Mittwoch, 27. März 2019

Wie war's bei der Leipziger Buchmesse 2019? - Teil 1

So, Buchlinge,

heute vor einer Woche haben meine Begleitungen und ich uns auf den Weg nach Leipzig zur Buchmesse gemacht.
Im ersten Teil meines Messerückblickes erzähle ich euch von unseren Erlebnissen am Donnerstag. Unser Terminplan war voll. Doch welche Termine haben wir vor Ort tatsächlich besucht? Das und mehr erfahrt ihr in diesem Messebericht. 
Ich wünsche euch gute Unterhaltung. 


Anreise und Verwirrung dank Google 
Wir haben Leipzig gegen Donnerstag Nacht erreicht und Google schickte uns erst einmal ins gefühlte Niemansland. Wohnhäuser weit und breit. Aber wo war unser Hotel? Verwirrt fragten wir uns, wie zentrale Lage definiert wurde. Doch am nächsten Morgen stellten wir fest, dass uns Google wahrscheinlich nur auf eine Odyssee geschickt hat, weil die für uns wichtige Straßenbahn zur dieser späten Stunde nicht mehr fuhr. 

Das Hotel
Unser Hotelzimmer gefiel mir von seinem Aufbau her ziemlich gut. Der Raum war klein, bot aber zwei Etagen. Wenn man den Raum betrat, fand man im Erdgeschoss ein kleines Sofa, einen Schreibtisch und eine Tür, die zu einem sehr kleinen Badezimmer führte. 

Eine Treppe führte dann in den - wenn man das so nennen kann - ersten Stock, indem ebenfalls zwei Betten, zwei Nachttische und ein Fernseher, den wir aber nicht benutzten, vorhanden waren. Das Zimmer hatte etwas Gemütliches, sodass ich mich nach den langen Messetagen gerne dort aufgehalten habe. 


Donnerstag 21.03.19 
Wir starteten also mehr oder weniger wach in unseren ersten Messetag. Meine Begleitungen verblüfften mich am frühen Morgen und zwar mit ihrem Frühstück. Sie eröffneten die Messezeit nämlich mit einem Kuchenfrühstück und setzten das am Folgetag auch begeistert fort. Und als sich am Folgetag auf einem der Frühstücksteller auch ein Stück Erdbeertorte einfand, staunte ich nicht schlecht. 

Letztendlich kamen wir gegen 10:30 Uhr am Messegelände an. Der erste Termin auf unserem Plan entfiel zwar, was für mich aber nicht so tragisch war, da er nicht zu den Veranstaltungen gehörte, die ich unbedingt sehen wollte. Also begann unser Tag mit Carla Berling. 


Carla Berling liest
aus Tunnelspiel.
Foto: A. Mack 
Mein erster Kontakt mit Carla Berling 
Von Carla Berling hörte ich erstmals 2014. Damals bloggte ich noch auf einem anderen Kanal und bekam eine Mail von der Autorin, in der sie mir den ersten Band ihrer Krimireihe Sonntags Tod als Rezensionsexemplar anbot. Den Auftakt dieser Reihe brachte sie als Selfpublisherin heraus. Mir gefiel ihr Schreibstil damals sehr gut. Einzig und allein mit dem Spannungsbogen der Geschichte kam ich nicht ganz zurecht, konnte aber nicht benennen, was mir fehlte.
Vor ein paar Monaten erfuhr ich dann, dass es inzwischen drei Bände der Reihe gab und Carla Berling nicht nur einen Verlag, sondern auch eine Literaturagentur gefunden hatte. Das hat mich unglaublich gefreut. Und so wollte ich also unbedingt wissen, wie es mit Ira im dritten Band weitergeht. 

Carla Berling spricht über Tunnelspiel 
Carla Berling blieb gerade mal eine halbe Stunde Zeit uns Tunnelspiel vorzustellen. Ich war wirklich beeindruckt, dass sie uns nicht nur den dritten Band ihrer Reihe, sondern auch ihre Figuren innerhalb der kurzen Zeit näherbringen konnte. Carla Berling bot uns in der halben Stunde genug Material, um abschätzen zu können, ob ihre Krimireihe etwas für uns war oder nicht. 
Da die ersten beiden Bände auch als Hörbücher erschienen sind, hoffte ich natürlich, dass es auch von Tunnelspiel eine Lesung geben würde. Leider musste mich die Autorin nach der Lesung enttäuschen. Und ich war wirklich etwas genervt: Alle reden immer von der Digitalisierung. Wenn das Hörbuch in der haptischen Form nicht läuft, hätte man es doch zumindest als Download umsetzen können, oder? Nun muss ich mir nämlich überlegen, ob ich die Reihe ein zweites Mal beginne, oder lieber auf eine andere Geschichte von der Autorin hoffe. 

Vera Nentwich im Gespräch
mit Melissa und Cornelia.
Foto: A. Mack 
Bauchschreiber oder Plotter? 
Unter diesem Motto befragte Vera Nentwich, die Vorsitzende des Selfpublisher Verbandes zwei Autorinnen. Leider habe ich die Nachnamen der Autorinnen nicht mitschreiben können, deswegen verzeiht mir, wenn ich sie hier nur beim Vornamen nenne. 
Melissa gehört zum Team der Plotterinnen, also derjenigen, die ihre Romane sehr detailliert planen. Sie lässt sich aber neben genauen Planungen auch ein bisschen Freiraum, falls sich die Charaktere doch für einen anderen Weg entscheiden. 
Cornelia hingegen lässt sich eher treiben und hat gemerkt, dass ihr das Planen weniger liegt.
Die Moderatorin behauptet von sich, dass sie selbst irgendwo dazwischen liege. 

Wenn Interesse besteht, kann ich über diese Veranstaltung auch einen eigenen Artikel schreiben. Hier erstmal so viel: Bisher war ich von Gesprächsrunden gewohnt, dass die Moderation irgendwann überflüssig wird und die Teilnehmer*innen von selbst mit einer Diskussion beginnen. Hier hingegen wurden beide Autorinnen nacheinander befragt, aber ein Gespräch zwischen ihnen kam leider nicht zustande, was ich etwas schade fand. Die Fragen waren sehr offen gehalten, jedoch hatte ich den Eindruck, dass es hier und da auch etwas zu offen war und die Teilnehmerinnen nicht so recht wussten, was sie antworten sollten. 


Takis Würger beim blauen Sofa
Foto: A. Mack 
Takis Würger spricht über seinen aktuellen Roman Stella 
Buchlinge, manchmal frage ich mich wirklich, ob ich überhaupt gut informiert bin, was Literatur betrifft. Der Aufruhr um Takis Würger zweiten Roman Stella ging voll an mir vorbei. Hier geht es um Stella, die vor eine schwere Entscheidung gestellt wird: Sie kann sich und ihre Familie retten, indem sie Andere verrät. Das Problem an der Geschichte: Stella gab es wirklich. Und einigen Menschen gefällt nicht, was Takis Würger aus Stellas Geschichte gemacht hat. Und so musste sich der Autor in dem Interview unter anderem der Frage stellen, wie er mit Kritik umgeht. 
Aber beginnen wir von vorne: Zuerst sprach ihn der Moderator auf ein sprachliches Bild an, das er in dem Roman nicht verstanden habe: Stella wird nämlich aus der Sicht eines Mannes erzählt, der farbenblind ist. Und der Moderator fragte sich, was das mit der Geschichte zu tun hat. Das Interessante an der Sache war, dass ich, obwohl ich das Buch bisher nicht gelesen habe, eine Idee hatte, was damit gemeint war. Ich war erstaunt, dass der Moderator das sprachliche Bild nicht erkannte, da ich eigentlich davon ausgegangen bin, dass er mehr Geschichten gelesen hat und somit auf einen größeren Erfahrungsschatz zurückblickt. 

Takis Würger hätte nicht damit gerechnet, dass er mit seinem zweiten Roman so viel negative Kritik bekommen wird. Er meinte, ihm seien Rückmeldungen wichtig und es sei nicht so, dass die negative Kritik spurlos an ihm vorbeigehe. Aber er wisse auch, dass er es nicht jedem recht machen könne. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass er sich auf dem blauen Sofa für seinen Roman rechtfertigen musste. Und dafür hat er sich wirklich gut geschlagen. Er hat mich nicht nur neugierig auf Stella, sondern auch auf seinen Debütroman Der Club gemacht. 


Eine Pause mit einer überraschend spannenden Lesung 
Da ich bekanntlich auf den Buchmessen nicht viel vom stöbern habe, bat ich meine Begleitung mich einfach schon mal an dem Stand abzusetzen, an dem unsere nächste Veranstaltung stattfinden sollte. So hatte sie ausreichend Zeit, sich an den umliegenden Ständen etwas umzuschauen. Und so stolperte ich in eine interessante Lesung. Leider weiß ich weder den Namen der Autorin noch den Namen der Geschichte. Aber wenn ich euch den Inhalt erzähle, vielleicht kennt ja jemand von euch Buchlingen die Antwort. 
In der Geschichte geht es um zwei Geschwister, die als Flüchtlinge in einem neuen Land ankommen. Dort gibt es eine Art Anführer, der predigt, dass es in der Welt darum gehe, Liebe zu verbreiten und Liebe zu teilen. Hass hat hier keinen Raum. Die Geschichte ist aus der Perspektive einer Ich-Erzählerin erzählt, die dem Anführer aufmerksam bei seiner Rede lauscht und versucht, ihren Bruder in der Menge auszumachen. 
Doch beide Geschwister sind sich nach der Veranstaltung uneinig, wie sie die Regeln der neuen Heimat finden sollen. Während unsere Ich-Erzählerin bemüht ist, sich den neuen Regeln anzupassen, erkennt ihr Bruder, dass er bei der offenen Gesellschaft viele Abstriche machen muss und das Land gar nicht so frei ist, wie es zu sein scheint. 

Zu Beginn der Lesung runzelte ich noch kritisch die Stirn, weil ich befürchtete, dass die Autorin die Flüchtlingskrise in eine dystopische Welt presst und uns anhand der Geschichte erzählen will, wie wir mit der Krise umzugehen haben. Doch die Konflikte, die in dieser Lesung angedeutet wurden, gingen über das Zurechtfinden in einer neuen Heimat hinaus und machten mich doch etwas neugierig auf mehr. 


Kai Meyer spricht
über das Ende
seiner Trilogie.
Foto: A. Mack 
Kai Meyer präsentiert die Krone der Sterne 
Da meine Begleitung bereits einige Bücher von Kai Meyer gelesen hatte und ich den Autor ebenfalls interessant finde, wollten wir unbedingt hören, was er zum letzten Band seiner Trilogie zu erzählen hatte. Schnell mussten wir beide aber feststellen, dass der Autor in der halben Stunde, die ihm zur Verfügung stand, viel über das Universum erzählte, in der die Geschichte spielte. Leider bekamen wir so, nur wenige Ausschnitte aus dem dritten Band zu hören. Während wir uns vor Ort noch darüber wunderten, frage ich mich heute, ob genau das vielleicht vom Autor beabsichtigt war, damit die Zuhörer*innen nicht unabsichtlich gespoilert werden konnten. Und falls letzteres der Fall ist, ist das ein ziemlich guter Schachzug, wenn ihr mich fragt. 

In einem Nebensatz bemerkte Kai Meyer, dass es ihm wichtig sei, all seine Bücher miteinander zu verbinden und zum Schluss eine Art großes Universum zu haben. Das finde ich unglaublich faszinierend, weil ich es mir auch schwierig vorstelle, bei so vielen Büchern den Überblick zu behalten. 


Lektorensprechstunde moderiert von Hans-Peter Roentgen 
In dieser Veranstaltung sollte es um die Zusammenarbeit zwischen dem Lektor und dem Autor gehen. Leider kamen wir etwas später und verpassten so den Auftakt inklusive der Vorstellungsrunde. Die Veranstaltung war zwar ziemlich interessant, aber auch oberflächlich gehalten. Das lag hauptsächlich daran, dass es sich hier um den Auftakt einer Veranstaltungsreihe handelte, die an den Folgetagen der Messe fortgesetzt werden sollte. Wesentliche Informationen gab es hier aber bereits in den Nebensätzen. Und hier werde ich mir meine Notizen noch einmal genauer anschauen. 


Sarah Kuttner spricht über Kurt 
Die letzte Veranstaltung auf unserem Plan war Sarah Kuttner, die ihr neues Buch Kurt vorstellen wollte. Sarah Kuttner ist mir vor allem als Moderatorin bekannt. Damals, als es noch Musikfernsehen gab, moderierte sie sowohl bei MTV als auch bei VIVA. Ich mochte die Moderatorin ganz gerne, verstand damals aber wahrscheinlich einige ihrer Kommentare auch einfach nicht. 
In dieser Veranstaltung wurde sie von einer Moderatorin interviewt und es stellte sich sehr schnell heraus, dass die Moderatorin so ihre Probleme mit Sarah Kuttners Protagonistin hat. Die Protagonistin lebt nämlich mit einem Partner zusammen, der einen Sohn aus einer ersten Beziehung mit in die neue Partnerschaft bringt. Der Sohn lebt alle zwei Wochen bei ihnen und die Protagonistin ist sich nicht sicher, wie sie die Beziehung zu Kurt gestalten soll. Darf sie sich in Erziehungsfragen einmischen? Darf sie überhaupt eine Beziehung zu Kurt aufbauen? Als dann noch etwas Tragisches passiert, muss nicht nur sie sich neu sortieren. 

Sarah Kuttner machte mich auch hier neugierig auf Kurt und seine Geschichte. Ein lustiger Running Gag in dem Gespräch war, dass sowohl der Partner der Protagonistin als auch der Sohn Kurt heißen und im Gespräch dann immer wieder neu geklärt werden musste, ob man jetzt über den großen oder den kleinen Kurt spreche. 


Leipzig, Weltstadt? Die Läden schließen schon um 20:00 Uhr! 
Und wie das nach langen Messetagen so ist, gibt es neben den ersten Anzeichen eines drohenden Muskelkaters auch noch das Magenknurren. Und natürlich strömen nach dem Ende der Messe viele hungrige Menschen in die Leipziger Innenstadt. Während die Restaurants gut gefüllt waren, mussten wir sehr schnell feststellen, dass uns die Zeit davon lief. Denn viele Läden schlossen bereits gegen 20:00 Uhr. Natürlich war es noch unter der Woche, jedoch erzählten mir meine Begleitungen, dass Leipzig den Titel Weltstadt trägt und somit rechneten wir eigentlich damit, dass die Läden so lange auf hatten, wie eben bei uns im Süden. 

Nachdem wir dann aber doch noch ein gutes Abendessen gefunden hatten, machten wir uns müde, aber vorerst glücklich auf den (kürzeren) Weg ins Hotel. 


Fortsetzung folgt... 
Buchlinge, in meinem zweiten Teil des Messerückblickes erzähle ich euch von einem Treffen mit Andreas Fröhlich, überraschend positiven Rückmeldungen bei Verlagsterminen und gebe euch einen Einblick welche Veranstaltungen ich bei den diesjährigen Bloggersessions besucht habe.


Und Du? 
Warst Du auch in Leipzig unterwegs? 
Was hast Du am Donnerstag so erlebt? 

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