Mittwoch, 29. Mai 2019

Morgen irgendwo am Meer

Bild von cbj
Steckbrief
Autor: Adriana Popescu 
Verlag: cbj 
Geeignet für: Leute, die tiefgründige Jugendbücher suchen  oder Roadtrips mögen; Fans von Adriana Popescu 
Gelesen oder gehört: gelesen als Paperback 
Bewertung: 5 von 5 Punkten 




Klappentext 
(von cbj

"[...] Was Romy, Konrad, Nele und Julian auf ihrem gemeinsamen Weg nach Lissabon erwartet, scheint der perfekte Sommerroadtrip nach dem Abitur zu sein. Doch dass jeder von ihnen weit mehr als nur leichte Sommerklamotten im Gepäck hat, wird dem eher durch Zufall zusammengewürfelten Quartett erst im Lauf der Reise klar. Denn in Wahrheit geht es bei diesem Roadtrip um nichts weniger als die Suche nach sich selbst, dem eigenen Leben, der großen Liebe und wahrer Freundschaft." 


Meine Meinung 
Kommen wir diesmal zuerst zur Gestaltung des Buches: Bei Morgen, irgendwo am Meer durften die Leser*Innen vorab über das Cover des Buches entscheiden. Ich kann mich gar nicht mehr an den zweiten Vorschlag erinnern, finde aber, das aktuelle Cover wirklich sehr schön. Es ist schlicht gehalten und passt farblich gut in den Sommer, ohne, dass es zu bunt oder kindlich wirkt. Außerdem finde ich, dass das Cover die Geschichte schön untermalt. 
Die Schriftart im Buch ist recht angenehm und war für mich gut zu lesen, was unter anderem dafür gesorgt hat, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. 
An dieser Stelle muss ich unbedingt erwähnen, dass ich ziemlich begeistert von der Leseprobe war, da diese - wahrscheinlich unabsichtlich - barrierefrei ist. Das Cover des Buches ist mit einem Alternativtext unterlegt, der den Titel des Buches enthält. Die Kapitel sind aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Deswegen steht am Anfang von jedem Kapitel der Name des Charakters, aus dessen Sicht das Kapitel geschrieben wurde. Dabei wird der Anfangsbuchstabe des Namens schön geschwungen dargestellt, was optisch schick aussieht. Das Geniale an der Sache: Die Anfangsbuchstaben werden sowohl vom Screenreader als auch der Braillezeile erkannt und somit nicht unterschlagen oder - wie das bei Grafiken häufig üblich ist - merkwürdig dargestellt. 

Ich finde es unglaublich schwierig, den Inhalt von Morgen, irgendwo am Meer zu beschreiben, weil ich hier aufpassen muss, um nicht zu viel zu verraten. Wir begegnen hier vier Charakteren, die von außen betrachtet, ein normales Leben führen. Wenn man aber genauer hinschaut, merkt man, dass jeder von ihnen sein Päckchen zu tragen hat. Genau so, wie es uns im richtigen Leben eben auch ergeht.

Konrad muss nicht nur damit zurechtkommen, dass Abi zu wiederholen, sondern auch noch Romy ziehen lassen. Wir merken schnell, dass er eine besondere Beziehung zu Romy hat. Und aus diesem Grund will er einen letzten gemeinsamen Sommer mit ihr erleben und sie auf einen Roadtrip mitnehmen, Bevor sie in die Welt hinaus zieht und er eben nochmal die Schulbank drücken muss. 
Dumm nur, dass die beiden kein Auto haben. Da kommt Romys Freund Julian gerade recht: Er bietet an, die beiden zu fahren. Und damit es keine anstrengende Reise wird, sorgt er kurzerhand noch für eine vierte Mitreisende: Nämlich Nele. 

In dieser Geschichte sind die Handlungsstränge unglaublich gut miteinander verbunden. Wir merken schnell, dass Romy und Konrad etwas verbindet, aber es wohl auch einen Bruch in dieser Beziehung gibt, der für monatelange Funkstille zwischen den beiden gesorgt hat. Natürlich stellte ich schnell die ersten Theorien auf, was es mit Romys und Konrads Geschichte auf sich hat. Und ich fand es absolut genial, dass mich die Adriana Popescu unabsichtlich an der Nase herumgeführt und auf die falsche Fährte geschickt hat. Ich war schon lange nicht mehr so glücklich, dass meine erste Theorie nicht zugetroffen hat. 

Beeindruckt hat mich vor allem, dass Adriana Popescu die Geschichte anhand von drei Handlungssträngen erzählt: Bisher gab es in ihren Jugendbüchern meist zwei Perspektiven und somit auch zwei Handlungsstränge. In Morgen, irgendwo am Meer erleben wir aber vier Charaktere von denen jeder eine Geschichte hat, die aufgelöst werden möchte. 
Ich war fasziniert davon, wie die Autorin die Handlungsstränge verstrickt und Stück für Stück Fährten legt, damit wir die Geschichten entschlüsseln können. Hinweise, die dafür sorgten, dass ich unbedingt weiterlesen wollte, weil ich gespannt war, wie die Puzzleteile zum Schluss zusammenpassten. 
Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass sich die Geschichte auf der Stelle bewegt oder zu schnell vorangeht. 

Wie bereits erwähnt, lernen wir hier vier Charaktere kennen: Diese könnten nicht unterschiedlicher sein. Konrad wirkt so, als wäre ein großer Teil in ihm zerbrochen. Es ist deutlich spürbar, dass ihn ein Ereignis verfolgt und er Mühe hat loszulassen. 
Romy versucht das, was viele Jugendliche und vielleicht auch Erwachsene gerne tun: Sie möchte ein Bild von sich präsentieren, von dem sie glaubt, dass ihre Umwelt genau das sehen möchte. Das Praktische: Der Teil, den niemand sehen darf, wird so perfekt versteckt. 
Auch Julian hat es nicht leicht. Er streift orientierungslos durchs Leben. Sein einziger Halt scheint seine Freundin Romy zu sein. Doch als er merkt, dass Romy und Konrad etwas verbindet, dass er nicht versteht, droht sein einziger Anker wegzubrechen. 
Nele scheint eine gnadenlose Optimistin zu sein. Während die Anderen viel mit sich beschäftigt sind, scheint Nele genau zu wissen, was sie auf der Reise sucht und wo sie im Leben hin will. Doch was ist ihr Ziel auf dieser Reise? Was ist ihre Geschichte? Schafft sie es, diese mit ihren Mitreisenden zu teilen? 

Ich habe bei jedem Buch den Eindruck, dass sich Adriana Popescu als Autorin weiterentwickelt und wir das unter anderem in ihrem Schreibstil erleben können. Und es macht mir unglaublich Spaß dabei zuzuschauen. Hier konnte ich zum ersten Mal beobachten, wie die Autorin eine Geschichte aus vier Perspektiven erzählt und zwar viermal in der Ich-Perspektive. Und das Faszinierende ist, dass die Charaktere kein bisschen gleich klingen und man sie wunderbar voneinander unterscheiden konnte. 
Das Schöne ist, dass Adriana Popescu es hier schafft, das Gefühlsleben unserer Charaktere in Worte zu fassen. Und zwar Worte, von denen die Charaktere wahrscheinlich selbst nicht wussten, dass es sie gibt.
Das Wichtige bei Jugendbuchautor*Innen ist für mich, dass sie es schaffen, schwierige Themen in sprachliche Bilder zu übersetzen und die richtigen Worte zu finden, um Leute zu erreichen, denen es vielleicht ähnlich geht und die noch keine Worte zur Verfügung haben, um das zu benennen, was sie fühlen. Und ich denke, dass es Adriana Popescu hier ziemlich gut gelungen ist. 
Interessant war auch, dass in den bisherigen Jugendbüchern viele Fandom Themen angeschnitten wurden, wie beispielsweise Anspielungen auf Doctor Who oder Harry Potter. Hier hingegen finden sich andere Beispiele: Romane oder Comics, bei denen zwar deutlich wird, wie viel sie den Charakteren bedeuten, aber die, die eigentliche Geschichte nicht in den Hintergrund stellen. 

Gesamteindruck 
Morgen, irgendwo am Meer hat mich wirklich positiv überrascht, weil wir hier zum einen eine gut verstrickte Handlung erleben und zum anderen Tiefe geliefert bekommen, sobald alle Stränge aufgelöst sind. 
Das Geheimnis von Romy und Konrad ist ziemlich gut herausgearbeitet und kommt zu einem schönen Abschluss. 
Schön finde ich auch, dass in der Geschichte deutlich wird, dass es eben Zeit braucht, um manche Themen für sich klären zu können und das es okay ist, wenn man sich diese Zeit nimmt und nicht immer leistungsorientiert denken muss. 

Mittwoch, 22. Mai 2019

Fische, die auf Bäume klettern

Bild von Argon Verlag
Steckbrief 
Name: Fische, die auf Bäume klettern (auch als Buch erhältlich) 
Autor: Sebastian Fitzek 
Verlag: Argon Verlag 
Geeignet für: Fitzek-Fans, die interessiert, was der Autor über das Leben denkt; Menschen, die sich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigen 
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch 
Sprecher: Sebastian Fitzek 
Bewertung: 2,5 von 5 Punkten 


Klappentext 
(von Argon Verlag


"Ein Kompass für das gro

Worauf kommt es im Leben wirklich an?
Wie findet man sein Glück? Was lernt man aus Niederlagen? Und wie geht man mit seinen Mitmenschen um? In spannenden persönlichen Episoden erzählt Sebastian Fitzek, was für ihn im Leben wichtig ist und wie ein glücklicher Lebensweg gelingen kann. Inspiriert wurde er zu diesem Hörbuch durch seine Rolle als Vater – und die Frage, was er seinen Kindern für das Leben mitgeben würde, wenn ihm nicht mehr viel Zeit bliebe. So ist Fische, die auf Bäume klettern auf den ersten Blick ein sehr persönliches Vermächtnis eines Vaters an seine noch jungen Kinder, zugleich aber auch ein Hörbuch für alle, die Halt suchen und sich der Werte, die ihnen wichtig sind, vergewissern möchten." 


Meine Meinung 
Buchlinge, mit diesem Hörbuch habe ich eine buchstäbliche Reise erlebt. Und heute werde ich euch von meinem Hörerlebnis erzählen. Mir ist es aber wichtig, an dieser Stelle zu betonen, dass sich meine Rezension auf das gekürzte Hörbuch bezieht, da ich mir nicht sicher bin, ob einer meiner Kritikpunkte auch auf die ungekürzte Fassung zutrifft. 
Da es sich hier um einen Kompass - der Autor möchte nicht, dass sein Buch als Ratgeber bezeichnet wird und aus meiner Sicht trifft die Kategorisierung Sachbuch auch nicht wirklich zu - handelt, wird meine Rezension in diesem Fall etwas anders gestaltet. 

Sebastian Fitzek schrieb Fische, die auf Bäume klettern, weil er seinen Kindern etwas hinterlassen wollte. Vor ein paar Jahren wurde er von seiner Frau gefragt, ob er denn bereits sein Testament gemacht habe. Er verneinte die Frage und erkannte, dass es aber Dinge gab, die er seinen Kindern gerne sagen möchte, falls er sterben sollte. Und so entstand dieser Kompass. 

In verschiedenen Kapiteln versucht Sebastian Fitzek, die aus seiner Sicht wichtigsten Dinge zusammenzufassen, die man über das Leben wissen sollte. Er vergleicht das Leben mit verschiedenen Reisen, wobei das Wort Reise hier als Metapher dient, weil es nicht ausschließlich darum geht, körperlich auf Reisen zu sein, sondern damit auch eine Auseinandersetzung mit einem Thema gemeint sein kann.
Und wie das nun mal so ist, wenn man sich auf eine Reise begibt, braucht man Rüstzeug, wie Treibstoff, Verpflegung, Geld, oder etwas Vergleichbares, das man als Währung einsetzen kann, um wieder etwas anderes zu bekommen. Wie wir nicht nur aus fiktiven Romanen, sondern auch aus dem eigenen Leben wissen, bringen Reisen auch Gefahren mit sich. Vor einem Teil der Gefahren möchte der Autor seine Kinder am liebsten bewahren. So erzählt er ihnen auch, auf was sie im Leben besonders achten sollen. 

In diesem Hörbuch steckt unglaublich viel Inhalt. Das sorgte bei mir dafür, dass ich das Hörbuch nicht in den angesetzten fünf Stunden durchhören konnte, sondern beinahe doppelt so viel Zeit mit dem Kompass verbracht habe, weil ich auch etwas mitnehmen und Sebastian Fitzeks Ansichten nicht einfach nur konsumieren, sondern eben so gut es geht auch erfassen wollte. 

Allerdings musste ich schon schnell feststellen, dass ich bereits an den Grundsatzfragen hängen blieb: Sebastian Fitzek gibt hier viele Empfehlungen, die ich grundsätzlich nachvollziehen konnte, die für mich aber auch von der Lebenssituation Einzelner abhängen. 
So riet er seinen Kindern beispielsweise, sich nicht des Geldes wegen für einen Beruf zu entscheiden, sondern nach den eigenen Interessen und Fähigkeiten zu gehen. Im Prinzip ist das ein guter Gedanke, der auf seine Kinder sicher zutrifft. Sie werden von ihren Eltern geliebt und sind finanziell versorgt und können sich daher auch die Zeit nehmen, eigene Fähigkeiten zu entdecken und auszubauen.. 
Es gibt aber auch Familien, die finanziell schlechter dastehen, oder in denen es emotionale Armut gibt. Hier gibt es nicht die Möglichkeit, sich mit seinen Fähigkeiten befassen zu können. Es geht viel mehr darum, scnellstmöglich Geld verdienen zu müssen, um unabhängig sein zu können. 

Daher fragte ich mich: Geht es in dem Kompass ausschließlich darum, was Sebastian Fitzek seinen Kindern empfiehlt, oder überträgt er diese Empfehlungen auch auf die Gesellschaft? Wenn es ausschließlich um das geht, was er seinen Kindern mitgeben möchte, warum veröffentlicht er seine Ansichten dann in einem Buch, das für alle zugänglich ist? 

Inhaltlich habe ich mir etwas anderes unter dem Kompass vorgestellt. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass Fische, die auf Bäume klettern, biografischer ist. Ich rechnete damit, dass uns Sebastian Fitzek von den bisherigen Stationen seines Lebens erzählt und anhand seiner getroffenen Entscheidungen Empfehlungen für seine Kinder herausarbeitet. 
Jedoch gab es auch Kapitel, die er nicht auf sein Leben bezog. Es kamen zwar immer wieder Beispiele aus seinem Leben vor bzw. Geschichten, die er mit Freunden erlebt hatte, dennoch waren diese eher die Seltenheit. 

Sebastian Fitzek beweist hier, dass er sich nicht nur auf das Schreiben von Romanen versteht, sondern seinen Schreibstil auch an einen Kompass anpassen kann. Neben den vielen Informationen baute der Autor auch viel Witz und auch sprachliche Bilder ein. Außerdem beleuchtete er einige Themen wirklich sehr präzise. Was mir etwas negativ auffiel, waren die vielen Imperative, die sich in Fische, die auf Bäume klettern versteckten, wie beispielsweise: 

"Lebt nicht das Leben Anderer!" [...] 
"Lasst euch von den Kreisen Anderer nicht vereinnahmen." [...]
"Verleugnet euch nicht. Akzeptiert euch als den Menschen, den ihr seid." [...]
An sich sind das alles interessante und wahrscheinlich auch richtige Hinweise. Dennoch sind es aus meiner Sicht Dinge, die man erst selbst erleben muss, um wirklich verstehen zu können, was damit gemeint ist. Aber es schadet sicher nicht, diese Gedanken schon mal gehört zu haben. 
Nach den ersten Imperativen fragte ich mich dann, wie ich ein Buch dieser Art gestalten würde, um den Imperativen aus dem Weg zu gehen und stellte fest, dass ich wahrscheinlich mehr mit Beispielen arbeiten würde, die meine Gedanken verdeutlichten.

Diesmal wird uns das Hörbuch nicht von Simon Jäger vorgelesen. Wenn Sebastian Fitzek seinen Kindern schon etwas mit auf den Weg geben möchte, geht er auch schon mal selbst ins Tonstudio. Da ich auf den Buchmessen sehr gerne Veranstaltungen mit dem Autor besuche, weil er gut erzählen kann, war ich sehr gespannt auf seine Lesung. 
Mit ihm als Sprecher bin ich sehr gut zurechtgekommen. Es war aber etwas ungewohnt, ihn nicht in seiner normalen Sprech- sondern in der Vorlesestimme zu erleben. Ich hätte an dieser Stelle aber ein Experiment spannend gefunden, bin mir aber auch unsicher, ob das überhaupt funktioniert hätte: Und zwar, wenn er das Hörbuch in gesprochener Sprache eingelesen hätte und es dann eher an eine Podcast Folge erinnerte. Bei den Veranstaltungen im Rahmen der Buchmessen, erlebte ich immer wieder, dass ich ihm stundenlang zuhören konnte. Und ich hätte gern gewusst, ob das bei einem Hörbuch ebenfalls funktioniert hätte. 
Hier und da ertappte ich mich aber auch dabei, wie ich abgeschweift bin. Allerdings vermute ich, dass es nichts mit Sebastian Fitzeks Lesung zu tun hatte, sondern mehr mit dem kompakten Inhalt. 

Gesamteindruck 
Ich fand es spannend, einen Einblick in Sebastian Fitzeks Lebensphilosophie zu bekommen und zu erfahren, wie er die Welt sieht bzw. was er für so wichtig hält, es seinen Kinder mitteilen zu wollen. 
An einigen Stellen war ich negativ überrascht. An anderen Stellen hingegen, konnte ich ihm voll und ganz zustimmen. Zudem erfahren wir hier nicht nur, wie Sebastian Fitzek über die Welt denkt, sondern erfahren auch etwas über ein paar Stationen seines Lebens. 

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Dieses Hörbuch wurde mir vom Argon Verlag als Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt. 

Montag, 20. Mai 2019

[Buchclub] Literatur von nationalen und internationalen Autorinnen


Bild von A. Mack
Hallo Buchlinge, 

es wird wieder Zeit für unsere nächste Leserunde. Doch bevor ich zum aktuellen Thema komme, möchte ich die vielen neuen Buchclub Mitglieder herzlich willkommen heißen. Leider hatte ich in den letzten Monaten wenig Zeit, den Buchclub (der Link führt zur Aktionsseite hier auf dem Blog) aktiv zu bewerben. Und so war ich wirklich positiv überrascht, wie viele Interessierte in den letzten Wochen unsere Facebook Gruppe entdeckt haben. Ich wünsche uns viele schöne, gemeinsame Lesestunden und vor allem einen spannenden Austausch.
Für die Buchlinge unter euch, die kein FAcebook (mehr) haben: Ihr könnt euch gerne hier auf dem Blog unter den Buchclub-Threads zu den Geschichten austauschen. 
Aber nun genug der Vorworte: Kommen wir zu unserem Thema: 


Literatur von Autorinnen 
oder #WirlesenFrauen 
Buchlinge, unser aktuelles Thema lehnt diesmal an eine bereits bestehende Aktion an, die ich euch kurz vorstellen möchte: Autorin und Bloggerin Eva-Maria Obermann hat anlässlich des Weltfrauentages die Aktion #WirlesenFrauen (der Link führt zum Aktionsbeitrag auf Evas Blog) ins Leben gerufen. Sie möchte nicht nur ein Jahr lang im Rahmen der Aktion Bücher von und über Frauen lesen, sondern hat, wie das bei Challenges so üblich ist, pro Monat eine Aufgabe vorbereitet. Schaut also unbedingt bei Evas Aktion vorbei. 

In unserer aktuellen Leserunde wollen wir also Titel lesen, die von Autorinnen geschrieben wurden, ganz ohne weitere Aufgaben. Dabei ist es völlig egal, zu welchem Genre die Titel gehören, wie alt die Bücher sind oder ob die Geschichten von deutschsprachigen oder internationalen Autorinnen geschrieben wurden. . 

Diesmal kannst Du vier Titel vorschlagen. Hinterlasse Deine Vorschläge entweder hier als Kommentar oder schaue in unserer Facebook Gruppe vorbei. (Keine Sorge, ich ergänze hier auch die Vorschläge, die bei Facebook eingehen). 

Bitte erwähne dabei folgende Infos: 
  • Autorin und Titel Deiner Vorschläge. (Maximal vier Titel).
  • Die Verlage bei denen Dein Vorschlag erschienen ist.

Die kommende Leserunde im Überblick 
Einreichen der Vorschläge: Mo 20.05 bis So 26.05. 
Abstimmungszeitraum: Mo 27.05 bis So 02.06. 
Bekanntgabe der Ergebnisse: Mo 03.06. 
Gemeinsames Lesen: Juni / Juli (wann die Diskussionsthreads online gehen, erfahrt ihr am Montag den 03.06). 
Bekanntgabe des nächsten Themas: Mo 22.07. 


Stimme jetzt ab! 
Bis Sonntag den 02. Juni kannst Du unter diesen Vorschlägen Deine Favoriten wählen. Du hast drei Stimmen zur Verfügung. Die drei Titel mit den meisten Stimmen werden dann gemeinsam gelesen, wobei Du Dir, wie üblich, aussuchen kannst, ob oder welche der drei Titel Du lesen möchtest. 
Die Stimmen, die über die Kommentare eingehen, werden mit den Ergebnissen der Umfrage zusammengerechnet, die in der Facebook Gruppe zu finden ist. 

Aufschrei von Truddi Chase.
Die Gabe von Naomi Alderman
Die Lebenspflückerin von Regine Kölpin.
Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer-Bradley.
Endlich frei von Mahtob Mahmoody.
Golden Cage von Camilla Läckberg
Kurt von Sarah Kuttner.
Löwenzahnkind von Lina Bengtsdotter.
Love to share von Beth O'Leary
Mängelexemplar von Sarah Kuttner. 
Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte von Anne reytag.
Meereswölfe von Evelyne Aschwander.
Spuren von Robyn Davidson.
Studio 6 von Liza Marklund. 
Tödliches Klassentreffen von Adriana Jakob. 
Venezialische Scharade von Donna Leon.
Weil mein Herz dich ruft von Jennifer Waschke.


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Sonntag, 19. Mai 2019

Ge(h)schaut - Der Eurovision Song Contest 2019

Hallo Buchlinge, 

Ge(h)folge Mitglied emion und ich haben gestern das Finale des Eurovision Song Contests geschaut. Trotz Schlafmangel haben wir uns heute gleich mal zusammengesetzt, um euch von unseren Eindrücken zu erzählen. 

Wir wünschen gute Unterhaltung (und sind positiv überrascht, dass wir diesmal keine Stunde geredet haben... :) ). 


Erwähnte Spiele

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Und Du? 
Hast Du den ESC in diesem Jahr verfolgt? 
Wie sieht Deine Top 10 aus? 
Wer gehörte zu Deinen Favoriten? 

Mittwoch, 15. Mai 2019

Mein Herz in zwei Welten

Hierbei handelt es sich um den letzten Band einer Trilogie. In meiner Rezension fasse ich das Hörbuch aber spoilerfrei zusammen und werde mich erst am Ende in einem Reihenfazit auf die vorherigen Bände beziehen. Den Teil in dem die Spoiler auftauchen, wird selbstverständlich gekennzeichnet.


Bild von Argon Verlag
Steckbrief 
Name: Mein Herz in zwei Welten (auch als Buch erhältlich)
Autor: Jojo Moyes
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Fans der Louisa-Clark Reihe, oder Fans von Liebesromanen
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch
Sprecher: Luise Helm
Bewertung: 2,5 von 5 Punkten

Klappentext 

"»Trag deine Ringelstrumpfhosen mit Stolz. Führe ein unerschrockenes Leben.« Diese Sätze hat Will Traynor Louisa Clark mit auf den Weg gegeben. Doch nach seinem Tod brach eine Welt für sie zusammen. Nun ist sie endlich bereit, Wills Worten zu folgen: In New York wagt Lou den Neuanfang. Die glamouröse Welt ihrer Arbeitgeber könnte von Lous altem Leben in der englischen Kleinstadt nicht weiter entfernt sein. Dort ist ein Teil ihres Herzens zurückgeblieben: bei ihrer liebenswert chaotischen Familie und vor allem bei Sam, dem Mann, der sie auffing, als sie fiel. Während Lou versucht, New York zu erobern und herauszufinden, wer sie wirklich ist, muss sie feststellen, wie groß die Gefahr ist, sich selbst und andere auf dem Weg zu verlieren. Und am Ende muss sie sich die Frage stellen: Ist es möglich, ein Herz zu heilen, das in zwei Welten zu Hause ist?


Meine Meinung 
Der Inhalt von Mein Herz in zwei Welten ist schnell zusammengefasst: Louisa Clark möchte einen Neuanfang in New York wagen. Sie möchte nicht nur herausfinden, wer sie wirklich ist, sondern auch ihre Grenzen testen. Und so heuert sie als persönliche Assistentin bei einer wohlhabenden Familie an und stellt schnell fest, dass sie hier nicht nur als Assistentin, sondern auch als Freundin benötigt wird.

Jojo Moyes hat hier das perfekte Setting für einen tiefgründigen Roman geschaffen, konnte aber das Potenzial der Geschichte leider überhaupt nicht für sich nutzen. Louisa wird vor dem Antritt ihrer Stelle darüber informiert, dass die Frau, für die sie arbeiten soll, an Depressionen leidet. Louisa soll also nicht nur darauf achten, dass Agnes ihren Tagesablauf einhält und wichtige Termine wahrnimmt, sondern ihr auch als Freundin zur Seite stehen.
Doch schnell stellt sich heraus, dass Agnes allen Grund dazu hat, unglücklich zu sein.
Und an dieser Stelle hätte ich mir gewünscht, dass Jojo Moyes die Konflikte hier nicht nur herausarbeitet, sondern diese auch konsequent zu Ende führt und besser auflöst, als es in der Geschichte geschehen ist. Denn Louisa Clark hätte auch in diesem Setting herausfinden können, wer sie wirklich ist.

Was mich an Mein Herz in zwei Welten begeistern konnte waren, die bereits bekannten und auch neuen Charaktere allen voran Ich-Erzählerin Louisa Clark: Ich mag ihre Sicht auf die Welt und ihre Treue, anderen Menschen gegenüber. Außerdem schafft sie es, die Menschen in ihrer Umgebung, so schlecht es ihnen auch gehen mag, einfach durch ihre Art für sich gewinnen zu können. und das einfach nur, in dem sie ihnen freundlich begegnet und da ist, wenn man sie braucht.
Interessant fand ich auch, wie sich ein Nebencharakter durch die Änderung der Haupthandlung zu einer Protagonistin entwickelte: Anfangs störte mich diese Entwicklung etwas, weil ich den Eindruck hatte, dass Jojo Moyes hier die eigentliche Geschichte aus den Augen verliert. Zum Schluss war mir aber klar, warum sich die Geschichte so entwickeln musste, wie es eben war.

Was mich am Inhalt aber wirklich störte, war die falsche Darstellung von der Depression als Erkrankung. Jojo Moyes schien hier die Depression mit Unglück zu verwechseln. Somit vermittelt die Autorin ein falsches Bild von der Erkrankung.

Der Spannungsbogen war aus meiner Sicht nicht wirklich gut aufgebaut. Mich interessierte zwar, wie Louisa Clarks Geschichte endete, aber mir wurden hier zu viele falsche Fährten gelegt bzw. zu viele Handlungsstränge angedeutet, die dann ins Leere liefen.

Was ich an Jojo Moyes mag, ist ihr lebendiger Schreibstil. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir wieder sehr leicht. Hier erzählt die Autorin die Geschichte aus der Sicht von Louisa Clark und zwar aus der Ich-Perspektive.
Jojo Moyes arbeitet Louisa Clarks Gefühlsleben gut heraus, ohne uns Hörer*innen etwas vorzukauen. Besonders gut gefallen haben mir Jojo Moyes Dialoge. Der Schreibstil der Autorin war neben der Hörbuchsprecherin der zweite Grund, weswegen ich das Hörbuch nicht abgebrochen habe.

Das Hörbuch wurde als gekürzte Lesung vom Argon Verlag produziert. Luise Helm schlüpft hier das letzte Mal in die Rolle der Louisa Clark und ich habe mich sehr auf ein Wiederhören mit der Hörbuchsprecherin gefreut. Sie hat nicht nur eine angenehme Stimmfarbe, sondern erzählt Louisa Clarks Geschichte mit einer Leichtigkeit. Ich mag es nicht nur, wie sie die Protagonistin interpretiert, sondern musste über die Gestaltung der Nebencharaktere, wie beispielsweise Louisas Eltern schmunzeln.

Gesamteindruck:
Den Reihenabschluss empfand ich mit Abstand als schwächsten Teil der Trilogie, da die Handlung einfach nicht konsequent durchgezogen wurde, sondern Louisa Clark eher durch die Geschichte stolpert. 
Da Jojo Moyes mit Ein ganzes halbes Jahr (Rezension zu Band 1) bewiesen hat, dass sie tiefgründige Geschichten spinnen kann, habe ich bis zuletzt gehofft, dass sie nochmal an die Tiefe aus dem ersten Band herankommen kann. Leider war das wohl nicht so.

Obwohl es schön ist unsere Protagonistin Louisa Clark über drei Bände hinweg zu begleiten, würde ich allen, die eine tiefgründige Liebesgeschichte suchen, einzig und allein den ersten Band der Reihe empfehlen. Die Folgebände sind ein nettes Goodie, aber kommen bei weitem nicht an den ersten Band heran.


Weitere Bände: 


Mittwoch, 8. Mai 2019

Das Rosie Projekt

Bild von Argon Verlag
Steckbrief
Name: Das Rosie Projekt (auch als Buch erhältlich)
Autor: Graeme Simsion
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Menschen, die außergewöhnliche Liebesgeschichten suchen
Gelesen oder gehört: gehört, als autorisierte Lesung
Sprecher: Robert Stadlober
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext

"Don Tillman ist hochintelligent, sportlich, erfolgreich – und er will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Projekt: mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist. Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik.


Meine Meinung 
Das Rosie Projekt lag wirklich sehr, sehr lange auf meinem Stapel ungehörter Hörbücher. Ich hatte schon viel von dieser Geschichte gehört. Lange schlich ich um das Hörbuch herum. Denn ich befürchtete, dass es mir vielleicht doch nicht gefallen könnte. Glücklicherweise habe ich mich getäuscht.

Kommen wir zuerst zum Inhalt: Graeme Simsion erzählt hier von Don, einem Mann, der sehr rational ist. Aber nicht, weil er sich dafür entschieden hat, seine emotionale Seite zu verschließen. Er sagt von sich, dass ihn zwischenmenschliche Kommunikation anstrengt, da er diese häufig nicht versteht. Da setzt sich Don ein scheinbar unmögliches Vorhaben: Er möchte heiraten. Und damit auch nichts schief geht, entwickelt Don einen Fragebogen mit dessen Hilfe er schon die Traumehefrau finden wird, oder?

Und hier kommen wir schon zum ersten Irrtum, dem ich hier auferlegen bin: Ich bin davon ausgegangen, dass das Hörbuch den Titel Das Rosie Projekt deswegen trägt, weil Don den Stereotyp seiner Ehefrau Rosie nennt, um somit sein wissenschaftliches Experiment zu kennzeichnen. Doch nach und nach stellte sich heraus, dass meine Theorie nicht stimmte.
Eines Tages taucht Rosie in Dons Büro auf. Don ahnt schon, dass sie sich wahrscheinlich als potentielle Ehefrau bewerben möchte. Doch Rosie hat ein völlig anderes Anliegen. Und Don ist der Einzige, der ihr dabei helfen kann.

Während viele Geschichten von der Handlung getragen werden und die Charaktere meist damit beschäftigt sind, auf die Handlung zu reagieren, erschaffte Grame Simsion hier einen Roman, der genau umgekehrt funktionierte: Hier bestimmten die Charaktere die Handlung. Dieses Stilmittel gefiel mir ziemlich gut und war mir anderen Romane zuvor noch nie so bewusst aufgefallen. Deswegen möchte ich euch unsere beiden Protagonisten noch etwas vorstellen:

Don ist nämlich nicht nur rational, sondern lebt auch ein durchorganisiertes Leben. Er hat nicht nur einen festen Tagesablauf, der ziemlich genau auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist. Das geht sogar soweit, dass er einen Speiseplan für eine ganze Woche hat und somit weiß, was er beispielsweise jeden Dienstag essen wird. Er fühlt sich in seiner Struktur wohl und sieht keinen Grund, etwa an seinem Leben zu verändern. Seine Ehefrau wird sich sicher anpassen können.

Rosie ist das pure Gegenteil: Sie kommt zu Verabredungen grundsätzlich zu spät, ist im Vergleich zu Don emotional, aber direkt und nicht überempfindlich. Was ich damit meine: Sie sagt das, was sie denkt und hält mir ihren Emotionen nicht zurück, ohne dabei aber zu dramatisieren oder nachtragend zu sein.
Als Rosie auftauchte, fragte ich mich, wie lange es die beiden wohl miteinander aushalten, ohne sich zu streiten. Ich beobachtete gespannt, wie sie miteinander agieren, da beide Protagonisten eben so grundverschieden waren.

Graeme Simsion hat den Spannungsbogen der Geschichte wirklich gut aufgebaut. Zum einen steht die Frage im Raum, wie lange es Don und Rosie miteinander aushalten. Zum anderen muss natürlich auch geklärt werde, ob Don eine Ehefrau finden wird und Rosie mit Dons Hilfe ihr Ziel erreichen kann, über das ich an dieser Stelle leider nicht mehr verraten kann.

Aufgrund Dons Rationalität und seiner Art, Situationen bis ins kleinste Detail zu analysieren, ohne dabei aber auf die Emotionen einzugehen, sondern eher Wahrscheinlichkeiten durchzugehen, wie sich Situationen entwickeln könnten, habe ich eine Weile gebraucht, um in Graeme Simsions Schreibstil reinzukommen.
Was ich aber unglaublich gut herausgearbeitet fand, war zum einen Dons Art zu denken, aber auch die Reaktionen von Dons Umfeld auf sein Verhalten zu erleben, obwohl die Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird und er die Reaktionen kaum nachvollziehen kann. Dennoch hat es Graeme Simsion geschafft, die Reaktionen so herauszuarbeiten, dass wir als Hörer*innen begreifen, worin das Problem besteht und so die Situation als Ganzes beurteilen können.

Bevor ich zu meinem Fazit komme, darf natürlich die Gestaltung des Hörbuches nicht fehlen: Das Hörbuch wurde als gekürzte Lesung vom Argon Verlag produziert. Hierbei handelt es sich wieder um ein Hörbuch, bei dem ich wirklich gerne wüsste, wie die Kürzungen aussehen, da ich nichts an der Geschichte vermisst habe und so nicht sagen könnte, welche Teile wohl weggelassen wurden.
Robert Stadlober bringt uns Don als Charakter hier näher. Ich bin wirklich beeindruckt, dass er Dons Rationalität so gut transportieren konnte, ohne das Gefühl zu vermitteln, dass Don kalt ist.
Außerdem hat er diesen Spagat zwischen rationalem Erzähler und emotionalen Umfeld wirklich gut gemeistert.

Gesamteindruck: 
Das Rosie Projekt hat mich wirklich positiv überrascht. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass mir die Geschichte so gut gefällt.
Das Einzige, was mir negativ aufgefallen ist, war die Tatsache, dass ich den Eindruck hatte, dass Graeme Simsion Don gerne in die Schublade Asperger-Autist gesteckt hätte. Und das störte mich etwas, weil ich glaube, dass es Menschen gibt, die Mühe haben, Emotionen zu deuten, aber nicht gleichzeitig auch Autisten sein müssen. Und so wird indirekt wieder der Eindruck vermittelt, dass jeder, der aus der Norm herausfällt, gleichzeitig auch krank sein muss.

Montag, 6. Mai 2019

[Buchclub] #TeamStella - Stella

Hierbei handelt es sich um einen Buchclub Diskussionsbeitrag. In diesem Beitrag erfahrt ihr nicht nur, was es mit dem Buchclub auf sich hat, sondern auch, wie ihr mitmachen könnt. 


Steckbrief 
Name: Stella (auch als Buch erhältlich) 
Autor: Takis Würger 
Verlag: RandomHouse Audio 
Geeignet für: Menschen, die Romane mit einem historischen Hintergrund aber fiktiven Charakteren mögen 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch 
Sprecher: Robert Stadlober und Valery Tscheplanova
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext 
von RandomHouse Audio

"Berlin im Jahr 1942. Eine Geschichte über Angst und Hoffnung – und über die Entscheidung, sich selbst zu verraten oder seine Liebe. Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht.

Friedrich kommt aus gut behütetem Haus vom Genfer See nach Berlin, ein stiller Mann auf der Suche nach der Wahrheit. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in ihre Nächte in geheimen Jazzclubs. Sie trinkt Kognak mit ihm und gibt ihm seinen ersten Kuss. Bei ihr kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Eines Morgens klopft Kristin an seine Tür, verletzt, mit Peitschenstriemen im Gesicht: „Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt.” Kristin ist nicht ihr richtiger Name. Sie heißt Stella und ist Jüdin. Die Gestapo hat sie enttarnt und zwingt sie zu einem unmenschlichen Pakt: Wird sie, um ihre Familie zu retten, untergetauchte Juden denunzieren? Ihre Entscheidung stellt Friedrich vor eine unmögliche Wahl." 



Meine Meinung 
Ich bin erst sehr spät auf diese Geschichte aufmerksam geworden und habe die Debatte, die um Stella und Takis Würger geführt wird, erst pünktlich zur Leipziger Buchmesse mitbekommen. Als ich in Leipzig dann eine Veranstaltung mit dem Autor besucht habe, wurde meine Neugier um Stella endgültig geweckt. 

Inhalt  
Takis Würger vermischt in diesem Roman Fiktion und Realität. Er lässt den fiktiven Charakter Friedrich während des Zweiten Weltkriegs nach Berlin reisen. Dort lernt er Kristin kennen, die ihn in den Teil des Berliner Nachtlebens mitnimmt, der noch existiert. Doch eines Tages gesteht sie ihm, dass sie gar nicht Kristin heißt, sondern Stella ist und als Jüdin illegal in der Hauptstadt lebt. Und nun kommen wir zu der realen Handlung, die Takis Würger in seinen fiktiven Roman einflechtet: Er nimmt Stella Goldschlag und lässt sie Teil seiner fiktiven Geschichte werden.

Der Inhalt lässt mich mit einer geteilten Meinung zurück. Kurz nach Beenden von Stella war ich noch Feuer und Flamme für die Geschichte. Takis Würger setzt sich hier mit Fragen auseinander, die während des Krieges sehr präsent sind: Wie weit würde man gehen, um sein eigenes Leben oder das Leben seiner Familie zu schützen? Warum neigt ein Mensch dazu, andere zu verraten, nur um sich zu schützen?

Takis Würger zeigt hier die zwei Seiten der Stella: Zum einen Stella als Greiferin, also als Person, die andere Juden verrät und dafür sorgt, dass diese in Konzentrationslager kommen, wo die meisten von ihnen auch sterben.
Und zum anderen eine Stella, die Träume hat, sich nicht als Jüdin fühlt und darunter leidet, dass sie durch Dritte nur noch als Jüdin wahrgenommen wird. Eine Stella, die hofft, dass es nach dem Krieg endlich einen Platz für sie gibt, an dem sie leben und ihre Träume verwirklichen kann.

Ich hatte den Eindruck, dass es Takis Würger vor allem darum ging, zu zeigen, dass man nicht gleichzeitig von Grund auf böse sein muss, nur, weil man in einer Drucksituation eine falsche Entscheidung trifft und beschließt, andere Menschen zu verraten. Jeder Mensch hat zwei Seiten und meist einen guten Grund, warum er so handelt, wie er eben handelt.
Allerdings muss ich auch gestehen, dass es mir zunehmend schwer fiel zu unterscheiden, an welchen Stellen es noch um die Fragestellung ging und wo eine reale Person benutzt wird, um eine Geschichte zu erzählen.

Die Geschichte, die Takis Würger hier erzählt, finde ich wichtig: Nämlich das Doppelleben darzustellen, dass manche Juden während des Krieges führen mussten. Dennoch glaube ich, dass die Geschichte auch funktioniert hätte, wenn Takis Würger sich dafür ausschließlich auf fiktive Charaktere gestützt hätte.
In einem Interview erzählte der Autor, dass er zwei Jahre an seinem Roman gearbeitet hat und nicht nur viel Zeit mit der Recherche verbrachte, sondern sich auch von Historikern und Zeitzeugen beraten ließ. Das zeigt mir, dass er nicht einfach so eine Geschichte veröffentlichen wollte, sondern er durchaus an einer realistischen Darstellung interessiert ist.
Dennoch war für mich nicht erkennbar, wann er eine Stella schildert, die auf sehr guten Recherchen beruht und wann die im Hörbuch beschriebene Stella fiktive Züge bekommt.

Ich finde es schön, dass Takis Würger Stella nicht in eine Schublade steckt, sondern hervorhebt, dass jeder Mensch viele Seiten hat und man ihn nicht aufgrund einer falschen Entscheidung in eine Schublade stecken kann. Dennoch finde ich schwierig, die Geschichte auf eine reale Person zu stützen.

Takis Würger erzählt seinen Roman in zwei Handlungssträngen: Zum einen aus der Perspektive von Friedrich und zum anderen durch Protokolle von Prozessen, die gegen Stella nach dem Krieg geführt wurden. Außerdem wurden neben den Protokollen zu Beginn der neuen Kapitel Ereignisse genannt, die in diesem Jahr oder Monat bedeutend waren. Interessant war hier die Aufzählung von historischen Ereignissen zu scheinbar banalen Dingen, wie z.B. der Geburt von bekannten Persönlichkeiten, die für die Geschichte aber keine Bedeutung hatten.
Gerade dieser zweite Handlungsstrang verdeutlichte, das schräge Gedankengut, das während des Dritten Reiches vermittelt wurde. Besonders erschreckend fand ich, dass es sich ein Politiker herausgenommen hat, eigene zehn Gebote zu entwerfen und es offenbar noch Leute gab, die daran glaubten.

Natürlich gibt es neben Stella auch noch andere Charaktere, die wir hier kennenlernen. Da ist beispielsweise Ich-Erzähler Friedrich, aus dem ich sehr lange nicht wirklich schlau geworden bin. Friedrich machte auf mich einen passiven, unentschlossenen Eindruck, der mich manchmal einen tiefen Seufzer entlockte, weil ich sein Nicht-Handeln kaum ertrug.
Aber ich musste das Hörbuch erst zu Ende hören (und danach noch ein Interview mit Takis Würger lesen) um dahinterzukommen, dass es sich bei Friedrich auch um einen sehr naiven Charakter handelt. Das soll jetzt nicht heißen, dass dem Autor die Darstellung meiner Meinung nach nicht gelungen ist. Ich war nur sehr überrascht, dass ich eine gefühlte Ewigkeit gebraucht habe, um Friedrichs Naivität zu erkennen.
Obwohl Takis Würger Roman nach Stella benannt ist, ist Friedrich für mich der eigentliche Protagonist. Er erzählt nicht nur von seiner Beziehung zu Stella, sondern ist auch auf der Suche nach der Wahrheit: Was haben die Deutschen gegen die Juden? Und sind sie wirklich dazu fähig, Menschen systematisch zu töten?
Der dritte und mir unsympathischste Charakter war eindeutig Tristan, der, für damalige Verhältnisse, ein vorbildlicher Deutscher ist. Er glaubt nicht nur an die damalige Ideologie, sondern macht alles, nur um Anerkennung zu bekommen.

Sich bei der Gestaltung des Hörbuches dafür zu entscheiden, die Geschichte von zwei Interpreten lesen zu lassen, fand ich wirklich gut. Robert Stadlober schlüpft hier in die Rolle des Friedrich, der auf der Suche nach der Wahrheit und vielleicht auch nach sich selbst ist. Bisher habe ich den Sprecher in einer nüchternen, distanzierten Rolle erlebt und war überrascht, dass er hier eine unentschlossene, passive und auch verletzte Seite von sich zeigen konnte.
Valery Tscheplanova liest hier die Sachtexte und hat es geschafft, das Bedrückende aus diesen Texten herauszuarbeiten, aber dennoch das Stilmittel der Sachtexte nicht zu verlieren.

Auch in seiner Verpackung ist das Hörbuch sehr hochwertig. Ich mag es, wenn Hörbücher in Digifiles hergestellt werden. Das sind Hörbuch Verpackungen, die man zusammenklappen kann. Häufig sind diese aus Papier hergestellt. Allerdings kommt hier ein anderes Material zum Einsatz, dass das Hörbuch edel wirken lässt.

Ich war von Takis Würgers Schreibstil sehr beeindruckt. Er hat viele sprachliche Bilder in die Geschichte eingebaut und schafft es auch, das herauszuarbeiten, was er nicht benennt. Allerdings glaube ich auch, dass ich die Geschichte wirklich noch einmal hören müsste, um seinen Schreibstil in allen Einzelheiten begreifen und viele Andeutungen verstehen zu können.
Was mich besonders beeindruckt hat, war die real-fiktive Handlung auf der einen Seite und die trockenen, aber für die Geschichte wichtigen Protokolle oder Sachtexte auf der anderen Seite. Gerade durch dieses Stilmittel kam die bedrückende Atmosphäre deutlich bei mir an. Durch Kleinigkeiten, wie z.B. die Erwähnung von stattfindenden Sportveranstaltungen wurde deutlich, wie versucht wurde das normale Leben so gut es ging aufrechtzuerhalten.

Gesamteindruck
Einerseits finde ich die Geschichte, die Takis Würger hier erzählte, faszinierend aber auch wichtig, weil sie zeigt, vor welche Wahl Menschen in außergewöhnlichen Situationen gestellt werden können.
Andererseits störte mich, dass es eine reale Person gebraucht hat, damit die Geschichte so viel Aufmerksamkeit bekommt. Gerade durch die Stella-Debatte habe ich den Eindruck, dass die eigentliche Geschichte in den Hintergrund gerät.




Bild von A. Mack
Und Du? 
Was denkst Du über Stella?
Wie hat Dir die Mischung von Fiktion und Realität gefallen?
Über welche Aspekte möchtest Du gerne diskutieren?

Hinweis: In Deinen Kommentaren kannst Du sehr gerne Spoiler einbauen. Allerdings bitte ich Dich darum Spoiler zu kennzeichnen, damit es für Neugierige kein böses Erwachen gibt, wenn sie in den Kommentaren stöbern.


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Weitere Links
Rezension bei der Neue Presse
Interview mit Takis Würger m Tagesspiegel.
Strafanzeige gegen Takis Würger: Ein Artikel der Morgenpost.

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Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar von RandomHouse Audio kostenfrei zur Verfügung gestellt. 

Sonntag, 5. Mai 2019

Ge(h)plaudert: Beendet im April Teil 2

Hallo Buchlinge,

heute erzähle ich euch von den restlichen Geschichten, die ich im April beendet habe.
Unter diesem Link gibt es den ersten Teil meines Hörmonats.

Den Podcast direkt bei YouTube hören.





Inhaltsverzeichnis
00:00 Min: Intro
01:09 Min: Stella
01:36 Min: Stella Hörprobe
06:11 Min: Meinung zum Hörbuch
12:53 Min: Der Report der Magd
13:13 Min: Der Report der Magd Hörprobe
16:13 Min: Meinung zum Hörbuch
19:22 Min: Fische, die auf Bäume klettern
19:53 Min: Fische, die auf Bäume klettern HÖrprobe
25:48 Min: Meinung zum Hörbuch
30:22 Min: Morgen, irgendwo am Meer
34:22 Min: Outro und Frage an euch

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Und Du? 
Kennst Du eine der Geschichten? 
Wie haben sie Dir geallen? 
Welche Geschichten hast Du im April beendet? 
Über was soll ich in der nächsten Podcast Folge sprechen? Mein Bücherregal oder doch lieber den Stapel ungelesener oder gehörter Bücher? 

Freitag, 3. Mai 2019

Ge(h)dacht: Was kennzeichnet einen guten ersten Satz in einer Geschichte?

Foto: A. Mack

Hallo Buchlinge,

wenn ihr hier regelmäßig vorbeischaut, könnt ihr euch wahrscheinlich daran erinnern, dass wir beim Freiburger Bücherstammtisch im April über das Thema beste und schlechteste erste Sätze gesprochen haben. Da ich leider krank war, gibt es diesmal keinen offiziellen Stammtisch Bericht. Allerdings habe ich mich für das Treffen mit dem Thema erste Sätze beschäftigt und sehr viele erste Sätze herausgeschrieben. Und dabei sind mir ein paar Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede aufgefallen. DA ich diese nicht beim Bücherstammtisch erwähnen konnte, dachte ich, ich schreibe einfach einen Artikel zum Thema: beste und schlechte erste Sätze.  

Zuerst erzähle ich euch, was mir bei meiner Recherche aufgefallen ist. Danach fasse ich zusammen, was mir bei ersten Sätzen wichtig ist. 


Information vs. Emotionen 
Wie ihr ja wisst, bin ich nicht in einem bestimmten Genre beheimatet. Das heißt, in meinem Bücherregal bzw. meinem Hörbuchregal befinden sich Titel aus den verschiedenen Genres. Und hier ist mir vor allem ein Merkmal aufgefallen: Egal, um welches Genre es ging, in den ersten Sätzen sämtlicher Geschichten wurden entweder Informationen über den Protagonisten oder die Protagonistin der Geschichte vermittelt oder über einen der Charaktere, die für unseren Erzähler oder vielleicht auch den Protagonisten wichtig sind. 

Romane liefern Informationen 
Gerade in den Geschichten, die im Buchhandel eher unter die Rubrik Romane fallen, finden sich im ersten Satz eher Informationen, anstatt Beschreibungen oder Hinweise zur Atmosphäre der Geschichte. 
So spricht die Ich-Erzählerin in Zsu Zsa Banks Die hellen Tage in ihrem ersten Satz davon, dass sie Aja kennt, seit sie denken kann. Wir können also erahnen, dass Aja in der Geschichte neben unserer Ich-Erzählerin eine Rolle spielen wird.

Auch in Meine geniale Freundin von Elena Ferrante erfahren wir, dass Ich-Erzählerin Elena von Rino angerufen wurde. Wir wissen allerdings noch nicht, wer Rino ist oder welche Information er ihr am Telefon mitgeteilt hat. Aber wir können vermuten, dass es eine Information ist, die entweder die Geschichte in Gang bringt, oder die Geschichte maßgeblich beeinflusst.

Auch Juli Zehs Ich-Erzählerin Britta spricht in Leere Herzen von ihren Freunden Knut und Janina um eine bestimmte Uhrzeit kommen werden. Auch hier wissen wir noch nicht, wer die beiden sind oder was um diese Uhrzeit stattfinden soll. 
Fredrik Backman treibt es in Ein Mann namens Ove dann auf die Spitze und verrät uns in seinem ersten Satz ausschließlich, wie alt sein Protagonist ist. 

Emotionen in der Belletristik 
Geschichten, die hingegen zur Belletristik, gehören, also z.B. historische Romane, Jugendbücher, Thriller oder humorvolle Geschichten, liefern uns im ersten Satz gleich eine Emotion oder lassen uns an der Atmosphäre teilhaben.

»Ach, du liebe Scheiße, Gaby, bitte bleib ganz ruhig.«
Ein Schnupfen hätte auch gereicht von Gaby Köster
Dieser Satz lässt zwei Möglichkeiten offen: Entweder, es gibt eine sehr gute Nachricht, die dafür sorgt, dass Gaby vor Freude ausflippen könnte. Oder die Nachricht ist so niederschmetternd, dass sie Gaby erst einmal aus der Bahn werfen wird. Doch wenn wir uns den Titel anschauen, können wir erahnen, dass es für Gaby Köster schlechte Nachrichten gibt.
Je nachdem, könnte man »Ach, du liebe Scheiße [...]« als Emotion deuten, oder zumindest erahnen, dass im zweiten Satz eine Emotion auf uns wartet. 


Emotion gepaart mit einer Handlung 

»Während sie sich auf die Knie fallen ließ und anfing zu weinen, schaute er sich nach allen Seiten um.«
Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten von Kerstin Gier
Auch in Kerstin Giers Auftakt der Edelstein Trilogie erleben wir zwei Charaktere, die sich wohl in eine brenzligen Lage befinden. Eine Frau beginnt zu weinen und ein Mann sieht sich nach allen Seiten hin um, etwas, das man nur tut, wenn man glaubt, verfolgt zu werden, oder mit jemandem rechnet, den man entweder erwartet, oder aus dem Weg gehen möchte. Hier haben wir also eine Emotion in Verbindung mit einer Handlung, nämlich dem Umschauen. 


Erste Sätze und eine Entscheidung 
Erste Sätze können sich auch dadurch kennzeichnen, dass unser Protagonist oder ein wichtiger Charakter der Geschichte vor eine Entscheidung gestellt wird. So schreibt Ildelfonso Falcones beispielsweise, dass seine Protagonistin Caridad zögert, bevor sie ein neues Land betritt. Wir können also erahnen, dass sie dem Ort, den sie betreten wird, mit gemischten Gefühlen gegenübersteht. Wir wissen aber nicht, woran das liegt. Vermisst sie die alte Heimat? Hat sie Angst vor dem Ungewissen? Oder weiß sie genau, was sie vor Ort erwartet und sie will die Ankunft deswegen hinauszögern? 


Schachtelsätze vs. kurz und knapp auf den Punkt gebracht 
Ihr kennt sie: Sätze, die über mehrere Zeilen hinweggehen. Bei denen man sich irgendwann fragt, wie denn der Satz begonnen hat. Oder Sätze, die kaum Informationen enthalten. Bei denen wir unbedingt weiterlesen oder hören müssen, weil wir mehr Informationen wollen.

»An dem Tag, als George V. in der Westminster Abbey den Thron bestieg, fuhr Billy Williams zum ersten Mal in die Grube Aberowen ein.«
Sturz der Titanen von Ken Follett
Hier bekommen wir zum einen eine historische Information und lernen auch gleich den vermutlich fiktiven Charakter des Billy kennen. Wir wissen nicht, wie alt er ist, können aber erahnen, dass mit seiner Fahrt in die Grube sein Arbeitsleben beginnt. 
Die Länge des Satzes bietet genug Raum für zwei Informationen: Eine historische Information, von der wir noch nicht wissen, ob sie im Laue der Geschichte von Bedeutung ist und der Information über unseren möglichen Protagonisten nämlich den Beginn von Billys Arbeitsleben. 

»Mein Gedächtnis lässt sich in drei Kategorien einteilen.«
Der Glasmurmelsammler von Cecilia Ahern
Dieser Satz macht neugierig. Was sind die drei Kategorien in die das Gedächtnis unseres Ich-Erzählers bzw. unserer Ich-Erzählerin aufgeteilt werden kann? Spielen diese drei Kategorien eine Rolle in der Geschichte, die uns erzählt werden soll? Der Satz ist kurz, lockt uns aber mit einer kommenden Information. 

Der mit Abstand längste erste Satz, der sich in meinem Hörbuchregal befindet, stammt von John Green:

»Als mir zum ersten Mal klar wurde, dass ich vielleicht Fiktion bin, verbrachte ich meine Tage an einer öffentlichen Bildungsanstalt namens White River High im Norden von Indianapolis, wo ich von fremden Kräften, die so übermächtig waren, dass ich sie nicht ansatzweise identifizieren konnte, dazu gezwungen wurde, jeden Tag zu einer bestimmten Uhrzeit Mittag zu esse, nämlich zwischen 12 Uhr 37 und 13 Uhr 14«
Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken von John Green
Hier erfahren wir gleich mehrere Dinge: Unser Protagonist oder unsere Protagonistin vertraut uns an, dass er oder sie vermutet, vielleicht Fiktion zu sein. Die Person erklärt uns, dass sie diese Erkenntnis an einer Highschool bekam. Wir erfahren nicht nur, wie diese Highschool heißt, sondern auch, wo sie liegt und um welche Uhrzeit unser Protagonist bzw. unsere Protagonistin sein bzw. ihr Mittagessen zu sich nimmt. 
In diesem Satz verstecken sich wichtige Informationen über unseren Ich-Erzähler bzw. die Ich-Erzählerin. Allerdings haben wir auch Informationen, die wir nicht unbedingt brauchen wie z.B. den Namen der Highschool oder die Ortsangabe. Allerdings lässt die Tatsache, dass wir diese Informationen bekommen haben, den Rückschluss zu, dass diese Informationen dem/der Ich-ErzählerIn wichtig sein müssen. Schließlich nennt uns die Person auch die genaue Uhrzeit ihrer Mittagspause. 

»Im Jahrtausend vor unserem gegenwärtigen Zeitalter des Trigonats wurde Geschichte allein in den alten Königreichen Xands geschrieben, jenes südlichen Kontinents, der die erste Heimstatt der Zivilisation war.«
Shadowmarch – Die Grenze von Tad Williams
Auch Tad Williams beehrt uns in seinem Auftakt der Shadowmarch-Reihe gleich mit einer Vielzahl an Informationen: Zum einen führt er gleich neue Orts- und Zeitangaben ein, die wir nicht kennen, was den Rückschluss auf das Genre Fantasy zulässt. In diesem Satz, der über drei Zeilen hinaus geht, erzählt er uns, wie seine Welt aufgebaut ist und welche Kontintente für uns vermutlich wichtig werden können. 

»Man möchte meinen, er hätte seine Entscheidung etwas früher treffen und seine Umgebung davon in Kenntnis setzen können, aber Alan Carlsson war noch nie ein großer Grübler gewesen.«
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson
Jonas Jonasson erzählt uns in dem ersten Satz des Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand, dass Alan eine Entscheidung getroffen hat, die für sein Umfeld von Bedeutung sein könnte. Welche Entscheidung es ist, erfahren wir hier noch nicht. Wir erfahren nur, wie unser Protagonist heißt und dass er wohl noch nie viel nachgedacht habe. Dieser Satz wirkt stilistisch schön ausgeschmückt. Allerdings stelle ich auch mal die Behauptung auf, dass man den ersten Satz auch hätte kürzer zusammenfassen können, wenn das denn so gewollt wäre. 


Was ich mir von ersten Sätzen wünsche 
Da ich in verschiedenen Genres zu Hause bin und mich nicht auf ein Genre festlegen möchte, gibt es auch nur grobe Kriterien, die ich bei ersten Sätzen veranschlage.
Zu welcher Lektüre ich greife, hängt meist von der Stimmung ab, in der ich mich gerade befinde. Manchmal suche ich nach Autor*Innen, die ihre Geschichten mit Schachtelsätzen schmücken. Manchmal stelle ich begeistert fest, dass auch in der Kürze die Würze liegt. Dennoch will ich auch in diesem Abschnitt ein paar Beispiele präsentieren. 


Sätze, die mich neugierig auf die Geschichte machen 
»Liebes Paris, jetzt ist er also da.«
Paris Du und Ich von Adriana Popescu
Hier stelle ich mir die Fragen: Wer ist da? Eine Person? Ein Moment? Wirkt sich das, was da ist, auf unsere Geschichte aus? Und warum schreibt unser PRotagonist bzw. unsere Protagonistin einen Brief an eine Stadt? 


Wörtliche Rede 
»Es sieht gar nicht aus wie eine … eine …«
Mein Sommer auf dem Mond von Adriana Popescu
Wir merken, dass die Person, die gerade spricht, ihren Satz nicht beendet, sondern mitten drin abbricht. Aber warum? Was ist mit Es gemeint? Und wie hätte Es denn aussehen sollen, damit es den Vorstellungen der Person entspricht, die den Satz abgebrochen hat? 

Beschreibung der Szene 
Dann gibt es diese Geschichten, die gleich mit der Beschreibung einer Szene beginnen.

»Die großen Kopfhörer liegen weich auf meinen Ohren und verschlucken die Außenwelt.«
Mein bester letzter Sommer von Anne Freytag
Hier stellen sich die Fragen: Warum will unser Ich-Erzähler bzw. unsere Ich-Erzählerin, dass die Außenwelt verschluckt wird? In welcher Situation befindet sich die Person, dass sie den Rückzug von der Außenwelt braucht? 

»Als er um 18:47 und 52 Sekunden den Telefonhörer in die Hand nahm, waren seine Gedanken weit entfernt von einer möglichen Katastrophe.«
Amokspiel von Sebastian Fitzek
Hier können wir erahnen, dass die mögliche Katastrophe nach dem Annehmen des Anrufes eintreten wird. Was könnte der Anrufer oder die Anruferin mitzuteilen haben? Durch welche Nachricht könnte das Leben des Charakters über den Haufen geworfen werden? 

»Als erstes ist da der Geruch von Blut und Kaffee.«
Tschick von Wolfgang Herrndorf
Wie kommt diese Mischung zustande? Der Geruch nach Kaffee ist etwas Alltägliches. Doch was hat es mit dem Geruch nach Blut auf sich? 

»Es fiel Regen in jeder Nacht, ein feiner wispernder Regen.«
Tintenherz von Cornelia Funke
Obwohl ich euch in diesem Artikel hauptsächlich die ersten Sätze meiner Lieblingsbücher bzw. Hörbücher vorgestellt habe, möchte ich diesen Satz besonders hervorheben, weil er mir unter den vielen ersten Sätzen, mit denen ich mich beschäftigt habe, auffällt. 
Cornelia Funke lässt hier die Möglichkeit offen, dass in jener Nacht etwas Wichtiges passiert, an das man sich noch erinnern wird. Und zwar so gut, dass man noch weiß, welches Wetter in jener Nacht war. Die Beschreibung des Regens ist ein tolles, sprachliches Bild, das mich sofort in eine verregnete Nacht entführt. 

Die Ich-Perspektive 
Sehr gerne lese ich Geschichten, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind. Sie ermöglichen mir einen schnellen Einstieg in die Geschichte und bringen mich den Protagonisten nahe. 

Sophie Jordan lässt Ich-Erzählerin Davy in ihrem Roman Infernale die These aufstellen, dass sie schon immer wusste, dass sie anders ist. Das wirft natürlich die Frage auf, ob Davy im positiven oder negativen Sinne anders ist. Was gibt ihr das Gefühl anders zu sein, als die Anderen? 

Kerstin Gier berichtet in Silber - Das erste Buch der Träume, dass ein Hund an dem Koffer unserer Ich-Erzählerin schnuppert. Befindet sich etwas in dem Koffer, das der Hund nicht entdecken darf? Hasst unsere Protagonistin Hunde womöglich und findet es deswegen eklig, dass der Hund an ihrem Koffer schnüffelt? Oder ist sie vielleicht schüchtern und würde am liebsten im Erdboden versinken, weil der Hund durch das Koffer schnüffeln für ungewohnte Aufmerksamkeit sorgt? 


Erste Sätze: Mein Fazit 
Buchlinge, jetzt habt ihr hier Berge von Zitaten. Doch die Frage, die ich in der Überschrift stelle, habe ich immer noch nicht wirklich beantwortet. Und an dieser Stelle muss ich wohl gestehen, dass es keine allgemeine Antwort gibt. Vielleicht werden euch Lektor*Innen hierzu etwas Anderes erzählen. Ich bin jedoch keine ausgebildete Sprachwissenschaftlerin und schreibe daher ausschließlich als leidenschaftlicher Buchling zu euch. 

Was mir bei ersten Sätzen wichtig ist: 

  • Informationen: Entweder, ich bekomme eine entscheidende Information, oder im ersten Satz wird eine Information angedeutet. 
  • Wörtliche Rede: Je nachdem, was ein Charakter hier von sich gibt, kann ich ebenfalls neugierig gemacht werden. Ist es, wie im Falle von Mein Sommer auf dem Mond ein nicht vollendeter Satz? Oder vielleicht ein Vorwurf? 
  • Beschreibung der Szene: In welcher Szene befinden wir uns gerade? Untermalt diese Szene die Stimmung des/der Protagonist*in? 

Was ich sehr interessant fand: Als ich mein Bücher- und mein Hörbuchregal nach den besten ersten Sätzen durchforstete, griff ich instinktiv zu meinen Lieblingsgeschichten. Schließlich hatten mir die Geschichten ja gut gefallen. Da musste mich doch auch der ersten Satz überzeugen können, oder? 
Stattdessen erkannte ich: Je mehr erste Sätze ich las, desto mehr fand ich heraus, was mir wichtig war. Und ich stellte fest, dass mich meine Lieblingsgeschichten nicht gleich beim ersten Satz von ihrem Potenzial überzeugen konnten. 


Und Du? 
Was denkst Du über beste und schlechte erste Sätze? 
Was ist Dir bei ersten Sätzen wichtig? 
Gibt es den einen ersten Satz, der Dir nicht mehr aus dem Kopf gehen wird? 

Mittwoch, 1. Mai 2019

Zurückge(h)blickt April 2019

Ein blühender Baum.
Bild von pixabay 
Hallo Buchlinge, 

dieser Monat ist einfach wie im Flug vergangen. Und heute wird es schon wieder Zeit, auf den April zurückzublicken. 
Gefühlt habe ich nicht viel zu erzählen. Allerdings glaube ich, dass dieser Beitrag wahrscheinlich doch wieder etwas länger geworden ist, wenn ich ihn beendet habe.
Neben meinen beendeten Geschichten habe ich einen Veranstaltungstipp für eine Online-Veranstaltung für euch. Diese richtet sich an Blogger*Innen, oder Leute, die gerne auf Blogs stöbern. 
Und im April will ich euch außerdem von ein paar musikalischen Neuentdeckungen erzählen. 
Also, fangen wir an: 


Beendet die Statistik
Gelesene / gehörte Zeit: 2 Tage 12 Stunden und 15 Minuten 
Gelesene Seiten: 489 Seiten
Beendete Bücher: 1 Buch 
Beendete Hörbücher: 5 Hörbücher 

Abgebrochen: Feenlicht von Jenny Mai Nuyen 
Obwohl ich das Buch abgebrochen habe, möchte ich es euch dennoch empfehlen. Hier erwartet uns nämlich eine spannende Fantasy Geschichte: Ein Waisenmädchen wächst bei einer Gruppe Seemänner auf, die in dem Buch als Sturmjäger bezeichnet werden. Doch dann wird ihr Schiff bei einem Angriff zerstört und das Mädchen ist die einzige Überlebende der Gruppe. Natürlich quält sie die Frage, wie es zu dem Unglück kam. 
Mir hat der Schreibstil und das - zumindest für mich - andere Setting der Fantasy Geschichte auch echt gut gefallen. Allerdings lese ich einfach zu langsam und ich hatte mir Anfang April dann Morgen, irgendwo am Meer bestellt, ein Buch auf das ich mich sehr gefreut habe. Deswegen habe ich beschlossen das Feenlicht an emion weiterzuvererben. Es bleibt also in der Familie. 

Neuzugänge:
Bücher:
Adriana Popescu: Morgen, irgendwo am Meer
Alf Mentzer und Ulrich Sonnenschein (Hrsg.): Die Welt der Geschichten
Sebastian Fitzek: Fische, die auf Bäume klettern 

Hörbücher:
*Stella von Takis Würger
Der Report der Magd von Magret Atwood
Der Insasse von Sebastian Fitzek
*Rückwärtswalzer von Vea Kaiser
*Kurt von Sarah Kuttner
*Vanitas von Ursula Poznanski
*Mängelexemplar von Sarah Kuttner
*Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafon
*Fische, die auf Bäume klettern von Sebastian Fitzek

Die erste Podcast Folge zu meinem Hörmonat ist bereits online gegangen. Dort spreche ich über Mein Herz in zwei Welten von Jojo Moyes und Forgotten Girl von Eva-Maria Silber. 
Die zweite Podcast Folge wird am Sonntag online gehen. 


Beendet - Die Geschichten
Buchlinge, nun stelle ich euch die Geschichten vor, die ich in diesem Monat beendet habe. Wenn meine Rezension zum jeweiligen Titel bereits online gegangen ist, ist der Name der Geschichte mit einem Link unterlegt. Ich befürchte aber, dass euch die meisten Rezensionen erst im Mai erwarten. 


Bild von Argon Verlag
*Mein Herz in zwei Welten von Jojo Moyes 
Hierbei handelt es sich um den dritten Teil einer Reihe, die von Louisa Clark erzählt. Im letzten Band möchte Louisa ihr altes Leben in England hinter sich lassen und nimmt einen neuen Job in New York an. Sie möchte herausfinden, wer sie wirklich ist und wo ihre Grenzen liegen. 
Ich habe mich auf ein literarisches Wiedersehen mit Protagonistin Louisa und Hörbuchsprecherin Luise Helm gefreut. Allerdings muss ich sagen, dass ich die Geschichte relativ oberflächlich fand, verglichen mit dem ersten Band der Reihe bzw. dem Potenzial das die Handlung des dritten Bandes eigentlich mit sich brachte. Es ist eine nette Lektüre für zwischendurch, hat aber keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. 


Bild von steinbach - 
*Forgotten Girl von Eva-Maria Silber 
Fünf Jugendliche wollen eine Nacht an einem See verbringen. Am nächsten Morgen sind drei von ihnen tot und zwei der Gruppe schwer verletzt. Der Tatort lässt darauf schließen, dass die Jugendlichen überfallen und ein Teil der Gruppe ermordet wurde. Doch wer hat die Jugendlichen überfallen? 
Obwohl Eva-Maria Silber ausführlich beschreibt, wie die Leichen zugerichtet wurden bzw. auch blutige Szenen in die Geschichte eingebaut hat, hat mir der Inhalt sehr gut gefallen. Der Spannungsbogen war gut aufgebaut und ich hätte mir wirklich vorstellen können, dass sich dieser Kriminalfall zugetragen haben könnte. Allerdings gab es eine Stelle, die ich aufgrund der detaillierten Schilderung der Autorin leider vorspulen musste. Wer also nicht auf blutige Beschreibungen steht, sollte besser die Finger von diesem Thriller lassen. 


*Stella von Takis Würger 
Takis Würger bringt hier die reale Person der Stella Goldschlag in eine fiktive Geschichte und hat damit für ziemlich viel Aufruhr gesorgt. 
Der fiktive Charakter Friedrich kommt während des zweiten Weltkriegs nach Berlin, da er auf der Suche nach der Wahrheit ist und wissen möchte, ob die Deutschen wirklich so grausam sind, wie behauptet wird. Er begegnet Kristin, die ihn mit in das Berliner Nachtleben nimmt. Doch eines Tages steht Kristin übel zugerichtet vor seiner Tür und gesteht, dass sie eigentlich Stella heißt und Jüdin ist. 
Diese Geschichte hat es mir wirklich nicht leicht gemacht. Einerseits fand ich Stella inhaltlich wirklich sehr gelungen und den Grundkonflikt auch gut herausgearbeitet. Takis Würger hat einen packenden Schreibstil und schafft es, die schwierige Situation, in der sich Friedrich und Stella befinden gut zu beschreiben. 
Was mich aber massiv störte, war die Tatsache, dass es sich bei Stella um eine reale Person handelt. Ich konnte nicht unterscheiden, an welcher Stelle Takis Würger Schilderungen auf einer guten Recherche beruhen und wo die Fiktion begann. Das Ärgerliche finde ich, dass die Geschichte zwar sehr gut ist, aber durch die Stella-ist-eine-reale-Person-Debatte völlig in den Hintergrund gerät.
Hierbei handelt es sich übrigens um eines unserer drei aktuellen Buchclub Bücher. Wenn ihr also Lust habt, mit uns darüber zu diskutieren, schaut doch am Montag entweder hier auf dem Blog oder in unserer Facebook Gruppe vorbei. 


Bild von HörbuchHamburg

Der Report der Magd von Magret Atwood 
Hier erleben wir Desfred, die als Magd in einer dystopischen Welt lebt. Sie hat drei Mal die Möglichkeit einer höher gestellten Familie als Leihmutter zu dienen. Desfred lebt in einer Diktatur und hat keine Rechte. Wie sie ihren Alltag in dieser Gesellschaft erlebt, schildert sie uns in ihrem Bericht. 
Dieses Hörbuch fand ich faszinierend und verstörend zugleich. Faszinierend, weil die Geschichte in drei Zeitsträngen erzählt wird: Wir begleiten sie in der Umkonditionierungseinrichtung in der sie an das Leben als Magd gewöhnt werden soll und finden heraus, wie es ihr bei ihrem aktuellen Kommandanten geht, also dem Oberhaupt der Familie, der sie aktuell dient. 
Verstörend, weil das Gedankengut dieser Gesellschaft einfach nur völlig daneben ist und ich es einerseits schrecklich finde, dass Menschen diese Ideologie unterstützt haben und ich andererseits ahne, dass es manchmal ziemlich schnell gehen kann, so eine Diktatur aufzubauen. 
Auch bei dieser Geschichte handelt es sich um eine unserer aktuellen Buchclub Lektüren. Und ich bin sehr gespannt, welche Gespräche über Der Report der Magd zustande kommen. 


Bild von Argon Verlag
*Fische, die auf Bäume klettern von Sebastian Fitzek 
Buchlinge, auch dieses Buch hat mich an meine Grenzen gebracht. In diesem Kompass gibt Sebastian Fitzek seinen Kindern wichtige Dinge für das Abenteuer Leben mit.
Dieses Buch steckt voller interessanter Ansätze. Wir lernen hier Sebastian Fitzeks Sicht auf die Welt kennen. Dennoch bin ich schon an einer Grundsatzfrage hängen geblieben. Warum hat er diese Gedanken mit der Öffentlichkeit geteilt? Außerdem kann ich seine Sichtweise auf manche Themen nur bedingt nachvollziehen. Der Autor betont aber mehrfach, dass dieser Kompass keine Gebrauchsanweisung für das Leben ist und man über den Inhalt nachdenken soll. Und mich zum nachdenken zu bringen, ist ihm hier definitiv gelungen. 


Bild von cbj
Morgen, irgendwo am Meer von Adriana Popescu
Hier begegnen wir vier Jugendlichen, die mehr oder weniger freiwillig zu einem Roadtrip ans Meer aufbrechen. Dieses Jugendbuch ist mit Abstand mein Monatshighlight im April. Ich war wirklich überrascht, wie gut Adriana Popescu die Handlungsstränge miteinander verbindet. Wir haben nämlich nicht, wie in Adriana Popescus Jugendbüchern sonst üblich, zwei Protagonisten aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird. Hier erleben wir gleich vier Perspektiven. Das Interessante: Jeder der vier Jugendlichen hat ein Geheimnis. Einige von ihnen wollen um jeden Preis vermeiden, dass ihr Geheimnis ans Licht kommt. Andere hingegen nehmen sich zum Wohle der Gruppe zurück oder können nicht über ihr Geheimnis sprechen. Faszinierend fand ich hier zu erleben, wie die Jugendlichen aufeinander reagieren. Denn aufgrund ihrer Geheimnisse verhalten sie sich Anderen gegenüber in manchen Situationen von außen betrachtet etwas merkwürdig, aber nur, weil ihr Gegenüber eben nicht die ganze Wahrheit kennt. Und als dann einiges an die Oberfläche kommt, beweist Adriana Popescu wieder jede Menge Tiefe.


Im Netz gefunden 
Sarah von Pergamentfalter erzählt von den bloggersessions im Rahmen der Leipziger Buchmesse: 
In den letzten Jahren haben sich am Messesonntag die bloggersessions etabliert. Eine Veranstaltungsreihe von Blogger*Innen für Blogger*Innen. Es ist wie eine Art kleines Barcamp. Referent*Innen können ihre Veranstaltung beim Messeteam einreichen und so kommt ein Programm zustande. In diesem Jahr fielen die bloggersessions aufgrund geringer Beteiligung etwas kleiner aus. Sarah erzählt uns in ihrem Artikel nicht nur von den Inhalten der jeweiligen Sessions, sondern erzählt uns auch, was sie von den einzelnen Themen hält. 
Ihren Artikel findet ihr hier

Sebastian Fitzek spricht über Fische, die auf Bäume klettern. 
An dieser Stelle verlinke ich zwei Veranstaltungen mit dem Autor. Zum einen hat er in Leipzig mit Wolfgang Tischer über sein aktuelles Buch gesprochen. Leider scheint die Verlinkung zur Podcast Folge auf der Website des Literaturcafes nicht mehr zu funktionieren - oder zumindest bei mir nicht. Deswegen verlinke ich euch die Podcast Folge bei Spotify
Zudem war der Autor bei LovelyBooks für einen Livestream zu Gast. Hier liest er auch ein paar Auszüge aus Fische, die auf Bäume klettern. Den Livestream könnt ihr unter diesem Link nachschauen. 

Am kommenden Wochenende ist #Litnetzwerk-Zeit
Lena organisiert ein weiteres Litnetzwerk Wochenende. Hier besuchen sich Blogger*Innen in ihren virtuellen Hemen und kommentieren interessante Beiträge. Unter diesem Link findet ihr die Teilnehmerliste. Hier könnt ihr euch für das Wochenende anmelden.


Gefreut
Ich hab ein Exemplar von Fische, die auf Bäume klettern gewonnen
Buchlinge, gleich am ersten April gab es  für mich schon einen Grund zur Freude. Im Rahmen des Livestreams, der von LovelyBooks veranstaltet wurde, fand natürlich auch eine Buchverlosung statt. Man konnte während der Veranstaltung Fragen unter dem #lblive einreichen. Ich steuerte zwar eine Frage bei, rechnete aber nicht damit, dass Zeit blieb, diese direkt im Livestream zu stellen. Außerdem fragte ich nicht, um im Lostopf für das Gewinnspiel zu landen, sondern, weil mich die Antwort interessierte.
Ansonsten twitterte ich munter unter dem Hashtag, weil die Veranstaltung genügend Material bot und ich es mag, sich während Veranstaltungen bei Twitter mit anderen Leuten auszutauschen. Dass es auch ein Buch zu gewinnen gab, hatte ich schnell vergessen. Schließlich interessierte ich mich ja hauptsächlich für das Hörbuch. Und am ersten April twitterte mich dann das Social Media Team von LovelyBooks an und verkündete, dass ich ein Exemplar von Fische, die auf Bäume klettern gewonnen hatte. Ich dachte zuerst, dass es ein Aprilscherz sei. Schließlich hatte ich damit gerechnet, dass der Lostopf ziemlich gut gefüllt war und ich sicher keine Chance hatte, ein Buch zu gewinnen. Nun habe ich Fische, die auf Bäume klettern zweimal im Regal stehen. Einmal als gekürztes Hörbuch und einmal als Printexemplar. 

Die Überarbeitung meines Romanes ist so gut wie abgeschlossen 
Eines meiner Ziele für 2019 ist es ja, die seit Anfang 2017 andauernde zweite Überarbeitung meines Romanes zu beenden. Und ich habe mein Ziel im April erstaunlicherweise fast erreicht. Nun muss nur noch ein Epilog geschrieben werden und dann werde ich damit beginnen, mich bei Literaturagenturen zu bewerben und zu hoffen, dass meine Geschichte interessant genug ist. Falls Plan A nicht funktioniert, habe ich natürlich auch einen Plan B. Ich möchte nämlich unbedingt, dass ihr die Geschichte zu lesen (im Idealfall natürlich auch zu hören) bekommt. 


Was gab's zu erzählen? 
Buchlinge, in diesem Monat hatte ich wirklich Glück, dass ich im März so viele Geschichten beendet habe. So gab es für euch jede Menge Rezensionen. Obwohl im April hier nicht viel passiert ist, will ich dennoch nicht auf die Übersicht mit den veröffentlichen Beiträgen verzichten .

Ge(h)lebt 

Ge(h)brechen 
Wie lesen Blinde? Teil 1: Punktschrift Tutorial 

Rezensionen aus dem vergangene Monat 

Das Ge(h)folge rezensiert 
emion spricht über Die Buchmagier


Gehört im April 
Buchlinge, im April habe ich drei Lieder entdeckt, von denen ich euch gerne erzählen möchte.

Seit einer Weile verfolge ich Ex-Monrose Mitglied Bahar bei Instagram. Inzwischen ist sie musikalisch wieder aktiv. Sie ist als Sängerin der Gruppe Traumfrequenz zu hören, verfolgt aber auch Soloprojekte. Hier könnt ihr den Sommerhit von Traumfrequenz hören. Unter diesem Link gibt es eine neue Single von Bahar. 

Vor ein paar Tagen habe ich festgestellt, dass die Band Juli ebenfalls eine neue Single veröffentlicht hat. Und zwar nennt sich diese Fahrrad. Ich hatte ja eigentlich befürchtet, dass sich die Band vielleicht still und leise aufgelöst hat. Die neue Singe gefällt mir richtig gut und erzählt auch eine interessante Geschichte. 

Richtig überrascht war ich, als ich die neue Single von Jeanette Biedermann, einer der diesjährigen Teilnehmerinnen von Sing meinen Song - Das Tauschkonzert gehört habe. Hier hätte ich sie zu Beginn allein von ihrer Stimme her fast nicht erkannt, was aber nicht negativ gemeint ist. Ihre aktuelle Single nennt sich Wie ein offenes Buch


Zitate 
In diesem Monat habe ich wieder zwei Zitate für euch, die ich gerne mit euch teilen möchte. 

"Vielleicht ist es Schwäche, die dazu führt, dass wir Anderen wehtun."
Stella von Takis Würger

"Wenn mein Leben erträglich ist, ist das was sie tun vielleicht in Ordnung."
Der Report der Magd von Magret Atwood

Und Du? 
Was hast Du im April erlebt? 
Welche Geschichten hast Du beendet? 
Welche Musik lief bei Dir rauf und runter?