Montag, 11. Juni 2018

Romanfiguren in die Bredouille bringen




Hallo Buchlinge,

heute erzähle ich euch von meiner Lieblingsveranstaltung der Frankfurter Buchmesse 2017. Und zwar hielt der Lektor Sebastian Pirling einen Vortrag zum Thema: Konflikte! Wie Sie Ihre Romanfiguren so richtig in die Bredouille bringen!

Da ich zu diesem Zeitpunkt mitten in der Überarbeitung meines Romanes steckte und mich bezogen auf einen Charakter fragte, wie es mit ihm weitergehen sollte, erhoffte ich mir hier, wichtige Antworten auf einige Fragen zu bekommen.


Über Sebastian Pirling 

Sebastian Pirling lebt in München und arbeitet als Lektor im Heyne Verlag. Dort landen Bücher zu den Genres Sciene-Fiction, Fantasy und Jugendbuch auf seinem Schreibtisch.
Außerdem arbeitet er als Redakteur für Die Zukunft.

Quellen: 
Die Zukunft
RandomHouse


Über die Veranstaltung 

Sebastian Pirling führt anhand verschiedener Filmbeispiele durch den Vortrag.

Was ist ein richtiger Konflikt? 
Erst einmal muss erarbeitet werden, was überhaupt ein richtiger Konflikt ist. Hier erklärt Pirling, dass die Figuren einer Geschichte nur so stark sind, wie die Kräfte, gegen die sie kämpfen müssen.
Wir kommen also zu Sebastian Pirlings erstem Beispiel, das mit einer gesellschaftlichen Frage verknüpft ist: Soll man sich um Menschen mit Behinderung kümmern?
Diese Frage allein, bietet zwar Spielraum für eine Handlung. Es braucht aber noch einen zweiten Handlungsstrang, um Spannung aufbauen zu können. Im Film Rainman ist unser Protagonist kurz davor, ein hohes Erbe ausbezahlt zu bekommen. Das kommt ihm gerade recht, da er dringend Geld braucht. Dies funktioniert aber nur, wenn er sich um seinen autistischen Bruder kümmert.
Der Protagonist hat also ein Dilemma. Es besteht die Möglichkeit, dass er an Geld kommt, allerdings muss er dafür seine eigene Komfortzone verlassen und sich auf etwas Neues, Unbekanntes einlassen.

Dilemma 
Wie oben bereits beschrieben, muss sich eine Figur zwischen zwei Dingen entscheiden, ist also in einem Dilemma. Natürlich nimmt sie die Möglichkeit, mit dem geringeren Übel.
Wir kommen nun zum zweiten Filmbeispiel: Die Figur hat einen Wunsch, den sie aber nicht so einfach verwirklichen kann. In Mrs Doubtfire wird einem Vater das Sorgerecht für seine Kinder entzogen. Er möchte sie aber trotzdem regelmäßig sehen und verkleidet sich kurzerhand als ältere Dame und heuert bei seiner Ex-Frau als Kindermädchen an.
Anhand dieses Beispiels sehen wir, welche Lösungswege ein Charakter gehen kann, um sich doch noch seinen Wunsch zu erfüllen.

Der Antagonist 
Der Antagonist muss nicht zwingend ein Mensch sein. Es kann sich auch um eine Situation handeln. So kann die Überwindung der eigenen Bequemlichkeit beispielsweise eine Herausforderung darstellen.

Mehrere Konfliktebenen 
Als Beispiel für mehrere Konfliktebenen stellt Sebastian Pirling den ersten Band der Matrix Reihe als Beispiel vor. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass meine Notizen an dieser Stelle sehr schwammig werden. Deswegen hoffe ich, ihr verzeiht mir ungenaue Ausführungen. Anhand von Matrix sollte deutlich werden, wie verschiedene Konfliktebenen miteinander verbunden werden können.

Neo muss sich hier fragen, ob er seinen Sinnen trauen kann. Diese Frage muss er mit sich ausmachen und stellt somit seinen inneren Konflikt dar.
Auf der nächsten Ebene kämpfen die Menschen gegen die Maschinen. Neo möchte eigentlich nicht in diesen Kampf hineingezogen werden (äußerer Konflikt).

Konflikt innerhalb einer Figur 
Die Figur muss sich nicht bewusst sein, was der eigentliche Konflikt der Geschichte ist. Es kann sein, dass der eigentliche Konflikt in etwas besteht, dass unser Protagonist noch gar nicht wahrhaben möchte. Die Auflösung kann dann beispielsweise darin bestehen, dass die Figur erkennt, was sie wirklich will.
Zudem ist es auch spannend, wie sich die Veränderung einer Figur auf den Plot, also die Handlung einer Geschichte, auswirkt.

Der Plot und die Struktur einer Geschichte sind nur die groben Muster und stellen die äußere Gestalt einer Geschichte dar. Die Konflikte unserer Charaktere machen das eigentliche Leben der Geschichte aus.

Die klassische Struktur des Erzählens besteht darin, dass ein Konflikt zwischen einer oder mehrerer Personen und der Gesellschaft besteht. Die Handlung wird zu einem klaren Ende gebracht.
Der äußere Konflikt kann hier auch nach innen verlagert werden.
Spannend wird es, wenn es Brüche in der Erzählstruktur einer Geschichte gibt oder zufällige Ereignisse die Geschichte durcheinander bringen.

Literaturtipps 
Zum Schluss gab Sebastian Pirling noch ein paar Literaturtipps weiter. So empfahl er Bücher von: Robert McKee (Story - Die Prinzipien des Drehbuchschreibens), Stephen King, Haruki Murakami und Agatha Christie speziell für die Krimi Leser.


Meine Meinung 

Bisher habe ich auf keiner Buchmesse so einen guten Vortrag erlebt. Die Filmbeispiele waren sehr gut gewählt und haben das, was Pirling begründen wollte, gelungen untermalt. Obwohl ich einige der Filme nur von Mond-zu-Mund Propaganda kannte, habe ich durch die sprachlichen Bilder problemlos nachvollziehen können, worauf er hinaus wollte.
Es ärgert mich jetzt ziemlich, dass meine Notizen zum Teil wirklich schwammig sind. Als ich die Veranstaltung ausgearbeitet habe, bekam ich das Gefühl, dass der obige Text nur einen Bruchteil der Informationen enthält, die es vor Ort gab.

Was mich vor Ort erstaunte war, dass Sebastian Pirling keine Roman Beispiele aus dem Heyne Verlag nannte, sondern eigentlich Autoren nennt, die in Genres unterwegs sind, die er gar nicht lektoriert.

Zusammenfassend empfehle ich: Wenn ihr die Möglichkeit habt, eine Veranstaltung von Sebastian Pirling zu besuchen, nutzt es unbedingt.

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