Montag, 31. Dezember 2018

Weihnachtsgeplauder Tag 5

von Anjas Bücherzimmer

Guten Morgen Buchlinge,

auch heute ist noch die Emma aus der Vergangenheit am Werk. Wir zelebrieren heute schon tatsächlich den fünften Tag unserer after-weihnachtlichen Aktion. Wie gefällt euch xmasgeplauder bisher?
HIER findet ihr die Teilnehmerliste, auf der wir euch gerne noch spontan eintragen werden.
Und natürlich haben wir auch eine Facebook Veranstaltung, in der ihr eure Beiträge zur Aktion gerne teilen dürft.
Kommen wir nun aber zu den heutigen Aufgaben:


  • Das neue Jahr steht schon in den Startlöchern: Wie wirst Du 2018 ausklingen lassen?
  • Gibt es Kanäle auf unserer Teilnehmerliste, die Du noch nicht kennst? Suche Dir einen Kanal aus und stöbere ein bisschen.
  • Wie steht es heute um Deine Lesezeit? Ist eine halbe Stunde Lesezeit möglich?


Updates 

29.12. um 9:50 Uhr

Da ich quasi voraus plaudere und an den aktuellen Tagen leider keine ZEit habe, meine Updates zu aktualisieren, möchte ich euch unbedingt Anjas Bücherzimmer empfehlen: Anja führt euch nämlich aktuell aktiver durch die Aktion.

Das neue Jahr steht schon in den Startlöchern: Wie wirst Du 2018 ausklingen lassen

Ich habe mir in diesem Jahr zum ersten Mal nach einer zwei oder dreijährigen Pause Gäste an Silvester eingeladen. Und ich habe die letzten Wochen damit verbracht, Spiele für den Abend vorzubereiten bzw. zu bestellen. Das Spiel, auf das ich mich am meisten freue, habe ich selbst zusammengebastelt: Und zwar habe ich hier die Intros von verschiedenen Liedern herausgeschnitten, sie in extra Ordner gepackt und so verschiedene Level erstellt. Die Intros haben also alle eine unterschiedliche Länge und ich bin wirklich gespannt, welche Lieder erfolgreich erraten werden können.

Die Lese- und Stöberzeit muss ich leider wieder etwas aufschieben, möchte sie aber auf jeden Fall noch nachholen.

Sonntag, 30. Dezember 2018

Weihnachtsgeplauder Tag 4

von Anjas Bücherzimmer

Hallo Buchlinge, 

die Emma aus der Vergangenheit plant jetzt gerade die nächsten drei Beiträge vor, damit ihr was #xmasgeplauder betrifft, auch auf dem Laufenden bleibt. 
HIER findet ihr unsere Teilnehmerliste, auf der wir euch gerne noch spontan eintragen werden.
Und natürlich haben wir auch eine Facebook Veranstaltung, in der ihr eure Beiträge zur Aktion ebenfalls teilen könnt.
Kommen wir aber nun zu den heutigen Aufgaben des Tages:



  • Hast Du Dir 2018 bestimmte Ziele gesetzt? Hast Du diese Ziele erreicht? (Egal, ob bloggertechnisch oder privat)
  • Schaffst Du es heute, eine Stunde Lesezeit einzuplanen?

Updates 

29.12.18 um kurz vor 10:00 Uhr 
Wieder eine recht schwierige Frage: Mir war es 2018 bezogen auf Ge(h)Schichten wichtig, die verschiedenen Kategorien regelmäßig zu bedienen. Leider ist mir das bei einigen Kategorien nicht gelungen, sodass ich diese wahrscheinlich auch einstellen werde. Einerseits habe ich viele Ideen für Beiträge und auch das Ge(h)folge ist sehr kreativ, was die Entwicklung neuer Rubriken betrifft. Andererseits stört es mich dann aber, dass monatelang in einer Rubrik nichts läuft und ich somit das Gefühl habe, mich mit gefühlt 1001 Kategorien doch etwas zu verzetteln. Deswegen hoffe ich 2019 auf etwas mehr greifbare Strukturen. 

Wenn mich mein Besuch nicht Hals über Kopf kurz vor Silvester verlässt, werde ich das mit der Lesezeit vermutlich nicht schaffen. 

Samstag, 29. Dezember 2018

Weihnachtsgeplauder Tag 3

von Anjas Bücherzimmer
Guten Morgen Buchlinge,

Tag 3 von #xmasgeplauder: Und natürlich gibt es auch heute wieder interessante Fragen für euch. HIER findet ihr die Teilnehmerliste, auf der wir euch gerne noch spontan eintragen werden.
Und natürlich haben wir auch eine Facebook Veranstaltung, in der ihr eure Beiträge zur Aktion gerne teilen dürft.
Kommen wir aber nun zu den heutigen Aufgaben:



  • Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen: Welchen Beitrag hast Du 2018 auf Deinem Kanal am besten gefallen? Welcher Beitrag kam bei Deinen Lesern am besten an?
  • Schaffst Du es, heute zwei Stunden Lesezeit unterzubringen? Erzähle uns gerne, ob es geklappt hat.
  • Suche Dir einen Kanal unserer Teilnehmerliste und verbringe dort etwas Zeit: Welcher Beitrag hat Dir bei Deiner Stöberrunde besonders gut gefallen?


Updates 

Kurz nach 9:00 Uhr:
Obwohl in ein paar Stunden mein Besuch anrückt und ich noch Kleinigkeiten vorbereiten muss, möchte ich kurz die Zeit, die ich zum wach werden brauche, dazu nutzen, die heutigen Fragen zu beantworten:

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen: Welchen Beitrag hast Dir 2018 auf Deinem Kanal am besten gefallen? 

Oh, Mann, was habe ich mir da nur für Fragen ausgedacht? In diesem Jahr sind wirklich viele Beiträge auf dem Blog erschienen, weil ich 2018 sehr viel Freizeit hatte. Im Kommenden Jahr wird sich das vermutlich wieder ändern. Einer meiner Lieblingsbeiträge ist tatsächlich das Interview mit Adriana Popescu, das ich anlässlich ihres bis dato aktuellen Jugendbuchs Mein Sommer auf dem Mond mit ihr führen durfte. 


Welcher Beitrag kam bei Deinen Lesern am besten an?

Ich habe für den Jahresrückblick, der am 04.01. erscheinen wird eine kleine Statistik vorbereitet. Dort habe ich die beliebtesten Beiträge der unterschiedlichen Kategorien aufgelistet und bin sehr gespannt, wie euch das Ergebnis gefällt. Ich hoffe also, ihr schaut zum Jahresrückblick vorbei. 
Gerade eben habe ich aber nochmal einen Blick in meine Statistiken geworfen, um euch den Beitrag zu zeigen, der in diesem Jahr insgesamt am besten ankam. Und ich bin wirklich positiv überrascht, weil es der Ankündigungspost zu meinem Adventskalender ist. Dieser Beitrag ist erst Ende November online gegangen. Also hätte ich nicht damit gerechnet, dass er es überhaupt in meine Jahresstatistik schafft. 

Die letzten beiden Aufgaben muss ich leider bis zu unserem Lesenachmittag am 01.01.19 aufschieben. Jetzt bereite ich aber noch ganz fix die Beiträge zu #xmasgeplauder für die nächsten Tage vor.

12:06 Uhr 
Ich komme tatsächlich noch dazu, kurz bei Der nasse Fisch vorbeizuschauen. Und dort wird es gerade richtig spannend. Da freue ich mich sehr, wenn ich bem Lesenachmittag weiterhören kann.
Gibt es Geschichten, die ihr in diesem Jahr unbedingt noch beenden wollt? 

Freitag, 28. Dezember 2018

Weihnachtsgeplauder Tag 2


Bild von Anjas Bücherzimmer
Guten Morgen Buchlinge, 
heute bricht also der zweite Tag unseres after-weihnachtlichen Geplauders an. Wer von euch ist neu mit dabei? 
HIER findet ihr die Teilnehmerliste, auf der wir euch gerne eintragen werden.
Und natürlich haben wir auch eine Facebook Veranstaltung, die wir spätestens zu unserem gemeinsamen Lesenachmittag beleben werden.
Bevor ich damit beginne, meine To Do Liste des heutigen Tages abzuarbeiten, werde ich noch kurz unsere heutigen Aufgaben mit euch teilen:


  • Weihnachtsrückblick Teil 2: Über welches Geschenk hast Du Dich am meisten gefreut? Sind auch neue Bücher bei Dir eingezogen?
  • Erzähle uns etwas über Deine aktuelle Lektüre: Wer ist Dein Hauptcharakter? Wie viel Zeit wirst Du heute in Deiner aktuellen Lektüre verbringen?
  • Erzähle uns etwas über Deinen Lieblingsblog, YouTube oder Instagram Kanal? Was gefällt Dir an dem Kanal?


Updates 

Kurz vor 17:00 Uhr - beendet um kurz vor 20:00 Uhr 
Ab morgen bekomme ich über Silvester Besuch. Deswegen bin ich schon den ganzen Tag damit beschäftigt, Dinge vorzubereiten. Jetzt nutze ich eine kurze Pause, um erst einmal die heutigen Fragen zu beantworten.


Über welches Geschenk hast Du Dich am meisten gefreut? 

Das ist schwer zu sagen, weil in diesem Jahr viele schöne Sachen dabei waren. Ich habe zum Beispiel zwei neue warme Schals für den Winter bekommen, die ich sicher bald einweihen werde. Isona und emion hatten zudem eine echt witzige Geschenkidee, über die ich demnächst wahrscheinlich ausführlicher berichten werde.

Sind auch neue Geschichten bei Dir eingezogen? 

Buchlinge, ihr merkt, ich habe die Frage etwas umformuliert. Wer mir auf Instagram folgt, konnte bereits ein Bild mit meinen Neuzugängen entdecken. Für euch liste ich die Hörbücher und das Buch aber gerne nochmal auf:

Hörbücher 
Hape Kerkeling - Der Junge muss an die frische Luft
Elena Ferrante - Lästige Liebe
Vanida Karun - Die kleine Sommerküche am Meer
Heidi Rehn - Das Haus der schönen Dinge
Nino Haratschiwili - Die Katze und der General
Zsu Zsa Bank - Schlafen werden wir später
Arno Geiger - Unter der Drachenwand

Bücher: Dieses Buch ist dank dem SuB Wichteln bei mir eingezogen.
Eileen Carsta - Die ferne Hoffnung


Erzähle uns etwas über Deine aktuelle Lektüre: Wer ist Dein Hauptcharakter? Wie viel Zeit wirst Du heute in Deiner aktuellen Lektüre verbringen?

Ich höre gerade Der nasse Fisch von Volker Kutscher. Hierbei handelt es sich um den ersten Band einer Krimireihe, die die Vorlage für die Serie Babylon Berlin darstellt. Und zwar begleiten wir Kommissar Rath in seinem ersten Fall dabei, wie er sich ungefragt in Mordermittlungen einmischt. Gelesen wird die Geschichte von Sylvester Groth, der mir bisher als Sprecher sehr gut gefällt. Die Folgebände der Krimireihe sind von David Nathan eingelesen worden, der wohl auch nochmal den ersten Band eingesprochen hat. 
Ich hoffe ja, dass ich heute eine halbe Stunde gemeinsam mit Kommissar Rath in Berlin verbringen kann. 


Erzähle uns etwas über Deinen Lieblingsblog, YouTube oder Instagram Kanal? Was gefällt Dir an dem Kanal?

Wenn ihr euch auf der rechten Seite umschaut, könnt ihr feststellen, dass ich ziemlich vielen BloggerInnen folge. Aber kleinlaut muss ich gestehen, dass ich nur wenige Blogs wirklich regelmäßig besuche. Früher stand ja Ankas Geblubber ganz oben auf meiner Liste. Inzwischen stöbere ich genauso gerne auf ihrem YouTube Kanal.

In den letzten Monaten habe ich den Blog Pergamentfalter betrieben von Sarah für mich entdeckt. Sie hat unter anderem ausführlich über die Einstellungen berichtet, die von Blogspot Nutzern gemacht werden müssen, damit der Blog DSGVO tauglich wird. Mir gefällt vor allem, wie Sarah Themen aufbereitet. 

Ge(h)folge Mitglied Isona lernte während ihres Studiums Lisa von Lisas Bücherleben kennen und brachte sie zum Bücherstammtisch mit. Lisa ist inzwischen Lektorin und erzählt uns auf ihrem Blog nicht nur von den gelesenen Büchern, sondern auch von ihrem Arbeitsalltag. 

Auf verschiedenen Kanälen lief ich immer wieder Frau Hemingway über den Weg. Leider muss ich gestehen, dass ich auf ihrem Bog noch nicht viel zum stöbern gekommen bin. Aber ich nehme mir vor, Frau Hemingway im kommenden Jahr öfter zu besuchen. 

Heffa Fuzzel, Bloggerin bei Secrets of Rock, gehört zu den Bloggerinnen, die ich schon am längste verfolge. Ich liebe ihre Konzertberichte und fand auch ihre Reihe, in der sie uns von ihrem Leben als Studentin berichtete, sehr interessant. 


Donnerstag, 27. Dezember 2018

Weihnachtsgeplauder Tag 1

Bild von Anjas Bücherzimmer
Hallo Buchlinge,

heute startet also die kleine nach-weihnachtliche Aktion, die ich gemeinsam mit Anja vom kleinen Bücherzimmer organisiere. Wir wollen mit euch die Zeit zwischen den Jahren verbringen, gemeinsam lesen und plaudern.
HIER findet ihr die Teilnehmerliste und den Ankündigungspost. Und natürlich haben wir auch eine Facebook Veranstaltung. Ihr könnt euch sehr gerne auch spontan zu uns gesellen. Eine Deadline für die Anmeldung gibt es nicht.
Kommen wir aber nun zu den heutigen Aufgaben.


Erzähle uns etwas über Dich: Was sollte man über Dich und Deinen Kanal wissen?

Emma: Ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus und verkünde, dass es auf meinem Blog hauptsächlich Rezensionen von Hörbüchern gibt. Wer jetzt allerdings schon das Weite suchen möchte und sich denkt, dass Hörbücher ja keine richtigen Bücher sind, täuscht sich. Schließlich handelt es sich nur um ein anderes Medium. Meine Rezensionen können also auch bedenkenlos von Buchliebhabern gelesen werden.
Außerdem werde ich viel hinter den Kulissen und gelegentlich auch auf der Bühne von meinem Ge(h)folge (meinen drei Co-Autorinnen) bei der Blogarbeit unterstützt.


Weihnachtsrückblick Teil 1: Die Weihnachtsfeiertage sind nun vorüber. Welches Deiner Geschenke kam am besten an? Was war Dein verschenktes Lieblingsgeschenk?

Emma: Ich glaube, hier decken sich die Antworten auf beide Fragen. Und zwar habe ich dieses Jahr meinen literarischen Adventskalender verschenkt. Es gab 24 Tage lang jeweils ein Kapitel auf diesem Blog zu lesen. Und ich habe die Geschichte als Hardcover Exemplar drucken lassen und an ein paar Leute verschenkt. Hier war ich wirklich etwas nervös, wie das Projekt bei den Beschenkten ankam. Aber bisher gab es nur positive Rückmeldungen.


Bist Du über die Feiertage zum Lesen gekommen? Wie viel möchtest Du heute gerne lesen?

Emma: Leider bin ich nur am ersten Weihnachtsfeiertag etwas zum lesen gekommen. Allerdings konnte mich die Geschichte nicht wirklich packen. Glücklicherweise bin ich gerade in mehreren Welten unterwegs und kann daher einfach die Geschichte wechseln. Heute möchte ich sehr gerne wieder in Der nasse Fisch von Volker Kutscher eintauchen und hoffe, dass es mit einer Stunde Hörzeit klappt.


Updates 

13:30 Uhr 
Unser Weihnachtsgeplauder ist auf allen Kanälen beworben, die ich so nutze und ich hoffe, dass noch ein paar Buchlinge von euch zu uns stoßen werden. Ansosnten muss ich kleinlaut gestehen, dass ich noch überhaupt nicht bei Herrn Rath und dem nassen Fisch vorbeigeschaut habe und mich heute Mittag auch etwas der Blogarbeit widmen sollte.
Wie sehen eure Pläne für den heutigen Tag aus?

Kurz nach 21:00 Uhr 
Oh, Mann, Buchlinge! Ich habe sehr viele Stunden des Tages damit verbracht, den Jahresrückblick fertig zu machen. Jedes Jahr nehme ich mir vor, schon während des Jahres am Beitrag zu arbeiten, damit das nicht alles auf den letzten Drücker passiert. Tja, ihr seht was aus meinen bisherigen Vorhaben geworden ist. Leider bin ich heute deswegen nicht zum Hörbuch hören gekommen, habe aber vor das morgen so gut es geht nachzuholen. Jetzt werde ich mich nur nochmal kurz mit Anja zusammensetzen, um die finalen Aufgaben für den morgigen Tag vorzubereiten.

Montag, 24. Dezember 2018

Türchen 24: Marlenes Gäste

23. Dezember 18:00 Uhr 
»Marlene! Oh mein Gott!« Die drei Suchenden waren beinahe gleichzeitig bei Marlene angekommen, die sich in den Sitz ihres neuen Rollators gekuschelt hatte. Langsam aber sicher kühlte der Sitz ab.
Da erwachte Rudy wieder zum Leben. »Gefahrenobjekt wird lokalisiert und zerstört in 5… 4…«, redete Rudy drauf los.
»Moment! Das hättest du wohl gerne. Kurt Programm beenden!«, befahl Olli schnell.
Es reichte gerade noch um von Kurt ein abgehaktes »Tschö Bro«, zu hören zu bekommen.
»Was haben Sie sich dabei gedacht?«, entfuhr es Renate.
»Oma, deine Rätsel waren auch schon mal besser«, entgegnete Lilly müde.
»Ich muss sagen, die Brille ist spitze.«


24. Dezember: 18:00 Uhr 
Marlene und ihre Gäste saßen am Esstisch, der die Hälfte des Wohnzimmers ausfüllte. Annikas Weihnachtsbaum stand auf einem kleinen Tisch in einer Ecke des Raumes.
Die Teller von Marlene und ihren Gästen waren geleert. Die Weihnachtsgans hatte vorzüglich geschmeckt. Annika und Marianne hatten drei große Teller mit den mitgebrachten Haselnussmakronen und weiteren Keksen befüllt und auf dem Tisch verteilt.
Nachdem die Gruppen inklusive Marlene, am gestrigen Abend, in der Hütte angekommen waren, hatte sich Marlene gleich verabschiedet und verkündet, dass sie ins Bett gehen müsse. Zuvor hatte sie darauf bestanden, dass man keinen Arzt einbestellte.
Und so mussten Lisas provisorische medizinische Kenntnisse und Ollis Recherchen ausreichen, um herauszufinden, ob Marlene irgendwelche bleibenden Schäden davontragen würde.
Da sie aber am nächsten Morgen beim Frühstück schon wieder kräftig fluchte und kommandierte, rechneten alle damit, dass mit Marlene alles in bester Ordnung war.
Dennoch hatte sie die meiste Zeit des Tages in ihrem Zimmer oder mit belanglosen Gesprächen verbracht und so getan, als wären sie alle zu einem ganz normalen Ausflug in der Hütte versammelt.
Ihre Gäste waren sich über Marlenes Verhalten nicht ganz einig. Harald befand, dass Marlenes Reaktion ihr gutes Recht war und sie die Ereignisse wahrscheinlich selbst erst einmal verarbeiten müsse. Die Frauen, allen voran Gerda, Marianne und Annika forderten eine Erklärung, trauten sich aber nicht, Marlene darauf anzusprechen.
Und erstaunlicherweise war es Jürgen, der die ganze Gruppe beruhigte: »Meine Mutter ist nicht blöd. Sie hat sich das Ganze sicher auch anders vorgestellt. Warten wir also bis zum Weihnachtsabend ab. Wenn sie dann immer noch so tut, als wäre nichts gewesen, werden wir mit ihr reden.«
Und so war also der Heilige Abend angebrochen. Der Tag war wie im Fluge vergangen. Die Frauen hatten das Essen zubereitet und Renate war sehr glücklich, endlich ein Stück ihrer Gans verspeisen zu können.
Als die Gäste also am Tisch versammelt saßen, hatte es erst ein bisschen gedauert, bis die Gespräche in Gang gekommen waren. Nun war die Zeit angebrochen, in der jeder seinen eigenen Gedanken nachhing, oder mit der Verdauung des Essens beschäftigt war. 
Ernst war der Einzige, der Mühe hatte wach zu bleiben. Seine Augen waren bereits halb geschlossen und er sehnte sich nach einem gemütlichen Platz am Kamin, an dem er kurz die Beine hochlegen konnte.
Da streckte Marlene ihre Hand nach dem noch nicht angerührten Wasserglas aus. »Ich befinde mich zu ihrer rechten Seite auf 01:00 Uhr!«
»Lisa! Hast du etwa Seniorengläser eingekauft? Na ja, ist ja auch egal. Ich muss mit euch reden«, ergriff Marlene das Wort.
Ihre Gäste blickten sie aufmerksam an.
»Es tut mir leid, dass ich euch so viel Ärger bereitet habe. Es war eine ziemlich blöde Idee, Herrin über mein eigenes Weihnachtsfest werden zu wollen. Ich dachte, es wäre eine nette Idee, das Fest gemeinsam mit euch zu verbringen. Und ihr habt alle so viele Potentiale, die ich nutzen wollte. Und ihr habt es einfach verdient, einen tollen Weihnachtsabend zu haben.«
»Potentiale, pah!«, grummelte Marianne und wurde von Marlene mit einem bösen Blick gestraft.
»Lilly, du bist die Einzige, die meine Rätsel annähernd entschlüsseln kann…«
»Du denkst immer, dass ich weiß, was du von mir willst. Dabei rufe ich meistens bei Marianne an und die erklärt mir dann, wie du denkst. Aber jetzt mal ehrlich: Was sollte das mit dem Adventskalender? Das mit den Symbolen habe ich ja noch verstanden«, unterbrach Lilly ihre Oma.
»Ha! Genau, das hatte ich miteinkalkuliert. Ich bin davon ausgegangen, dass meine Schwester all diese Gegenstände schon in eine richtige Reihenfolge bringt und Gerda die Hütte wiedererkennt und weiß, wo ihr hin müsst«, erklärte Marlene stolz.

»Also, hör mal! Das waren achtundvierzig Gegenstände. Als Lilly bemerkt hat, dass auch die Symbole auf der Schokolade von Bedeutung sein könnten, waren mindestens schon fünf Türchen vergangen. Und wir sind viel weniger Personen! Das übersteigt meine Kompetenzen. Entschuldige bitte, aber auch ich werde älter!«, rief Marianne aus.
»Die wesentlichen Symbole hatten einen goldenen Rahmen«, brachte Marlene zu ihrer Verteidigung vor.
Lilly und Marianne stöhnten auf.
»Du hättest Lilly mal verraten sollen, dass das Bild des Adventskalenders auch wichtig sein könnte«, meinte Gerda.
Insgeheim gefiel ihr die Botschaft, die Marlene für sie versteckt hatte. Wenn ich nur geahnt hätte, dass ihr unsere Tradition so viel bedeutet, dachte sie glücklich. »Und ich wäre nicht im Traum darauf gekommen, dass du dich daran erinnern kannst, dass wir von einem Weihnachten hier in der Hütte geträumt haben«, fügte sie anerkennend hinzu.
»Und was ist mit mir? Warum habe ich die Brille erst so spät bekommen?«, fragte Olli neugierig.
»Mir war klar, dass du, Lilly und Christian irgendwie unter einer Decke stecken werdet. Und spätestens mit der Brille hättet ihr mich dann finden sollen. Und bevor ihr fragt, die Schneeschaufel sollte ein Indiz für viel Schnee darstellen und was es mit der Fahrkarte auf sich hat, habt ihr ja zum Glück selbst erkannt«, erklärte Marlene weiter.
»Darf ich die Brille behalten?«, platzte es aus Olli heraus.
Die Gäste lachten. Inzwischen hatte jeder verstanden, dass der Junge ein waschechter Technikfan war.
»Nur, wenn du sie nicht Jo nennst«, grinste Lilly und dachte an den »Schrunk« Kurt.
»Dein Weihnachtsgeschenk ist übrigens die Anleitung«, witzelte Chris.

»Aha, und mich wolltest du also nicht an deinem Weihnachtsfest bei dir haben«, kombinierte Jürgen nüchtern.
»Ach, Jürgen«, seufzten Annika, Marina, Marianne und Marlene, weil sie befürchteten zu wissen, welcher Rattenschwanz an Gedanken diese Aussage womöglich mit sich zog.
»Junge, ich habe dir die besten Winterreifen geschenkt. Und zwar damit du dich eine ganze Weile mit deiner Adoptivschwester…«
»Schwester, wenn ich bitten darf«, wurde sie von Jürgen unterbrochen.
»… meinetwegen Schwester in ein Auto setzt und dich auf den Weg hier her begibst. Hätte ich dich nicht dabei haben wollen, wäre Annika Mitglied im Team Residenz geworden. Darauf kannst du aber wetten«, meinte Marlene vehement.
»Aha, dann kannst du uns ja jetzt mal aufklären, was für einen Text dieses ominöse Lied hat«, meinte Harald.
»Na, denk doch mal an das Fahrzeug mit dem du die Hütte erreicht hast«, gab Marlene das Rätsel zurück.
»Eine Kutsche?«, fragte Harald.
»Schlitten!«, riefen die anderen Teammitglieder der Residenz aus.
»Im Übrigen, Marlene. Wir haben nur Instrumentalversionen in unserem Foyer. Wir wollen die Hörgeräte der Bewohner nicht unnötig durcheinander bringen, wenn sie neben der Sprache noch Liedtexte auseinanderhalten müssen. Die neueren Modelle neigen nämlich dazu, den Liedtext direkt auf das Ohr zu übersetzen«, erklärte Daniel.
»Na, das hätte mir mal einer früher sagen sollen«, stöhnte Marlene auf.
»Das mit den Übersetzungen steht in dem Kaufvertrag Ihres Hörgerätes«, erklärte Olli feierlich.

»Das heißt also, die Handschuhe waren ein weiteres Indiz für kaltes Wetter«, kombinierte Marina.
»Außerdem solltest du Daniel bei der Steuerung des Schlittens behilflich sein, wenn es brenzlig wird«, ergänzte Marlene.
Den Gästen war nicht ganz bewusst, warum es dazu Handschuhe brauchte, aber diese Frage schien niemandem wichtig genug, sie auszusprechen.
»Himmel, mit deinen ganzen Erklärungen könntest du ja ein ganzes Buch füllen«, rief Marianne aus.
»Bring mich bloß nicht auf Ideen.« Marlene musterte sie augenzwinkernd.
»Ich mache die Playlist«, lächelte Marlenes Schwester zufrieden. Marlene stöhnte auf und Gerda klatschte begeistert in die Hände.
»Kurzum: Ihr habt mir mit euren ganzen Fragen meine Rede versaut, an der ich den ganzen Tag gearbeitet habe. Im nächsten Jahr werdet ihr alle eine stinklangweilige und normale Einladung zum Weihnachtsfest bekommen.« Marlene endete und griff nach dem zum Glück nicht mehr plaudernden Wasserglas.
»Und wieso zum Henker wolltest du das Weihnachtsfest an diesem Ort feiern?«, fragte Jürgen schließlich.
»Na, weil du mich dazu inspiriert hast. Als ich einmal bei dir war, hattest du diese Urlaubsbroschüre aufgeklappt. Und da war diese Hütte. Ich wusste gar nicht, dass mein Heimatort eine Option für dich und Marina gewesen wäre«, antwortete Marlene wahrheitsgemäß.
Jürgen blickte betreten zu Boden.
»Im Ernst…«, setzte Marina gerade an.
Ein Klirren ertönte und ein See aus lauwarmen Tee breitete sich auf der Tischplatte aus, dessen Ursprung ans Ernsts Platz entstanden war.
»Habe ich was verpasst?«, fragte er verschlafen.
Die Gruppe lachte.
»Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ihr mich gefunden habt. Ich wünsche uns allen einen schönen Weihnachtsabend und zwei wunderbare Feiertage.«

Und so liebe Leserinnen und Leser endet also meine chaotische, lebende Schnitzeljagd. Ich empfehle euch, dieses Projekt unter keinen Umständen im Winter zu wiederholen.

Hochachtungsvoll,

Marlene

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Foto: A. Mack
Buchlinge,
ich habe euch ja noch versprochen, das Geheimnis um mein Weihnachtsprojekt zu lüften. Und hier ist es: Auf dem Bild seht ihr mich, wie ich ein aufgeschlagenes Hardcover Buch in den Händen halte. Und zwar handelt es sich hierbei um Marlenes Geschichte. Sechs Menschen dürfen sich über ein Exemplar von Findet mich - Die lebende Schnitzeljagd freuen.
Vielen Dank, dass ihr Marlene und mich in den letzten 24 Tagen begleitet habt und auch in den Kommentaren so aktiv mit dabei wart. Die Kommentare waren für mich ein kleiner inoffizieller Adventskalender, weil ich jeden Tag aufs Neue gespannt war, wer sich zu Wort meldet. Übrigens, das Gewinnspiel läuft noch ein bisschen.
Jetzt wünsche ich euch und euren Lieben aber erst einmal ein Frohes Weihnachtsfest und hoffe, Marlenes Geschichte hat euch gefallen und ihr seid auch im nächsten Jahr wieder mit dabei, wenn sich vielleicht wieder ein Adventskalender für Euch öffnet.

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Sonntag, 23. Dezember 2018

Türchen 23: Marlenes Gäste

23. Dezember 16:00 Uhr 
»Mach so was nie wieder!« Annika fiel ihrer Tochter um den Hals.
»Tut mir leid, aber Oma hat gesagt …«
Lilly wurde von Jürgen unterbrochen: »Meine Mutter hätte ganz bestimmt nicht gewollt, dass du deine Mutter zu Tode ängstigst.«

»Hör ausnahmsweise auf deinen Onkel. Er kennt deine Oma nämlich am besten. Also wie sieht der Plan aus?«, fragte sie in die Runde.
»Es gibt keinen«, gestand Gerda.
Alle hatten sich mittlerweile in der kleinen Küche in Ernsts Haus versammelt.
Er musste die letzten Weihnachtsbäume unter die Leute bringen, hatte aber kein Problem damit, wenn die ratlosen Freunde und Angehörigen von Marlene in seiner Küche eine Lagebesprechung abhielten.
»Ich habe versucht, Marlenes Hörgeräte zu orten. Aber so wie es aussieht, funktioniert entweder die Technik nicht, oder ich habe sehr schlechten Empfang«, erklärte Olli, der wieder über ein technisches Gerät gebeugt war.
Da flog die Haustür auf und eine junge Frau stolperte hinein: »ERNST! SIE IST WEG!«
Als sie in die Küche blickte und die vielen Men-schen sah, hellte sich ihr Gesicht auf. Dann wich die anfängliche Freude Besorgnis.

»Moment mal, das heißt, Sie waren die Einzige, die von meiner Mutter eingeweiht worden war?«, fragte Jürgen skeptisch.
»Nicht ganz. Papa wusste, dass er für sie einen Weihnachtsbaum zurückhalten sollte. Und ich musste ihm Bescheid geben, dass wir die Kutsche verleihen würden. Die ist übrigens auch weg. Aber jetzt ist Marlene wirklich verschwunden. Die Hütte ist leer«, meinte Lisa resigniert.
»Die Hütte?«, fragte Lilly aufgeregt, packte ihr Smartphone aus und öffnete ein Foto des Adventskalenders.
Natürlich hatte sie die Symbole mit Marianne geteilt, in der Hoffnung, dass diese Marlenes Assoziationskette verstand. Aber die war nicht davon ausgegangen, dass auch das Hüttenbild von Bedeutung sein könnte.
Gerda stand auf und stellte sich neben Lisa, um ebenfalls einen Blick auf das Bild erhaschen zu können. Als sie den Adventskalender sah, stöhnte sie auf. »Marlene, du Fuchs«, murmelte sie.
»Genau. Ungefähr so sieht es da oben im Sommer aus. Wenn ihr wollt, kann ich euch hin bringen. Immerhin habt ihr sie ja fast gefunden. Das wäre also wohl kaum geschummelt«, erklärte Lisa und gab Lilly das Smartphone zurück.

Als sie unten am Berg angekommen waren, der zur Hütte führen sollte, fiel ihnen eine große Kutsche auf. Eine Kutsche ohne Dach.
Lisa, in deren Auto sich Lilly, Chris und Olli befanden, hupte aufgeregt, legte ein Überholungsmanöver hin und kam mit quietschenden Reifen direkt vor der Kutsche zum Stehen.
»Das muss der Rest unserer Gruppe sein!«, rief sie aufgeregt, während sie die Autotür öffnete und bereits auf die Kutsche zustürmte.
Ihr stolperte ein Mann entgegen, dessen Gesicht rot gefärbt war. Ob vor Wut oder Scham war noch nicht zu erkennen.
»S-S-Sie haben mich zu Tode erschreckt!« Er deutete auf Lisa und funkelte sie wütend an.
»Entschuldigen Sie bitte. Sie möchten doch auch zu Marlene, oder?«, fragte sie kleinlaut, als ihr bewusst wurde, welch waghalsige Aktion sie gerade vollbracht hatte.
Er nickte und zeigte in Richtung der Kutsche. Eine Frau kletterte ebenfalls hinaus.
»Geht’s noch?«, fragte sie an Lisa gewandt.
»Ich kann Ihnen erklären, wo Marlene ist. Also fast jedenfalls. Bitte fahren Sie mir nach«, meinte Lisa, wandte sich ab und ging zurück zu ihrem Auto.
Wäre sie nicht so aufgeregt gewesen, hätte sie ganz bestimmt bemerkt, dass dies alles andere als die feine englische Art war.
Daniel und Marina blickten sich fragend an, nahmen aber wieder in der Kutsche Platz und befolgten Lisas Anweisung.

»Und wo ist Marlene jetzt?«, fragte Annika besorgt, als sie alle am Esstisch in Marlenes vorübergehendem Heim Platz genommen hatten.
»Ich habe absolut keine Ahnung. Heute Morgen war sie noch da«, antwortete Lisa mit ernster Miene.
»Also, wie können wir sie finden? Vorschläge bitte!«, meinte Harald und klopfte zweimal kurz auf den Tisch, um die Sitzung zu eröffnen.
»Wir teilen uns auf. Wir haben mehrere Fahrzeuge. Zwei Gruppen gehen in den Wald und eine Gruppe bleibt hier, falls sie doch noch auftaucht«, schlug Marina vor.
Niemand hatte einen Gegenvorschlag.
»Zum ersten… zum zweiten… und zum dritten«, schloss Harald die Sitzung.

Renate, Lilly und Olli hatten sich ein Fahrzeug genommen. Olli tippte auf ein kleines Gerät, vermutlich ein »Schrunk« und murmelte etwas.
»Was?«, fragte Lilly und musste grinsen.
Ollis Gesicht bekam eine leicht rötliche Farbe und der Junge starrte weiterhin angestrengt auf das Gerät in seinen Händen.
»Das hast du gerade nicht wirklich gesagt, oder?«, bohrte Lilly weiter nach.
»Ähm…«, meinte der Junge gedehnt.
»Eingabe nicht korrekt. Bitte begrüßen Sie mich anständig«, forderte der »Schrunk«.
»Nicht lachen, sonst funktioniert die Spracherkennung vielleicht wieder nicht! Ich war jung und unerfahren, als ich mir diesen Namen ausgedacht habe«, wandte sich Olli ernst an seine Teamkolleginnen.
Er holte tief Luft und meinte: »Yo Kurt!«
Lilly prustete los.
Renate hatte die Anrede des Jungen nicht bemerkt und schien allein damit beschäftigt zu sein, das Auto durch den Wald zu manövrieren.
»Orte Marlenes Hörgeräte!«, befahl Olli.

23. Dezember: ca. 17:30 Uhr in der Hütte 
»Jetzt haben wir es wirklich ans Ziel geschafft und Marlene ist trotzdem nicht da«, grummelte Gerda.
»Tja, meine Schwester macht halt was sie will«, entgegnete Marianne.
»Noch einmal mache ich so ein Spektakel nicht mit«, erklärte Annika und stellte eine Teekanne und ein paar Tassen vor den Damen ab.
»Immerhin weiß ich jetzt, warum sie unbedingt wollte, dass ich diesen Glühwein trinken gehe«, erklärte Gerda.
Annika und Marianne blickten sie fragend an.

23. Dezember 17:45 Uhr 
Nie, nie, nie wieder entwerfe ich so einen bescheuerten Plan. Das nächste Mal starte ich meine Schnitzeljagd im Frühling. Dort ist es nämlich weder zu kalt noch zu heiß.
Inzwischen war es dunkel geworden. Obwohl mich Rudy immer noch anschwieg, hatte er zumindest die Energie aufgebracht, eine große Taschenlampe anzuwerfen.
Mich umgab jetzt also ein leuchtend weißer Kreis. Und zu allem Unglück konnte ich auch noch die Schneeflocken erkennen, die gerade vom Himmel fielen.
Wäre es nur um einen einfachen Ausflug gegangen, hätte ich diesen Anblick wahrscheinlich schön gefunden.
»Zum Glück hat Lisa kein Problem damit, wenn wir ihren Wagen nehmen.«
Jetzt geht dieses Gerede schon wieder los! Kann ich nicht einfach sterben? Muss das noch mit diesen schrägen Halluzinationen einhergehen? Leben, zieh endlich an mir vorbei, dann hört der Spuk auf, dachte ich wütend.
Immerhin war mein Sitz immer noch warm.
In der letzten Stunde hatte ich mindestens fünf Mal auf den Bildschirm getippt, in der Hoffnung, dass sich Rudy wieder beruhigen würde.
Doch bis auf die Aktivierung der Taschenlampe hatte sich nichts getan und mir wurde immer mehr bewusst, dass meine Chancen begrenzt waren, aus diesem nicht geräumten Wald wieder herauszukommen.
»Vielleicht hat sie es auch einfach bemerkt…« Das Rauschen unterbrach den Satz. Doch ich hatte die Stimme erkannt. Das war Olli.
Ich richtete mich auf und blickte mich um. Doch weit und breit war niemand zu sehen.
»Marlene? Können Sie mich hören?«, fragte er zweifelnd.
»Ja, laut und deutlich«, grummelte ich, rechnete aber nicht damit, dass das irgendetwas bringen würde.
Und tatsächlich.
Es blieb stumm.

23. Dezember um 17:50 Uhr: im Auto 
»Wie soll sie denn bitteschön bemerkt haben, dass du dich an ihren Hörgeräten zu schaffen machst? Oma hat doch wohl kaum eine technische Ausstattung mit in den Wald genommen. Sonst wäre sie doch schon längst wieder zurückgekommen«, meinte Lilly seufzend.
»Oh, Mann, Lilly! Im besten Fall kann sie uns hören«, entgegnete Olli augenrollend und fragte sich im selben Moment, ob er denn der Einzige war, der etwas von Technik verstand.
Dann hielt er kurz inne und fügte hinzu: »Da war etwas. Es war leise aber klang ziemlich genervt.«
»Klingt ganz nach Marlene«, meinten Lilly und Renate gleichzeitig.
Sie hielten an.
Olli stieg aus und sprach weiter in sein Gerät. »Folgt mir!«, meinte er, ohne aufzublicken.

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Samstag, 22. Dezember 2018

Türchen 22: Team Residenz

23. Dezember: 15:00 Uhr 
»Meinst du nicht, es wäre langsam wieder Zeit, zurückzufahren, Rudy?«, fragte ich meinen technischen Reisegefährten.
Ich hatte schon vor einer Weile auf dem äußerst bequemen Sitz Platz genommen. Er war aus Kunstleder geschaffen und enthielt auch eine eingebaute Heizung.
Die Technik hat manchmal schon was Gutes, dachte ich anerkennend.
»Rückzug wird angetreten. Bitte haben Sie etwas Geduld!«, bestätigte Rudy. Immerhin muss man mit diesem Ding nicht groß diskutieren.
Es wunderte mich, dass wir noch nicht im Schnee versanken. Ich konnte die tiefen Spuren erkennen, die Rudy zog, damit wir überhaupt durch den Wald kamen.
Glücklicherweise war ich hier in der Natur nicht mehr von merkwürdigen Stimmen umgeben.
»S-S-S-y…« Rudy brach mitten im Satz ab und begann damit, sich langsam im Kreis zu drehen. Was war denn da los?
Hoffentlich wird das nicht schneller!, dachte ich ängstlich. Ich war noch nie wirklich gut im Rodeo Reiten.
»Ist alles in Ordnung?«, fragte ich besorgt. Bitte lass es nur eine kleine Störung sein!
»Absturz«, antwortete Rudy.
Der Bildschirm wurde schwarz und das Gerät stand still. Nur die Heizung gab noch Wärme von sich.


23. Dezember 15:30 Uhr: im Dorf 
Harald hatte nicht schlecht gestaunt, als sich die Peitsche in Daniels Hand plötzlich bewegte.
»Das ist ein Zeichen!«, rief er aus.
Und da seine Mitspieler mit seiner bisherigen Leistung sehr zufrieden waren, hatten sie sich sofort darauf geeinigt, dass man erst der Peitsche nachgehen müsse, bevor man sich um eine Weihnachtsgans kümmern könne.
»Sie wird schwächer. Also drehen wir um«, kommandierte Harald. Das Vibrieren war optisch und auch akustisch kaum noch wahrzunehmen.
Harald beschlich immer mehr das sichere Gefühl, dass die Peitsche eine Art Kompass enthielt. Sie waren Marlene ganz nah.
Und tatsächlich.
Nachdem sie die eben genommene Straße verlassen hatten, wurde das Ding wieder lebendig.
»E-Es zieht mich«, stotterte Daniel hilflos. Harald hatte etwas Mitleid mit dem Pförtner. Das Unbehagen, dieses magische Ding in der Hand halten zu müssen, war ihm deutlich anzusehen.
Die Frauen wirkten nicht so, als ob sie es ihm in nächster Zeit abnehmen wollten. Und Harald brauchte beide Hände, um sich an seinem Fahrzeug festzuhalten.

»Lass dich treiben! Geh bloß nicht in den Widerstand. Das Gerät wird dir nichts tun. Es ist von Marlene«, versuchte Harald ihn zu beruhigen.
»Und genau diese Tatsache bereitet mir etwas Sorge«, gestand Renate.
»Seht ihr das Ding am Ende der Straße? Da ist etwas Rotes!«, meinte Marina und deutete gerade aus.
Die Gruppe kam gar nicht mehr dazu, ihre Frage zu beantworten.
Daniel hob vom Boden ab.
»H-Hilfe!«, kam es ihm leise über die Lippen.
Die Peitsche hielt er ausgestreckt in der Hand. Beinahe so, wie einen Zauberstab.
Daniel befand sich nur ein paar Zentimeter über den Boden aber es reichte aus, um ihn innerhalb weniger Sekunden ans Ende der Straße zu befördern.
Harald erreichte ihn als Erster.
Sie standen vor einer großen roten Kutsche, der offenbar das Dach fehlte. Am Kopfende konnte ein goldfarbener Sonnen- und im Winter wohl Schneeschutz ausgeklappt werden. Die Kutsche bot Platz für sieben Personen. Sie war aus einem stabilen Holz gebaut. Die Sitzbänke waren mit einem roten, gepolsterten Stoff bezogen.
»Da kommt man sich ja vor wie ein König«, entfuhr es Harald.
Doch ein Blick auf das Armaturenbrett, welches am Fahrersitz angebracht war, verriet ihnen, dass sie hier die neuste Technik vor sich hatten. Das Armaturenbrett enthielt auf der Fahrerseite einen Bildschirm. Auf der Seite des Beifahrers waren verschiedene Knöpfe angebracht.
Das musste eines der Geräte sein, die man auf alt getrimmt hatte, stellte Harald anerkennend in Gedanken fest. Hier hat jemand wirklich gute Arbeit geleistet.
In den Großstädten nutzte niemand diese Modelle, die nach alten Fahrzeugen aussahen. Dort interessierte man sich eher für unpersönliche und schlichte Fahrzeuge.
Die Kutsche hingegen zeigte, dass es eben doch noch verträumte Menschen auf dieser Welt gab.
Harald erinnerte sich dunkel, dass er ein ähnliches Modell vor ein paar Jahren in einer Werbung eines Schlittenherstellers gesehen hatte.
Renate und Marina stießen zu den beiden Männern. Die Peitsche lag nun ruhig in Daniels Hand.

»Und jetzt?«, fragte Daniel, der als Erster seine Sprache wiedergefunden hatte.
»Na, wir fahren Marlene besuchen«, antwortete Harald ernst.
»Wir können das Ding doch nicht einfach so mitnehmen«, warf Marina ein. Ihr Blick sagte aber, dass es sehr verlockend war, in dem Fahrzeug Platz zu nehmen.
Wahrscheinlich wollte sie tief in ihrem Inneren immer schon mal eine Prinzessin sein, lächelte Harald in sich hinein. Auch er hatte früher von einer Zukunft als Ritter geträumt.
Renate trat näher heran und warf einen Blick in das Innere der Kutsche.
»Das glaubt ihr mir nie!«, entfuhr es ihr.
Marina war sofort neben ihr und hielt einen Zettel in die Höhe, den Renate eben wohl entdeckt haben musste.
Darauf stand in Großbuchstaben:

ZU VERMIETEN!
Mit freundlichen Grüßen Lisa,
Tochter von Ernst
i.A. Marlene.

»Und wie werfen wir das Ding jetzt an?«, fragte Daniel verunsichert.
»Junge, muss man dir denn alles auf dem Tablett servieren? Wo ist deine Peitsche?«, fragte Harald ungeduldig.
Daniel hielt sie ihm entgegen.
»Marina, möchtest du uns zum Ziel steuern?«, fragte Harald.
»Meinst du denn, die Kutsche führt uns wirklich zu Marlene?«, fragte sie zweifelnd.
»Natürlich tut sie das. Sie hätte wohl kaum jemanden damit beauftragt, uns eine Kutsche zu hinterlassen, wenn es sich hier nicht um einen eindeutigen Hinweis handeln würde. Wenn wir in einer Sackgasse landen, hören wir uns halt auf dem Weihnachtsmarkt nach ihr um.« Harald hatte einen Plan.
Dann standen sie alle um die Kutsche herum. Es war anzunehmen, dass die Peitsche den Schlüssel darstellte, der die Kutsche in Bewegung bringen sollte. Doch wie sollte die Peitsche an der Kutsche befestigt werden?
»Ich glaube, ich habe da was…« Renate ließ ihren Satz unbeendet in der Straße stehen. Sie deutete auf einen schmalen Ständer, der neben dem Bildschirm klemmte.
Hätte der Ständer einen größeren Durchmesser, könnte man einen Kaffeebecher darin abstellen. Mit der momentanen Breite hatte aber höchstens ein Strohhalm oder eben eine schmale Peitsche darin Platz. Das war weit und breit die einzige Stelle, an der etwas Schlüsselähnliches angebracht werden konnte.
Daniel hielt Renate die Peitsche entgegen und sie schob den Gegenstand hinein. Alle atmeten erleichtert auf, als die Peitsche kurz aufleuchtete. Doch der Bildschirm blieb schwarz.
»Vielleicht hat jemand vergessen, die Kutsche aufzutanken. Fährt die überhaupt noch mit Benzin? Oder geht das alles nur über Strom?«, fragte Renate.
»Lass mich mal probieren.« Marina zog die Peitsche wieder heraus, steckte sie wieder hinein, doch nichts passierte.
Nachdem auch Harald sein Glück versucht hatte, blickte die Gruppe fragend in Daniels Richtung.
»Wieso soll die Kutsche ausgerechnet bei mir anspringen?«, fragte er kleinlaut.
»Weil die Peitsche dein Hinweis war und du ein verdammt guter Kutscher bist. Also mach schon«, meinte Harald.

Daniel zögerte. Er hatte keinen Führerschein. Für kein einziges Fahrzeug dieser Gegend. Nicht etwa, weil er keinen Führerschein erwerben konnte, sondern weil er Angst hatte.
Angst, dass etwas passieren könnte. Ein Unfall für den er ganz allein die Verantwortung trug. Etwas, das nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte.
»Es ist an der Zeit, dass Sie sich mal etwas zutrauen. Sie haben den Laden hier im Griff. Ohne Sie würde das Foyer wahrscheinlich nach einer alten Kloake riechen und die Wände glänzten in einer schimmligen, grünen Farbe«, hörte Daniel Marlene in seinem Kopf sagen.
Eigentlich hatte er an dieser Stelle immer lachend abgewehrt und versucht, ihr zu erklären, dass der Laden nur dank der Technik überlebte.
Doch vielleicht hatte sie Recht. Was hatte er schon zu verlieren?
Im Dorf war nicht viel los. Und wenn die Peitsche schon auf seine bloße Berührung reagierte, würde sie ihn vielleicht auch dabei unterstützen, die Kutsche zu steuern.
Er steckte die Peitsche langsam in die dafür vorgesehene Vorrichtung. Sie blinkte zweimal auf und leuchtete dann in einem schönen goldfarbenen Ton.
»Herzlich willkommen, bitte nehmen Sie nun Platz«, wurde die Reisegruppe begrüßt.
Eine kleine Treppe mit drei Stufen fuhr am Ein-gang herab und das Team Residenz stieg ein.

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Freitag, 21. Dezember 2018

Türchen 21: Team Residenz

23. Dezember: Mittags »Bitte stellen Sie sich auf die Oberfläche. Das Gerät ist nun bereit«, erklärte mir eine Kinderstimme.
Vor mir stand die neumodische Version des Rollators. Das Modell, welches ausschließlich für Schneewanderungen geeignet war.
»Solche Dinger gab es früher im Baumarkt. Nur viel breiter und länger«, hatte ich das Ding scherzhaft kommentiert, als mir Lisa das Modell präsentierte.
Es gab eine runde Fläche, die mir genügend Platz bot. Allerdings musste ich darauf achten, dass meine Füße nicht auf einem fußgroßen rot markierten Kreis standen. Falls ich doch einmal müde werden sollte, konnte hier eine kleine Sitzgelegenheit heraus gefahren werden.
»Wo zum Henker versteckt sich dieser Stuhl denn? Das Ding ist doch viel zu klein«, hatte ich vor ein paar Tagen zweifelnd gefragt.
»Magie«, antwortete sie mir damals lächelnd.
Vor mir auf Brusthöhe war eine halbrunde Stange angebracht, an der ich mich festhalten konnte. In deren Mitte befand sich der berühmt-berüchtigte »Schrunk«. Dieses kleine Gerät konnte wirklich überall eingepflanzt werden.
Anscheinend war es mit anderen technischen Geräten kombinierbar. Aber soweit waren Oliver und ich unserer Technik Nachhilfestunde noch nicht gekommen.
Nun würde ich das Ding also das erste Mal ohne Lisas Hilfe benutzen.
»Also, Rudy, wo fahren wir hin?«, fragte ich.
Lisa hatte mir erklärt, dass ich dem fahrbaren Untersatz schon einen Namen geben musste. Und Rudy schien mir bei der rotbraunen Farbe des Gerätes ganz passend.
»In die Natur«, antwortete das Gerät und wir fuhren in Richtung des nahegelegenen Waldes.


23. Dezember immer noch um die Mittagszeit 
»Meint ihr, es war wirklich in Ordnung, dass wir das Auto der Residenz mitgenommen haben?«, fragte Daniel besorgt, als sie in das kleine Dorf einbogen.
»Mach dir nicht so viele Sorgen. Die meisten unserer Bewohner können sich ein Taxi nehmen, wenn sie ihre Verwandten besuchen wollen«, antwortete Marina.
»Wo sollen wir parken?«, fragte Harald zweifelnd.
Ein Blick aus dem Fenster verriet ihnen, dass sie sich in einem Dorf befanden, dessen Straßen nicht von den Schneemassen befreit worden waren.
Zum Glück waren die Winterreifen in den letzten Jahrzehnten tatkräftig weiterentwickelt worden, sodass es während der Fahrt nicht zu Verzögerungen gekommen war und das Auto die Schneemassen im Dorf gut bewältigen konnte.
»Marlene meinte, ich finde den Typen, der meine Weihnachtsgans verwaltet auf dem Weihnachtsmarkt. Also, fahren wir doch erst einmal dort hin«, schlug Renate vor.
Alle nickten und Marina, die Fahrerin, suchte einen Parkplatz auf dem die Schneemassen nicht ganz so hoch waren.
»Hast du die Peitsche dabei?«, wendete sich Renate an Daniel.
Das Auto war abgeschlossen, Harald hatte bereits in dem neumodischen Rollatormodell Platz genommen und die Gruppe war bereit, den Weihnachtsmarkt unsicher zu machen.
Daniel nickte, zog seine Hand aus der linken Hosentasche und hielt das kleine goldene Ding bestätigend in die Höhe.
Da passierte etwas Merkwürdiges. Die Peitsche machte Geräusche.
»Hört ihr das auch?«, fragte Harald als Erster.
Und als wäre das nicht genug begann die Peitsche damit, zu vibrieren.

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Donnerstag, 20. Dezember 2018

Türchen 20: Marianne

23. Dezember 10:00 Uhr 
Heute war also endlich der Tag der Wahrheit. Ollis Signal war verstummt. Vielleicht habe ich es mir doch nur eingebildet?, fragte ich mich.
Aber das Programm hatte mir bestätigt, dass der Junge ganz in der Nähe sein musste. Zumindest war er das gestern Abend gewesen.
»Ich bringe Papa morgen mit. Er hat sicher noch einen Weihnachtsbaum für uns übrig. Und dann werden wir Weihnachten gemeinsam mit Ihnen feiern«, meinte Lisa lächelnd.
Ich sah ihr an, dass sie nicht mehr damit rechnete, dass meine Gäste ihr Ziel noch rechtzeitig erreichen würden. Sie hielt nicht viel von der neumodischen Technik geschweige denn von meiner schrägen Schnitzeljagd.
»Das wäre eine wunderbare Idee. Hast du die Einkäufe trotzdem erledigt?«, fragte ich vorsichtig.
»Natürlich. Es wäre doch ärgerlich, wenn wir nicht genügend Essen im Haus hätten. Wir sehen uns heute Abend.« Lisa winkte zum Abschied und ging hinaus.
Ich hing meinen Gedanken nach. Mein Plan war perfekt. Die Bedeutung der Hinweise war nicht einfach zu durchschauen gewesen. Und ganz bestimmt nicht eindeutig. Aber genau das sollte den Reiz an der ganzen Sache ausmachen.
Lilly hatte den wichtigsten Tipp von allen bekommen.
Gerda wollte ich mit dem Glühwein-Tipp schon mal in den richtigen Ort locken.
Marianne war für unseren Nachtisch zuständig und sollte Lilly, Annika und Jürgen mit viel Glück dabei helfen, die Symbole in eine richtige Reihenfolge zu bringen.
Jürgen sollte Annika und Lilly mit ins Dorf bringen.
Christians Hinweise verrieten ihnen, an welchen Ort sie mussten und das sie mit Schnee rechnen konnten. Und so weiter und so fort.

Doch anscheinend wollte keiner von ihnen mich finden. Oder sie waren einfach zu langsam.
Kleinlaut musste ich mir eingestehen, dass meine Rätsel auch schon mal besser waren.
Was habe ich mir nur dabei gedacht? Wahrscheinlich halten sie mich einfach nur für eine verrückte, alte Frau und hoffen, dass ich nach Weihnachten wieder auftauche, schoss es mir durch den Kopf.
Hatten ihnen die Hinweise überhaupt irgendwie geholfen? Sprachen Jürgen und Annika miteinander? Und hatten die anderen Teams auch zusammengefunden?
War Lilly darauf gekommen, dass nur Mariannes Assoziationen bei der Entschlüsselung des Rätsels helfen konnten?
Und was war mit den Mitarbeitern der Residenz? Neulich konnte ich sie noch bei ihrer Krisensitzung beobachten. Aber wo waren sie jetzt?

Meine Hoffnung war noch nicht ganz verloren. Olli musste ganz in der Nähe sein. Christian war so eine treue Seele. Er hätte seinen Freund sicher nicht alleine ins Unbekannte reisen lassen. Und immerhin hatte ich dem Jungen ja eine Fahrkarte gekauft. Und vielleicht konnten mir die beiden verraten, wie es mit den anderen Gästen aussah, falls mich Olli und Christian rechtzeitig erreichen sollten.
»… sie nicht hier ist … dann weiß…« Ich zuckte zusammen und blickte mich verwirrt um.
Das Gesagte war von einem lauten Rauschen begleitet worden.
»Lisa?« Meine Ohren pfiffen. Nein, meine Hörgeräte. Dieses Geräusch hatten sie schon seit sehr langer Zeit nicht mehr von sich gegeben.
»Quatsch, meine Schwester…« Marianne? Ja, das war meine Schwester. War sie also doch gekommen? Doch warum konnte ich sie auf so eine weite Entfernung hören?
Ganz ruhig, Marlene! Diese Hütte macht dich noch verrückt, versuchte ich mich zu beruhigen. Ich atmete tief ein und aus.
Alles wird gut! Erstmal solltest du an die frische Luft!


23. Dezember: Im Wohnzimmer von Ernsts Haus 
»… bestellt uns ganz bestimmt nicht an diesen gottverlassenen Ort, um uns dann uns selbst zu überlassen. Sie muss hier irgendwo sein. Das sagt mir mein Gefühl«, entgegnete Marianne.
»Aber wo?«, fragte Lilly.
»Lass mich nachdenken. Ich gehe zu Ernst«, beendete Marianne das Gespräch, stand auf und schnappte ihren Wintermantel. Frische Luft würde ihr bestimmt guttun. 

»Den hier hat sie für Annika zurückbehalten.« Ernst deutete auf einen kleinen Weihnachtsbaum, der ihnen bis zum Knie reichte.
Der Weihnachtsbaum stand in einem größeren Blumentopf und konnte gut auf einem Tisch platziert werden.
»Wirklich schön. Meinst du sie kommt noch?«, fragte Marianne.
Lilly hatte ihnen erzählt, dass auch ihre Mutter eine Botschaft von Marlene bekommen haben musste. Und nun kannten sie auch Annikas Hinweis.
Ernst wich ihrem Blick aus. Marianne sah sich weiter um.
In diesem kleinen eingezäunten Gebiet auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt gab es Weihnachtsbäume in verschiedenen Größen.
Die großen Bäume waren bereits an ihre Besitzer übergegangen.
Ernst hatte aber auch viele kleine Bäume, in der Größe von Annikas Exemplar, welche ebenfalls in Pflanzentöpfen standen. So konnte man die Bäume nach dem Fest wieder in der Natur aussetzen.
Mariannes Blick fiel auf das Schild am Eingang des provisorischen Ladens:

Lieber Kunde,
schön, dass Du hier her gefunden hast. Ich bin Ernst und mit mir ist nicht zu spaßen. Zumindest nicht, wenn es um den Missbrauch meiner Weihnachtsbäume geht. Also, behandle sie bitte mit Sorgfalt.
Du kannst Bäume mieten oder sie direkt bei mir kaufen. Aber egal für welche Variante Du Dich entscheidest, ehre die Natur.
Hochachtungsvoll,
Dein Ernst!

Marianne lachte herzhaft: »Dein Ernst? Seit wann wirst du so persönlich?«
»Lisa hat im Studium gelernt, dass Personalisierung das A und O ist«, murmelte der Mann.
»Ähm… entschuldigen Sie…«
Marianne wandte sich in die Richtung aus der die Stimme gekommen war.
Sie blickte in das Gesicht einer Frau, die tiefe Ringe unter den Augen hatte. Ihre Haare standen in alle Richtungen ab.
Hinter ihr war ein Mann, der sein herzhaftes Gähnen hinter einer großen Hand versteckte.
Erleichterung breitete sich bei Marianne aus. Ihr Gesicht hellte sich auf: »Annika! Jürgen!«

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Mittwoch, 19. Dezember 2018

Türchen 19: Ernst

22. Dezember: abends: Marlene
Müde ließ ich mich in mein Bett fallen. Der »Schrank« stand auf meinem Nachttisch. Es war eine gute Idee, in den Ort zu fahren. So hatte ich Ernst wiedertreffen können. Annika hatte den Weihnachtsbaum immer noch nicht abgeholt. Hoffentlich war ihr nichts passiert.
Ich griff nach dem »Schrank« und öffnete mein E-Mail Postfach. Sollte ich ihr noch einmal schreiben? Nicht, dass sie es sich anders überlegte und den Ort nicht mehr rechtzeitig erreichte.
Und Gerda … Ja, meine beste Freundin hatte wohl auch genug von meinen Rätseln. Sonst hätte sie wohl ein Gläschen Glühwein ohne mich und stattdessen auf mich trinken können. Und Marianne wäre sicher mitgekommen. Vermutlich hätte ich den beiden auch verraten sollen, dass sie im Team spielen konnten. Stattdessen vertraute ich auf ihre Fähigkeiten.
Während ich den »Schrank« auf meinem Schoß abstellte, begann er in meinen Händen zu vibrieren.
Ein Lächeln huschte über mein Gesicht. Das konnte nur eines bedeuten. Der Magnet der Brille war angesprungen. Olli war ganz in der Nähe. Also konnten Lilly, Christian und mit viel Glück auch Marianne und Gerda nicht weit weg sein.


22. Dezember: eine immer noch nicht konkret definierte Stunde am Abend 
Eigentlich war er schon mit einem Bein im Bett gelegen. Und dann setzte diese Melodie ein und die Haustür begann in voller Inbrunst den Refrain von »Knocking on Heaven’s Door« zu trällern.
Stöhnend stand er auf, suchte nach seinen Hausschuhen und rief in Richtung der Haustür: »Warteschleife!«
Die Melodie verstummte und Ernst wusste, dass ihm gerade mal zwei Minuten blieben, um zur Haustür zu kommen.
Die erste Minute verbrachte er damit, nach seinem Bademantel zu greifen und diesen über seinen Schlafanzug zu werfen.
In der zweiten Minute schlurfte er in Richtung Haustür und fragte sich, ob er den späten Besucher anbrüllen oder sein Verkäufergesicht aufsetzen sollte.
Vielleicht war das auch die Polizei. Schließlich war es kurz vor Weihnachten. Und er verkaufte immer noch Weihnachtsbäume. Es war eben eine rechtliche Grauzone mit diesen echten Bäumen.
Als er die Tür öffnete, wäre ihm Gerda beinahe in die Arme gefallen.
»Huch!«, rief diese und blickte irritiert drein. Dann huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Wahrscheinlich weil sich ihr Blick in seinem gespiegelt hatte. Was machte sie denn hier?
»Tut mir Leid für die späte Störung, Ernst. Können wir reinkommen?«, fragte sie kleinlaut.
»Wir?«, fragte er erstaunt.
»Na, du bist ja schon drin. Aber hier draußen ist es verdammt kalt!«, rief eine bekannte Stimme.
»Marianne?«, fragte er und konnte seine Verblüffung über die allzu bekannten Damen immer noch nicht verbergen.
»Die gleich vor deiner Haustür zu einer Statue einfriert, wenn du ihr nicht sofort ein warmes Plätzchen anbietest«, erklärte die Angesprochene und schob sich neben Gerda.
Ernst trat verdattert zur Seite. Marlene hat Recht! Ihr Plan scheint tatsächlich zu funktionieren, dachte er anerkennend.

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Dienstag, 18. Dezember 2018

Türchen 18: Gerda

22. Dezember morgens
Ich saß auf der Veranda meines vorübergehenden Heimes. Über der Haustür standen die Worte »Das ist das Haus vom Nikolaus« geschrieben.
Diese Hütte war die Attraktion meines Heimatortes und niemals hätte ich es mir träumen lassen, sie für mein Weihnachtsfest mieten zu können.
Was viele Bürgerinnen und Bürger für ein harmloses Strichmännchen Spiel gehalten hatten, welches sich über die Jahrhunderte bewährte, war für die Dorfbewohner Realität.
In dieser Hütte hatte tatsächlich einmal ein Mann gelebt, der die Tradition des Schenkens in das Dorf gebracht hatte. Es ist an dieser Stelle wohl überflüssig zu erwähnen, dass sein Erkennungsmerkmal eine rote Mütze mit einer weißen Umrandung war. Immer, wenn der Herr zu Hause war, hing seine Mütze am Geländer der Veranda.

Im Winter war es auf der Veranda bei weitem nicht so angenehm, wie im Sommer. Doch ich genoss die Aussicht.
Ich hatte einen perfekten Blick auf das verschlafene Dorf und konnte erahnen, an welcher Stelle unser Glühweinstand stehen musste.
Der Weihnachtsmarkt öffnete erst am Mittag. Ob ich wohl hinunter gehen sollte? Ein kleiner Spaziergang über dem Weihnachtsmarkt würde mir ganz bestimmt nicht schaden.
Und Lisa könnte mich mit in den Ort nehmen. Meine Gäste würden frühestens morgen bei mir eintreffen. Also lief ich keine Gefahr von ihnen entdeckt zu werden. 
Im Dorf kannte ich die meisten Bewohner. Sie würden mich nicht verraten.
Und ich kann herausfinden, ob Gerda ohne mich Glühwein getrunken hat. Hoffentlich mit Marianne, überlegte ich.
»Huch, Marlene, was machen Sie denn hier draußen?« Lisa zog die Haustür hinter sich ins Schloss und trat neben mich.
»Sag mal, hast du noch ein Plätzchen in deinem Auto für mich frei?«


22. Dezember im Zug kurz vor dem Zielbahnhof: Abends: »Liebe Reisende, Ihr nächstes Ziel ist in Kürze die Nummer 32 69 78. Wir bedanken uns bei Ihnen für die Reise mit der Oldtime Bahn. Wir wünschen Ihnen einen frohen Aufenthalt. Bitte beachten Sie, dass der letzte Zug in Richtung 32 68 60 den Ort Morgen Abend verlässt. In diesem Sonderzug erwartet Sie ein weihnachtliches…«
»Kann man diese nervige Ansage nicht abstellen?«, fragte ich meine Reisegefährten.
»Rein theoretisch könnte ich das schon. Aber ich glaube, dann bekämen wir ziemlichen Ärger. Außerdem ist der Zug sehr alt. Im schlimmsten Fall würde ich also für eine technische Störung sorgen«, erzählte Olli munter drauf los.
Ich mochte diesen Jungen. Bisher hatte ich nur selten die Gelegenheit gehabt, mich länger mit diesem pfiffigen Kerlchen zu unterhalten. Aber nachdem wir gestern Nachmittag unsere Reise angetreten hatten, hatte ich sehr viel von ihm gelernt.
»Habt ihr eure Sachen zusammengepackt? Vergesst bloß nichts. Die Sachen seht ihr nie wieder«, meinte Marianne an uns gewandt.
Lilly und Christian nickten. Olli hatte schon vor einer halben Stunde damit begonnen, seine technische Ausstattung sicher zu verstauen.
Nachdem die Kinder vor ein paar Tagen nahezu verzweifelt bei Marianne aufgetaucht waren, blieb uns gar nichts anderes übrig, als sie mit zu unserem Ausflug zu nehmen.
Natürlich hatten wir unseren Ausflug aufgeschoben. Das Wetter war schlecht und unsere Motivation gering. Aber nachdem wir die Kinder getroffen hatten, beschlich uns das sichere Gefühl, dass unser Fernbleiben auch gar nicht so schlimm gewesen war.
»Und wie sollen wir Marlene finden?«, fragte Lilly ratlos.
»Lass uns erst einmal aussteigen. Ich habe da schon so eine Idee«, erklärte ich zuversichtlich.
Marlene und ich waren nicht umsonst jedes Jahr aufs Neue in unseren Heimatort gekommen. Ich hatte Kontakte. Und diese wollte ich auch gleich nutzen.

Nachdem wir den eingleisigen Bahnhof verlassen hatten, übernahm ich die Führung unserer Reisegruppe. Olli trug seine schicke, orangenfarbene Brille. Lilly und Christian trugen unser Gepäck.
»Ich glaube, Marlene hat mir Müll gekauft«, gestand uns Olli, während er sich umblickte.
»Warum das denn?«, fragte ich erstaunt. Normalerweise achtete Marlene darauf, dass sie ihr Geld gut investierte.
»Die Brille stellt einfach nicht scharf… Moment!« Auf dem Gesicht des Jungen breitete sich ein Grinsen aus.
»Ich glaube, wir müssen in diese Richtung«, meinte er und zeigte in Richtung einer Nebenstraße.
»Ja, ich weiß«, entgegnete ich verwundert.
Aber woher wusste der Junge das nur? War er etwa doch schon einmal hier gewesen?

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Montag, 17. Dezember 2018

Türchen 17: Jürgen

21. Dezember 23:45 Uhr: in Jürgens Wohnung Das Weihnachtsfest rückte unaufhaltsam näher. Und ich liege hier auf meinem Sofa und starre an die Decke. In dieser ach so romantischen Zeit, dachte ich seufzend.
Die Wohnung war ruhig. Nein, das ganze Haus schwieg mich geradezu lautstark an. Das Schweigen war so penetrant, man konnte es kaum ignorieren.
Ein Schweigen, das brüllte: »Ja, Jürgen, das hast du jetzt davon. Kein Mensch hält es mit dir aus. Deine Mutter hat sich abgeseilt, Marina hat dich verlassen und deine Schwester interessiert sich nicht für dich und kommt auch ohne deine Hilfe aus. Nicht einmal die Hausbewohner können es ertragen in deiner Nähe zu sein. Du bist also ganz allein. Marina wird nie wieder…«
Doch genau an dieser Stelle würgte ich diesen, bösen Monolog meiner Gedanken ab. Das hält ja kein Mensch aus.
Eigentlich sollte dieses Jahr endlich alles anders werden. Doch nun war wieder alles beim Alten. Ich war allein. Vor Weihnachten. An Weihnachten und an den Weihnachtsfeiertagen.
Mir ging diese Nachricht meiner Mutter nicht aus dem Kopf. Lange hatte ich sie erfolgreich verdrängen können. Doch in den letzten Tagen ließen mir ihre Worte keine Ruhe.
Nein, ich würde mich ganz bestimmt nicht mit Annika in Verbindung setzen. Sie hat ein Geschenk bekommen, also muss sie sich auch melden, wenn ich es transportieren soll, schoss es mir durch den Kopf.
»Achtung, eine wichtige Nachricht ist eingegangen!«
Ich zuckte zusammen, weil mein »Schrink« das dunkle Wohnzimmer erhellte und das Ding plötzlich mit mir sprach. Ich richtete mich auf und wandte meinen Blick in Richtung des Bildschirms.
»Waas…?«, fragte ich etwas orientierungslos.
»Ich habe Sie nicht verstanden. Bitte sprechen Sie in vollständigen…«
»Nachricht wiedergeben«, unterbrach ich die Maschine genervt. Immer diese Roboter, die meinten, sie könnten unsere Sprache erhalten, in dem sie uns ständig und überall daran erinnerten, wie unschön es war, nicht in vollständigen Sätzen zu sprechen.
»Ihr Urlaub wurde erfolgreich storniert. Der Gutschein ist gestern Abend abgelaufen. Sie hätten die Reise am 24. Dezember antreten sollen. Für zwei Personen in eines der folgenden vorausgewählten Urlaubsziele Ihrer Wahl. Der Gutschein war ausgestellt auf Marina…«
»ABBRECHEN!«, brüllte ich den »Schrink« an.
Während das Programm seine Nachricht heruntergelesen hatte, waren wunderschöne Bilder eingeblendet worden.
Ein leerer Strand, an einem blauen Meer gelegen, ein kleines Ferienhaus mit einem eigenen Pool, oder – das pure Kontrastprogramm – eine Schneelandschaft. Die Kamera zoomte ran, sodass man eine Hütte erkennen konnte, die einsam und verlassen da lag. Direkt auf einem Berg. Vor einem Wald.

Alles Urlaubsziele, die ich Marina gerne vorgeschlagen hätte. Sie hätte die Reise bestimmt und ich hätte bezahlt. Ein Geschenk, das ich einer Frau noch nie zuvor gemacht hatte. Doch an eine Urlaubsreise war schon lange nicht mehr zu denken gewesen.
»Jürgen, wenn du so weitermachst, wird das nie etwas mit dir und den Frauen«, tauchte die Stimme meiner verehrten Mutter in meinem Kopf auf.
Ich stöhnte auf. Wie Recht sie doch hatte. Ich war ein hoffnungsloser, einsamer Mensch. Und das so kurz vor Weihnachten.
»Sie haben eine Nachricht erhalten! Im Eilverfahren. Diese Nachricht öffnet sich in 3…, 2…«, redete mein »Schrink« wieder auf mich ein.
Was zum Henker ist jetzt schon wieder los? 
»Jürgen? Bist du da?« Ich wurde blass.
Das war die Stimme meiner Schwester. Und sie klang gar nicht gut. Kein harter Unterton, sondern Verzweiflung schlug mir entgegen.
Etwas, das ich zuletzt bei Marina gehört hatte.


22. Dezember: 05:00 Uhr: in Jürgens Auto 
»Ich hätte nie gedacht, dass sie so etwas fertigbringt. Das kann sie mir doch nicht antun. Jetzt so kurz vor Weihnachten. Mensch, Jürgen, was soll ich denn nur machen? Und dann dieser komische Adventskalender. Da war gar nichts versteckt, außer ihrer Botschaft.«
Himmel, hat sie schon immer so viel geredet? Sonst hat sie mich immer nur mit bösen Blicken bestraft, dachte ich, während ich mich auf die Straße konzentrierte.
Die Straßen waren noch leer. Und genau das war unser Vorteil.
»Erstmal holen wir diesen Weihnachtsbaum. Vielleicht hat Lilly ja Recht und dort versteckt sich wirklich ein Hinweis. Mutter weiß doch, dass wir beide nicht viel von Rätseln verstehen. Also kann es nicht so schwierig sein«, meinte ich vorsichtig.
Hoffentlich fängt sie nicht wieder an zu weinen.
»Dieser blöde Weihnachtsbaum. Was will ich denn mit einem Baum, wenn ich Weihnachten alleine feiern muss?«, fragte Annika.
Ich schwieg.
»Ach, entschuldige bitte. Ich muss dir ja wie eine hysterische Mutter vorkommen«, meinte meine Schwester nach einer Weile.
»Du bist eine hysterische Mutter. Aber hey, wahrscheinlich würde es mir nicht anders gehen, wenn mein Kind von heute auf morgen verschwunden wäre und mir auch noch einen Auftrag hinterlässt«, kamen die Worte einfach so aus meinem Mund herausgepurzelt.
Ganz großes Kino, Jürgen. Genau das, möchte eine aufgelöste Mutter hören!
»Achtung, Achtung. Sie verlassen nun die sichere Großstadt: Machen Sie sich also auf nicht geräumte Straßen, wilde Tiere und ungeahnte Gefahren gefasst. Im Sommer können Sie von freilaufenden Melonen erschlagen, im Winter von Tannenzapfen getroffen werden. Machen Sie nur in äußersten Notfällen von dem Sicherheitspaket in Ihrem Kofferraum Gebrauch«, riet uns eine freundliche Frauenstimme.
Wir zuckten zusammen.
Freilaufende Melonen?, fragte ich mich irritiert in Gedanken.

»Ich dachte, dein Auto wäre alt und hat diese Frühwarnsysteme noch nicht«, fragte Annika unsicher.
Zum Glück will sie nicht wissen, warum das Sicherheitspaket nicht in meinem Kofferraum ist. Zu blöd auch, dass es das nur für die neueren Modelle gibt.
»Ja, das dachte ich auch. Da muss bei der Werkstatt wohl etwas schief gegangen sein. Dabei habe ich nur die Winterreifen einbauen lassen«, meinte ich und räumte damit zum allerersten Mal ein, das etwas nicht nach Plan lief.
»Wie weit ist es denn zu diesem Dorf?«, fragte Annika.
»Ach, es hängt immer davon ab, wie gut die Straßen geräumt sind. Du weißt schon, je abgelegener, desto unordentlicher. Meine Mutter liebt halt ihre Heimat. Aber keine Angst, Bären halten Winterschlaf und Marlene wird mir ja nicht umsonst Winterreifen spendiert haben«, überlegte ich.
»Haha!«, meinte Annika trocken.
Einen kurzen Moment herrschte Stille und dann sahen wir beide lachend ein, wie absurd diese Szene eigentlich war.

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Sonntag, 16. Dezember 2018

Türchen 16: Annika

20. Dezember 
»Ernst hat mir immer noch nicht Bescheid gegeben, ob Annika ihren Weihnachtsbaum abgeholt hat.«
»Der Baum steht noch an Ort und Stelle. Ich habe ihn erst heute Morgen wiedergesehen. Ich dachte, Sie hätten miteinkalkuliert, dass Annika vermutlich kurz vor knapp kommen wird«, meinte Lisa und räumte den Frischkäse, Wurst und Käse zurück in den Kühlschrank.
»Ja, natürlich. Aber so langsam wird es doch etwas knapp. Findest du nicht auch? Vielleicht hat sie meinen Hinweis auch einfach nicht verstanden. Wenn sie nicht bald vorbeikommt, könnte sie es vielleicht nicht mehr rechtzeitig schaffen«, meinte ich aufgeregt.
»Marlene, es sind noch vier Tage bis Weihnachten. In dieser Zeit kann noch so viel passieren. Möchten Sie Jürgen lieber noch ein Zeichen schicken? Annika kann gar nicht anders als mit ihm zu fahren, wenn er einfach vor ihrer Tür steht«, schlug Lisa vor.
Himmel, da kannte sie meine Kinder aber schlecht, dachte ich.
»Nein, doch nicht Jürgen. Der wird sich nie im Leben bei ihr melden. Ich weiß auch nicht. Ich will ihnen nicht zu sehr unter die Arme greifen. Sie müssen mich ja aus einem eigenen Antrieb heraus finden«, meinte ich zweifelnd.
»Ach, Marlene. Das Leben läuft nicht immer so, wie Sie es gerne hätten. Wenn die beiden bis morgen keine erkennbare Fährte aufgenommen haben, würde ich Ihnen raten, noch eine Drohne zu verschicken. Vergessen Sie nicht, Jürgen wird trotz neuster Winterreifen immer noch zwei Tage brauchen, um mit Annika und Lilly anzureisen«, erklärte Lisa schließlich.
Wahrscheinlich hatte diese Frau Recht. Eine menschliche Schnitzeljagd. Diese Idee war einfach zu verrückt. Selbst für mich.


21. Dezember: in Annikas Wohnung: viel zu spät am Abend 
Annika hielt ihre Handfläche auf das Touchpad an der Haustür, klopfte im Takt der »Indiana-Jones«-Melodie und stellte erstaunt fest, dass Lilly noch nicht zu Hause war.
Vielleicht hat sie auch einfach vergessen, mir Bescheid zu geben, dass sie wo anders übernachtet, überlegte Annika.
Es war mal wieder spät geworden. Ihr Smartphone piepte. Das war der Wecker, der sie daran erinnern sollte, eigentlich im Bett zu liegen. Zumindest einmal die Woche, wollte sie vor 23:00 Uhr zur Ruhe kommen. Das Licht in der Wohnung war ausgeschaltet.
»Lilly? Bist du da?« Doch im selben Moment wusste Annika, wie idiotisch es war, ihre Tochter zu rufen.
Die Stromrechnung war bezahlt und es gab keinen Grund für Lilly im Dunkeln zu sitzen. Wie erwartet, antwortete die Wohnung mit einem lauten Schweigen.
Annika schaltete das Licht im Wohnzimmer an und entdeckte Lillys Adventskalender auf dem Küchentisch. Der Adventskalender blinkte.
Was soll das denn?, dachte Annika erstaunt. Sie hatte eigentlich damit gerechnet, dass es sich bei dem Kalender um ein normales, nicht technisches Geschenk von Marlene handelte.
Beide waren sich einig gewesen, dass Lilly noch früh genug mit den technischen Gegebenheiten der Welt konfrontiert werden würde. Da mussten sie den Prozess nicht noch beschleunigen.
Annika zog ihr »Appgate« aus der Hosentasche.

Marlene hatte ihr vor einer Weile eines die Geräte geschenkt. »Du weißt doch, dass diese neumodischen Dinger nicht mehr abwärtskompatibel sind. Ich kann dich also nicht mehr erreichen, wenn du das >Appgate< nicht annimmst. Keine Sorge, das Ding kann praktisch nichts außer telefonieren und Nachrichten schreiben. Also kein Suchtpotenzial. Wehe, du zeigst es Lilly!«
Natürlich hatte es nicht funktioniert, das Gerät vor ihrer Tochter geheim zu halten. Aber Lilly schien sich nicht groß für das »Appgate« zu interessieren.
Vor ein paar Wochen hatte Olli eine neue Funktion auf dem Gerät installiert: »Jetzt können Sie auch Dinge abscannen. Momentan werden immer mehr Produktinformationen auf Geräten gespeichert. Das ist also nur zu Ihrem Besten«, hatte der Junge erklärt und Annika hatte ihm vertraut.
Nun näherte sie sich dem blinkenden Adventskalender. Alle Türchen waren geöffnet worden.
Also wirklich, Lilly! Normalerweise kannst du dich doch beherrschen, seufzte Annika in Gedanken.
Sie nahm das »Appgate« in die Hand, drückte zweimal hintereinander auf den unteren linken Bildschirmrand und murmelte: »Scannen!«
Dann machte sie mit dem Gerät in ihrer Hand eine Wischbewegung. Schön von oben nach unten. Als würde sie eine Tischplatte abwischen. Dabei erklang das Intro von »Final Countdown«.
»Wenn ich Ihnen ein Lied einbaue, erkennen Sie, dass das Gerät auch wirklich arbeitet«, hatte Olli erklärt. 

Nachdem der erste Teil des Intros verklungen war, wurde ein Zahlencountdown auf dem Display eingeblendet: »3…, 2…, 1…, Los«. Dann tauchte das Gesicht ihrer Tochter auf dem Bildschirm auf. Das Bild war ziemlich verwackelt.
»Hallo Mama«, begann das Mädchen. In Annikas Magen breitete sich ein ungutes Gefühl aus.
Im Hintergrund hörte sie eine mechanische Stimme: »In wenigen Minuten erreichen wir…« Die restlichen Worte konnte Annika nicht verstehen.
Sie ist in einem Zug, dachte sie sofort. Doch wie ist sie an die Fahrkarte gekommen?
»Wenn du das hier siehst, dann haben wir Oma fast gefunden. Leider darf ich dir nicht viel verraten, weil sie es mir verboten hat. Aber Marianne meint, ich darf dir einen Tipp geben. Na ja, wir sind jetzt mit Marianne und Gerda auf dem Weg nach… «, Lilly wurde unterbrochen, doch Annika konnte nicht verstehen, wer da sprach.
»Ist ja schon gut. Ich verrate schon nichts. Mama, schau dir bitte den Adventskalender an. Und lese deine E-Mails. Marlene hat dir sicher auch einen Hinweis geschrieben. Und dann schau, dass du ihren Plan in die Tat umsetzt. Ich muss Schluss machen. Wir sehen uns dann.«
Das Bild wurde schwarz und Annika blieb ratlos zurück. Ihre Tochter war weg.
Verschwunden an einen Ort, den sie nicht kannte.

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Samstag, 15. Dezember 2018

Türchen 15: Olli

Neun Tage bis Weihnachten 
»Verpatz deinen Auftritt nicht, Junge. Dein Artgenosse ist nicht so gut davongekommen«, befahl ich dem Gerät, öffnete das Fenster und schickte die Drohne nach draußen.
Schnell schloss ich das Fenster wieder.
Vor mir lag eine tief verschneite Landschaft. Ich blickte auf das Dorf hinab und hoffte, dass meine Gäste bald eintreffen würden. Reifenspuren schmückten den Weg von meiner Unterkunft zurück ins Dorf.
Heute war Olivers großer Tag. Endlich würde er seinen zweiten Hinweis bekommen. Ich wandte mich von meinem Fenster ab und setzte mich an meinen »Schrank«. Zum Glück war die Drohne mit einer »Schrunk« ausgestattet.

Ollis Zimmer: Früh am Morgen 
Kaum hatte mich der Wecker aus dem Bett geworfen, saß ich schon wieder am »Schrink«. Mit diesem Gerät konnte ich die Residenz einfach am besten überwachen.
Es ärgerte mich immer noch ein bisschen, dass ich die Tonaufnahme der zufälligen Zusammenkunft von Marlenes Freunden nicht auswerten konnte. Eigentlich hätte es mein »Schrink« locker mit der Musik aufnehmen müssen.
Aber irgendwas war faul. So als wäre das Lied absichtlich abgespielt worden. Hatte Marlene vielleicht doch ihre Finger im Spiel? Aber sie wollte doch, dass wir das Rätsel lösten, oder? Sie würde es doch nicht unnötig komplizierter machen.
Zumindest hoffte ich das.
Zu blöd nur, dass ich während der Schule keine Möglichkeit hatte, einen Blick in das Foyer der Residenz zu werfen. Und es würde zu lange dauern, das Material zu sichten, das mir während der Schulzeit entging.

Ein Hämmern ließ mich zusammenzucken. Es klang bedrohlich und fordernd. Mein Blick huschte zum Fenster. Und da war wieder eine Drohne. In Rittergestalt.
Soll ich das Ding wirklich rein lassen? Nicht, dass es diesmal hier im Raum explodiert, dachte ich ängstlich.
Ich musterte die Drohne und bemerkte, dass sie auf einem Paket stand. Es war klein und quadratisch. Langsam näherte ich mich dem Fenster und öffnete es einen Spalt breit. Kalte Luft wehte in mein Zimmer.
»Ich komme in Frieden. Post von Frau Marlene. Sie sendet einen Hinweis!«, verkündete die Drohne feierlich.
Ich gab den Weg in mein Reich frei.
Die Drohne landete auf meinem Schreibtisch und ließ sich das Paket kommentarlos abnehmen. Dann flog sie wieder in Richtung des Fensters, das noch geöffnet war und machte sich aus dem Staub.
Bevor es sich die Drohne anders überlegen konnte, schloss ich das Fenster wieder.
Die Schachtel, in der mein Hinweis versteckt war, war in Weiß gehalten. Vorsichtig klopfte ich dagegen und da öffnete sich die Schachtel wie von selbst.
Was ist das denn?, fragte ich mich. Selbstöffnende Schachteln hatte ich bisher auch noch nicht erlebt. Doch es sprang kein Gegenstand heraus.
Na, zum Glück schickt sie keinen Clown, stellte ich erleichtert fest.
Ich blickte in die Schachtel und fand zuerst ein zusammengefaltetes Blatt Papier. Als ich das Blatt auseinandergefaltet hatte, sprang mir wieder Marlenes gut leserliche Handschrift entgegen:

Lieber Olli,
du hast die Technik buchstäblich im Griff. Und genau aus diesem Grund behalte ich die Gebrauchsanweisung bei dieser Spielerei vorerst für mich. Wenn du das Gerät in seiner ganzen Bandbreite verstehen willst: Nimm es mit raus.
Bis bald
Marlene


Ich umklammerte den Brief mit einer Hand, las die letzten Zeilen und griff mit meiner anderen Hand bereits nach dem Päckchen.
Ich legte den Brief zur Seite und hielt eine Brille in den Händen. Eine Brille mit orangenfarbenen Gläsern. Eine Farbe, die sonst nur die Brillengläser von Menschen hatten, die sich gegen die Sonne abschirmen mussten.
»Was soll das denn?«, fragte ich mich laut.
Doch im Zimmer blieb es still.

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Freitag, 14. Dezember 2018

Türchen 14: Chris

Noch 10 Tage bis Weihnachten 
»Guten Morgen, Marlene. Haben Sie gut geschlafen?« Lisa hatte den Frühstückstisch schon gedeckt, als ich aus meinem Zimmer geschlurft kam.
Mich beschäftigte nur eine Frage: War die Jugend schon dahintergekommen, wohin Christians zweiter Hinweis führte?
»Ich muss gestehen, langsam werde ich etwas nervös«, erklärte ich. Wäre ich bei Sinnen gewesen, hätte ich bemerkt, dass Lisa eine ganz andere Frage gestellt hatte und meine Antwort nicht ganz passte.
»Sie werden schon alle kommen. Das Schneetreiben ist noch überschaubar«, meinte Lisa zuversichtlich.
»Um den Schnee mache ich mir gar keine Sorgen. Mein Sohn hat Winterreifen und der Rest wird mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder fahrtüchtigen Vehikeln anreisen. Ich frage mich nur, ob meine Gäste alle Puzzleteile erkennen und richtig zusammensetzen können.«
Manchmal beschlichen mich dann doch die altbekannten Zweifel an meinem eigenen Plan. Vielleicht hatte ich mich, oder besser gesagt, meine Familie und Freunde auch etwas überschätzt.
»Ich gebe zu, einfach ist es nicht. Und hier und da muss man schon sehr assoziativ denken. Aber Sie haben ihre Teams gut zusammengesetzt und ich bin mir sicher, dass Ihr Plan funktionieren wird. Spätestens, wenn Lilly, Chris und Olli verstanden haben, wen sie um Rat fragen müssen und wo die Reise hin geht, sind die Weichen gestellt«, versicherte Lisa energisch.


In Ollis Zimmer »Eine Fahrkarte? Ist das ihr Ernst?«, fragte Olli, den Blick fest auf den »Schrink« gerichtet, der vor ihm auf dem Schreibtisch stand.
Chris und Lilly saßen hinter Olli auf einem Sofa. Alle drei beobachteten das Foyer der Seniorenresidenz schon den ganzen Morgen. Bisher war noch nicht viel passiert.
Chris nickte bestätigend. Olli, der Chris Nicken natürlich nicht sehen konnte, deutete das Schweigen seines Freundes als bestätigende Antwort.
Chris blickte auf die Fahrkarte in seinen Händen. Es war schon merkwürdig genug, dass es sich um eine Papierfahrkarte handelte.
Inzwischen waren Fahrkarten nur noch auf elektronischen Geräten abgespeichert. Auch die Senioren hatten sich zähneknirschend an die neue Art der Fahrkartenausgabe gewöhnen müssen.
In Großstädten konnten sie einen lebenslangen Fahrausweis beantragen, der ihnen in Scheckkarten-format ausgehändigt worden war. So konnten viele Senioren dem elektronischen Fortschritt doch noch eine Weile entgehen.
»Irgendwann ist die Generation der Papierfahrkarten-Kenner ausgestorben. Dann wird die Produktion eingestellt«, hatte ein Verkehrsminister in einer Nachrichtensendung erklärt.
Wären die Senioren in Social Media Kanälen aktiv, hätte ihm aufgrund dieser Aussage ein Shitstorm drohen können.

Die Karte war auf den 21. Dezember ausgestellt worden. Doch Chris verstand immer noch nicht, wohin er reisen sollte und warum ihm Marlene eine Fahrkarte schenkte. Dass er Weihnachten mit ihr verbringen sollte, hatte er natürlich begriffen.
Aber nicht, warum sie ausgerechnet ihn auserwählt hatte. Schließlich kannten sie sich doch kaum.
Da die Lobby der Datenschützer in den letzten Jahrzehnten ordentlich angestiegen war, stand natürlich kein Zielbahnhof auf der Fahrkarte. Dieser war stattdessen als verschlüsselter Zahlencode auf der Fahrkarte abgebildet.
Dieser Code konnte nur von einem Schaffner ausgelesen und einer Stadt zugeordnet werden. Und zwar nachdem man den Bahnhof betreten hatte.
Der Schaffner wies den Reisenden dann den richtigen Bahnsteig zu. Deswegen wurden Fahrkarten so gut wie gar nicht mehr verschenkt. Die Menschen waren misstrauisch und begaben sich ungern auf ein unbekanntes Abenteuer.
»Kannst du nicht irgendetwas machen?«, fragte Lilly an Olli gewandt.
»Was denn zum Beispiel? Ich überwache bereits die Residenz. Beinahe hätte es im Foyer nach Chlor gerochen. Aber der Pförtner ist irgendwie dahinter gekommen und hat meine Vorschläge aus dem System entfernt. Das wäre ziemlich lustig geworden.«
Chris grinste.
»Und wir hätten fast erfahren, was Marlenes Freunde aus der Residenz planen, wenn nicht dieses Lied die Mikrofone überdeckt hätte«, fuhr Olli fort.
»Nach Chlor? Du bist genial. Marlene hätte es gefallen«, stellte Chris anerkennend fest.
»Na, zum Beispiel den Bahnhof hacken oder so was. Irgendetwas von wo aus wir auf die Datenbank mit den Zahlen und Orten zugreifen können«, beantwortete Lilly die Frage.
Woher nimmt sie nur ihre Ideen?, fragte sich Chris beeindruckt. Er hatte keine Ahnung, was Marlene von ihnen wollte. Und ohne Lilly und Olli wäre er wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, noch einmal in Marlenes Wohnung vorbeizuschauen.
»Du spinnst doch! Das ist eine Nummer zu groß für mich. Nach den Regierungsgebäuden und den Flughäfen gehören Bahnhöfe zu den sichersten Gebäuden dieser Welt. In das System komme nicht mal ich rein.«
»Und wenn wir einfach zum Bahnhof gehen und euch beiden eine Karte für denselben Ort kaufen?«, fragte Chris vorsichtig. Vielleicht ist die Idee ja ganz gut und ich kann auch mal etwas Sinnvolles zur Lösung des Rätsels beisteuern, dachte er hoffnungsvoll.
»Keine schlechte Idee. Und wer bezahlt uns das Ganze? Meine Eltern sind sicher nicht scharf darauf, wenn ich ihnen erkläre, dass ich Weihnachten dieses Jahr wohl nicht mit ihnen feiern werde«, meinte Olli. Sein Blick war weiterhin auf den Bildschirm gerichtet.

»Jetzt lass doch endlich mal diesen Bildschirm in Ruhe. Oma wird schon nicht durch die Eingangstür marschieren und verkünden, dass alles nur ein großer Scherz war«, murmelte Lilly genervt.
Olli seufzte und drehte sich zu seinen Freunden um. Chris wunderte sich, dass Olli Lillys Gemurmel überhaupt verstanden hatte. Wenn er vor Technik sitzt und ich etwas von ihm will, hört er mir nie auf Anhieb zu, dachte er bei sich.
Schweigend saßen sie sich nun gegenüber. Olli rutschte nervös auf seinem Stuhl hin und her.
Chris ahnte, dass es seinem Freund schwerfiel, den Bildschirm nicht im Blick zu haben. So als würde er die Kontrolle verlieren, dachte er.
Chris suchte nach Lillys Blick und ertappte sie dabei, wie sie aus den Augenwinkeln an Olli vorbei auf den Bildschirm starrte.
Inzwischen hatten Harald und der Pförtner den Raum betreten und saßen sich am Tresen gegenüber. Sie blickten beide auf den »Schrank« am Tresen.
»Was machen die da?«, fragte Chris.
»Sie schauen sich irgendwelche Bilder von alten Dörfern an. Keine Ahnung was das soll. Das haben sie die letzten Tage häufiger gemacht«, antwortete Olli, ohne sich wieder dem Bildschirm zuzuwenden.
Lilly murmelte etwas vor sich hin. Chris verstand nur ein paar Wörter, die »Tannenbaum«, »Fahrkarte«, oder »Plätzchen« heißen konnten. Bei dem letzten Wort begann sein Magen zu knurren.
»Meint ihr, das ist ein Zufall?«, fragte Lilly plötzlich.
»Was?«, fragten beide Jungen wie aus einem Munde.
»In Marlenes Adventskalender verstecken sich Symbole. Ihr wisst schon, wenn ich die Schokolade aus den Türchen hole. Na ja, jedenfalls waren eine Schneeschaufel und eine Fahrkarte darin abgebildet. Und auf der Schokolade verstecken sich ebenfalls Symbole«, begann sie zu erzählen.
»Was hat eine Fahrkarte mit Weihnachten zu tun?«, fragte Chris verwundert.
»Genau das habe ich mir auch gedacht. Bis du dann die Fahrkarte bekommen hast«, entgegnete Lilly.
»Welche Symbole haben sich noch in dem Kalender versteckt?«, fragte Olli neugierig.
Lilly beantwortete seine Frage.
»Das kann nur ein Zufall sein. Marlene legt klare Fährten und puzzelt nicht einfach mit irgendwelchen Gegenständen«, vermutete Olli.
»Aber was ist, wenn die Symbole doch irgendwie zusammenhängen?«, fragte Chis. Wenn Lilly schon auf so kreative Ideen kam, konnte es doch sein, dass ihre Oma noch verrücktere Einfälle hatte.
»Dann erklär mir doch mal, was eine Peitsche und ein Schlitten gemeinsam haben. Oder woher Marlene diese orangenfarbenen Brillen kennen sollte? Ich gebe ihr ja nicht umsonst Nachhilfe in Technik«, entfuhr es Olli.
Dann herrschte wieder Stille zwischen den Freunden. Je länger es andauerte, desto unruhiger wurde Chris. Gerade wollte er kleinlaut einlenken und verkünden, dass er sich nicht streiten wolle, als Lilly das Schweigen brach und mit einem Lächeln ausrief: »Ich weiß, wer uns vielleicht helfen kann.«
Die Jungen blickten sie erwartungsvoll an. Doch Lilly schwieg.
»Jetzt sag schon!«, meinte Olli aufgeregt, als beide begriffen, dass Lilly auf eine Aufforderung wartete.
»Marianne! Wenn einer all diese komischen Dinge ordnen und Omas Rätsel versteht, dann ihre Schwester.«

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