Dienstag, 21. August 2018

Der Schatten

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Der Schatten (auch als Buch erhältlich)
Autor: Melanie Raabe
Verlag: der hörverlag
Geeignet für: Melanie Raabe Fans und Menschen, die gerne Thriller lesen
Gelesen oder gehört: gehört als gekürzte Fassung
Sprecher: Katja Bürkle und Melanie Raabe
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext 

(von der Hörverlag

"Du bringst den Tod. Du weißt es nur noch nicht.

„Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Mit gutem Grund. Aus freien Stücken.“ Gerade ist die junge Journalistin Norah von Berlin nach Wien gezogen, um ihr altes Leben endgültig hinter sich zu lassen, als ihr eine Bettlerin auf der Straße diese Worte förmlich entgegenspuckt. Norah ist verstört, denn ausgerechnet in der Nacht des 11. Februar ist vor vielen Jahren Schreckliches geschehen. Trotzdem tut sie die Frau als verwirrt ab – bis kurz darauf ein mysteriöser Mann namens Arthur Grimm in ihrem Leben auftaucht ..." 


Meine Meinung 

Gestaltung
Diesmal hat sich das Team von der Hörverlag für die Gestaltung von Der Schatten etwas Ungewöhnliches einfallen lassen. Aber beginnen wir erst einmal von vorne:
Der Großteil von Der Schatten wird von Katja Bürkle gelesen. Katja Bürkle hat eine angenehme, etwas tiefere Stimmfarbe. Sie hat Nora, unsere Protagonistin in Der Schatten gut erfassen und darstellen können. Allerdings hat mich diesmal der Thriller-Effekt, den ich bei den anderen Geschichten der Autorin gespürt habe, nicht vollständig erreichen können, obwohl die Geschichte wirklich gut ist. Aber dazu später mehr.
Auf der Verlagsseite und dem Hörbuch war auch zu lesen, dass Melanie Raabe ebenfalls als Sprecherin in dem Hörbuch zu hören sein wird. Das machte mich zuerst etwas skeptisch, da Autoren zwar gut schreiben, aber nicht immer gut lesen können. Doch nachdem ich Katja Bürkles Interpretation kennengelernt hatte, machte die Skepsis einer Vorfreude auf Melanie Raabe Platz.
Melanie Raabes Stimmfarbe klingt etwas heller und ist daher eine tolle Ergänzung zu Katja Bürkle. Außerdem betont Melanie Raabe an den richtigen Stellen und hat eine tolle Lesegeschwindigkeit. Sie konnte mich mit ihrer Interpretation sehr gut erreichen. Ich hätte mir sogar noch mehrere Parts von ihr gewünscht, weiß aber auch, dass das aufgrund der Geschichte nicht möglich gewesen wäre.
Aber nun gibt es noch dieses Stilmittel, das mich unglaublich verwirrte. Es dauerte nämlich ziemlich lange, bis wir auf Melanie Raabe trafen. Immer wieder gab es Passagen, die von einer Stimme gelesen wurden, die weder nach Katja Bürkle noch nach Melanie Raabe klang. Aber wenn ich euch diese Stimme nun genauer beschreiben würde, müsste ich einen Spoiler Hinweis vor diese Rezension setzen. Also, lasst euch überraschen und schreibt mir in die Kommentare, was ihr von diesem Stilmittel haltet.
Das Stilmittel hat mich ziemlich fasziniert, sodass die Gestaltung an dieser Stelle einen vollen Punkt bekommt.

Inhalt / Spannung 
Mit dem Inhalt von Der Schatten verhält es sich etwas knifflig. Natürlich verrät der Klappentext, um was es in der Geschichte geht. Wir treffen auch ziemlich rasch auf die Bettlerin und ihre Botschaft. Doch es dauert ein bisschen, bis sich unsere Protagonistin Nora mit der Bettlerin befasst. Lange hält sie die Prophezeiung für die Worte einer verrückten, obdachlosen Frau. Doch nach und nach entsteht ein Motiv, weswegen Arthur Grimm den Tod tatsächlich verdient haben könnte. 
Nora wird immer mehr in eine Geschichte hineingezogen, die mehr mit ihrer Vergangenheit zu tun hat, als man zuerst vermuten würde.

Die Geschichte von Der Schatten braucht hier ein bisschen, bis sie in Gang kommt und bis wir langsam merken, wie Handlungsstränge verstrickt und wir als Leser verwirrt werden sollen. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass mich der Thriller Effekt diesmal nicht ganz erreichen konnte. Für mich stand mehr Nora als Protagonistin im Vordergrund, auf die ich in den folgenden Absätzen noch weiter eingehen werde. Dennoch war es nicht so, dass ich das für mich fehlende Thrillerelement vermisst habe. Ich habe das Hörbuch innerhalb von Rekordzeit durchgehört, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Auflösung der Geschichte ist. Und wenn mich diese Frage zum weiterhören zwingt, ist das ein gutes Indiz dafür, dass Melanie Raabe in diesem Fall alles richtig gemacht hat.
Was mir besonders positiv im Gedächtnis geblieben ist, war Melanie Raabes Gestaltung der Auflösung. Wir erfuhren in einem Gespräch zwischen zwei Charakteren, was es mit der Geschichte auf sich hat. Hier wurden auch die wichtigen Fragen angesprochen, die uns als Leser plagten. Mir hat dieses Stilmittel hier sehr gut gefallen, weil Melanie Raabe hier keinen Inhalt vorkaut, sondern die Auflösung in ein Gespräch verpackt. Hier kommt dann neben der Auflösung auch der Aspekt hinzu, wie zwei Charaktere während eines Gespräches aufeinander reagieren. Wir haben hier also zwei Konfliktpunkte, wenn man das so nennen kann: Die Lösung der Geschichte und der Konflikt zwischen den zwei Charakteren.

Kommen wir zum Schluss noch zu Nora als Protagonistin. Schnell wird klar, dass Nora eine Einzelgängerin ist. Sie weiß, was sie will und traut sich auch, die dafür notwendigen Positionen zu vertreten. Und genau das sorgt dafür, dass sie oft aneckt, weil sie eben das sagt, was sie denkt. Und das ist leider nicht immer die Meinung der Gesellschaft.
Allerdings wird auch deutlich, dass Nora auch ein ziemlich einsamer Mensch ist und ihr Leben beinahe wie ein jahrelanger Kampf wirkt. Als Arthur Grimm als potentieller Verdächtiger ins Spiel kommt, wird ein Thema aus Noras Vergangenheit wieder aufgerollt, das sie am liebsten nie wieder angeschaut hätte. Und dieses Thema lässt ihre Selbstsicherheit bröckeln.

Schreibstil
Es ist schon etwas länger her, dass ich einen Roman von Melanie Raabe gelesen habe. Deswegen hatte ich diesmal den Eindruck, dass sich ihr Schreibstil irgendwie verändert und der Geschichte angepasst hat.
Die Autorin schafft es, Noras Härte in Worte zu fassen und bildhaft darzustellen. Gerade die Einsamkeit, die Nora umgibt, war sehr gut herausgearbeitet.
Dann kamen aber wieder die Elemente von Melanie Raabes Schreibstil hervor, die ich bereits kannte: Die Verstrickung von Handlungssträngen und der Eindruck, dass sich eine Schlinge langsam aber sicher zuzieht. Melanie Raabe versucht uns hier auf eine Seite zu ziehen. Eine Seite, die so deutlich dargestellt ist, dass sie gar nicht stimmen kann. Oder?

Gesamteindruck
Nachdem mir Melanie Raabes Debütroman Die Falle so gut gefallen hat, muss ich gestehen, dass ich mit einer bestimmten Erwartungshaltung an neue Geschichten der Autorin herangehe.
Der Schatten hat mir aufgrund seiner Auflösung ganz gut gefallen. Dennoch hätte ich gerne mehr von der Auflösung erfahren. Die offenen Fragen wurden zwar beantwortet, aber ich fand das eingeleitete Thema spannend und hätte gerne mehr darüber gehört oder gewusst, wie Nora sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass uns hier eine spannende Geschichte erwartet, die sich mit der Frage auseinandersetzt, was es braucht, um einen Menschen zu töten.

Sonntag, 19. August 2018

Tausend kleine Meere im Sommerlicht - Hörmonat Part 1

Guten Morgen Buchlinge,

etwas verspätet kommt nun der erste Teil meines Hörmonats online. In dieser Podcast Folge spreche ich über: Wir sehen uns am Meer von Dorit Rabinyan, Tausend kleine Lügen von Liane Moriarty und Gegen das Sommerlicht von Melissa Marr.

Ich wünsche euch gute Unterhaltung.




Inhaltsverzeichnis 

00:00 Min: Intro und kleine Frage
01:15 Min: "Wir sehen uns am Meer" Inhalt
02:12 Min: "Wir sehen uns am Meer" Hörprobe
06:28 Min: Meinung zum Hörbuch
10:30 Min: "Tausend kleine Lügen" Inhalt
11:43 Min: "Tausend kleine Lügen" Hörprobe
15:35 Min: Meinung zum Hörbuch
23:20 Min: "Gegen das Sommerlicht" von Melissa Marr
27:08 Min: Outro

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Wir sehen uns am Meer Quelle Hörprobe
Meine Rezension

Tausend kleine Lügen Quelle Hörprobe
Meine Rezension

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Donnerstag, 16. August 2018

Tausend kleine Lügen

Bild von Lübbe Audio
Steckbrief

Name: Tausend kleine Lügen (auch als Buch und Serie erhältlich)
Autor: Liane Moriarty
Verlag: Bastei Lübbe audio
Geeignet für: Menschen, die gerne gut verstrickte Thriller mögen
Gelesen oder gehört: gehört unklar ob gekürzt oder ungekürzt
Sprecher: Luise Helm
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Bastei Lübbe Audio

"Jane flieht vor ihrer Vergangenheit. Sie hat es seit der Geburt ihres Sohnes vor fünf Jahren nirgendwo länger ausgehalten. Nun ist sie im idyllischen australischen Küstenstädtchen Pirriwee gestrandet und hat das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Schnell schließt sie Freundschaft mit der lebhaften Madeline und der wunderschönen Celeste. Doch plötzlich geraten die drei Frauen in den Strudel von dunklen Geheimnissen, Lügen und Intrigen. [...]"


Meine Meinung 

Gestaltung
Tausend kleine Lügen wurde von Bastei Lübbe Audio produziert. Leider ist weder auf der Verlagsseite noch auf dem Hörbuch die Info zu finden, ob es sich hierbei um eine gekürzte oder ungekürzte Fassung handelt. Inhaltlich glaubte ich, dass an einer Stelle ein zeitlicher Sprung war. Dieser hätte aber auch genauso gut im Buch vorkommen können, sprich, es muss nicht unbedingt eine Kürzung gewesen sein. Ich hatte nicht den Eindruck, dass hier etwas von dem Inhalt fehlte, kann aber wie gesagt nicht mit Sicherheit sagen, ob das Hörbuch gekürzt oder ungekürzt produziert wurde.

Luise Helm führt uns durch Tausend kleine Lügen und hier konnte die Sprecherin drei Facetten von sich zeigen:
Zum einen schlüpft sie hier in die Rolle verschiedener Kinder und muss die teils naiven, quengligen oder tieftraurigen Aussagen der Kinder in Worte fassen können.
Als zweites kann Luise Helm, eine verletzliche, unsichere Seite von sich zeigen.
Und zu guter Letzt zeigt Luise Helm, dass sie die Klatsch-und-Tratsch-Stimmen sehr gut umsetzen kann. In Tausend kleine Lügen gibt es immer wieder kurze Sequenzen in denen Dorfbewohner zu den Ereignissen im Dorf befragt werden. Und hier prallen verschiedene Welten aufeinander. Hier hat mich Luise Helm das ein oder andere Mal zum schmunzeln gebracht.

Ich fand es sehr angenehm, dass Luise Helm in ihrer Interpretation von Tausend kleine Lügen variieren konnte und die Geschichte nicht nach einem Munster interpretieren musste. Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten, die Charaktere auseinanderzuhalten. Das legte sich aber sehr schnell wieder.

Inhalt
Wir finden uns hier auf einer kleinen Halbinsel wieder. Hier kennt jeder jeden und es gibt jede Menge Klatsch und Tratsch. Die Geschichte steigt mit einer ungewöhnlichen Perspektive ein. Wir erleben, wie eine ältere Dame das Elternfest einer benachbarten Schule beobachtet. Und dieses Fest gerät ziemlich schnell außer Kontrolle.

Dann ändert sich die Perspektive und wir erfahren, dass Tausend kleine Lügen von hinten aufgerollt wird. Schnell wird klar, dass das Fest die Schlüsselszene der Geschichte darstellt. Was mich am Anfang etwas verwirrte, waren die Perspektivenwechsel. Die Frau, die wir noch am Anfang der Geschichte kennenlernten spielt im Laufe der Geschichte überhaupt keine Rolle mehr.

Kommen wir aber nun zurück zur Rahmenhandlung: Tausend kleine Lügen wird aus der Sicht von drei Frauen erzählt. Jane ist alleinerziehende Mutter. Sie sucht in in dem Dorf einen Ort, an dem sie sich endlich mit ihrem Sohn niederlassen und sich etwas aufbauen kann. Dann erleben wir die Geschichte aus der Sicht von Madeline, die selbst einmal alleinerziehende Mutter war und sich schnell mit Jane anfreundet. Madeline stellt Jane Celeste vor, die die dritte Protagonistin von Tausend kleine Lügen ist.

Inhaltlich wurden hier viele Themen angesprochen, die Mütter betreffen, wie beispielsweise Erziehungsfragen oder Eheprobleme. Und natürlich diese Klatsch-und-Tratsch Geschichten, die in Dörfern wahrscheinlich zur Tagesordnung gehören. Einerseits fand ich diese Konflikte interessant. Andererseits konnte ich gerade mit den Klatsch-und-Tratsch Geschichten nicht so viel anfangen. Dennoch zeigte sich schnell, dass es diese Verstrickung der Handlungsstränge braucht, um die Schlüsselszene des Hörbuches verstehen zu können.

Kommen wir nun noch einmal zu unseren drei Protagonistinnen: Madeline ist lebhaft und sagt, was sie denkt. Sie gehört zu den extrovertierten Müttern und hat es gerade deswegen nicht immer leicht. Schließlich wäre es manchmal schon ganz praktisch, Dinge einfach stehen lassen zu können und nicht immer etwas erwidern zu müssen, oder?
Celeste wirkt introvertiert und abwesend. Doch genau das hat einen Grund. Sie trägt ein Geheimnis mit sich herum. Ein Geheimnis, von dem sie lange nicht wahrhaben möchte, wie bedrohlich es wirklich ist.
Und zum Schluss haben wir noch Jane. Eine Frau, die schon früh lernen musste, sich durchzusetzen und für sich und ihren Sohn zu sorgen. Und als ihrem Sohn dann auch noch etwas vorgeworfen wird, weiß Jane gar icht mehr, wem sie noch glauben darf.

Spannung
Zu Beginn war die Kurve des Spannungsbogens sehr weit oben. Wir wussten, dass in diesem kleinen Dorf etwas Schreckliches passieren wird, das das Leben im Dorf vermutlich auf den Kopf stellt. Dann fällt der Spannungsbogen aber lange Zeit sehr stark ab, weil wir erst einmal unsere Protagonistinnen und das Leben im Dorf kennenlernen müssen. Hier spielten sehr viele Klatsch-und-Tratsch-Themen eine große Rolle, die teils interessant, aber auch zäh waren.
Einerseits kann ich mir gut vorstellen, dass sich viele Eltern bei den Beschreibungen der Szenerien wiederfinden, weil es sicher an einigen Schulen oder in einigen Dörfern so zugeht. Andererseits glaubte ich hier nicht wirklich zur Zielgruppe von Tausend kleine Lügen zu gehören.
Gegen Ende steigt der Spannungsbogen aber wieder an, da wir uns der Szene nähern, die zu Beginn des Romanes beschrieben wurde.

Schreibstil
Liane Moriarty erzählt Tausend kleine Lügen aus verschiedenen Perspektiven, die sich auch im Schreibstil der Autorin wiederspiegeln. Zu Beginn empfand ich die Geschichte als etwas unübersichtlich, weil viele Namen eingeführt wurden und nicht klar war, wer zu den Protagonisten und wer zu den Nebencharakteren der Geschichte gehörte. Nach und nach hatte ich aber Orientierung.
Gerade das Stilmittel der Interviewsequenzen hat mir sehr gut gefallen, da diese die Szenen noch einmal erklärten oder die Szene anhand der im Interview erwähnten Aussagen, noch einmal verdeutlicht wurde.
Und auch die Dialoge von Liane Moriarty haben mich sehr gut unterhalten.

Gesamteindruck
Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass der Fokus bei Tausend kleine Lügen mehr auf dem Krimi liegt und sich die Autorin mit der Frage beschäftigt, wer Opfer und wer Täter ist. Stattdessen wurde die Geschichte durch die verschiedenen Perspektiven unserer Protagonistinnen und deren Beziehungen zueinander bestimmt. Allerdings hat das zur Geschichte gepasst und es wurde deutlich, dass man die Motive der drei Frauen kennen musste, um die Bedeutung der Schlüsselszene verstehen zu können. Und von daher haben beide Handlungsstränge sehr gut zueinander gepasst. 

Montag, 13. August 2018

Wir sehen uns am Meer

Bild von Argon Verlag
Steckbrief

Name: Wir sehen uns am Meer (auch als Buch erhältlich)
Autor: Dorit Rabinyan
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Menschen, die tiefgründige Liebesgeschichten mögen
Gelesen oder gehört: gehört als autorisierte Fassung
Sprecher: Luise Helm
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Argon Verlag

"»Weißt du, eines Tages wird das Meer uns allen gehören ...«In der Heimat wären sie sich nie begegnet, aber durch einen Zufall lernt die israelische Studentin Liat in New York den Maler Chilmi kennen, der aus Ramallah stammt. Die beiden verlieben sich, doch Liat ist zwiegespalten, weil weder ihre Eltern noch ihre jüdischen New Yorker Freunde von der Beziehung erfahren dürfen. Und beide wissen: Wenn die Zeit in New York vorbei ist, wird auch diese Liebe, die eigentlich nicht sein darf, enden müssen.
Dieser berührende Roman einer unmöglichen Liebe wurde vom israelischen Erziehungsministerium im Januar 2016 von der Lektüreliste der Oberstufe gestrichen, was in der liberalen israelischen Gesellschaft zu einem Skandal wurde und auch in Deutschland ein starkes Presseecho hervorrief."


Meine Meinung 

Gestaltung 
Im Argon Verlag legt man bei der Hörbuchgestaltung sehr viel Wert auf Barrierefreiheit. Woran das liegt? 
Zum einen werden Produktionen im Daisy Format produziert. Keine Sorge, ihr könnt das Hörbuch auch auf normalen MP3 Playern hören, allerdings können dann die speziellen Funktionen nicht genutzt werden. Dank dem Daisy Format kann man nämlich nicht nur von Kapitel zu Kapitel springen, sondern auch von Satz zu Satz oder - wenn man das Hörbuch mit einem Gerät hört, dass das Daisy Format unterstützt - können auch Notizen zum Hörbuch hinzugefügt werden. 
Zum anderen befinden sich die Daisy Hörbücher in Hüllen, die mit Blindenschrift beschriftet sind. Das finde ich unheimlich praktisch, weil man, wenn man blind ist, problemlos das passende Hörbuch aus dem Bücherregal holen kann.
Allerdings gibt es da nur einen Nachteil: Die Daisy Hörbücher befinden sich nicht in normalen CD Hüllen, sondern haben das Format einer DVD Hülle. Das fand ich persönlich etwas schade, weil ich das Hörbuch so nicht in meinem CD Regal unterbringen konnte, weil es einfach zu groß war. Dabei lassen sich Punktschriftbeschriftungen auch auf kleineren Hüllen anbringen. 

Kommen wir aber nun zur Sprecherin: Wir sehen uns am Meer wird von Luise Helm gelesen. Kaum hatte ich mit dem Hörbuch begonnen, stellte ich irritiert fest, dass ich die Sprecherin kaum wiedererkannt hätte. Erst im März hatte ich Ein ganzes halbes Jahr gehört und dachte eigentlich, sie hätte den Großteil der Geschichte gesprochen. Dort kam mir ihre Stimmfarbe etwas heller vor. In Wir sehen uns am Meer, klingt ihre Stimmfarbe dunkler. Und ich hätte nicht gedacht, dass sich eine Stimmfarbe ja nach Produktion so unterscheiden kann.

Luise Helm stellt unsere Hauptcharaktere wunderbar dar und greift zudem die schwierige Situation auf, in der sich die beiden befinden. Einerseits erleben wir in Wir sehen uns am Meer eine junge Liebe, die aber auch von einer Schwere geprägt ist. Eine Last, die unsere Protagonisten nicht abschütteln können. Und das konnte Luise Helm glaubhaft darstellen. 

Inhalt / Spannung 
Liat und Chilmi lernen sich durch einen Zufall in New York kennen und verlieben sich beinahe auf den ersten Blick ineinander. Doch da gibt es ein großes Problem: Liat ist Israelin und Chilmi Palästinenser. Obwohl beide in Israel aufgewachsen sind, sind sie unterschiedlich sozialisiert worden und wissen genau, dass ihre Liebe in der Heimat nicht bestehen könnte. Was ihnen bleibt, sind drei gemeinsame Monate, die sie so gut wie eben möglich nutzen möchten. 

Hier begegnet uns eine Art moderne Version von Romeo und Julia. Allerdings wird Wir sehen uns am Meer nicht etwa von einem Familienkonflikt bestimmt. Liat und Chilmi wurden so sozialisiert, dass sie das Volk des jeweils anderen als Feind ansehen müssten. Und genau das sorgt immer wieder für Konflikte in ihrer Beziehung. 
Mir gefiel es sehr gut, dass neben der Liebesgeschichte auch noch ein gesellschaftlicher Konflikt in die Handlung eingebaut wurde. Ein Konflikt, der in unserer westlichen Kultur vor ein paar Jahrhunderten ebenfalls noch sehr präsent war. Katholiken und Protestanten in einer Beziehung wurde auch bei uns lange Zeit nicht gerne gesehen. 

Der Inhalt stimmte mich stellenweise sehr nachdenklich, weil hier sehr eindrücklich geschildert wird, was passiert, wenn Menschen unterschiedlich sozialisiert werden und es Konflikte gibt, die über Generationen weitergegeben werden. Dabei suchen beide Gruppen nach Frieden und dennoch ist es so schwer, eine gemeinsame Lösung für die Konflikte zu finden. 

Doch zwischen Liat und Chilmi steht nicht nur der gesellschaftliche Konflikt. Die beiden Protagonisten sind auch sehr gegensätzlich. 
Liat sucht nach Ordnung und Struktur. Ihr ist es wichtig, was Freunde und Familie über sie denken und so macht es sie unglaublich nervös, als sie ihre Beziehung zu Chilmi verheimlichen muss. Eine Beziehung, die sie nicht kontrollieren kann. 
Chilmi ist verträumt und sehr gefühlvoll. Während Liat ihr Leben organisiert, lässt sich Chilmi überraschen, was das Leben so für ihn bereit hält. 

Schreibstil 
Dorit Rabinyan erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Liat. Wir lernen also nicht nur Liats Gedanken kennen, sondern erfahren auch, wie sie Chilmi wahrnimmt. Und das sagt wiederum unbewusst viel über seinen Charakter aus. 
Immer wieder baut die Autorin Bedeutungen für hebräische oder arabische Wörter ein. Das fand ich persönlich sehr spannend, weil mir so fremde Kulturen und Sprachen ein bisschen näher gebracht wurden, ohne, dass es aufdringlich wirkte. 

Gesamteindruck 
Hinter Wir sehen uns am Meer verbirgt sich eine sehr tiefgründige Liebesgeschichte, die von der Frage geprägt ist, ob diese Liebe die gesellschaftlichen Konflikte überstehen kann und es doch noch ein Happy End für Liat und Chilmi gibt. Wer sich also für Liebesgeschichten interessiert, in denen nicht nur die Paarbeziehung im Vordergrund steht, sondern auch noch andere Konflikte thematisiert werden, sollte sich die Geschichte mal genauer anschauen. 

Sonntag, 12. August 2018

Never will I ever mit Isona und Skyara

Guten Morgen Buchlinge,

Isona und Skyara haben unsere Herausforderung angenommen und widmen sich in dieser Podcast Folge den Never will I ever TAG.

Vorsicht: Der TAG enthält Spoiler.

Wir wünschen euch gute Unterhaltung.



emion und meine TAG-Podcast Folge:

Das ist Skyara
Das ist Isona
Special Guest emion

Herausgefordert werden:
Lisas Bücherleben
Der Freiburger Bücherstammtisch

Die Fragen: 
1) Niemals werde ich es shippen
2) Niemals werde ich dieses Ende vergessen
3) Niemals werde ich ueber diesen Tod hinweg kommen
4) Niemals werde ich aufhoeren, wegen diesem Buch zu weinen
5) Niemals werde ich dieses Buch lesen
6) Niemals werde ich aufhoeren, dieses Buch zu feiern
7) Niemals werde ich dieses Buch verleihen
8) Niemals werde ich aufhoeren, diese Leute zu taggen


Und natürlich alle, die die Fragen gerne beantworten möchten.

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Wie soll der Freiburger Bücherstammtisch diese Herausforderung beantworten?
In einer Podcast Folge oder doch lieber in einem Artikel?

Schreibt es mir gerne in die Kommentare.

Freitag, 10. August 2018

Galaktischer Abschied in die Sommerpause - Bücherstammtisch im Juli

Foto: A. Mack
Hallo Buchlinge,

damit euch - oder vor allem mir - die Sommerpause des Freiburger Bücherstammtisches nicht so lange vorkommt, blicke ich heute auf unser Treffen im Juli zurück. Wir begaben uns nämlich auf eine galaktische Reise...







Per Anhalter durch die Galaxis in aller Kürze 

Die Geschichte beginnt tragisch: Arthur Dent muss sich nicht nur damit abfinden, dass sein Haus abgerissen wird, sondern auch noch damit zurechtkommen, dass kurz danach die Erde in die Luft gesprengt werden soll.
Und alles nur wegen dieser blöden Umgehungsstraße. Aber dank seinem Freund Ford Prefect, der von dem Planeten Beteigeuze abstammt, überlebt er das Szenario. Ford ist einer der Autoren des Reiseführers Per Anhalter durch die Galaxis. Und genau dorthin nimmt er Arthur jetzt auch mit.


Auf einer Skala von 1 bis 10... 

emion machte den Vorschlag, erst einmal mit einer kleinen Bewertungseinheit einzusteigen: Wie gefiel uns die galaktische Reise auf einer Skala von 1 bis 10?
Hier waren wir alle recht nah beieinander: Wir bewegten uns alle im 7er bis 8er Bereich.

Die Handlung: Auf der Suche nach dem roten Faden
Ich gab der Geschichte beispielsweise 7 bis 7,5 Punkte, was hauptsächlich an der gelungenen Interpretation von Christian Ulmen lag, auf die ich im Laufe des Artikels aber noch eingehen werde.
Mir persönlich fehlte der rote Faden in der Geschichte. Es stellte sich heraus, dass es auch anderen Bücherstammtisch Mitgliedern ähnlich erging.
Isona beeindruckte mich, weil sie erklärte, dass sie den fehlenden roten Faden zwar bemerkt habe, es ihr aber nichts ausgemacht hatte, da die Geschichte schon an sich verrückt genug ist.

Die Charaktere 
Glücklicherweise konnte ich beim Bücherstammtisch Treffen feststellen, dass auch die anderen Teilnehmer eindeutige Parallelen zu Marc-Uwe Klings Känguru-Trilogie feststellten.
So erinnerte Arthur Dent dezent an Marc-Uwe. Er wirkt pessimistisch und hat auch keinen Antrieb etwas aus seinem Leben zu machen.
Ford und das Känguru unterscheidet nur eine Sache: Während das Känguru sein Gegenüber absichtlich in ein Gespräch verwickelt, um es dann gekonnt zu verwirren, meint Ford seine Vorschläge bitterernst und zeigt so, dass er etwas naiv ist.

Im Laufe der Geschichte lernen Ford und Arthur einen Roboter mit Depressionen kennen: Nämlich Marvin. Hier gingen unsere Meinungen etwas auseinander:
Einerseits war überdeutlich, dass Marvins Aussagen unglaublich überspitzt dargestellt und auf der Metaebene ironisch zu betrachten sind. Ich kann mich nicht erinnern, dass der Roboter nur eine einzige positive Aussage von sich gegeben hat.

Andererseits stellte ich die gewagte These auf, dass dieser Charakter zu Konflikten führen könnte, gerade weil die typischen Symptome für Depression hier so überspitzt dargestellt werden.

Inhaltlich fiel uns auf, dass zwar immer wieder betont wurde, wie unwichtig, die Erde als Planet eigentlich sei. Dennoch wurden Ereignisse ständig mit Situationen verglichen, die es nur auf der Erde gab.


Hörbuch oder Buch? 

emion, Isabelle und ich hatten uns der Hörbuchfassung gewidmet, während die anderen Bücherstammtisch Mitglieder das gedruckte Buch bevorzugten. Wir drei mussten bei der Art von Christian Ulmens Interpretation ebenfalls an die Känguru-Reihe denken, was aber nicht schlecht ist.
Am besten gefielen uns Ulmens Interpretationen von Ford Prefect und einem allwissenden Computer, den Ulmen kurzerhand wie einen Mönch singen ließ.

Obwohl es sich bei dem Hörbuch um eine ungekürzte Lesung handelte, waren wir uns uneinig, ob die im Buch existierenden Fußnoten mitgelesen wurden. So bestand eine Fußnote beispielsweise darin, über die Herkunft von Fords Namen zu informieren. Und ich konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern, etwas darüber im Hörbuch gehört zu haben. Hier stellten wir aber auch fest, dass man die Fußnoten eigentlich auch in den gesamten Inhalt integrieren könnte, da sie inhaltlich nicht von der Handlung wegführten.


Unsere Lektüre bis Januar 

Als wir uns im Januar für den Anhalter entschieden, verlor Der unvergleichliche Jeeves von P. G. Wodehouse das Voting nur ganz knapp. Deswegen beschlossen wir kurzerhand das Buch (Achtung, den ersten Band dieser Reihe!) bis zum Januar zu lesen.
Im Januar wählen wir dann wieder eine neue Lektüre.

An dieser Stelle noch der kleine Hinweis: Wer kein Problem mit englischer Lektüre hat, sollte sich das Buch im Original beschaffen, da es im Deutschen nur noch gebraucht zu bekommen ist.

Aber natürlich treffen wir uns weiterhin monatlich um über Bücher zu sprechen. Unser nächstes Treffen findet am Montag den 17. September statt. In Kürze starte ich eine Themen Umfrage.


Und sonst so? Wie war die Stimmung? 

Foto: A. Mack
Im Juli war unser Stammtisch wieder gut besucht. Ob das nur an Douglas Adams oder auch an unserer Verpflegung lag? Wer weiß das schon.
Auf dem Bild seht ihr nicht nur unsere Speisen und Getränke sowie die Stammtisch Lektüre, sondern könnt auch einen ersten Blick auf unsere neuen Flyer werfen, die bald in Umlauf kommen werden. Die gut eingerollten Zettel sind nur ein kleiner Auszug unserer Zitatesammlung. Ich verrate euch an dieser Stelle mal ein kleines Geheimnis: Isona ist die Queen of Quotes.

Wir diskutierten nicht nur lebhaft über den Anhalter, sondern stellten uns in der neu eingeführten offenen Runde zum Schluss auch noch Bücher vor, von denen wir unbedingt berichten mussten. Ich brachte drei Exemplare mit und bewarb jedes Exemplar mit einem kleinen Satz. Letztendlich habe ich von Frank Schätzings Tyrannei des Schmetterlings und C. J. Tudors Kreidemann erzählt.

Allerdings muss ich an dieser Stelle gestehen, dass ich die Gruppe mit meiner Beschreibung des Kreidemanns verstörte, obwohl ich die Geschichte wirklich mag und eigentlich hoffte, dass die Begeisterung auf die Gruppe übergehen würde.
Isona bemerkte schließlich sachlich: "Emma, emion springt gleich aus dem Fenster und Sandra liegt gleich unter dem Tisch. Du kannst uns nicht so grausame Dinge erzählen!" (Oder so ähnlich).
emion und Isona waren sich jedenfalls einig, dass sie schon wussten, warum sie die Bücher, die ich ihnen empfahl besser nicht anrührten.


Foto: A. Mack
Allerdings toppte Alinas Beschreibung ihrer mitgebrachten Lektüre meine grausigen Erzählung. Sie leitete ihr Buch ungefähr folgendermaßen ein: "Die Protagonistin haut von zu Hause ab, weil sie sonst an ihrem sechzehnten Geburtstag von ihren Eltern getötet und gegessen wird. Ich fand das Buch eigentlich ganz gut."
Stille.
Ich: "Haha!"
Ich liebe solche unabsichtlich schrägen Sätze.
Als ich dann noch fragte, wie sich die Bevölkerung in der Geschichte fortpflanzte, wenn die Kinder mit sechzehn Jahren gegessen werden, bemerkte emion: "Du stellst echt schräge Fragen, Emma." (Das ist jetzt wohl keine gute Werbung für zukünftige Interviewpartner...).


Bücherstammtisch in Freiburg? Ich will mitmachen! 

Du kommst aus Freiburg oder der näheren Umgebung und möchtest Dich mit anderen Bücherwürmern einmal im Monat über Bücher austauschen? 

Dann bist Du hier genau richtig: Wir treffen uns einmal im Monat an einem Montag ab 17:20 Uhr vor dem Haupteingang der Buchhandlung Rombach in der Bertoldstraße in Freiburg.
Von dort aus gehen wir gemeinsam zu unserem Raum. Monatlich legen wir bestimmte Themen fest, über die wir dann bei unseren Treffen sprechen.
Auf dieser Seite findet ihr Infos zu unseren nächsten Treffen und den Themen. 

Momentan besteht unsere Gruppe aus Studierenden, ist aber für alle Altersgruppen offen. Wir reden hauptsächlich über Bücher aus der Belletristik (Unterhaltungsliteratur wie beispielsweise Fantasy, Jugendbuch, Thriller) sind aber auch offen für Bücher aus anderen Bereichen.

Um auf dem Laufenden zu bleiben, hast Du zwei Optionen: 

Mailverteiler
Du lässt Dich in den Mailverteiler eintragen. Hier lade ich regelmäßig zu den Stammtisch Treffen ein oder verschicke Umfragen, damit wir die Themen unserer Treffen festlegen können.
Den Mailverteiler führe ich über GMX: Deine E-Mailadresse wird also in meinem GMX Account im Adressbuch gespeichert, aber nur nach Deinem Einverständnis an die anderen Bücherstammtisch Mitglieder weitergegeben. 

Wir sind auch bei Facebook vertreten. Auch hier werden Einladungen und Umfragen geteilt. Ab und an bricht hier auch eine spannende Diskussion aus. 

Wir freuen uns auf Dich!

Mittwoch, 8. August 2018

Drei Seiten für ein Expose

Bild von
Sieben Verlag
Steckbrief 

Name: Drei Seiten für ein Expose
Autor: Hans Peter Roentgen
Verlag: Sieben Verlag
Geeignet für: alle angehenden Autoren, die erfahren möchten, wie man ein Expose schreibt
Gelesen oder gehört: gelesen als Paperback
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten



Klappentext

(von Sieben Verlag

"Exposés sind das Fegefeuer der Autoren. Leichter quetscht man einen Elefanten durch ein Nadelöhr, als dass man einen 400-Seiten Roman auf drei Seiten Exposé eindampft. Hier erfahren Sie, wie Sie ein Exposé schreiben, es verbessern und für Ihren Roman nutzen, um Schwachstellen Ihrer Geschichte aufzuspüren. Was ein Kurzexposé und ein Pitch ist und was Sie an Verlage und Literaturagenten schicken müssen.

– 14 Beispielexposés und wie man sie verbessert – 6 erfolgreiche Exposés, die zu einem Verlagsvertrag führten, darunter eins von Titus Müller – Sieben namhafte Literaturagenten verraten im Interview, was ihnen wichtig ist."


Meine Meinung 

Der Schreibratgeber ist in folgende Kapitel unterteilt: 
Im ersten Kapitel geht es erst einmal darum, die Fachbegriffe kennen und voneinander unterscheiden zu lernen. Was ist der Plot einer Geschichte? Was gehört zu einem Pitch? Und was macht ein Expose aus? 
Im zweiten Kapitel geht es dann zur Sache: Hans Peter Roentgen hat Autoren gebeten, ihm Exposes zu ihren Manuskripten zu schicken. Und diese nimmt er im zweiten Kapitel auseinander. Anhand der Beispiele wird deutlich, welche Kriterien beim Expose schreiben wichtig sind. 
Im dritten Kapitel wird es dann konkret: Wie schreibe ich ein Expose? Mit welchem Teil soll man beginnen? Auch hier bezieht sich der Autor wieder auf Beispiele von Exposes, die er im zweiten Kapitel vorgestellt hat. 
Im vierten Kapitel erwartet uns dann eine Checkliste für das Expose und den Plot eines Romanes. 
Im fünften Kapitel stellt Hans Peter Roentgen dann die Exposes von Debütromanen einiger Autoren vor. 
Im letzten Kapitel kommen dann erfolgreiche Literaturagenten zu Wort und erklären, was ihnen bei Manuskripteinsendungen wichtig ist. 

Was mir an den Büchern von Hans Peter Roentgen gut gefällt ist, dass er innerhalb weniger Seiten auf den Punkt kommt, ohne, dass ich das Gefühl habe, dass er groß am Inhalt kürzen musste.
Ich habe beispielsweise auch schon Schreibratgeber gelesen, in denen die Autoren viel beschreiben, aber nicht zeigen, was sie meinen und wie man das Beschriebene in der Praxis anwendet. Hans Peter Roentgen hingegen schnappt sich hier ein Beispiel und zeigt, dass man sprachliche Feinheiten auch erkennen kann, wenn man kein Germanistikstudium absolviert hat. 

Zudem finde ich es hier sehr gut, das sich der Autor auch der Frage Literaturagentur oder Verlag stellt. Die Auflage meines Buches ist schon etwas älter und selbst damals zeigte sich schon, dass es genauso schwierig ist, eine gute Literaturagentur zu finden, wie bei einem Verlag unterzukommen. Außerdem kommen hier bekannte Literaturagenten zu Wort, sodass der Leser einen Eindruck bekommt, was wichtig ist, wenn er sich bei einer Agentur bewirbt. 

Fazit 
Wenn ihr eigene Texte schreibt und überlegt, euch bei einem Verlag oder einer Agentur zu bewerben, kann ich euch dieses Fachbuch als Vorbereitung sehr empfehlen. 

Montag, 6. August 2018

Das Geräusch des Lichts

Bild von Jumbo Verlag
Steckbrief

Name: Das Geräusch des Lichts (auch als Buch erhältlich)
Autor: Katharina Hagena
Verlag: Jumbo Verlag
Geeignet für: Menschen, die gut verstrickte Geschichten mögen
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Holger Dexne, David Hofner, Julia Meier, Angela Schmid, Jana Schulz,
Bewertung: zwischen 3,5 und 4 Punkten von 5 Punkten insgesamt


Klappentext 

(von Jumbo Verlag

"Fünf Menschen im Wartezimmer. Wer könnten sie sein? Eine der Wartenden beobachtet die anderen und erfindet ihre Lebensgeschichten. Da ist die Botanikerin Daphne Holt, so widerstandsfähig und zart wie das Moos, das sie erforscht. Auf der Suche nach einer Freundin stößt sie in der kanadischen Wildnis auf ein Geheimnis. Da ist der Musiker, der auf einem zugefrorenen See das Nordlicht erwartet. Der zwölfjährige Richard sieht in jeder Öffnung, jedem Schacht, hinter jedem Gitter einen möglichen Weg zum Planeten Tschu. Auf dem befinden sich nämlich seine Mutter und seine Schwester, weil sie ja irgendwo sein müssen, wenn sie nicht mehr da sind. Und da ist die verwirrte Dame, in deren Kopf sich die weiße Leere schon ganz ausgebreitet hat. Schließlich erfindet die Erzählerin ihre eigene Geschichte, einen Thriller über die Verbrechen einer skrupellosen Ölfirma, und gerät selbst in Lebensgefahr.
Fünf Stimmen lassen die Figuren lebendig werden und erzählen den Zuhörern in magischen Bildern von der rettenden Macht der Fantasie."


Meine Meinung 

Gestaltung
In Das Geräusch des Lichts treffen wir auf fünf Charaktere. Und daher kommen hier auch wieder fünf Sprecher zum Einsatz. Leider wird zu Beginn der Geschichte nicht erwähnt, welcher Sprecher bzw. welche Sprecherin in welcher Rolle zu hören ist. Das finde ich bei Produktionen mit mehreren Interpreten immer etwas schade. Hier waren mir noch nicht alle Sprecher bekannt, sodass ich sie nicht zuordnen konnte.

Das Geräusch des Lichts wird insgesamt sehr zart gelesen. Wir merken, dass jeder unserer Charaktere sein Päckchen zu tragen hat und der eine mehr und der andere weniger darunter leidet. Aufgrund des Alters konnte ich Angela Schmid und David Hofner Charakteren zuordnen. Und das Interessante war, dass mich die Interpretation von Schmid und Hofner auch am meisten beeindruckte.

Angela Schmid schlüpft hier in die Rolle einer älteren Dame, die orientierungslos scheint. Wer hat sie in die Praxis des Nervenarztes gebracht? Ist die Frau neben ihr ihre Tochter? Oder doch eine Fremde? Und wo ist auf einmal ihre Tasche hin? Der Handlungsstrang der älteren Dame ist verhältnismäßig kurz gehalten. Dennoch schafft es Angela Schmid in dieser kurzen Zeit die Orientierungslosigkeit und Verzweiflung der Frau glaubhaft darzustellen. Dieser Wunsch nach Halt und Sicherheit, der Versuch diesen zu finden, dann die Erleichterung, die den Leser aber erkennen lässt, dass etwas mit ihr nicht zu stimmen scheint.

David Hofner schlüpft in die Rolle eines Jungen, dessen Mutter und Schwester auf den Planeten Tschu geflohen sind. Allerdings bekommt er die Information, dass die beiden noch nicht sicher auf den Planeten angekommen sind. Also muss er Schächte und weitere Öffnungen kontrollieren, um den beiden so bei ihrer sicheren Ankunft zu unterstützen.
David Hofner hatte mich schon allein von seiner Stimmfarbe innerhalb weniger Sekunden für sich gewinnen können. Ich mochte besonders die Feinheit seiner Interpretation. Während das Umfeld seines Charakters ein Problem mit seinem Kontrollzwang hat, scheint es für den Jungen ganz klar zu sein: Er muss auf sein Umfeld aufpassen.

Inhalt / Spannung 
Buchlinge, in dieser Rezension gehen einige Aspekte wohl fließend ineinander über. Wir springen nun zurück zum Inhalt und hier ist Katharina Hagena wahrscheinlich ein ziemlich guter Schachzug gelungen. Es gibt zwei Möglichkeiten, den Inhalt zu verstehen.

Möglichkeit Nummer 1: Im Klappentext heißt es, dass sich eine Frau die Geschichten der anderen Charaktere ausdenkt. Somit könnte man also meinen, dass der ganze Roman die Geschichte einer einzigen Frau sein könnte und die anderen Charaktere im Grunde kein Eigenleben haben.

Möglichkeit Nummer 2: Was dagegen spricht? Es gibt verschiedene Sprecher. Wir schlüpfen in unterschiedliche Perspektiven. Und es gibt Parallelen zwischen den Charakteren. Das fand ich besonders schön, weil dieses Element dem Roman etwas Orientierung gab und ich in dem nächsten Handlungsstrang nach bekannten Charakteren Ausschau halten konnte, obwohl sie in einer abgewandelten Form auftauchten. Deswegen habe ich die Theorie, dass jeder der Charaktere ein Eigenleben hat und Katharina Hagena sich hier unglaublich gut auf das Stilmittel der bildhaften Sprache versteht.

Meine beiden Lieblingscharaktere habe ich in der Gestaltung bereits vorgestellt. Daher bleibt dieser Punkt hier wohl unberührt.

Schreibstil 
Katharina Hagena hat hier einen Schreibstil geschaffen, der deutlich macht, wie fragil unsere Charaktere sind. Jeder von ihnen sucht seinen Platz, scheint aber orientierungslos zu sein und keine Ahnung zu haben, wie es im Leben weitergehen könnte.
Katharina Hagena schlüpft in Das Geräusch des Lichts in verschiedene Perspektiven und beschreibt diese unglaublich gut. Angefangen bei einem kleinen Jungen über eine Biologin, die sich lieber in der Natur als in der Gegenwart von Menschen aufhält bis hin zu einer älteren Dame, der das Gespür für die Worte abhanden gekommen ist. Und genau das macht ihr Angst. Das sind nur drei der Charaktere, die aber deutlich zeigen, wie groß die Bandbreite von Katharina Hagenas Charakteren ist und wie schwierig es ist, diese authentisch darzustellen.

Gesamteindruck 
Wie ihr im Steckbrief bereits erkennen konntet, bin ich mir immer noch unschlüssig, wie ich die Geschichte bewerten soll. Alle Handlungsstränge sind sehr offen gehalten. Und auch das Ende von Das Geräusch des Lichts lässt einige Fragen ungeklärt. Nachdem ich die Geschichte beendet hatte, schnappte ich mir unsere Bücherstammtisch What'sApp Gruppe und beschwerte mich erst einmal, dass ich offene Enden nicht mochte. Aber nach und nach glaubte ich, das Ende einfach nicht verstanden zu haben, weil die Geschichte auf einer tieferen Ebene zum Abschluss kommt. Einer Ebene, die ich nur ansatzweise erfassen konnte. Das Geräusch des Lichts ist also eine Geschichte, die ich vielleicht irgendwann noch einmal hören möchte.

Ich empfehle das Hörbuch allen, die nicht an der Oberfläche einer Geschichte verweilen wollen, sondern erfahren möchten, was sich wirklich hinter der Handlung verbirgt. 

Sonntag, 5. August 2018

Der Buchblog Award geht in die zweite Runde - Rückblick, Veränderungen und Ideen

Bild von Buchblog-Award
Hallo Buchlinge,

die Blogger unter euch haben es wahrscheinlich gezwungenermaßen mitbekommen. Der Buchblog Award geht in die zweite Runde. In diesem Beitrag möchte ich auf die vergangene Preisverleihung zurückschauen und meine Gedanken über die Neuerungen im Wettbewerb mit euch teilen.

Die Grundlage für meine Gedanken zur Preisverleihung bieten meine Stichpunkte. Diese geben die Veranstaltung bei weitem nicht vollständig wieder. Deswegen habt bitte etwas Nachsicht.


Die Preisverleihung im Oktober 2017 

Die Location 
Die Preisverleihung fand in einem gut gefüllten Pavillon in einer Messehalle statt. Als wir ankamen, konnten wir schnell feststellen, dass wir gar nicht versuchen mussten, den Raum zu betreten, weil einfach zu viel los war. Also positionierten wir uns draußen, konnten die Veranstaltung aber sehr gut mitverfolgen.

Über die Buchblogger Szene 
Bei der Preisverleihung wurde betont, dass die Buchblogger mittlerweile das Marketing Instrument vieler Verlage sind und zur Konkurrenz der herkömmlichen Zeitungen gehören. Die Buchbloggerwelt ist vielfältig. Und genau diese Vielfalt wird als Stärke der Buchbloggerszene hervorgehoben.

Dabei bezeichnen sich die Buchblogger weniger als Kritiker, sondern eher als Vermittler zwischen dem Leser und einer Geschichte. Das Interesse der Blogger bestehe darin, mit anderen Lesern in Dialog zu treten und sich über die gelesenen Bücher auszutauschen.

Die Preisträger 
Ja, Buchlinge, über die Preisträger muss ich an dieser Stelle wohl gar nicht mehr viel erzählen. Der Hauptpreis ging an den Kaffeehaussitzer, der mir vor allem bei Twitter aufgefallen ist. Der Sonderpreis ging an den Instagrammer Literarischer Nerd. Und ich muss gestehen, mir gefällt der Name von Florian Valerius Account ziemlich gut.

Einerseits freute ich mich für die beiden. Aus der Ferne hatte ich den Eindruck, dass die Buchbloggerszene von der Buchbranche immer etwas belächelt und nicht wirklich ernst genommen wird. Daher fand ich es schön, dass die beiden den ersten Buchblog Award entgegennehmen konnten.

Andererseits fand ich es schade, dass mit dem Kaffeehaussitzer wieder ein Blogger ausgezeichnet wurde, der viele Bücher aus der höheren Literatur gelesen hat. Ich hatte mir mit dem Wettbewerb erhofft, dass mit viel Glück vielleicht ein Blogger gewinnt, der in der Unterhaltungsliteratur vertreten sei, weil es auch hier tiefgründige Geschichten gibt, die es zu entdecken gilt.

Meine Gedanken zur Preisverleihung 
Die Preisverleihung frustrierte mich ein bisschen. Einerseits legte man Wert auf die Vielfalt der Buchblogs. Dann wurde in den Reden aber teilweise der Fokus auf Wir-als-Community gelegt und der Wir-sind-alle-einer-Meinung-Aspekt hervorgehoben.
Ich kann gut nachvollziehen, dass sich viele nach einer Gruppe, nach Gemeinschaft und regelmäßigem Austausch sehnen. Mir geht es da nicht anders.
Dennoch stieß mir das Wir-sind-eine-Gruppe-Thema negativ auf. Ist es denn so schlimm, unterschiedlicher Meinung zu sein? In jedem Bereich finden sich Leute zusammen, die dieselbe Leidenschaft teilen und sich mit den Leuten zusammentun, die sie mögen. Was ist also so schlimm daran?

Dennoch hoffte ein Teil in mir, dass der Award 2018 in die nächste Runde gehen dürfe, weil mir der Grundgedanke, der hinter dem Wettbewerb stand, ziemlich gut gefallen hat und ich einfach hoffte, dass man an der Idee, trotz des großen Chaos, festhalten würde.


Der Buchblog 2018 - Was ist neu? 

In diesem Jahr gibt es ein paar Veränderungen. Fangen wir also von vorne an:

Bewerbungsverfahren und Ablauf 
In diesem Jahr können auch Leser ihren Lieblingsblog für den Wettbewerb nominieren. Ein cooler Gedanke, der hoffentlich von einigen Bloggern auch in die Tat umgesetzt wird. In diesem Jahr muss beim Voting ein kleines Formular ausgefüllt werden. Hier wird unter anderem nach der E-Mail Adresse und nach einer Begründung gefragt, warum man ausgerechnet diesen Kanal nominieren möchte

Außerdem wurden die Kategorien, in die die Kanäle eingeteilt werden, in diesem Jahr erweitert. Es gibt neun Kategorien. Pro Kategorie schaffen es zum Schluss fünf Kanäle auf die Shortlist. In jeder Kategorie wird ein Sieger bestimmt, das heißt es gibt zum Schluss neun Gewinner. Und diese Gewinner werden von einer Fachjury bestimmt.

Man kann zwar für mehrere Kategorien nominiert werden, kommt aber nur in der Rubrik weiter, in der man die meisten Stimmen bekommen hat. Einzig und allein diejenigen, die nur mit ihrer Facebookseite, ihrem Instagram Profil, YouTube oder Podcast Kanal antreten, können ausschließlich für die Kategorie Andere Formate nominiert werden.

Das Bewerbungsverfahren geht bis zum 31. August. Am 10. September wird dann die Shortlist bekannt gegeben. Die Preisverleihung findet wieder am Messefreitag der diesjährigen Frankfurter Buchmesse statt.

Die Preise 
Gemeinsame Gestaltung eines Büchertisches: Die neun Gewinner bekommen die Möglichkeit im Kulturkaufhaus Dussmann gemeinsam einen Büchertisch zu gestalten.
Ein Porträt in einer Fachzeitschrift: Die Gewinner werden im Fachmagazin Börsenblatt vorgestellt.
Buchgutscheine: im Wert von 100 Euro


Meine Gedanken zum zweiten Anlauf 

Erstmal freut es mich, dass man trotz herber Kritik im Vorjahr, an dem Wettbewerb festhält. Die Änderungen zeigen, dass man sich hinter den Kulissen ein paar Gedanken gemacht hat, das Ganze in eine gute Richtung weiterzuentwickeln.

Die Preise 
Besonders gut gefallen mir in diesem Jahr die Preise. Gerade die Idee, gemeinsam einen Büchertisch gestalten zu dürfen, hat es mir richtig angetan. Während es für große Blogger wahrscheinlich keine Besonderheit mehr ist, gemeinsam mit Buchhandlungen zu kooperieren, wäre es für mich eine wunderbare Gelegenheit, meine Herzensbücher und Autoren einem breiten Publikum vorstellen zu können.

Das Bewerbungs- und Votingverfahren 
Allerdings zeigt das Bewerbungs- und Votingverfahren nach wie vor, dass es schwierig ist, die Vielfalt der Buchblogs und Kanäle nach bestimmten Kriterien zu ordnen. Man hat in diesem Jahr wieder an der Kategorie der Literaturgenres festgehalten, allerdings ist das nicht ganz konsequent durchgezogen worden. Blogger können zwar bestimmten Genres zugeordnet werden, alle anderen Projekte müssen sich aber in der Kategorie Andere Formate behaupten.
Und gerade unter den Booktubern (Menschen, die auf YouTube in Videos über Bücher sprechen) gibt es gefühlt genauso viele Kanäle als unter den Buchbloggern. Wie das bei Social Media Kanälen ist, kann ich leider nicht beurteilen.

Was mich etwas verwirrt, ist die Tatsache, dass sich Buchblogs für mehrere Kategorien eintragen lassen können. An sich ist das eine coole Idee. Aber andererseits müssten einem Blogger ja auch jede Menge Stimmen verloren gehen, wenn sich die Follower nicht für eine Kategorie entscheiden können. Wenn ich das zu Ende denke - korrigiert mich gerne, wenn ich da etwas durcheinanderbringe - könnten es Blogger vielleicht nicht auf die Shortlist schaffen, weil die Hälfte ihrer Follower für die falsche Rubrik abgestimmt hat.

Außerdem steht beim Bewerbungsverfahren nach wie vor die Reichweite im Vordergrund. Wer ein gutes Netzwerk hat, das sich bereiterklärt, die eigene E-Mail Adresse für eine Stimme zur Verfügung zu stellen, ist klar im Vorteil.
Andererseits frage ich mich, wie man den Wettbewerb gestalten kann: Ich finde es nämlich auch schön, dass man die Leser eines Blogs in den Wettbewerb miteinbezieht und nicht allein eine Fachjury über die Finalisten entscheiden lässt.
Schließlich würde die ganze Bloggerwelt ohne die Leser, die sich für ihren Kanal interessieren, überhaupt nicht funktionieren.


Meine Ideen 

Buchlinge, beachtet bitte an dieser Stelle, dass es sich hier zwar um kreative Vorschläge handelt, ich aber nicht den Hauch einer Ahnung von Marketingstrategien oder finanziellen Mitteln habe, die dem Buchblog Award Team zur Verfügung stehen. Deswegen kann gut sein, dass nicht alle Punkte, logisch zu Ende gedacht, viel Sinn ergeben.

Verzicht auf die Genre Einteilung - stattdessen: Formate! 
Ich würde mich von der Idee verabschieden, Buchblogs nach Genres einteilen zu wollen und stattdessen die Formate in den Vordergrund stellen. Das Team müsste dank zwei Jahren Buchblog Award Erfahrung einen ungefähren Überblick haben, welche Formate am häufigsten vorhanden sind. Meine Vorschläge wären:

  • Buchblogger 
  • Instagram Accounts 
  • YouTube Accounts 
  • Facebook Accounts 
  • Podcast Kanäle 
In diesen Kategorien werden dann jeweils alte Hasen und Newcomer gesucht, sodass es zum Schluss zehn Preisträger gibt. 
Ganz klar ausgeschlossen wären aus meiner Sicht Websiten wie das Literaturcafe. An dieser Stelle ist es mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass diese Website nur als Beispiel dient. Ich schätze die Arbeit des Literaturcafe-Teams sehr und stöbere gerne im Newsletter, der regelmäßig verschickt wird, oder besuche während den Buchmessen Veranstaltungen, die von dem Team des Literaturcafes organisiert werden. Es ist also nicht so, dass ich dem Team die Nominierung nicht gönnen würde. Allerdings hat das Literaturcafe ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung, als beispielsweise ein Blogger, der seinen Blog als Hobby und nicht als Vollzeitjob betreibt.
Die Idee, dass pro Kategorie fünf Kanäle auf die Shortlist kommen gefällt mir nach wie vor sehr gut.

Es gibt hier aber ebenfalls ein paar Dinge zu beachten:
Wichtig wäre aber, dass man bei der Bewerbung darauf achtet, dass sich die Teilnehmer entscheiden müssen, ob sie beispielsweise mit ihrer Facebook Seite oder ihrem Blog an den Start gehen möchten. Hier liegt die endgültige Entscheidung bei dem Blogbetreiber und nicht bei den Lesern oder Zuschauern, da sich der Blogbetreiber ja mit seiner Kategorie identifizieren muss. 

Bewerbungsverfahren: Jury setzt die Shortlist fest
Viele Buchblogger haben sich schon im letzten Jahr gewünscht, dass eine Fachjury die Shortlist bekommst und danach über die Kandidaten abgestimmt wird. Allerdings sehe ich hier das große Problem, dass sich dann die Fachjury mit einer Vielzahl von Buchblogs herumschlagen muss. Und - Achtung blödes Beispiel - bei den herkömmlichen Castingshows ist es ja auch nicht so, dass die Jury alle Bewerber zu Gesicht bekommt. Deswegen müsste vor der Fachjury noch eine Gruppe installiert werden, die eine Vorauswahl trifft. Und das könnten beispielsweise die Shortlistkandidaten aus dem letzten Jahr sein. Natürlich müssten zuvor Kriterien festgelegt werden, was einen guten Buchblog oder Kanal ausmacht, damit die Shortlist Kandidaten eine Art Leitfaden hätten, an dem sie sich orientieren können.

Alternativ könnte dann auch die Anzahl der Shortlist Kandidaten nach oben gesetzt werden, sodass man pro Kategorie vielleicht nicht fünf, sondern zehn Finalisten zur Auswahl hat.

Andere Darstellung der Website 
Falls an der Idee festgehalten werden soll, die Community die Kanäle einreichen zu lassen, wäre es schön, wenn die Darstellung der Buchblogs übersichtlicher gestaltet ist. In diesem Jahr haben einige Kanäle einen Header und stechen damit positiv hervor, andere hingegen müssen ohne Bild auskommen und gehen daher in der Masse etwas unter. Deswegen habe ich folgende Idee, kann aber nicht einschätzen, welchen technischen Aufwand das macht:


  • Pro Zeile ein Kanal 
  • Auf der linken Seite sieht man den Header oder den Screenshot der Startseite. Wenn man auf das Bild klickt, wird man auf den Kanal weitergeleitet. 
  • Auf der rechten Seite neben dem Header entweder: ein Steckbrief in dem folgende Infos enthalten sind: ✿ Name des Blogs, ✿ Seit wann besteht der Blog, ✿ Die Genres, die rezensiert werden ✿ evtl. auch Medium (also eBook, Hörbuch etc.) ✿ und einen Beitrag, den der Blogger empfiehlt; oder: ✿ eine kurze Vorstellung 1-2 Sätze, in dem sich der Kanalbetreiber vorstellen kann, ✿ Genres, die er gerne liest, ✿ Link zu einem Beitrag, den er empfehlen möchte 
  • WICHTIG: ✿ Egal, für welche Option man sich entscheiden würde, es braucht einen Button auf dem Nominieren steht, damit das Ganze einigermaßen barrierefrei ist. (Falls darauf Wert gelegt werden möchte). ✿ Damit es nicht wieder eine seitenlange Liste gibt, sollte man auswählen können, wie viele Kanäle auf einer Seite zu sehen sein sollten. ✿ keine gemischte Reihenfolge: Neue Kanäle werden weiter unten, aber nicht mitten drin eingefügt, sodass man anhand der Reihenfolge der Blogs eine Orientierung hat, welche Kanäle man schon besucht hat 


Ein neuer Name für den Wettbewerb? 
Wie ihr oben erkennen könnt, nehmen die anderen Formate bei meiner Einteilung der Kategorien einen ziemlich großen Raum ein. Deswegen wäre es auch eine Idee, den Preis umzubennen, sodass sich auch Büchermenschen außerhalb der Buchblogger Szene angesprochen fühlen. 

Die Preise 
Die Preise in diesem Jahr finde ich deutlich attraktiver. Dennoch kann ich meine Kreativität hier schlecht ausbremsen und dachte daher, ich werfe mal ein paar Vorschläge in die Runde. Vielleicht reicht das Kontingent aus, um eine der Ideen umzusetzen. 

  • Finanzierung des Besuches der Frankfurter Buchmesse: Blogger können ja einen Presseausweis beantragen. Deswegen würde sich die Finanzierung hier nur auf eine Übernachtung beschränken. Und selbst diese muss nicht zwingend direkt in Frankfurt sein, sondern könnte beispielsweise auch in einem der Nachbarstädte (z.B. Darmstadt, Wiesbaden, Mainz, Wezlar) stattfinden, sofern die Unterkunft gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. 
  • Optional: Ein Platz in einer Fachjury eines Buchpreises: Hier könnte man dann das favorisierte Genre des Siegers hervorheben. Fantasyleser dürfen beispielsweise beim Seraph mitbestimmen. Fans von Gegenwartsliteratur gestalten den Blogbuster mit usw. 
  • Optional: Buchempfehlungen für eine Zeitung oder einen Radiosender: Die Sieger bekommen die Möglichkeit ihre Lieblingsgeschichte in einer Zeitung oder einer Radiosendung vorzustellen. ✿ Entweder darf jeder Sieger einmal im Monat ran, ✿ oder jeder bekommt einen Gastauftritt und die Reihe geht dann z.B. bei neun Siegern neun Monate. So könnten beispielsweise auch neue Sponsoren gewonnen werden. 
  • evtl. einen Platz als Experte für den nächsten Buchblog Award: Der Sieger der jeweiligen Kategorie kann der Fachjury im nächsten Jahr beratend zur Seite stehen. Was macht die Kategorie aus, in der er/sie gewonnen hat? Welche Kriterien müssen für diese Kategorie beachtet werden? 

Aufnahmestopp der Shortlist Kandidaten aus dem vorherigen Jahr 
Stellt euch mal vor, ihr nehmt an einer Castingshow teil und kommt unter die letzten verbleibenden zehn Kandidaten. Dann müsst ihr die Show leider verlassen, weil ihr nicht genügend Stimmen bekommen habt. Aber hey, kein Problem. Ihr versucht es im nächsten Jahr einfach nochmal. Schließlich habt ihr es schon mal so weit geschafft. Irgendwann wird es schon für den Sieg reichen, oder? 

Dieser Punkt ist wirklich etwas kritisch zu betrachten. Im letzten Jahr standen BloggerInnen auf der Shortlist, denen ich den Sieg wirklich gegönnt hatte. Deswegen freue ich mich einerseits, dass sie es in diesem Jahr wieder probieren dürfen, denke mir aber andererseits auch, dass es die Chancen für andere Kanäle deutlich verringert, in die Endauswahl zu kommen. Wenn sie ihre Follower schon einmal motivieren konnten, für sie abzustimmen, warum sollte der Plan also nicht auch ein zweites Mal aufgehen? 

Deswegen fände ich es nur fair, wenn die Shortlist Kandidaten ein Jahr Buchblog Award Pause einlegen. Es muss aber auch darauf geachtet werden, dass ein Shortlist-Platz dann nicht wie eine Bestrafung wirkt. Schließlich ist es durchaus beeindruckend, in einem Wettbewerb so weit zu kommen. Deswegen meine Ideen:


  • Berichterstattung des Buchblog Awards im Folgejahr: Die Shortlist Kandidaten haben die Möglichkeit dem Bubla-Team in der Berichterstattung unter die Arme greifen zu können. 
  • Die Shortlist Kandidaten stehen der Fachjury in ihrer Rubrik beratend zur Seite. 
  • Die Shortlist Kandidaten wird als Jury vor der Jury installiert.  

Und Du? 

Was hältst Du von dem Buchblog Award? 
Bist Du in diesem Jahr wieder mit dabei? 
Welche Kanäle dürfen auf Deiner persönlichen Shortlist auf keinen Fall fehlen? 
Und wie sähe Dein Büchertisch aus? 

Freitag, 3. August 2018

5 Dinge, die ich gerne vor meinem Studium gewusst hätte - Part 3

Hallo Buchlinge,

heute lade ich euch wieder herzlich ein, einen weiteren Punkt meiner fünf Dinge, die ich gerne vor meinem Studium gewusst hätte, kennenzulernen.

Auch diesmal gilt, dass sich diese Reihe auch an (angehende) Studierende ohne Behinderung richtet. Vielleicht findet ihr euch ja in dem ein oder anderen Punkt wieder.

Bevor ich inhaltlich einsteige, noch die alt bekannten Infos:

  • Wenn ihr Fragen oder Ideen habt, über welche Themen in Bezug auf Sehbehinderung oder Blindheit ich unbedingt schreiben sollte: Lasst mir eure Ideen sehr gerne in den Kommentaren da oder schreibt mir eine Mail an EmmaZecka@gmx.de.
  • Am Ende des Beitrages findet ihr wie gewohnt eine Übersicht der letzten fünf Beiträge, die in dieser Rubrik bereits erschienen sind. Außerdem gibt es die altbekannte Info, wie sich meine Sehbehinderung im Alltag bemerkbar macht.

Nun starten wir aber mit dem dritten Punkt: 5 Dinge, die ich gerne vor meinem Studium gewusst hätte...,


3. Dass es Spaß machen kann, in der ersten Reihe zu sitzen und dort IMMER ein freier Platz ist

Das Verrückte an diesem Punkt ist, dass ich vor dem Studium tatsächlich wusste, dass in der ersten Reihe vermutlich immer ein Platz frei ist. Ich konnte es mir einfach nur nicht vorstellen.

Dieser Punkt mag viele von euch wahrscheinlich etwas erstaunen. Deswegen muss ich kurz etwas ausholen und euch erstmal einen kleinen Einblick in meine Schulsituation geben.

Das Abstellgleis Sonderschule? Nicht für mich! 
Wie einige von euch vielleicht wissen habe ich keine normale Schule (auch Regelschule genannt) besucht, sondern habe meine Schullaufbahn in zwei Sonderschulen überstanden. Wenn ihr euch für die beiden Schulen interessiert, kann ich gerne nochmal einen separaten Beitrag darüber schreiben.
Wenn ihr erst einmal die Grundneugier zum Thema Sonderschule stillen wollt, kann ich euch den Wikipedia Artikel empfehlen.

Für euch ist an dieser Stelle nur wichtig zu wissen, dass unsere Schulklassen um einiges kleiner waren, als ihr es wahrscheinlich aus eurer Schulzeit gewohnt seid oder wart.
In der kleinsten Klasse, die ich besuchte, waren wir zu fünft. Die größte Klasse in der ich war, bestand aus 15 Schülern. Und selbst bei dieser Größe dachte ich mir, dass wir ruhig noch 2-3 Leute hätten aufnehmen können. Das einzige Problem war, dass das unser Klassenraum wahrscheinlich nicht mehr verkraftet hätte.
Es war also normal, in der Klasse nicht untertauchen zu können und zu wissen, dass einen die Lehrer mehr oder weniger immer im Blick hatten.

Der Weg zum Studium 
Eine Freundin von mir hatte uns im Abschlussjahr einen Termin bei einer Hochschule organisiert. Hier wollten wir uns über das Angebot der Hochschule informieren und erfahren, wie das Studentenleben so abläuft.
Ich fragte besorgt, wie das mit den Sitzplätzen in Vorlesungs- und Seminarräumen war. Schließlich kannte ich nur die Fernsehberichte mit überfüllten Hörsälen. Ich wusste, dass ich mit einem Laptop vor Ort arbeiten müsste und wahrscheinlich auch auf eine Steckdose angewiesen sein würde. Und mir war auch klar, dass ich ziemlich weit vorne sitzen müsste, um etwas von den Inhalten der Veranstaltungen mitzubekommen.

Damals rechnete ich noch damit, dass die vorderen Plätze sicher begehrt waren, weil ich glaubte, dass auch andere Studenten das Ziel verfolgten, möglichst viel von den Veranstaltungen mitbekommen zu wollen und dafür den Sitzplatz in der ersten Reihe zu wählen.
Eine Studentin, die damals bei dem Gespräch dabei war, beruhigte mich und meinte, dass ich mir keine Sorgen machen müsse. In der ersten Reihe sei immer ein Platz frei. Ich weiß noch genau, wie ich damals dachte: Ja, klar, als ob!

Die ersten Wochen war volles Haus 
Dann begann ich mein Studium an einer anderen Hochschule. Hier war mein Semester deutlich größer als an den Hochschulen, die wir uns im Abschlussjahr angeschaut hatten. In unseren Vorlesungsräumen befanden sich ca. 100 bis 120 Leute, was für mich schon eine ziemlich große Gruppe war. Und tatsächlich war in den ersten Wochen auch ziemlich viel los. Ich genoss es, vor oder in den Pausen der Veranstaltungen viele Leute durcheinander sprechen zu hören und das Gefühl zu haben, in einem Raum zu sitzen, in dem etwas los war.

Der Beginn im Mittelfeld 
Da mir unser Vorlesungsraum ziemlich groß vorkam, traute ich mich noch nicht, mich gleich vorne hinzusetzen. Nicht etwa, weil mir in den Sinn käme, dort beobachtet zu werden, sondern weil es irgendwie ungewohnt war, vorne zu sitzen. Für eine kurze Zeit genoss ich den Gedanken, zu glauben, in der Masse untergehen zu können.

Ich begann also im Mittelfeld und stellte schnell fest, dass sich meine Bedenken bewahrheiteten: Ich bekam zwar mit, was meine Kommilitonen während der Veranstaltungen besprachen, der Stoff der Lehrveranstaltungen zog aber an mir vorbei. Und in Seminarräumen war ich aufgrund meiner Hörbehinderung sowieso darauf angewiesen, vorne zu sitzen.

Eine Reihe nur für mich!
Ich änderte also meine Strategie, überwand mich, setzte mich um und stellte nach und nach fest, dass es gar nicht so schlimm war, vorne zu sitzen.
Anfangs hatte ich während beliebten Vorlesungen noch Gesellschaft. Das änderte sich aber relativ schnell und so gab es auch Veranstaltungen, in denen die erste und manchmal auch zweite Reihe hinter mir leer waren. Einerseits war das sehr angenehm, weil ich so nicht durch andere Gespräche abgelenkt wurde. Es war aber auch angenehm, vorne etwas Platz zu haben. Je nach Vorlesung und Aufgabenstellung musste ich zwischen verschiedenen Hilfsmitteln variieren und war dann ganz froh, dass der Tisch neben mir frei war und ich dort eine der Lupen oder den Laptop ablegen konnte.
Andererseits hatte ich häufiger das Gefühl, abseits der Gruppe zu sitzen. (Wer meinen letzten Beitrag dieser Rubrik gelesen hat, wird feststellen, dass das ein schönes sprachliches Bild ist).

Schwierigkeiten bei den Gruppenarbeiten 
Manchmal neigten Dozenten dazu, uns während einer Vorlesung Gruppenaufgaben zu geben. Man sollte gemeinsam etwas recherchieren oder einen Text lesen und in der Gruppe diskutieren. Gerade in den Lehrveranstaltungen, die eher schlecht besucht waren, war das für mich etwas knifflig, weil ich mir dachte, dass mir schon viel Zeit verloren geht, bis ich eine Gruppe finde, mit der ich zusammenarbeiten kann. Deswegen habe ich dann oft alleine gearbeitet, was für mich aber auch kein Problem war, da wir die Ergebnisse nicht immer in der Großgruppe vorstellen mussten.

Der falsche Eindruck der Erste-Reihe-Sitzer 
Buchlinge, nun lüfte ich das Geheimnis, um ein hartnäckiges Gerücht: Viele Leute denken, dass die Studenten, die in der ersten Reihe sitzen, den Durchblick haben und top informiert sind. Von wegen: Es gab Vorlesungen, in denen ich gefühlt alle fünf Minuten auf die Uhr geschaut habe, weil mich die Veranstaltung langweilte oder ich einfach müde war. Und es gab Veranstaltungen, in denen ich mal eben schnell ins Internet geflitzt bin, um meine Konzentration bei Laune zu halten.

Wenn es dann auf die Prüfungen zu ging, bekam ich viele Nachrichten von bekannten und unbekannten Kommilitonen, die fragten, was wir für das ein oder andere Fach lernen mussten. Ich war dann völlig überrascht, dass man mich fragte.
Das Einzige, was ich tat, war in der ersten Reihe zu sitzen und versuchen aufmerksam zuzuhören. Ich meldete mich nicht, zeigte nicht, dass ich den Stoff auch nur ansatzweise verstand, schrieb aber immer fleißig mit, wobei ich 50% meiner Notizen im Nachhinein nicht mehr gebrauchen konnte. (Allerdings meinte eine Kommilitonin scherzhaft: "Immerhin kannst du deine Notizen nachher noch lesen!")
Und offenbar reichte das aus, um einen kompetenten Eindruck zu vermitteln.

Warum die erste Reihe so unbeliebt ist? 
Einige Kommilitonen haben mir gestanden, dass sie sich in der ersten Reihe so beobachtet fühlen. Und da ist mein ungemeiner Vorteil: Mich kann der Versuch, einen Blickkontakt aufbauen zu wollen, kein bisschen beeindrucken und ich lasse mich davon nicht aus dem Konzept bringen. Allerdings kann ich gut nachvollziehen, dass einen die erste Reihe erschlagen kann, wenn man es während der Schulzeit gewohnt war, untertauchen zu können.

Mein Fazit 
Nie hätte ich damit gerechnet, dass die ersten Reihen an Hochschulen oder Unis in der Regel leer bleiben. Und ganz bestimmt nicht hätte ich damit gerechnet, dass viele Menschen den Eindruck haben, wenn man in der ersten Reihe sitzt, kenne man sich aus.


Und Du? 

Gehörst Du zu den Erste-Reihen-Sitzer?
Wie sind Deine Erfahrungen?


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Die fünf letzten Beiträge dieser Rubrik
5 Dinge, die ich gerne vor Beginn meines Studiums gewusst hätte:
1. Dass man niemals an seien Hilfsmitteln sparen sollte
Wie ich lese - BLG Tutorial - HIER KLICKEN
Hilfe anbieten, aber wie? -   HIER KLICKEN


Zu meiner Person und der Sache mit der Sehbehinderung: Ich bin von Geburt an auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge hochgradig sehbehindert. Seit 2017 beträgt mein Sehrest 2%, was bedeutet, dass ich nach dem Gesetz als blind gelte. In der Praxis heißt dass: Ich...



  • Habe Mühe mich in unbekannten oder schlecht beleuchteten Räumen zu orientieren
  • Erkenne mir bekannte Personen nicht im Vorbeigehen 
  • Laufe mit einem Blindenlangstock (von mir als Elderstab betitelt) pendelnd durch die Weltgeschichte 
  • Kann keinen Blickkontakt aufnehmen und mit der Mimik meines Gegenübers nichts anfangen 
  • Kann Personen, die in unmittelbarer Nähe (linker, rechter Sitznachbar je nach Entfernung auch mein Gegenüber) erkennen, alle was darüber hinaus geht aber nicht 

Mittwoch, 1. August 2018

* Ge(h)lebt im Juli 2018

Gelesen

Gelesene Seiten: 230 Seiten
Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht ziemlich wenig. Allerdings habe ich im Juli unglaublich viel Fachliteratur für die Bachelorarbeit gelesen. Und die habe ich nicht in meine Statistik mit eingerechnet.

Gelesene / gehörte Zeit: 57 h 5 min
Beendete Bücher: 1 Buch
Abgebrochene Bücher: Verstand und Gefühl von Jane Austen
Beendete Hörbücher: 6 Hörbücher
Neuzugänge: 4 Neuzugänge
Günter Grass - Leben und Werk von Harro Zimmermann
Hören mit allen Sinnen eine Anthologie
Ich habe den englischen König bedient von Bohumil Hrabal
Der unvergleichliche Jeeves von P. G. Wodehouse

Podcast Folgen 
Im Juli habe ich meine beendeten Hörbücher und Bücher auf mehrere Podcast Folgen aufgeteilt. Leider hat das nicht unbedingt dazu geführt, dass die Folgen kürzer geworden sind. Aber keine Sorge, länger wurden sie auch nicht. An dieser Stelle habe ich nochmal einen kleinen Überblick für euch:
Folge 1: Die Tribute der toten Mädchen
Folge 2: Wo mein Tribut dich findet
Folge 3: Drei Geräusche für ein Tribut
Ich denke, die Titel sind selbsterklärend.

Kommen wir nun zu meinem imaginären roten Teppich:



Bild von Jumbo Verlag

Beste Handlung 
Dieser Titel geht eindeutig an Das Geräusch des Lichts von Katharina Hagena. Hier begegnen wir fünf Patienten, die sich in der Praxis eines Nervenarztes wiederfinden. Jeder der Patienten hat eine eigene Geschichte. Und sie haben vielleicht alle mehr gemeinsam, als sie ahnen.
Die Handlungsstränge sind unglaublich gut miteinander verknüpft. Und zwar so gut, dass ich vermute, die Handlung immer noch nicht ganz verstanden zu haben. Hier erwartet euch viel Tiefe und eine bewegende Handlung.

Bild von
RandomHouse Audio

Coolster Hauptcharakter
Dieser Titel geht an Clay. Clay ist einer der dreizehn Personen, die für Hannahs Suizid verantwortlich sein sollen. Zumindest ist Hannah dieser Ansicht. Dabei ist Clay ein zurückhaltender, einfühlsamer Junge. Ein Junge, der keiner Fliege etwas zu leide tun kann. Und genau aus diesem Grund nimmt ihn Hannahs Geschichte auch ziemlich mit.

Bild von oetinger audio

Bester Nebencharakter
Im zweiten Band der Tribute von Panem lernen wir Beetee kennen. Einen Mann, der ein recht verrückter Erfinder ist. Er geht in seinem Element auf, verliert sich vielleicht hin und wieder in seinen Entdeckungen aber kommt immer wieder in die Realität zurück.




Bester Handlungsort 
Es gibt Monate, in denen mich dieser Punkt buchstäblich in die Verzweiflung treibt. Ich habe in diesem Monat die Wahl zwischen einer Kleinstadt in den USA, einer dystopischen Diktatur, einem Sachbuch und der Praxis eines Nervenarztes oder vielleicht doch Kanada?
Während ich diese Zeilen schreibe, schwanke ich ständig zwischen Distrikt 12, der Heimat von Katniss und Peeta, den Protagonisten aus den Tributen von Panem oder in diesem Monat einfach keinen Handlungsort zu benennen. Um mich in Distrikt 12 richtig wohlfühlen zu können, müssten nämlich ein paar Dinge geändert werden. Deswegen behalte ich die imaginäre Trophäe des schönsten Handlungsortes in diesem Monat lieber bei mir.

Beendete Hörbücher und Bücher im Überblick 
*Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher
*Wo mein Herz dich findet von Kathryn Taylor
Die Tribute von Panem Band 1 von Suzanne Collins
Die Tribute von Panem Band 2 von Suzanne Collins
Die Tribute von Panem Band 3 von Suzanne Collins
Das Geräusch des Lichts von Kathrina Hagena
Drei Seiten für ein Expose von Hans Peter Roentgen


Aufreger in der Welt der Buchblogger  

Für eine Nacht in die forensische Klinik?
Im Oktober erscheint ein neuer Psychothriller von Sebastian Fitzek. Dort lässt sich sein Protagonist in eine forensische Psychiatrie einweisen. Denn er benötigt wichtige Informationen von einem Inhaftierten. Informationen, an die die Polizei nicht kommt.
In den letzten Jahren hatte es vor dem Erscheinen eines neuen Psychothrillers des Autors immer eine spannende Marketing Aktion gegeben. Und so dachte sich der Verlag diesmal, Testleser für eine Nacht in eine forensische Klinik einzuladen, um den Psychothriller Ende August vorab gemeinsam zu lesen. Ich habe den Post damals bei Facebook gesehen und fand die Idee sehr ungewöhnlich. Aber ich hatte auch die Hoffnung, dass der Verlag - oder wer auch immer sich das ausgedacht hat - so eine Aktion nicht halbherzig plant, sondern das Ganze auch durchdacht hat. Und immerhin gibt es ja auch immer wieder Reportagen im Fernsehen in denen sich Reporter für eine Nacht in eine Gefängniszelle oder ein Zimmer im Hospiz begeben, um über ihre Erlebnisse zu berichten.
In diesen Sendungen kommen aber auch immer Betroffene zu Wort. Deswegen rechnete ich damit, dass im Rahmen der Aktion vielleicht etwas Ähnliches geplant sei. Schließlich solle es ja nicht darum gehen Leute vorzuführen, oder?
Doch mittlerweile wurde die Aktion abgeblasen. Warum? Weil es wohl einen ziemlichen Shitstorm gab. (Den habe ich nur am Rande mitbekommen). Das macht mich wiederum noch neugieriger, wie Der Insasse Ende Oktober in der Bücherwelt ankommen wird. 

Werbung oder not Werbung?
Ausgangspunkt ist vermutlich dieser Artikel, indem Influencern, also Leuten, die ihre Produkte via Social Media vorstellen und manchmal sogar Geld dafür bekommen, abgemahnt werden, weil nicht ersichtlich sei, woher sie ihre Produkte beziehen. Da es keine einheitlichen Regelungen gibt, wird jetzt erst einmal alles als Werbung gekennzeichnet und gefühlt viele Institutionen auf Beiträge verlinkt.
Es ist wie mit der DSGVO: Es geht einfach, oder eben kompliziert. Rezensionsexemplare oder Beiträge, für die man anderweitig bezahlt wurde, sollten als Werbung (oder wie auch immer man das stattdessen nennen mag) gekennzeichnet werden.
Den Gedanken, Produkte, die man im Rahmen einer Kooperation erhalten hat, zu kennzeichnen, finde ich richtig. Allerdings heißt das ja nicht, dass man das Produkt deshalb ausschließlich gut bewerten muss, oder?. (Ok, ich schweife ab).
Jedenfalls finde ich es unglaublich übertrieben, jedes Produkt kennzeichnen zu müssen. Interessiert es euch wirklich, ob meine aktuelle Lektüre ein Flohmarktkauf oder ein Weihnachtsgeschenk war? Ich denke nicht. Außerdem: Wie soll ich denn belegen, woher ich meine Produkte habe? Müssen demnächst noch Bilder von Kassenzetteln nachgereicht werden?
Da im Netz viele Halbwahrheiten zum Thema Kennzeichnung existieren und die wenigsten Leute die rechtlichen Grundlagen für ihr Handeln kennen, verlinke ich hier mal einen Artikel von Anwalt Tilman Winterling. Er zeigt uns hier ein paar rechtliche Grundlagen und definiert diese auch. Er rät beispielsweise dringend davon ab, jeden Social Media Post mit dem Wort Werbung zu kennzeichnen.


Lustiges aus dem Camp 

Zwiebel zum Frühstück?
In der Küche. Ich hole mir einen Apfel.
Mein Vater schaut rein.
Er: "Gibt's eine Zwiebel zum Frühstück?"
Ich (lache): "Das ist ein Apfel!"
Er: "Aus der Entfernung sah es aus wie eine Zwiebel."
Ich: "Eine Rote!"
(Ich glaube ja, er braucht eine neue Brille...).

Fussel
Ich unterhalte mich mit der Grafikerin über den literarischen Adventskalender. Wir diskutieren über ein englischsprachiges Weihnachtslied. Kurzerhand packt sie ihr Liederbuch aus und beginnt am wärmsten Tag des Jahres damit, Weihnachtslieder zu singen. Mitten im Lied unterbricht sie sich, schaut mich an und meint: "Wir müssen deinem Cousin noch zum Geburtstag gratulieren. Hol dein Handy!" Dann, als wäre nichts gewesen, singt sie an der Stelle weiter, an der sie aufgehört hat.


Was bisher geschah 

Rezensionen aus dem vorherigen Monat
*Wie man die Zeit anhält von Matt Haig
*Der Kreidemann von C. J. Tudor
*Die Tyrannei des Schmetterlings von Frank Schätzing
Nicht weg und nicht da von Anne Freytag

Der Buchclub 
Bekanntgabe des ersten Themas und Buchvorschläge
Die Entscheidung ist gefallen: Wir lesen folgende Bücher...

Ge(h)brechen 
5 Dinge, die ich gerne vor Beginn meines Studiums gewusst hätte: Dass ein gemeinsames Studienfach noch lange nicht Gemeinschaft und Interesse aneinander bedeuten muss

Bücherstammtisch in Freiburg 
Keine Angst vor dem weißen Blatt - Stammtisch im Juni


Ge(h)schrieben 

Foto: A. Mack

Ja, Buchlinge, leidenschaftliche Autoren unter euch wissen wahrscheinlich welches Ereignis im Juli anstand. Und zwar das Camp NaNoWriMo. Für diejenigen unter euch, die noch nichts davon gehört haben: Die Idee ist es, innerhalb eines Monats eine bestimmte Wortanzahl zu schreiben. Der Monat des NaNoWriMo ist eigentlich der November. Im Juli findet die Miniaturausgabe statt. Während Isona jahrelang vergeblich versucht hat, mich für das (Camp) NaNoWriMo zu motivieren, habe ich ihr all die Jahre die Stirn geboten und erklärt, dass ich mich von so einem Monat nicht beeindrucken lasse und es mein Ziel ist, regelmäßig zu schreiben und nicht an einem Monat zu eskalieren.
Und Anfang Juli - ich hatte völlig vergessen, dass es der Monat des Camp NaNoWriMos war - überkam mich der Impuls mit dem literarischen Adventskalender anfangen zu wollen. Und so schlich sich ganz langsam eine Schreibroutine ein.
Anfang des Jahres hatte ich noch vergeblich versucht, das Schreiben in meinen Alltag zu integrieren. Im Juli nahm das Ganze dann seinen Lauf und ich bin sehr gespannt, wo es mich noch hinführen wird.

Im Juli habe ich also geschlagene 17.779 Wörter geschrieben, was für mich ein kleiner Rekord ist. Insgesamt habe ich dafür 13 Stunden und 58 Minuten gebraucht.


Gehört - Ohrwürmer im Juli 

Die Sache mit den Streaming Diensten 
Buchlinge, mich hat es Anfang Juli zu Spotify verschlagen. Ich bin noch etwas hin- und her gerissen, was das Streamen von Musik betrifft.
Einerseits stöbere ich unglaublich gerne auf der Plattform und finde es praktisch, sich einfach Playlists zusammenstellen zu können.
Andererseits ist das Angebot der Streamingdienste unglaublich günstig und da sagt mir mein Gefühl, dass am Ende nicht viel für die Musiker übrig bleiben kann. (Ich bezahle beispielsweise keinen Cent für das Streaming, weil ich das kostenlose Spotify Konto nutze).
Allerdings haben die Musiker immer noch mehr davon, wenn ich ihre Musik streame, als wenn ich nur meine offline Musikbibliothek rauf und runter höre, oder? Ihr lest: Es ist etwas kompliziert.Was denkt ihr über dieses Thema?

Kommen wir nun aber zu meinen Ohrwürmern des Monats:




Tim Bendzko Leichtsinn
Dieses Lied hat es innerhalb sehr kurzer Zeit auf die Liste meiner Lieblingslieder in diesem Jahr geschafft. Zuerst habe ich den Text sehr misstrauisch betrachtet. Mittlerweile denke ich etwas anders darüber und werde dem Lied einen eigenen Blogartikel widmen. (Der Artikel steht in der Theorie schon, muss aber noch geschrieben werden).



Mark Forster Ode an die Freude
In diesem Jahr habe ich wieder die aktuelle Staffel von Sing meinen Song - Das Tauschkonzert verfolgt. Dort haben mir besonders die Versionen von Mark Forster gefallen. (Ich hätte absolut nicht damit gerechnet, dass es mal ein Lied von Mary Roos auf meine Playlist schafft. Aber darum soll es hier nicht gehen). Und so wanderte auch Ode an die Freude, was im Original von Judith Holofernes ist, auf meine Playlist.


Buchzitate

"Mrs. Jennings war Witwe, mit einem beträchtlichen Wittum. Sie hatte nur zwei Töchter, die sie beide eine achtbare Ehe hatte eingehen sehen, und so hatte sie nun nichts anderes zu tun, als die ganze übrige Welt ebenfalls zu verheiraten."
Verstand und Gefühl von Jane Austen S. 40 

"Mrs. Dashwood, die einen Mann, der nur fünf Jahre jünger war als sie selbst, nicht für so außerordentlich alt halten konnte, wie er der jugendlichen Phantasie ihrer Tochter erschien, erlaubte sich, Mrs. Jennings von dem Verdacht freizusprechen, daß sie sein Alter lächerlich machen wollte." 
Verstand und Gefühl von Jane Austen S. 41 

»Ich verabscheue jegliche Art von Jargon, und manchmal habe ich meine Gefühle für mich behalten, weil ich keine Sprache fand, um sie in einer anderen als der gänzlich abgedroschenen und um allen Sinn gebrachten zu beschreiben.«
Verstand und Gefühl von Jane Austen S. 104-105

»Mein Vater hatte meine Schwester also nur geliehen. Deswegen musste er sie auch zurückgeben.«
Das Geräusch des Lichts von Katharina Hagena


In diesem Sinne...

Wie war euer Juli?
Was habt ihr erlebt?
Welche Bücher oder Hörbücher könnt ihr mir empfehlen?

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Bei den mit * gekennzeichneten Hörbüchern handelt es sich um Rezensionsexemplare, die mir vom Verlag zur Verfüung gestellt wurden.