Montag, 30. Juli 2018

[Buchclub] - Die Entscheidung ist gefallen!

Guten Morgen Buchlinge,

die erste Entscheidung des Buchclubs ist gefallen. Ihr wisst nicht, was es mit dem Buchclub auf sich hat? Dann werft doch einen (oder auch zwei?) Blick(e) in diesen Beitrag.
Bis gestern Abend hattet ihr via Facebook und in der Kommentarfunktion unter diesem Beitrag, die Möglichkeit für euren Favoriten abzustimmen.
Das Rennen machten....


Wunder von Raquel J. Palacio 

Bild von 
HörbuchHamburg
"Der zehnjährige August leidet an einem Gendefekt. Sein Gesicht ist stark entstellt, seit seiner Geburt musste er oft operiert werden. Eine Schule hat er nie besucht. Trotzdem ist August es gewöhnt, angestarrt zu werden. Und jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. Natürlich ist es sein sehnlichster Wunsch, dort nicht weiter aufzufallen. Doch das ist gar nicht so leicht, wenn man so witzig, klug und großzügig ist wie August. Ein unvergesslicher Roman über einen ganz besonderen Helden."
(Klappentext von HörbuchHamburg)

Vorsicht: Ihr dürft natürlich auch die Printausgabe lesen. Dieses Hörbuch ist in gekürzter Fassung erschienen. Ich habe mich für die gekürzte Fassung entschieden, da sehr gute Sprecher mit von der Partie sind.


Adams Erbe von Astrid Rosenfeld 

Bild von
Diogenes
Verlag
"Adam Cohen ist 1938 achtzehn Jahre alt. Edward Cohen wird um das Jahr 2000 erwachsen. Zwei Generationen trennen sie – aber eine Geschichte vereint sie. Von der Macht der Familienbande und der Kraft von Wahlverwandtschaften erzählt dieser Roman und davon, dass es nur einer Begegnung bedarf, um unser Leben für immer zu verändern."
(Klappentext von Diogenes Verlag)

Ich bin sehr gespannt, wie die Begegnung aussieht, die das Leben unserer Protagonisten verändert. 


Super, und dir? von Kathrin Weßling 

Bild von
Ullstein Verlag
"Marlene Beckmann ist 31 Jahre alt und lebt das Leben, das sie sich gewünscht hat. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet sie meistens: »Super, und dir?« Marlene hat sich äußerlich im Griff. Bis der Urlaub, auf den sie seit Monaten gewartet hat, nicht genehmigt wird. Bis ihr Freund deshalb alleine nach Teneriffa fliegt und Marlene einfach nicht zur Arbeit geht.

Kathrin Weßling seziert mit schillernder Sprache eine gnadenlose Arbeitswelt, in der Ersetzbarkeit, fehlende Perspektiven und der Zwang zur (Selbst-)Optimierung eine ganze Generation unter Druck setzen."
(Klappentext von Ullstein Verlag). 


Wie geht es jetzt weiter? 

Die Lektüren sind gewählt. Also stürmt eure Buchhandlungen und sichert euch ein Exemplar eures Favoriten. Ihr könnt euch aussuchen, ob ihr alle drei, nur eines oder vielleicht auch gar keines der Bücher lesen möchtet. 

Da einige von euch kein Facebook Konto haben und somit auch nicht in der Facebook Gruppe mitdiskutieren können, besteht die Möglichkeit, dass ich für die Bücher separate Posts anlege, die dann in diesem Beitrag verlinkt werden.
Dann können wir unter den Beiträgen über die Bücher sprechen. Hierfür muss ich natürlich noch wissen, ob ihr das überhaupt wollt und welches der Bücher ihr lesen werdet. 


Ausblick 

Für euch ist diesmal kein passendes Buch dabei? Dann schaut doch gerne am Montag den 17. September wieder vorbei. Dort wird das nächste Buchclub Thema bekannt gegeben. Genauere Infos, wie viele Buchvorschläge eingereicht werden dürfen und wie die Abstimmung abläuft, erfahrt ihr dann in diesem Beitrag. 


Und Du? 

Du bist bei unserer ersten Leserunde mit dabei? 
Welches der Bücher wirst Du lesen? 
Was sind Deine Erwartungen an die Bücher? 

Sonntag, 29. Juli 2018

Drei Geräusche für ein Tribut - Beendete Lektüren

Guten Morgen Buchlinge,

kommen wir nun also zu den drei letzten Geschichten, die ich diesen Monat beendet habe. Ich spreche mit euch über Die Tribute von Panem - Flammender Zorn von Suzanne Collins, Das Geräusch des Lichts von Katharina Hagena und Drei Seiten für ein Expose von Hans-Peter Roentgen.




Inhaltsverzeichnis 

00:00 Min: Intro
01:19 Min: Die Tribute von Panem: Flammender Zorn
10:04 Min: Das Geräusch des Lichts
10:29 Min: Das Geräusch des Lichts Hörprobe
15:04 Min: Das Geräusch des Lichts Meinung
20:31 Min: Drei Seiten für ein Expose
23:56 Min: Outro
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Besprochene Hörbücher und Bücher:

Die Tribute von Panem Bd. 3: https://bit.ly/2uzV9uz
Meine Rezension: https://bit.ly/2OqUJA0

Das Geräusch des Lichts: https://bit.ly/2Oq0C0c
Meine Rezension (erscheint am 06.08): https://bit.ly/2mR11fA

Drei Seiten für ein Expose: https://bit.ly/2K3Vdsv
Meine Rezension: erscheint im August

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Kennt ihr eine der Geschichten? 
Welche Lektüren habt ihr im Juli beendet? 
Was waren eure Highlights? 
Auf welches Buch bzw. Hörbuch hättet ihr getrost verzichten können? 

Freitag, 27. Juli 2018

Die Tribute von Panem - Flammender Zorn (Bd. 3)

Bild von
oetinger audio
Steckbrief

Name: Die Tribute von Panem - Flammender Zorn (auch als Buch und Film erschienen)
Autor: Suzanne Collins
Verlag: oetinger audio
Geeignet für: ab 16 Jahren, oder für Leute, die gerne Dystopien lesen
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Maria Koschny
Bewertung: 3 von 5 Punkten


Klappentext

(von oetinger audio Verlag

"Mit ihrer Trilogie „The Hunger Games“ sorgte die Autorin Suzanne Collins weltweit für Furore. Allein die deutschsprachigen Ausgaben der Trilogie „Die Tribute von Panem“ haben sich über 3,2 Millionen Mal verkauft. Mit diesen mp3-CDs erwartet Sie die ungekürzte Lesung der Trilogie in einer hochwertigen Verpackung. Mehr Panem geht nicht!"


Meine Meinung

Gestaltung
Ich habe schon häufiger erwähnt, dass ich es sehr angenehm finde, wenn eine ganze Buchreihe von demselben Sprecher oder derselben Sprecherin gelesen wird. Deswegen fand ich es schön, nochmal ein letztes Mal gemeinsam mit Maria Koschny nach Panem reisen zu können.
Im letzten Band der Trilogie hat Maria Koschny eine schwere Aufgabe vor sich: Die Ereignisse in Panem haben bei Katniss deutliche Spuren hinterlassen. Ihr Verhalten ist für ihre Mitstreiter nicht immer nachvollziehbar. Und hier muss Maria Koschny diesen Zwiespalt aufgreifen: Zum einen Katniss als Ich-Erzählerin weiterhin glaubhaft darstellen, aber zum anderen auch zeigen können, dass einige Mitstreiter Katniss nicht ganz ernst nehmen. Und das ist Maria Koschny hier sehr gut gelungen.

Inhalt
Auch an dieser Stelle gehe ich davon aus, dass ihr die ersten beiden Bände gelesen habt. Falls das nicht der Fall sein sollte, könntet ihr gespoilert werden.

Nach der Befreiung aus der Jubiläumsausgabe der Hungerspiele ist Katniss in Distrikt 13 angekommen. Auf den ersten Blick wirkt es im Distrikt deutlich angenehmer, als unter der Herrschaft des Kapitols. Hier gibt es strenge Regeln, die für Struktur sorgen. Außerdem hat jeder Bewohner des Distriktes - egal, ob Flüchtling oder nicht - eine Aufgabe, die ihm anvertraut wird. Allerdings setzen die Regeln und Pflichten auch voraus, dass es wenige Abweichungen von der Struktur und somit wenig Freiheiten geben darf. Am besten ist es also, sich anzupassen. Oder?

Das Hauptziel des dritten und letzten Bandes der Panem-Reihe besteht darin, das Kapitol, also die Regierung, zu stürzen. Einerseits ein logischer Gedanke, weil die Regierung viel Leid über die Bewohner von Panem gebracht hat.
Andererseits nervte mich diese Entwicklung aber ziemlich, weil wir hier wieder ein typisches Stilmittel von Dystopien und Fantasy Romanen vor uns haben: Es läuft immer auf dieses Gut-Böse-Schema hinaus. Und meist fließt im großen Finale ziemlich viel Blut und wir müssen uns von einer Menge Charaktere verabschieden.

Inhaltlich fand ich diesen Teil eindeutig am schwächsten: Es wurden zwar spannende Konflikte angedeutet, aber nicht zu Ende geführt bzw. hielt man sich an der Oberfläche auf. Außerdem hat mich dieses wahllose Charaktere sterben ziemlich genervt. Natürlich gibt es in einem Krieg Tote. Aber gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass ziemlich unnötige Tode dabei waren, um die Dramatik der Geschichte hervorzuheben.

Kommen wir zu den Charakteren: Wie oben bereits angedeutet, ist Katniss von den Geschehnissen traumatisiert und kommt nicht wirklich zur Ruhe, weil ständig irgendwer etwas von ihr will. Wenn sie nicht der Spielball des Kapitols ist, soll sie an vorderster Front für die Rebellen kämpfen. Katniss hingegen leidet unter der Situation und weiß nicht, was richtig und was falsch ist. Und der halbe Band dreht sich im Grunde darum, dass sie Orientierung findet, was ja an sich auch verständlich ist, weil man ja erst eine Weile braucht, um zu wissen, was man möchte. Allerdings muss Katniss gerade in der letzten halben Stunde des Hörbuchs nochmal ordentlich einstecken. Und hier finde ich es sehr schade, dass wir über eine ganze Trilogie mitbekommen, wie ein fiktiver Charakter Stück für Stück physisch und psychisch zerstört wird. Aber wir erleben nicht, wie sie es aus ihrer Krise hinaus schafft. Und gerade das hätte vielen Lesern sicher Mut geben können.

Peeta hat es im letzten Band ebenfalls nicht leicht: Er und Katniss waren lange Zeit voneinander getrennt. Zudem sind Dinge passiert, die ihm schwer zugesetzt haben. Und diese Dinge hätte es meiner Meinung nach ebenfalls nicht gebraucht. Die Tatsache, dass er und Katniss ständig benutzt werden, hätte für mich schon ausgereicht, weil hier die Frage gewesen wäre, ob es beide durchschauen und wie sie es schaffen, ihre Position zu verteidigen, ohne zum Schluss gegen das Kapitol und die Rebellen kämpfen zu müssen.

Im letzten Band der Reihe treffen Peeta und Gale mehrfach aufeinander. Im vorherigen Teil wurde der Liebeshandlungsstrang gut eingeführt, weil unklar war, für wen sich Katniss entscheidet. Dieser Strang wurde aber in Band drei eher am Rande thematisiert.
Einerseits war das natürlich angenehm, weil wir schon viel mit der gewalttätigen Handlung zu tun hatten.
Andererseits fand ich es auch etwas schwach, weil es mir gezeigt hat, dass Suzanne Collins wohl keinen wirklichen Überblick über ihre Handlungsstränge hat.

Spannung 
Der Spannungsbogen der Geschichte war nicht nur gut aufgebaut, sondern beinahe ständig fest angezogen. Schnell stellt sich heraus, dass Katniss vermutlich zwei Feinde bekämpfen muss. Und es stellt sich die Frage, wie sie das schafft.

Schreibstil 
Auch in diesem Band hat mir Suzanne Collins Schreibstil gut gefallen. Sie greift weniger auf Beschreibungen zurück, sondern lässt unsere Charaktere mehr erleben. Zudem lässt sie uns wieder ausführlich an Katniss Gedankenwelt teilhaben. Allerdings gelingt Suzanne Collins die Darstellung der Charaktere nicht wirklich gut. Viele Charaktere blieben für mich eher blass und waren nur aufgrund einer oder zweier Eigenschaften bekannt. Auch bei Katniss hätte die Autorin noch eine bessere Entwicklung herausarbeiten können.
Zudem wurde es im dritten und letzten Band der Reihe sehr blutig und gewalttätig, sodass ich mich fragte, ob es dieses Stilmittel wirklich braucht, um eine spannende Geschichte erzählen zu können.

Gesamteindruck 
Leider kommt es hier zu keinem gelungene Abschluss der Trilogie. Suzanne Collins hat die Geschichte auf ein gefühltes standardisiertes Finale zusteuern lassen: Krieg, Gut-und-Böse-Problematik und viele Tote. Ich hatte mir hier etwas mehr erwartet, war aber durch den Austausch mit anderen Lesern etwas vorgewarnt.

Zudem bekommt auch dieser Band eine Altersempfehlung aufgedrückt, weil es zunehmend blutiger wird und ich der Meinung bin, dass man das Buch nicht unbedingt mit elf oder zwölf Jahren lesen sollte.

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Weitere Bände: 
Tödliche Spiele (Band 1)
Gefährliche Liebe (Band 2)

Mittwoch, 25. Juli 2018

Die Tribute von Panem - Gefährliche Liebe (Band 2)

Bild von oetinger audio
Steckbrief

Name: Die Tribute von Panem - Gefährliche Liebe (auch als Buch und Film erhältlich)
Autor: Suzanne Collins 
Verlag: oetinger audio Verlag 
Geeignet für: ab 16 Jahren oder für Menschen, die gerne Dystopien lesen 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch 
Sprecher: Maria Koschny 
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 


Klappentext

(von oetinger audio Verlag

"Mit ihrer Trilogie „The Hunger Games“ sorgte die Autorin Suzanne Collins weltweit für Furore. Allein die deutschsprachigen Ausgaben der Trilogie „Die Tribute von Panem“ haben sich über 3,2 Millionen Mal verkauft. Mit diesen mp3-CDs erwartet Sie die ungekürzte Lesung der Trilogie in einer hochwertigen Verpackung. Mehr Panem geht nicht!"


Meine Meinung 

Gestaltung
Auch im zweiten Band der Panem-Trilogie war Maria Koschny wieder mit von der Partie. Die Hungerspiele sind nicht spurlos an Katniss und Peeta vorübergegangen. Und genau diese Veränderung der beiden Protagonisten kann Maria Koschny nicht nur in Worte fassen, sondern stimmlich sehr gut darstellen.
Außerdem bekommt Maria Koschny im zweiten Teil der Reihe die Möglichkeit neue Charakteren eine Stimme zu verleihen. Spannend war auch, dass es ein paar Charaktere gab, die im ersten Band als Nebencharaktere geführt wurden, im zweiten Teil aber mehr Raum bekamen. Hier konnte Maria Koschny ihre Interpretation ausbauen.

Inhalt
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich voraussetze, dass ihr den ersten Band der Panem-Trilogie bereits gelesen habt. Falls ihr das noch nicht getan habt, kann es sein, dass ihr möglicherweise gespoilert werdet.

Im zweiten Teil erwartet uns ein spannender Grundkonflikt: Katniss hat durch ihre Idee, sich und Peeta aus der Arena zu retten, jede Menge Ärger verursacht. Die Regierung ist stinksauer. Und auch in den Tributen geht es hoch her. Die Menschen haben Hoffnung, aus der Diktatur entkommen zu können. Und das ist der Regierung natürlich gar nicht recht.
Während man es aus Dystopien eher gewohnt ist, dass die Protagonisten bei der Rebellion an vorderster Front kämpfen, wünscht sich Katniss nichts sehnlicher als Ruhe vor der Regierung zu haben. Und das fand ich spannend, weil anfangs versucht wird, das herrschende System wieder herzustellen und nicht, es aktiv zu stürzen.

Dann gibt es aber einen großen Rückschritt in der Handlung und es wird ein Element ins Spiel gebracht, das mir leider nicht so gut gefallen hat. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass wir im zweiten Band der Panem-Trilogie einen neuen Aspekt von Panem kennenlernen und nicht ein altes Element wieder aufgegriffen wird. Das Element hätte zwar einen Vorteil haben können, jedoch wird das in der Geschichte nicht gut umgesetzt.
Als ich dann begann, mich mit dem Element abzufinden, wurden aber ein paar neue Veränderungen eingeführt, die mir ganz gut gefielen, was das Element dann wieder etwas aufwertete.
Und dann kam die Auflösung der Geschichte: und diese hat mich dann total beeindruckt und ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Handlung im Grunde so gut verstrickt war.

Kommen wir nun zur Entwicklung unserer Charaktere. Während mir Katniss im ersten Band mehr wie eine leere Hülle erschien, hat Suzanne Collins hier das Trauma, das Katniss in der Arena erfahren hat, sehr gut herausgearbeitet. Allerdings hat sie diese Entwicklung in der Geschichte nicht konsequent umgesetzt. Sie setzt Katniss einer Situation aus, die sie scheinbar mit links meistert. Ich hatte eigentlich erwartet, dass sie hier an ihre Grenzen stößt, was aufgrund des Traumas auch logisch gewesen wäre. Stattdessen werden die Grenzen nur am Rande thematisiert, aber bei weitem nicht so gründlich dargestellt, wie erwartet. Das fand ich an dieser Stelle etwas schwach.
Auch Peeta hat im zweiten Band eine interessante Entwicklung erlebt. Während er sich im ersten Band eher introvertiert zeigte, setzte er sich hier in einigen Situationen durch.

Im zweiten Band lernen wir außerdem ein paar neue Charaktere kennen, die gut in die Geschichte eingeführt werden. Was mich am ersten Band massiv störte, war die Tatsache, dass viele der Nebencharaktere wie die Fliegen gestorben sind und ich so überhaupt keine Bindung zu ihnen aufbauen konnte, was dafür sorgte, dass mich der Tod der Charaktere auch nicht großartig interessierte. Das war in diesem Band anders.

Spannung
Anhand des Spannungsbogens wird deutlich, dass es den ersten Band gebraucht hat, um hier eine Spannung aufbauen zu können. Die Protagonisten müssen sich der Frage stellen, wie sie wieder Ordnung in ihre Welt bringen können. Außerdem lag im zweiten Teil der Handlung so ein Hauch von Wir-suchen-die-Lücke-im-System-Moment in der Luft. Und das hat mir gut gefallen.

Schreibstil
Suzanne Collins konnte mich mit ihrem Schreibstil hier etwas mehr überzeugen. Während sie im ersten Band noch viel beschrieb, konnte ich hier sehr viele aktive Formulierungen erkennen. Nach wie vor sprach mich die Ich-Perspektive sehr an, da wir wieder Teil von Katniss Gedanken und ihren strategischen Überlegungen sind.

Für Autoren ist es immer schwierig, den Inhalt in Folgebänden einer Reihe gut zusammenzufassen. Und dieses Element ist Suzanne Collins hier sehr gut gelungen. Ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass sie sich zu oft wiederholte. Die wesentlichen Informationen waren gut in Nebensätze eingebaut.

Gesamteindruck
Der zweite Band der Panem-Trilogie hat mir trotz eines Elementes um einiges besser gefallen, als der erste Band. Das lag auch hauptsächlich daran, dass ich hier nicht sicher war, wie die Geschichte enden würde.

Der einzige Nachteil an dem Inhalt ist, dass Suzanne Collins hier deutlich mehr Blut fließen lässt. Sie beschreibt die Szenen nicht allzu detailliert, jedoch reicht die Szene aus, um das eigene Kopfkino anzukurbeln. Da die blutigen Szenen relativ plötzlich in der Geschichte auftauchen, finde ich den zweiten Teil für Jugendliche keine leichte Kost. Allerdings kann ich auch nicht beurteilen, ob solche gewalttätigen Beschreibungen in Büchern und Serien mittlerweile nicht an der Tagesordnung stehen und Jugendliche heutzutage auch etwas abgehärtet sind. Mich hätten einige Szenen in dem Alter sicher ein paar Tage beschäftigt.

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Weitere Bände
Tödliche Spiele (Band 1)
Flammender Zorn (Band 3)

Montag, 23. Juli 2018

* Wo mein Herz dich findet

Bild von Lübbe Audio
Steckbrief

Name: Wo mein Herz dich findet (auch als Buch erhältlich)
Autor: Kathryn Taylor
Verlag: Lübbe Audio
Geeignet für: Fans von Liebesromanen
Gelesen oder gehört: gehört, leider nicht ganz klar ob gekürzt oder ungekürzt
Sprecher: Marie Bierstedt
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von Lübbe Audio)

"Ein plötzliches Unwetter zwingt die junge Cara, in einer einsamen Gegend Unterschlupf zu suchen. Ihr Gastgeber Liam scheint ihr jedoch nur widerwillig Obdach zu bieten. Caras Neugier ist geweckt: Warum lebt der attraktive Mann so zurückgezogen? Ihr wird schnell klar, dass seine raue Schale nur Fassade ist. Sie verliebt sich leidenschaftlich in den Außenseiter. Aber Liam kann ihr keine Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft machen - denn sein dunkelstes Geheimnis droht ihre Familie zu zerstören …"


Meine Meinung

Ich habe schon eine Weile den Blogger Newsletter von Bastei Lübbe abonniert, immer in der Hoffnung, dass dort auch mal ein Hörbuch als Rezensionsexemplar angeboten wird. Die Hörbuch Produktionen von Bastei Lübbe gefallen mir nämlich richtig gut. Also habe ich die Gelegenheit gleich genutzt, als das PR-Team uns Wo mein Herz dich findet zur Verfügung stellte.

Gestaltung
Ein Stilmittel, welches die Hörbuchproduktionen von Bastei Lübbe auszeichnet, sind verschiedenen Melodien, die oft zu Beginn der Geschichte, zwischen den Kapiteln oder am Ende des Romans noch einmal eingeblendet werden. Diese Melodien untermalen die Handlung oft gekonnt und heben die Atmosphäre auch noch einmal schön hervor. Bei Wo mein Herz dich findet läuteten die Melodien immer das Ende einer CD ein, was eine gute Orientierung gab.

Leider ist auf der Verlagsseite nicht ganz ersichtlich, ob es sich hier um eine gekürzte oder um eine ungekürzte Hörbuchproduktion handelt. Diese Information ist für viele Hörer aber wichtig, da gekürzte Hörbücher eher ungern gehört werden. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass es merkwürdige Brüche in der Handlung gab, die manchmal ein Indiz für eine gekürzte Hörbuchproduktion sein können.

Das Hörbuch wird von Marie Bierstedt gelesen. Ich habe ihre Stimme bereits in einer anderen Hörbuchproduktion kennenlernen dürfen. Allerdings handelte es sich damals um eine Lesung mit mehreren Sprechern. Deswegen war ich froh, dass Wo mein Herz dich findet ausschließlich von ihr gelesen wurde, da ich so ein besseres Gefühl für sie als Sprecherin bekommen habe.
Marie Bierstedt passt hier sehr gut zur Geschichte. Sie kann bei Wo mein Herz dich findet vor allem ihre weiche, zarte Seite unter Beweis stellen, die vor allem bei Protagonistin Cara zum Einsatz kommt. Allerdings kann sie bei unserem zweiten Protagonisten Liam zeigen, dass sie auch hart und verschlossen klingen kann.
Mir war Marie Bierstedts Interpretation fast ein bisschen zu zart. Allerdings hat es genau diese Zartheit für die Geschichte gebraucht, weswegen ich in der Bewertung keinen Punkt abziehe.

Inhalt
Wo mein Herz dich findet erzählt die Geschichte von Cara und Liam. Cara muss den Tod ihrer Schwester verarbeiten. Sie versucht die Lücke, die durch den Tod ihrer Schwester entstanden ist, in der Familie irgendwie auszufüllen, was aber eine große Herausforderung darstellt. Dann trifft sie durch Zufall auf Liam. Einen Man, der in einer einsamen Hütte im Wald lebt. Er wirkt sehr verschlossen, was den Eindruck erweckt, dass er etwas zu verbergen hat. Kommt Cara hinter sein Geheimnis?

Kathryn Taylor hat hier zwei Handlungsstränge und einen sehr übersichtlichen roten Faden gesponnen. Besonders toll fand ich, dass beide Handlungsstränge mehr miteinander gemeinsam haben, als man zu Beginn vermuten konnte. Die Autorin hat die Handlung einfach gehalten und so vermieden, dass die Handlungsstränge durch eine zu starke Verstrickung durcheinander geraten.

Unsere Protagonisten Cara und Liam könnten für erfahrene Liebesroman Leser womöglich etwas zu klischeehaft wirken: Cara möchte, dass es ihrem Umfeld gut geht und mischt sich daher in einige Dinge ein, wirkt dann aber etwas vor den Kopf gestoßen, wenn sie nicht immer mit offenen Armen empfangen wird. Außerdem muss sie zu Beginn der Geschichte eine kleine berufliche Niederlage einstecken.
Dann haben wir Liam, den verschlossenen Mann, was gerade danach schreit, sein Geheimnis zu erfahren. Liam ist sehr unterkühlt, weil er in letzter Zeit schlechte Erfahrungen gemacht hat und sein Rückzug eben die Antwort auf die Erfahrungen ist. Dennoch wissen wir, dass man eben nicht alleine durchs Leben kommen kann und hoffen daher, dass Liam das im Laufe der Geschichte auch versteht.

Nun haben wir diese beiden unterschiedlichen Protagonisten, die das Schicksal zusammenbringt. Und es ist interessant zu erleben, wie sie sich annähern und einander kennenlernen. Allerdings empfand ich das auch als Dating im Schnelldurchlauf, was als Stilmittel für Liebesromane vielleicht ganz nett ist, aber auf mich hier auch etwas unrealistisch wirkte.

Wenn ich mir das Zusammenspiel zwischen Charaktere und Inhalt anschaue, war beides solide, aber auch sehr oberflächlich gehalten. Ich hatte damit gerechnet, dass die Handlung etwas tiefgründiger ist. Allerdings glaube ich, dass viele Hörer bei der Geschichte auf ihre Kosten kommen werden, weil Kathryn Taylor die Gefühlsebene sehr gut aufbaut. Was mir beinahe etwas theatralisch und übertrieben vorkam, ist eben eines der wichtigsten Merkmale des klassischen Liebesromanes.

Spannung
Der Spannungsbogen ist gut aufgebaut. Wir bekommen zu Beginn der Geschichte mit, dass Cara noch sehr mit dem Verlust ihrer Schwester beschäftigt ist, wissen aber noch nichts Genaueres über die Todesursache ihrer Schwester. Außerdem deutet Kathryn Taylor sehr schnell an, dass Liam auch ein großes Geheimnis hat. Und hier kommen wir Stück für Stück dahinter. Außerdem steigt der Spannungsbogen gegen Schluss rasant an und es wird noch einmal richtig brenzlig. Das hat mir sehr gut gefallen, weil die Liebesgeschichte so nicht allein im Vordergrund stand.

Schreibstil
Kathryn Taylor hat einen flüssigen Schreibstil. Sie hat eine schöne bildhafte Sprache, versteht sich aber genauso gut auf das Schreiben von Dialogen. Dennoch war mir ihr Schreibstil tendenziell zu schnulzig-romantisch-übertrieben. Ich mag es, wenn der Schreibstil die Geschichte voran bringt und Aspekte hervorgehoben werden, die mir als Leser nicht klar waren oder die ich nach und nach entdecken kann. Mit diesem Ich-liebe-dich-bitte-bleib-bei-mir-Theater kann ich nicht viel anfangen, weil einerseits zwar Gefühle offenbart werden, das Thema andererseits aber an der Oberfläche hängen bleibt und ich davon sehr schnell gesättigt bin. Außerdem erleben wir nicht, wie sich eine Beziehung entwickelt. In dieser Geschichte war es meist so, dass auf Forderungen auch recht zeitnahe Reaktionen folgten, obwohl es die Charaktere eigentlich hätte Überwindung kosten müssen.

Gesamteindruck
Obwohl ich Wo mein Herz dich findet in der Rezension sehr kritisch betrachtet habe, möchte ich dennoch hervorheben, dass die Geschichte als solches solide und gut aufgebaut ist und Fans von Liebesromanen hier sicher auf ihre Kosten kommen werden.
Meine Erwartungen konnten leider nicht gehalten werden.

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* Dieses Hörbuch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Sonntag, 22. Juli 2018

Diese Woche beendet: Wo mein Tribut dich findet

Hallo Buchlinge,

wieder einmal habe ich zwei Hörbücher für euch, von denen ich euch nun berichten werde: Ich spreche über Wo mein Herz dich findet von Kathryn Taylor und Die Tribute von Panem - Gefährliche Liebe von Suzanne Collins, nämlich den zweiten Band der Panem-Trilogie.

Ich wünsche gute Unterhaltung.




Inhaltsverzeichnis

00:00 Min: Intro
00:38 Min: Wo mein Herz dich findet
01:11 Min: Wo mein Herz dich findet Hörprobe
14:25 Min: Meinung zum Hörbuch
16:15 Min: Die Tribute von Panem - Gefährliche Liebe
20:38 Min: Outro und Fragen an euch

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*Wo mein Herz dich findet: https://bit.ly/2LbQYQW
Meine Rezension (erscheint am 23.07): https://bit.ly/2zXaN9k

Die Tribute von Panem Bd. 2: https://bit.ly/2mvGhtI
Meine Rezension (erscheint am 25.07): https://bit.ly/2LC3Agk

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Kennt ihr eines der Hörbücher? 
Wie haben euch die Geschichten gefallen? 
Und ganz wichtig: Habt ihr wirklich die GANZE Hörprobe gehört? :) 

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag! 

Freitag, 20. Juli 2018

Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele (Band 1)

Bild von oetinger audio
Steckbrief

Name: Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele (auch als Buch, Film erhältlich)
Autor: Suzanne Collins
Verlag: oetinger audio Verlag
Geeignet für: Jugendliche und Leser, die gerne Dystopien lesen
Gelesen oder gehört: gehört in ungekürzter Fassung
Sprecher: Maria Koschny
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von oetinger audio Verlag

"Mit ihrer Trilogie „The Hunger Games“ sorgte die Autorin Suzanne Collins weltweit für Furore. Allein die deutschsprachigen Ausgaben der Trilogie „Die Tribute von Panem“ haben sich über 3,2 Millionen Mal verkauft. Mit diesen mp3-CDs erwartet Sie die ungekürzte Lesung der Trilogie in einer hochwertigen Verpackung. Mehr Panem geht nicht!"


Meine Meinung 

Gestaltung
Die Hörbücher zu Die Tribute von Panem sind sowohl in gekürzter als auch in ungekürzter Fassung erschienen. Die ungekürzte Lesung ist aber etwas später erschienen. Und deswegen entpuppt es sich als Vorteil, dass ich die Reihe erst nach fast zehn Jahren nach der Veröffentlichung des ersten Bandes für mich entdeckt habe.
Die Trilogie wird von Maria Koschny gelesen, die in den Buchverfilmungen Jennifer Lawrence ihre Stimme leiht. Ich finde es besonders schön, dass die Hörbuchsprecherin somit sowohl in der Verfilmung als auch in der Hörbuchfassung zu hören ist.

Bisher habe ich erst ein Hörbuch gehört, das von Maria Koschny gelesen wurde. Sie fiel mir eher als Synchronsprecherin in ein paar Filmen auf. Und hier war sie meist in Filmen zu finden, die eine lockere, leichte, humorvolle Atmosphäre transportieren.
Da sind Die Tribute von Panem der pure Gegensatz. Hier muss Maria Koschny beweisen, dass sie auch eine ernste, bedrohliche und bedrückende Stimmung transportieren kann. Und das ist ihr hier wirklich gut gelungen. Außerdem mag ich ihre Stimmfarbe. Durch einen Charakter konnte sie auch zwischen locker leicht und ernst und bedrohlicher Interpretation wechseln, was ein sehr interessantes Zusammenspiel war. Und obwohl die Handlung nicht lustig ist, musste ich bei diesem Wechsel schon etwas schmunzeln.

Inhalt
Was mich sehr lange davon abgehalten hat, die Trilogie zu beginnen, war der Inhalt des ersten Bandes bzw. das, was ich über den Inhalt wusste: Die Geschichte spielt in der Zukunft. Hier sind die USA in zwölf so genannte Distrikte aufgeteilt. Und jedes Distrikt stellt einmal im Jahr zwei Teilnehmer für die so genannten Hungerspiele: Da werden die Kandidaten in eine Arena geworfen und müssen sich gegenseitig töten. Natürlich wird das alles für das Fernsehen aufgezeichnet. Und dieser Plot hat mich ziemlich frustriert, weil ich mich fragte, wie man sich so etwas ausdenken kann. 
Mit den Jahren wurde mir aber mehrfach von der Trilogie vorgeschwärmt und ich fragte mich, was es mit der Geschichte auf sich hat und ob die Handlung wirklich so voller Gewalt war, wie ich vermutete.

Was die Gewalt betrifft, kann ich an der Stelle schon einmal eine Entwarnung aussprechen: Natürlich werden Jugendliche sterben, aber der erste Band von Die Tribute von Panem sind keinesfalls eine Vorstufe von Horrorromanen.

Die Handlungsstränge sind übersichtlich gehalten und der rote Faden liegt auf der Hand: Kathniss und Peetah sind die Kandidaten der Hungerspeile aus Distrikt zwölf. Das Distrikt, das bei den Spielen selten den Hauch einer Chance hat. Dennoch wissen wir ja bereits, dass es die Reihe eine Trilogie ist und es ist daher sehr unwahrscheinlich, dass die anderen Bände eine neue Protagonistin haben. Deswegen stellt sich die Frage: Wie schafft es Kathniss in der Arena zu überleben?

Leider erkannte ich hier ein paar typische Merkmale der Dystopien wie beispielsweise: Die Protagonisten stammen aus ärmlichen Verhältnissen, eine Liebesbeziehung wird angedeutet, die Protagonisten müssen eine Mission erfüllen, die im Zusammenhang mit einer Kritik an dem herrschenden System zu tun hat.
Allerdings sind das alles Merkmale, die ich Suzanne Collins nicht wirklich vorwerfen kann, weil mit Die Tribute von Panem das Genre der Dystopie eingeläutet wurde. Das wäre beispielsweise wie, wenn ich J.K. Rowling vorwerfen würde, dass sie ihre Charaktere auf ein Zaubererschule schickt.
Die Handlung war durchaus gut verstrickt und ich habe die Geschichte auch sehr gerne gehört. Dennoch war bei mir minimal etwas die Luft raus.

Besonders gelungen finde ich hier unsere Charaktere, weil sie keinen Rollenklischees entsprechen: Normalerweise ist es ja so, dass sich Mädchen oder Frauen in Büchern oft anpassen müssen und den Jungen bzw. Mann dabei unterstützen, die Mission zu erfüllen. Hier hingegen ist das genaue Gegenteil der Fall: Kathniss musste früh lernen auf eigenen Beinen zu stehen und für ihre Familie zu sorgen. Das hat sie nach außen hin hart gemacht. Sie hat gelernt, ihre Gefühle zu verstecken, da die Härte ihr Überleben sichert. Allerdings ist Kathniss auch sehr impulsiv und lässt sich leicht provozieren.
Peetah ist introvertiert und konfliktscheu. Er möchte Kathniss unterstützen, aber ohne dafür zu viel Aufmerksamkeit auf sich und seine Handlungen zu ziehen. Und nun werden die beiden vom Schicksal zusammengewürfelt und müssen gemeinsam eine Mission bestehen. Es war interessant zu beobachten, wie beide aufeinander reagieren und verschiedene Aufgaben bewältigen.

Spannung
An sich ist der Spannungsbogen durch den Plot schon bestimmt: Wer wird die Hungerspiele überleben?
Das Problem für mich beim Hören war: Ich wusste, dass es zwei Folgebände gibt. Daher konnte ich mich bei manchen bedrohlichen Szenen entspannt zurücklehnen, weil ich damit rechnete, zu wissen, wie das Ganze ausgeht.
Allerdings wusste ich nicht, ob alle drei Bände in der Arena spielten. Gut gefallen hat mir auch, dass Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele an sich eine abgeschlossene Handlung hat. Wer nach diesem Band beschließt, die Reihe doch nicht zu beenden, wird nicht mit größeren Cliffhangern zurückgelassen.

Schreibstil
Suzanne Collins erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive und zwar aus der Sicht von Kathniss. Kathniss ist aber keine allwissende Erzählerin, was auch dafür sorgt, dass die Handlung übersichtlich bleibt und nicht allzu verstrickt ist, was aber kein Nachteil ist.
Suzanne Collins überzeugt hier mit einem lebendigen und flüssigen Schreibstil. Sie lässt uns an Kathniss Gedanken teilhaben, sodass ihre Reaktionen auf Handlungen für uns als Leser realistisch und nachvollziehbar sind. Dennoch wird deutlich, dass Kathniss Reaktion auf bestimmte Handlungen auch damit zusammenhängt, wie sie die Situationen interpretiert. Sprich: Es gäbe auch andere Handlungsmöglichkeiten. Und dieses Element hat Suzanne Collins hier gut herausgearbeitet. Sehr gut gefallen haben mir Suzanne Collins Dialoge.
Was ich überraschenderweise bemerkt habe ist, dass Suzanne Collins viel beschreibt, aber uns verhältnismäßig wenig erleben lässt. So lässt sie Kathniss immer wieder erzählen, wie man in ihrer Heimat vermutlich auf die Hungerspiele oder manche gezeigte Szenen reagiert. Das hätte die Autorin aber auch gut durch einen Perspektivenwechsel darstellen können, was vielleicht auch dafür gesorgt hätte, dass man die Handlungstränge besser verstricken könnte. Dennoch ist das nur ein Nebeneffekt und hat das Hören nicht negativ beeinflusst. 

Gesamteindruck
Ich muss gestehen, dass meine Erwartungen an den ersten Band der Reihe etwas zu hoch waren. Die Entwicklungen unserer Protagonisten wurden nicht ganz deutlich herausgearbeitet, waren aber am Rande erkennbar.
Außerdem war ich überrascht, wie viele Elemente ich aus dem Genre der Dystopie wiedererkennen konnte.

Dennoch hat Suzanne Collins hier den soliden Auftakt einer vielversprechenden Trilogie geschaffen. Ich habe den ersten Band von Die Tribute von Panem sehr gerne gehört und vermute, dass mir die kritischen Punkte als Jugendliche wahrscheinlich gar nicht so aufgefallen wären. Ich bin sehr gespannt, wie es mit der Geschichte weitergeht.

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Weitere Bände:
Gefährliche Liebe (Band 2) 
Flammender Zorn (Band 3)

Mittwoch, 18. Juli 2018

* Tote Mädchen lügen nicht

Bild von
RandomHouse Audio
Steckbrief

Name: Tote Mädchen lügen nicht (auch als Hörbuch vorhanden)
Autor: Jay Asher
Verlag: cbt Verlag
Geeignet für: Jugendliche zwischen 14 - 17 Jahren, oder Menschen, die gerne traurige Jugendbücher lesen
Gelesen oder gehört: gelesen als Hardcover und gehört als gekürztes Hörbuch

Sprecher: Robert Stadlober, Shandra Schadt
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext


(von RandomHouse Audio)

"Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf „Play“ – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ..." 


Meine Meinung

Gestaltung

Die Geschichte wird von zwei Sprechern gelesen, denn auch hier erwarten uns wieder zwei Handlungsstränge: 
Der erste Handlungsstrang ist Hannahs Geschichte. Sie hat diese auf 13 Kassetten aufgesprochen und in Umlauf gebracht. Clay ist einer der dreizehn Menschen, die für Hannah Bakers Tod verantwortlich sein sollen. In seinem Handlungsstrang geht es darum, wie er mit Hannahs Erzählung umgeht. 
Robert Stadlober und Shandra Schadt sind beide um die 30 Jahre und klingen unheimlich jung, was bei Tote Mädchen lügen nicht ein großer Vorteil ist.
Beide Sprecher sind sehr gut besetzt. Sie harmonieren gut miteinander und interpretieren ihre Rollen gekonnt. Robert Stadlober hört man die Verunsicherung seines Charakters wirklich an. Im Laufe der Geschichte wird die Verunsicherung dann durch Verzweiflung ersetzt. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie Clay leidet.
Shandra Schadts Interpretation war zu Beginn mit Genugtuung bestückt. Ich konnte förmlich hören, wie Protagonistin Hannah sehr gerne miterlebt hätte, wie die einzelnen Adressaten auf die Kassetten reagieren. Doch die Genugtuung beginnt nach und nach zu 
bröckeln. Und diesen Wechsel von Selbstsicherheit zur Ohnmacht hat die Sprecherin sehr gut transportiert. 

Etwas überraschend war das Ende von Tote Mädchen lügen nicht. Hier hätte ich mir noch eine Art Outtro gewünscht. Allerdings ist die Produktion schon etwas älter und vielleicht hielt man es damals nicht für notwendig. Zudem finde ich es erstaunlich, dass der Titel nur noch als Hörbuch Download erhältlich ist. Gerade im letzten Jahr als die erste Staffel der gleichnamigen Netflix Serie so erfolgreich war, bin ich irgendwie davon ausgegangen, dass auch Buch und Hörbuch nochmal an Bekanntheit gewinnen. 

Zum Schluss noch ein paar Worte zur gekürzten Hörbuch Fassung: Vor Jahren habe ich das Buch gelesen, konnte mich aber nur noch grob an den Inhalt erinnern. Ich glaube nicht, dass bei dem Hörbuch viel gekürzt wurde. Wenn ich raten müsste, würde ich vermutzen, dass Clays Handlungsstrang vielleicht etwas zusammengeschnitten wurde. 

Inhalt / Spannung 
Kommen wir also zuerst zur Handlung der Geschichte. Hannah Baker liefert uns hier dreizehn Gründe, die für ihren Suizid verantwortlich sind. Und genau das Element hat mich beim ersten Mal lesen ziemlich aufgeregt, weil keine wirkliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Gründen stattfindet, sondern nur eine Menge von Schuldzuweisungen verteilt werden. 
Heute sehe ich es etwas differenzierter, finde aber nach wie vor, dass Jay Asher das Thema Suizid alles andere als gelungen darstellt. 

Zum einen stellt er es so dar, als ob man viele Gründe bräuchte, um einen Suizid zu begehen. Und das stimmt nicht. Allein von Hannahs Liste würden wahrscheinlich schon 1-2 Gründe ausreichen, damit junge Menschen in eine Krise kommen. Jay Asher führt hier aber dreizehn Gründe auf. Lesern wird so das Gefühl vermittelt, dass es einem schon so richtig schlecht gehen muss, um Suizid zu begehen. Und das stört mich massiv, weil die Menschen, die eben nur eine von Hannahs Problemen haben, als harmlos dargestellt werden. Dabei sind ihre Gedanken genauso ernst zu nehmen. 

Zum anderen geht Jay Asher bei den dreizehn Gründen kein bisschen in die Tiefe. Er reiht einfach eine Menge schlimmer Dinge aneinander und hofft, dass der Leser zum Schluss versteht, dass es natürlich nur den Suizid als Ausweg geben kann. Wenn der Autor sich hier tiefgehend mit den Themen auseinandergesetzt hätte, wäre deutlich geworden, dass schon ein Thema reicht, um eine Kettenreaktion in Gang zu bringen. Stattdessen erschienen mir die Gründe hier und da etwas zusammenhangslos. Gerade der Grund, der als Ausgangspunkt für die Kettenreaktion angeführt wurde, fand ich unrealistisch dargestellt. 

Kommen wir nun zu den Charakteren: Wie bereits beschrieben, hatte ich beim ersten Mal lesen eine große Antipathie gegenüber Hannah. Nicht, weil sie Suizid begangen hat, sondern, weil sie zuvor noch ordentlich austeilt und sich dem Konflikt nicht stellt, sondern die Menschen mit ihren Gedanken zurücklässt. Inzwischen denke ich aber, dass es solche Schicksale vielleicht wirklich gibt. Nicht so extrem - mit dreizehn Kassetten - sondern eher in Form von einem Abschiedsbrief. Wer aber nicht reflektiert an das Buch heran geht, kann Hannah ebenfalls als unsympathisch wahrnehmen und das wirft kein gutes Licht auf die vielen Jugendlichen auf dieser Welt, die wirklich in einer psychischen Krise stecken und Unterstützung brauchen. 

Das Einzige, was ich an Hannah als Protagonistin gelungen fand, war ihre Veränderung. Dass das Thema Tod Stück für Stück näher rückt und sie selbst in eine resignierende Lage kommt, weil sie keinen Ausweg aus ihrer Situation sieht und es ihr daher egal ist, was mit ihrer Psyche und ihrem Körper gemacht wird. 

Clay hingegen fand ich sofort sympathisch. Er ist ein ruhiger Junge, der nicht groß auffällt, den aber dennoch jeder zu kennen scheint. Er wirkt sehr empathisch. Und gerade deshalb fällt er auch aus allen Wolken, als er erfährt, dass er einer der dreizehn Gründe ist, die für Hannahs Suizid verantwortlich sind. Clay merkte man die Ohnmacht und die Verzweiflung an. Und das spiegelt oberflächlich gesehen den Schmerz wieder den Angehörige von suizidalen Menschen empfinden. 

Der Inhalt ist also definitiv kritisch zu betrachten und ich befürchte, dass die Handlung mehr Schaden anrichtet, als wirklich hilft. 

Schreibstil
Eines muss man Jay Asher lassen: Er zeigt in Tote Mädchen lügen nicht einen wirklich guten Schreibstil. Clays Verzweiflung und Ohnmacht, sowie Hannahs Wut und ihre Verletzlichkeit kommen sehr gut zur Geltung. Beide Handlungsstränge sind aus der Ich-Perspektive erzählt und sorgen somit für einen guten Lesefluss. Außerdem wirken beide Protagonisten auf ihre Art reflektiert, weil sie ihre Handlungen begründen, was zeigt, dass sie durchaus darüber nachdenken und nicht aus einer Laune heraus handeln. (Leider wirkt sich das nicht auf die Handlung der Geschichte aus). 


Gesamteindruck

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Hörbuchfassung das ernste Thema sehr gut aufgearbeitet hat, obwohl es nicht immer leicht war, hinzuhören und ich an manchen Stellen wirklich gerne vorgespult hätte. 

Es ist traurig, dass Jay Asher das Thema Suizid nicht gut darstellt, weil gerade durch die Netflix Serie viele Menschen auf Tote Mädchen lügen nicht aufmerksam geworden sind und die Handlung nicht wirklich dazu beiträgt, dass man für Themen wie Suizid oder Lebenskrisen sensibilisiert wird. Dennoch waren die Charaktere ganz gut ausgearbeitet. 
Tote Mädchen lügen nicht sollte aber auf jeden Fall in einem Setting gelesen werden, in dem man über die Handlung reflektiert und sich damit auseinandersetzt. Ich vermute aber, dass das leider sehr selten der Fall sein wird. 

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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

* Die Rezension ist bereits auf einem alten Blog erschienen, wurde aber anlässlich des Rezensionsexemplars noch einmal komplett überarbeitet.

Weitere Meinungen 
Tapsis Buchblog 

Montag, 16. Juli 2018

[Buchclub] Thema: Lektüre für den Sommerurlaub

Guten Morgen Buchlinge,

heute wird das Geheimnis um das erste Thema unserer ersten Buchclub Leserunde gelüftet.
Ihr wisst nicht, um was es beim Buchclub geht? Dann hilft euch dieser Beitrag bestimmt weiter.

Das erste Thema lautet...


Die perfekte Lektüre für Deinen Sommerurlaub 

Egal ob Strandurlaub, Städtereise oder der Liegestuhl auf Balkonien: Welches Buch soll Dich im August und September begleiten?
Möchtest Du einfach nur abschalten? Suchst Du etwa nach einem großen Abenteuer? Oder gibt es ein Buch, das Du schon immer mal im Sommer lesen wolltest?

Schreibe Deine Buchvorschläge in die Kommentare.
Bitte erwähne dabei folgende Punkte:

  • Autor und Titel Deines Vorschlags 
  • Lege einen Link mit einer Beschreibung dazu. (Verlinke entweder direkt auf die Verlagsseite oder auf einen Onlineshop). 
  • Du kannst so viele Vorschläge einreichen, wie Du möchtest 
Weitere Einschränkungen gibt es vorerst nicht, können aber bei den nächsten Leserunden eingeführt werden. 


Die erste Lesrunde im Überblick

Einreichen der Buchvorschläge: Mo 16.07 - So 22.07
Abstimmung über die Buchvorschläge: Mo 23.07. - So 29.07
Verkündung der drei Bücher: Montag 30.07
Gemeinsames Lesen und austauschen: August / September


Die Leitungen sind geöffnet: Lasst das Voting beginnen! 

Um bei der Castingshow Manier zu bleiben: Euer Vorteil ist hier, dss ihr völlig kostenlos für euren Favoriten abstimmen könnt. Ihr solltet nur eine Sache beachten: Ihr habt drei Stimmen frei.
Na, welche Bücher sollen wir gemeinsam lesen?

Adams Erbe von Astrid Rosenfeld
Alle Küsschen von Roald Dahl
Das Labyrinth der Wörter von Marie-Sabine Roger
Der Sommer der Sternschnuppen von Mary Simses
Fahrenheit 451 von Ray Brandbury
Fast genial von Benedict Wells
Ich und die Menschen von Matt Haig
Im Land der leeren Häuser von P. D. James
Julie weiß, wo die Liebe wohnt von Gilles Legardinier
Palast aus Staub und Sand von Haroon Gordon
Sand von Wolfgang Herrndorf
Schöne neue Welt von Aldous Huxley
Super, und dir? von Kathrin Weßling
Worte in meiner Hand von Guinevere Glasfurd
Wunder von Raquel J. Palacio

Mit eurer Stimme verpflichtet ihr euch nicht, euch an den Gesprächen über die gelesenen Bücher zu beteiligen. Es wäre aber schön, wenn ihr euch über die Geschichten austauschen wollt.

Das Ergebnis der Umfrage wird am Montag den 30.07 bekannt gegeben.

Sonntag, 15. Juli 2018

Die Tribute der toten Mädchen - Ge(h)plaudert im Juli Part 1

Guten Morgen Buchlinge,

ich habe die ersten beiden Hörbücher im Juli beendet und beschlossen, euch von diesen Geschichten zu erzählen. Ich spreche über Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher und den ersten Band von Die Tribute von Panem von Suzanne Collins.



Besprochene Hörbücher

*Tote Mädchen lügen nicht: https://bit.ly/2L7kAhr
Rezension: https://bit.ly/2Lhwy56

Die Tribute von Panem: https://bit.ly/2uzV9uz
Rezension: https://bit.ly/2mfNii2
Podcast Folge mit der Hörprobe: https://youtu.be/nGrLvojXtf8

Bei den mit * gekennzeichneten Büchern handelt es sich um Rezensionsexemplare, die mir vom Verlag zur Verfügung gestellt wurden.

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Inhaltsverzeichnis

00:00 Min: Ansage
01:00 Min: Tote Mädchen lügen nicht
01:34 Min: Tote Mädchen lügen nicht Hörprobe
04:30 Min: Meinung zum Hörbuch
09:56 Min: Die Tribute von Panem Meinung zum Hörbuch
15:36 Min: Outro

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Kennt ihr eines der Geschichten? 

Freitag, 13. Juli 2018

Keine Angst vor dem weißen Blatt - Freiburger Bücherstammtisch im Juni 2018

Foto: A. Mack

Hallo Buchlinge,

Lesen und das Schreiben eigener Geschichten liegt für viele Bücherfreunde sehr nah beieinander. (Ok, zumindest tut es das für mich). Da wir auch ein paar Autorinnen beim Bücherstammtisch in Freiburg haben, schlug ich im Januar vor, eines unser Bücherstammtisch Treffen für eine kleine Schreibwerkstatt zu nutzen.  

Und so wollten wir uns im Juni den weißen Blättern stellen. Unsere Gruppe schrumpfte im Juni etwas zusammen, was vermutlich daran lag, dass sich die wenigsten etwas unter dem Begriff kreatives Schreiben vorstellen konnten. Um euch etwas die Angst vor dem weißen Blatt oder den bösen Wörtern kreatives Schreiben zu nehmen, berichte ich nun, wie wir unser Juni Treffen gestaltet haben. 


Kreatives Schreiben - Was ist das? 

Kreatives Schreiben, soll, wie der Name schon sagt, die Kreativität anregen und dafür sorgen, dass der Kopf mal eine kleine Pause einlegt. Es geht nicht darum, den perfekten Text zu verfassen, sondern eher sich durch Schreibübungen oder Schreibspiele inspirieren zu lassen und ein paar lustige Stunden miteinander zu verbringen. 
Und mit viel Glück gibt es vielleicht auch die ein oder andere Inspiration für einen Roman. Wer weiß...  

Gleich zu Beginn forderte ich die Gruppe heraus: Da es nämlich in diesem Sinne auch keine schlechten Texte gibt, führte ich ein, dass jeder seine geschriebenen Zeilen vorlesen sollte. Obwohl wir uns untereinander mittlerweile alle recht gut kennen, sorgte die Ansage bei einigen Stammtisch Mitgliedern für Stirnrunzeln und Augenrollen. Was sollte nur daraus werden? 


Der perfekte Einstieg: Das Akrostichon 

Meine Lieblingsübung zum Einstieg in eine Schreibwerkstatt ist das Akrostichon. Erst einmal beschreibe ich die Grundlage der Übung, bevor ich zu unserer Version komme. 

Akrostichon - Was ist das? 
Du nimmst dir ein Blatt und schreibst ein Wort senkrecht auf das Papier. Dann hast du in jeder Zeile einen Anfangsbuchstaben. Du suchst dir nun Wörter, die mit diesen Buchstaben beginnen. Sobald du alle Wörter beisammen hast, bringst du sie in einem kleinen Text zusammen. 

Varianten: Diese Übung wird sehr gerne mit dem eigenen Namen oder den Namen der anderen Gruppenteilnehmern gemacht. 

Meine Version: Vorsicht: In der Theorie klang meine Version viel cooler, als es sich in der Praxis umsetzen ließ. Dennoch möchte ich diese Übung hier vorstellen: Ich bat die Teilnehmer sich einen Buchtitel zu überlegen. Hier könnten sie es sich aussuchen, ob sie den Artikel eines Buchtitels dazu nehmen oder weglassen wollten. 
Dann sollten die Teilnehmer die neu gewonnenen Wörter in einem Text unterbringen. Angedacht war eigentlich, die Buchtitel zu erraten, was aber beinahe unmöglich war, wie ihr an meinem Beispiel erkennen werdet. 

Mein Beispiel: 
Irland im November. Der Elefant brach aus dem Circus aus. Sein Hintern war unglaublich groß, er hätte Tote beherbergen können. Der Elefant wünschte sich, er wäre in einem Garten in der Natur in der Nähe des Waldes, bei seinem Freund dem Dachs. Wenn es Nacht wurde, nutzte er seine Chance und rief nach ihm. Der Dachs aß dann meist einen Apfel und wartete auf den Igel. Gemeinsam lasen sie sich den Duden vor. Doch wenn der Tiger kam und drohte, ihnen eine Hand abzuhacken, wenn sie noch weiterlasen, hörten sie auf. Dabei wollten sie ihre Chancen nicht verpassen, sich in der Sprache der Menschen weiterzubilden.

Frage: Na, welcher Buchtitel versteckt sich hinter diesem Text? Die Auflösung gibt es im August, wenn ich euch von unserem Juli Treffen berichte. 


Geschichte aus der Tüte - Das pure Chaos mit viel Witz! 

Bild von A. Mack
Wer mir auf Instagram folgt, durfte bereits dieses Bild bewundern. Ihr seht eine Stofftasche, die mit vielen kleinen Dingen gefüllt war. 

Geschichte aus der Tüte - Was ist das?
Ihr braucht eine Tasche in die ihr viele kleine Dinge steckt, wie beispielsweise Besteck, einen Schnürsenkel, einen Schlüsselanhänger usw. Dinge, die man in die Hand nehmen kann. Alternativ könnt ihr auch die Teilnehmer vor Ort bitten, in die eigene Handtasche oder den mitgebrachten Rucksack zu greifen und den ersten Gegenstand herauszuholen, der ihnen in die Hände fällt. 
Danach lasst ihr die Tasche in der Gruppe herumgeben. Jeder darf sich nun einen Gegenstand aus der Tasche nehmen, allerdings ohne einen Blick hineinzuwerfen. 
Lasst den Teilnehmern kurz 1-2 Minuten Zeit, sich ihren Gegenstand anzuschauen. Was ist es für ein Gegenstand? Was könnte er sein? 
Jeder Teilnehmer hat dann 1-4 Sätze Zeit, seinen Gegenstand in eine Geschichte einzubauen. 
Die Geschichte beginnt mit Es war einmal und endet mit Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute

Variante 1: Ihr macht die Übung laut. Jeder Teilnehmer hat einen Satz Zeit, seinen Gegenstand in die Geschichte einzubauen. 

Variante 2: Jeder Teilnehmer bekommt ein Blatt und baut seinen Gegenstand mithilfe von 1-4 Sätzen in die Geschichte ein. Dann gibt er sein Blatt an den linken oder rechten Sitznachbarn weiter. (Letztendlich ist es egal, wichtig ist nur, dass jeder weiß, an wen er sein Blatt weitergeben muss, damit es nachher kein Durcheinander gibt).
Jeder Teilnehmer hat dann eine neue Geschichte vor sich, in die er wieder seinen Gegenstand einbauen darf. Wenn man zum Schluss wieder seinen eigenen Text vor sich hat, kann man die Geschichte noch mit 1-4 Sätzen zum Abschluss bringen. 

Die zweite Variante ist deutlich komplizierter, aber dafür auch lustiger. Um euch neugierig auf uns zu machen, präsentiere ich euch an dieser Stelle keinen einzigen Text von unserem Treffen, sondern schreibe selbst einen kleinen Text, in den ich die gezogenen Gegenstände einbaue. 


Bild von A. Mack
Mein Text: 
Es war einmal ein einsamer Frosch, der in einem fernen Königreich lebte. Hier waren Frösche zwar geachtete Lebewesen, dennoch war Vorsicht geboten. Hatten doch alle Frösche die Legende von der Prinzessin im Ohr, die einen Artgenossen gegen eine Wand geworfen hatte Menschen brachten also kein Glück, sodass der Frosch nur Freunde hatte, die ungefähr so groß waren, wie er. Also beispielsweise eine Maus. 
Eines Tages kam sein Freund der Mäuserich angerannt und rief: "Hilfe, Hilfe!" 
"Was ist denn los? Wer verfolgt dich?", fragte der Frosch. 
"Die Katze, die Katze! Sie hat ihre Tatze nach mir ausgestreckt!" 
Die Katze war dem Mäuserich dicht auf den Fersen und brüllte: "Er hat meinen Freund die Ente belagert. Er lag neben den Eiern und wartete bis die Küken schlüpfen!" 
Der Frosch hätte seine Stirn gerunzelt, sofern das denn möglich gewesen wäre. Er fragte sich, ob Enten überhaupt Eier legen konnten und ob die Katze Hühner und Enten überhaupt auseinanderhalten konnte. 
Von weit her hörte man ein Quaken, das immer lauter wurde: "Haltet den Dieb! Er hat meine Eier gestohlen!" 
Die Katze blickte sich gehetzt um, das Quaken wurde immer lauter. 
"Haltet den Dieb!" 
Und wie es nun mal bei Geschichten mit sprechenden Tieren so üblich ist, enden se in einem Chaos und niemand weiß so recht, was man davon halten soll. 
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. 


Wie kam das kreative Schreiben an? 

Mein Fazit 
Da ich bereits eine Schreibwerkstatt organisiert hatte, durfte ich die erste Schreibsession in unserer Runde durchführen. Einerseits war es toll, die Übungen diesmal vor bekannten Leuten anzuleiten. Andererseits befürchtete ich, dass es auch etwas schwierig werden würde, eine gute Schreibatmosphäre herzustellen, da wir eben eine lebendige Gruppe sind und es bei bekannten Leuten wenig Sinn ergibt, den Gruppenleiter raushängen zu lassen. Da wäre ein Setting mit unbekannten Leuten womöglich einfacher gewesen. 

Ich habe bei dem Treffen gemerkt, dass mir das Schreibübungen anleiten irgendwie fehlt. Meine Motivation, nach meinem Studium die Ausbildung zur Schreibpädagogin zu machen, flammte also wieder auf. 

Rückmeldungen von den Teilnehmern zu den Übungen 
Die Übungen kamen bei der Gruppe nur bedingt gut an. Während das Akrostichon an sich eine tolle Übung ist und mir die Idee mit dem Buchtitel erraten in der Theorie auch sehr gut gefiel, stellte sich in der Praxis sehr schnell heraus, dass das nicht funktionierte, weil es viel zu schwierig war, zum einen die eingebauten Wörter zu erkennen und diese noch zu einem Buchtitel zusammenzubasteln.
Der zweite Grund, warum die Übung scheiterte, erkläre ich weiter unten. 

Außerdem kam es bei einigen Mitgliedern nicht gut an, dass die erste Übung eine Einzelübung war. Hier bekam ich die Rückmeldung, dass man die Übung ja auch theoretisch zu Hause machen könne und man sich dafür nicht mit einer Gruppe treffen müsse. Wenn man sich also mit einer Gruppe zum schreiben treffe, wolle man auch gemeinsam mit der Gruppe schreiben und nicht alleine vor sich hin schreiben müssen.

Ich hatte für den Anfang bewusst eine Einzelübung gewählt, da nicht alle in der Gruppe Erfahrungen mit dem kreativen Schreiben hatten und ich so erst einmal Unsicherheiten abbauen und nicht gleich Druck aufbauen wollte. 

Die zweite Übung hingegen kam bei allen sehr gut an. Es wurde während des Schreibens und während des Vorlesens sehr viel gelacht. 

Schreiben beim Bücherstammtisch? 
Während für mich das Schreiben eigener Geschichten und das Lesen von Büchern sehr nah beieinander liegt, stellte sich im Juni heraus, dass es den meisten Bücherstammtisch Mitgliedern anders ergeht. Sie wollten beim Bücherstammtisch eben über Bücher reden und nicht Zeit damit verbringen, Texte zu schreiben. Zumal waren wir uns alle einig, dass das Kreative Schreiben wahrscheinlich viele Interessenten abschreckte. Außerdem meinte ein Bücherstammtisch Mitglied, dass durch das Kreative Schreiben die Zeit fehle, über Bücher zu reden. So entstehe eine Pause von zwei Monaten. 

Wir einigten uns also darauf - falls es ein Comeback des  kreativen Schreibens geben sollte - hierfür einen zweiten, unregelmäßigen Termin zusätzlich zum Bücherstammtisch Treffen einzuführen. 


Du möchtest eine Schreibgruppe anleiten, ... 

und fragst dich, was du beachten solltest? 

1. Probiere die Übungen aus, die du mit der Gruppe durchführen möchtest. 
Das Internet biete jede Menge Schreibübungen oder Schreibspiele. Diese eignen sich nicht nur für Schreibsessions, sondern auch für Spieleabende. 
Allerdings ist es ratsam, die Übungen vorher selbst einmal auszuprobieren und einen kleinen Text zu schreiben. Hier merkt man nämlich, wo es hakt, bzw. worauf man achten sollte, wenn man die Übung für die Gruppe erklärt. 

2. Lass dir Zeit, wenn du die Übung erklärst 
Wir alle kennen es: Wir müssen vor einer Gruppe sprechen, sind aufgeregt und versuchen daher, die Erklärungen schnell hinter uns zu bringen. Aber wozu die Eile? Lass dir ruhig Zeit, wenn du die Übungen erklärst. 
Manche Übungen, wie beispielsweise die Geschichte aus der Tüte lassen sich am besten in mehreren Schritten erklären, damit alle Teilnehmer den Überblick behalten. 

3. Bring lieber einen kleinen Vorrat an Übungen mit 
Ich sage immer: Lieber mehr Übungen mitbringen, als nachher zu wenige dabeizuhaben. Gerade bei den ersten Malen, wenn ihr eine Gruppe anleitet, dauert es etwas, bis ihr ein Gefühl dafür bekommt, wie viel Zeit die Teilnehmer für die Übungen benötigen. Ich kalkuliere meist 15-20 Minuten ein. 
Unsere Bücherstammtisch Treffen gehen meist 1 1/2 bis 2 Stunden. Und ihr seht: Die Zeit hat uns gut für zwei Übungen inklusive Vorlesen und Plaudereien zwischen drin gereicht. 


Ausblick: Freiburger Bücherstammtisch im Juli

Wie ihr bereits wisst, hatten wir eine Bücherstammtisch Lektüre. Und zwar haben wir uns im Januar für den ersten Band von Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams entschieden. Am Montag den 16. Juli werden wir über dieses Buch sprechen. 

Wie hat es uns gefallen? Was halten wir von der Grundidee? Wie gefällt uns der Schreibstil des Autors? Welche lustigen Zitate haben wir entdeckt?
Und das Wichtigste: Wie viele Sterne würden wir dem Buch geben? 


Bücherstammtisch in Freiburg? Ich will mitmachen! 

Du kommst aus Freiburg oder der näheren Umgebung und möchtest Dich mit anderen Bücherwürmern einmal im Monat über Bücher austauschen? 

Dann bist Du hier genau richtig: Wir treffen uns einmal im Monat an einem Montag ab 17:20 Uhr vor dem Haupteingang der Buchhandlung Rombach in der Bertoldstraße in Freiburg.
Von dort aus gehen wir gemeinsam zu unserem Raum. Monatlich legen wir bestimmte Themen fest, über die wir dann bei unseren Treffen sprechen.
Auf dieser Seite findet ihr Infos zu unseren nächsten Treffen und den Themen. 

Momentan besteht unsere Gruppe aus Studierenden, ist aber für alle Altersgruppen offen. Wir reden hauptsächlich über Bücher aus der Belletristik (Unterhaltungsliteratur wie beispielsweise Fantasy, Jugendbuch, Thriller) sind aber auch offen für andere Bücher.

Um auf dem Laufenden zu bleiben, hast Du zwei Optionen: 

Mailverteiler
Du lässt Dich in den Mailverteiler eintragen. Hier lade ich regelmäßig zu den Stammtisch Treffen ein oder verschicke Umfragen, damit wir die Themen unserer Treffen festlegen können.
Den Mailverteiler führe ich über GMX: Deine E-Mailadresse wird also in meinem GMX Account im Adressbuch gespeichert, aber nur nach Deinem Einverständnis an die anderen Bücherstammtisch Mitglieder weitergegeben. 

Wir sind auch bei Facebook vertreten. Auch hier werden Einladungen und Umfragen geteilt. Ab und an bricht hier auch eine spannende Diskussion aus. Momentan sucht Isona Interessierte, die gemeinsam mit ihr Herr der Ringe lesen möchten.

Sehen wir uns im Juli?


Mittwoch, 11. Juli 2018

* Die Tyrannei des Schmetterlings

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Die Tyrannei des Schmetterlings (auch als Buch erhältlich)
Autor: Frank Schätzing
Verlag: der Hörverlag
Geeignet für: Schätzing-Fans und Sciene-Fiction Leser
Gelesen oder gehört: gehört als gekürzte Fassung
Sprecher: Sascha Rotermund
Bewertung: 1,5 von 5 Punkten


Klappentext


"Füllhorn der Wünsche? Oder Büchse der Pandora?
Frank Schätzing – der neue Thriller als Hörbuch


Kalifornien, County Sierra, Goldgräberprovinz: Sheriff Luther Opoku hat mit Kleindelikten und illegalem Drogenanbau zu kämpfen. 300 Meilen westlich davon, im Silicon Valley, wetteifern IT-Visionäre um die Erschaffung des ersten ultraintelligenten Computers mit dem Ziel, die großen Probleme der Menschheit zu lösen. Als eine Biologin in Sierra unter rätselhaften Umständen ums Leben kommt, muss Luther erkennen, dass sein verschlafenes Naturidyll längst Testgelände eigenwilliger Experimente geworden ist. Bald beginnt er an seinem Verstand zu zweifeln. Tote werden lebendig, die Zeit gerät aus den Fugen ... der Anfang einer Odyssee über die Grenzen des Vorstellbaren hinaus."


Meine Meinung 

Gestaltung
Das Hörbuch wurde in einer gekürzten Lesung produziert und hat eine Laufzeit von ca. 22 Stunden. Ich war selten so froh, ein gekürztes Hörbuch vor mir zu haben. Warum? Das werde ich in dem Abschnitt in dem ich auf den Inhalt eingehe, noch weiter begründen.
Sascha Rotermund interpretiert die Geschichte. Er hat eine angenehme Stimmfarbe, die gut zu der Atmosphäre der Geschichte gepasst hat. Dennoch konnte er mich mit seiner Interpretation nicht vollständig überzeugen. Bei Die Tyrannei des Schmetterlings wird deutlich, wie schwierig es sein kann, ein Hörbuch zu interpretieren, das einen sperrigen Schreibstil hat. Sascha Rotermund versuchte Schätzings ausführliche Beschreibungen in seiner Interpretation hervorzuheben, was bei mir nur dafür sorgte, dass der Effekt der Übertreibung verstärkt wurde. Zudem hatte ich den Eindruck, dass er nicht so recht wisse, wie er das Sperrige im Schreibstil lebendig werden lassen könnte.
Seine Stärken konnte Sascha Rotermund aber beweisen, wenn es um die Interaktion unserer Charaktere ging. Mir haben hier seine Interpretationen der Dialoge sehr gut gefallen.

Inhalt
Frank Schätzing widmet sich in Die Tyrannei des Schmetterlings dem schwierigen Thema künstliche Intelligenz. Allerdings dauert es sehr lange, bis wir erfahren, welche Rolle die künstliche Intelligenz in diesem Hörbuch spielt. 

Zu Beginn der Geschichte erfahren wir erst einmal, dass es einen Mord aufzudecken gilt. Und das wirkte auf mich eher wie ein kleines Krimi Klischee, das von den Charakteren unterstützt wurde, auf die ich im Laufe der Rezension noch weiter eingehen werde.
Dafür, dass der Schwerpunkt der Handlung auf dem Thema künstliche Intelligenz liegen sollte, dauerte es mir viel zu lange, bis wir zu diesem Handlungsstrang vorgedrungen sind. Die erste Hörbuch CD zog sich ziemlich in die Länge und Schätzing baut hier ein Element ein, das ich definitiv nicht mit künstlicher Intelligenz in Verbindung gebracht hätte, sondern mehr mit Sciene-Fiction.

Zudem fehlte mir der rote Faden in der Handlung. Die Handlungsstränge liefen zwar zusammen, wurden aber nicht gut miteinander verwoben oder zum Schluss wieder aufgelöst, was mich ziemlich störte. Ich hatte mehr den Eindruck, dass Schätzing dem Hauptthema seiner Geschichte ausweicht, das Thema künstliche Intelligenz mehr andeutet, aber nicht wirklich darauf einsteigt. Natürlich wird die berechtigte Kritik an dem Thema künstliche Intelligenz deutlich, allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Kritik in die Geschichte eingeflochten und nicht mal eben so im Showdown angeschnitten wird.

Kommen wir nun zu unseren Protagonisten Luther und Ruth. Beide arbeiten bei der Polizei und hatten es bisher in ihrem Leben nicht leicht: Luther ist alleinerziehender Vater und blickt auf eine gescheiterte Ehe zurück, während Ruth mehr oder weniger zwangsversetzt wurde.
Gerade Luther kam mir hier stellenweise sehr klischeehaft vor: Einsamer Kommissar, der einen Mordfall lösen will, aber selbst am Rande des Abgrundes steht. Im Laufe der Geschichte wird er vor eine schwierige Herausforderung gestellt, die - wie sollte es anders sein - mit seiner Vergangenheit zu tun hat.
Allerdings: Und das fand ich eines der frustrierendsten Dinge: Wir erfahren nicht, wie er sich entscheidet.

Ruth hat eine raue Schale, aber einen weichen Kern. Sie und Luther sind ein eingespieltes Team, das sich gegenseitig bei der Arbeit unterstützt und auch zusammenhält. Sie mochte ich fast lieber als Luther, weil sie nicht ganz klischeehaft wirkte und ziemlich gute Sprüche zur Geschichte beisteuert.

Frank Schätzing führt in Die Tyrannei des Schmetterlings auch viele Nebencharaktere ein, die im Laufe der Geschichte zusammenarbeiten müssen, um eine Mission zu erfüllen. An sich fand ich diese vielen Charaktere etwas unübersichtlich und ich neigte dazu, viele miteinander zu verwechseln.
Es gab aber, als der Spannungsbogen anstieg, ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl, weil man merkte, dass hier eine Gruppe zusammenarbeiten muss, um ein Ziel zu erreichen.

Allerdings waren mir die Charaktere zu oberflächlich. Das was an Tiefe angedeutet wurde, unterschied sich für mich nicht groß von den vielen, vielen Krimis, die es bereits schon gibt. Und das enttäuschte mich wirklich.
Erstmals gibt es also für den Inhalt in meiner Bewertung keinen Punkt.

Spannung
Leider dauerte es mir zu lange, bis der Spannungsbogen wirklich aufgebaut war. Gefühlt hatte man das erste Drittel der Geschichte gnadenlos zusammenstreichen können.
Als die Fronten allerdings geklärt waren, nahm die Handlung rasant an Fahrt auf und ich war gespannt, wie unsere Charaktere ihre Aufgabe meistern würden und ob es mit der Tyrannei ein gutes Ende hatte.
Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Handlungsstränge und der Spannungsbogen besser miteinander vermischt werden und das vor allem der Spannungsbogen gleichmäßiger verläuft und nicht das erste Drittel gebraucht wird, bis es mit der Handlung richtig los geht.

Schreibstil
Frank Schätzings Schreibstil konnte mich bei Die Tyrannei des Schmetterlings leider nicht überzeugen.
Zum einen lag es daran, dass er viel Zeit darauf verschwendet hat, alltägliche Dinge, größer darzustellen, als sie eigentlich sind. Natürlich sind sprachliche Bilder für eine Geschichte wichtig, um die Handlung auszuschmücken und den Leser in die Handlung eintauchen zu lassen. Schätzing Wortwahl wirkte auf mich aber eher hochgestochen. Ich fragte mich oft, warum er so viel Zeit braucht, um diese eine Szene zu beschreiben, die man in zwei Sätzen hätte erzählen können.

Zum anderen verwirrten mich seine Perspektivenwechsel: Die Geschichte wurde jeweils aus der Sicht von Luther und Ruth erzählt. Diese Perspektiven waren aus der dritten Person geschrieben. Dann gab es aber noch Abschnitte, in denen Luther direkt angeredet wurde wie beispielsweise "Du überlegst dir, was du tun sollst." Das verwirrte mich dann völlig, weil ich überhaupt nicht wusste, ob es sich hier um einen Traum, eine Vogelperspektive oder etwas völlig anderes handelte.
Ich hätte mir gewünscht, dass sich Frank Schätzing mehr darauf konzentriert die Handlung voranzubringen und sich nicht mit banalen oder mysteriösen Beschreibungen aufhält, die er aber nicht weiter präzisiert.

Gesamteindruck
Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit Die Tyrannei des Schmetterlings so gar nichts anfangen kann. Ich habe mich gefragt, ob es wirklich an der Geschichte als solche lag, oder ob mir nun einfach Elemente an Frank Schätzings Schreibstil aufgefallen sind, die ich früher nicht wahrgenommen habe.
Ich finde es immer etwas schade, wenn mich ein Hörbuch gar nicht überzeugen konnte, weil es in den wenigsten Fällen an der Produktion oder an der Sprecherwahl liegt. Und im Endeffekt läuft es auf eine schlechte Bewertung hinaus, weil der Inhalt einfach nicht packen konnte.

Zusammenfassend kann ich sagen: Wer einen langen Atem hat, mit ausschweifenden Beschreibungen gut zurechtkommt und Sascha Rotermund gerne zuhört, kann zum Hörbuch greifen.
Wer solche Beschreibungen eher überfliegt, sollte sich vielleicht vorsichtig der Printausgabe nähern.

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* Dieses Hörbuch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.