Montag, 6. August 2018

Das Geräusch des Lichts

Bild von Jumbo Verlag
Steckbrief

Name: Das Geräusch des Lichts (auch als Buch erhältlich)
Autor: Katharina Hagena
Verlag: Jumbo Verlag
Geeignet für: Menschen, die gut verstrickte Geschichten mögen
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Holger Dexne, David Hofner, Julia Meier, Angela Schmid, Jana Schulz,
Bewertung: zwischen 3,5 und 4 Punkten von 5 Punkten insgesamt


Klappentext 

(von Jumbo Verlag

"Fünf Menschen im Wartezimmer. Wer könnten sie sein? Eine der Wartenden beobachtet die anderen und erfindet ihre Lebensgeschichten. Da ist die Botanikerin Daphne Holt, so widerstandsfähig und zart wie das Moos, das sie erforscht. Auf der Suche nach einer Freundin stößt sie in der kanadischen Wildnis auf ein Geheimnis. Da ist der Musiker, der auf einem zugefrorenen See das Nordlicht erwartet. Der zwölfjährige Richard sieht in jeder Öffnung, jedem Schacht, hinter jedem Gitter einen möglichen Weg zum Planeten Tschu. Auf dem befinden sich nämlich seine Mutter und seine Schwester, weil sie ja irgendwo sein müssen, wenn sie nicht mehr da sind. Und da ist die verwirrte Dame, in deren Kopf sich die weiße Leere schon ganz ausgebreitet hat. Schließlich erfindet die Erzählerin ihre eigene Geschichte, einen Thriller über die Verbrechen einer skrupellosen Ölfirma, und gerät selbst in Lebensgefahr.
Fünf Stimmen lassen die Figuren lebendig werden und erzählen den Zuhörern in magischen Bildern von der rettenden Macht der Fantasie."


Meine Meinung 

Gestaltung
In Das Geräusch des Lichts treffen wir auf fünf Charaktere. Und daher kommen hier auch wieder fünf Sprecher zum Einsatz. Leider wird zu Beginn der Geschichte nicht erwähnt, welcher Sprecher bzw. welche Sprecherin in welcher Rolle zu hören ist. Das finde ich bei Produktionen mit mehreren Interpreten immer etwas schade. Hier waren mir noch nicht alle Sprecher bekannt, sodass ich sie nicht zuordnen konnte.

Das Geräusch des Lichts wird insgesamt sehr zart gelesen. Wir merken, dass jeder unserer Charaktere sein Päckchen zu tragen hat und der eine mehr und der andere weniger darunter leidet. Aufgrund des Alters konnte ich Angela Schmid und David Hofner Charakteren zuordnen. Und das Interessante war, dass mich die Interpretation von Schmid und Hofner auch am meisten beeindruckte.

Angela Schmid schlüpft hier in die Rolle einer älteren Dame, die orientierungslos scheint. Wer hat sie in die Praxis des Nervenarztes gebracht? Ist die Frau neben ihr ihre Tochter? Oder doch eine Fremde? Und wo ist auf einmal ihre Tasche hin? Der Handlungsstrang der älteren Dame ist verhältnismäßig kurz gehalten. Dennoch schafft es Angela Schmid in dieser kurzen Zeit die Orientierungslosigkeit und Verzweiflung der Frau glaubhaft darzustellen. Dieser Wunsch nach Halt und Sicherheit, der Versuch diesen zu finden, dann die Erleichterung, die den Leser aber erkennen lässt, dass etwas mit ihr nicht zu stimmen scheint.

David Hofner schlüpft in die Rolle eines Jungen, dessen Mutter und Schwester auf den Planeten Tschu geflohen sind. Allerdings bekommt er die Information, dass die beiden noch nicht sicher auf den Planeten angekommen sind. Also muss er Schächte und weitere Öffnungen kontrollieren, um den beiden so bei ihrer sicheren Ankunft zu unterstützen.
David Hofner hatte mich schon allein von seiner Stimmfarbe innerhalb weniger Sekunden für sich gewinnen können. Ich mochte besonders die Feinheit seiner Interpretation. Während das Umfeld seines Charakters ein Problem mit seinem Kontrollzwang hat, scheint es für den Jungen ganz klar zu sein: Er muss auf sein Umfeld aufpassen.

Inhalt / Spannung 
Buchlinge, in dieser Rezension gehen einige Aspekte wohl fließend ineinander über. Wir springen nun zurück zum Inhalt und hier ist Katharina Hagena wahrscheinlich ein ziemlich guter Schachzug gelungen. Es gibt zwei Möglichkeiten, den Inhalt zu verstehen.

Möglichkeit Nummer 1: Im Klappentext heißt es, dass sich eine Frau die Geschichten der anderen Charaktere ausdenkt. Somit könnte man also meinen, dass der ganze Roman die Geschichte einer einzigen Frau sein könnte und die anderen Charaktere im Grunde kein Eigenleben haben.

Möglichkeit Nummer 2: Was dagegen spricht? Es gibt verschiedene Sprecher. Wir schlüpfen in unterschiedliche Perspektiven. Und es gibt Parallelen zwischen den Charakteren. Das fand ich besonders schön, weil dieses Element dem Roman etwas Orientierung gab und ich in dem nächsten Handlungsstrang nach bekannten Charakteren Ausschau halten konnte, obwohl sie in einer abgewandelten Form auftauchten. Deswegen habe ich die Theorie, dass jeder der Charaktere ein Eigenleben hat und Katharina Hagena sich hier unglaublich gut auf das Stilmittel der bildhaften Sprache versteht.

Meine beiden Lieblingscharaktere habe ich in der Gestaltung bereits vorgestellt. Daher bleibt dieser Punkt hier wohl unberührt.

Schreibstil 
Katharina Hagena hat hier einen Schreibstil geschaffen, der deutlich macht, wie fragil unsere Charaktere sind. Jeder von ihnen sucht seinen Platz, scheint aber orientierungslos zu sein und keine Ahnung zu haben, wie es im Leben weitergehen könnte.
Katharina Hagena schlüpft in Das Geräusch des Lichts in verschiedene Perspektiven und beschreibt diese unglaublich gut. Angefangen bei einem kleinen Jungen über eine Biologin, die sich lieber in der Natur als in der Gegenwart von Menschen aufhält bis hin zu einer älteren Dame, der das Gespür für die Worte abhanden gekommen ist. Und genau das macht ihr Angst. Das sind nur drei der Charaktere, die aber deutlich zeigen, wie groß die Bandbreite von Katharina Hagenas Charakteren ist und wie schwierig es ist, diese authentisch darzustellen.

Gesamteindruck 
Wie ihr im Steckbrief bereits erkennen konntet, bin ich mir immer noch unschlüssig, wie ich die Geschichte bewerten soll. Alle Handlungsstränge sind sehr offen gehalten. Und auch das Ende von Das Geräusch des Lichts lässt einige Fragen ungeklärt. Nachdem ich die Geschichte beendet hatte, schnappte ich mir unsere Bücherstammtisch What'sApp Gruppe und beschwerte mich erst einmal, dass ich offene Enden nicht mochte. Aber nach und nach glaubte ich, das Ende einfach nicht verstanden zu haben, weil die Geschichte auf einer tieferen Ebene zum Abschluss kommt. Einer Ebene, die ich nur ansatzweise erfassen konnte. Das Geräusch des Lichts ist also eine Geschichte, die ich vielleicht irgendwann noch einmal hören möchte.

Ich empfehle das Hörbuch allen, die nicht an der Oberfläche einer Geschichte verweilen wollen, sondern erfahren möchten, was sich wirklich hinter der Handlung verbirgt. 

Keine Kommentare: