Mittwoch, 20. März 2019

Der Fall des verschwundenen Lords - Enola Holmes erster Fall

Bild von der Hörverlag
Steckbrief
Name: Der Fall des verschwundenen Lords (auch als Buch erhältlich)
Autor: Nancy Springer
Verlag: der Hörverlag
Geeignet für: Krimi Fans der jüngeren Generation
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Luisa Wietzorek
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext

"Sherlock Holmes bekommt Konkurrenz: Jetzt ermittelt seine genauso schlaue kleine Schwester!

Als Enola, die jüngere Schwester von Sherlock Holmes, entdeckt, dass ihre Mutter verschwunden ist, macht sie sich sofort auf die Suche nach ihr. Sie reist dafür heimlich nach London, aber nichts hätte sie darauf vorbereiten können, was sie hier erwartet: Sie wird in die Entführung eines Lords involviert, muss vor mörderischen Gaunern fliehen und sich gleichzeitig vor ihren beiden scharfsinnigen älteren Brüdern verstecken, die auf der Suche nach ihr sind, um sie in ein Internat zu stecken. Wird sie es zwischen all dem Chaos schaffen, ihre Mutter zu finden, den Lord zu retten und dem Internat zu entkommen?"


Meine Meinung 
Nancy Springer wagt sich hier an ein heikles Thema: Sie spinnt eine neue Geschichte, um einen bereits bekannten, englischen Ermittler. Kann das wirklich gut gehen? 

Inhalt: Wir lernen Ich-Erzählerin Enola Holmes kennen, die jüngere Schwester des bekannten Londoner Ermittlers Sherlock Holmes. Sherlock und sein älterer Bruder sind schon lange ausgezogen und Enola hat die beiden Geschwister vor Jahren bei der Beerdigung ihres Vaters gesehen, sonst aber keine Berührungspunkte mit ihnen. 
Enola kommt aus einem guten Hause und lebte bisher mit ihrer Mutter und den Hausangestellten zusammen. Doch als ihre Mutter von heute auf morgen verschwindet, beginnt sich die 14-jährige Sorgen zu machen und beginnt mit ihren Nachforschungen....

Nancy Springer wagt sich hier an ein schwieriges Thema: Sie schreibt einem bereits bekannten Londoner Ermittler eine Vorgeschichte und erzählt hier von einer kleinen Schwester, die, soweit mir erzählt wurde, in keinen Sherlock Holmes Bänden eine Rolle spielt. Da wir hier Enola kennenlernen, kann man erahnen, dass auch Sherlock in der Geschichte vorkommen muss. Und hier stellt sich die Frage, wie es die Autorin schafft, Sherlock Holmes darzustellen, ohne bekannte Informationen oder Charakterzüge zu unterschlagen.
Nancy Springer gelingt dieser Spagat hier aber erstaunlich gut. Mittelpunkt dieses Reihenauftaktes ist und bleibt Enola Holmes.

Enola Holmes als Protagonistin ist hier sehr spannend: Wir bekommen den Eindruck, dass sie bisher nicht mit vielen Gleichaltrigen zu tun hat und gerade die letzten Jahre eher isoliert auf dem Anwesen ihrer Mutter lebte, aber ohne wirklich etwas zu vermissen. Nachdem ihre Mutter verschwunden ist, schafft sie es schnell, sich der neuen Situation anzupassen. Sie lässt den Kopf nicht hängen, sondern versucht das Verschwinden ihrer Mutter aufzudecken.
Enola bringt zudem eine gute Kombinationsfähigkeit mit. Der Einzige, der in dieser Reihe noch fehlt, ist Enolas persönlicher Mr. Watson. Allerdings habe ich schon eine Idee, wer sich vielleicht dahinter verbergen könnte.

Nancy Springer gestaltet die Handlung der Geschichte hier eher oberflächlich. Im ersten Band dieser Reihe wurden erst einmal jede Mengen Fährten gelegt, aber für mich nicht immer spürbar und gut aufgelöst, was aber vermutlich damit zusammenhängt, dass hier genug Stoff für eine mehrteilige Serie platziert werden musste und wir einige Antworten eben erst in den Folgebänden bekommen.

Hörbuchsprecherin Luisa Wietzorek hat mich sofort mit in Enolas Welt genommen. Sie hat mir den Einstieg in die Geschichte sehr erleichtert und ich hoffe, dass sie auch für weitere Bände als Sprecherin gewonnen werden kann. Wieder einmal bin ich überrascht, dass eine Hörbuchsprecherin so unglaublich jung klingt. Wikipedia verrät mir nämlich, dass die Luisa Wietzorek 1989 geboren wurde und ich hätte schwören können, dass sie höchstens Anfang zwanzig sein kann.
Mir hat ihre Interpretation sehr gut gefallen. Sie liest lebendig und verleiht den verschiedenen Charakteren eigene Stimmen, die mich hier und da zum Schmunzeln gebracht haben.

Nancy Springers Schreibstil ist lebendig, passt sich aber von der Wortwahl her der Zeit an, in der die Geschichte spielt. Und das, ohne, dass der Schreibstil hochgestochen oder abgehoben wirkt, was mich positiv überraschte. Obwohl Nancy Springer bereits zahlreiche Romane veröffentlicht hat, hatte ich den Eindruck, dass ihr der Auftakt der Reihe nicht leicht fiel. Mir fehlte eine bessere Verbindung der Handlungsstränge. Dinge, die zu Beginn der Geschichte angedeutet wurden, verloren schnell an Bedeutung, was mich verwirrte.
Allerdings konnte mich die Autorin mit ihrem lebendigen Schreibstil und den tollen Dialogen für sich gewinnen.

Gesamteindruck: Die Geschichte ist ab zwölf Jahren geeignet und so musste ich recht schnell feststellen, dass ich doppelt so alt bin, wie die jüngste Zielgruppe. Ich hatte mir etwas mehr von der Geschichte erhofft, muss aber auch sagen, dass ich die Geschichte mit zwölf Jahren wahrscheinlich sehr gut gefunden hätte. Ich denke also, dass Der Fall des verschwundenen Lords sehr viele jüngere Leser*innen für das Genre Krimi begeistern kann. Besonders schön ist es, dass es hier mal eine weibliche Ermittlerin gibt.

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Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar kostenfrei von der Hörverlag zur Verfügung gestellt. 

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Den Textbaustein habe ich von Pergamentfalter übernommen.