Mittwoch, 16. Mai 2018

10 Jahre Freiheit

Bild von HörbuchHamburg
Steckbrief

Name: 10 Jahre Freiheit (auch als Buch erhältlich)
Autor: Natascha Kampusch
Verlag: HörbuchHamburg
Geeignet für: Menschen, die Biografien mögen und sich für psychologische Phänomene interessieren
Gelesen oder gehört: gehört in ungekürzter Fassung
Sprecher: Sascha Icks
Bewertung: keine Angabe


Klappentext

(von HörbuchHamburg)

"Natascha Kampusch erzählt von ihrem Leben nach der Flucht

Am 23. August 2006 endete eine der spektakulärsten Entführungen in der jüngeren Geschichte. Natascha Kampusch gelang die Flucht aus dem Kellerverlies, in dem sie über acht Jahre eingesperrt war. Darüber hat sie ein viel beachtetes Buch geschrieben. Zehn Jahre nach der Selbstbefreiung gewährt sie Einblick in ihr Leben nach der Flucht. Sie erzählt von ihren Erfahrungen, bitteren und schönen, von ihren Träumen und Alpträumen, von ihrem Alltag. Und davon, dass sie sich für traumatisierte Jugendliche engagiert und hofft, damit auch das eigene Trauma zu überwinden."


Meine Meinung 

Vorabinformation: Ich verzichte aus zwei Gründen auf eine Bewertung: Zum einen handelt es sich hierbei um eine Biografie und da finde ich es nicht gerechtfertigt das Leben bzw. die Darstellung von Erlebnissen eines anderen Menschen zu bewerten. Zumal es sich hier um die Verarbeitung eines Verbrechen handelt, bei dem es schön gewesen wäre, wenn es nie stattgefunden hätte.
Zum zweiten muss sich Natascha Kampusch schon mit mehr als genug Bewertungen und Projektionen herumschlagen.

Gestaltung
Sascha Icks führt uns durch 10 Jahre Freiheit. Sie greift die Emotionen der Biografie wunderbar auf. Auf der einen Seite, der Hass und das Unverständnis das Natascha Kampusch teilweise von der Bevölkerung entgegengebracht wird. Und auf der anderen Seite ihr Wunsch, ein normales Leben führen zu können und nicht ständig mit der Entführung in Verbindung gebracht zu werden. Und an manchen Stellen schaffte es Sascha Icks auch, die Zerbrechlichkeit in Worte zu fassen, die im Raum lag.

Was mich an der Hörbuch Gestaltung etwas verwirrte, war die Chronologie am Ende des Hörbuchs. Natascha Kampusch bezieht sich im Laufe ihres Berichtes zwar immer wieder auf die Chronologie, mir fehlte aber hier und da etwas die Übersicht. Da hätte ich es etwas praktischer gefunden, wenn die relevanten Daten am Anfang eines Kapitels kurz aufgezählt worden wären. Allerdings hat die Chronologie am Schluss meinen Hörfluss nicht negativ beeinflusst.

Inhalt / Spannung
Dieses Hörbuch beweist, was passiert, wenn Menschen projiziere, weil sie die Wahrheit nicht ertragen können. Es war wirklich erschreckend, was Natascha Kampusch in 10 Jahre Freiheit erzählt hat. Sie muss sich immer noch mit Anschuldigungen auseinandersetzen, die völlig an den Haaren herbeigezogen sind.

Umso beeindruckender fand ich es, wie reflektiert Natascha Kampusch damit umgeht. Natürlich verletzen sie die Worte, aber sie versteht auch, dass viel mit Projektion zu tun hat. Ich habe hauptsächlich zu dem Hörbuch gegriffen, weil ich sie als Menschen etwas besser kennenlernen und hören wollte, wie sie die Entführung erlebt hat und wie ihr Leben jetzt aussieht. Und meine Fragen wurden in 10 Jahre Freiheit größtenteils beantwortet.

Schreibstil
Wie oben bereits geschrieben, wirkt Natascha Kampusch sehr reflektiert und um einiges reifer, wie andere in ihrem Alter. Das macht sich in ihrem Schreibstil bemerkbar, der ziemlich präzise und nicht ausweichend ist. Sie teilt in 10 Jahre Freiheit offen ihre Gedanken über das Leben, ihre Situation während und nach der Entführung mit. Allerdings macht sie hierbei auch deutlich, dass es auch Grenzen gibt, die niemanden etwas angehen, was auch mehr als nachvollziehbar ist.

Gesamteindruck
10 Jahre Freiheit ist ein sehr bewegender Auszug einer Biografie. Auszug deshalb, weil Natascha Kampusch Leben ja weitergeht und die Biografie damit stetig weitergeschrieben wird. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Medien so eine präsente Rolle in ihrem Leben einnehmen und das obwohl sie nicht darum gebeten hat.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir hier sehr viel über unsere Mitmenschen lernen und auch sensibler für unser Gegenüber werden können.

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