriMo wollt, schaut mal in den FAQs auf der offiziellen Website vorbei. In diesem Artikel wird versucht, euch eine Registrierung auf der Website schmackhaft zu machen.

Mein Ziel für das Camp NaNoWriMo 
Mein Ziel besteht darin, so gut wie möglich beim Adventskalender voranzukommen. Ich bin inzwischen fast bei der Hälfte angelangt und gespannt, wohin mich die Reise führt.
Im Idealfall wäre es natürlich super, wenn ich den Adventskalender im Juli beende. Aber da gibt es eben noch so eine Bachelorarbeit, die auch Aufmerksamkeit verlangt...


Kanalempfehlungen
An dieser Stelle möchte ich noch auf ein tolles Projekt der Schreibdilettanten hinweisen: Axel und Markus sprechen in wöchentlichen Podcast Folgen über wichtige Fragen und Themen, die Autor*innen betreffen. Vor ein paar Wochen ist ihr Schreibratgeber Romane schreiben und veröffentlichen für Dummies in einem Verlag erschienen. 

In diesem Video stellen uns die beiden ein neues Projekt vor, das wir die nächsten Monate auf ihrem YouTube Kanal finden werden. Und zwar starten sie ein Sommercamp: Dort zeigen sie uns nicht nur, wie man an das Schreiben eines Romanes herangeht, sondern auch, was man tun muss, wenn man den Roman beendet hat und anschließend veröffentlichen will. 
Das Video, in dem Axel und Markus diese Aktion ankündigen, hat mich unglaublich neugierig gemacht und ich bin sehr gespannt, was die beiden zu erzählen hben. 


Und Du? 
Wie ausführlich planst Du Deine Geschichten? 
Schreibst Du zu jedem Projekt ein Expose? 
Nimmst Du am Camp NaNoWriMo teil?