Samstag, 23. Juni 2018

5 Dinge, die ich gerne vor meinem Studium gewusst hätte - Part 1

Hallo Buchlinge,

es wird wieder einmal Zeit für eine neue Reihe aus der Ge(h)brechen-Rubrik: Allerdings schummle ich diesmal auch ein bisschen. Denn hier richte ich mich nicht ausschließlich an Studierende mit Behinderung, sondern auch an Studierende ohne Behinderung, oder solche, die kurz vor ihrem Studienbeginn stehen.

Ich schreibe hier über Erwartungen, Wünsche und Träume, die ich mit meinem Studium verbunden habe. Ein oder zwei Punkte waren mir im Voraus zwar schon bekannt, dennoch habe ich sie nicht wirklich glauben wollen.
Wie ihr wisst, ist mein Studium offiziell noch nicht vorbei - ich sitze nach wie vor an meiner Bachelorarbeit - dennoch dachte ich mir, wird es Zeit, die letzten 3,5 Jahre Revue passieren zu lassen.
Bevor ich inhaltlich dann endlich einsteige, zum Schluss noch ein paar kurze Infos:

  • Wenn ihr Fragen oder Ideen habt, über welche Themen in Bezug auf Sehbehinderung oder Blindheit ich unbedingt schreiben sollte: Lasst mir eure Ideen sehr gerne in den Kommentaren da oder schreibt mir eine Mail an EmmaZecka@gmx.de.
  • Am Ende des Beitrages findet ihr wie gewohnt eine Übersicht der letzten fünf Beiträge, die in dieser Rubrik bereits erschienen sind. Außerdem gibt es die altbekannte Info, wie sich meine Sehbehinderung in der Praxis äußert.
Diese Reihe wird euch die nächsten Monate begleiten. Pro Monat gibt es eines der fünf Dinge und ich bin sehr gespannt, ob es euch ähnlich ergeht bzw. erging.
Genug geschrieben - beginnen wir mit dem ersten Ding. 

5 Dinge, die ich gerne vor meinem Studium gewusst hätte,... 

1. Dass ich nicht an Hilfsmitteln sparen sollte

Diesen Punkt möchte ich anhand zweier Hilfsmittel konkreter ausführen, die ich vor oder im Laufe meines Studiums bekommen habe.

Hörgeräte - Eine Odyssee

Vorgeschichte - Nein, ich brauche keine Hörgeräte! 
Schon während meiner Schulzeit stellte sich heraus, dass ich schlecht hörte. Bisher waren wir - also meine Eltern und ich - davon ausgegangen, dass das nur das linke Ohr betrifft. Ich nahm es irgendwie als gegeben hin und setzte mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit der Frage auseinander, ob ich vielleicht Geld in ein Hörgerät investieren sollte. Ja, ihr lest richtig: Ein Hörgerät. Schließlich war es ja nur die linke Seite, die altersschwach wurde. Und Hörgeräte werden ja nur von Leuten getragen, die so richtig schlecht hören. Oder?

Nach dem Abi fand ich also den Weg zu einer Hörakustik Kette. Ein Mitarbeiter füllte zum Einstieg der Beratung einen tollen Bogen mit mir aus. Hier wurde mein Bedarf erfragt und versucht, herauszufinden, in welchen Situationen ich akustische Unterstützung bräuchte. Und natürlich stellte sich heraus, dass ich am besten in der Premium Liga - also den teuersten Hörgeräten - anfangen sollte. Da dachte ich mir: Nee, ihr Lieben! Ich lasse mich ganz bestimmt nicht von euch übers Ohr hauen! (Wortwitz off! :) ).

Also entschied ich mich für die Starter Variante, die von der Krankenkasse in vollem Umfang übernommen wird. Hier musste ich eine Zuzahlung von 10 Euro pro Stück leisten.
Im Übrigen hatte ein Hörtest ergeben, dass auch mein rechtes Ohr schnell altert und seine Funktionen nicht mehr im vollen Umfang nutzen kann. Nachdem ich mich beim Ausprobieren der Hörgeräte zuerst noch gegen das rechte Hörgerät gesträubt habe - ich dachte, wenn ich es einer zu lauten Lautstärke aussetze, verabschiedet es sich erst recht - , konnte ich den Mehrwert schließlich doch erkennen.

Soweit so gut: Ich hörte zwar besser, aber noch lange nicht so gut, wie früher. Ich begründete das damit, dass ein Hörgerät das normale Hören eben nicht zu hundert Prozent ersetzen kann. Und so startete ich - chaotisch - in mein Studium.

Das Studium - akustisch mehr schlecht als recht 
Ich stellte schnell fest, dass die Technik in meinen Ohren an ihre Grenzen stieß. Wenn wir in einer Vorlesung saßen und Kommilitonen Fragen stellten, konnte ich diese in den seltensten Fällen verstehen. Nur ganz wenige Dozenten fassten die Fragen nochmal für alle über das Mikrofon zusammen.
Meine Taktik: Anhand der Antwort versuchen, zu erahnen, was denn nun die Frage gewesen war. Teilweise funktionierte das recht gut, bzw. hatte ich nicht das Gefühl, dass mir bezogen auf Klausuren durch die nicht verstandenen Fragen wichtige Infos entgingen.

Auch in Seminaren gab es ähnliche Probleme. Die Seminarräume waren nicht mit Mikrofonen ausgestattet. Warum auch? Schließlich waren hier höchstens 20 - 30 Leute anwesend. (Je nach Anwesenheitspflicht und Beliebtheit auch gerne mal weniger Studierende).
So kam hinzu, dass ich in der Regel auch Mühe hatte, die Dozenten zu verstehen. Oft konnte ich das noch ausgleichen, indem ich mir einen vorderen Platz sicherte. Aber ihr kennt es: Es gibt eben auch Menschen, die undeutlich sprechen und es selbst nicht merken bzw. es schon so lange tun, dass sie nichts daran ändern können.

Vielleicht fragt ihr euch, warum ich dann nicht darum gebeten habe, dass die Dozenten nochmal einige Sätze wiederholten. Zum einen, weil es schlicht und ergreifend auffällt. (Wobei auch dahingestellt sei, ob meine nicht vorhandene Strategie weniger auffällig gewesen ist. Zur Strategie: siehe unten).
Zum anderen hatte ich nicht den Eindruck, dass es etwas änderte, weil die Menschen, die ich nicht verstand undeutlich redeten, also schnell wieder in ihre gewohnte Sprache verfielen.

Kommen wir nun also zu meiner schwammigen Strategie: Der Vorteil von Seminaren ist schlicht und ergreifend, dass man dort eine kleinere Gruppe hat und somit auch über Inhalte diskutieren kann. Da war es bei uns nicht anders. Da ich hier den Großteil der Beiträge nicht verstand und auch nicht wahrnehmen konnte, wann gerade jemand zu einer Antwort ansetzen wollte, hielt ich mich lieber zurück: Schließlich wollte ich ja nicht etwas sagen, was jemand vor mir bereits bemerkt hatte. Und ich wollte niemandem ins Wort fallen.
Ich beschränkte mich also auf das Nötigste an mündlicher Beteiligung und meldete mich höchstens hin und wieder in Seminaren, in denen generell wenig gesprochen wurde.

Warum ich nichts an meiner Situation änderte? Ich rechnete nicht damit, dass ein anderes Hörgerät helfen könnte. Ich dachte, dass es sich hier um Probleme handelte, die von der Technik eben nicht ausgeglichen werden könnten. Punkt. Aus.

Falsch gedacht: In den letzten Wochen - ja, in manchen Dingen, bin ich unverschämt spät dran - habe ich mir einen neuen Hörakustiker bei mir im Ort gesucht. Dort bestätigte man mir meine Vermutung: Man könne andere Modelle zwar testen, jedoch sei ungewiss, ob diese mir wirklich weiterhelfen. Dennoch dachte ich mir, dass ich nicht viel zu verlieren habe. (Zumal ich mein altes Hörgerät verloren hatte). Und so testete ich munter drauf los und fand auch eine Firma, die mir zusagte. (Über Tipps und Tricks zur Hilfsmittelfinanzierung schreibe ich am Ende von diesem Punkt noch ein paar Zeilen).

elektronische Lupe - Immer noch besser als nichts
Wer mein Video zum Thema Lesen bereits gesehen hat, kann mit diesem Begriff etwas anfangen. An dieser Stelle in aller Kürze: Die elektronische Lupe, ist ein kleines Gerät, mit dem man Texte vergrößern kann. Die Besonderheit ist, dass man auch den Kontrast verstellen kann und nicht wie bei den herkömmlichen Lupen auf eine Standardvergrößerung beschränkt ist, sondern hier einen kleinen Spielraum hat.

Zur Situation 
Immer wieder kam es bei uns im Studium vor, dass wir während eines Seminars oder während einer Vorlesung Texte lesen mussten. Und hier stellte ich irgendwann fest, dass mir meine normale Lupe dabei nicht mehr wirklich weiterhalf. Außerdem ist es unglaublich anstrengend, bei einem beinahe abgedunkelten Raum, zu später Stunde, nach einem langen Hochschultag einen Fachtext lesen zu müssen, der auf Schriftgröße 10 formatiert ist. Da bei mir bald ein Praktikum vor der Tür stand und klar war, dass ich hier wahrscheinlich auch viel vor Ort lesen musste, suchte ich also nach einer Lösung.

Eine langfristige Erleichterung?
Die elektronische Lupe erleichterte mir das Lesen ungemein, weil ich hier den Kontrast verändern konnte und so nicht mehr von dem weißen Blatt Papier geblendet worden bin. Allerdings schaffte ich es immer noch nicht, Texte in vorgegebener Zeit zu lesen, oder mich zu motivieren, die Bibliothek unsicher zu machen und mir auch mal ein Fachbuch vorzunehmen. Das Gerät ist zwar eine gute Zwischenlösung, aber nicht für längere Texte bzw. Bücher geeignet.
Dennoch hat die elektronische Lupe meine normale Handlupe - abgesehen von dem Umgang mit dem Smartphone - vollkommen abgelöst.


Und wie soll ich mir das alles finanzieren???

Einige von euch werden wahrscheinlich schon mit den Augen gerollt haben, als sie die provokative Überschrift gelesen haben: Nicht an Hilfsmitteln sparen. Na, toll! Schließlich schwimmen Studenten nicht gerade in Geld. Und Studierende mit Behinderung kommen auch nicht so leicht an einen Nebenjob.

Dennoch gibt es Mittel und Wege an Hilfsmittel zu kommen, ohne dafür Kredite aufnehmen zu müssen.
Die elektronische Lupe ist mir beispielsweise über die Krankenkasse finanziert worden. Hier musste ich wenn überhaupt eine Zuzahlung von 10 Euro leisten, bin mir hier aber nicht mehr ganz sicher.

Bei den Hörgeräten ist das etwas kniffliger: Hier übernimmt die Krankenkasse nur eine bestimmte Pauschale. Und dieser Betrag ist einheitlich, d.h. es ist egal, bei welcher Krankenkasse ihr seid. Außerdem werden neue Hörgeräte nur nach einer bestimmten Zeit finanziert, außer es handelt sich um eine Verlustmeldung. Hierzu kann euch euer Hörakustiker aber ausführlichere Auskünfte geben.

Inzwischen bin ich doch bei der Premium Marke angekommen, höre aber auch einen deutlichen Unterschied und habe das Gefühl, mich akustisch besser orientieren zu können und nicht mehr schreiend durch die Welt zu laufen.
Allerdings musste ich für dieses Hörerlebnis auch ein paar 1000er abdrücken und das obwohl die Krankenkasse ihren vollen Pflichtanteil übernommen hatte.

Nun kommen wir also zu der Frage, wie man Hörgeräte finanziert, wenn man kein Geld hat und auch schlecht Geld beiseite legen kann. Ihr könntet beispielsweise einen Antrag auf Eingliederungshilfe stellen. Allerdings kann das hier einige Monate in Anspruch nehmen, d.h. ihr solltet da unbedingt hinterher sein. Oder ihr setzt euch mit einer Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Hörgeschädigte in Verbindung. Hierbei handelt es sich um eine Selbsthilfeorganisation, also ein Verein mit Betroffenen. Und da gibt es meistens ziemlich gute und praktische Tipps.
Je nachdem wo ihr studiert, habt ihr vielleicht auch einen kompetenten Behindertenbeauftragten an eurer Hochschule oder Uni bzw. einen Dozenten, der Jurist ist und zufälligerweise auch regelmäßige Sprechstunden anbietet. (Wie das bei Dozenten eben so ist). Hier lohnt sich eine Kontaktaufnahme mit Sicherheit ebenfalls.

Ansonsten habe ich HIER beschrieben, wie man Hilfsmittel beantragt und an welche Kostenträger man sich wenden kann. (Achtung: Der Freibetrag bei der Eingliederungshilfe hat sich erhöht. Mehr Infos findet ihr HIER).


Fortsetzung folgt im Juli 

Damit dieser Artikel nicht so lang wird, habe ich beschlossen euch die fünf Dinge über ein paar Monate verteilt vorzustellen. Gefällt euch diese Idee?
Oder hättet ihr lieber alle Infos am Stück?
Was denkt ihr über diesen Beitrag?
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

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Die fünf letzten Beiträge dieser Rubrik
Wie ich lese - BLG Tutorial - HIER KLICKEN
Hilfe anbieten, aber wie? -   HIER KLICKEN
5 Dinge, die mich an meiner Sehbehinderung stören HIER KLICKEN
Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung: Tipp 4: Bezieh nicht alles auf dich HIER KLICKEN 
Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung: Tipp 3: Umgang mit der eigenen Behinderung HIER KLICKEN


Zu meiner Person und der Sache mit der Sehbehinderung: 
Ich bin von Geburt an auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge hochgradig sehbehindert. Seit 2017 beträgt mein Sehrest 2%, was bedeutet, dass ich nach dem Gesetz als blind gelte. In der Praxis heißt dass: Ich...

  • Habe Mühe mich in unbekannten oder schlecht beleuchteten Räumen zu orientieren
  • Erkenne mir bekannte Personen nicht im Vorbeigehen 
  • Laufe mit einem Blindenlangstock (von mir als Elderstab betitelt) pendelnd durch die Weltgeschichte 
  • Kann keinen Blickkontakt aufnehmen und mit der Mimik meines Gegenübers nichts anfangen 
  • Kann Personen, die in unmittelbarer Nähe (linker, rechter Sitznachbar je nach Entfernung auch mein Gegenüber) erkennen, alle was darüber hinaus geht aber nicht 
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Donnerstag, 21. Juni 2018

Wie war's beim LitCamp 2018?


Bildergebnis für litcamp hd
Bild von LitCamp
Ein Bericht von Isona

Was: Litcamp
Wann: 16. Und 17. Juni 2018
Wo: Im Dezernat 16 in Heidelberg
Preis: 30€ für zwei Tage

Das LitCamp 2018 ist leider schon vorbei.
Wer mir auf Twitter folgt, hat bestimmt mitbekommen, dass es bei mir eine sehr SEHR spontane Angelegenheit war. Denn wie zu meist war meine Twitter Timeline über voll von vorfreudigen Autoren/Bloggern/Lesern, die die Tage bis zum LitCamp gezählt haben. Und inmitten ich, die weder jemals etwas vom Literatur Camp noch überhaupt etwas von Barcamps gehört hatte. Aber Google und Wikipedia sind ja zum Glück geduldig und bin auf folgende Erklärung gestoßen:
»Ein Barcamp (häufig auch BarCamp, Unkonferenz, Ad-hoc-Nicht-Konferenz) ist eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden. Barcamps dienen dem inhaltlichen Austausch und der Diskussion, können teilweise aber auch bereits am Ende der Veranstaltung konkrete Ergebnisse vorweisen« (Quelle Wikipedia). 
Gedacht ist es für LeserInnen, BloggerInnen, Verlagsleute, BuchhändlerInnen und BibliothekarInnen, AutorInnen, Selfpublisher, Indies, E-Book-Fans und Bibliophile und alle anderen, die sich für die Buchwelt interessieren (Quelle Literaturcamp HD)

Nun ja, das sagt ja schon mal viel, aber irgendwie doch nicht genug. Aber die schier unendliche Vorfreude und Motivation der Twitterer haben auf mich über gegriffen und schon stand unter einem Begeisterungstweet von Michelle (@mianjanssen) »Emma, da müssen wir nächstes Jahr auch hin!«. Eins führte zum anderen und aus »nächstes Jahr« wurde (zumindest für mich) »dieses Jahr« und bevor ich mich versah hatte ich Mittwoch vor dem LitCamp ein Ticket (Danke dafür noch mal, Michelle) und eine Fahrkarte für den Flixbus und musste mir überlegen, was ich alles mitnehmen wollte.

Die Anfahrt
war ziemlich chaotisch, um es genau zu sagen. Laut Plan sollte der Bus mit Michelle und mir um acht Uhr in Freiburg losfahren und dann um halb elf in Heidelberg ankommen. So viel zur Theorie. Um halb acht kam die Nachricht, der Bus hätte schon eine Stunde Verspätung; kurz darauf waren es dann schon zwei Stunden. Unsere Laune auf dem Tiefpunkt. Unsere Rettung kam in Form meines Freundes, der uns angeboten hat, uns nach Heidelberg zu bringen und zwei Stunden später (in denen ich damit gemobbt wurde, dass ich mir eine gesunde Portion Gemüse zum Snacken mitgenommen habe) konnten wir uns dann zum Glück zu den anderen LitCamp Personen gesellen.

Die Sessions
waren allesamt klasse und eigentlich konnte ich mich nie so richtig entscheiden, wohin ich jetzt gehen sollte. Pro Zeitblock musste man sich logischerweise für eine entscheiden (theoretisch hätte man auch bei einem früher gehen und bei einem anderen später kommen können, aber das ist nicht Ganzes und nichts Halbes und führt bei nur 45 Minuten Zeit zu nichts Gutem).

Samstag 12:00-12:45 Uhr – Netzwerken im Literaturbetrieb
In der Session von Chris (@christianmilkus) und Zippi (@jzipperling) ging es darum, wie wichtig Netzwerke und Social Media für Autoren und Blogger sind, um ihre Bekanntheit zu vergrößern und sich einen Namen zu machen. Instagram und vor allem Twitter sind hierbei sehr beliebt, Facebook zieht hier wieder mal den Kürzeren, kann man aber auch noch nutzen, und natürlich ist eine eigene Homepage fast obligatorisch.
Wichtig ist, dass man sich eine Persönlichkeit aufbaut, die im Gedächtnis bleibt. Außerdem sollte man nicht bloß nur retweeten/Beiträge teilen, aber auch nicht nur Dinge von sich selbst schreiben. Die Mischung machts bekanntermaßen. :)

Samstag 14:00-14:45 Uhr – Speedplotting: Einen Roman in 30 Minuten plotten
Gemeinsam mit Mascha (@maschavassena) plotteten wir einen Roman nach dem 7-Punkte-System von Dan Wells, in dem unsere 110-jährige Hauptfigur (ehemals Auftragskillerin) ihren 60 Jahre jüngeren Lover tot in ihrem Bett im Altersheim findet. Natürlich steht sie selbst unter Tatverdacht und muss nun ihre Unschuld beweisen. Ob ihr das gelingt? Nun, das erfahrt ihr, wenn einer der Teilnehmer die Geschichte schreibt :D

Samstag 15:00-15:45 Uhr – Meine Erfahrung nach 20 Jahren als Verlagsautor
Hier hat mich Martin (@martin_krist) wieder kräftig auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Bisher galt es für mich als das Nonplusultra, in einem Verlag unterzukommen. Aber Verträge, Fristen und Auflagen machen einem Autor hier das Leben schwer. Es hat nun mal nicht alles seine rosigen Seiten.
Was ich mitgenommen habe: Amazon und Tolino sind die Zukunft (auch wenn das hart klingt).

Samstag 16:30-17:15 Uhr – Schreibstil verbessern
Carl (@CarlNetwalker) zeigte uns einige Tipps, wie man seinen Schreibstil verbessern kann. Neben den altbekannten Dingen wie »Show, don’t tell« (was jeder Autor schon einmal gehört haben sollte), drängte er dazu, dass man sich mit seinen Texten nicht verstecken sollte; Testleser suchen und ab damit in den Kritikerpool; denn Kritik lässt einen Text nur besser werden.
Neben dem sollte man die Spannung nicht immer sofort auflösen; mysteriöse Andeutungen halten den Leser am Ball; wichtige Dinge an den Anfang oder ans Ende eines Satzes stellen, Aktiv statt Passiv! Wichtig ist auch, dass man ein Auge fürs Detail entwickelt und alle Sinne anspricht. Ebenfalls sinnvoll sind Metaphern, die gut zur Figur passen; Verben, die das Setting mitbestimmen, und Adjektive, die die emotionale Stimmung einer Szene beeinflussen. Und jede, jede Menge Lesen! Des Weiteren legte er uns »Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben« von Roy Peter Clark ans Herz.

Samstag 17:30-18:15 Uhr – #Coversessions
Hier zeigte uns Juliana Fabula (@juliana_fabula) einige Cover und erklärte, warum diese besonders gut oder eben auch eher weniger gut waren. Hinsichtlich der Farbauswahl, der Typographie und Anordnung der einzelnen Elemente.
Außerdem zeigte sie uns die vielen unterschiedlichen Arbeitsschritte, in denen sich ein Cover von der ersten Idee bis zum fertigen Entwurf entwickelt.

Das war bereits der Samstag für mich, da ich zum Abendessen bei meiner Oma angemeldet war und sie nicht so lange warten lassen wollte. Aufgrund meiner Verplantheit (und die Unfähigkeit der Heidelberger Verkehrsbetriebe, in den Straßenbahnen Automaten aufzustellen), bin ich den ganzen Weg schwarz und voller Panik, erwischt zu werden, gefahren.

Sonntag 11:00-11:45 Uhr – wenn ich mache, was der Lektor sagt, verkaufe ich dem Teufel meine Seele
Nach der Sessionplanung für den Tag, erzählte uns Alana (@AlanaLeona), warum man als Berufsautor trotzdem schreiben sollte, was man liebt, denn ansonsten wäre es sehr schwer, den Job längerfristig auszuüben. Marktrecherche ist umso wichtiger; man sollte im Bilde darüber sein, was die Leser momentan mögen und das dann eventuell als Trope einbauen. Außerdem machte sie klar, dass es keine Schreibblockaden gibt, denn das sind alles nur Probleme im Plot oder in den Figuren, die man lösen muss. Am besten Hilfe suchen und darüber sprechen, den Text für einige Tage liegen lassen, könne man sich als Berufsautor nicht leisten. Wenn einem dann eine bestimmte Technik geholfen hat, sollte man sie unbedingt aufschreiben, denn auch wenn man es sich in diesem Moment absolut nicht vorstellen kann, man vergisst sie wieder.
Des Weiteren hat sie uns eingeschärft, dass wir das Lektorat als Chance sehen sollen, unser Manuskript zu verbessern. Der Lektor hat Erfahrung und hat das gleiche Ziel, nämlich das Beste aus der Geschichte rauszuholen. Trotzdem sollte man nie vergessen, dass man selbst als Autor die letzte Entscheidung trägt.
Zur Zusammenarbeit mit einem Verlag hat sie uns folgende Tipps gegeben: schreibt euren Klappentext selbst (da sind die Verlage offenbar auch sehr froh drum, wenn man das macht); beim Cover ein Mitspracherecht zu haben wird schwierig. Außerdem sollte man nicht nur den Verlag das Marketing machen lassen, sondern auch sich selbst einbringen (beispielsweise auf Instagram). Alana gab uns den Tipp, gleich von Anfang an etwa 30 Titelvorschläge in petto zu haben, damit man später nicht unter Zeitdruck gerät. Im Regelfall suchen Verlage Autoren, die längerfristig mit ihnen zusammen arbeiten, deshalb ist es nur fair, wenn man sich bei einem Verlag bewirbt und vor hat, mehrere Bücher der gleichen Art zu schreiben. Ein absolutes No-Go ist es übrigens, Bücher aus dem gleichen Genre anderen Verlagen anzubieten, wenn man bei einem schon unter Vertrag steht.
Ein guter Start sind immer Wettbewerbe und auch Kleinverlage sind super zum Einsteigen.

Sonntag 12:00-12:45 Uhr – Burgenwahnsinn – oder auch: Wie schreibe ich eine Burg (Oberrhein vs. Franken)
Michelle (@mianjanssen) und Aurelia (@hekabeohnename) erzählten uns humorvoll und locker die größten Irrtümer über Burgen im Mittelalter.
Burgen waren beispielsweise nicht ständig belagert und es gab (und gibt) einen wichtigen Unterschied zwischen Schloss (eher repräsentativ) und Burg (Festung). Nicht jeder Adlige (vor allem die popligen Ritter :D) hatte eine eigene Burg, meist wurde auch nur in einem hohen Haus gewohnt, um die Macht zu demonstrieren (und Geld zu sparen). Burggräben gab es, aber meist ohne Wasser drin, denn das war verflixt unpraktisch und führt zu Schimmelbildung (uaarghs). Urkunden dienten als Beweis und meist ging es dabei um Streit (die Leute im Mittelalter haben sich auch wegen jedem Bullshit gestritten, das ist kein Phänomen der Moderne :D). Wichtig beim Burgen schreiben ist auch zu wissen, welche Stufe der Adlige hatte: War er Ritter, Edelmann, König, Kaiser? Danach richtet sich dann auch die Größe der Burg. Entweder war der Besitzer also sehr reich oder die Familie hat über mehrere Generationen an der Burg gebaut, sodass sie immer größer geworden ist.
Und ganz wichtig: Ziegen sind Arschlöcher. Merkt euch das!

Sonntag 14:00-14:45 Uhr – *Kreisch* Meine Anschreiben-Träume
Hier erklärte Anke Gasch, Chefredakteurin der Federwelt (@DieFederwelt), wie Kia (@KiaKahawa) sie in einer einzigen Mail überzeugen konnte und beide gaben Tipps für das erfolgreiche Anschreiben (nicht nur für die Federwelt).
Zuerst einmal und ganz wichtig: Keine Massenmails! Die sind unpersönlich und oberflächlich und werden meist ungelesen wieder gelöscht. Lieber weniger ausgewählte anschreiben als mehr, die dann nicht passen.
Dann sollte man damit anfangen, wer man ist und was man kann, gefolgt vom eigenen Anliegen: Was will man von der Person? Und natürlich auch, warum man gerade dafür so gut geeignet ist; Referenzen vorstellen. Am besten mit Beispielseiten, auf denen man schon veröffentlicht hat und der Empfänger einen schnellen Überblick bekommt. Sehr sinnvoll ist es auch, wenn man gleich die nächsten Schritte vorschlagen kann.
Immer daran denken: Ihr seid keine Bittsteller! Ihr habt etwas, was ihr anbietet; das macht es einen Handel. Also macht dem Empfänger ein Angebot, das er nicht ausschlagen kann!
Wichtig zu erwähnen ist auch euer Alleinstellungsmerkmal!
Zum Schluss gab Kia noch den Tipp, dass sie am Ende der Mail alles noch einmal ganz kurz zusammenfasse.

Sonntag 15:00-15:45 Uhr – Weltenbau zwischen Wissenschaft und ISSO
In meiner letzten Session brachte Joy (@Joy_Anandi) noch einen neuen Blickwinkel in meine festgefahrenen Autorenmuster. Wie kann man verschiedene Rassen evolutionär erklären?
Zwerge waren dabei noch die leichteste Disziplin; auch Feen konnten (über Flugdrachen) recht leicht erzeugt werden, aber dann ging es los. Das größte Problem; das schwarze Loch: ZENTAUREN! Diese netten, muskelbepackten Pferd-Mensch-Wesen wollten sich einfach nicht evolutionieren lassen, so sehr wir uns auch mühten. Die Diskussionsrunde führte über das Verdauungssystem eines Mensch-Pferd-Zusammenschlusses zur Frage, wohin der Zentaur geht, wenn er mal zum Arzt muss (Tierarzt oder Menschenarzt?), bis wir uns schließlich aus Zeitdruck darauf einigen mussten, dass ein Zentaur nur durch kranke wissenschaftliche Experimente erstellt werden kann.

Das waren auch schon alle Sessions, die ich besuchen konnte!
HIER findet ihr eine Übersicht über alle angebotenen Sessions und könnt sie bei Interesse dann eventuell auf YouTube finden.


Die Verpflegung 
war super lecker und vollkommen vegan. Am ersten Tag gab es Maultaschen und Kartoffelsalat und am Sonntag Burger mit Jack Fruit :)
Zu Frühstück und Abendessen kann ich leider nichts sagen, weil ich da sehr gut von meiner lieben Oma versorgt worden bin (auch vegan, wenn ich so drüber nachdenke, aber bestimmt nicht so bewusst :D).
Außerdem gab ich (fast) jederzeit Slush Eis in den Sorten Himbeere und Limette (von dem Limette offensichtlich das beliebtere war, ich hab mir nur einmal ganz früh am Sonntagmorgen einen Becher sichern können). Und kühle Getränke, Kaffee und Tee gab es ebenfalls zur Genüge.


Alles andere, was mir noch einfällt, was aber nirgends rein passt
Die Lage vom DEZERNAT 16 ist echt spitze. Wenige Minuten nur bis zum Hauptbahnhof, zwei Straßenbahnstationen direkt vor der Nase und eine Tankstelle (für alle, die mit dem Auto gekommen sind).
Auch die Räumlichkeiten sind sehr praktisch. Ich fand es extrem hilfreich, dass der Sessionplan online gestellt wurde und man über bunte Klebestreifen auf dem Boden in den richtigen Raum gelotst wurde. Idiotensicher, könnte man meinen – ich sag jetzt nichts dazu, dass ich es am Sonntag trotzdem mal geschafft habe, in einem falschen Raum zu stehen :D
Es gab auch einen Pool zur Abkühlung, eine Netzwerkecke (zum vernetzen :D) und einen Ruheraum. Außerdem fand ich es richtig gut, dass alles freiwillig und nichts Pflicht war. Wenn einen mal wirklich gar nichts angesprochen hat oder es einem zu viel wurde, konnte man ohne Probleme Pause machen.

Die Menschen auf den LitCamp sind alle sehr nett, aber gleichzeitig auch eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich untereinander schon kennt. Für mich war es deshalb eher schwer, Anschluss zu finden, weil ich teilweise noch überfordert vom BarCampKonzept war und mich zurechtfinden musste und ich generell nicht gut darin bin, Menschen anzusprechen. An ein paar twitterbekannten Gesichtern bin ich vorbei gelaufen, hab aber den Mund nicht aufbekommen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich Lisa (von LISAS BÜCHERLEBEN) und Tony wieder getroffen habe und dass ich Esther (@Inky_Feathers) persönlich kennen lernen durfte, die eine super Büchertauschaktion auf die Beine gestellt hat, an der ich leider aufgrund meines spontanen Auftauchens nicht mehr teilnehmen konnte (aber nächstes Jahr bin ich ganz sicher mit dabei!).


Und ihr?
Wart ihr auch auf dem LitCamp? Was für Erfahrungen habt ihr gemacht?
Oder vielleicht hat es euch ja auch gepackt und ihr sagt euch: Das will ich nächstes Jahr auch erleben! 

Dienstag, 19. Juni 2018

Shantaram

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Shantaram (auch als Buch erhältlich)
Autor: Gregory David Roberts
Verlag: der hörverlag
Geeignet für: Menschen, die gerne außergewöhnliche Geschichten hören
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürzte Fassung
Sprecher: Jürgen Holdorf
Bewertung: 3 von 5 Punkten


Klappentext 

(von der hörverlag

"Eine ebenso tollkühne wie bewegende Reise ohne Rückfahrkarte in das Indien abseits der touristischen Routen

Als der Australier Lindsay mit falschen Papieren in Bombay strandet, hat er einen spektakulären Ausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis hinter sich und ist auf der Flucht vor Interpol. Ohne Sprachkenntnisse und Kontakte ist das Überleben in der chaotischen Metropole jedoch schwer. Zu seinem Glück begegnet Lindsay dem jungen Inder Prabaker, der in den Slums lebt und ihn unter seine Fittiche nimmt. Auf ihren Streifzügen durch die exotische, schillernde, aber auch zutiefst brutale und gnadenlose Stadt schließen die beiden eine innige Freundschaft. Von Prabaker lernt Lindsay nicht nur die Landessprache, sondern auch, mit sich ins Reine zu kommen und Verantwortung zu übernehmen: Als „Shantaram“, als „Mann des Friedens“ wird er zum Anwalt der Armen und kämpft fortan mutig und aufopferungsvoll für eine menschenwürdigere Welt."


Meine Meinung 

Gestaltung 
Bei Shantaram handelt es sich um den ersten Band einer Dilogie, also einer Reihe, die aus zwei Teilen besteht. Beide Hörbücher sind in einer CD Box untergebracht. Ihr kennt diese CD Boxen mit Sicherheit: Meist sind die Hörbücher hineingepresst und man bekommt die einzelnen Bände kaum aus der Box. Bei Shantaram hingegen bin ich von der CD Box sehr angetan. Ich muss sogar etwas aufpassen, dass mir die Hörbücher nicht aus Versehen herausfallen. Es ist aber unglaublich angenehm, eine CD Box zu haben, bei der man die Hörbücher entnehmen kann, ohne Angst haben zu müssen, die Hörbuch Hülle oder die CD Box zu zerstören.

Kommen wir nun zum Sprecher: Das Hörbuch wird von Jürgen Holdorf gelesen. Er hat eine tiefe Stimme, die auch etwas älter klingt. Zu Beginn hat es mich etwas verwirrt, weil ich so nicht recht wusste, wie alt unser Protagonist, den alle nur Lin Baba nennen, wirklich ist.
Ich hatte mich aber schnell an Holdorfs Interpretation der Geschichte gewöhnt. Besonders gut gefallen haben mir die Darstellungen mancher Charaktere, denen er den indischen Akzent gegeben hat. Außerdem hat er Lins Einsamkeit stimmlich gut herausgearbeitet.
Bei der Gestaltung gibt es also eine volle Punktzahl.

Inhalt
Der Inhalt von Shantaram verwirrte mich etwas. Einerseits fand ich den Anfang unglaublich stark. Normalerweise lernen wir einen Protagonisten ja am Anfang der Geschichte oder während der Krise kennen, die er in der Geschichte durchleben und verarbeiten muss. Unser Protagonist Lin Baba hat hier das erste und wichtigste Kapitel seines Lebens aber schon hinter sich: Er ist aus einem australischen Gefängnis ausgebrochen. Dort saß er wegen mehrer Raubüberfälle eine lange Haftstrafe ab. Diese hatte er begangen, um seine Heroinsucht zu finanzieren. Von seiner ersten Krise bekommen wir also überhaupt nichts mit. 

Was mich also verwirrte war Folgendes: Ich wusste lange nicht, worauf die Handlung in Shantaram hinausläuft. Wir begleiten Lin wie er sich in Indiens Hauptstadt orientiert und erste Kontakte knüpft. Dann scheint sich die Geschichte in zwei Handlungsstränge aufzuteilen, die fließend ineinander übergehen, aber nacheinander abgearbeitet werden.

Lin freundet sich schnell mit dem einheimischen Prabaker an. Prabaker ist Stadtführer und zeigt Lin nicht nur die beliebten Plätze der Touristen, sondern auch Plätze von Indien, die den Touristen eher verborgen bleiben. So lernen wir als Leser die indische Kultur etwas besser kennen, beginnen Verhaltensweisen zu verstehen und vielleicht im Ansatz auch besser nachvollziehen zu können. Dieser Handlungsstrang zeigt uns das alltägliche Leben in Prabakers Heimat. Mir hat dieser Teil der Geschichte sehr gut gefallen, weil wir hier in eine fremde Kultur eingeführt werden und scheinbar banale Erlebnisse für viel Bewegung innerhalb der Handlung sorgen und die Eigenschaften unserer Charaktere auch gut hervorheben.

Doch leider deutete sich schnell ein anderer Handlungsstrang an. Lin lässt sich mit zwielichtigen Gestalten ein. Hier kommt es zu verschiedenen Machtkämpfen innerhalb und außerhalb Indiens. Zum einen erstaunte mich hier, wie naiv Lin an die Sache heranging. Da er bereits im Gefängnis war, wunderte es mich, dass er die Machtstrukturen von Banden nicht zu durchschauen schien oder nicht wahrnahm, wann die Gruppen begannen, ihn zu vereinnahmen. Teilweise war er von Intrigen betroffen, brauchte aber - übertragen auf das Hörbuch - Stunden um dahinterzukommen, während ich schnell wusste, wer ihm hier Böses wollte. Ich ertappte mich auch dabei, wie er mir als Protagonist stellenweise auf die Nerven ging, weil ich eine völlig andere Herangehensweise bzw. Vorstellung davon hätte, wie ich seine Probleme lösen würde, wenn ich in einer ähnlichen Situation wäre. So bin ich davon ausgegangen, dass er froh ist, es aus dem Gefängnis heraus geschafft zu haben und das sein Interesse daher sehr gering ist, sich wieder mit kriminellen Leuten einzulassen. Hingegen schien das für ihn kein großes Problem darzustellen.

Zudem begann ich etwas über das Buch zu recherchieren und fand heraus, dass Gregory David Roberts selbst über mehrere Jahre in Indien gelebt hat und ebenfalls aus dem Gefängnis ausgebrochen war. Shantaram ist vermutlich also eine Art Autobiografie. Allerdings bin ich mir unsicher, ob es sich wirklich um eine Autobiografie handelt, oder Fiktion und Wahrheit hier miteinander vermischt werden.
Wenn wir also mal davon ausgehen, dass das Buch größtenteils fiktiv ist, könnte ich anmerken, dass es den kriminellen Handlungsstrang für die Geschichte meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte. Außerdem enthielt Shantaram ein paar Längen, die man aber schlecht kürzen konnte, da sie für den Gesamtzusammenhang der Geschichte wichtig sind.

Wenn es sich hier aber wirklich um eine Autobiografie handelt, kann ich diese Punkte nur bedingt kritisieren, weil er ja nur sekundär etwas dafür kann, wie sein Leben verlaufen ist. Er hat es schließlich so niedergeschrieben, wie es war. Und wenn ich diese Theorie zu Ende denke, gibt uns Shantaram sehr spannende Einblicke in sein Leben bzw. in das Leben von Lin Baba. An entscheidenden Stellen beginnt er häufig zu zweifeln und man merkt hier, dass ihm Ressourcen fehlen. Und diese Aspekte fand ich ebenfalls gut herausgearbeitet.

Spannung
Der Spannungsbogen war hier durchaus gemischt. Es gab Phasen, die ich als ruhig und teilweise langatmig empfand und dann gab es Momente, in denen ich unbedingt wissen wollte, wie es bei Shantaram weitergeht.

Gegen Ende gab es auch Szenen, die wahrscheinlich dazu dienen sollten, den Höhepunkt des Spannungsbogens darzustellen. Diese Szenen betrachtete ich etwas augenrollend, weil ich das Gefühl hatte, dass sie sich vom eigentlichen Inhalt der Geschichte entfernten und eine Wiederholung von vorangegangener Szenen waren.

Schreibstil 
In der ersten Hälfte des Buches gefiel mir Gregory David Roberts Schreibstil wirklich gut. Er tritt während der ganzen Handlung als allwissender Erzähler auf und berichtet immer wieder von seiner Vergangenheit oder deutet an, dass Ereignisse in der Gegenwart schwierige Auswirkungen auf seine Zukunt haben. Mich machte das ziemlich neugierig auf die Geschichte des Lin Babas.
Allerdings begannen mich einige Elemente des Schreibstils zunehmend zu nerven. Ich habe ja bereits von den Längen im Roman berichtet. Diese kommen unter anderem zustande, weil uns Protagonist Lin viel über die Charaktere erzählt, denen er begegnet. Er trifft auf eine Person und schildert uns erst einmal in einem kurzen Abriss deren Biografie. So sollen die Charaktereigenschaften der Person geklärt werden. Ich hätte es schöner gefunden, wenn die Eigenschaften der Person im Kontakt mit Lin dargestellt werden. Außerdem sorgte das Element dafür, dass ich nicht wusste, welche Charaktere jetzt wichtig waren und welche nicht.
Gregory David Roberts überzeugt in Shantaram aber auch mit vielen sprachlichen Bildern, die uns Indien, seine Kultur etwas näher bringen. Gerade im ersten Teil von Shantaram hat mir die Atmosphäre sehr gut gefallen.

Gesamteindruck
Der Anfang von Shantaram hat mich sehr fasziniert und neugierig auf die Geschichte gemacht. Allerdings flachte die Handlung für mich mit der Zeit etwas ab und ich fragte mich, warum unser Protagonist so viele Umwege gehen muss. Allerdings spiegelt das natürlich auch das Leben.

Das Hörbuch ging mir fast etwas zu lang. Es hat eine Laufzeit von etwa 45 Stunden. Und ich kann wirklich nicht ganz nachvollziehen, woran das liegt, dass mich die Länge hier gestört hat. Schließlich höre ich immer wieder längere Hörbücher. Wie bereits erwähnt, lässt sich der Inhalt jedoch schlecht kürzen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Shantaram spannende Elemente enthält und ich wahrscheinlich auch in den zweiten Teil rein hören werde. Ich empfehle bei der Lektüre nicht den Mut zu verlieren und das Buch einfach zu pausieren, wenn einem die Geschichte über den Kopf wächst. 

Sonntag, 17. Juni 2018

Never will I ever TAG mit emion

Guten Morgen Buchlinge,

emion und ich haben uns wieder einen neuen TAG vorgeknöpft. Und zwar den Never will I ever-TAG. Wir haben uns etwas gehen lassen und eine Stunde lang über die Fragen geredet. Ich kündige zwar an, dass ich den TAG vermutlich teile, habe mich aber doch dagegen entschieden.
Das heißt, ihr habt jetzt eine schöne XXL Podcast Folge von uns.

Wenn ihr den Podcast direkt bei YouTube anhören wollt dann klickt doch einfach HIER.

Wir wünschen euch viel Spaß beim hören und sind gespannt auf eure Antworten!


Der TAG 



Inhaltsverzeichnis 
00:00:00 Min: Herzlich Willkommen
00:01:20 Min: Frage 1
00:07:32 Min: Frage 2
00:25:32 Min: Frage 3
00:35:03 Min: Frage 4
00:42:15 Min: Frage 5
00:47:13 Min: Frage 6
01:03:50 Min: Frage 7
01:08:30 Min: Frage 8


Die Fragen und Bücher im Überblick

1) Niemals werde ich es shippen

Emma
Miss you von Kate Eberlen

emion: 
Gilde der schwarzen Magier von Trudi Canavan
Gegen das Sommerlicht von Melissa Marr


2) Niemals werde ich dieses Ende vergessen

Emma: 
Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes 
Sand von Wolfgang Herrndorf 
Löcher von Luis Sachar 

emion: 
Harry Potter von JK Rowling
Lunar-Chroniken von Marissa Meyer
Artemis Fowl von Eoin Colfer
Die Tribute von Panem von Suzanne Collins


3) Niemals werde ich ueber diesen Tod hinweg kommen

Emma: 
Stadt der Diebe von David Benioff 
Mein bester letzter Sommer von Anne Freytag 
Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie von Lauren Oliver 

emion: 
Onyx (Chroniken vom Anbeginn) von John Stephens
Harry Potter von JK Rowling
Eine für vier - Für immer und ewig von Ann Brashares
Abby Lynn - Verraten und verfolgt von Rainer M. Schröder
Qualityland von Marc-Uwe Kling


4) Niemals werde ich aufhoeren, wegen diesem Buch zu weinen

Emma: 
Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken von John Green 

emion: 
Onyx von John Stephens
Harry Potter von JK Rowling
Maya und Domenico von Susanne Wittpennig
Eine für vier - für immer und ewig von Ann Brashares

5) Niemals werde ich dieses Buch lesen

Emma und emion: 
Fifty Shades of Grey

Emma: 
Feuchtgebiete 
die meisten Frauenromane 
Bücher aus dem Genre Horror


6) Niemals werde ich aufhoeren, dieses Buch zu feiern

Emma: 
Ein Mann namens Ove von Fredrik Backmann 
Was wir dachten, was wir taten von Lea-Lina Oppermann 
Die neapolitanische Saga von Elena Ferrante 
Die Moortochter von Karen Dionne 

emion: 
Harry Potter von JK Rowling
Die Chroniken vom Anbeginn von John Stephens
Die Raven-Cycle-Reihe von Maggie Stiefvater
Die Lunar-Chroniken von Marissa Meyer
Echte Feen, falsche Prinzen von Janette Rallison


7) Niemals werde ich dieses Buch verleihen

Emma: 
Schreibratgeber 
Das Handbuch für Autorinnen und Autoren 

emion: 
Meine Bibel


8) Niemals werde ich aufhoeren, diese Leute zu taggen

Emma: 
Anka: https://bit.ly/1JYcjFH
Ever: https://bit.ly/2gEK1I2
Martin: https://bit.ly/2gIv6J4
Kathrin: https://bit.ly/2MwdmBD

emion: Die restlichen Mitglieder des Ge(h)folges


Und Du? 

Natürlich interessiert uns auch, was Du von den Fragen hältst. Wie sehen Deine Antworten aus? 

Freitag, 15. Juni 2018

Per Anhalter durch die Galaxis



Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Per Anhalter durch die Galaxis (auch als Buch, Film erhältlich)
Autor: Douglas Adams
Verlag: der hörverlag
Geeignet für: Fans von Sciene-Fiction, Marc-Uwe Kling und Menschen, die abgedrehte Geschichten mögen
Gelesen oder gehört: gehört in ungekürzter Fassung
Sprecher: Christian Ulmen
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von der hörverlag) 

"Es hätte so ein schöner Tag werden können – bis Arthur Dent feststellt, dass sein Haus abgerissen werden soll. Macht aber eigentlich nichts, weil kurz darauf auch die Erde gesprengt wird, um einer Hyperraum-Umgehungsstraße Platz zu machen. Diesem Schicksal kann Dent gerade noch entgehen – dank seines außerirdischen Freundes Ford Prefect und des intergalaktischen Weltreiseführers.
Vom Babelfisch bis zu den Vogonen, vom Pangalaktischen Donnergurgler bis zur drittschlechtesten Dichtkunst des Universums: Christian Ulmen verwebt in seiner fulminanten Lesung alle Details des Anhalters zu einem wahrhaft kosmischen Hörvergnügen!"


Meine Meinung 

Gestaltung
Schon nach den ersten Minuten war ich sehr angetan von Christian Ulmens Interpretation der Geschichte. Der Einstieg in den Schreibstil fiel mir etwas schwer, weil Douglas Adams Per Anhalter durch die Galaxis mit ein paar Schachtelsätzen beginnt. Und Christian Ulmen hat sich der Herausforderung gestellt, die sperrigen Sätze entwirrt und lebendig in die Geschichte integriert. Zudem muss ich gestehen, dass mich Ulmens Interpretation sehr an Marc-Uwe Klings Livelesungen der Känguru-Trilogie erinnerte. Allerdings lag das auch an der ähnlichen Handlung. Darauf werde ich im Laufe der Rezension noch weiter eingehen. Jedenfalls war die Ähnlichkeit definitiv kein Nachteil.
Christian Ulmen liest alles andere als schlicht. Erst einmal legt er eine gute Lesegeschwindigkeit an den Tag, die aber nicht zu schnell ist, sondern zur Geschichte passt. Dann setzt er alles daran, den Charakteren durch seine Interpretation Leben einzuhauchen und die Charaktereigenschaften dadurch hervorzuheben. Unser Protagonist Arthur klingt beispielsweise schlecht gelaunt, während sein Freund Ford eine Stimme mit einem Hauch Naivität bekommt. Und zuletzt warten auch noch tierische Herausforderungen auf den Schauspieler...

Per Anhalter durch die Galaxis wurde ursprünglich als Hörspiel entwickelt. Deswegen bin ich sehr dankbar, dass der Hörverlag auch eine Hörbuch Version von dem Klassiker geschaffen hat. Ich höre zwar viele Hörbücher, aber es gibt nur selten eine Geschichte, die ich ganz klar in Hörbuch Form bevorzuge. Per Anhalter durch die Galaxis gehört mit Sicherheit dazu. Wenn es allein um die Produktion geht, steht das Hörbuch auf der Liste der potentiellen Jahreshighlights relativ weit oben.

Inhalt
Die Geschichte ist unglaublich ... chaotisch. Zu Beginn von Per Anhalter durch die Galaxis lernen wir Arthur kennen, dessen Haus abgerissen werden soll. Doch relativ schnell stellt sich heraus, dass die Erde auch dran glauben muss. Glücklicherweise wird Arthur von seinem Freund Ford vor der Verdunstung, dem sicheren Tod, gerettet. Ford ist einer der Autoren des Reiseführers Per Anhalter durch die Galaxis. Und aus diesem Grund stattete er der Erde einen Besuch ab.

Es dauerte ziemlich lange, bis die zentralen Themen der Geschichte wirklich herausgearbeitet wurden. Das liegt hauptsächlich daran, dass Douglas Adams ständig Brüche in seine Handlung einbaut. Eine Szene ändert sich durch einen intergalaktischen Zufall und etwas völlig Unvorhergesehenes passiert. Einerseits war dieses Element für mich zu Beginn ziemlich unterhaltsam und eine willkommene Abwechslung. Andererseits ging mir das Stilmittel zeitweise auch ziemlich auf die Nerven und ich wünschte mir, dass der Autor etwas Handlung aufbaut und unsere Charaktere nicht von der einen in die nächste Szene stolpern lässt.
Nach und nach wird ein leicht blasser roter Faden sichtbar. Nämlich die Frage nach dem großen Warum. Wer sind wir? Und wo kommen wir her?
Ein zentrales Thema ist ebenso die Frage, wie das Universum entstanden ist. Und Douglas Adams versucht dieser Frage mit viel Witz und skurriler Handlung auf den Grund zu gehen.
Außerdem lernen wir mehrere Charaktere kennen, die nicht direkt mit unseren beiden Protagonisten Arthur und Ford in Kontakt stehen. Diese eingeschobenen Handlungsstränge sind aber in sich abgeschlossen und werden nicht weiter ausgebaut.

Kommen wir nun zu unseren Hauptcharakteren Arthur und Ford. Auch hier bin ich etwas hin- und her gerissen, weil mich die Eigenschaften unserer Protagonisten durchweg an die Känguru Chroniken erinnerten. Und so wurde für mich einfach mehr als deutlich, von wem Marc-Uwe Kling seine Inspirationen bekommen hat.
Arthur ist natürlich tief getroffen: Erst wird sein Haus abgerissen. Dann muss er auch den Verlust seines Planeten hinnehmen. Er wirkt daher sehr deprimiert, launisch und ist quasi der Vorfahre von Marc-Uwe.
Ford stammt von einem anderen Planeten und saß 15 Jahre lang auf der Erde fest. Natürlich freut er sich, dass er jetzt endlich wieder andere Planeten für sich entdecken darf. An sich ist Ford sehr interessiert an seiner Umwelt. Leider fällt ihm die Kommunikation mit Arthur etwas schwer. Denn er weiß nicht, was Ironie ist. Und er hat ziemlich schräge Lösungsstrategien, die mich an das Känguru aus den Känguru Chroniken erinnert haben. Nur, dass das Känguru genau wusste, was es tat und Ford seine Lösungsvorschläge absolut ernst meinte und nicht damit gerechnet hat, dass man was gegen seine Ideen haben könnte.

Aufgrund der chaotischen Handlung sind Arthur und Ford zu Beginn der Geschichte größtenteils damit beschäftigt, auf die Umwelt zu reagieren. Ford gewinnt nach und nach die Orientierung zurück, beginnt Konflikte zu lösen und sich darum zu kümmern, dass er und Arthur irgendwie in der Galaxis voran kommen.

Beide Charaktere empfand ich als sehr einfach gestrickt. Das lag aber wahrscheinlich daran, dass nur bestimmte Facetten für die Geschichte benötigt wurden und die Handlung als solche schon bunt genug ist. Da es sich hier um den Auftakt einer Reihe handelte, kann es gut sein, dass die verschiedenen Eigenschaften der Charaktere in den Folgebänden noch besser zur Geltung kommen. Über die Beziehung zwischen Ford und Arthur kann nicht viel gesagt werden, da die Beziehungsebene nicht im Mittelpunkt der Handlung steht. Ford ist bemüht, Arthur in die Galaxis einzuführen und empfiehlt ihm daher den Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis. Zudem versucht er Arthur aus brenzligen Situationen zu retten. Daraus lässt sich schließen, dass ihm etwas an seinem Freund liegt. Arthur hingegen ist viel mit sich selbst beschäftigt.

Spannung
Da der Roman sehr viele Brüche in der Handlung aufweist und sich die Geschichte durch eine Verkettung von Zufällen ständig ändert, gab es aus meiner Sicht keinen klaren Spannungsaufbau. Erst gegen Ende gibt es eine gefährliche Situation aus der unsere Charaktere entkommen müssen. Aber da die Handlung zuvor schon so schräg war - und ich zudem wusste, dass es sich um den Auftakt einer Reihe handelte - konnte ich hier nur bedingt mitfiebern, fand den Höhepunkt von Per Anhalter durch die Galaxis aber sehr unterhaltsam. 

Schreibstil
Wenn ich das Buch gelesen hätte, hätten die ersten Sätze der Geschichte vermutlich dafür gesorgt, dass ich das Abenteuer vorzeitig beendet hätte. Douglas Adams irritierte mich mit seinen Schachtelsätzen. Am Ende des Satzes hatte ich schon wieder vergessen, wie der Satz begann. Christian Ulmen glich die Schreibstil-Problematik für mich aber ziemlich gut aus und half mir so die Anfangszeit der Geschichte zu überstehen.
Nach der Anfangszeit konnte mich der Schreibstil von Douglas Adams aber für sich begeistern. Ich mochte besonders die schrägen Dialoge, die nicht immer wirklich Sinn ergaben, was mir hier aber nicht viel ausmachte. Außerdem empfand ich es als sehr angenehm, dass Douglas Adams den Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis nutzt, um in sein Universum einzuführen. Zu Beginn jeden neues Kapitels wird nämlich eine kleine Einheit aus dem Lexikon dargestellt.

Gesamteindruck
Ich wusste zu Beginn nicht viel über Per Anhalter durch die Galaxis. Ich konnte mich dunkel daran erinnern, dass ich vor Jahren mal die Verfilmung gesehen hatte und diese ebenfalls sehr chaotisch wirkte.

Nach meiner letzten Lektüre war Per Anhalter durch die Galaxis eine willkommene Ablenkung. Die Geschichte ist zwar verrückt und chaotisch, bringt aber auch viel Witz und Kreativität mit. Einen kleinen Dämpfer bekam die Geschichte für mich, als ich die Parallelen zu Marc-Uwe Klings Känguru-Reihe erkannte. Beide Bücher - also sowohl der Anhalter als auch das Känguru - haben Stärken und können gut ohne den jeweils anderen bestehen. Aber es hatte für mich etwas den Ein-Geheimnis-gelüftet-Effekt. So als hätte ich das Geheimrezept eines Autors erkannt.

Zusammenfassend rate ich euch, euch von der Geschichte treiben zu lassen und nicht nach Logik, Handlung und roten Fäden Ausschau zu halten. Und natürlich empfehle ich euch die Hörbuch Lesung mit Christian Ulmen.

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* Dieses Hörbuch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

Mittwoch, 13. Juni 2018

Six of Crows


eine Rezension von Isona

Name: Six of Crows
Autor: Leigh Bardugo
Verlag: Henry Holt
Geeignet für: Fantasy-Leser ab etwa 15 Jahren
Gelesen oder gehört: gelesen auf Englisch
Bewertung: 5 von 5 Punkten



Englischer Klappentext 

(Klappentext von Macmillan publishers)

"Ketterdam: a bustling hub of international trade where anything can be had for the right price - and no one knows that better than criminal prodigy Kaz Brekker. Kaz is offered a chance at a deadly heist that could make him rich beyond his wildest dreams. But he can’t pull it off alone ...
A convict with a thirst for revenge.
A sharpshooter who can’t walk away from a wager.
A runaway with a privileged past.
A spy known as the Wraith.
A Heartrender using her magic to survive the slums.
A thief with a gift for unlikely escapes.

Six dangerous outcasts. One impossible heist. Kaz’s crew is the only thing that might stand between the world and destruction - if they don’t kill each other first."

Deutscher Klappentext: 

(aus Buchhandlung Rombach)

"Sechs unberechenbare Außenseiter – eine unmögliche Mission

Der Nr.-1-Bestseller aus den USA - Leigh Bardugos temporeiche Saga über den tollkühnsten Coup der Fantasy-Geschichte

Ketterdam – pulsierende Hafenstadt, Handelsmetropole, Tummelplatz zwielichtiger Gestalten: Hier hat sich Kaz Brekker zur gerissenen und skrupellosen rechten Hand eines Bandenchefs hochgearbeitet. Als er eines Tages ein Jobangebot erhält, das ihm unermesslichen Reichtum bescheren würde, weiß Kaz zwei Dinge: Erstens wird dieses Geld den Tod seines Bruders rächen. Zweitens kann er den Job unmöglich allein erledigen …

Mit fünf Gefährten, die höchst unterschiedliche Motive antreiben, macht Kaz sich auf in den Norden, um einen gefährlichen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt zu befreien. Die sechs Krähen sind professionell, clever, und Kaz fühlt sich jeder Herausforderung gewachsen – außer in Gegenwart der schönen Inej …"


Meine Meinung:

Lest. Dieses. Buch. Ganz ehrlich! :D
Diesmal habe ich es nicht aus der Uni (auch wenn ich es auf Englisch gelesen habe), sondern von der lieben Sandra, die meinte, das wäre SO GUT (und sie hatte Recht!).

Der Geschichte steht wohl die Grisha-Reihe voran, die man aber (so wie ich) nicht gelesen haben muss, um die Welt, die Charaktere (es sind ohnehin andere) und das Geschehen verstehen zu können.

Da der deutsche Klappentext SEHR irreführend ist (ich würde ihn ja weglassen, aber Emma packt ihn trotzdem immer wieder rein), füge ich noch eine eigene kleine Inhaltsangabe ein, damit ihr nicht mit falschen Vorstellungen an das Buch rangeht.

Kaz Brekker, Anführer der Dregs und eine der ruchlosesten Gestalten in Ketterdam, stellt eine Crew zusammen mit den tödlichsten Gestalten der Slums, um eine scheinbar unmögliche Mission zu erfüllen. Die Figuren sind so unterschiedlich, wie sie nur sein könnten, und genau deshalb hassen und lieben sie sich alle gleichzeitig. Die tödliche Spionin Inej, der Scharfschütze Jesper, die Grisha Nina, der Hexenjäger Matthias und das Söhnchen aus reichem Hause Wylan. Die Figuren sind eindeutig das Beste an der ganzen Geschichte; Leigh Bardugo hat ihnen so viel Leben eingehaucht, dass man gar nicht anders kann, als mit ihnen mitzulachen und mitzufiebern, und am Ende will man sie gar nicht mehr gehen lassen.

Zu Beginn kamen mir alle Charaktere ziemlich alt vor und ich hatte mir Mühe vor Augen zu halten, dass sie erst 17 sind. In den weiteren Kapiteln, in denen alle tiefer eingeführt werden und wir mehr über ihre Vergangenheit erfahren, hatte ich dann keine Probleme mehr.

Die Kapitel werden jeweils aus Sicht eines Charakters erzählt, was die Spannung noch erhöht, da man sehr oft noch lange im Dunkeln gelassen wird oder ein Kapitel mit einem Cliffhanger endet und es dann bei einer anderen Figur weitergeht. Gleichzeitig sind sie nicht zu lang und haben oft auch mehrere Absätze, was sehr praktisch ist für die Leute, die - wie ich – nicht einfach irgendwo mittendrin aufhören können zu lesen.

Die Atmosphären der unterschiedlichen Handlungsorte sind faszinierend gut eingefangen und lassen einen das Geschehen hautnah miterleben.

Das Cover ist hübsch designed und ich liebe die Schrift, die auch in den Kapitelüberschriften verwendet wird. Kleiner Spoiler hierzu: Es kommen keine Krähen in dem Sinne vor. :D

Leigh Bardugo hat einen wunderbaren Stil zu Erzählen, Emotionen darzustellen und und den Leser mit Witz, Charme und einer Menge Spannung zu fesseln.

Ich muss euch warnen, das Buch macht süchtig und ihr werdet danach unbedingt Teil 2 lesen wollen.

Und hier ein paar meiner Lieblingszitate (ich kann es nicht lassen, aber ich versuche mich zurückzuhalten :D)

»Prepared to hear the sound of certain doom?«, he asked.
»You’ve never heard my father mad.« (Seite 363)
»What is he doing?«, asked Matthias.
»Performing an ancient Zemeni ritual«, Kaz said.
»Really?«
»No.«
(Seite 290)

Nina nodded slowly. »Ice Court, remember? Impossible heist? Near death? Three million kruge waiting for you in Ketterdam?«
Kaz blinked and his eyes ceared. »Four million.«
»I thought that might bring you around.«
(Seite 416)

»If any of you survive, make sure I have an open casket«, Jesper said as he hefted two slender coils of rope over his shoulder und signaled for Wylan to follow him across the roof. »The world deserves a few more moments with this face.« (Seite 332)

»We’re not going through the embassy«, said Kaz. »Always hit where the mark isn’t looking.«
»Who’s Mark?«, asked Wylan.
(Seite 126)

This is it, Inej thought. She’d shoved, and now the boulder was rolling down the hill. Who knew what damage it might do and what might be built on the rubble? (Seite 335 f.)


Montag, 11. Juni 2018

Romanfiguren in die Bredouille bringen




Hallo Buchlinge,

heute erzähle ich euch von meiner Lieblingsveranstaltung der Frankfurter Buchmesse 2017. Und zwar hielt der Lektor Sebastian Pirling einen Vortrag zum Thema: Konflikte! Wie Sie Ihre Romanfiguren so richtig in die Bredouille bringen!

Da ich zu diesem Zeitpunkt mitten in der Überarbeitung meines Romanes steckte und mich bezogen auf einen Charakter fragte, wie es mit ihm weitergehen sollte, erhoffte ich mir hier, wichtige Antworten auf einige Fragen zu bekommen.


Über Sebastian Pirling 

Sebastian Pirling lebt in München und arbeitet als Lektor im Heyne Verlag. Dort landen Bücher zu den Genres Sciene-Fiction, Fantasy und Jugendbuch auf seinem Schreibtisch.
Außerdem arbeitet er als Redakteur für Die Zukunft.

Quellen: 
Die Zukunft
RandomHouse


Über die Veranstaltung 

Sebastian Pirling führt anhand verschiedener Filmbeispiele durch den Vortrag.

Was ist ein richtiger Konflikt? 
Erst einmal muss erarbeitet werden, was überhaupt ein richtiger Konflikt ist. Hier erklärt Pirling, dass die Figuren einer Geschichte nur so stark sind, wie die Kräfte, gegen die sie kämpfen müssen.
Wir kommen also zu Sebastian Pirlings erstem Beispiel, das mit einer gesellschaftlichen Frage verknüpft ist: Soll man sich um Menschen mit Behinderung kümmern?
Diese Frage allein, bietet zwar Spielraum für eine Handlung. Es braucht aber noch einen zweiten Handlungsstrang, um Spannung aufbauen zu können. Im Film Rainman ist unser Protagonist kurz davor, ein hohes Erbe ausbezahlt zu bekommen. Das kommt ihm gerade recht, da er dringend Geld braucht. Dies funktioniert aber nur, wenn er sich um seinen autistischen Bruder kümmert.
Der Protagonist hat also ein Dilemma. Es besteht die Möglichkeit, dass er an Geld kommt, allerdings muss er dafür seine eigene Komfortzone verlassen und sich auf etwas Neues, Unbekanntes einlassen.

Dilemma 
Wie oben bereits beschrieben, muss sich eine Figur zwischen zwei Dingen entscheiden, ist also in einem Dilemma. Natürlich nimmt sie die Möglichkeit, mit dem geringeren Übel.
Wir kommen nun zum zweiten Filmbeispiel: Die Figur hat einen Wunsch, den sie aber nicht so einfach verwirklichen kann. In Mrs Doubtfire wird einem Vater das Sorgerecht für seine Kinder entzogen. Er möchte sie aber trotzdem regelmäßig sehen und verkleidet sich kurzerhand als ältere Dame und heuert bei seiner Ex-Frau als Kindermädchen an.
Anhand dieses Beispiels sehen wir, welche Lösungswege ein Charakter gehen kann, um sich doch noch seinen Wunsch zu erfüllen.

Der Antagonist 
Der Antagonist muss nicht zwingend ein Mensch sein. Es kann sich auch um eine Situation handeln. So kann die Überwindung der eigenen Bequemlichkeit beispielsweise eine Herausforderung darstellen.

Mehrere Konfliktebenen 
Als Beispiel für mehrere Konfliktebenen stellt Sebastian Pirling den ersten Band der Matrix Reihe als Beispiel vor. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass meine Notizen an dieser Stelle sehr schwammig werden. Deswegen hoffe ich, ihr verzeiht mir ungenaue Ausführungen. Anhand von Matrix sollte deutlich werden, wie verschiedene Konfliktebenen miteinander verbunden werden können.

Neo muss sich hier fragen, ob er seinen Sinnen trauen kann. Diese Frage muss er mit sich ausmachen und stellt somit seinen inneren Konflikt dar.
Auf der nächsten Ebene kämpfen die Menschen gegen die Maschinen. Neo möchte eigentlich nicht in diesen Kampf hineingezogen werden (äußerer Konflikt).

Konflikt innerhalb einer Figur 
Die Figur muss sich nicht bewusst sein, was der eigentliche Konflikt der Geschichte ist. Es kann sein, dass der eigentliche Konflikt in etwas besteht, dass unser Protagonist noch gar nicht wahrhaben möchte. Die Auflösung kann dann beispielsweise darin bestehen, dass die Figur erkennt, was sie wirklich will.
Zudem ist es auch spannend, wie sich die Veränderung einer Figur auf den Plot, also die Handlung einer Geschichte, auswirkt.

Der Plot und die Struktur einer Geschichte sind nur die groben Muster und stellen die äußere Gestalt einer Geschichte dar. Die Konflikte unserer Charaktere machen das eigentliche Leben der Geschichte aus.

Die klassische Struktur des Erzählens besteht darin, dass ein Konflikt zwischen einer oder mehrerer Personen und der Gesellschaft besteht. Die Handlung wird zu einem klaren Ende gebracht.
Der äußere Konflikt kann hier auch nach innen verlagert werden.
Spannend wird es, wenn es Brüche in der Erzählstruktur einer Geschichte gibt oder zufällige Ereignisse die Geschichte durcheinander bringen.

Literaturtipps 
Zum Schluss gab Sebastian Pirling noch ein paar Literaturtipps weiter. So empfahl er Bücher von: Robert McKee (Story - Die Prinzipien des Drehbuchschreibens), Stephen King, Haruki Murakami und Agatha Christie speziell für die Krimi Leser.


Meine Meinung 

Bisher habe ich auf keiner Buchmesse so einen guten Vortrag erlebt. Die Filmbeispiele waren sehr gut gewählt und haben das, was Pirling begründen wollte, gelungen untermalt. Obwohl ich einige der Filme nur von Mond-zu-Mund Propaganda kannte, habe ich durch die sprachlichen Bilder problemlos nachvollziehen können, worauf er hinaus wollte.
Es ärgert mich jetzt ziemlich, dass meine Notizen zum Teil wirklich schwammig sind. Als ich die Veranstaltung ausgearbeitet habe, bekam ich das Gefühl, dass der obige Text nur einen Bruchteil der Informationen enthält, die es vor Ort gab.

Was mich vor Ort erstaunte war, dass Sebastian Pirling keine Roman Beispiele aus dem Heyne Verlag nannte, sondern eigentlich Autoren nennt, die in Genres unterwegs sind, die er gar nicht lektoriert.

Zusammenfassend empfehle ich: Wenn ihr die Möglichkeit habt, eine Veranstaltung von Sebastian Pirling zu besuchen, nutzt es unbedingt.

Samstag, 9. Juni 2018

Roverandom

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Roverandom (auch als Buch erhältlich)
Autor: J.R.R. Tolkien
Verlag: der hörverlag
Geeignet für: Kinder, Tolkien-Fans, oder Fantasy Leser
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürzte Fassung
Sprecher: Ulrich Noethen
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von der hörverlag)

"Als kleiner Hund legt man sich besser nicht mit einem schlecht gelaunten Zauberer an, denn sonst wird man womöglich, schneller als man blinzeln kann, in ein Spielzeug verwandelt... Das Abenteuer des frechen kleinen Roverandom gehört zum Schönsten, was J.R.R. Tolkien je geschrieben hat.


Meine Meinung 

Roverandom lag ziemlich lange auf meinem Stapel ungehörter Hörbücher. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich zu dem Hörbuch kam. Isona hatte die Geschichte im Februar beim Bücherstammtisch vorgestellt und so wurde ich neugierig, was es mit dem kleinen Hund auf sich hat. 

Ulrich Noethen liest uns das Hörbuch vor. Und zuerst bekam ich ein klitzekleines bisschen Sams-Stimmung. Dort ist der Schauspieler nämlich in der Rolle des Herrn Taschenbiers zu sehen. (Ich weiß, es klingt ziemlich verrückt, zumal beide Geschichten absolut nichts miteinander zu tun haben). An sich mag ich die Stimmfarbe des Schauspielers. Hier hat er mir aber leider etwas zu schlicht gelesen und ich ertappte mich dabei, wie ich stellenweise abgeschweift bin und auch nicht wirklich das Gefühl hatte, viel von der Geschichte zu verpassen. Deswegen kann ich für die Gestaltung nur einen halben Punkt vergeben. 

Inhaltlich geht es um den kleinen Rover, der zu Beginn der Handlung eine große Dummheit begeht: Und zwar provoziert er einen Zauberer, der das natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann und den Hund bestraft. Danach beginnt für den Vierbeiner eine aufregende Reise. 

Bei Kindergeschichten versuche ich immer ein bisschen darauf zu achten, was zwischen den Zeilen mitgeteilt wird. Welche Botschaft möchte der Autor den Kindern mitgeben?
Rover, der später den Namen Roverandom bekommt, wirkt sehr heimatlos. Das fand ich irgendwie ziemlich traurig. Außerdem fand ich Tolkien inhaltlich etwas belehrend. So wird ein gewisses Verhalten von Rover erwartet. Und als er dieses erfüllt, wird er auch belohnt. 

J.R.R. Tolkien hat einen sehr fantasievollen Schreibstil mit ziemlich vielen sprachlichen Bildern. Hier ist es wichtig, sich von der Geschichte treiben zu lassen und nicht darüber nachzudenken, ob manche Gegebenheiten nun logisch sind oder nicht. Stellenweise ist mir das sehr gut gelungen und ich konnte ein paar der Schauplätze bildhaft vor mir sehen. Gerade einer der Schauplätze, der sich nicht auf der Erde befindet, hat mir sehr gut gefallen. 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Roverandom eine wunderbare Gute-Nacht-Geschichte für Kinder ist. Mit sehr viel Fantasie und einer überschaubaren Handlung. 

Donnerstag, 7. Juni 2018

Ge(h)fragt - Kia Kahawa

(c) Kia Kahawa



Hallo Buchlinge,

heute feiere ich Premiere. Ich mache das erste Mal bei einer Blogtour mit, die gerade im Rahmen einer Crowdfunding Aktion läuft.

Und zwar sucht Autorin Kia Kahawa Interessierte, die ihr Buchprojekt mitfinanzieren. Die Autorin hat eine Novelle mit dem Titel Hanover's Blind geschrieben. Damit ihr das Endprodukt auch lesen könnt, muss ein Cover, ein Korrektorat und Lektorat sowie der Satz, also die Formatierung der Novelle, finanziert werden. Hierfür hat Kia 2.080 € veranschlagt.

Und nun haben sich eine kleine Gruppe Bloggerinnen zusammengetan, um die Autorin bei ihrem Vorhaben zu unterstützen.

Los ging es bereits am 01. Juni und zwar bei Esther von fantastronautin. Sie erzählte uns etwas über das Cover von Hanover's Blind.

Bei mir findet ihr nun ein Interview mit Kia Kahawa. Sie erzählt uns, worum es in ihrer Novelle geht, wie die Idee zu Hanover's Blind entstand und warum ihr euch an der Finanzierung beteiligen solltet.


Über Kia Kahawa

(C) Lily Wildfire

Kia Kahawa ist Hybridautorin. Das heißt, dass sie sowohl Bücher bei Verlagen veröffentlicht, als auch Projekte als Selfpublisherin verwirklicht.
Sie ist ein sehr aktives Mitglied des Bundesverbandes junger Autorinnen und Autoren. Neben einigen Projekten organisiert sie im Namen des Verbandes den Autorenstammtisch in Hannover.

Kia zu finden
... bei Patreon
... bei Show don't tell


Das Interview 

Liebe Kia, herzlich willkommen bei Ge(h)Schichten. Stell Dich meinen Lesern doch einmal vor: Was hat es mit Deinem Pseudonym auf sich?

Danke, dass du mich interviewst! Ich habe mich schon sehr drauf gefreut, mich deinen Fragen zu stellen. Erst einmal zu meiner Person: Ich bin Kia Kahawa, hauptberufliche Autorin und bin gerade dabei, meine Novelle Hanover’s Blind mittels Crowdfunding zu finanzieren.

Mein Pseudonym „Kahawa“ ist Suaheli und bedeutet Kaffee. So habe ich mich schon in Abiturzeiten genannt und es hat sich einfach etabliert. Früher habe ich wirklich sehr viel Kaffee getrunken, weil ich schon in der Oberstufe nebenbei selbstständig gearbeitet habe und meine Tage extrem durchgetaktet sein mussten. Seit einigen Jahren trinke ich ausschließlich koffeinfreien Kaffee und auch nicht mehr so viel, aber der Name ist geblieben.


Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Zum Schreiben gekommen bin ich, indem ich einfach geschrieben habe. In der Grundschule habe ich mich schon am meisten auf das Geschichtenschreiben und Aufsätze in eigenen Worten gefreut. Während meiner Grundschulzeit hatte ich übrigens meine erste Lesung: Ich habe in einem Heim meine Kurzgeschichte „der Minizauberer“ vorgelesen und als Vorbereitung dafür jeden Buchstaben in einer einzelnen Farbe aufgeschrieben. Dann habe ich das Schreiben irgendwann verloren, als ich mich auf mein Musikstudium vorbereitet habe, aber seit 2014 ist es wieder da und ich kann mir nicht mehr vorstellen, nicht mehr zu schreiben.


In welchen Genres bist Du unterwegs?

Bisher habe ich nur Entwicklungsromane geschrieben, die im Hier und Jetzt spielen. Aber seit ein paar Monaten liebäugele ich mit Utopien und Dystopien, weshalb ich seit November mit meinem Co-Autor an einer dystopischen Utopie schreibe (… die er als utopische Dystopie sehen würde, aber darüber streiten wir noch).

Meine Entwicklungsromane erscheinen im Selfpublishing und bei Verlagen. Novellen veröffentliche ich selbst, Romane werden verlegt. Dabei kennzeichnet meine Arbeit, dass Protagonisten ihre eigenen Widersacher sind und sich gewissermaßen selbst im Weg stehen.


Du hast unglaublich viele Projekte: Du bist Bloggerin, Autorin, coachst Autoren und bist als Fotografin und Komponistin unterwegs. Wie bringst Du all Deine Projekte im Alltag unter einen Hut? Hast Du den ein oder anderen Tipp für das eigene Zeitmanagement?

Ich habe keine Tipps für das Zeitmanagement, die sich allgemein auf jedermann anwenden lassen. Bisher war meine Methode, arbeitssüchtig wie ich war, einfach zehn bis vierzehn Stunden am Tag zu arbeiten. Dem ist aber inzwischen nicht mehr so und ich habe einige Projekte aus meinem Hauptjob an den Nagel gehängt, um noch mehr Zeit für die Schriftstellerei zu haben. Auch bei den Blogs habe ich Arbeit abgegeben: Für Show, don’t Tell haben wir ein Autorenteam zusammengestellt, das Beiträge liefert, sodass ich statt einem Artikel pro Woche nur noch einen Artikel im Monat schreibe und die ganzen administrativen und außendienstlerischen Tätigkeiten stemme. Auf meinem eigenen Autorenblog erscheinen nicht mehr zwei Artikel pro Woche, sondern nur noch nach Bedarf; wenn ich den Drang habe, etwas zu formulieren und in die Welt hinauszuschreien.

Ich habe mir also viel Arbeit selbst abgenommen und gehe die Sache entspannter an. Daher ist mein Autorenleben nicht mehr besonders viel mehr Belastung als ein typischer 45-Stunden-Job, der aber wegen der Coachings und Deadlines in Lektoraten oder einer der vier Redaktionen, in denen ich arbeite, gerne mal bis spät abends ausartet.

Fotografieren und Komponieren sind Hobbies, denen ich etappenweise nachgehe. Manchmal verbunkere ich mich drei Tage und schreibe ein paar Stücke oder Songs, manchmal bin ich auf Touren und fotografiere dabei leidenschaftlich gern. Aber noch kann man weder Fotografie noch Musik zu einem Teil meines Berufes zählen.


Dein aktuelles Projekt nennt sich Hanover's Blind. Um was geht es in der Geschichte?

In Hanover’s Blind geht es um Adam, einen sehbehinderten Studienabbrecher, der in seine Traumstadt Hannover zieht, um ein Leben auf eigenen Beinen aufzubauen. Abseits der Norm und der Erwartungen anderer wird er mit dem konfrontiert, was sein neues Leben so bietet. Dazu hat er die glorreiche Idee, seine Sehbehinderung zu verheimlichen und erwartet, dass ihn niemand wie einen Behinderten behandelt.

(c) Kia Kahawa
Es geht insgesamt ums Lachen, Lieben und Scheitern, aber eben auch darum, dass niemandem peinlich sein sollte, wer oder was man ist und dass eine Behinderung manchmal gar nicht behindernd sein muss.


Wie meinst du das?

Na, zum Beispiel in der Liebe. Adam glaubt, wenn man ihn als Behinderten abstempelt, könne sich auch nur ein anderer Behinderter in ihn verlieben. Aber unterm Strich steht Adam sich mit seinem extrem geringen Selbstwert sich selbst im Weg, auch wenn er auf humorvolle Art und Weise zu verstecken versucht, dass er sich minderwertig fühlt. Adam glaubt, man könne als Behinderter nur das geringste Übel bekommen. Dabei ist es durchaus möglich, Glück und Erfüllung zu finden.


Und wie bist Du auf die Idee zu Hanover’s Blind gekommen?

Ich tanze leidenschaftlich gerne Standard und Latein an einer Tanzschule. Da ich aber eine dominante Person bin und schon seit elf Jahren tanzen kann, führe ich immer „gegen“ meinen Partner. Ich bin ein sehr schwergängiges Tanzgerät, sagen wir dazu immer. Unsere Tanzlehrerin hat mich in einer Einzelstunde dazu gebracht, blind zu tanzen, und all unsere Führungsprobleme haben sich sofort in Luft aufgelöst. Da ich mit „Die Krankheitensammlerin“ und „Irre sind menschlich“ schon zwei Projekte habe, in denen die Protagonisten erkrankt sind, lag plötzlich ein sehbehinderter Protagonist nahe, der eben nicht nur leidet, sondern auch gewissermaßen profitieren kann. Wie zum Beispiel beim Tanzen.


Hanover's Blind ist eine Novelle. Worin unterscheidet sie sich zu einem Roman? Wieso möchtest Du das Projekt als Novelle und nicht beispielsweise als Roman umsetzen?

Puh, darauf kann ich nicht präzise antworten, aber ich kann versuchen, ein paar Begründungen durchscheinen zu lassen. Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht, Hanover’s Blind als Roman umzusetzen. Nicht zuletzt, weil mich ein ziemlich großer Verlag unter Vertrag nehmen wollte, wenn ich die Geschichte auf das Doppelte aufblähe. Aber ich habe es nicht getan.

Es geht in Hanover’s Blind nur um Adam. Mit einem einzigen Handlungsstrang und dem kurzen Umfang von ca. 180 Buchseiten handelt es sich also um eine Novelle. Die Geschichte ist prägnant geschrieben und passt in diesen Umfang – wieso also etwas aufblähen und damit die (sprachliche) Qualität rausnehmen? Unterm Strich war ich mit Hanover’s Blind einfach innerhalb des Novellenumfangs zufrieden. Und ich lese selbst auch gerne Novellen.


Wie sahen Deine Recherchen für Hanover's Blind aus? Hast Du hierfür auch Punktschrift gelernt?

Hihi. Die Punktschrift konnte ich schon. Ich habe in der siebten Klasse in Chemie eine 4 gehabt und mir einen Spicker in Punktschrift gebastelt, um eine bessere Note zu bekommen. Da ist bisher kein Lehrer jemals drauf gekommen. Aber nein, zur Recherche zu Hanover’s Blind brauchte ich die Punktschrift nicht. Adam ist nicht blind, er hat noch 10 % Sehschärfe.


Warum heißt die Novelle dann Hanover’s Blind, wenn Adam nicht blind ist?

Das ist ein Wortspiel. Deshalb kommt der Protagonist auch aus Cambridge, um den englischen Titel zu rechtfertigen. Hanover’s Blind kann einerseits Der Blinde von Hannover heißen, aber auch Hannover ist blind.


Du möchtest Hanover's Blind gerne über Crowdfunding finanzieren. Welche Elemente müssen finanziert werden?

Um ein Buch im Selfpublishing herauszugeben, muss man einige Kosten einplanen. Zunächst braucht die Novelle nach den Überarbeitungsrunden ein professionelles Lektorat. Ich habe mich dazu entschieden, gleich zwei Lektoren anzuheuern: Eine Lektorin, die sich hauptberuflich mit dem Lektorieren auseinandersetzt, und ein Lektor, der sich in Hannover gut auskennt und auf etwaige geografische Fehler hinweist. Dann benötigt ein Buch natürlich noch ein Cover. Coverdesigner sind sehr teuer, vor allem, wenn man ein Cover auch rechtemäßig für das Marketing verwenden möchte. Aber die Kosten sind mehr als gerechtfertigt, wenn ich mir mal das Cover ansehe. Ich bin schon ein bisschen verliebt! Zum Schluss braucht Hanover’s Blind noch Korrektorat und Satz, und wenn das Stretch Goal errecht wird, zeichnet mir mein Illustrator noch die Illustrationen, die ich mir von Anfang an so sehr gewünscht habe.


Nun die kritische Marketing Frage: Warum sollten meine Leser für Hanover's Blind spenden?

Hanover’s Blind schildert Hannover aus der Sicht eines Sehbehinderten, beklagt die Blindheit der Sehenden und macht sich für ein Miteinander auf Augenhöhe stark. Ich habe mit Leidenschaft und fast schon in Extase geschrieben, überarbeitet, geplant und entworfen und möchte, dass ein tolles Buch auf dem Markt ist, das jeden auf die ein oder andere Weise bereichern, zum Nachdenken anregen oder schmunzeln lassen kann.


Du bist Mitglied im Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. Wie bist Du auf den Verein aufmerksam geworden? Welche Angebote des Vereins nutzt Du bzw. welche kannst Du empfehlen?

Beim BVjA nutze ich weniger Angebote, als dass ich sie biete. Ich schreibe für die QWERTZ, das ist unsere Mitgliederzeitschrift. Wenn ich nicht gerade Termine verpenne (sorry, Tobias!), helfe ich an Buchmesseständen auf und ich leite und organisiere den Autorenstammtisch Hannover im Namen des BVjA. Seit neustem hat sich auch eine Autorenstammtisch-Leiter-Gruppe zusammengefunden, die ich initiiert habe, was das regionale Zusammentrommeln von Schriftstellern erleichtern soll. Ich kann also definitiv alle Angebote empfehlen, an denen ich mitwirke, da ich viel Zeit und Liebe, manchmal auch Geld in die Sachen stecke.


Du bietest auch Autoren- und Schreibcoaching an. Wie sieht hier die Zusammenarbeit mit Deinen Kunden aus? Wie lange begleitest Du Deine Kunden? Darfst Du uns verraten, wen Du bereits coachen durftest?

Die Zusammenarbeit im Coaching sieht immer unterschiedlich aus. Ich habe schon für zahlreiche Autoren Exposécoachings durchgeführt. Dabei geht es ganz konkret darum, ein Exposé für die Einsendung in Verlagen und Agenturen fit zu machen. Neulich habe ich mit Carolin Summer eine Lesung erarbeitet und ihr Tipps gegeben, wie man mit der Situation der ersten eigenen Lesung umgeht. Ein Schreibcoaching läuft derzeit mit dem Artio Wortkunstverlag, bei dem Lena Loki unter Vertrag ist.

Generell werde ich von Autoren und Verlagen gleichermaßen gebucht. Wir erstellen zunächst einen Coachingplan, der die Ziele verfolgt, die erreicht werden sollen, und danach richtet sich auch der Umfang. Eine Autorin begleite ich seit 15 Monaten. Konkrete Lesungscoachings dauern meist keine zwei Wochen.


Du veröffentlichst Deine Werke auch als Selfpublisherin. Welche Plattformen kannst Du hier empfehlen? Amazon, epubli oder doch lieber der Klassiker BoD?

Ich möchte keine dieser Plattformen empfehlen. Mit Hanover’s Blind gehe ich zu TWENTYSIX, was ein Gemeinschaftsprojekt der Randomhouse Gruppe und Books on Demand ist. Bei Books on Demand wird definitiv noch ein Buch von mir erscheinen, die möchte ich ausprobieren. Amazon gehört quasi einfach dazu, sollte aber keinesfalls als einzige Plattform verwendet werden. Mit Büchern von Amazons Create Space ist übrigens quasi ausgeschlossen, in den Barbestand des Buchhandels zu kommen. Die Buchhändler sind zurecht nicht begeistert von Amazon-Unterstützern. Epubli möchte ich auch nicht direkt empfehlen, ebenso wenig tredition. Das ist aber nur meine persönliche Einschätzung bzw. Erfahrung, daher möchte ich nicht allzu viel dazu sagen.


Du organisierst in Hannover einen Autorenstammtisch. Wie sehen eure Treffen aus? Wie habt ihr eure Location gefunden?

Als Selbstständige bin ich ziemlich gut vernetzt. Ich schreibe nicht nur Werbetexte für Online Content, sondern eben auch für den Dönermann um die Ecke. Das Café Konrad, in dem wir den Autorenstammtisch abhalten, gehört meinem Geschäftsfreund Dietmar Engel, und da führte schnell eins zum anderen. Man unterstützt sich gerne, wenn man auf gleicher Wellenlänge ist. Außerdem ist das Café explizit für Diversität und man hat beim Betreten das Gefühl, dass auf einen gewartet wurde. Wie ein riesiges Wohnzimmer! I like it.

Unsere Treffen sehen unterschiedlich aus. Ich habe noch nicht den richtigen Nenner gefunden. Wir hatten mal eine Agenda mit mehreren Themen, die war einigen Leuten aber zu straff. Dann habe ich versucht, gemeinsam eine Lesung in Hannover zu organisieren, aber auch da gab es Autoren, die davon nicht begeistert waren, weil sie nur zum Hobby schreiben. Daher treffen wir uns beim Autorenstammtisch nur noch zum entspannten Quatschen über alles, was gerade anliegt, und die Lesungen in Hannover habe ich in meinen eigenen Geschäftsbereich verlegt und eine Arbeitsgemeinschaft gegründet.


Auf Deiner Homepage schreibst Du, dass Du gerne mit 30 einen Bestseller veröffentlicht haben möchtest. Wie sieht es mit diesem Vorhaben bisher aus?

Och, ich würde mal behaupten, ich liege gut in der Zeit. Mein Schreibstil verbessert sich dauernd, ich lese regelmäßig ein Buch pro Woche und entwickele mich immer weiter. Zwei meiner Werke werden 2019 von Kleinverlagen veröffentlicht, die beiden Utopien, die in der Mache sind, kommen zu Agenten. Ich denke, 2021 bei einem Großverlag zu landen und dann 2024 einen Bestseller zu landen, ist ambitioniert und erfordert neben Fleiß auch ein bisschen Glück – aber das wird schon.


Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir allen voran, dass ich Hanover’s Blind über die Bühne kriege. Dass das Crowdfunding-Ziel erreicht wird und wir eine schmucke Novelle lesen können, die im besten Fall dann auch noch gut bei den Leserinnen und Lesern ankommt. Das würde ich mir wirklich sehr wünschen. Alles, was in der ferneren Zukunft liegt, bleibt abzuwarten. Aber ich bin guter Dinge. Das wird schon alles!

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Wenn ihr Kia bei ihrem Projekt unterstützen möchtet, schaut doch unter diesem Link vorbei und finanziert die Novelle mit. Spenden könnt ihr bis zum 10. Juli.

Weiter geht's am 10.06. bei Janine. Hier gibt es ein paar Infos zum Thema Selfpublishing.