Samstag, 29. September 2018

Barrierefrei auf die Frankfurter Buchmesse? Das geht!

Stand: September 2019

Bild von Frankfurter Buchmesse


Hallo Buchlinge,

habt ihr eine Behinderung und wollt Veranstaltungen wie beispielsweise die Frankfurter Buchmesse besuchen und fragt euch, ob das mit eurer Behinderung überhaupt realisiert werden kann?

Oder habt ihr keine Behinderung, interessiert euch aber allgemein für das Thema Barrierefreiheit auf der Frankfurter Buchmesse? Dann seid ihr an dieser Stelle richtig.

Dieser Artikel ist in drei Themenbereiche aufgeteilt:
Im ersten Teil informiere ich euch erst einmal über die wichtigen Dinge, die ihr wissen solltet, wenn ihr die Frankfurter Buchmesse besuchen wollt wie z.B. Eintrittspreise, den Rollstuhlverleih oder wie die Räumlichkeiten vor Ort sind.

Im zweiten Teil benenne ich dann wichtige Fragen, die ihr bedenken solltet, wenn ihr eine Behinderung habt und die Frankfurter Buchmesse besuchen sollt. Hier findet ihr beispielsweise auch Informationen, wie ihr an eine Assistenz kommen könnt.

Im dritten und letzten Teil gibt es dann zwei Erfahrungsberichte für euch: Zum einen erzählt euch Raphael, wie er seinen ersten Messebesuch erlebt hat und warum es sich für ihn gelohnt hat, die Buchmesse zu besuchen, obwohl er optisch nichts von der Veranstaltung wahrnehmen konnte.
Zum anderen schreibe ich noch ein paar Sätze über das Thema Sehbehinderung und Frankfurter Buchmesse.

Eigentlich wollte ich euch noch einen dritten Erfahrungsbericht eines Rollstuhlfahrers bzw. einer Rollstuhlfahrerin zeigen. Allerdings habe ich leider keine RollifahrerInnen in meinem Bekanntenkreis.
Falls ihr also RollifahrerInnen seid, die Buchmesse regelmäßig besucht und von euren Erfahrungen berichten wollt: Schreibt mir sehr gerne eine Mail an EmmaZecka@gmx.de dann füge ich euren Bericht nachträglich in den Artikel ein. Natürlich könnt ihr auch gerne die Kommentarfunktion nutzen, um dort von euren Erfahrungen zu berichten.

Ihr verfolgt meine Rubrik Ge(h)brechen schon länger und es gibt dieses eine Thema, das ich bisher noch nicht behandelt habe, über das ihr aber unbedingt einmal lesen wollt? Dann schreibt es mir ebenfalls sehr gerne per Mail oder lasst mir einen Kommentar mit eurer Frage da.


Grundlegendes zur Buchmesse 
Die Frankfurter Buchmesse findet jährlich Anfang oder Mitte Oktober statt. Meist liegt der Termin zu Beginn der Herbstferien in Hessen oder des deutschlandweiten Semesterbeginns.

Die Frankfurter Buchmesse öffnet ihre Tore von Mittwoch bis Sonntag von 9:00 - 18:00 Uhr. Von Mittwoch bis Freitag ist die Frankfurter Buchmesse ausschließlich für Fachbesucher geöffnet. Allerdings zählen Menschen mit Behinderungen unter bestimmten Voraussetzungen zu den Fachbesuchern und haben somit an allen Tagen die Möglichkeit, die Buchmesse zu besuchen.

An Veranstaltungen erwarten euch Lesungen und Gesprächstermine mit Autoren, Diskussionsrunden mit Autoren oder Mitarbeitern der Buchbranche, Veranstaltungen für angehende Autoren und vieles mehr.
An dieser Stelle mal ein paar Beispiele von meinen bisherigen Buchmesse Highlights: Treffen mit Verlagsmitarbeitern, Veranstaltungen mit Sebastian Fitzek wie z.B. hier oder hier, Interviews von Autoren wie z.B. hier, Gespräche mit Menschen aus der Buchbranche wie beispielsweise mit einer Literaturagentin, Veranstaltungen für Autoren wie z.B. Vermarktung des eigenen Buches oder das Schreiben des eigenen Buches.


Barrierefreier Messebesuch: Was muss ich wissen? 
Wie teuer ist der Eintritt der Frankfurter Buchmesse? 

Schwerbehinderte mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 50%
Wenn ihr einen GdB von 50% habt und nur einen Tag auf der Buchmesse verbringen möchtet, bekommt ihr ein ermäßigtes Ticket für 14€. Das Tagesticket gilt nur für einen Tag des Messewochenendes also für Samstag oder Sonntag. (Quelle Frankfurter Buchmesse).

Schwerbehinderte mit Merkzeichen "B" im Ausweis
Der / die AusweisbesitzerIn und die Begleitperson haben an allen Tagen, also auch unter der Woche, freien Eintritt (Quelle Buchmesse FAQ).

Tipp: Nutzt die Fachbesuchertage (Mittwoch - Freitag)  
Gerade für RollstuhlfahrerInnen ist es um einiges angenehmer, die Buchmesse an Fachbesuchertagen zu genießen, da hier einfach viel weniger Besucher vor Ort sind. Man hat weitgehend freie Gänge und kommt mit dem Rollstuhl gut voran.

Wie komme ich zum Messegelände? 
Wenn ihr als gehbehindert oder außergewöhnlich gehbehindert geltet, habt ihr die Möglichkeit vor Ort zu parken. Allerdings fehlen mir hier weitere Informationen. Ich empfehle euch also, in den unten verlinkten Seiten nachzuschauen, wenn euch das betrifft.

Wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid und über einen Presseausweis verfügt, könnt ihr im Parkhaus am Rebstock in Frankfurt parken und dann mit dem Shuttlebus zum Messegelände fahren. Allerdings sind die Busse, soweit ich mich erinnere, nicht barrierefrei.

Wenn ihr mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs seid, könnt ihr vom Frankfurter Hauptbahnhof mit der S-Bahn weiterfahren. Dazu müsst ihr zum S-Bahnhof der in der Nähe der Gleise 15 und 16 liegt. Ihr erreicht den S-Bahnhof über eine Rolltreppe. Ob es hier einen Aufzug gibt, weiß ich leider nicht. Ihr fahrt dann mit den S-Bahnen:

  • S3 Richtung Bad Soden 
  • S4 Richtung Kronberg 
  • S5 Richtung Friedrichsdorf 
  • S6 Richtung Friedberg 
Bis zur Haltestelle Frankfurt / Messe. Das ist die zweite Haltestelle nach dem Frankfurter Hauptbahnhof. Die Haltestelle dazwischen nennt sich Galluswarte. Die Fahrtzeit beträgt ungefähr fünf Minuten. Ihr kommt dann am Eingang Torhaus raus und seid, grob gedacht, in der Nähe der Halle 4. 

Komme ich vor Ort an einen Rollstuhl? 
Die Messe stellt einen Rollstuhl- und Scooter Verleih zur Verfügung. Allerdings müssen die Hilfsmittel vorab reserviert und in den Sanitätszentren abgeholt werden. Das Abholen kann aber auch von der Begleitperson übernommen werden. (Ich habe per Mail nachgefragt). Um auf Nummer sicher zu gehen, würde ich der Begleitperson aber den Schwerbehindertenausweis mitgeben, damit die Mitarbeiter vor Ort auch einen Nachweis haben und die Begleitperson nicht unverrichteter Dinge wieder umkehren muss.
Hinweis: Eine Kaution von 50 Euro und ein gültiger Personalausweis werden benötigt, um einen Rollstuhl oder Scooter ausleihen zu können.

Die Sanitätsstationen findet ihr in:
Halle 4.C, Tel. +49 69 75 75-65 00 (In der Nähe des Eingangs "Torhaus")
Halle 8.0, Tel. +49 69 75 75-65 02

Allerdings weiß ich nicht, wie weit im Voraus die Rollstühle reserviert werden müssen.

Kontakt: 
Info-Hotline für Menschen mit Behinderung: +49 69 75 75-69 99 
E-Mail: handicap@messefrankfurt.com

Wie sind die Räumlichkeiten vor Ort? 
Das Messegelände ist zu großen Teilen barrierefrei gestaltet. (Es ist zwar ausgeschrieben, dass es barrierefrei ist, da ich aber nicht auf einen Rollstuhl angewiesen bin, kann ich nicht hundertprozentig sagen, ob auch alle Bereiche der Messe zugänglich sind).
Man kann die verschiedenen Stockwerke über Aufzüge oder Rolltreppen erreichen. Außerdem gibt es auf den einzelnen Stockwerken neben einem Fußweg auch immer ein Laufband, mit dem man von A nach B kommen kann.

Um die Messehallen betreten zu können, muss keine Stufe überwunden werden. Allerdings kann es vorkommen, dass man eine kleine oder hohe Stufe überqueren muss, um sich den ein oder anderen Messestand anschauen zu können. Die Aussteller sind dazu angehalten auf Barrierefreiheit bei der Gestaltung ihres Standes zu achten. Allerdings gibt es auch sehr kleine Messestände, an denen es eben sehr eng zugehen kann.

Fußgänger sollten beachten, dass die Strecken auf der Frankfurter Buchmesse sehr weitläufig sind. An einzelnen Messeständen gibt es Sitzgelegenheiten. Ob diese Sitzgelegenheiten genutzt werden können, hängt aber vor allem von der Besucherzahl und der Veranstaltung ab, die an einem Messestand stattfindet.

Zur Orientierung in den Messehallen: Die Stände sind in Boxen angeordnet. Und hier steht meistens oben am Ende des Standes eine Standnummer. Allerdings gibt es größere Stände, wie beispielsweise der Stand der Verlagsgruppe RandomHouse. Größere Verlage haben nicht immer eine Nummer am Stand angegeben. (Zitat Skyara: "Da suchst du dir manchmal echt den Wolf!"). Es gibt aber in den Gängen, in denen große Verlage ihren Stand haben, meist einen kleinen Stand, der dann wieder eine Nummer hat und so für Orientierung sorgt.
Zudem ist nicht immer ersichtlich, welchem Unternehmen, welcher Stand gehört, da nicht alle Stände klar ausgeschildert sind.

Die Frankfurter Buchmesse verfügt zudem über ein Außengelände. Hier gibt es zum einen verschiedene Stände, an denen Getränke oder warme Mahlzeiten verkauft werden. Es gibt aber auch zwei Veranstaltungszelte. Ein Zelt ist geschlossen, das andere Zelt ist zwar überdacht, aber nach allen Seiten hin geöffnet. Wenn es kälter ist, werden hier aber Heizstrahler aufgestellt, damit es unter dem Zelt nicht so kalt wird. Das geschlossene Zelt wird beheizt.

Ab 2018 soll es in Halle 3.0. ein barrierefreies Cafe geben. Da die Preise für Essen und Getränke auf der Messe aber immer recht hoch sind, empfehle ich, sich selbst etwas zum Essen oder Trinken mitzubringen.
Die Frankfurter Buchmesse ist zudem mit barrierefreien WCs ausgestattet.

Ich komme nicht aus Frankfurt und brauche eine barrierefreie Unterkunft 
Es ist ziemlich schwierig, direkt in Frankfurt eine Unterkunft zu finden, da viele Messebesucher ihre Unterkunft schon ein Jahr im Voraus buchen.
Wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid, wäre eine Option auf Nachbarstädte wie beispielsweise Mainz, Wiesbaden, Gießen, Friedberg, Darmstadt, Offenbach oder Marburg auszuweichen.
Wenn ihr auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen seid, ist das etwas kniffliger, da ihr auch darauf achten müsst, ob die Bahnhöfe vor Ort barrierefrei sind.
Hier liegen mir leider nur folgende Informationen vor: Der Bahnhof in Marburg wurde vor kurzem umgebaut und enthält jetzt auch einen Aufzug. Allerdings habe ich diesen Aufzug erst einmal benutzt und kann nicht sagen, ob der Aufzug regelmäßig in Betrieb oder die meiste Zeit kaputt ist. Der Bahnhof in Friedberg sollte eigentlich zu einem barrierefreien Bahnhof umgebaut werden. Das wurde jetzt aber leider wieder abgeblasen weil der Umbau, oh Wunder, wohl ziemlich teuer ist.

In einem Newsletter von Raul Krauthausen wurde neulich diese Plattform verlinkt, in der man barrierefreie Unterkünfte finden kann. Sie ist von einem Betroffenen ins Leben gerufen worden, der es leid war, Zeit und Mühe in das Finden einer barrierefreien Unterkunft zu stecken. Allerdings habe ich bisher noch keine Unterkunft über die Suchmaske gesucht und kann daher leider nicht über eigene Erfahrungen berichten.


Wie organisiere ich 
einen Messebesuch? 
Wenn ihr eine Behinderung habt, ist es gut, euch im Voraus ein paar Fragen zu stellen:

ACHTUNG: In diesem Abschnitt spreche ich hauptsächlich Sehbehinderte oder Blinde an. Wenn ihr eine andere Behinderung habt, kann es also sein, dass für euch noch weitere Punkte dazukommen.

  • Wie komme ich zum Messegelände?  
  • Welche Veranstaltungen will ich besuchen? (Tipp: Nehmt euch nicht zu viel vor oder setzt bei den Veranstaltungen, die ihr euch heraussucht, klare Prioritäten!). 
  • Welche Stände möchte ich besuchen? (Hier ist es wichtig sowohl die Halle, als auch die Standnummern und den Standnamen zu wissen, damit ihr notfalls Leute fragen könnt). Beispiel: Der Hörverlag - Halle 3.0. Stand F20. 
  • Traut ihr euch zu, euch alleine vor Ort auf der Buchmesse zu orientieren oder benötigt ihr eine Begleitperson? 

Alleine auf der Buchmesse 
Wenn ihr euch alleine ins Messegetümmel stürzen wollt und über einen geringen Sehrest verfügt, ist es unbedingt wichtig zu wissen, welche Stände und Veranstaltungen ihr besuchen wollt. Plant euch genügend Zeit ein, um die Orte zu finden, die ihr sehen wollt und traut euch unbedingt, Leute anzusprechen, wenn ihr nicht weiter wisst. Ich war beispielsweise mal alleine auf der Buchmesse und bin hier immer auf sehr nette, hilfsbereite Menschen getroffen. 
Orientierungshilfen in den Messehallen: Entscheidet euch bei dem Betreten der Messehalle, ob ihr nach rechts oder nach links abbiegen wollt und erobert so, Reihe von Reihe. Einen Messeplan gibt es am Eingang zur Messe. Dort ist der Weg zu den einzelnen Hallen aufgezeichnet. Einen Hallenplan gibt es jeweils am Eingang der Messehalle, allerdings nicht in Papierform, sondern an einer Stellwand. 
Wichtig für Sehbehinderte ist, dass die Beleuchtung in den Messehallen unterschiedlich ausfällt und auch von Stand zu Stand variieren kann. So hat die Verlagsgruppe RandomHouse ihre Bücher und Hörbücher beispielsweise in beleuchteten Regalen ausgestellt. Der restliche Stand wird nur von dem Deckenlicht der Messehalle beleuchtet.
Andere Verlagsstände haben häufiger noch helle Lichter am Stand angebracht. die den ganzen Stand beleuchten.

Wenn ihr eine Begleitperson braucht: 
Der erste Weg ist natürlich, in eurem Freundes- und Bekanntenkreis nachzufragen. An dieser Stelle habe ich auch Überraschungen erlebt. So haben mich beispielsweise schon Leute auf Literaturveranstaltungen begleitet, bei denen ich nicht davon ausgegangen bin, dass sie sich für einen Messebesuch interessieren. Manchmal kann es etwas dauern, bis die Liebe zur Buchmesse Früchte trägt (Zitat von Ge(h)folge Mitglied emion: "Ich dachte immer, auf der Buchmesse wären alte, langweilige Leute!" Und ein Jahr später kamen Isona und emion im Harry Potter Cosplay auf die Buchmesse). 

Wenn ihr euer Umfeld nicht davon überzeugen könnt, gemeinsam mit euch die Buchmesse unsicher zu machen, könnt ihr euch eine Assistenz suchen. Hier empfehle ich diese Facebook Gruppe. Hier werden oft Assistenzkräfte für Teams von Alltagsassistenzen gesucht. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass sich hier Leute für einmalige Veranstaltungen finden lassen. 
Außerdem können in diesem Portal Stellengesuche veröffentlicht werden. Auf dieser Seite könnt ihr sogar direkt nach einer Reiseassistenz suchen.
Allerdings habe ich mit den beiden Plattformen bisher keine Erfahrungen gemacht, kann also nicht sagen, wie gut die Aussicht ist, über diese Seiten eine Assistenz zu finden. 

Seit 2018 bietet die Frankfurter Buchmesse einen eigenen Assistenzdienst an, der HIER gebucht werden kann. Die Assistenzkräfte begleiten euch zu den Veranstaltungen, die ihr sehen wollt. Die Kosten belaufen sich auf 15 Euro die Stunde.

Ich ahne, dass einigen von euch dieser Satz jetzt nicht gefallen wird: Bietet den Assistenzkräften auch eine Vergütung an. Wenn ihr als gesetzlich blind geltet, könnt ihr dafür beispielsweise das Budget des Blindengeldes einsetzen. 


Weitere Links

Zum interaktiven Hallenplan - HIER ENTLANG
Zum Ausstellerkatalog - HIER ENTLANG
Tipp: ihr könnt auch eine alphabetische Übersicht auswählen)

Zum Veranstaltungskalender - HIER ENTLANG
Tipp: Ihr habt verschiedene Möglichkeiten, Suchergebnisse zu filtern und könnt euch auch einen Tagesplan der Veranstaltungen anzeigen lassen. Raphael meint, dass der Veranstaltungskalender für Blinde nicht barrierefrei zugänglich ist. Alternativ könnt ihr auch in der App zur Frankfurter Buchmesse im Veranstaltungskalender stöbern, in der Hoffnung, dass die Buchmesse App barrierefrei ist.

Ein Artikel der Hessenschau zum Buchmessen Besuch: HIER ENTLANG

Begegnungen ohne Barrieren: Ein PDF Dokument mit Hinweisen der Frankfurter Messe für einen barrierefreien Messebesuch.

Hinweise der FBM für Menschen mit Behinderung: Diese Seite ist direkt von der Frankfurter Buchmesse und enthält daher womöglich gezieltere Informationen, die in dem obigen PDF Dokument nicht vorhanden sind.

Infos zum barrierenfreien Messebesuch kurz zusammengefasst bei Rollingplanet 


Erfahrungsberichte 

Hinweis: Raphaels Erfahrungsbericht bezieht sich auf den Besuch der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2017.

Raphael, Jahrgang 1993, Germanist und Auszubildender beim Finanzamt:
Am 11. Und 12. Oktober besuchte ich zum ersten Mal in meinem Leben die Frankfurter Buchmesse. Da ich wegen meiner Seheinschränkung auf eine Begleitung angewiesen war, musste im Vorfeld des Messebesuches einiges organisiert werden.

Rund einen Monat vor dem Besuch fragte ich in einer Mailingliste des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. ganz unkonventionell, ob jemand eine Person kenne, die im Oktober Zeit für einen Besuch der Buchmesse hätte. Ich erhielt schnell eine positive Rückmeldung.

Leider ist die Homepage der Messe nicht barrierefrei, sodass ich vorab nicht selbstständig meine Veranstaltungen zusammenstellen konnte. Ein kurzer Anruf bei meiner Begleitung genügte und wir stellten gemeinsam meinen messeplan zusammen.

Mitte Oktober ging es dann endlich los: Ich kann jedem Besucher mit Mobilitätseinschränkungen nur empfehlen, die Messe mit Begleitung zu besuchen. Denn ohne eine Assistenz ist das fast unmöglich. Das liegt an den weitläufigen Messehallen und der Vielzahl an Ausstellern.

Ich hatte das Glück, die Veranstaltung an den ersten beiden Tagen zu besuchen. In dieser Zeit waren die Hallen relativ leer und man konnte sich ohne großes Gedränge bewegen.

Die vergleichsweise geringe Besucherzahl trug auch dazu bei, dass ich den Vorträgen, die ich am ersten Messetag besuchte, gut folgen konnte.

Meine Assistenz und ich verstanden uns gut. Auf unserem Messerundgang beschrieb sie mir die Stände und welche Verlage ausstellten. Ein Vorteil war, dass sie schon früher einige sehbehinderte Menschen auf die Buchmesse begleitet hatte und sie mir deswegen ein recht gutes Bild der Veranstaltung vermittelte.

Nachtrag von Emma: Raphael und ich haben uns neulich über seine Erlebnisse auf der Frankfurter Buchmesse unterhalten und er meinte, dass ihm der Messebesuch zwar gut gefallen habe, er es aber nicht mag, an Orten zu sein, an denen er sich nicht selbstständig orientieren kann. Daher sieht er vorerst von einem weiteren Messebesuch ab.

Emma, Jahrgang 1994, Studentin der Sozialen Arbeit und Bloggerin: Bei mir schlug das Buchmessen Fieber schon während meiner Schulzeit zu. Bei meinem ersten Besuch im Jahr 2011 konnte ich optisch noch mehr von der Messe wahrnehmen und stöberte begeistert in den vielen, vielen ausgestellten Büchern.
Praktisch finde ich, dass Menschen mit Behinderung, die einen Schwerbehindertenausweis besitzen und auf eine Begleitperson angewiesen sind, die Frankfurter Buchmesse an allen Tagen kostenlos besuchen können. Gerade, wenn man noch nie auf der Frankfurter Buchmesse war, ist es ratsam, die Messe an den Fachbesuchertagen, idealerweise Donnerstag und oder Freitag, zu besuchen.

Nun zu der Frage, was ich von einem Besuch der Frankfurter Buchmesse habe: Inzwischen kann ich mit den ausgestellten Büchern und Hörbüchern leider nichts mehr anfangen, da ich die Klappentexte nicht ohne Hilfsmittel lesen kann. Und die Navigation mit der elektronischen Lupe gestaltet sich ohne Tisch für mich als etwas schwierig, weswegen ich die elektronische Lupe auf der Buchmesse meist auch nicht dabei habe. Wenn ich die Lektüre auf einem Tisch ablege, kann ich den Abstand von der Lupe zu der Lektüre leichter festlegen. Ohne Tisch müsste ich in einer Hand die Lektüre halten und mit der anderen Hand den Abstand mit der elektronischen Lupe ausloten und herausfinden, wie ich die Lupe am besten halte, damit der Text nicht verschwommen, zu groß oder zu klein dargestellt wird. Außerdem hängt es auch von der Gestaltung des Covers und der (Hör)Buchrückseite ab, wie gut sich Titel, Autor und Klappentext lesen lassen.

Allerdings hatte ich das Glück, dass mir Skyara 2017 beschrieben hat, welche Hörbücher am Stand meiner Lieblingsverlage so zu finden waren. Wenn ich mit meinem Ge(h)folge unterwegs bin, erkundige ich mich auch immer, ob irgendwo Hörproben herumliegen, die mitgenommen werden können.

Wie oben bereits beschrieben, interessieren mich vor allem die Veranstaltungen an Messen, in denen Gespräche stattfinden oder Geschichten vorgestellt werden oder es eben ans Schreiben eigener Texte geht. Bei vielen Terminen werden auf einem Bildschirm dazugehörige Präsentationen dargestellt. Oft sind diese Präsentationen eine Ergänzung zu dem Gesagten, was mir sehr entgegenkommt, da ich die Folien nicht lesen kann und so nichts verpasse, weil nebenbei ja noch gesprochen wird. Manchmal kommt es aber auch vor, dass die Folien eine Grundlage darstellen, wie beispielsweise bei einer Präsentation von Books on Demand auf der Leipziger Buchmesse 2017. Solche visuellen Veranstaltungen versuche ich dann eher zu vermeiden.

Für was ich leider noch keine Lösung gefunden habe: Viele BloggerInnen schwärmen davon, dass vor allem die Begegnungen mit AutorInnen oder Lieblingsmenschen ihren Buchmessebesuch ausmachen. Ich kann keine mir bekannten AutorInnen oder BloggerInnen erkennen und bin daher immer darauf angewiesen, dass meine Begleitpersonen dieselben Menschen kennen, wie ich, oder ich eben von Leuten angesprochen werde. Deswegen poste ich regelmäßig vor Buchmessen, an welchen Orten meine Begleitpersonen und ich zu finden sein werden und weise darauf hin, dass ihr meinen Begleitungen auch gerne einen Hey-ich-will-mit-euch-reden-Blick zuwerfen könnt, wenn ihr euch nicht traut, uns direkt anzusprechen.

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Zu meiner Person und der Sache mit der Sehbehinderung: Ich bin von Geburt an auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge hochgradig sehbehindert. Seit 2017 beträgt mein Sehrest 2%, was bedeutet, dass ich nach dem Gesetz als blind gelte. In der Praxis heißt dass: Ich...
  • Habe Mühe mich in unbekannten oder schlecht beleuchteten Räumen zu orientieren 
  • Erkenne mir bekannte Personen nicht im Vorbeigehen 
  • Laufe mit einem Blindenlangstock (von mir als Elderstab betitelt) pendelnd durch die Weltgeschichte 
  • Kann keinen Blickkontakt aufnehmen und mit der Mimik meines Gegenübers nichts anfangen 
  • Kann Personen, die in unmittelbarer Nähe (linker, rechter Sitznachbar je nach Entfernung auch mein Gegenüber) erkennen, alle was darüber hinaus geht aber nicht
Achtung: Mit den Prozenten und dem Sehrest verhält es sich sehr subjektiv. Nicht alle Menschen, die 2% sehen müssen beispielsweise einen Langstock zur Orientierung nutzen.
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