Dienstag, 25. September 2018

* Verstand und Gefühl

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Argon Verlag
Steckbrief 

Name: Verstand und Gefühl (auch als Buch erhältlich)
Autor: Jane Austen
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Austen-Fans, Leser von Liebesromanen
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Eva Mattes
Bewertung: 2,5 von 5 Punkten


Klappentext 


"Elinor und Marianne Dashwood sind so verschieden, wie zwei Schwestern nur sein können: während die eine diszipliniert und vernünftig ist, handelt die andere emotional und impulsiv. Dennoch verbindet beide das scheinbar ausweglose Schicksal, sich im England des achtzehnten Jahrhunderts den gesellschaftlichen Zwängen unterwerfen und auf ihre große Liebe verzichten zu müssen...
Jane Austen ist auch fast zweihundert Jahre nach ihrem Tod eine der weltweit beliebtesten und meistgelesenen Autorinnen. Ihre erzählerische Brillanz, ihre feine Ironie und souveräne Menschenkenntnis haben ihre Werke in den Rang der Weltliteratur erhoben. Auch in diesem Roman verbindet Jane Austen auf eindrucksvolle Weise realistische Beschreibungen ihrer Zeit mit der detaillierten Darstellung der Gefühlswelten der beiden Hauptfiguren."


Meine Meinung 

Wie der Klappentext bereits erwähnt, geht es bei Verstand und Gefühl um die beiden Schwestern Elinor und Marianne. Elinor und Marianne sind beide im heiratsfähigen Alter und so stellt sich die Frage, welche Männer für die Schwestern geeignet sind. Geht es wirklich um Liebe? Oder hauptsächlich darum, finanziell abgesichert zu sein?

Elinor handelt zwar nach außen hin vernünftig und schafft es, ihre Gefühle vor ihrer Familie zu verbergen. Dennoch heißt es nicht, dass sie in der Geschichte nicht leidet.
Marianne hingegen wird als emotional beschrieben. Emotional meint in diesem Sinne zum einen ausgelassen und fröhlich aber  zum anderen auch tief traurig und verletzt. Da Marianne sich sehr auf ihre Emotionen verlässt, bereitet es ihr Mühe Schicksalschläge zu verarbeiten und nach außen hin zu funktionieren.

Das Schöne an Verstand und Gefühl ist, dass wir wissen, dass Jane Austen zu der Zeit gelebt hat, in der ihre Geschichte auch spielt. Wir haben hier also eine Autorin, die die Konflikte und Gedanken der damaligen Gesellschaft aus erster Hand erzählt und nicht jemanden, der viel recherchieren musste, um einen  historischen Roman schreiben zu können.

Dennoch war und ist mein größtes Problem an der Geschichte, Jane Austens Schreibstil. Einerseits war es spannend zu lesen, wie Literatur im 18. Jahrhundert erzählt wurde und was die LeserInnen damals anscheinend anzog. Andererseits fand ich den Schreibstil unglaublich langatmig und beschreibend. Mit beschreibend meine ich, dass Austen uns das Gefühlsleben unserer Charaktere vorkaut. Sie schlüpft hier in die Rolle der allwissenden Erzählerin und schmückt diese Rolle auch bis ins kleinste Detail aus. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist uns zu erklären, wie oder was ein jeweiliger Charakter denkt, dann schafft sie einen Dialog in dem zwei Personen das Verhalten von einer dritten Person erörtern und darüber referieren, für welche Option man sich am besten entscheiden sollte.

Natürlich gab es einen Spannungsbogen, weil die Frage im Raum stand, ob Elinor und Marianne einen passenden Partner finden. Aber dennoch fehlte mir der Aufbau des Spannungsbogens, weil mir gefühlt alle Informationen mehr oder weniger direkt geliefert wurden und ich als Leser überhaupt nicht mitraten musste.

Was mir dennoch sehr gut an der Geschichte gefiel, war die Hörbuchgestaltung. Als ich hörte, dass Eva Mattes das Hörbuch liest, war ich sehr angetan und freute mich auf die Lesung. Eva Mattes hat es dann geschafft, mir ein paar Aspekte der Geschichte näherzubringen, die ich beim Anlesen der Buchausgabe nicht wahrgenommen habe.
Zum einen hat sie anhand ihrer Interpretation von verschiedenen Nebencharakteren gezeigt, welche Eigenschaften diese Charaktere mit sich bringen und ob diese von unseren Protagonistinnen geschätzt oder eher verachtet werden. Außerdem gab es immer wieder Situationen, in denen mir nicht klar war, ob das gerade Geschehene gut oder schlecht war. Eva Mattes brachte durch ihre Betonung für mich etwas Licht ins Dunkle. Verstand und Gefühl war das zweite Hörbuch, welches ich von der Sprecherin hörte. (Die neapolitanische Saga fasse ich mal als eine Geschichte zusammen, da sie ihre Interpretation im Wesentlichen nicht ändert). Deswegen fand ich es spannend, Eva Mattes einmal in einer anderen Geschichte zu erleben. Sie passt sich gut der Atmosphäre der Geschichte an. Wenn es lebhaft wird und es einen Grund zu feiern gibt, liest sie schneller. Wenn unsere Charaktere eine schlechte Nachricht bekommen haben, liest sie langsamer und weicher.

Gesamteindruck
Ich fand es spannend, eine Geschichte zu lesen, die von einer Frau geschrieben wurde, welche auch zur damaligen Zeit lebte, in der die Geschichte gespielt hat. Dennoch empfand ich Jane Austens Schreibstil als unglaublich ermüdend und verstand zum ersten Mal das Leid der Schüler, die im Deutsch- oder bei Austen wohl eher Englischunterricht, Texte interpretieren mussten, über die es einfach nichts zu sagen gibt.

Wäre Eva Mattes nicht gewesen, hätte ich mich wahrscheinlich nicht an das Hörbuch getraut. Die Sprecherin hat es geschafft, mich bei Laune zu halten und dafür zu sorgen, dass ich das Hörbuch noch beendet habe.

Allen, die Probleme mit Klassikern und älterer Sprache haben, kann ich nur empfehlen, sich einen Klassiker als Hörbuch anzuhören.

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* Dieses Hörbuch wurde mir vom Argon Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

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