Donnerstag, 23. August 2018

WIe bewerbe ich mich bei einem Verlag?

Hallo Buchlinge,

heute erzähle ich euch wieder von einer Veranstaltung, die ich im Rahmen der Leipziger Buchmesse besucht habe.
In dieser Veranstaltung kamen Leiter der Personalabteilungen verschiedener Firmen zusammen, die alle etwas mit dem Thema Buchhandel zu tun haben. Die Teilnehmer sollten zum einen darüber diskutieren, worauf es ihnen bei Bewerbungen ankommt, aber auch zum anderen auf die Fragen des Publikums eingehen.

Selbst wenn ihr euch nicht zwingend in der Buchbranche bewerben möchtet, könnt ihr aus diesem Artikel hoffentlich die ein oder andere interessante Info mitnehmen.

Wie immer gilt: Grundlage für diesen Artikel sind meine Notizen, die ich während des Termins mitgeschrieben habe. Dieser Artikel erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Außerdem können nicht alle Aussagen der richtigen Person zugeordnet werden.

Die Teilnehmer 
Hier beziehe ich mich auf die Namen, die in dem Veranstaltungstext genannt wurden. Vor Ort hatte ich den Eindruck, dass es ein paar Abweichungen gab. Allerdings kamen wir etwas später zu dem Termin dazu, weswegen ich mir nicht sicher bin, welches Unternehmen einen anderen Mitarbeiter zu dem Termin geschickt hat.

Ingrid Abeln (Personalleiterin, Osiandersche Buchhandlung) 
Ingrid Abeln ist die Personalleiterin der Osianderschen Buchhandlung in Tübingen. Die Ausbildung zum Buchhändler oder zur Buchhändlerin kann ganzjährig begonnen werden. Auf dieser Seite findet ihr mehr Informationen. 

Lucia Falkenberg (Personalleiterin, e.c.o Verband der Internetwirtschaft e.V.) 
Lucia Falkenberg ist die Personalleiterin bei e.c.o. - Verband der Internetwirtschaft in Köln. 

Ursula Rosengart (Geschäftsführerin, Gabal Verlag) 
Der Gabal Verlag verlegt Bücher mit den Schwerpunkten Business, Erfolg und Leben und ist der Praxisverlag unter den führenden deutschsprachigen Wirtschatsverlagen. 

Denise Timm (Personalmanagerin, Carlsen Verlag)
Denise Timm ist die Personalmanagerin des Carlsen Verlags. Und das seit 11 Jahren. 

Über die Veranstaltung 
An dieser Stelle sei darauf hinzuweisen, dass sich die Mitarbeiter der Verlage hauptsächlich auf die Ausbildung zur Medienkauffrau bzw. dem Medienkaufmann bezogen haben.

Die Fettnäpfchen beim Bewerbungsgespräch 
Beim Carlsen Verlag sollte man bei dem Bewerbungsgespräch darauf verzichten, den Mitarbeitern der Personalabteilung von Harry Potter vorzuschwärmen, da Harry Potter der Klassiker des Carlsen Verlags ist. Es ist also gut, wenn man sich auch auf andere Novitäten des Carlsen Verlags beziehen kann.
Außerdem sollte man nicht erwähnen, dass man gerne liest, da das Kriterium bei einer Bewerbung im Verlagswesen vorausgesetzt wird.  
Ein großes No Go ist es auch, wenn man von den Eltern zum Vorstellungsgespräch begleitet wird, oder nicht pünktlich zum Vorstellungsgespräch erscheint und dann erklärt, dass man die Einrichtung nicht gefunden habe. 
Zudem ist es nicht gut, wenn man während eines Gespräches einsilbige Antworten gibt. Die Mitarbeiter brachten hier den folgenden Dialog als Beispiel an: 
Personaler: "Haben Sie gut her gefunden?" 
Bewerber: "Ja!" 
Pause. 
Wenn man beispielsweise auf Fragen einsilbige Antworten gibt, kann das schnell zu einem zähen Gespräch für beide Parteien werden. 

Die Verlagswelt ist nichts für introvertierte Menschen 
Oft hört man von dem Mythos, dass sich Menschen, die gerne lesen und sich in der Welt der Bücher wohlfühlen, ruhig bei einem Verlag bewerben sollen. Leider wurde diesem Mythos hier sehr schnell der Zahn gezogen, da darauf hingewiesen wurde, dass das Verlagswesen nichts für introvertierte Menschen ist. Man suche nach Menschen, die in die Welt hinaus wollen und sich nicht im ruhigen Bücherzimmer am wohlsten fühlen. 

Introvertiert heißt aber nicht gleich fehlende Selbstsicherheit 
Wer jetzt glaubt, er müsse bei seinem Vorstellungsgespräch einen perfekten, offenen und selbstsicheren Eindruck machen, täuscht sich. Mitarbeiter der Personalabteilung sind es gewohnt, dass Bewerber aufgeregt sind. Daher wird oft auf das klassische Bewerbungsgespräch verzichtet und stattdessen ein Assessment Verfahren mit den Bewerbern durchgeführt.
Wichtig für Bewerber ist, dass es einen guten Eindruck macht, sich vorab über das Unternehmen zu informieren und sich im besten Fall auch auf Informationen aus der Stellenbeschreibung zu beziehen.  

Ein klassisches Bewerbungsverfahren 
Im Verlagswesen werden die Bewerber für mehrere Tage eingeladen und müs-sen sich im so genannten Assessment Center beweisen. Hier gibt es beispielsweise eine Gruppenaufgabe. Beim Carlsen Verlag dürfen die Bewerber beispielsweise einen Buchtitel oder das Cover eines Buches bestimmen. Zudem finden auch Einzelgespräche statt. Interessante Bewerber werden dann zum Probe Arbeiten in den verschiedenen Abteilungen eingeladen, um zu schauen, ob sie ins Team passen. 
Eine Aufgabe kann auch schon mal eine Buchvorstellung sein. Hier ist es aber wichtig, dass man nicht ausgerechnet eine Pflichtlektüre aus der Schulzeit vorstellt. 

Wie viel Grundwissen sollte man für ein Bewerbungsgespräch mit-bringen? (z.B. über den Markt oder die Kunden?) 
Für eine Bewerbung bei einem Verlag kommt es darauf an, für welche Position man sich bewirbt. Der Schwerpunkt in dem Gespräch waren die Ausbildungsberufe. Bezogen auf den Verlag wären das Medienkauffrauen oder Medienkaufmänner. Hier ist es unrealistisch, wenn sich die angehenden Azubis später im Lektorat sehen. Frau Timm stellte klar, dass ein Lektor ein geisteswissenschaftliches Studium benötigte und man nicht einfach mit einer Ausbildung im Lektorat einsteigen könne. 
Bei e.c.o. ist Berufserfahrung gerne gesehen, aber nicht zwingend notwendig. 

Der abenteuerliche Lebenslauf 
Schnell wurde die Frage angesprochen, wie denn mit Bewerbern umgegangen werde, die keinen klassischen, geradlinigen Lebenslauf haben. Bezogen auf die Buchbranche wurde erklärt, dass ein abenteuerlicher Lebenslauf keinesfalls zum Nachteil wird. Wichtig ist nur, dass man den Lebenslauf von sich aus benennt und erklären kann, warum es so lief, wie es eben lief. An dieser Stelle wurde auch gebeten, Lücken im Lebenslauf unbedingt zu benennen und nicht zu verstecken, da diese erfahrenen Personalern schnell auffallen. 
Ehrenamtliche Tätigkeiten können gerne angegeben werden, sind aber keine Voraussetzung um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. 

Tipps für die Bewerbung 
Beim Carlsen Verlag verzichtet man mittlerweile auf Unterlagen in Papierform. 
Das Anschreiben soll eine bis maximal 1 1/2 Seiten lang sein. Es wird gerne gesehen, wenn man sich auf Angaben aus der Stellenausschreibung bezieht. 
Bewerbungsfotos seien nicht zwingend erforderlich. Wenn diese eingereicht werden, soll darauf geachtet werden, dass es sich um ein seriöses und beispielsweise kein lustiges oder Bikini Bild handelt. 
Zudem sind aktuelle Zeugnisse und ein aktueller Lebenslauf gefragt. Auch an dieser Stelle wurde noch mal darauf hingewiesen, dass man ruhig zu einem Bruch im Lebenslauf stehen darf. 
Bei e.c.o sei man offen für Initiativbewerbungen, dürfe aber nicht erwarten, dass man auch innerhalb der nächsten vier Wochen einen Job bekomme. 
Die Ausbildung zur Buchhändlerin oder zum Buchhändler kann bei Osiander ganzjährig begonnen werden, da die Auszubildenden im Mediacampus in Frankfurt unterrichtet werden und somit nicht von einer normalen Berufsschule abhängig sind.

Der Blick auf die Social Media Kanäle 
Hier wurde betont, dass man schon mal einen Blick auf die Social Media Kanäle der Bewerber werfe. Allerdings gab es hier Unterschiede, welche Netzwerke als seriös erachtet wurden. So gab es Teilnehmer der Gesprächsrunde, die gerne bei Xing oder LikedIn vorbeischauten, Facebook aber mieden, weil es zum einen unseriös sei und es zum anderen auch zur Privatsphäre des Bewerbers gehöre. 

Ausbildung oder Studium? 
Hier gab es ebenfalls unterschiedliche Meinungen: Der Mitarbeiter eines Wissen-schaftsverlag erzählte, dass es schon mal vorkomme, dass die Volontäre sich in seinem Verlag von Volontariat zu Volontariat durchschlugen und so die nächsten 1 1/2 Jahre verbringen. Er empfehle also ganz klar, zuerst eine Ausbildung zum Medienkaufmann oder Medienkauffrau zu machen, um schon mal einen Abschluss in der Tasche und Berufserfahrung zu haben. Bei Carlsen war man hingegen anderer Meinung und berichtete, dass alle Volontäre danach bei einer guten Stelle untergekommen seien. 

Meine Gedanken zur Diskussion 
Die Diskussion zwischen den verschiedenen Experten hat mir sehr gut gefallen. Alle Teilnehmer konnten sehr gut präzisieren, welche Aspekte ihnen bei potent-iellen Bewerbern wichtig sind. Was mich erstaunte, war die Bitte, Lücken im Lebenslauf zu erwähnen. Da sich in meinem Lebenslauf vermutlich auch eine Lücke finden wird, wäre ich davon ausgegangen, diese Lücke beizubehalten, weil die Lücke ja nichts mit meinem späteren Berufsfeld zu tun hat und ich daher davon ausgegangen wäre, dass sich Personaler nicht dafür interessieren, was ich in dieser Zeit gemacht habe. 

Das Thema mit den introvertierten Bewerbern sehe ich etwas kritisch. Ich habe mal bei YouTube einen Bericht von einer Buchhändlerin gesehen, die meinte, dass man auch im Laufe seiner Ausbildung lerne, offener zu werden und beispielsweise auf Kunden zuzugehen. 
Ich persönlich denke, dass es wichtig ist, dass man den Bewerbern, die Liebe und das Interesse zu dem Bereich anmerke, für den sie sich auch bewerben. Allerdings sollten sie sich natürlich auch realistisch einschätzen. An dieser Stelle gibt es ein kleines, etwas drastisches Beispiel, um zu verdeutlichen, was ich meine: Wenn man von vorne herein weiß, dass man ungerne Kundenkontakt hat, sollte man sich vielleicht eher weniger in der Presse- und Öffentlich-keitsarbeit eines Unternehmens bewerben. 


Ausblick 
Buchlinge, nun habt ihr die Meinungen der Experten gehört. Doch es stellt sich die Frage, wie das ganze Thema aus der Sicht einer Bewerberin zu betrachten ist. 
Deswegen habe ich mir mal Lisa von Lisas Bücherleben geschnappt und ihr ein paar Fragen gestellt. Sie hat ein Jahr als Volontärin in einem Verlag gearbeitet und berichtet uns in Kürze, wie sie sich bei dem Verlag beworben hat, was ihre Aufgaben waren und wie es jetzt beruflich bei ihr weitergeht. 

Kommentare:

  1. Mir fehlen ein wenig die Zugangsvoraussetzungen und welche Möglichkeiten es in Verlagen gibt. Es gibt ja nicht nur das Lektorat/Projektmanagement :) Ich weiß, es war eine Veranstaltung auf der LBM, aber das wären eigentlich Themen, die wichtig sind. Oft gibt es gerade junge Menschen, die blauäugig "irgendwas mit Büchern" machen wollen und eigentlich keine Ahnung haben, wie sie das anstellen und was da eigentlich möglich ist. :)

    LG
    Jess

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  2. Liebe Jess,

    vielen Dank für Deinen Kommentar.
    Was die Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung zum Medienkaufmann / Medienkauffrau betrifft, ist der "Einsteiger Abschluss" dort die Realschule. Man hat dann die Möglichkeit, nach oder während der abgeschlossenen Ausbildung das Abi nachzuholen und ggf. zu studieren. (Zumindest ging das einem Bekannten von mir so, der seine Ausbildung bei einer Zeitung gemacht hat).

    Im Verlag gibt es tatsächlich noch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in der viele Absolventen mit einem geisteswissenschaftlichen Studium arbeiten.

    Ich hoffe, das beantwortet die Frage ein bisschen.

    viele Grüße

    Emma

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