Freitag, 15. Juni 2018

Per Anhalter durch die Galaxis



Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Per Anhalter durch die Galaxis (auch als Buch, Film erhältlich)
Autor: Douglas Adams
Verlag: der hörverlag
Geeignet für: Fans von Sciene-Fiction, Marc-Uwe Kling und Menschen, die abgedrehte Geschichten mögen
Gelesen oder gehört: gehört in ungekürzter Fassung
Sprecher: Christian Ulmen
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von der hörverlag) 

"Es hätte so ein schöner Tag werden können – bis Arthur Dent feststellt, dass sein Haus abgerissen werden soll. Macht aber eigentlich nichts, weil kurz darauf auch die Erde gesprengt wird, um einer Hyperraum-Umgehungsstraße Platz zu machen. Diesem Schicksal kann Dent gerade noch entgehen – dank seines außerirdischen Freundes Ford Prefect und des intergalaktischen Weltreiseführers.
Vom Babelfisch bis zu den Vogonen, vom Pangalaktischen Donnergurgler bis zur drittschlechtesten Dichtkunst des Universums: Christian Ulmen verwebt in seiner fulminanten Lesung alle Details des Anhalters zu einem wahrhaft kosmischen Hörvergnügen!"


Meine Meinung 

Gestaltung
Schon nach den ersten Minuten war ich sehr angetan von Christian Ulmens Interpretation der Geschichte. Der Einstieg in den Schreibstil fiel mir etwas schwer, weil Douglas Adams Per Anhalter durch die Galaxis mit ein paar Schachtelsätzen beginnt. Und Christian Ulmen hat sich der Herausforderung gestellt, die sperrigen Sätze entwirrt und lebendig in die Geschichte integriert. Zudem muss ich gestehen, dass mich Ulmens Interpretation sehr an Marc-Uwe Klings Livelesungen der Känguru-Trilogie erinnerte. Allerdings lag das auch an der ähnlichen Handlung. Darauf werde ich im Laufe der Rezension noch weiter eingehen. Jedenfalls war die Ähnlichkeit definitiv kein Nachteil.
Christian Ulmen liest alles andere als schlicht. Erst einmal legt er eine gute Lesegeschwindigkeit an den Tag, die aber nicht zu schnell ist, sondern zur Geschichte passt. Dann setzt er alles daran, den Charakteren durch seine Interpretation Leben einzuhauchen und die Charaktereigenschaften dadurch hervorzuheben. Unser Protagonist Arthur klingt beispielsweise schlecht gelaunt, während sein Freund Ford eine Stimme mit einem Hauch Naivität bekommt. Und zuletzt warten auch noch tierische Herausforderungen auf den Schauspieler...

Per Anhalter durch die Galaxis wurde ursprünglich als Hörspiel entwickelt. Deswegen bin ich sehr dankbar, dass der Hörverlag auch eine Hörbuch Version von dem Klassiker geschaffen hat. Ich höre zwar viele Hörbücher, aber es gibt nur selten eine Geschichte, die ich ganz klar in Hörbuch Form bevorzuge. Per Anhalter durch die Galaxis gehört mit Sicherheit dazu. Wenn es allein um die Produktion geht, steht das Hörbuch auf der Liste der potentiellen Jahreshighlights relativ weit oben.

Inhalt
Die Geschichte ist unglaublich ... chaotisch. Zu Beginn von Per Anhalter durch die Galaxis lernen wir Arthur kennen, dessen Haus abgerissen werden soll. Doch relativ schnell stellt sich heraus, dass die Erde auch dran glauben muss. Glücklicherweise wird Arthur von seinem Freund Ford vor der Verdunstung, dem sicheren Tod, gerettet. Ford ist einer der Autoren des Reiseführers Per Anhalter durch die Galaxis. Und aus diesem Grund stattete er der Erde einen Besuch ab.

Es dauerte ziemlich lange, bis die zentralen Themen der Geschichte wirklich herausgearbeitet wurden. Das liegt hauptsächlich daran, dass Douglas Adams ständig Brüche in seine Handlung einbaut. Eine Szene ändert sich durch einen intergalaktischen Zufall und etwas völlig Unvorhergesehenes passiert. Einerseits war dieses Element für mich zu Beginn ziemlich unterhaltsam und eine willkommene Abwechslung. Andererseits ging mir das Stilmittel zeitweise auch ziemlich auf die Nerven und ich wünschte mir, dass der Autor etwas Handlung aufbaut und unsere Charaktere nicht von der einen in die nächste Szene stolpern lässt.
Nach und nach wird ein leicht blasser roter Faden sichtbar. Nämlich die Frage nach dem großen Warum. Wer sind wir? Und wo kommen wir her?
Ein zentrales Thema ist ebenso die Frage, wie das Universum entstanden ist. Und Douglas Adams versucht dieser Frage mit viel Witz und skurriler Handlung auf den Grund zu gehen.
Außerdem lernen wir mehrere Charaktere kennen, die nicht direkt mit unseren beiden Protagonisten Arthur und Ford in Kontakt stehen. Diese eingeschobenen Handlungsstränge sind aber in sich abgeschlossen und werden nicht weiter ausgebaut.

Kommen wir nun zu unseren Hauptcharakteren Arthur und Ford. Auch hier bin ich etwas hin- und her gerissen, weil mich die Eigenschaften unserer Protagonisten durchweg an die Känguru Chroniken erinnerten. Und so wurde für mich einfach mehr als deutlich, von wem Marc-Uwe Kling seine Inspirationen bekommen hat.
Arthur ist natürlich tief getroffen: Erst wird sein Haus abgerissen. Dann muss er auch den Verlust seines Planeten hinnehmen. Er wirkt daher sehr deprimiert, launisch und ist quasi der Vorfahre von Marc-Uwe.
Ford stammt von einem anderen Planeten und saß 15 Jahre lang auf der Erde fest. Natürlich freut er sich, dass er jetzt endlich wieder andere Planeten für sich entdecken darf. An sich ist Ford sehr interessiert an seiner Umwelt. Leider fällt ihm die Kommunikation mit Arthur etwas schwer. Denn er weiß nicht, was Ironie ist. Und er hat ziemlich schräge Lösungsstrategien, die mich an das Känguru aus den Känguru Chroniken erinnert haben. Nur, dass das Känguru genau wusste, was es tat und Ford seine Lösungsvorschläge absolut ernst meinte und nicht damit gerechnet hat, dass man was gegen seine Ideen haben könnte.

Aufgrund der chaotischen Handlung sind Arthur und Ford zu Beginn der Geschichte größtenteils damit beschäftigt, auf die Umwelt zu reagieren. Ford gewinnt nach und nach die Orientierung zurück, beginnt Konflikte zu lösen und sich darum zu kümmern, dass er und Arthur irgendwie in der Galaxis voran kommen.

Beide Charaktere empfand ich als sehr einfach gestrickt. Das lag aber wahrscheinlich daran, dass nur bestimmte Facetten für die Geschichte benötigt wurden und die Handlung als solche schon bunt genug ist. Da es sich hier um den Auftakt einer Reihe handelte, kann es gut sein, dass die verschiedenen Eigenschaften der Charaktere in den Folgebänden noch besser zur Geltung kommen. Über die Beziehung zwischen Ford und Arthur kann nicht viel gesagt werden, da die Beziehungsebene nicht im Mittelpunkt der Handlung steht. Ford ist bemüht, Arthur in die Galaxis einzuführen und empfiehlt ihm daher den Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis. Zudem versucht er Arthur aus brenzligen Situationen zu retten. Daraus lässt sich schließen, dass ihm etwas an seinem Freund liegt. Arthur hingegen ist viel mit sich selbst beschäftigt.

Spannung
Da der Roman sehr viele Brüche in der Handlung aufweist und sich die Geschichte durch eine Verkettung von Zufällen ständig ändert, gab es aus meiner Sicht keinen klaren Spannungsaufbau. Erst gegen Ende gibt es eine gefährliche Situation aus der unsere Charaktere entkommen müssen. Aber da die Handlung zuvor schon so schräg war - und ich zudem wusste, dass es sich um den Auftakt einer Reihe handelte - konnte ich hier nur bedingt mitfiebern, fand den Höhepunkt von Per Anhalter durch die Galaxis aber sehr unterhaltsam. 

Schreibstil
Wenn ich das Buch gelesen hätte, hätten die ersten Sätze der Geschichte vermutlich dafür gesorgt, dass ich das Abenteuer vorzeitig beendet hätte. Douglas Adams irritierte mich mit seinen Schachtelsätzen. Am Ende des Satzes hatte ich schon wieder vergessen, wie der Satz begann. Christian Ulmen glich die Schreibstil-Problematik für mich aber ziemlich gut aus und half mir so die Anfangszeit der Geschichte zu überstehen.
Nach der Anfangszeit konnte mich der Schreibstil von Douglas Adams aber für sich begeistern. Ich mochte besonders die schrägen Dialoge, die nicht immer wirklich Sinn ergaben, was mir hier aber nicht viel ausmachte. Außerdem empfand ich es als sehr angenehm, dass Douglas Adams den Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis nutzt, um in sein Universum einzuführen. Zu Beginn jeden neues Kapitels wird nämlich eine kleine Einheit aus dem Lexikon dargestellt.

Gesamteindruck
Ich wusste zu Beginn nicht viel über Per Anhalter durch die Galaxis. Ich konnte mich dunkel daran erinnern, dass ich vor Jahren mal die Verfilmung gesehen hatte und diese ebenfalls sehr chaotisch wirkte.

Nach meiner letzten Lektüre war Per Anhalter durch die Galaxis eine willkommene Ablenkung. Die Geschichte ist zwar verrückt und chaotisch, bringt aber auch viel Witz und Kreativität mit. Einen kleinen Dämpfer bekam die Geschichte für mich, als ich die Parallelen zu Marc-Uwe Klings Känguru-Reihe erkannte. Beide Bücher - also sowohl der Anhalter als auch das Känguru - haben Stärken und können gut ohne den jeweils anderen bestehen. Aber es hatte für mich etwas den Ein-Geheimnis-gelüftet-Effekt. So als hätte ich das Geheimrezept eines Autors erkannt.

Zusammenfassend rate ich euch, euch von der Geschichte treiben zu lassen und nicht nach Logik, Handlung und roten Fäden Ausschau zu halten. Und natürlich empfehle ich euch die Hörbuch Lesung mit Christian Ulmen.

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* Dieses Hörbuch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

Kommentare:

Daniela von Buchvogel hat gesagt…

Hallo,
ich hab das Buch vor Jahren gelesen und ich finde es genial, gerade wegen der Chaotik und unverhergesehen Wendungen!
LG,
Daniela

Emma hat gesagt…

Guten Morgen Daniela,

es freut mich, dass Dir "Per Anhalter durch die Galaxis" gut gefallen hat.
jepp einige Stellen konnten mich sehr gut unterhalten. Und ich überlege echt, ob ich in die anderen Bände rein höre. (Muss mich mal schlau machen, ob es davon Hörbücher gibt).

viele Grüße und einen guten Start in die neue Woche wünscht

Emma