Samstag, 15. Dezember 2018

Türchen 15: Olli

Schneeflocke
Foto: A. Mack

Neun Tage bis Weihnachten 
»Verpatz deinen Auftritt nicht, Junge. Dein Artgenosse ist nicht so gut davongekommen«, befahl ich dem Gerät, öffnete das Fenster und schickte die Drohne nach draußen.
Schnell schloss ich das Fenster wieder.
Vor mir lag eine tief verschneite Landschaft. Ich blickte auf das Dorf hinab und hoffte, dass meine Gäste bald eintreffen würden. Reifenspuren schmückten den Weg von meiner Unterkunft zurück ins Dorf.
Heute war Olivers großer Tag. Endlich würde er seinen zweiten Hinweis bekommen. Ich wandte mich von meinem Fenster ab und setzte mich an meinen »Schrank«. Zum Glück war die Drohne mit einer »Schrunk« ausgestattet.

Ollis Zimmer: Früh am Morgen 
Kaum hatte mich der Wecker aus dem Bett geworfen, saß ich schon wieder am »Schrink«. Mit diesem Gerät konnte ich die Residenz einfach am besten überwachen.
Es ärgerte mich immer noch ein bisschen, dass ich die Tonaufnahme der zufälligen Zusammenkunft von Marlenes Freunden nicht auswerten konnte. Eigentlich hätte es mein »Schrink« locker mit der Musik aufnehmen müssen.
Aber irgendwas war faul. So als wäre das Lied absichtlich abgespielt worden. Hatte Marlene vielleicht doch ihre Finger im Spiel? Aber sie wollte doch, dass wir das Rätsel lösten, oder? Sie würde es doch nicht unnötig komplizierter machen.
Zumindest hoffte ich das.
Zu blöd nur, dass ich während der Schule keine Möglichkeit hatte, einen Blick in das Foyer der Residenz zu werfen. Und es würde zu lange dauern, das Material zu sichten, das mir während der Schulzeit entging.

Ein Hämmern ließ mich zusammenzucken. Es klang bedrohlich und fordernd. Mein Blick huschte zum Fenster. Und da war wieder eine Drohne. In Rittergestalt.
Soll ich das Ding wirklich rein lassen? Nicht, dass es diesmal hier im Raum explodiert, dachte ich ängstlich.
Ich musterte die Drohne und bemerkte, dass sie auf einem Paket stand. Es war klein und quadratisch. Langsam näherte ich mich dem Fenster und öffnete es einen Spalt breit. Kalte Luft wehte in mein Zimmer.
»Ich komme in Frieden. Post von Frau Marlene. Sie sendet einen Hinweis!«, verkündete die Drohne feierlich.
Ich gab den Weg in mein Reich frei.
Die Drohne landete auf meinem Schreibtisch und ließ sich das Paket kommentarlos abnehmen. Dann flog sie wieder in Richtung des Fensters, das noch geöffnet war und machte sich aus dem Staub.
Bevor es sich die Drohne anders überlegen konnte, schloss ich das Fenster wieder.
Die Schachtel, in der mein Hinweis versteckt war, war in Weiß gehalten. Vorsichtig klopfte ich dagegen und da öffnete sich die Schachtel wie von selbst.
Was ist das denn?, fragte ich mich. Selbstöffnende Schachteln hatte ich bisher auch noch nicht erlebt. Doch es sprang kein Gegenstand heraus.
Na, zum Glück schickt sie keinen Clown, stellte ich erleichtert fest.
Ich blickte in die Schachtel und fand zuerst ein zusammengefaltetes Blatt Papier. Als ich das Blatt auseinandergefaltet hatte, sprang mir wieder Marlenes gut leserliche Handschrift entgegen:


Lieber Olli, 
du hast die Technik buchstäblich im Griff. Und genau aus diesem Grund behalte ich die Gebrauchsanweisung bei dieser Spielerei vorerst für mich. Wenn du das Gerät in seiner ganzen Bandbreite verstehen willst: Nimm es mit raus. 
Bis bald 
Marlene


Ich umklammerte den Brief mit einer Hand, las die letzten Zeilen und griff mit meiner anderen Hand bereits nach dem Päckchen.
Ich legte den Brief zur Seite und hielt eine Brille in den Händen. Eine Brille mit orangenfarbenen Gläsern. Eine Farbe, die sonst nur die Brillengläser von Menschen hatten, die sich gegen die Sonne abschirmen mussten.
»Was soll das denn?«, fragte ich mich laut.
Doch im Zimmer blieb es still.

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Übersicht über die technischen Neuerungen im 22. Jahrhundert

7 Kommentare:

  1. Emma, Du solltest in der Kreativabteilung der Erfindungsindustrie arbeiten. Ein sich selbstöffnendes Paket, was für eine tolle Idee! Und als Finesse: zuvor wird ein Musikstück abgespielt, welches zusammen mit dem Inhalt eine Metabotschaft enthält! Cool....

    Die Grafikerin

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  2. meta waas ..?

    mal nicht so geschwollen, orangene brillen, eine sackgasse,
    es geht hier um ehrlichen ryhtm´n blues,
    und die protagonisten sind im auftrag des herrn unterwegs !

    soo sehen bei uns die brillen aus !

    Marlene ist Aertha
    Olli ist Jake
    Christian ist Elwood

    Sie trommeln die blues-brothers-band zusammen für ein weihnachtskonzert in der stadthalle

    Rätsel gelöst

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  3. Hallo Emma,
    jetzt wird es wirklich interessant. Die Drohnen sind ja toll. Aber ob mir so ein selbstöffnendes Paket gefallen würde? Ich glaub nicht :-)
    Beste Grüße
    Anja

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  4. Liebe Grafikerin,

    als ich "du solltest..." gelesen habe, dachte ich zuerst: "Argh, es war noch so früh, ich hätte das Kapitel gründlicher Korrektur lesen sollen!" Super, dass Dir das Türchen gefällt. Als ich die Idee mit dem Clown eingebaut habe, musste ich schon etwas schmunzeln.

    viele Grüße

    Emma

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  5. Lieber Jazzer,
    schon als ich vom Auftrag des Herrn las, war mir klar, um was es geht. Da muss ich die Musik gar nicht mehr anklicken. Sie kling bereits in meinen Ohren und bringt mich auf Ideen für unsere silvester- oder weihnachtliche Abendunterhaltung.

    viele Grüße

    Emma

    PS: Dabei weiß doch jeder: Orange, ist nur die Müllabfuhr... (Ganz schlimmer Ohrwurm übrigens...).

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  6. Liebe Anja,

    je nachdem, was in dem Paket ist, könnte es schon Vorteile haben, dass sich das gute Stück selbst öffnet. Aber wenn sich doch mal ein Clown oder ein Tier darin versteckt, sorgt das wahrscheinlich für einen gehörigen Schrecken.

    viele Grüße

    Emma

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Den Textbaustein habe ich von Pergamentfalter übernommen.