Donnerstag, 16. August 2018

Tausend kleine Lügen

Bild von Lübbe Audio
Steckbrief

Name: Tausend kleine Lügen (auch als Buch und Serie erhältlich)
Autor: Liane Moriarty
Verlag: Bastei Lübbe audio
Geeignet für: Menschen, die gerne gut verstrickte Thriller mögen
Gelesen oder gehört: gehört unklar ob gekürzt oder ungekürzt
Sprecher: Luise Helm
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Bastei Lübbe Audio

"Jane flieht vor ihrer Vergangenheit. Sie hat es seit der Geburt ihres Sohnes vor fünf Jahren nirgendwo länger ausgehalten. Nun ist sie im idyllischen australischen Küstenstädtchen Pirriwee gestrandet und hat das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Schnell schließt sie Freundschaft mit der lebhaften Madeline und der wunderschönen Celeste. Doch plötzlich geraten die drei Frauen in den Strudel von dunklen Geheimnissen, Lügen und Intrigen. [...]"


Meine Meinung 

Gestaltung
Tausend kleine Lügen wurde von Bastei Lübbe Audio produziert. Leider ist weder auf der Verlagsseite noch auf dem Hörbuch die Info zu finden, ob es sich hierbei um eine gekürzte oder ungekürzte Fassung handelt. Inhaltlich glaubte ich, dass an einer Stelle ein zeitlicher Sprung war. Dieser hätte aber auch genauso gut im Buch vorkommen können, sprich, es muss nicht unbedingt eine Kürzung gewesen sein. Ich hatte nicht den Eindruck, dass hier etwas von dem Inhalt fehlte, kann aber wie gesagt nicht mit Sicherheit sagen, ob das Hörbuch gekürzt oder ungekürzt produziert wurde.

Luise Helm führt uns durch Tausend kleine Lügen und hier konnte die Sprecherin drei Facetten von sich zeigen:
Zum einen schlüpft sie hier in die Rolle verschiedener Kinder und muss die teils naiven, quengligen oder tieftraurigen Aussagen der Kinder in Worte fassen können.
Als zweites kann Luise Helm, eine verletzliche, unsichere Seite von sich zeigen.
Und zu guter Letzt zeigt Luise Helm, dass sie die Klatsch-und-Tratsch-Stimmen sehr gut umsetzen kann. In Tausend kleine Lügen gibt es immer wieder kurze Sequenzen in denen Dorfbewohner zu den Ereignissen im Dorf befragt werden. Und hier prallen verschiedene Welten aufeinander. Hier hat mich Luise Helm das ein oder andere Mal zum schmunzeln gebracht.

Ich fand es sehr angenehm, dass Luise Helm in ihrer Interpretation von Tausend kleine Lügen variieren konnte und die Geschichte nicht nach einem Munster interpretieren musste. Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten, die Charaktere auseinanderzuhalten. Das legte sich aber sehr schnell wieder.

Inhalt
Wir finden uns hier auf einer kleinen Halbinsel wieder. Hier kennt jeder jeden und es gibt jede Menge Klatsch und Tratsch. Die Geschichte steigt mit einer ungewöhnlichen Perspektive ein. Wir erleben, wie eine ältere Dame das Elternfest einer benachbarten Schule beobachtet. Und dieses Fest gerät ziemlich schnell außer Kontrolle.

Dann ändert sich die Perspektive und wir erfahren, dass Tausend kleine Lügen von hinten aufgerollt wird. Schnell wird klar, dass das Fest die Schlüsselszene der Geschichte darstellt. Was mich am Anfang etwas verwirrte, waren die Perspektivenwechsel. Die Frau, die wir noch am Anfang der Geschichte kennenlernten spielt im Laufe der Geschichte überhaupt keine Rolle mehr.

Kommen wir aber nun zurück zur Rahmenhandlung: Tausend kleine Lügen wird aus der Sicht von drei Frauen erzählt. Jane ist alleinerziehende Mutter. Sie sucht in in dem Dorf einen Ort, an dem sie sich endlich mit ihrem Sohn niederlassen und sich etwas aufbauen kann. Dann erleben wir die Geschichte aus der Sicht von Madeline, die selbst einmal alleinerziehende Mutter war und sich schnell mit Jane anfreundet. Madeline stellt Jane Celeste vor, die die dritte Protagonistin von Tausend kleine Lügen ist.

Inhaltlich wurden hier viele Themen angesprochen, die Mütter betreffen, wie beispielsweise Erziehungsfragen oder Eheprobleme. Und natürlich diese Klatsch-und-Tratsch Geschichten, die in Dörfern wahrscheinlich zur Tagesordnung gehören. Einerseits fand ich diese Konflikte interessant. Andererseits konnte ich gerade mit den Klatsch-und-Tratsch Geschichten nicht so viel anfangen. Dennoch zeigte sich schnell, dass es diese Verstrickung der Handlungsstränge braucht, um die Schlüsselszene des Hörbuches verstehen zu können.

Kommen wir nun noch einmal zu unseren drei Protagonistinnen: Madeline ist lebhaft und sagt, was sie denkt. Sie gehört zu den extrovertierten Müttern und hat es gerade deswegen nicht immer leicht. Schließlich wäre es manchmal schon ganz praktisch, Dinge einfach stehen lassen zu können und nicht immer etwas erwidern zu müssen, oder?
Celeste wirkt introvertiert und abwesend. Doch genau das hat einen Grund. Sie trägt ein Geheimnis mit sich herum. Ein Geheimnis, von dem sie lange nicht wahrhaben möchte, wie bedrohlich es wirklich ist.
Und zum Schluss haben wir noch Jane. Eine Frau, die schon früh lernen musste, sich durchzusetzen und für sich und ihren Sohn zu sorgen. Und als ihrem Sohn dann auch noch etwas vorgeworfen wird, weiß Jane gar icht mehr, wem sie noch glauben darf.

Spannung
Zu Beginn war die Kurve des Spannungsbogens sehr weit oben. Wir wussten, dass in diesem kleinen Dorf etwas Schreckliches passieren wird, das das Leben im Dorf vermutlich auf den Kopf stellt. Dann fällt der Spannungsbogen aber lange Zeit sehr stark ab, weil wir erst einmal unsere Protagonistinnen und das Leben im Dorf kennenlernen müssen. Hier spielten sehr viele Klatsch-und-Tratsch-Themen eine große Rolle, die teils interessant, aber auch zäh waren.
Einerseits kann ich mir gut vorstellen, dass sich viele Eltern bei den Beschreibungen der Szenerien wiederfinden, weil es sicher an einigen Schulen oder in einigen Dörfern so zugeht. Andererseits glaubte ich hier nicht wirklich zur Zielgruppe von Tausend kleine Lügen zu gehören.
Gegen Ende steigt der Spannungsbogen aber wieder an, da wir uns der Szene nähern, die zu Beginn des Romanes beschrieben wurde.

Schreibstil
Liane Moriarty erzählt Tausend kleine Lügen aus verschiedenen Perspektiven, die sich auch im Schreibstil der Autorin wiederspiegeln. Zu Beginn empfand ich die Geschichte als etwas unübersichtlich, weil viele Namen eingeführt wurden und nicht klar war, wer zu den Protagonisten und wer zu den Nebencharakteren der Geschichte gehörte. Nach und nach hatte ich aber Orientierung.
Gerade das Stilmittel der Interviewsequenzen hat mir sehr gut gefallen, da diese die Szenen noch einmal erklärten oder die Szene anhand der im Interview erwähnten Aussagen, noch einmal verdeutlicht wurde.
Und auch die Dialoge von Liane Moriarty haben mich sehr gut unterhalten.

Gesamteindruck
Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass der Fokus bei Tausend kleine Lügen mehr auf dem Krimi liegt und sich die Autorin mit der Frage beschäftigt, wer Opfer und wer Täter ist. Stattdessen wurde die Geschichte durch die verschiedenen Perspektiven unserer Protagonistinnen und deren Beziehungen zueinander bestimmt. Allerdings hat das zur Geschichte gepasst und es wurde deutlich, dass man die Motive der drei Frauen kennen musste, um die Bedeutung der Schlüsselszene verstehen zu können. Und von daher haben beide Handlungsstränge sehr gut zueinander gepasst. 

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