Mittwoch, 5. September 2018

Wunder

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HörbuchHamburg
Steckbrief

Name: Wunder (auch als Buch, Film erhältlich)
Autor: Raquel J. Palacio
Verlag: HörbuchHamburg
Geeignet für: Kinder, und Menschen, die gerne Geschichten fürs Herz mögen
Gelesen oder gehört: gehört in gekürzter Fassung
Sprecher: Andreas Steinhöfel, Sascha Icks, Birte Schnöink, Hans Löw, Mirco Kreibich, Julia Casper, Nina Petri, Boris Aljinovic
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von HörbuchHamburg)

"Der zehnjährige August leidet an einem Gendefekt. Sein Gesicht ist stark entstellt, seit seiner Geburt musste er oft operiert werden. Eine Schule hat er nie besucht. Trotzdem ist August es gewöhnt, angestarrt zu werden. Und jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. Natürlich ist es sein sehnlichster Wunsch, dort nicht weiter aufzufallen. Doch das ist gar nicht so leicht, wenn man so witzig, klug und großzügig ist wie August. Ein unvergesslicher Roman über einen ganz besonderen Helden."


Meine Meinung

Buchlinge, zuerst einmal möchte ich eine kleine Warnung aussprechen: Obwohl die Geschichte im letzten Jahr mit einer ziemlich guten Besetzung in den Kinos zu sehen war, gestaltete es sich als wirklich schwierig an das Hörbuch zu kommen. Sowohl Thalia als auch meine Lieblingsbuchhandlung hatten das Hörbuch nicht mehr vorrätig. Deswegen habe ich mich kurzerhand entschlossen, die Geschichte direkt beim Verlag zu bestellen, was auch ganz gut geklappt hat. Einziger Nachteil: Der Preis von 19,99 Euro, der auf der Verlagsseite angegeben ist, scheint nicht mehr aktuell zu sein und ich musste so nur 14,99 Euro bezahlen. Ich verstehe nicht ganz warum, wollte es aber mal an dieser Stelle erwähnen.
Kommen wir aber nun zu meiner Rezension.

Gestaltung
Wunder war eines der ersten Hörbücher mit mehreren Sprechern bei dem mir die meisten Namen etwas sagten. Allerdings musste ich nach Beginn der Geschichte sehr schnell feststellen, dass ich einige Namen auf dem Papier zwar kannte, aber nur zwei Sprecher in der Geschichte dem richtigen Charakter zuordnen konnte.
Gerade, weil Wunder so gut besetzt war, habe ich mich richtig auf die Lesung gefreut und wurde nicht enttäuscht. Hin und wieder kommt es bei Hörbüchern mit mehreren Sprechern vor, dass mir 1-2 Sprecher positiv auffallen oder auch ein paar schwächere Sprecher dabei sind. Hier hingegen haben alle Sprecher gut miteinander harmoniert und es gab keine Perspektive, die mich langweilte oder meiner Meinung nach schwach interpretiert wurde.
Etwas ungewohnt war allerdings, dass zwei der Perspektiven aus der Sicht von zehn-, bzw. elfjährigen Jungen erzählt werden und die Stimmen dort etwas alt klangen, aber dennoch gut gelesen wurden.

Wunder ist in einer gekürzten Fassung produziert worden. Aber auch hier hatte ich nicht den Eindruck, dass viel vom Inhalt fehlt, wobei mich natürlich schon interessierte, welche Teile gestrichen wurden.
Da bei Wunder viele Sprecher im Einsatz waren, hätte ich es sinnvoll gefunden, wenn man im Intro erwähnt hätte, wer wen spricht. Aber auch ohne diese Information bekommt Wunder bei der Bewertung im Punkt Gestaltung den vollen Punkt.

Inhalt
Was den Inhalt betrifft, bin ich etwas hin- und her gerissen. Wenn man Wunder als fiktive Geschichte behandelt, in der es um einen Jungen geht, der sich ein normales Leben wünscht, ist die Handlung geglückt und gut umgesetzt worden. Es werden viele zentrale Themen rund um das Thema Behinderung oder Erkrankung angesprochen, wie beispielsweise: Das ständige unfreiwillige im Mittelpunkt stehen, sowohl direktes als auch indirektes Mobbing oder die Frage, wie man mit einer Behinderung oder Erkrankung umgeht.

Und damit diese Themen möglichst gut dargestellt werden, wird in Wunder die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. So kommt nicht nur Protagonist August zu Wort, sondern auch seine Schwester Via und zwei seiner neuen Freunde oder auch der ein oder andere Lehrer. All diese Personen bringen eine neue Sichtweise in die Geschichte ein. Aspekte, die alle etwas mit August zutun haben, aber die auch den jeweiligen Charakter, seine Gedanken, Wünsche und Hoffnungen hervorheben. Und um all das wird eine Rahmenhandlung gesponnen: Nämlich Augusts erstes Schuljahr an einer normalen Schule.

Dann habe ich mich aber auch gefragt, was uns Wunder sagen möchte. Geht es hier wirklich nur um die Geschichte eines fiktiven Jungen? Oder möchte die Autorin auf Aspekte aufmerksam machen, die es in der Realität gibt. Und wenn man die Geschichte mit der Realität vergleicht, weist sie leider große Schwächen auf. Hier und da wird es nämlich idealtypisch. Raquel J. Palacio erzählt hier eine Geschichte, in der es August nicht leicht hat. Aber es scheint so, als ob es für jedes Problem dann doch eine Lösung gibt. Und genau diesen Aspekt erleben viele Kinder und Jugendliche mit Behinderungen an einer Regelschule nicht unbedingt. Sie werden von Mitschülern ausgeschlossen, haben mit überforderten Lehrern zu tun und müssen sich die Frage stellen, ob es all das wirklich wert ist, nur um später sagen zu können, dass sie eben eine normale Schule besucht haben. Und das war der Aspekt, der mich massiv an der Geschichte gestört hat. Natürlich hat es mich für unseren fiktiven Charakter August gefreut, dass es ihm mehr oder weniger gut erging. Aber ich fragte mich auch, ob Menschen so nicht einen völlig falschen Eindruck bekommen, was es bedeutet sich mit einer Behinderung und sozialen Gruppen auseinandersetzen zu müssen.

Kommen wir zum Schluss noch zu ein paar unserer Charaktere: Protagonist August bringt seine Situation in einfachen Worten auf den Punkt. Es wird deutlich, dass er seine Situation für sein Alter gut und realistisch einschätzen kann.
Besonders beeindruckt haben mich aber auch zwei andere Perspektiven:
Zum einen die Perspektive aus der Sicht von Augusts Schwester Via, die deutlich macht, dass sie ihren Bruder zwar liebt, aber dass es eben nicht immer einfach ist, selbst an zweiter Stelle zu stehen, obwohl sie den Grund dafür erkennen und akzeptieren kann.
Zum anderen die Perspektiven aus der Sicht von zwei Freunden von August. Freunde, die er erst in der neuen Schule kennengelernt hat. Menschen, die zu Beginn des Schuljahres August gegenüber Vorurteile hatten und die diese nach und nach abbauen und August als Menschen sehen und für sich gewinnen konnten.

Schreibstil
Raquel J. Palacio erzählt die Geschichte wie bereits erwähnt aus mehreren Perspektiven. Die meisten Handlungsstränge werden aus der Sicht von Kindern erzählt, weswegen der Schreibstil verhältnismäßig einfach gehalten ist. Allerdings stecken in den Gedanken der Kinder sehr viel Wahrheit und bewegende Gedanken, die man erst einmal verdauen muss. Und gerade da tat es gut, dass der Schreibstil so einfach gehalten und nicht beispielsweise sprachlich bunt ausgeschmückt wurde. Schon allein die Gedanken an sich boten hier nämlich genug Stoff zum Nachdenken.
Dennoch sorgte die Autorin auch dafür, dass der Hörer viele lustige Momente mit den Charakteren erlebte und es so auch etwas zum Lachen gab.
Mit ihrem Schreibstil spricht Raquel J. Palacio also nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene an.

Gesamteindruck
Ich muss gestehen, dass meine Erwartungen an Wunder von vorne herein schon etwas höher waren. Wahrscheinlich lag das auch mitunter daran, dass ich mir von der Lesung sehr viel erhoffte.
Nun kann ich sagen, dass meine Erwartungen fast erfüllt wurden. Wunder erzählt die Geschichte eines Jungen, der so gut es eben geht, ein normales Leben führen möchte. Und wir dürfen ihn eine Zeit lang auf diesem Weg begleiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass Wunder einigen Menschen viel Kraft gibt. Allerdings hoffe ich auch, dass die Leser und Hörer dieser Geschichte die fiktive Handlung nicht mit der Realität verwechseln.

Dennoch kann ich zusammenfassend sagen, dass ich dieses Hörbuch weiterempfehlen kann.

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