Mittwoch, 10. April 2019

Der Bücherdrache

Bild von der Hörverlag
Steckbrief
Name: Der Bücherdrache (auch als Buch erhältlich) 
Autor: Walter Moers
Verlag: der Hörverlag
Geeignet für: Moers Fans, Fans von Zamonien
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Andreas Fröhlich
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten



Klappentext

"In den Katakomben von Buchhaim erzählt man sich die alte Geschichte vom sprachmächtigen Bücherdrachen Nathaviel, den kein Buchling je gesehen hat. Die Legende sagt, der Drache sei die Belesenheit selbst. Der kleine Buchling Hildegunst Zwei, benannt nach dem zamonischen Großschriftsteller Hildegunst von Mythenmetz, macht sich eines Tages auf den Weg in den Ormsumpf, wo der Drache hausen soll. Für diese Mutprobe muss er zum ersten Mal seine geliebte Heimat, die Lederne Grotte, verlassen. Er wagt sich in Bereiche der Katakomben, in denen es von Gefahren nur so wimmelt, und ahnt nicht, dass die größte Gefahr vom Bücherdrachen selber ausgehen wird."


Meine Meinung 
In Der Bücherdrache entführt uns Walter Moers - oder sollte ich eher sagen Hildegunst von Mythenmetz? - wieder nach Zamonien und erzählt eine Geschichte, die zwar unterhaltsam ist, aber nur für Moers Fans, oder Liebhaber der zamonischen Kultur gedacht ist. Warum? Das lest ihr in meiner Rezension. 

Walter Moers überraschte mich hier erstmals mit drei Erzählsträngen
Wir begegnen zu Beginn der Geschichte dem bekannten zamonischen Literaten Hildegunst von Mythenmetz, der uns von einem Traum erzählt. 
Dort trifft er einen Buchling wieder, der seinen Namen trägt und von allen nur Hildegunst 2 genannt wird. 
Der Buchling wird aufgefordert, dem Lindwurm eine Geschichte zu erzählen. Und so beginnt er von seiner Begegnung mit dem Bücherdrachen zu berichten. Einem Wesen, das viele Bewohner*innen Zamoniens nur für eine Legende halten.
Und nun fragt ihr euch, was es mit dem dritten Erzählstrang auf sich hat. Das dürft ihr natürlich selbst herausfinden.

Was die Handlung betrifft, bin ich hier wieder hin- und her gerissen: Die Geschichte lebt hauptsächlich durch diese drei Erzählstränge. Das heißt, es wird eben viel berichtet, aber es findet wenig aktive Handlung statt. Diese kommt erst gegen Ende der Erzählung zum Zug. Wer Walter Moers als Autor bereits kennt, kommt mit dem Stilmittel womöglich zurecht. Dennoch vermisste ich hier und da etwas die aktive Handlung.

Allerdings wurde die fehlende Handlung für mich größtenteils durch Walter Moers Schreibstil und Andreas Fröhlich als Interpreten gerettet. Wir kommen aber erst einmal zum Schreibstil: 
Während die Geschichte häufig gleichmäßig vor sich in plätscherte, brachte mich Walter Moers mit perfekt platzierten Nebensätzen zum Schmunzeln. So spielen beispielsweise Sprichwörter oder Vergleiche in Der Bücherdrache eine große Rolle. Walter Moers vergleicht beispielsweise eine Schnecke ohne Haus mit einem Tiger ohne Streifen. 
Und wenn man dieses Zitat so hört, denkt man im ersten Moment, dass man genau so schlau ist, wie zuvor. Dennoch wissen wir, dass eine Schnecke ohne Haus genauso wenig eine Schnecke ist, wie ein Tiger, der keine Streifen mehr hat, ein Tiger sein kann. 
Und dieser Sinn im Unsinn hat mir wirklich gut gefallen und gibt hier und da auch ein paar Denkanstöße. Ich mag es, wie Walter Moers die Welt jedes Mal aufs Neue auf den Kopf stellt, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Selbst, wenn er mit so einem verrückten Vergleich um die Ecke kommt, kann ich einen Mehrwert in seinen Aussagen entdecken.

Kommen wir also zum Schluss zur Gestaltung des Hörbuches: Während Weihnachten auf der Lindwurmfeste in einer Hülle untergebracht war, die man aufklappen konnte, befindet sich Der Bücherdrache in einer CD Box. (Und mir gefällt die Doppeldeutigkeit dieses Satzes gerade ziemlich gut). Die CDs sind in einzelnen Hüllen verpackt und es ist wieder ein kleines Booklet, also ein Heftchen mit dabei, indem es weitere Informationen zur Geschichte gibt. Für alle, die jetzt mit den Augen rollen und sich fragen, ob es sich lohnt das Heft einzuscannen: Ich finde nicht, dass man es zum Verständnis der Geschichte benötigt. Es ist mehr ein nettes Zubehör.
Das Hörbuch wurde zum Glück ungekürzt von der Hörverlag produziert und hat eine Laufzeit von ca. vier Stunden. Und es ist wirklich gut, dass die Geschichte nicht länger geht, weil sie sonst womöglich zäh geworden wäre.

Auch in dieser Geschichte gibt es ein Wiedersehen mit Hörbuchsprecher Andreas Fröhlich, der mir hier als Interpret wieder sehr gut gefallen hat. Die Schwierigkeit in Der Bücherdrache besteht darin, die verschiedenen Erzählstränge gut voneinander zu unterscheiden, da sie häufig fließend ineinander übergehen. Andreas Fröhlich hat es geschafft unsere drei Erzähler gut voneinander zu trennen und jeden Erzählstrang spannend zu gestalten. Es hat wirklich etwas gedauert, bis ich mich an seine Art der Interpretation von den Walter Moers Geschichten gewöhnt habe. Aber inzwischen könnte ich mir Walter Moers ohne Andreas Fröhlich nicht mehr vorstellen.

Zusammenfassend muss ich aber sagen, dass ich die Geschichte nur denjenigen empfehlen kann, die sowohl Andreas Fröhlich als Sprecher als auch Walter Moers als Autor kennen und wissen, wie die zamonische Welt aufgebaut ist bzw. wie es sich mit den zamonischen Erzählungen verhält.
Alle Buchlinge unter euch, die den Titel spannend finden, aber noch keine Geschichte von Walter Moers gelesen haben, sollten mit einer anderen Geschichte beginnen, bevor sie zum Bücherdrachen greifen.

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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensiosnexemplar kostenlos von der Hörverlag zur Verfügung gestellt.

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