Mittwoch, 30. Mai 2018

Ge(h)schaut - Der Eurovision Song Contest 2018

Ja, Buchlinge,

Asche auf mein Haupt. In diesem Jahr bin ich mit meinem ESC Bericht gefühlt SEHR spät dran. Wie einige von euch mitbekommen haben, habe ich das große Finale diesmal auswärts und nicht mit der gewohnten Gruppe geschaut. Aber beginnen wir erstmal von vorne...


Love Letter Convention und ESC? 

Als mich Skyara fragte, ob ich mit ihr Berlin und die Love Letter Convention unsicher machen möchte, war meine Entscheidung schnell getroffen: Buchmessen sind cool! Warum also nicht?

Nachdem die Karten besorgt und die Unterkunft gebucht war, warf ich einen Blick auf meinen Kalender und stellte mit Schrecken fest, dass genau AN DIESEM Wochenende auch das Finale des Eurovision Song Contest stattfand.

Warum Finale? Für den ESC sind jedes Jahr sechs Länder automatisch qualifiziert. Nämlich: Deutschland, England, Spanien und Frankreich - die so genannten Big Five - und dann noch das Gastgeberland. In diesem Jahr war das Portugal. Alle anderen Länder müssen sich in zwei Halbfinalshows qualifizieren. Diese werden in der ESC Woche immer dienstags und donnerstags ab 21:00 Uhr auf one (früher einsfestival) ausgestrahlt. Ich finde es unglaublich entspannend, die Halbfinalsendungen zu schauen, da ich hier schon mal einen ersten Blick auf die Lieder wählen und mir potentielle Favoriten suchen kann. Außerdem beginne ich hier bereits damit, mir Notizen für den anschließenden ESC-Bericht zu machen. Müsste ich das alles am Samstag nachholen, wäre ich wahrscheinlich komplett überfordert.

Kommen wir aber zurück zum eigentlichen Teil der Überschrift: Glücklicherweise hatte Skyara nichts dagegen, dass ich am Abend den ESC verfolgte.


Der ESC in Portugal 

Moderation
Während der ESC im letzten Jahr von drei Männern moderiert wurde, erlebte ich es als sehr angenehm, dass diesmal wieder Frauen an die Mikrofone durften. Wikipedia verrät, das die Veranstaltung das letzte Mal im Jahr 2015 von drei Frauen nominiert wurde.

Leider konnte ich die Einblendungen ihrer Namen nicht lesen und kann daher nicht sagen, welcher Name zu welcher Stimme gehörte. Ich fand die Moderatorinnen sehr angenehm. Oft habe ich bei Moderatoren das Gefühl, dass sie zwar gerne durch eine Veranstaltung führen, es aber eben nur ein Job ist und sie theoretisch auch auf einer anderen Bühne stehen könnten. Gerade die Moderatorin, die regelmäßig aus dem Green Room berichtete, versprühte Freude und Interesse an ihren Interviewpartnern und der Veranstaltung.
Während beispielsweise der deutsche Vorentscheid eher holprig moderiert wurde, verlief das Finale flüssig und es gab keine ungewöhnlich komischen Anmoderationen. Zumindest sind mir an dieser Stelle keine in Erinnerung geblieben.

Der Sieger von 2018 Salvador Sobral
Es hat mich unglaublich gefreut, dass Salvador Sobral den ESC 2018 miterleben konnte. Nachdem er letztes Jahr noch auf ein Spenderherz wartete, konnte vor einigen Monaten ein Spender gefunden werden. Der Sänger performte beim Finale zwei Lieder unter anderem sein Siegerlied. Er ist ein sehr guter Sänger. Dennoch musste ich feststellen, dass ich mit seiner Musik leider nicht viel anfangen kann.


Die Finalisten - und meine Favoriten 

Obwohl in diesem Jahr einige Länder wieder Lieder in ihrer Landessprache ins Rennen schickten, hatte ich doch den Eindruck, dass der ESC musikalisch schlichter wird, aber dennoch nicht an Qualität verliert. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich den Wettbewerb 2010 mit eigentlichen Nicht-ESC Fans schaute und wir über die bunte, teils chaotische, musikalische Vielfalt schmunzeln mussten. und diese - ja, ich muss zugeben - Verrücktheit fehlte mir 2018 minimal. Dennoch waren so viele gute Lieder dabei.

Kommen wir aber nun zu meinen Favoriten - oder meiner inoffiziellen linken Tabellenhälfte: Die Reihenfolge der Beiträge ist zufällig gewählt und orientiert sich grob an der Reihenfolge der Auftritte bei den Semi-Finals.




Tschechien: Mikolas Josef - Lie To Me
Dieser Beitrag fiel mir beim ersten Halbfinale sofort auf. Ich mochte den Rhythmus des Liedes und empfand die Mischung zwischen Rhythmus, Gesang und HipHop Elementen ziemlich stimmig. Mit 218 Punkten belegte Mikolas Josef in diesem Jahr den sechsten Platz. 



Israel: Netta - Toy 
Durch Heffa Fuzzel, die ebenfalls jährlich über den ESC berichtet, erfuhr ich das erste Mal von Netta. Allerdings wollte ich mich vor den Finalshows nicht spoilern und erlebte den Beitrag daher zum ersten Mal in der ersten Finalshow. Gerade den Anfang und den Refrain des Liedes finde ich sehr stark. Und wie mittlerweile bekannt ist, hat Netta den ESC in diesem Jahr mit 529 Punkten haushoch gewonnen. Es freut mich immer, wenn ein Lied gewinnt, das mir musikalisch auch gut gefällt. 



Österreich: Cesár Sampson - Nobody But You
Seit wir es 2013 oder 2014 fertig gebracht haben, Natalia Kelly nicht ins ESC Finale zu lassen, habe ich Österreich im Gegensatz zu anderen Ländern, immer etwas mehr auf dem Schirm. 
Cesar Sampson überzeugt hier mit einer kraftvollen Stimme. Das Lied erinnert mich durch den Refrain ein bisschen an Gospel. Und ich bin sehr glücklich, dass es das Lied in diesem Jahr mit 342 Punkten auf den dritten Platz schaffte. 




Finnland: Saara Aalto - Monsters
Ihr kennt es vielleicht: Ein Abend voller Musik. Am Tag danach wacht ihr auf und der erste ESC Ohrwurm kündigt sich an. Monsters begleitete mich ziemlich lange. Allerdings nervte mich das Lied nicht, sondern machte mir nur bewusst, dass es sich für mich irgendwie aus der Masse der Lieder hervorgehoben hat. Und das lag nicht etwa an der Performance, von der ich optisch nämlich nichts hatte. Leider stelle ich gerade mit Schrecken fest, dass des der Beitrag mit 46 Punkten auf Platz 25 schaffte. 



Moldau: DoReDoS - My Lucky Day
Der moldawische Beitrag brachte mir dann etwas ESC Feeling ins Hotel- bzw. Wohnzimmer. Zu Beginn kam mir das Lied leicht volkstümlich angehaucht vor, zeigte aber auch etwas die ESC Verrücktheit. 
Europa schenkte der Gruppe 209 Punkte und schickte sie damit auf den 10 Platz. 



Niederlande: Waylon - Outlaw in Em 
Über den niederländischen Künstler Waylon habe ich eine kleine Geschichte zu erzählen: Und zwar tummelten sich die Grafikerin und ich neulich auf YouTube. Wir landeten schließlich bei Voice of Netherlands und dort sang gerade niemand Geringeres als Waylon vor einer Jury vor. Der Beitrag war bereits etwas älter und wir fragten uns, warum wir bisher noch nichts von dem Künstler gehört hatten. Und auch hier stellte sich schnell heraus, dass es sich um einen Wiederholungstäter handelte. Er trat damals noch mit seiner Duettpartnerin unter dem Namen The Common Linnets an und schaffte es mit dem gemeinsamen Song Calm after the Storm auf den zweiten Platz. 
Waylons diesjähriger Beitrag ist sehr kraftvoll, enthält Rock Elemente und lässt sich mit Sicherheit gut auf der ein oder anderen Festivalbühne unterbringen. Mir hat das Lied sehr gut gefallen. Allerdings bezweifelte ich, dass es beim ESC groß auffallen würde. Er belegte in diesem Jahr mit 121 Punkten den 18. Platz. 





Georgien: Ethno-Jazz Band Iriao - For You
Eigentlich war der georgische Beitrag einer meiner Favoriten für dieses Jahr. Das Lied ist sehr gefühlvoll und arbeitet sich langsam von einer Ruhe bis hin zu einem kraftvollen Refrain hoch. Und ich kann es absolut nicht nachvollziehen, dass dieses Lied im Halbfinale ausschied. 



Schweden: Benjamin Ingrosso - Dance You Off
Der schwedische Beitrag erinnerte mich an eine Mischung aus 70er Jahre Justin Bieber und Justin Timberlake Sound. Obwohl das Lied verhältnismäßig schlicht daher kam, stach es beim Finale doch relativ gut hervor. Das Lied schaffte es mit 274 Punkten auf den siebten Platz. 


Funfacts und der Moment der Punktevergabe 

Estland schlägt unsere Katze in die Flucht!
Bei einem Fernsehabend darf natürlich auch die Katze nicht fehlen. Sie ließ sich bei den Halbfinalshows auf meinem Schoß nieder und betete insgeheim wahrscheinlich, dass wir die Lieder nicht mitsingen würden. Allerdings gab es ein Beitrag, der eine akustische Herausforderung für sie darstellte. Und zwar das estländische Lied. Den ersten Refrain verdaute die Katze noch einigermaßen gut. Als die Sängerin dann aber zum zweiten Refrain ansetzte, verließ die Katze das Camp. Und somit kann Elina Nechayeva mit Fug und Recht behaupten eine Katze aus der Ferne in die Flucht geschlagen zu haben. 

Endlich wieder auf der linken Tabellenhälfte 
Schon nach unserem Vorentscheid hielt ich große Stücke auf Michael Schulte und hatte diesmal das Gefühl, dass wir es vielleicht sogar auf die linke Tabellenhälfte schaffen könnten. Unser Beitrag klang nicht nach 0815, sondern enthielt neben einer schönen Geschichte auch eine tolle musikalische Steigerung von ruhig zu kraftvoll. Allerdings hatte Europa bereits schon häufiger bewiesen, dass unsere Meinungen musikalisch sehr weit auseinander gingen. Deswegen war ich auch 2018 auf alles gefasst, gab die Hoffnung aber nicht auf. 
Als dann die ersten Punkte im zweistelligen Bereich eintrudelten, wurde mein Grinsen immer breiter. 

Das Schöne an der Sache ist jetzt nicht nur, dass wir es wirklich auf die linke Tabellenhälfte geschafft haben, sondern auch noch den VIERTEN PLATZ belegten. Und zwar mit 340 Punkten. Natürlich gibt es bei Wettbewerben immer Leute, die den letzten Platz belegen müssen. Buchlinge, ihr glaubt aber nicht, wie viel Spaß es macht, wenn die zweistelligen Punkte nur so auf das Punktekonto regnen. Besonders freut es mich für Michael Schulte, dass er jetzt nicht nur deutschlandweit, sondern auch international an Bekanntheit gewonnen hat.
Im Gegensatz zu anderen ESC Finalisten aus den letzten Jahren, vermutete ich, dass Michael Schulte am wenigsten zu verlieren hatte, da er sich so oder so mit den Jahren eine Fanbase aufgebaut hatte, die ihm - ESC hin oder her - auch treu bleiben würde. Und nun sind eben noch einige Fans hinzugekommen. 


Und Du? 

Verfolgst Du den Eurovision Song Contest?
Wer gehörte in diesem Jahr zu Deinen Favoriten? 

Montag, 28. Mai 2018

Rote Stunden im Nebel - Hörmonat Mai 2017

Hallo Buchlinge,

im Mai hatte ich eine kleine Lese- bzw. Hörflaute. Woran das genau lag, erzähle ich euch am Freitag in meinem Monatsrückblick. Heute werde ich euch aber erst einmal die drei Geschichten vorstellen, die ich im Mai beendet habe.

Ich spreche über Red Rising von Pierce Brown, Die letzte Stunde von Minette Walters und Der Fürst des Nebels von Carlos Ruiz Zafon.
Ich wünsche euch viel Spaß beim hören und entschuldige mich für die kleinen Hintergrundgeräusche.



Erwähnte Bücher

Red Rising: https://bit.ly/2gLHokH
Rezension: https://bit.ly/2L1VGML

*Die letzte Stunde: https://bit.ly/2Lz8NGb
Rezension: https://bit.ly/2sd6h06

*Der Fürst des Nebels: https://bit.ly/2shzs1z
Rezension: https://bit.ly/2Lx1AGC

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Inhaltsverzeichnis 

00:00 Min: Intro
01:27 Min: Red Rising
08:00 Min: Die letzte Stunde Inhalt
09:06 Min: Die letzte Stunde Hörprobe
12:07 Min: Meinung zum Hörbuch
16:16 Min: Der Fürst des Nebels Inhalt
17:17 Min: Der Fürst des Nebels Hörprobe
20:01 Min: Meinung zum Hörbuch
24:18 - Schluss: Outro

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Die mit * gekennzeichneten Exemplare wurden mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Samstag, 26. Mai 2018

Adriana Popescu spricht über "Mein Sommer auf dem Mond" und das Schreiben

Über die Autorin 

Foto: Facebook
Adriana Popescus Laufbahn als Autorin begann beim Fernsehen. Und zwar als Drehbuchautorin unter anderem für Produktionen der ARD.
Inzwischen veröffentlicht sie hauptsächlich Romane in der Erwachsenen- und der Jugendliteratur. 2015 feierte sie mit Ein Sommer und vier Tage ihr Debüt als Jugendbuchautorin. Im März diesen Jahres ist ihr aktueller Roman Mein Sommer auf dem Mond erschienen. Und somit wird es Zeit für ein neues Interview.

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HIER findet ihr das Interview mit Adriana Popescu, das ich 2016 mit ihr geführt habe. 

Bisher rezensierte Bücher 


Das Interview 

Liebe Adriana, 2016 warst Du das erste Mal hier auf diesem Blog in einem Interview vertreten. Wie hat sich Dein Leben seither verändert?

Ich glaube, inzwischen sind drei oder vier weitere Romane von mir erschienen, aber ansonsten ist alles noch wie damals. Ich schreibe, ich plotte, ich plane neue Projekte. Das Schreibleben ist noch immer sehr gut zu mir und macht wahnsinnig viel Spaß.


Als Vorbereitung für das Interview habe ich mich bei ein paar Bloggern umgehört und gefragt, was sie Dich schon immer einmal fragen wollten. Und da kam der Klassiker: Woher nimmst Du Deine Ideen? Wird aus jeder Idee ein eigener Roman oder kannst Du manche Ideen auch zusammenfügen und in einer Geschichte unterbringen?

Einige Leute nehmen ja an, ich würde über ein Ideenfass ohne Boden verfügen. Ich wünschte, dem wäre so. Aber tatsächlich kommen mir die meisten Ideen im Alltag. Beim Einkaufen, in Gesprächen mit Freunden oder in der Bahn. Ich denke, wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht, entdeckt man oft Geschichten, die sich zwischen den Buchdeckeln ganz gut machen würden. Es gibt oft eine Grundidee für den Roman, aber oft haben sie ja mehrere Storylines. Zum Beispiel geht es ja in vielen Romanen vordergründig um die Liebe, aber die Protagonistin muss auch mit ihren Problem in der Familie, dem Job oder mit Krankheiten klarkommen. Da lassen sich schon mal mehrere Ideen verweben.


Du bist nun hauptberuflich Autorin. Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus? Kannst Du pauschal sagen, wie viele Seiten Du am Tag schreibst?

Obwohl ich inzwischen einen ziemlich strikten Schreibplan habe, kann ich nicht sagen wie viele Stunden oder Seiten ich schreibe. Schreiben ist und bleibt kreativ und manchmal ist Muse eben außer Haus und die Motivation krankgeschrieben. Dann kann ich nicht sagen: So, heute schreibst du vier Stunden.

Ich setze mir andere Tagesziele. Eine bestimmte Wörteranzahl, die ich erreichen will – allerdings variiert sie täglich. Gerade habe ich eine neue Technik für mich entdeckt, die mir beim Erreichen der Deadline enorm hilft und den Druck von mir nimmt.


Verarbeitest du Persönliches in Deinen Romanen?

Ich denke schon. Das mögen auch Kleinigkeiten sein. In all meinen Romanen findet sich auch ein Stück Popescu. Aber autobiographisch wird es nicht, dafür ist mein Leben einfach nicht aufregend genug.


Dein aktuelles Jugendbuch heißt „Mein Sommer auf dem Mond“ und ist im März erschienen. Um was geht es in der Geschichte? 

Bild von cbj

Um vier Jugendliche, die einen Sommer in einer Therapieanstalt auf Rügen verbringen und dabei eine Menge über sich rausfinden und sich ihren Dämonen stellen müssen.


Diesmal haben wir in Deinem Roman statt zwei Protagonisten, vier Charaktere, die im Mittelpunkt stehen. Wie hast Du die Charaktere entwickelt? Welche Tipps hast Du, damit kein Charakter in der Geschichte zu kurz kommt?
Es war von Anfang an klar, dass wir vier Figuren haben. Allerdings denke ich da immer noch sehr filmisch. Sprich zwei Hauptfiguren nämlich Fritzi und Basti, plus die 'supporting roles' Sarah und Tim. Sie sind zwar alle vier sehr wichtig, allerdings nicht alle gleichgestellt. Wie mit Nebenrollen in Filmen. Der Fokus lag klar auf Fritzi und Basti, was man auch daran merkt, dass sie mehr 'Zeit' in der Geschichte bekommen, als die anderen beiden. Dennoch glaube ich, erfahren wir über alle vier genau die Dinge, die für die Story wichtig sind. Ich arbeite mit Karteikarten und lege die dann auf dem Boden aus, jeder Charakter kriegt eine eigene Farbe zugeteilt, dann sehe ich genau, wieviel Szenen sie haben.


Unsere vier Astronauten haben unterschiedliche psychische Probleme. Wie bist Du bei der Recherche vorgegangen? Wie tief bist Du inhaltlich in die Krankheitsbilder eingestiegen?

Ich habe sehr viel mit Betroffenen gesprochen, mit Jugendlichen, die sich aktuell in Therapie befinden und mit Angestellten z.B. aus einer Psychiatrie, aber auch mit Eltern, deren Kinder erkrankt sind.

Vieles davon hat den Weg in den Roman gefunden, nur nicht die Namen. Die Krankheitsbilder sind sehr komplex, anders als bei einer Grippe. Es gibt auch keinen typischen Verlauf, der von allen Patienten gleich wahrgenommen wird. Ich habe nicht Jugendlichen gesprochen, die beide die gleiche Diagnose bekommen haben und dennoch von komplett unterschiedliche Problemen gesprochen haben. Auch der Verlauf der Therapie und Krankheit lief bei ihnen komplett anders, obwohl sie auf dem Papier die gleiche Krankheit haben.

Außerdem handelt es sich bei Mein Sommer auf dem Mond ja nicht um ein Therapiehandbuch. Einige wünschen sich mehr Therapie, aber ich wollte ja kein Buch über den Alltag in einer Therapie schreiben. Mir geht es um die Jugendlichen, die zu häufig auf die Krankheit reduziert werden, die mit dem Stigma psychisch krank leben müssen. Dabei sind sie normale Jugendliche mit normalen Wünschen, Hoffnungen und Träumen, die im Schatten ihrer Krankheit fast untergehen.

Die Gruppe, mit der ich im Zuge der Recherche gesprochen habe, beschwerte sich zum Beispiel, dass man in den meisten Jugendbüchern einfach nur von 'kranken Jugendlichen in Behandlung' liest, aber nichts über die Jugendlichen an sich erfährt. Ich denke, sie haben damit nicht ganz unrecht.


Sebastian Fitzek hat in einem Interview erzählt, dass sein erster Romanentwurf meistens Müll sei. Wie oft überarbeitest Du Deine Manuskripte? Und magst Du uns anhand von „Mein Sommer auf dem Mond“ erzählen, was sich im Laufe der Überarbeitung verändert hat und warum?

Die allererste Fassung ist oft nur der Teig, noch kein Kuchen. Es fehlt die passende Form, die Deko, er muss noch in den Ofen. Für gewöhnlich habe ich zwei Überarbeitungsgänge bis zum fertigen Roman. Meinen persönlichen, bevor das Manuskript an den Verlag geht und dann noch mal einen mit meiner Lektorin. Beim Mond haben wir da gekürzt, einige Szenen zusammengezogen und dann war es das auch schon. Eigentlich stand das Kürzen hier im Mittelpunkt, weil der Roman in der Rohfassung um viele, viele, VIELE Seiten länger war.


In Mein Sommer auf dem Mond gibt es Szenen, die strenge Lektoren vielleicht als unlogisch betiteln würden. Dennoch sind diese Momente wichtig für die Geschichte: Ein Minderjähriger klaut beispielsweise ein Auto und fährt damit herum, obwohl er keinen Führerschein hat. Ich frage mich daher: Wie schaffst Du es, solche Szenen vor dem Lektorat zu rechtfertigen?

Ich denke, da liegt ein Trugschluss vor. Die Szene ist nämlich kein bisschen unrealistisch oder unlogisch – schon gar nicht in Gänze des Romans gesehen. Ein Auto zu klauen, vor allem wenn man noch keinen Führerschein hat, passiert viel zu oft. Bei meinen Recherchen bin ich über so viele Unfälle gestolpert, die sich im Raum Stuttgart abgespielt haben, bei denen minderjährige Jungs mit dem Wagen auf der Landstraße verunglückt sind. Ein guter Freund von mir hat durch so einen Unfall seinen Bruder verloren, dem sind zwei Kids – beide 15 – mit einem geklauten Wagen auf der Landstraße ins Auto gerast.

Wäre die Szene unlogisch, hätte mir meine überaus strenge Lektorin die Szene um die Ohren geschlagen.

Unlogisch sind für mich in Romanen übrigens häufig nur Dinge, die im Kontext der Handlung nicht passen. 

ACHTUNG SPOILER 

Wir wissen, wieso Basti es damals gemacht hat und verstehen auch, wieso er es jetzt wieder tut. Den Schlüssel hatten sie, die Motivation dazu ist auch nachvollziehbar, somit ist die Szene vieles, aber sicher nicht unlogisch.

SPOILER ENDE


Du hast selbst unter Panikattacken gelitten und bereits einen Burnout hinter Dir. Magst Du uns erzählen, wie es dazu kam und wie sich die Symptome in der Akutphase bemerkbar gemacht haben?

Ich leide noch immer unter Panikattacken, die eben leider auch mit dem Burnout zusammen kamen. Bei mir lag es damals an dem sehr stressigen Job am Set, der höchst unangenehmen Stimmung am Set und dem allgemeinen Umgang damals. Ich habe den Fehler gemacht und wollte etwas beweisen, ohne dabei auf meine Gesundheit zu hören oder die Warnsignale zu beachten.

Das schwerste war, es sich nicht anmerken zu lassen. Ich habe alles überspielt, blöde Ausreden erfunden, war noch witziger als sonst. Heute höre ich auch noch oft: „Du? Das hätte ich nie gedacht!“

Damals wusste ich noch nicht, dass es Panikattacken waren, ich habe ein körperliches Problem gesucht, habe verschiedene Ärzte besucht und jedes Mal, wenn es hieß: „Frau Popescu, Sie sind gesund.“ wollte ich schreien, weil ich ja wusste, dass ich es nicht war. Irgendwann habe ich sogar gehofft, sie würden auf einem Röntgenbild irgendwas finden, weil viele dachten, ich würde spinnen, mir die Symptome nur einbilden etc.

In der Akutphase war es so schlimm, dass ich nicht mehr einkaufen gehen konnte – und mein Edeka war keine zwei Minuten von meiner Wohnung entfernt. Ich habe Einladungen zu Partys, Hochzeiten und Abendessen abgelehnt, habe alberne Ausreden genannt und im Zuge dessen einige Freunde verloren. Dinge, die mir vorher wahnsinnig viel Spaß gemacht haben, konnte ich nicht mehr tun, weil die Angst vor der nächsten Attacke zu groß waren. Ich habe mich zurückgezogen und quasi nur noch in meiner Wohnung gelebt. Bis es nicht mehr ging und ich eine Therapie angefangen habe. Als ich zum ersten mal hörte Sie leiden an Panikattacken war ich so dankbar, weil ich wusste, ich bilde mir das nicht ein und ich kann etwas unternehmen. Die Ohnmacht war endlich weg.

Es dauerte dann aber noch ein gutes halbes Jahr, bis ich es meinen Freunden erzählt habe, weil ich nicht wusste, wie sie damit und mit mir umgehen würden. Die Reaktion war: 'Wieso hast du es nicht früher gesagt?'

Bei meiner Arbeit wussten sie auch nicht, dass ich an Panikattacken litt, weil ich wusste, sie würden mir den Stempel 'kann dem Stress nicht standhalten' aufdrücken, dabei ist das der größte Unsinn, den Betroffene zu hören bekommen. Ich habe ja trotz Panik super Arbeit abgeliefert, war am Ende des Tages allerdings so erschöpft wie nach einem Marathon und hatte sogar Muskelkater, weil mein Körper non-stop so angespannt war. Das sehen aber die meisten natürlich nicht, weil wir die Meister im Sich-nichts-anmerken-lassen werden.

Ich denke, ich hätte früher darüber sprechen müssen. Mit Freunden, Familie und auch den Chefs.
Jetzt habe ich es eben meine Astronauten machen lassen.


Was hilft Dir dabei, die Panik in Schach zu halten?

Mir hilft die Muskelrelaxation und die Atemtechnik, die ich in der Therapie gelernt habe. Ich lasse auch das Stresslevel nicht mehr so groß werden, höre auf meinen Körper.
Ich versuche einen Ausgleich zu meiner Arbeit und dem Stress zu finden.

Auch mein Hund ist Teil von allem dem, sie ist mehr Therapiehund als sie weiß. Früher wäre ein täglicher Spaziergang undenkbar gewesen, jetzt gehen wir bei Wind und Wetter vier mal am Tag raus. Diese Vorstellung hätte meinem Vergangenheits-Ich die Schweißperlen auf die Stirn gezaubert.
Panikattacken entstehen bei mir immer dann, wenn das Gleichgewicht nicht stimmt. Ich versuche, sie nicht nur als meinen Dämon zu sehen, sondern als Alarmsystem, welches mich warnt: Popescu, mach langsam.

Deswegen habe ich mich damals auch entschieden Vollzeitschriftsteller zu werden und den Druck von zwei Jobs nicht länger aushalten zu müssen.

Vor allem hilft es mir aber, dass meine Freunde es verstehen, mich auf Konzerte begleiten, obwohl ich manchmal mitten drinnen kurz raus muss – und sie deswegen vielleicht ihren Lieblingssong verpassen – oder mit mir in Restaurants gehen, auch wenn ich mal kurz durchatmen muss. Das Verständnis in meinem persönlichen Umfeld ist großartig. Ja, ich habe einige Bekannte verloren, die damit nicht umgehen können, aber zu wissen, dass meine fünf Punkte immer da sind, mich nicht bewerten, das hilft unheimlich.


Was kannst Du Menschen mit psychischen Problemen oder einer chronischen psychischen Erkrankung mit auf den Weg geben?

Ich glaube, das kommt immer auf den Menschen und die Krankheit an. Ich wünschte mir, die Scham vor dem Eingeständnis würde sinken. Die Akzeptanz von psychischen Krankheiten in der Gesellschaft und nicht dieses „Du bist ja nicht wirklich krank“.

Wenn ich also irgendeinen Tipp habe, dann ist es dieser hier: Sucht euch Hilfe, redet darüber.
Und an die Nicht-Betroffenen: Hört zu, hört einfach zu.

Das ist schon eine ganze Menge.


Fritzi, Basti, Tim und Sarah werden von vielen Lesern „Astronauten“ genannt, weil sie in der Astronauten Gruppe sind. Wer sind Deine Astronauten? Wie hast Du sie kennengelernt?

Meine Astronauten beruhen lose auf den Jugendlichen, mit denen ich im Vorfeld gesprochen habe, die unglaublich ehrlich waren und Dinge aus ihrem Alltag erzählt haben, die zum Teil auch im Buch auftauchen. Dazu natürlich die übliche Mischung der Charaktereigenschaften, die ich bei Freunden und mir selbst geklaut habe. Wie in all meinen Romanen, steckt auch diesmal in allen vier etwas von mir. Ich bin sehr stolz darauf, dass so viele Leser sich in diesen vier Astronauten wiederkennen – unabhängig davon ob sie nun selbst an psychischen Problemen leiden oder nicht.


Kürzlich hast Du uns auf Deinem Blog Einblick in einen offenen Brief an eine neue Protagonistin Deines aktuellen Projektes gegeben. Darfst Du schon etwas über die Geschichte verraten?

Es handelt sich bei der Geschichte um meinen ersten Erwachsenenroman seit vier Jahren und wird wieder beim Piper Verlag erscheinen. Er basiert auf meiner Abschlussarbeit meines Drehbuchstudiums und war tatsächlich mal ein Drehbuch. Inzwischen hat sich natürlich einiges verändert, denn die Story liegt seit 2005 hier, da reift natürlich noch mal einiges.

Es handelt sich um einen Roadtrip zurück zu meinen Wurzeln und wird anders, als alle bisherigen Romane. Aber natürlich hoffe ich, dass er trotzdem – oder gerade deswegen? – viele Leser begeistern wird.


Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Gesundheit. Alles andere kann man sich erarbeiten. Wenn mein Leben genau so weiterläuft wie bisher, habe ich wirklich keinen Grund zu meckern. Bis 2020 werden mich eure Bücherregale schon mal nicht los, was danach kommt? Wir werden sehen.

Vielen Dank, für Deine offenen Worte und dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. 

Donnerstag, 24. Mai 2018

Der Fürst des Nebels

Bild von Argon Verlag
Stedkbrief

Name: Der Fürst des Nebels (auch als Buch erhältlich)
Autor: Carlos Ruiz Zafon
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Menschen, die Jugendbücher mit Spannungselementen mögen
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürzte Fassung
Sprecher: Rufus Beck
Bewertung: 5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Argon Verlag

"Max und seine Familie ziehen in ein altes Haus am Meer, auf der Flucht vor dem Krieg. Hier herrscht Frieden, so scheint es zunächst. Doch schon bald legt sich ein dunkler Schatten über den Zufluchtsort, als Max erfährt, dass der Sohn der ehemaligen Bewohner unter mysteriösen Umständen ertrunken ist. Eine geheimnisvolle Macht scheint das Leben seiner Familie zu bedrohen …"


Meine Meinung 

Durch unseren Bücherstammtisch in Freiburg bin ich auf Der Fürst des Nebels aufmerksam geworden. Als ich dann auch noch gesehen habe, dass das Hörbuch von Rufus Beck vertont wurde, war es um mich geschehen.

Gestaltung
Das Hörbuch wurde in einer ungekürzten Fassung eingelesen. Der Fürst des Nebels hat eine Spieldauer von ungefähr fünf Stunden. Was ich diesmal spannend fand: Rufus Beck hat die Geschichte nicht nur eingelesen, sondern dem Outro nach zu urteilen auch Regie geführt. Ich stelle mir das ziemlich schwierig vor, da man als Regisseur mehrere Elemente im Blick haben muss. Andererseits kann es vielleicht auch ein Vorteil sein, sich nicht nach den Ideen und Anweisungen von jemand anderem richten zu müssen.

Mir tut es fast schon etwas leid, aber Rufus Beck wird den Harry -Potter-Stempel bei mir einfach nicht los. Vielleicht mag es daran liegen, das er die Charaktere in anderen Geschichten ähnlich imitiert. Wenn er Frauen und Kinder spricht, wird seine Stimme meist etwas höher.
Was ich an Rufus Beck sehr gerne mag ist, dass er männliche Charaktere oft mit bekannten deutschen Dialekten ausstattet. Hier verändert er zwar seine Stimme, sodass der Dialekt erkennbar wird, passt aber nicht die Sprache der Charaktere durch das Benutzen von Wörtern aus dem jeweiligen Dialekt an, was dafür sorgt, dass man keine Mühe hat die Charaktere zu verstehen. Das finde ich wirklich clever gelöst.

Zwischen den Kapiteln von Der Fürst des Nebels sind immer wieder Akkordeon Stücke eingeblendet. Diese geben der doch etwas gruseligen Handlung auch etwas weiches und leichtes. Es gab zum Glück nur eine Stelle, an der mich die Akkordeon Musik erschreckte. Mir gefiel das Stilmittel an sich richtig gut. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass es Hörern hilft, die noch nicht viele Hörbücher mit Spannungselementen gehört haben.

Inhalt
In Der Fürst des Nebels geht es um Max, der mit seiner Familie in ein verschlafenes Dorf zieht, um vor den Folgen des Krieges zu fliehen. Sein Vater hat sich in das Dorf und in das Haus am Strand verliebt. Doch die anderen Familienmitglieder stecken den Umzug nicht so leicht weg. Als dann auch merkwürdige Dinge in dem Haus und dem Garten vor sich gehen und Max auch noch erfährt, dass der vorherigen Besitzer au mysteriöse Weise im See ertrunken ist, ahnt er, dass es hier ein Geheimnis zu lüften gibt.

Carlos Ruiz Zafon hat die Handlungsstränge der Geschichte sehr schön miteinander verbunden. Anfangs war die Familie noch mit den Folgen des Umzugs beschäftigt. Doch das legte sich sehr schnell wieder. So wurden schnell die wesentlichen Handlungsstränge eingeleitet, die auch fließend ineinander übergingen.
Der Fürst des Nebels hat auch etwas Märchenhaftes und erinnerte mich sehr, an Rumpelstilzchen da einer unserer Charaktere vor eine ähnliche Frage gestellt wird, nämlich, welches Opfer er bringen würde, um seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt zu bekommen.
Und zum Schluss löst sich die Geschichte stimmig auf und ich bin nicht unzufrieden zurückgeblieben, wie es manchmal bei anderen Geschichten vorkommt.

Spannung
Der Autor hat den Spannungsbogen ebenfalls gut aufgebaut und kontinuierlich gesteigert. Mir wurde erzählt, dass dieses Buch Thriller Elemente enthält und ich war mir nicht sicher, ob ich wirklich das richtige Buch vor mir hatte, da die Geschichte am Anfang noch verhältnismäßig harmlos daherkam. Nach und nach steigerte sich der Spannungsbogen und mich interessierte brennend, wie unser Abenteuer endete.

Schreibstil
Wir nehmen in Der Fürst des Nebels mehrere Perspektiven ein. Alle werden aber aus der dritten Person erzählt. Im Großteil der Geschichte folgen wir Protagonist Max. Ich fand es spannend zu erleben, wie er die Geschichte wahrnimmt.
Am Schreibstil wird schnell deutlich, dass die Geschichte auch für jüngere Leser oder Hörer geeignet ist. Carlos Ruiz Zafon kennzeichnet das durch kurze Sätze und die Beziehung zwischen den Charakteren. So spielen beispielsweise Max Eltern keine wesentliche Rolle und es wird auch beschrieben, dass Max manchmal den Eindruck hat, dass sich die Rollen zwischen ihm und seinem Vater etwas vertauschen.
Den Schreibstil empfand ich als sehr angenehm. Ich kam schnell in die Geschichte rein und fühlte mich, obwohl auch etwas Schwere in der Handlung liegt, sehr wohl.

Gesamteindruck
Als mir von anderen Bücherstammtisch Mitgliedern erzählt wurde, dass es hier um einen Thriller ging, war ich neugierig auf die Geschichte, finde aber nicht, dass man Der Fürst des Nebels als Thriller bezeichnen könnte. Es hat Spannungselemente, die gut herausgearbeitet sind und neugierig darauf machen, wie die Geschichte endet. Dennoch gab es keine gruseligen Stellen, die mich verfolgten. Ich fand mehr den Rumpelstilzchen-Effekt spannend und freue mich schon, wenn wir im Bücherstammtisch darüber sprechen werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Der Fürst des Nebels zwei Facetten hervorhebt: Zum einen wird die Frage gestellt, was man für seinen sehnlichsten Wunsch geben würde und zum anderen zeigt Carlos Ruiz Zafon auch, dass man seinem Schicksal nicht entrinnen kann.


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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. 

Dienstag, 22. Mai 2018

Die letzte Stunde

Bild von
Randomhouse Audio
Steckbrief

Name: Die letzte Stunde (auch als Buch erhältlich)
Autor: Minette Walters
Verlag: RandomHouse Audio
Geeignet für: Fans von historischen Romanen oder Buchreihen
Gelesen oder gehört: gehört als gekürzte Lesung
Sprecher: Gabriele Blum
Bewertung: 2,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von RandomHouse Audio)

"Juni 1348: In England bricht die Pest aus. Binnen kürzester Zeit werden ganze Landstriche entvölkert, Angst und Panik regieren. Allein Lady Anne, die Burgherrin von Develish, bleibt ruhig. Als die Pest auch ihr Gebiet erreicht, bringt sie kurzentschlossen all ihre Schutzbefohlenen in der Burg in Sicherheit und lässt die Zugbrücke verbrennen. Nicht einmal ihren Ehemann, der von einer Reise zurückkehrt, lässt sie ein. In ihrem kleinen Reich zählen nicht mehr gesellschaftliche Konvention und Rang, sondern Einsatz für die Gemeinschaft. Als neuen Verwalter setzt Anne Thaddeus ein, den niedrigsten, aber intelligentesten ihrer Diener. Doch können sich die Burgleute gegen die Krankheit behaupten, die vor ihren Toren tobt? Gegen die Verzweifelten und Raffgierigen, die Develish angreifen? Werden die Vorräte reichen? Dann geschieht ein Mord und droht die Burggesellschaft endgültig zu zerreißen ..."


Meine Meinung 

Immer mal wieder greife ich zu einem historischen Roman. Das liegt daran, dass ich mich dafür interessiere, wie Menschen zu unterschiedlichen Zeiten gelebt haben. Je nachdem in welcher Zeit der Roman spielt, kann ich auch in den mittelalterlichen Schreibstil eintauchen. Und ich mag auch die Vermischung von fiktiven Charakteren und wahren Begebenheiten.
Als Ende April anlässlich des Sound der Bücher dann Minette Walters Die letzte Stunde verlost wurde, beschloss ich kurzerhand mich zu bewerben. Von Minette Walters hatte ich bereits viel gehört, allerdings noch nicht das Vergnügen gehabt, in eine ihrer Geschichten eintauchen zu dürfen. Das hat sich nun geändert.

Gestaltung
Gelesen wird der Auftakt der Reihe von Gabriele Blum. Sie hat zwar eine angenehme Stimmfarbe, dennoch hatte ich Mühe, mich an ihre Interpretation der Geschichte zu gewöhnen. Gleich zu Beginn wurden viele Charaktere eingeführt und leider konnte ich die wenigsten voneinander unterscheiden. Deswegen hat es ungefähr bis zur Hälfte der Geschichte gedauert, bis ich wirklich in Die letzte Stunde eintauchen konnte und mich fragte, wie das Abenteuer weiter verlaufen würde.
Bei den Dialogen zwischen den Charakteren konnte mich Gabriele Blum mit ihrer Interpretation dagegen recht gut erreichen und hier hatte ich keine Mühe ihr zu folgen.

Das Hörbuch wurde in einer gekürzten Lesung produziert. Mir machte es hier aber nicht wirklich etwas aus, da ich den Eindruck hatte, dass sich die Geschichte an einigen Stellen sehr in die Länge zog.

Inhalt
Laut dem Klappentext ist der Grundkonflikt folgender: Die Pest bricht aus und Lady Anne muss ihr Landgut und die ihr anvertrauten Leibeigenen vor der Seuche schützen. Sie bringt ihre Dorfbewohner kurzerhand auf dem Gelände ihres Hofes unter und schottet die Dorfgemeinschaft so vor dem Rest der Außenwelt ab. Das dient aber nur dem Sinn, die Seuche zu überleben.

Allerdings wird schnell klar, dass die Geschichte aus mehreren Handlungssträngen besteht: Während wir zu Beginn noch miterleben, wie sich die Dorfbewohner gegen die Pest wappnen, wird schnell klar, dass auch die Konflikte zwischen den Dorfbewohnern eine große Rolle spielt. So hat Lady Anne beispielsweise eine Tochter, die mitten in der Pubertät steckt und gerade fleißig beginnt, sich ihrer Mutter zu widersetzen. Konflikte sind hier also vorprogrammiert. Und die Beziehung zwischen dne beiden war einer der Konflikte, die ich persönlich am interessantesten fand.
Hinzu kommt auch ein Mann, der unehelich geboren wurde, der aufgrund der Pest eine wichtige Stellung auf dem Hof erhält, was einige Dorfbewohner nicht gerne sehen. Und als dann auch noch ein Mord passiert, kommt die Geschichte richtig ins rollen.

Minette Walters führt zu Beginn der Geschichte viele Charaktere ein. Hier hatte ich Mühe zu erkennen, wer für den Verlauf der Handlung wichtig war und wer nur die Rolle eines Nebencharakters einnehmen sollte. Ich war fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die Sache mit der Pest den Großteil der Geschichte einnimmt. Allerdings löst sich dieser Handlungsstrang leider mehr oder weniger von selbst auf und die Konflikte unter den Dorfbewohnern nehmen immer mehr Raum ein. An sich ist das auch verständlich, da hier der Auftakt einer Reihe eingeführt wird. Dennoch waren viele Szenen dabei, die ich eher augenrollend hinnahm, weil ich sie als etwas klischeehaft empfand oder gar nicht wissen wollte wer hier mit wem in irgendeiner Weise zusammenkommt.

Spannung
Mir war der Spannungsbogen nicht gleichmäßig genug aufgebaut. Entweder stieg die Spannung rasant an oder die Geschichte plätscherte so dahin. Gerade nachdem der Mord passierte, wünschte ich mir, dass beispielsweise mehr herausgearbeitet werden würde, wer wen verdächtigte und warum. Beide Handlungsstränge - die Sache mit der Pest und der Mord - schienen nur vorübergehend wichtig zu sein.
Sehr gut gefallen hat mir aber, dass es bei Die letzte Stunde keinen Cliffhanger gibt und die Geschichte an sich geschlossen ist. Es gibt zwar offene Fragen, diese sind aber nicht so gehalten, dass ich deren Antwort unbedingt erfahren muss.

Schreibstil
Zu Beginn der Geschichte war ich von Minette Walters Schreibstil sehr angetan, weil er die damalige Zeit gut transportiert. So wird Lady Anne beispielsweise von ihrer Tochter gesiezt. Zudem flechtet die Autorin Worte ein, die wunderbar zu dem historischen Element passen, heute aber nicht mehr verwendet werden.
Allerdings fehlte mir die Entwicklung in der Geschichte und im Schreibstil.

Gesamteindruck
Es tut mir wirklich leid, dass ich mich nicht wirklich für Die letzte Stunde begeistern konnte. Gerade, weil ich das Hörbuch im Rahmen eines Gewinnspiels gewonnen habe, wäre es wahrscheinlich schöner gewesen, wenn mir die Geschichte besser gefallen hätte.

Minette Walters hat hier eine solide Geschichte geschaffen, die mich aber nicht packen konnte. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass Lesern von historischen Romanen oder Fans der Autorin der Auftakt dieser Reihe vielleicht mehr liegt.

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* Dieses Hörbuch wurde mir im Rahmen eines Gewinnspiels auf LovelyBooks kostenlos zur Verfügung gestellt. 

Sonntag, 20. Mai 2018

SuB Geheimnisse Part 4 - Fantasy Teil 2

Hallo Buchlinge,

neulich habe ich euch via Social Media gefragt, welche Podcast Folgen ihr gerne hören wollt. Und einige von euch waren an einer SuB Podcast Folge interessiert. Heute spreche ich mit euch also über die zwei Hörbücher auf meinem Fantasy SuB, die mich am meisten interessieren.




SuB Fantasy Teil 1 (Blogartikel): https://bit.ly/2Gxjk0E

SuB Geheimnisse Part 1 Abenteuer (XXL Podcast): https://youtu.be/7sKP9zF-iXI

SuB Geheimnisse Part 2 Biografien: https://bit.ly/2IQalwT

Rezension von Selection Band 1: https://bit.ly/2wUVfS7

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Besprochene Hörbücher:

Das Labyrinth der träumenden Bücher: https://bit.ly/2wVX9lj
Die Tribute von Panem: https://bit.ly/2IyGK7Y

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Inhaltsverzeichnis 

00:00 Min: Willkommen und Einstieg in die Folge
01:19 Min: Das Labyrinth der träumenden Bücher Inhalt
02:21 Min: Das Labyrinth der träumenden Bücher Hörprobe
05:36 Min: Infos und Meinung zur Hörprobe
07:09 Min: Die Tribute von Panem
08:37 Min: Die Tribute von Panem Hörprobe
12:01 Min: Infos und Meinung zur Hörprobe
13:06 Min - Schluss: Verabschiedung

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Welche Fantasy Schätze befinden sich auf eurem Stapel ungelesener oder ungehörter Hörbücher? 


Freitag, 18. Mai 2018

Red Rising

Bild von
Heyne fliegt
Steckbrief 

Name: Red Rising (auch als Hörbuch erhältlich)
Autor: Pierce Brown
Verlag: Heyne fliegt
Geeignet für: Menschen, die gerne Dystopien oder Sciene-Fiction Romane mögen, die nicht der Norm entsprechen
Gelesen oder gehört: gelesen als Hardcover Buch
Bewertung: 3 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Heyne fliegt

"Wenn du Gerechtigkeit willst, musst du dafür kämpfen!

Der junge Darrow lebt in einer Welt, in der die Menschheit die Erde verlassen und die Planeten erobert hat. Bei der Besiedlung des Mars kommt ihm eine wichtige Aufgabe zu, das jedenfalls glaubt Darrow, der in den Minen im Untergrund schuftet, um eines Tages die Oberfläche des Mars bewohnbar zu machen. Doch dann erkennt er, dass er und seine Leidensgenossen von einer herrschenden Klasse ausgebeutet werden. Denn der Mars ist längst erschlossen, und die Oberschicht lebt in luxuriösen Städten inmitten üppiger Parklandschaften. Sein tief verwurzelter Gerechtigkeitssinn lässt Darrow nur eine Wahl: sich gegen die Unterdrücker aufzulehnen. Dabei führt ihn sein Weg zunächst ins Zentrum der Macht. Der unerschrockene Darrow schleust sich in ihr sagenumwobenes Institut ein, in dem die Elite herangezogen wird. Denn um sie vernichtend schlagen zu können, muss er einer von ihnen werden …"

Meine Meinung 

Dieses Buch habe ich dank unserem Bücherstammtisch gelesen. Wir haben einen Bücherkreis. Hier hat jeder ein Buch mitgebracht, das man unbedingt gelesen haben sollte. Und diese Bücher routieren momentan. Und ich war richtig glücklich 558 Seiten innerhalb eines Monats gelesen zu haben. 

Gestaltung 
Ich habe die Hardcover Ausgabe gelesen und hatte, um ehrlich zu sein, etwas Angst um das Buch. Warum? Ich befürchtete, dass ich es irgendwann unabsichtlich durchbreche. Jedenfalls gab es beim Lesen spannende Geräusche von sich. Es lässt sich allerdings sagen, dass das Buch bei mir überlebt hat.
Die Schriftgröße war recht klein, allerdings konnte das durch die Schriftart wieder etwas ausgeglichen werden. Die Buchstaben schienen in einer recht fetten Schrift und waren somit einigermaßen gut lesbar. 
Zudem fand ich es sehr angenehm, dass Absätze in den Kapiteln eingebaut waren. Was mich am Anfang etwas verwirrte war, dass die Gedanken unseres Hauptcharakters Darrow fließend ineinander übergehen und ein neuer Gedanke nicht immer in einer neuen Zeile zu finden war. 

Inhalt 
Ich habe vorher keinen Blick auf den Klappentext geworfen und stelle fest, dass dieser ziemlich viel von der Geschichte vorweg nimmt. Ich wusste zu Beginn der Geschichte nicht was mich erwartete, ahnte aber schnell, dass es auf eine Revolution hinauslaufen könnte. 

Darrow lebt mit seinem Volk, den Roten, unter der Erde des Mars. Sie sind die ersten Pioniere und sollen den Mars für die Menschen bewohnbar machen. Dieser Gedanke, dass alle irgendwann friedlich auf diesem Planeten leben können, motiviert Darrow zu Beginn der Geschichte. Doch dann macht er eine grausige Entdeckung, die sein Leben auf den Kopf stellt. 

Was mir hier sehr gut gefallen hat war, dass es sich bei Red Rising um keine typische Dystopie handelt. Meist läuft es schnell auf einen Klassenkampf heraus, in dem viel Blut vergossen wird. Gewalt spielt hier zwar ebenfalls eine große Rolle, jedoch kommt die eigentliche Mission im ersten Band der Trilogie nur bedingt in Gang. Darrow muss nämlich erst eine harte Schule durchlaufen. Und erst danach kann er mit der eigentlichen Mission beginnen. 

Allerdings kann ich mich dem Red Rising Hype leider nicht ganz anschließen: Die Gesellschaftskritik wird in diesem Buch zwar angedeutet, jedoch bleibt mir Pierce Brown zu sehr auf der Gewaltebene hängen. Ich hätte mir gewünscht, dass er die ethischen Fragen mit dem Gewaltthema verknüpft. Hingegen hatte ich eher den Eindruck, dass die ethischen Fragen eher am Rande thematisiert werden und es viel Interpretation und Diskussion braucht, um zu erkennen, was Pierce Brown eigentlich sagen möchte. und das fand ich schade, weil ich so den Eindruck hatte, das mir der Kern der Geschichte verborgen geblieben ist. 

Zudem störte mich die Verknüpfung der Handlungsstränge: Ich kenne es normalerweise von Büchern, dass Protagonisten mehrere Möglichkeiten haben, Probleme zu lösen und wir als Leser die Option haben, einige der Möglichkeiten zu erkennen und Theorien aufstellen zu können, für welche Möglichkeit sich unser Protagonist entscheidet. Darrow hingegen verkündete, dass er einen Plan habe. Wir mussten aber erst warten, bis der Plan in Gang kam und konnten diesen Plan erst dann verstehen, wenn dieser von A bis Z ausgeführt war.
An sich ist das ein abwechslungsreiches Stilmittel. Andererseits erinnerte es mich ein bisschen an meine ersten Schreibversuche, in denen ich mir noch nicht so viel Gedanken machte, wie man Handlungsstränge verstrickt, sondern viele Sätze mit Und plötzlich passiert Situation Z einleitete. 

Spannung 
Pierce Brown braucht etwas, bis er die Geschichte in Gang bringt. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir erst einmal Darrows normales Leben kennenlernen müssen, um dann zu begreifen, wie sich sein Leben ändert und was er aufgibt. Nach den ersten 120 Seiten kommt es aber Schlag auf Schlag und der Spannungsbogen ist kontinuierlich da. Gerade auf den letzten 100 Seiten konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen, weil mich das Ende der Geschichte brennend interessierte. Toll finde ich, dass es keinen Cliffhanger gibt und Red Rising, obwohl es sich hier um den Auftakt einer Trilogie handelt, auch als Einzelband behandelt werden kann. 

Schreibstil
Pierce Brown hat einen Schreibstil, den ich nicht ganz einordnen kann. Anfangs kam mir sein Schreibstil sehr distanziert vor, was daran liegt, dass Darrow mit seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden war. Nach und nach beginnt er aber sein Leben zu hinterfragen und so verändert sich auch der Schreibstil von Pierce Brown. Interessant finde ich es auch, dass er verschiedene Gesellschaftsschichten in Red Rising beschreibt und somit seinen Schreibstil auch an die höheren Schichten anpassen muss. Und das gelingt ihm sehr gut, ohne, dass wir das Gefühl haben, jetzt in einem historischen Roman gelandet zu sein. Nebenbei erwähnt hat er ein paar echt amüsante Dialoge geschrieben, die mich gut unterhalten haben. 

Gesamteindruck 
Ich habe schon sehr viel von Red Rising gehört und war wirklich gespannt, wie mir der Auftakt der Trilogie gefällt. Ich finde das Buch hat einige Schwächen. Dennoch hatte ich angenehme Lesestunden und war von der Geschichte fasziniert. Ein paar Charaktere habe ich ins Herz geschlossen und fand es schade, sie auf dem Mars zurücklassen zu müssen. 
Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass ich erst einmal eine Pause brauche, bevor ich mich dem nächsten Band widme.

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Weitere Meinungen 
Gedaneknfunken

Mittwoch, 16. Mai 2018

10 Jahre Freiheit

Bild von HörbuchHamburg
Steckbrief

Name: 10 Jahre Freiheit (auch als Buch erhältlich)
Autor: Natascha Kampusch
Verlag: HörbuchHamburg
Geeignet für: Menschen, die Biografien mögen und sich für psychologische Phänomene interessieren
Gelesen oder gehört: gehört in ungekürzter Fassung
Sprecher: Sascha Icks
Bewertung: keine Angabe


Klappentext

(von HörbuchHamburg)

"Natascha Kampusch erzählt von ihrem Leben nach der Flucht

Am 23. August 2006 endete eine der spektakulärsten Entführungen in der jüngeren Geschichte. Natascha Kampusch gelang die Flucht aus dem Kellerverlies, in dem sie über acht Jahre eingesperrt war. Darüber hat sie ein viel beachtetes Buch geschrieben. Zehn Jahre nach der Selbstbefreiung gewährt sie Einblick in ihr Leben nach der Flucht. Sie erzählt von ihren Erfahrungen, bitteren und schönen, von ihren Träumen und Alpträumen, von ihrem Alltag. Und davon, dass sie sich für traumatisierte Jugendliche engagiert und hofft, damit auch das eigene Trauma zu überwinden."


Meine Meinung 

Vorabinformation: Ich verzichte aus zwei Gründen auf eine Bewertung: Zum einen handelt es sich hierbei um eine Biografie und da finde ich es nicht gerechtfertigt das Leben bzw. die Darstellung von Erlebnissen eines anderen Menschen zu bewerten. Zumal es sich hier um die Verarbeitung eines Verbrechen handelt, bei dem es schön gewesen wäre, wenn es nie stattgefunden hätte.
Zum zweiten muss sich Natascha Kampusch schon mit mehr als genug Bewertungen und Projektionen herumschlagen.

Gestaltung
Sascha Icks führt uns durch 10 Jahre Freiheit. Sie greift die Emotionen der Biografie wunderbar auf. Auf der einen Seite, der Hass und das Unverständnis das Natascha Kampusch teilweise von der Bevölkerung entgegengebracht wird. Und auf der anderen Seite ihr Wunsch, ein normales Leben führen zu können und nicht ständig mit der Entführung in Verbindung gebracht zu werden. Und an manchen Stellen schaffte es Sascha Icks auch, die Zerbrechlichkeit in Worte zu fassen, die im Raum lag.

Was mich an der Hörbuch Gestaltung etwas verwirrte, war die Chronologie am Ende des Hörbuchs. Natascha Kampusch bezieht sich im Laufe ihres Berichtes zwar immer wieder auf die Chronologie, mir fehlte aber hier und da etwas die Übersicht. Da hätte ich es etwas praktischer gefunden, wenn die relevanten Daten am Anfang eines Kapitels kurz aufgezählt worden wären. Allerdings hat die Chronologie am Schluss meinen Hörfluss nicht negativ beeinflusst.

Inhalt / Spannung
Dieses Hörbuch beweist, was passiert, wenn Menschen projiziere, weil sie die Wahrheit nicht ertragen können. Es war wirklich erschreckend, was Natascha Kampusch in 10 Jahre Freiheit erzählt hat. Sie muss sich immer noch mit Anschuldigungen auseinandersetzen, die völlig an den Haaren herbeigezogen sind.

Umso beeindruckender fand ich es, wie reflektiert Natascha Kampusch damit umgeht. Natürlich verletzen sie die Worte, aber sie versteht auch, dass viel mit Projektion zu tun hat. Ich habe hauptsächlich zu dem Hörbuch gegriffen, weil ich sie als Menschen etwas besser kennenlernen und hören wollte, wie sie die Entführung erlebt hat und wie ihr Leben jetzt aussieht. Und meine Fragen wurden in 10 Jahre Freiheit größtenteils beantwortet.

Schreibstil
Wie oben bereits geschrieben, wirkt Natascha Kampusch sehr reflektiert und um einiges reifer, wie andere in ihrem Alter. Das macht sich in ihrem Schreibstil bemerkbar, der ziemlich präzise und nicht ausweichend ist. Sie teilt in 10 Jahre Freiheit offen ihre Gedanken über das Leben, ihre Situation während und nach der Entführung mit. Allerdings macht sie hierbei auch deutlich, dass es auch Grenzen gibt, die niemanden etwas angehen, was auch mehr als nachvollziehbar ist.

Gesamteindruck
10 Jahre Freiheit ist ein sehr bewegender Auszug einer Biografie. Auszug deshalb, weil Natascha Kampusch Leben ja weitergeht und die Biografie damit stetig weitergeschrieben wird. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Medien so eine präsente Rolle in ihrem Leben einnehmen und das obwohl sie nicht darum gebeten hat.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir hier sehr viel über unsere Mitmenschen lernen und auch sensibler für unser Gegenüber werden können.

Montag, 14. Mai 2018

Verdammt, wer soll das alles lesen?




Hallo Buchlinge,

das Jahr schreitet voran und ich bin immer noch dabei die letzte Frankfurter Buchmesse nachzubereiten. (Es waren eindeutig zu viele spannende Veranstaltungen).
Heute geht es um das Thema Selfpublishing und die Frage, wer das alles überhaupt lesen soll. Leider war ich nicht elbst bei der Veranstaltung, habe aber Skyara beauftragt mir Notizen mitzubringen. Und für mich steht fest: Wenn es bei zukünftigen Buchmessen Veranstaltungen mit Annika Bühnemann geben wird, bin ich sehr wahrscheinlich dabei.

Bei diesem Artikel handelt es sich also um die Notizen, die mir aus der Veranstaltung mitgebracht wurden. Es kann also gut sein, dass nicht alle Aspekte in diesem Artikel auftauchen.


Über Annika Bühnemann 

Annika Bühnemann ist Gründerin der Website vomschreibenleben Bisher veröffentlichte sie Liebesromane, plant 2018 aber einen rasanten Genrewechsel nämlich hin zu Psychothrillern. Außerdem fasziniert sie das Thema Marketing: Wie baut man sich als Marke auf? Wie kann man seine Zielgruppe erreichen?
Rund um das Thema Marketing hält sie Vorträge und Workshops, beispielsweise im Rahmen der Frankfurter Buchmesse.


Zur Veranstaltung 

Das richtige Cover und die Frage nach dem Genre
Zuerst geht Annika Bühnemann anhand eines Beispiels auf das Zusammenspiel zwischen dem Buchcover und dem Klappentext eines Romans ein. Kann man hier schon Rückschlüsse auf das Genre ziehen, in dem die Geschichte spielt? Welche Zielgruppe wird hier angesprochen?

Annika Bühnemann wählte ein Beispiel, das uns bewusst macht, was passiert, wenn eine Eingrenzung des Genres fehlt. Das sorgt dafür, dass das Buch mit Genres konkurriert, die inhaltlich überhaupt nichts miteinandner zu tun haben.
Der Titel sollte etwas über das Genre oder den Inhalt der Geschichte verraten.
Der Klappentext soll die Neugier wecken.

Ein wirklich gutes Buch 
Bevor ihr euch um das Marketing kümmern könnt, ist es wichtig, erst einmal das fertige Manuskript zu haben. Annika betont hier: "Stellt sicher, dass ihr ein wirklich gutes Buch habt!"
Hier müsst ihr leider etwas Geld in ein Lektorat, ein Korrektorat und einen Coverdesigner investieren. Aber es wird sich lohnen. Annika plant bei ihren Projekten ungefähr 1000 Euro ein.. Dieses Geld nimmt sie auch wieder ein. Allerdings braucht das auch ein paar Monate.

Warum Marketing?
Der Selfpublishing Bereich ist in den letzten Jahren ziemlich gewachsen und wird zunehmend unübersichtlicher. Marketing hilft dabei, dass eigene Buch hervorzuheben und zu begründen, warum sich das eigene Buch von den anderen Büchern aus demselben Genre abhebt. Hierbei ist es wichtig, das eigene Genre und die Zielgruppe eingrenzen zu können. Mit Genre eingrenzen ist nicht etwa die Angabe von Fantasy gemeint. Optimal ist es, wenn man seinen Roman schon dem Untergenre von beispielsweise Fantasy zuordnen kann.

Wie finde ich meinen Leser bzw. meine Zielgruppe? 
Annika erklärt, dass es verschiedene Herangehensweisen gibt, um die Zielgruppe zu bestimmen. Nicht jede Option passt zu jedem Autor. Deswegen ist es wichtig, dass man sich das Instrument heraussucht, das einem selbst auch liegt.

Als Merkmal führt sie hier die 80% Regel ein: Wer sind 80% deiner Leser?

Eingrenzen nach Alter: Dein Buch ist für Leser von 12-17 Jahren geeignet. Natürlich kann es auch ältere Leser geben, die dein Buch ansprechen wird. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit eher geringer. Diese Einteilung passt aber nicht auf alle Romane.

Frage nach dem Geschlecht: Auch hier ist es möglich, das auch das andere Geschlecht zum Buch greift.

Eingrenzen nach Medium: Wenn man nur eBooks veröffentlicht, spricht man auch automatisch nur eBook Leser an.

Wer ist meine Konkurrenz?
Das eigene Buch kann mit der Konkurrenz verglichen werden im Sinne von: Wer Harry Potter mag, wird mein Buch mögen.

Was lesen meine Leser? 
Diese Frage ist etwas kniffliger zu beantworten. Man hat hier eine großen Vorteil, wenn man bereits veröffentlicht und Bücher verkauft hat. Man kann sich also anschauen, wer die Käufer waren.
Annika gesteht, dass man beim ersten Buch auch etwas raten muss. Allerdings ist es möglich die Angaben im Nachhinein anzupassen, wenn man beispielsweise merkt, dass man Leute anspricht, die das Buch gar nicht lesen sollten.

Ein großer Vorteil sind hier Facebook Gruppen und Buchblogs. Allerdings ist es wichtig, dass einem die Medien auch liegen. Bei Facebook gibt es viele Gruppen für Buchliebhaber. Bei Buchblogs kann man beobachten, was der Blogger liest und wer dort kommentiert. So kann man Rückschlüsse auf die eigene Zielgruppe ziehen.

Inspiration von anderen Autoren 
Es ist auch immer wieder spannend, sich Autoren aus demselben Genre anzuschauen und deren Marketing Strategie zu beobachten. Auf welchen Netzwerken sind sie unterwegs? Welche Art von Beiträgen veröffentlichen sie dort?

Vermarktung des Buches vs. Marke als Autor? 
Ich denke, der Unterschied zwischen den beiden Herangehensweisen ist klar. Annika erklärt, dass der Vorteil an Autoren- bzw. Personenmarketing ist, dass die Leser wissen, was sie an dem Autor haben. Man braucht zwar einen langen Atem, es kann aber gut sein, dass die Leser einem auch bei einem Genrewechsel begleiten.
Der Schwerpunkt der Veranstaltung war aber das Buchmarketing:

Social Media: 
Annika betont, dass man kein Social Media brauche, um das eigene Buch zu verkaufen. Allerdings ist es deutlich schwieriger, die Leser über andere Wege zu erreichen.

Eigene Website 
Wichtig ist hier, die Über mich Seite. Hier geht es darum, die Zielgruppe anzusprechen. Hier ist es wichtig, sich zu fragen, was den Leser interessieren könnte. Die erste Frage, die sich der Leser vermutlich stellt: Passt der Autor zu mir oder nicht? Passen seine Bücher zu mir?
Erwähnt werden darf auch ruhig, wie man zum schreiben gekommen ist. Auf der Über mich Seite soll die Zielgruppe auch klar eingegrenzt werden, damit der Leser weiß, woran er ist. Der Vorteil ist, dass man so auch die Leser behält, die sich für den Autor oder das Genre interessieren.

Blogs für Autoren?
Man braucht keinen Blog. Wichtig ist, sich darüber klarzuwerden, dass bloggen sehr zeitintensiv ist und man regelmäßig Beiträge veröffentlichen sollte. Und hierfür braucht man auch erzählenswertes.

Umgang mit der Presse 
Annika empfiehlt Interviews vor der Veröffentlichung immer noch einmal Korrektur zu lesen. So können inhaltliche Missverständnisse vermieden werden.

Zusammenfassung - Auf einen Blick
Positionierung: Was will ich bieten? Wen soll das ansprechen?
Klare Kommunikation: In welchem Genre bin ich zu finden?
Hier kommt das rein, was für den aktuellen Roman wichtig ist.

Vier Ks:
Kennenlernen: Wer ist die Zielgruppe? Wen will ich ansprechen?
Kommunikation: Was biete ich an? Was für ein Buch habe ich hier? An wen richtet sich das Buch?
Kontaktaufbau: Tretet mit euren Lesern in Kontakt. Wenn ihr das nicht wollt, beauftragt eine Agentur, die euer Marketing übernimmt.
Kontinuität: Wenn ihr euch auf eine Marketingstrategie einigt, zieht diese auch kontinuierlich durch und veröffentlicht regelmäßig Beiträge, tretet mit Lesern in Kontakt usw.


Meine Meinung zur Veranstaltung 

Zuerst war ich etwas skeptisch und fragte mich, ob es mir im Nachhinein wirklich etwas bringen sollte, die Veranstaltung nachzuarbeiten. Schließlich wusste ich nicht, ob ich den Inhalt trotzdem nachvollziehen konnte. Ihr kennt das sicher auch: Ihr sitzt in einer Veranstaltung, schreibt euch dann einen Stichpunkt auf der in diesem Moment vollkommen Sinn ergibt. Drei Monate später zerbrecht ihr euch dann den Kopf darüber und fragt euch, was zum Henker ihr damit aussagen wolltet.
Ich bin total begeistert, wie gut ich diese Veranstaltung nacharbeiten konnte. Zudem war Annika Bühnemann auch wirklich sehr präzise in dem was sie erzählt. Ich habe schon häufiger Marketing Veranstaltungen besucht. Und immer wurde von dem großen Begriff Zielgruppe geredet, aber niemand verriet, wie man sie denn aufbauen könnte. Hier bekam man konkrete Tipps an die Hand. Und selbst, wenn man mit keinem der Punkte etwas anfangen konnte, regten sie die eigene Kreativität an, um selbst Ideen zu entwickeln.

Didaktisch (dieses Wort klingt so professionell...) fand ich auch ziemlich gut, dass Annika Bühnemann zu Beginn der Veranstaltung ein Beispiel einführt, auf das sie immer wieder zurückkommt und mit dem sie die Zwischenschritte gut zusammenfassen kann. Hier wird deutlich, dass sie Erfahrung darin hat, Workshops und Vorträge zu halten.

Zusammenfassend kann ich sagen: Ein oder mehrere Besuche auf ihrer Website oder ihrem YouTube Kanal lohnen sich auf jeden Fall.

Samstag, 12. Mai 2018

Neues aus dem Hörverlag #3

Hallo Buchlinge,

bei Twitter habe ich euch wieder einmal gefragt, welche Podcast Folge ihr als nächstes hören wolltet. Und glücklicherweise waren wir diesmal einer Meinung.
In der dritten Folge von Neues aus dem Hörverlag spreche ich über Wie man die Zeit anhält von Matt Haig und über Frank Schätzings Tyrannei des Schmetterlings.

Ich wünsche euch gute Unterhaltung!



Vorgestellte Hörbücher:

"Wie man die Zeit anhält": https://bit.ly/2ItyaKY
"Die Tyrannei des Schmetterlings": https://bit.ly/2G5DXkq

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Inhaltsverzeichnis

00:00 Min: Herzlich willkommen!
00:44 Min: Wie man die Zeit anhält
01:29 Min: Hörprobe
06:29 Min: Meinung zur Hörprobe
08:41 Min: Die Tyrannei des Schmetterlings
09:21 Min: Die Tyrannei des Schmetterlings Hörprobe
14:03 Min: Meinung zur Hörprobe
 16:40 Min: Abschluss und Fragen an euch

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Kennt ihr eines der Hörbücher? 
Was haltet ihr von den Sprechern und den Autoren? 


Mittwoch, 9. Mai 2018

Safehouse - Entstehung und Spielbericht

Hallo Buchlinge,

letztes Jahr wurde auf der Frankfurter Buchmesse das Spiel Safehouse präsentiert. Die Idee lieferte Sebastian Fitzek. Bei der Umsetzung bekam er aber Verstärkung von Spieleautor Marco Teubner und Illustrator Jörn Schollmann.

Zuerst erzähle ich euch von der Entstehung des Spiels. Meine Informationen habe ich auf der Veranstaltung bekommen, die im Rahmen der Frankfurter Buchmesse stattfand.

Ge(h)folge Mitglied Skyara hat sich das Spiel gekauft. Daher gibt es im Anschluss unseren chaotischen Spielbericht inklusive einer kleinen Bewertung. Einen Nachmittag haben wir uns intensiv mit Safehouse beschäftigt. Und danach waren wir fix und fertig: Mit der Welt, dem Spiel einfach allem.


Safehouse - Die Entstehung 

Sebastian Fitzek erzählte, dass er bei der Recherche zum Thema Zeugenschutz auf die Idee von Safehouse kam. Hier dachte er sich, dass sich die Idee auch sehr gut als Spiel umsetzen lassen müsste. Und am liebsten wollte er dieses Spiel im moses Verlag unterbringen. Da er aber keine Ahnung hatte, was es brauchte, um ein Spiel zu entwickeln, tat er sich mit Marco Teubner, einem bekannten Spieleautor und dem Illustrator Jörn Schollmann zusammen. Bei der Zusammenarbeit haben sich die drei gegenseitig inspiriert. Alle drei könnten sich eine weitere Zusammenarbeit vorstellen, solange sie das entwickelte Spiel nicht nochmal testen müssten.

Foto: A.Mack
Die Idee
Die Spieler beobachten einen Mord in einem Hotel. Nun müssen sie ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden, welches sich im Safehouse befindet. Um das Safehouse erreichen zu können, müssen fünf Spielebenen durchspielt werden. Man hat 30 Minuten Zeit, um alle Spielebenen zu durchspielen Wenn die Zeit aber abgelaufen ist, hat man verloren.
Alle drei erklärten, dass das Spiel von seinen Regeln her nicht schwer zu verstehen ist. Die Schwierigkeit läge mehr in den verschiedenen Stufen.

Die Entwickler wiesen darauf hin, dass man verschiedene Aufgaben verteilen muss. Es sei sehr wichtig, dass man gut überlegte, wer welche Aufgabe bekomme, um im Spiel gut vorankommen zu können.

Besonderheit beim Spiel - Herangehensweise 
Die Besonderheit bei Safehouse ist, dass man nicht gegeneinander sondern gemeinsam spielt. Sebastian Fitzeks Idee war es ursprünglich, eine Konkurrenzsituation zu schaffen und somit zu erfragen, wer es als erstes ins Safehouse schafft. Teubner erklärte dann aber, dass beim Spielen die Gemeinschaft im Vordergrund stehe und es somit spannender sei, ein Ziel gemeinsam zu erreichen, als gegeneinander spielen zu müssen.

Man kann also gemeinsam gewinnen, aber auch verlieren. Und alle drei teilten übereinstimmend mit, dass sie sehr oft verloren hatten und das Spiel ganz bestimmt nicht noch einmal spielen wollten, was natürlich scherzhaft gemeint war. (Schon da hätten Skyara und ich eigentlich hellhörig werden können).

Zum Spiel wurde auch eine App entwickelt, welche einen Spiele Soundtrack bot. In einem gewissen Zeitabstand war in der Melodie ein Horn zu hören, was den Spielern sagte, dass die Spielfigur des Mörders auf dem Spielbrett einen Schritt vorwärts gehen dürfe. Man wurde akustisch auf die Hälfte der Zeit und die abgelaufene Zeit hingewiesen.

Reiz des Spiels 
Hier betonten alle drei wieder, dass der Reiz darin bestehe, gemeinsam das Ziel zu erreichen. Außerdem habe man das Gefühl, gehetzt zu sein und zusammenarbeiten zu müssen.

Die Spielentwicklung
Man habe hier sehr knapp kalkuliert. Sie hatten zwei Monate Zeit, um das Spiel zu entwickeln. Die Dauer sagt aber dennoch nichts über die Qualität aus.

Muss man Sebastian Fitzeks Bücher gelesen haben, um Safehouse spielen zu können? 
Diese Frage kann ganz klar mit Nein beantwortet werden. Das Spiel enthält hier und da nette Elemente für Fitzek Fans, setzt aber kein Wissen bestimmter Bücher voraus.

Kurzmeinung zur Veranstaltung: Obwohl auf dem Spiel der Name Sebastian Fitzek steht, bekamen bei diesem Termin alle drei Entwickler genügend Raum sich und ihre Arbeit vorzustellen. Das hat mir sehr gut gefallen, weil so betont wurde, dass Sebastian Fitzek Safehouse nicht alleine entworfen hat. Außerdem war es sehr amüsant ihnen dabei zuzuhören, wie sie von der Spieleentwicklung und den Spielversuchen erzählten. Ich hätte mir bei dem Termin aber gewünscht, dass man die Regeln etwas genauer erklärt. Ich hatte hier das Gefühl, dass viel angedeutet wurde, ich danach aber nicht wirklich schlauer war. Daher habe ich hier die Spieleidee und die Regeln kurz dargestellt.


Safehouse - Die Spielregeln 




Unser Spielbericht 

Skyara hatte das Spiel bereits vorbereitet. Das Feld war aufgebaut und die Karten gemischt. Auch die App war problemlos gefunden und versetzte und sofort in Thriller Stimmung. Ich vermute ja, dass man den Soundtrack auch wunderbar beim schreiben einer Hausarbeit hören kann, um den Stress noch weiter zu erhöhen und hoffentlich bald zum Ende zu kommen.

Es wurde allerdings sehr schnell recht hektisch. Karten mussten abgelegt werden. Man musste sich gegenseitig absprechen und durfte die Zahlen, die man auf der Hand hatte nicht laut sagen, sondern musste sich Codewörter dafür ausdenken. Und hier tüfelten wir wirklich eine Weile herum, wie wir das am besten machten, nur um damit zum Schluss doch jeder seine eigene Geheimsprache hat.

Wenn das Horn ertönte, zuckten wir alle zusammen, der gut gefüllte Stresspegel stieg noch weiter an und wir fühlten uns nicht nur gehetzt, sondern waren auch verzweifelt, da wir uns fragten, ob oder wie wir es jemals ins Safehouse schaffen konnten.
Nach vielen Stunden harter Arbeit und einem nach oben geschraubten Zeitplan erreichten wir das Safehouse dann ... entkräftet, müde aber zufrieden, das Spiel geschafft zu haben.

Kommen wir nun zu unserer Bewertung: Wir haben uns hier ein paar Punkte ausgedacht, nach denen wir das Spiel gerne beurteilen möchten.

Spaßfaktor: 6,5 - 7 von 10 Punkten 
Das Spiel erinnerte das Ge(h)folge etwas an Cluedo, nur minimal schlechter. Wenn man eine gute Kommunikation und einen schnellen visuellen Überblick hat, kommt man im Spiel auch gut voran. Isona und emion gehörten eher zu der 6,5 Punkte Fraktion während Skyara für 7 Punkte war. Ich hingegen entscheide mich ebenfalls eher für 6-6,5 Punkte.

Bild von: A. Mack
Stress Faktor: 37,7 von 10 Punkten
Wir alle empfanden das Spiel als ziemlich stressig. Isona meinte, dass läge hauptsächlich daran, dass wir auf Zeit spielen mussten und eine halbe Stunde für das Durchqueren aller Spielebenen auch sehr knapp bemessen sei.

Idee des Spiels: 8,5 von 10 Punkten 
Die Grundidee, dass man gemeinsam ein Ziel erreichen sollte, gefiel uns allen ziemlich gut. Außerdem fanden wir es gut, dass uns nicht alle Informationen von unseren Mitspielern bekannt sind.

Umsetzung: 3 - 4 von 10 Punkten 
Die Umsetzung hingegen, erlebten wir als sehr chaotisch. Wir hatten Stunden damit verbracht, die einfachste Variante zu spielen und haben dennoch sehr oft verloren. Meist kamen wir nicht über die ersten zwei Spielebenen hinaus. Das Blöde war, dass es nicht etwa daran lag, dass wir schlecht spielten und somit durch unser Zutun etwas daran hätten ändern können.
Zudem stellten wir übereinstimmend fest, dass eine halbe Stunde eindeutig zu knapp bemessen war, um alle Spielebenen zu durchspielen. Wir waren mehr damit beschäftigt, Karten abzulegen und Felder umzuklappen, als Zeit dafür zu finden, einen Fall zu lösen.
Ich war etwas enttäuscht, weil ich eigentlich dachte, dass das Spiel eine Art Geschichte enthielt und man auf den unterschiedlichen Spielebenen auch verschiedene Informationen bekam, um das Rätsel um den Mord zu lösen. Uns wäre aber auch überhaupt keine Zeit geblieben, ein Rätsel zu lösen, falls es eine Geschichte gegeben hätte.

Zeitaufwand: 3 von 10 Punkten 
Zum einen braucht es eine kleine Vorbereitungszeit, das Spiel aufzubauen und vorzubereiten. Während des Spielens müssen viele Karten sortiert und regelmäßig gemischt werden. Außerdem braucht man erst etwas Zeit, um in das Spiel reinzukommen. Safehouse ist also definitiv kein Spiel für zwischendurch.

Spieldauer: 30 Minuten 
Insgesamt sind zwar 30 Minuten Spielzeit angesetzt, jedoch ist es sehr unwahrscheinlich, dass man diese erreicht. Meist fliegt man vorher raus. Daher haben wir die Vorbereitungszeit mit eingerechnet.

Barrierefreiheit: 2 von 10 Punkten 
Hier bewerte ich ausschließlich, ob das Spiel für Blinde und Sehbehinderte geeignet ist. Andere Behinderungen kann ich aus mangels an Erfahrung leider nicht miteinbeziehen.

Leider ist es nicht möglich, dieses Spiel sehbehinderten- bzw. blindentauglich umzubauen. Da es sich nicht nur um ein reines Kartenspiel handelt, sondern man auch einen Spielstein auf den Feldern bewegen muss, reicht es nicht aus, die Karten einfach nur in Punktschrift (Blindenschrift) zu beschriften. Bei einigen Kartenspielen steht neben den wichtigen Informationen der Spielkarte noch das Logo des Spiels auf der Karte, das natürlich nicht mit in Punktschrift übertragen werden muss. Hier hingegen ist jede noch so kleine Information auf der Spielkarte wichtig, da man Safehouse in verschiedenen Varianten spielen kann. Deshalb würde der Platz auf der Karte auch gar nicht ausreichen, um diese ordentlich beschriften zu können.

Zudem geht es bei dem Spiel hauptsächlich um Geschwindigkeit und visuelles Verständnis. Um schnell voranzukommen, ist es notwendig, sich nonverbal verständigen zu können, um so nicht viel erklären zu müssen.
Das Ge(h)folge spielte auch zwei Runden ohne mich und kam deutlich schneller voran, da keine Zeit drauf ging, um beispielsweise erklären zu müssen, welche Karten benötigt werden.

Konstruktive Kritik:
emion hatte die Idee, dass man ein Spiel entwickeln könnte, mit dem man anhand von zu erfüllenden Aufgaben eine Geschichte erzählt. Das Umblättern findet dann statt, wenn ein neues Kapitel der Geschichte erreicht ist. Der Vorteil an dieser Methode wäre, dass man Handlungsstränge durch die verschiedenen Spielebenen miteinander verbinden könnte.


Und Du? 

Ist Safehouse bereits bei Dir eingezogen hat und hat sich bei den Spieleabenden etabliert?


Montag, 7. Mai 2018

Wir gehen zur Love Letter Convention nach Berlin!

Bild von Love Letter Convention
Hallo Buchlinge,

Skyara hat dieses Jahr eine Mission: Sie kehrt den Buchmessen den Rücken und macht dafür die Love Letter Convention in Berlin unsicher. Und diesmal tauschen wir die Rollen und ich bin ihr Ge(h)folge...


Was ist die Love Letter Convention?

Der Mai steht in Berlin im Zeichen der Liebesromane. Jährlich findet hier ein Festival statt, in dem LeserInnen und AutorInnen zusammenkommen und sich über ihr Lieblingsgenre austauschen können. Sowohl nationale als auch internationale AutorInnen sind hier vertreten.

Zuerst war ich etwas unsicher, ob das Programm überhaupt etwas für mich sein würde. Schließlich lese ich keine reinen Liebesromane. Aaaber die LitLove hat mir ja auch schon ziemlich gut gefallen. Und ich wollte unbedingt wieder gemeinsam mit Skyara eine Literaturveranstaltung unsicher machen.


Unsere Highlights 

Das Programm verteilt sich auf zwei Tage. Wir sind an beiden Tagen von Anfang bis zum Schluss anwesend, da wir am Sonntag einen Nachtzug zurücknehmen. (Es wird ein Wochenende mit sehr wenig Schlaf...).

Es gibt im Grunde keinen Programmpunkt der uns gar nicht interessiert. Dennoch haben wir euch eine kleine Liste mit unseren Highlights zusammengestellt.


Samstag und Sonntag 

ab 8:00 Uhr: Good Morning Coffee 
Das Gute ist: Skyara ist gesprächig genug für uns beide :-)


Samstag 12.05. 


Skyaras Must have 
Wann: 9:00 Uhr
Was: International Romance Moderation: Annie West Mit: Poppy J. Anderson, Susan Carlisle, Joanne Grant (Harlequin), Katharina Schmidt (LYX), Nalini Singh
Wo: Aula 

Emmas Musthave 
Wann: 10:00 Uhr 
Was: Round Table (Deutsch) Verlag vs. Selfpublishing Moderation: Carolin Reif (Neobooks) Mit: Poppy J. Anderson, Iris Kirberg (BoD), Tina Köpke, Marah Woolf
Wo: Lounge 

Es kann aber gut sein, dass wir den Termin nicht schaffen, weil Skyara nämlich folgendes Must Have hat. 

Wann: 11:00 Uhr 
Was: Q&A (Englisch) Mit: Nicole Leclercq & Nalini Singh
Wo: Haus 1, 1. OG, Raum 112

Emmas tendenzielles Musthave
Wann: 14:00 Uhr 
Was: Panel (Deutsch) Liebe auf Reisen – Traumziele im Liebesroman Moderation: Poppy J. Anderson Mit: Johanna Danninger, Frieda Lamberti, Karen Lindberg, Isabell May, Sarah
Wo: Aula 

Emmas Musthave 
Wann: 15:00 Uhr 
Was: Workshop (Deutsch) Mitten ins Herz – Lieblings-Szenen die berühren Mit: J. Vellguth
Wo: Haus 1, 2. OG, Raum 123

Skyaras Musthave 
Wann: 15:00 Uhr 
Was: Workshop (Deutsch) Mein Auftritt – Tipps für eine tolle Ausstrahlung und eine innere Gelassenheit Mit: Greta Niels
Wo: Haus 1, 2.OG, Raum 129

Skyaras Musthave 
Wann: 16:00 Uhr 
Was: Panel (Englisch) Historical vs. Paranormal/Fantasy Moderation: Terri Osburn Mit: Amanda Bouchet, Brenda Hiatt, Ella Quinn, Nalini Singh
Wo: Aula 

Wann: 17:00 Uhr 
Was: Spiel (Deutsch) Klappentext-Bingo Moderation: Alexandra Panz (LYX), Katharina Schmidt (LYX) Mit: Emmy Abrahamson, Emily Bold, Laura Kneidl, Ellen McCoy, Kim Nina Ocker, Vanessa Sangue, J. Vellguth
Wo: Lounge 

Wann: 18:30 - 20:00 Uhr 
Was: Get-together für Blogger & Autoren
Wo: Aula 


Sonntag 13.05. 

Emmas Musthave 
Wann: 9:00 Uhr 
Was: Workshop (Deutsch) Liebesgeflüster – Bücherpodcasts für Anfänger Mit: Lisa Engels (One Verlag)
Wo: Haus 1, 2.OG, Raum 129

Skyaras Musthave 
Wann: 11:00 Uhr 
Was: Meet & Greet (Englisch) Mit: Ella Quinn, Nalini Singh, Annie West
Wo: Zelt 

Skyaras Musthave 
Wann: 12:00 Uhr 
Was: Panel (Deutsch) Klartext – Sexismus, Rassismus & Gewalt im Liebesroman Moderation: Amy Baxter Mit: Annika Hartmann (be), Laura Kneidl, Tina Köpke, Kim Nina Ocker, Vanessa Sangue
Wo: Aula 

Unser Musthave: 
Wann: 14:00 Uhr 
Was: Workshop (Deutsch) Nebencharaktere an die Macht Mit: Sarah Saxx & J. Vellguth
Wo: Haus 1, 2. OG, Raum 123 

Skyaras Musthave 
Wann: 16:00 - 18:00 Uhr 
Was: Signierstunde 
Wo: Aula 


Und ihr? 

Seid ihr in Berlin auch dabei? 
Falls ihr uns vor Ort entdeckt, dürft ihr uns gerne ansprechen oder Skyara den bedeutungsvollen Ich-will-mit-euch-reden-Blick zuwerfen.