Montag, 12. November 2018

Fahrenheit 451

Bild von Diogenes Hörbuch
Steckbrief

Name: Fahrenheit 451 (auch als Buch erhältlich)
Autor: Ray Brandbury
Verlag: Diogenes Hörbuch
Geeignet für: Menschen, die gerne Dystopien lesen oder düstere Geschichten suchen
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Rufus Beck
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext

(von Diogenes Hörbuch)

"Bei 451 Grad Fahrenheit »fängt Bücherpapier Feuer und verbrennt«. In dem Staat, den Bradbury in eine nahe Zukunft projiziert, ist die Feuerwehr nicht mehr mit Wasserspritzen ausgerüstet, sondern mit Flammenwerfern, die genau diesen Hitzegrad erzeugen, um die letzten Zeugnisse individualistischen Denkens – die Bücher – zu vernichten. Da beginnt ein Feuerwehrmann, sich Fragen zu stellen…"


Meine Meinung 

Fahrenheit 451 erzählt die Geschichte des Feuerwehrmanns Guy Montag, der aber nur selten beim Vornamen und meist nur bei seinem Nachnamen genannt wird. Zu Beginn denken wir noch, dass Montag ein glückliches Leben führt: Er ist verheiratet, lebt in einem kleinen Haus, mag seine Arbeit und kommt auch mit seinen Kollegen gut aus.
Eines Tages lernt er ein Mädchen in der Nachbarschaft kennen. Ein Mädchen, das nicht wie die anderen Kinder zur Schule geht, sondern Montag Fragen stellt. Fragen, die ihm noch nie gestellt wurden und ihm zum Nachdenken anregen. 

Die Handlung von Fahrenheit 451 empfand ich als etwas wirr. Es wird schnell deutlich, dass Ray Brandbury mit seiner Geschichte sehr klare Gesellschaftskritik übt. Allerdings verzichtet er völlig darauf, den Staat, in dem Montag lebt, zu beschreiben, sondern liefert uns nur wenige Informationen, die wir für die Geschichte brauchen. Und das wäre beispielsweise die Tatsache, dass Bücher verbrannt werden und warum man Bücher als Gefahrengut erachtet. Um die Geschichte aber noch etwas besser erfassen zu können, hätte ich mir etwas mehr Wissen über die Welt gewünscht, in der Montag lebt.

Guy Montag als Protagonist ist sehr interessant: Während er am Anfang der Geschichte noch glaubt, glücklich zu sein, beginnt er sich schnell die Frage zu stellen, was Glück überhaupt ist und ob er sich wirklich glücklich fühlt. Und diese Gedanken bringen sein Leben ganz schön durcheinander. 
Spannend finde ich hier, dass Ray Brandbury seine Handlung auch auf den inneren Konflikten von Montag aufbaut und uns durch die wenigen Beschreibungen der Welt so nicht von äußeren Konflikten ablenkt. 

Kommen wir nun zur Gestaltung des Hörbuches: Als ich mit dem Hörbuch begann und nach wenigen Sekunden erkannte, dass es von Rufus Beck gesprochen wird, musste ich schon etwas schmunzeln und war gleichzeitig gespannt, wie er Fahrenheit 451 interpretiert, da es sich hier, meiner Meinung nach, nicht um ein Jugendbuch handelt. Rufus Beck transportiert diese langsame Bröckeln von Guy Montags Fassade sehr gut und lässt uns an Montags Orientierungslosigkeit und auch der Verzweiflung teilhaben. Er machte diese für mich doch etwas hohle Welt ein Stück lebendiger. 
Außerdem überzeugte mich Diogenes Hörbuch durch kleine Stilmittel. Die Geschichte war in unterschiedliche Abschnitte eingeteilt: Und zu Beginn von jedem neuen Abschnitt wurden kleinere Geräusche, wie das Knistern eines Feuers oder der Donner eines Gewitters eingeblendet. Das waren gut gesetzte Akzente, die uns die Stimmung der Geschichte noch etwas näher gebracht haben. 

Ray Brandburys Schreibstil besteht zum Großteil aus Monologen. Gedanken oder Spiralen in denen sich Montag befindet. Das Gruselige an Fahrenheit 451 war für mich, dass Aspekte in der Geschichte auftauchten, die mit viel Pech wirklich irgendwann in der Zukunft in unserer Welt eintreten könnten. Ray Brandbury erzählt hier eine Geschichte, die sich eher im Innen, als im Außen abspielt.  

Gesamteindruck 
An sich hätte ich mir in der Handlung von Fahrenheit 451 etwas mehr Struktur gewünscht. Die Konflikte, die Ray Brandbury herausgearbeitet hat, waren zwar sehr interessant, blieben für mich aber doch ungelöst im Raum stehen. 
Fahrenheit 451 kann ich allen empfehlen, die sich für eine potentielle Entwicklung unserer Gesellschaft interessieren. Obwohl die Frage, wie wir diese Entwicklung aufhalten können ungelöst im Raum stehen bleibt.

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Dieses Hörbuch habe ich im Rahmen des Buchclubs gehört. Du möchtest wissen, was es mit dem Buchclub auf sich hat? Dann schau doch einmal hier vorbei. 

Sonntag, 11. November 2018

Ich habe die englische Katze bedient - In dieser Woche beendet!

Guten Abend Buchlinge, 

heute stelle ich euch wieder zwei Hörbücher vor, die ich in dieser Woche beendet habe. Und zwar geht es um Ich habe den englischen König bedient von Bohumil Hrabal und Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden von Genki Kawamura. 



Erwähnte Hörbücher 



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Inhaltsverzeichnis 
00:00 Min: Intro 
00:36 Min: Ich habe den englischen König bedient 
01:07 Min: Ich habe den englischen König bedient Hörprobe 
02:27 Min: Meinung zum Hörbuch 
04:59 Min: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden 
05:49 Min: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden Hörprobe 
06:40 Min: Meinung zum Hörbuch 
09:59 Min: Outro 

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Freitag, 9. November 2018

Nach fast zwei Jahren werden die Fronten geklärt - Bücherstammtisch im Oktober 2018

Bild von A. Mack
Hallo Buchlinge,

auch im Buchmessen-Monat fand wieder ein Treffen des Bücherstammtisches in Freiburg statt. Und was soll ich sagen? Nach fast zwei Jahren wurden endlich unsere Fronten geklärt: Wir stellten uns unsere Lieblingsgenres vor und diskutierten über die Frage, ob wir Bücher grundsätzlich zu Ende lesen, oder ein Buch auch mal abgebrochen werden darf.





Genre Talk 

Und hier stellte sich schnell heraus, dass es in unserer Gruppe zwei Lager gab:
Die Mitglieder des ersten Lagers wollten sich nicht so recht auf ein Genre festlegen. Wozu denn auch? Schließlich gibt es eben unterschiedliche Genres, die auch alle gelesen werden wollen. Warum sollte man sich also von vorne herein einschränken?
Im zweiten Lager gab es dann eine eindeutige Tendenz, die den Titel Fantasy trug. Natürlich kamen hier auch mal Ausflüge in andere Genres vor, jedoch ist und bleibt Fantasy (vorerst) die absolute Nummer eins.


Obwohl ich eigentlich auch eher zum ersten Lager gehöre, entschied ich mich das Genre Thriller, insbesondere die Psychothriller beim Bücherstammtisch vorzustellen. Ich mag es, wenn Geschichten aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden und wir mitraten müssen, welche Perspektive nun den größtmöglichen Anteil an Wahrheit enthält.
Allerdings mag ich es nicht, wenn Autoren dem Leser Gewaltfantasien mithilfe des eigenen Kopfkinos einpflanzen, oder wenn Autoren Gewaltszenen detailliert beschreiben.
Als Einsteiger Lektüre um sich dem Genre Thriller, insbesondere Psychothriller, erst einmal anzunähern, kann ich die Fear Street-Reihe von R. L. Stine empfehlen. Der Band Das Camp gehört zwar nicht zu meinen Lieblingsbänden, steht aber stellvertretend für die Reihe. Die meisten Geschichten dieser Reihe sind in sich geschlossen. Meist erleben die Protagonisten merkwürdige Dinge, wie beispielsweise das Hören von Stimmen oder Sehen von Geistern. Und das Finale eines Buches findet in der so genannten Fear Street statt. Mein Lieblingsband der Fear Street-Reihe ist Das Verhängnis.
Ein Klassiker im Thriller Bereich sind wohl die Romane von Sebastian Fitzek. Ich habe mich diesmal für Amokspiel entschieden: Die Geschichte beginnt mit der Führung durch die Räumlichkeiten eines Radiosenders. Hier nimmt einer der Teilnehmer die Gruppe als Geisel. Er inszeniert das Ganze als schräge Spielshow: Und zwar werden wahllos Einwohner einer Stadt angerufen und müssen, wenn sie den Hörer abnehmen, einen bestimmten Spruch sagen. Wenn der Spruch nicht gesagt wird, stirbt eine Geisel.

Als es dann aber um Genres ging, zu denen wir nie greifen würden, waren wir uns dann wieder einig: Bücher mit Erotik und Bücher aus dem Bereich Horror werden nicht von uns gelesen. Meist werden in diesen Büchern Szenen beschrieben, über die wir einfach nicht mehr wissen wollen.
Außerdem stellte ich fest, dass eine Abneigung gegen ein Genre hauptsächlich darauf beruht, dass man bestimmte Vorstellungen hat, was man in diesem Genre geboten bekommt. Und wenn man sich dann eines Tages doch überwindet und sich den Vorurteilen stellen möchte, kann es einem blühen, dass man genau in diesen Vorurteilen bestätigt wird.


Bücher zu Ende lesen oder abbrechen? 

Ich konnte bei unserem Treffen feststellen, dass unsere beiden Themen für mich diesmal sehr nah beieinander lagen.
Ich kann Bücher kaum aus der Hand legen, wenn sie mich positiv überraschen, oder mich der Spannungsaufbau einer Geschichte begeistern kann.
Bücher, die ich abbreche, können mich meist von der Geschichte an sich oder einer unterwarteten Wendung nicht mehr packen. Allerdings habe ich auch Bücher abgebrochen, wenn ich mit dem Schreibstil der AutorInnen nicht zurechtgekommen bin.

Zudem stellte ich im Austausch mit den anderen Bücherstammtisch Mitgliedern fest, dass auch das Gestalten des Abbruches bei vielen von uns ähnlich aussieht: Meist werden nochmal ein paar Seiten des Endes der Geschichte gelesen, um zumindest noch einmal zu erfahren, wie die Geschichte endet.


In meinen mitgebrachten Büchern kamen genau diese beiden Aspekte zusammen: In Sommerfalle wird ein Mädchen entführt. Sie entkommt ihrem Entführer. Doch das scheint ihm nicht so viel auszumachen. Denn er verfolgt einen ziemlich schrägen Plan. Hier hat mir besonders gut gefallen, dass wir auch Kapitel aus der Sicht des Antagonisten erleben. Natürlich rechtfertigt das nicht sein Verhalten, aber es hilft etwas, um sein Verhalten nachvollziehen zu können.
Und Final Cut... Ich weiß gar nicht so recht, was ich über das Buch sagen soll. Hier führte mich der Klappentext in die Irre und machte mich neugierig auf eine Geschichte, die ich in der ersten halben Stunde des Hörbuchs leider nicht vorfand. Veit Etzold hat zwar einen tollen Schreibstil und warf mein Kopfkino unvermittelt an. Allerdings wurde hier ein Film abgespielt, den ich nicht wirklich sehen wollte.


Bücherstammtisch in Freiburg? Ich will mitmachen! 

Du kommst aus Freiburg oder der näheren Umgebung und möchtest Dich mit anderen Bücherwürmern einmal im Monat über Bücher austauschen? 

Dann bist Du hier genau richtig: Wir treffen uns einmal im Monat an einem Montag ab 17:20 Uhr vor dem Haupteingang der Buchhandlung Rombach in der Bertoldstraße in Freiburg.
Von dort aus gehen wir gemeinsam zu unserem Raum. Monatlich legen wir bestimmte Themen fest, über die wir dann bei unseren Treffen sprechen.
Auf dieser Seite findet ihr Infos zu unseren nächsten Treffen und den Themen. 

Momentan besteht unsere Gruppe aus Studierenden, ist aber für alle Altersgruppen offen. Wir reden hauptsächlich über Bücher aus der Belletristik (Unterhaltungsliteratur wie beispielsweise Fantasy, Jugendbuch, Thriller) sind aber auch offen für Bücher aus anderen Bereichen.

Um auf dem Laufenden zu bleiben, hast Du zwei Optionen: 

Mailverteiler
Du lässt Dich in den Mailverteiler eintragen. Hier lade ich regelmäßig zu den Stammtisch Treffen ein oder verschicke Umfragen, damit wir die Themen unserer Treffen festlegen können.
Den Mailverteiler führe ich über GMX: Deine E-Mailadresse wird also in meinem GMX Account im Adressbuch gespeichert, aber nur nach Deinem Einverständnis an die anderen Bücherstammtisch Mitglieder weitergegeben. 

Wir sind auch bei Facebook vertreten. Auch hier werden Einladungen und Umfragen geteilt. Ab und an bricht hier auch eine spannende Diskussion aus. 


Wir freuen uns auf Dich!

Mittwoch, 7. November 2018

* Tod unter Lametta

Bild von der Hörverlag
Steckbrief

Name: Tod unter Lametta
Autor: Kai Magnus Sting
Verlag: der Hörverlag
Geeignet für: Hörspielfans und Fans von kurzen Krimigeschichten
Gelesen oder gehört: gehört als Hörspiel
Sprecher: Kai Magnus Sting, Anette Frier, Bastian Pastewka, Jochen Malmsheimer
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext

(von der Hörverlag)

"Warten aufs Christkind mal ganz anders – ein Mordsspaß in 24 Kapiteln

Killende Weihnachtsmänner bringen in der Adventszeit 24 Leute um die Ecke: Tote werden mit Lichterketten erdrosselt, Leichen in Schneemännern versteckt, Glühwein, Gans und Knödel vergiftet. Und mittendrin Hobbydetektiv Alfons Friedrichsberg – hochintelligent, trinkt gern, isst noch lieber und hat immer das letzte Wort–, der dem mörderischen weihnachtlichen Treiben auf die Spur kommen will. Es hilft alles nichts: Um diesen Fall zu lösen, muss er ins Weihnachtskostüm springen."


Meine Meinung 

Als ich vor ein paar Wochen eine Mail von einer Mitarbeiterin von der Hörverlag bekam und die Worte Tod unter Lametta und Bastian Pastewka las, war mir schnell klar, dass dieser Titel unbedingt bei mir einziehen muss. Und mal wieder habe ich das Wort Hörspiel gekonnt überlesen und war ziemlich erstaunt, als ich dann mit der Geschichte begann.

Kommen wir erst einmal zu der Gestaltung des Hörspiels: Leider kenne ich mich in der Welt der Hörspielregisseure noch nicht so aus, glaube aber, dass Kai Magnus Sting zu den alten Hasen gehört. Zumindest hatte ich schnell den Eindruck, dass er etwas von seinem Handwerk versteht. Die Charaktere waren alle mit guten Sprechern besetzt und auch das Zusammenspiel zwischen Erzähler, Geräuschen und Dialogen unserer Charaktere war wirklich gut aufeinander abgestimmt.
Was ich bei Tod unter Lametta besonders beeindruckend fand, war wieder einmal das Stilmittel des Erzählers. Der Erzähler wird hier so eingesetzt, dass er uns eine räumliche Orientierung gibt, aber den Inhalt nicht zusammenfasst, sondern das Erzählen den Charakteren überlasst. Und hin und wieder gibt es auch eine kleine Interaktion zwischen dem Erzähler und den Charakteren, was mir sehr gut gefallen hat, weil man sich so nicht von außen gesteckten Grenzen abschrecken lässt, sondern eine Geschichte kreativ erzählt.
Der einzige Nachteil für mich war, dass das Hörspiel in einem schnellen Tempo erzählt wird. Hier konnte ich nicht viel nebenher machen, weil mich jede noch so kleine Tätigkeit von der Geschichte abgelenkt hat. 

Kommen wir nun aber zum Inhalt von Tod unter Lametta: Um die Weihnachtszeit gibt es mehrere Tote und es stellt sich die Frage, wer diese umgebracht haben soll. Und da braucht es natürlich einen Kommissar und einen Assistenten, die sich des Rätsels annehmen.
Uns erwartet hier zwar ein spannender Krimi, der auch gut aufgelöst wird, aber dennoch bleiben die Geschichte und die Charaktere sehr oberflächlich. Ich weiß nach dem Beenden des Hörspiels genauso viel über die Charaktere, wie zu Beginn der Geschichte. Allerdings hat mich das nicht groß gestört, da das Hörspiel eben unglaublich gut gestaltet ist.

Kai Magnus Sting hat mich mit seinem Schreibstil vor allem durch seine Dialoge überzeugt. Hier begegnet uns viel Witz und auch die ein oder andere schräge, aber wirklich unterhaltsame Konversation, die vielleicht entfernt an Douglas Adams Schreibstil erinnert.

Gesamteindruck
Obwohl ich nicht damit gerechnet habe, an ein Hörspiel zu geraten, bin ich wirklich positiv überrascht von Tod unter Lametta. Ich mochte die Gestaltung des Hörspiels sehr, obwohl sie meine volle Konzentration gefordert hat. Das Hörspiel empfehle ich daher vor allem erfahrenen HörspielhörerInnen oder Menschen, die vielleicht Auto- oder Zugfahrten hinter sich bringen müssen.
Tod unter Lametta ist eine kurzweilige, aber gelungene Einstimmung auf die Weihnachtszeit.

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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. 

Montag, 5. November 2018

Der 451ste Schatten des Todes an Neujahr - Hörmonat Oktober 2018

Hallo Buchlinge,

wir tun jetzt einfach mal so, als wäre heute Montag. Laut dem Datum ist das nämlich auch so. (Und da am Mittwoch bereits eine neue Rezension auf euch wartet, sieht das im Uploadplan auch schöner aus).

In meiner heutigen Podcast Folge erzähle ich euch von den Hörbüchern und dem Hörspiel, die ich im Oktober beendet habe. Und zwar geht es um: Der Tod greift nicht daneben von Jörg Maurer, Neujahr von Juli Zeh, Fahrenheit 451 von Ray Brandbury und der Hörspiel Adaption Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafon.

Wenn ihr auf diesen Link klickt, kommt ihr direkt zur YouTube Seite.
Ihr wollt den Podcast offline hören? Dann besucht mich bei SoundCloud.






Inhaltsverzeichnis

00:00 Min: Intro
01:36 Min: Der Tod greift nicht daneben
02:25 Min. Der Tod greift nicht daneben Hörprobe
05:41 Min: Meinung zum Hörbuch
08:33 Min: Neujahr
09:26 Min: Neujahr Hörprobe
16:31 Min: Meinung zum Hörbuch
19:52 Min: Fahrenheit 451
25:06 Min: Der Schatten des Windes
25:33 Min: Der Schatten des Windes Hörprobe
28:38 Min: Meinung zum Hörspiel
31:23 Min: Outro und Fragen an euch

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Bei den mit * markierten Büchern oder Hörbüchern handelt es sich um Rezensionsexemplare, die mir vom Verlag zur Verfügung gestellt wurden.

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Intro: Book Bag aus der YouTube Mediathek

Aufnahmegerät: iPhone 5s
Videobearbeitungsprogramm: Magix Video Deluxe 2016

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Freitag, 2. November 2018

5 Dinge, die ich gerne vor meinem Studium gewusst hätte - Part 4

Hallo Buchlinge,

heute werde ich euch von dem vierten Ding erzählen, das ich gerne vor Beginn meines Studiums erfahren hätte. Doch bevor wir mit dem eigentlichen Thema beginnen, weise ich wieder auf ein paar Aspekte hin:

Diese Reihe ist nicht ausschließlich für Menschen mit Behinderung gedacht, sondern richtet sich auch an angehende Studierende ohne Behinderung, oder ehemalige Studierende, die vielleicht auf ihr Studentenleben zurückblicken wollen.

Außerdem gilt:
  • Wenn ihr Fragen oder Ideen habt, über welche Themen ich in Bezug auf Sehbehinderung oder Blindheit unbedingt schreiben sollte: Lasst mir eure Ideen sehr gerne in den Kommentaren da oder schreibt mir eine Mail an EmmaZecka@gmx.de.
  • Am Ende des Beitrages findet ihr wie gewohnt eine Übersicht der letzten fünf Beiträge, die in dieser Rubrik bereits erschienen sind. Außerdem gibt es die altbekannte Info, wie sich meine Sehbehinderung im Alltag bemerkbar macht.

Aber kommen wir nun zum angekündigten Thema:


4. Dass ich viel Zeit alleine verbringen werde und es mich unabhängig machen wird

Ein kleiner Blick in Emmas Vergangenheit: Die Schulzeit
Vielleicht können sich einige von euch Buchlingen an das folgende Bild erinnern: Ihr seht Leute auf eurem Schulgelände, die immer alleine herumhängen. Vielleicht kennt ihr diese Leute flüchtig, findet sie komisch, oder denkt euch, dass es ja kein Wunder ist, dass sie immer alleine herumhängen. Oder ihr fragt euch vielleicht auch, warum sich offenbar niemand für diese Leute interessiert.
Ja, Buchlinge, auch bei mir an der Schule gab es Leute, die einen sehr einsamen Eindruck gemacht haben. Und ich habe manche von ihnen aus den Augenwinkeln beobachtet und gehofft, dass ich nicht auch irgendwann zu der Kategorie gehören würde, die allein an einem Tisch im Speisesaal sitzt, vor sich hin isst und keinen Gesprächspartner hat. Ich wollte nie in der Position sein, keine Wahl zu haben und - um beim sprachlichen Bild zu bleiben - alleine im Speisesaal essen gehen zu müssen.

Die ersten Wochen im Studium 
Die ehemaligen Studenten unter euch erinnern sich vielleicht noch an die ersten Wochen des Studentenlebens: Man irrt scheinbar verwirrt über einen fremden Campus und braucht erst einmal ein paar Wochen, um sich vor Ort zu orientieren und auch zu wissen, welche Anforderungen an einen gestellt werden. Man lernt gefühlt jeden Tag neue Leute kennen und findet schnell heraus, wer einem liegt und wen man besser meiden sollte.
Bei mir im Semester war es nicht anders. Schnell fanden sich Gruppen zusammen. Einige Gruppen änderten nach der Anfangszeit ihre Besetzung. Andere blieben das ganze Studium über beisammen und verbrachten mit Sicherheit eine schöne Zeit.

Der Alltag nach den Lehrveranstaltungen 
Schnell konnte ich feststellen, dass es nach den Lehrveranstaltungen im Grunde genauso ist, wie in der Schule. Das Ende einer Veranstaltung wird verkündet und wenige Sekunden später springen alle auf und verlassen fluchtartig den Raum. Teils lag es daran, dass man nur eine kurze Mittagspause vor der nächsten Veranstaltung zur Verfügung hatte, teils musste auch der Zug Richtung Heimat erreicht werden. Und obwohl die Bahn unpünktlich ist: Warten kann sie auch nicht.

Während viele meiner Kommilitonen in der Mittagspause in die Stadt oder in die Mensa gegangen sind, war mir das buchstäblich zu blöd:
Die Innenstadt ist mit dem Fahrrad relativ schnell zu erreichen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln muss man aber schon 15-20 Minuten einplanen (Warten auf die BAhn und Laufwege zu den Haltestellen). Also blieben mir umgerechnet nur noch 20 Minuten, um mir etwas zum Essen zu beschaffen. Da ich auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen bin, war es für mich also um einiges stressiger, für die Mittagspause in die Stadt zu fahren.
Auch ein Gang in die Mensa hätte organisatorischen Aufwand bedeutet: Ich habe Mühe, ein Tablett gerade zu halten und habe es mir auch nicht zugetraut, mich damit durch einen vollbesetzten Raum zu schieben. Außerdem ist Mensaessen teuer und nicht immer das Wahre.

Hilfe! Langeweile! 
Also verbrachte ich meine Mittagspausen meist in einem freien Raum in meiner Hochschule vor dem Smartphone und aß mitgebrachtes Essen. In den ersten Wochen war es mir noch unangenehm, alleine irgendwo herumzusitzen. Ich fragte mich, was wohl andere Leute über mich denken würden, wenn sie mich so alleine herumsitzen sahen. Hatten sie vielleicht dieselben Gedanken, wie ich zu Schulzeiten?
Aber der praktische Nutzen, eine Pause wirklich als Pause verbringen zu können und nicht von A nach B hetzen zu müssen und nichts von der freien Stunde zu haben, überwog für mich deutlich. Doch gerade in den ersten Wochen kamen mir die Mittagspausen beinahe endlos vor. Ich fragte mich irgendwann, wie ich die Zeit rumkriegen sollte.

Alleine sein als Chance
Nach und nach begann ich die Zeit, die ich alleine verbrachte, zu genießen. Ich konnte meine Gedanken schweifen lassen, über Blog- oder Schreibprojekte nachdenken, oder einfach mal an gar nichts denken. Übrigens habe ich all meine Pausen im fünften Semester - und es waren wirklich viele - beinahe nonstop mit David Nathan im fünften Band der Shadowmarch Reihe verbracht und es so geschafft, ein Hörbuch mit einer Laufzeit von 32 Stunden innerhalb eines Monats zu beenden. (Damals hörte ich noch nicht viele HÖrbücher, sodass es für mich einen kleinen Rekord darstellte).
Ich mochte es, die Pausen für mich zu haben und nicht kommunizieren oder jemandem zuhören zu müssen, sondern die Zeit so zu verbringen, wie ich es mochte, ohne jemandem verpflichtet zu sein.

Ausnahmen bestätigen die Regel!  
Aber es gab auch einige Lücken im Stundenplan, die ich in guter Gesellschaft verbracht habe. So kam es hin und wieder vor, dass ich Kommilitonen, die ich mochte, zufällig nach einer Lehrveranstaltung traf und wir so die Pause zusammen verbrachten.
Oder es gab Kommilitonen, die ich kannte, mit denen ich nach einer Pause im selben Seminar saß. Und so nutzten wir die Pause ebenfalls, um uns auszutauschen.
Und in einem Blockseminar verbrachte ich meine Mittagspause mit einer Kommilitonin, der es ähnlich ging, wie mir: Der Weg in die Stadt bedeutete mehr Stress als Vergnügen.
Für diese Begegnungen bin ich sehr dankbar und habe die gemeinsame Zeit wirklich genossen.

Und wie ist das jetzt mit der Unabhängigkeit? 
Immer wieder habe ich mich mit Kommilitonen über unsere Wahlpflichtseminare ausgetauscht, weil mich interessierte, warum sie sich für das ein oder andere Seminar entschieden hatten. Häufig bekam ich hier zur Antwort, dass es das einzige Seminar war, dass sie gemeinsam mit ihren Freunden belegen konnten. Es ging ihnen also gar nicht primär um den Inhalt, sondern mehr darum, Zeit mit Leuten zu verbringen, die sie mochten. Wenn es nebenbei noch interessante Inhalte gab, kam im besten Fall natürlich beides zusammen.

Ich konnte mich bei den Seminaren immer nach Interesse entscheiden. Und wie es der Zufall so wollte, hat es bei mir immer mit der Erstwahl geklappt, oder ich konnte ein Seminar tauschen. An sich wäre es vielleicht cleverer gewesen, sich mit Leuten zusammenzutun. Schließlich wusste ich ja nicht, welche Art der Leistungsnachweise mich in den Seminaren erwartete. Und meist handelte es sich um Gruppenreferate. Und wie ihr ja wisst, fehlte mir da der räumliche Überblick, um schnellstmöglich eine Gruppe zu finden.
Aber auch hier hatte ich Glück und konnte dank unserer Teilnehmerliste feststellen, dass ich meist 1-2 bekannte Leute in einem Seminar hatte, mit denen ich mich dann für Gruppenleistungen zusammengetan habe.
Es war ein tolles Gefühl, zu wissen, dass ich irgendwie alleine zurecht kam und nicht immer von anderen Leuten abhängig war, aber im Notfall auch immer Leute da waren, auf die ich mich verlassen konnte.

Und warum erzählst du uns das jetzt überhaupt? 
Viele Menschen haben Angst vor dem Alleinsein.
Zum einen liegt das hauptsächlich daran, dass sie sich fragen, was andere Leute über sie denken. Aber wahrscheinlich ist es den Leuten völlig egal, wie andere Leute ihre Freizeit verbringen und es ist nur eine Angst, die von euch und oder mir konstruiert wird.
Und zum anderen möchte ich mit diesem Artikel zeigen, dass Allein sein nicht ein Zeichen von Schwäche sein muss, sondern man auch gestärkt daraus hervorgehen kann. 


Und Du? 

Welche Erfahrungen hast Du im Studium gemacht?

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Die fünf letzten Beiträge dieser Rubrik
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5 Dinge, die ich gerne vor Beginn meines Studiums gewusst hätte:
1. Dass man niemals an seien Hilfsmitteln sparen sollte
3. Dass es Spaß machen kann in der ersten Reihe zu sitzen und dort immer ein Platz frei ist.

Zu meiner Person und der Sache mit der Sehbehinderung: Ich bin von Geburt an auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge hochgradig sehbehindert. Seit 2017 beträgt mein Sehrest 2%, was bedeutet, dass ich nach dem Gesetz als blind gelte. In der Praxis heißt dass: Ich...
  • Habe Mühe mich in unbekannten oder schlecht beleuchteten Räumen zu orientieren. 
  • Erkenne mir bekannte Personen nicht im Vorbeigehen. 
  • Laufe mit einem Blindenlangstock (von mir als Elderstab betitelt) pendelnd durch die Weltgeschichte. 
  • Kann keinen Blickkontakt mit meinem Gegenüber aufnehmen und mit der Mimik meines Gegenübers nichts anfangen. 
  • Kann Personen, die in unmittelbarer Nähe (linker, rechter Sitznachbar je nach Entfernung auch mein Gegenüber) erkennen, alle was darüber hinaus geht aber nicht.
Achtung: Mit den Prozenten und dem Sehrest verhält es sich sehr subjektiv. Nicht alle Menschen, die 2% sehen müssen beispielsweise einen Langstock zur Orientierung nutzen.

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