Samstag, 28. April 2018

Ge(h)dacht - Macht uns Bildung zu besseren Menschen?

Hallo Buchlinge,

Ende Februar habe ich Elena Ferrantes neapolitanische Saga beendet. Ein zentrales Thema dieser Reihe ist die Bildung: Wie wichtig ist Bildung wirklich? Wie viel kann man durch Bildung bewegen? Macht uns die klassische Bildung wirklich zu besseren Menschen?

In Elena Ferrantes Buchreihe wurde das Thema Bildung anhand verschiedener Aspekte beleuchtet und ziemlich ausführlich dargestellt. Einige dieser Aspekte werde ich in meinem Artikel aufgreifen.

Immer wieder sind mir Menschen begegnet, die Ungebildete belächelten, also Leute, die nicht den klassischen Bildungsweg gewählt und konsequent mit einem Studium beendet haben.
Sie hätten ja keine Ahnung von der Welt und vom Leben, weil sie ja nichts im klassischen Sinne gelernt haben. Und genau solche Ansichten nerven mich tierisch. Als ich dann auf Elena Ferrantes neapolitanische Saga stieß und mitbekam, dass auch ihr die ein oder anderen Aspekte nicht entgangen sind, war die Idee für diesen Artikel geboren.

Hinweis: Um meine Meinung besser belegen zu können, werde ich einige Szenen aus den Büchern beschreiben müssen. Wer die Reihe also noch nicht gelesen hat und die Aspekte lieber selbst entdecken möchte, sollte sicherheitshalber die Finger von meinem Artikel lassen.

Wer sich aber für meine Thesen interessiert und gespannt ist, welche Belege ich hierfür in der Reihe gefunden habe, ist herzlich eingeladen, weiterzulesen.

Einige der Überschriften sind eher plakativ und wahrscheinlich weniger ernstzunehmend anzusehen. Ich wünsche dennoch gute Unterhaltung :)


Zur Buchreihe 

Die Freundinnen Elena und Lila wachsen in ärmlichen Verhältnissen in einem Randbezirk von Neapel auf. Beide Freundinnen besuchen die Grundschule und haben gute, bis sehr gute Leistungen. Sie sind ehrgeizig und wissbegierig. Doch Lilas Eltern halten es nicht für notwendig, dass ihre Tochter eine weiterführende Schule besucht. Elenas Eltern können gerade so von einer Lehrerin überzeugt werden, Elena auf eine weiterführende Schule zu schicken.

Elena arbeitet sich von der Realschule bis hin zum Abitur und einem Studium hoch, während sich Lilas Welt hauptsächlich in ihrer Heimat, dem Rione, abspielt. Doch beide Freundinnen verlieren sich nicht aus den Augen.


Bildung als Wettbewerb? 

Schon im ersten Band der neapolitanischen Saga wird deutlich, dass sich Elena und Lila ständig miteinander vergleichen. Wenn es ein Gebiet gibt, auf dem die eine punkten kann, braucht die andere ein neues Territorium. Die Idee nur etwas wert zu sein, wenn man auch etwas oder am besten viel weiß, wird hier geboren. Und gerade Elena findet sich hier sehr wieder.

Immer wenn Elena glaubt, endlich etwas wert zu sein, bringt Lila etwas hervor, dass Elena klein aussehen lässt. Warum? Darüber können wir nur spekulieren. Als der Machtkampf in der Schule von Lilas Eltern gebremst wird, sucht sich Lila andere Statussymbole aus, um zu beweisen, dass sie es zu etwas gebracht hat. Welche das sind, das müsst ihr selbst herausfinden.

Doch wer glaubt, dass sich Lila in ihrem Leben innerhalb des Riones wohlfühlt, täuscht sich. Während sie nach außen hin stark wirkt und deutlich macht, was sie will, gibt es immer wieder Momente, in denen deutlich wird, an wem sie sich wirklich orientiert.

"Wer bin ich, wenn du nicht gut bist? Wer bin ich dann?"
Die Geschichte der getrennten Wege von Elena Ferrante 

Während ich lange Zeit dachte, dass Elena ihren Selbstwert an Lila misst, wurde mir nach diesem Zitat klar, dass es auch genauso gut anders herum sein könnte. Lila ist eine starke Persönlichkeit. Man meint, sie hat ihr Leben im Griff. Deswegen hat es mich als Leserin manchmal wahnsinnig gemacht, mitansehen zu müssen, wie sehr sich Elena an Lila orientiert. Als ich dann bemerkte, dass diese Orientierung auf Gegenseitigkeit beruht, stellte mich das auch minimal zufrieden.


Bildung und Autorität 

Buchlinge, ihr kennt es vielleicht: Je weiter man im klassischen Bildungsweg gekommen ist, desto mehr Ansehen genießt man. Doktoren werden beispielsweise ganz anders behandelt, als ein Sozialarbeiter, der zwar einen Bachelorabschluss, aber eben keinen Doktortitel hat.

Als Elena die weiterführende Schule besucht, lernt sie Leute aus anderen Kreisen Neapels kennen. Gleichaltrige, die sich bisher keine Sorgen um Bildung oder Geld machen mussten. Und so wird sie eines Tages auf eine Party bei ihrer Leherin eingeladen. Unsicherheit macht sich breit: Was ist, wenn sie der Gruppe nicht genügt?

"Er war der Erste, der mir zeigte, wie angenehm es ist, in eine fremde und womöglich feindliche Umgebung zu kommen und festzustellen, dass dein guter Ruf dir voraus geeilt ist."
Die Geschichte eines neuen Namens von Elena Ferrante 

Hier lernt Elena einen großen Vorteil der Bildung kennen: Viele Menschen interessiert nur das, was du weißt, aber nicht, was für ein Mensch du bist.
Elena ist nicht ohne Grund auf die Party eingeladen worden: Ihre Lehrerin schwärmt für Elenas Aufsätze und macht kein Geheimnis daraus. Hier wird Elena also das erste Mal eine Autorität zugeschrieben. Sie als Mensch scheint sekundär zu sein, was ihr in diesem Moment noch nicht bewusst ist. Erst einmal genießt sie es nur, sich nicht beweisen zu müssen, sondern zu wissen, dass man sie mit offenen Armen empfängt. 

Autorität kann aber auch dazu führen, dass man sich hinter ihr oder dem gelernten Wissen versteckt.

"Dieser Mann strahlte Autorität aus, auch wenn Autorität eine Fassade ist und es manchmal nicht viel braucht, um sie, und sei es nur für Minuten, bröckeln zu lassen, sodass dahinter ein anderer, weniger erfreulicher Mensch zum Vorschein kommt."
Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante 

Hier wird deutlich, dass Elena mittlerweile zwischen dem Menschen an sich und der Autoritätsperson unterscheidet. Nebenbei erwähnt: Nur weil jemand Autorität ausstrahlt, muss das nicht heißen, dass er wirklich vom Fach ist.

Und das sagt mir: Nur weil jemand Experte für sein Fachgebiet ist, heißt das nicht, dass ihm eine allumfassende Autorität zusteht. Dass seine Meinung in jedem Bereich mehr zählt, als die Ansicht eines Menschen, der, von seinem Bildungsweg betrachtet, vielleicht ein paar Stufen tiefer zu finden ist.

Jahre später genießt Elena auch in ihrer Heimat, dem Rione, hohes Ansehen. Sie hat es zu etwas gebracht. Sie kennt wichtige Menschen und weiß viel. Als sie eines Tages wieder von einer Bewohnerin in den Himmel gelobt wird, stellt sie sich folgende Frage:  

"Wie kann ich dieser Frau nur erklären, überlegte ich, dass ich seit meinem siebten Lebensjahr eine Sklavin von Buchstaben und Zahlen bin."
Die Geschichte der getrennten Wege von Elena Ferrante

Selbst zu denken ist anstrengend 

"Die große Masse der Gebildeten kommentiert Zeit ihres Lebens nur faul die Ideen anderer."
Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante 

Ich kann mich noch gut an die ersten Wochen meines Studiums erinnern. Hier und da hatte ich das Gefühl, mir eröffnen sich neue Welten. Ich entdeckte Ansichten, Methoden, Philosophien über die man wunderbar diskutieren konnte. Ich habe das neue Wissen aufgesogen und versucht mit meinen Ansichten zu vergleichen.

Nach und nach stellte ich aber fest, dass uns zwar viele Philosophien vorgestellt wurden, es aber nichts gab, was daran anknüpfte. Es ging nicht darum, die vorgestellten Ansichten infrage zu stellen oder weiterzuentwickeln, sondern einzig und allein darum, diese zu begreifen und nachvollziehen zu können.

Auch in den meisten Fachbüchern ist es nicht anders. Autoren fassen die Ansichten von anderen, vielleicht angeseheneren, Wissenschaftlern zusammen. Im besten Fall kommentieren sie diese Zitate und schmücken das eben gesagte noch einmal besser oder verständlicher aus. In vielen Büchern habe ich aber den Eindruck, dass es sich nicht um ein Fachbuch, sondern mehr um eine Ansammlung an Zitaten handelt. (Dennoch ist auch das ein ziemlicher Arbeitsaufwand, der nicht abgewertet werden soll).

Einerseits konnte ich diese Art des (wissenschaftlichen) Vorgehens nachvollziehen. Warum muss man das Rad neu erfinden, wenn es bisher doch super funktioniert hat? Andererseits stellte ich fest, dass es mir zu wenig war und ich mich beispielsweise in den Vorlesungen darauf freute, wenn Dozenten Beispiele aus der Praxis einfließen lassen konnten. Dann kamen sie nämlich auf Inhalte zu sprechen, deren Theorie zwar vorgegeben war, aber deren Praxis von ihren eigenen Erfahrungen geprägt war.

Nun spannen wir aber den Bogen zum obigen Zitat: Dieses Zitat ist eines meiner Lieblingszitate aus der neapolitanischen Saga. Zum einen, weil ich merkte, dass es noch jemandem so erging, wie mir und zum anderen, weil unsere Protagonistin Elena diesen Gedanken auch noch ausspricht und sich nicht davor fürchtet, man würde sie danach weniger ernst nehmen. 

Auch ihre Freundin Lila kommt zu einer ähnlichen Erkenntnis. Allerdings stellt diese fest, dass das Nicht-selbst-Denken wollen, nicht etwa aus Faulheit passiert, sondern, weil man es nicht anders gelernt hat.

"Sie tun das, weil sie da geboren sind. Aber in ihrem Kopf haben sie nicht einen eigenen Gedanken. Nicht einen, den sie sich erarbeitet haben. Sie wissen alles und wissen nichts."
Die Geschichte eines neuen Namens von Elena Ferrante 

Wenn du nichts weißt, bist du auch nichts wert 

Wie im ersten Abschnitt bereits angedeutet, ist Bildung auch eng mit dem Selbstwert eines Menschen verknüpft. Man wird anders angeschaut, wenn man einen Doktortitel im Ausweis vorzeigen kann.

Wir reisen zurück zu der oben beschriebenen Party. Elena durfte eine Freundin mitbringen. Und natürlich hat sie sich für Lila entschieden. Während sich Lila im Rione selbstbewusst bewegt, hatte Elena Angst, dass sie auch auf der Party schnell alle Blicke auf sich ziehen und alle Gäste um sich scharen würde. Doch da hat sie sich getäuscht:

"Sie wurde behandelt, als könnte sie so etwas nicht begreifen. Sie wollten sie nicht, wollten überhaupt nicht wissen, was für ein Mensch sie war."
Die Geschichte eines neuen Namens von Elena Ferrante 

Während schnell philosophisch, politische Diskussionen in Gang kommen, steht Lila unsicher daneben. Schließlich verfügt sie nicht über Fachwissen, um sich an den Gesprächen beteiligen zu können. 
Dieses Zitat zeigt deutlich, dass man sich nicht für Lilas Meinung interessiert. Elena ist im Fokus, weil sie diejenige, mit den guten Aufsätzen ist. Elena wird bewusst - wobei hier nicht ganz klar ist, ob es schon im Moment, oder erst im Nachhinein war - dass das Mensch sein hier nichts wert war. 


Bildung schützt nicht vor Dummheit 

Nun kommen wir zu einem der Dialoge, die der Grund für diesen Artikel sind. Erst einmal muss ich hierfür auf die gesellschaftlichen Unterschiede eingehen: Elena kommt aus einer Gegend, in der Streitigkeiten lautstark und emotional ausgetragen werden. Man hielt seine Emotionen nicht zurück, brüllte und schlug auch schon mal, wenn es eben sein musste. Mit Argumenten kam man hier nicht weit. Meist behielten diejenigen Recht, welche die höhere Autorität hatten. Bezogen auf Elenas Familie waren das ganz klar ihre Eltern.

Durch Elenas Schulbildung lernte sie, auch andere Arten der Diskussion kennen. So heiratete sie einen Mann, in dessen Familie auch diskutiert und gestritten wurde. Allerdings nicht laut und ausfallend, sondern ruhig und sachlich.
Elena fühlte sich bei ihren Schwiegereltern anerkannt. Ihre Schwiegermutter öffnete ihr beruflich wichtige Türen. Doch als der Bruch mit ihrem Ehemann droht, zeigt sich deutlich, dass Bildung nicht vor Dummheit schützt. Dieser Dialog spielte sich zwischen Elena und ihrer Schwiegermutter ab:

"Nein, ich bin wirklich auf deiner Seite gewesen. Aber im Rahmen einer Abmachung, die du hättest einhalten müssen."
"Was denn für eine Abmachung?"
"Die bei deinem Mann und den Kindern zu bleiben."
[...]
"Ich werde dir alles wegnehmen, was ich dir gegeben habe."
Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante

Neben dem ganzen Wissen was einem durch die Bildung vermittelt wird, lernen wir auch, zu reflektieren. Und zwar nicht nur, Philosophien und Ansichten verschiedener Wissenschaftler, sondern im besten Falle auch die Einstellungen bezogen auf das eigene Leben. 

Hier müssen wir feststellen, dass Elenas Schwiegermutter in ihrer Vorstellung von Richtig und Falsch gefangen ist. Wer sich nicht an ihre Vorstellung von einem korrekten Leben hält, hat es auch nicht mehr verdient, unterstützt und gefördert zu werden. Dass sich Gefühle, oder Dinge auch ändern können und man sich neu sortieren muss, scheint für Elenas Schwiegermutter nicht zu zählen. Wenn wir uns ihre gesellschaftliche Position anschauen: Sie hat studiert und einen einflussreichen Job in einem Verlag.

Und dennoch schützen all ihr Wissen und ihre berufliche Erfahrung sie nicht davor, im eigenen Weltbild gefangen zu sein. Ziel der Bildung sollte es doch eigentlich sein, die eigene Position stehen lassen zu können und sich den Standpunkt von jemand anderem anschauen und kritisch hinterfragen zu können. Leider scheint das bei der guten Frau nicht funktioniert zu haben. 


Bildung vs. nicht Bildung? Was denn nun? 

Bisher habe ich versucht, die Vor- und Nachteile von Bildung zu beleuchten. An welcher Stelle nützt uns Bildung und wo beginnt der Mensch, sich hinter seinem Wissen zu verstecken? Im zweiten Teil des Artikels soll es um die Frage gehen, welche Vorteile Menschen haben, die noch nicht von Bergen von Wissen beeinflusst sind.


Den Menschen so nehmen, wie er ist 

Elena hat es gewagt. Sie hat ihren Mann verlassen und ist mit ihrer Jugendliebe zusammengekommen. Doch ihr neuer Partner hat auch im Rione keinen guten Ruf. Als sie eines Tages mit ihm im Rione auftaucht, inszeniert Lila ein Zusammentreffen mit alten Freunden. Doch dort macht Elena eine ungewöhnliche Feststellung. 

"Keiner der Anwesenden, obwohl sie nicht die geringste Sympathie für Nino bekundeten, deutete eine Kritik an der Kehrtwende in meinem Gefühlsleben an. Nicht einmal mit einem Blick oder einem Grinsen."
Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante 

Elena hat etwas geschafft, wovon viele Menschen im Rione träumen. Sie hat einen Weg heraus aus der Armut gefunden und einen Mann mit einer guten Position geheiratet. Da wäre es doch also logisch gewesen, wenn man ihr es dann vorhält, den Mann zu verlassen. Doch im Rione empfing man sie und Nino mit offenen Armen und freute sich, dass sie wieder einmal vorbeischaute. Im Gegensatz zu Elenas Schwiegereltern konnten die Bewohner des Rione ihre eigene Abneigung gegenüber Nino hinten anstellen und sich für Elena freuen.


Die Menschen auf das Wesentliche reduzieren 

Buchlinge, vielleicht kommt euch das folgende Beispiel etwas bekannt vor: Ihr sitzt in einer Lehrveranstaltung oder einem Vortrag. Der Referent spricht über ein Thema und ihr merkt, dass ihr nicht den Hauch einer Idee habt, worum es eigentlich geht. Dann beginnt ihr langsam abzuschweifen und andere Dinge wahrzunehmen: Seine Sprache, die Gestik. Oder ihr achtet vielleicht darauf, wie der Referent seine Thesen begründet.
Und genau das macht Lila in der neapolitanischen Saga. Sie gibt sich nicht mit ausgeschmückten Formulierungen zufrieden. Es interessiert sie nur, was Menschen tun und nicht das, was sie sagen.

Lila war eine Zeit lang in einer schwierigen Situation. Sie arbeitete in einer Fabrik und musste sich und ihren Sohn über die Runden bringen. In den 70er Jahren gab es in vielen Ländern Bewegungen, die sich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen auflehnten. So geriet auch Lila in so eine Bewegung. Diese wurde allerdings nicht von den Arbeitern angeführt, sondern von den Akademikern. Als Lila in eine Aktion mit hineingezogen wurde, machte man ihr in der Fabrik unmissverständlich klar, dass man sie unter diesen Umständen nicht länger dulden könnte. Da ging sie in die Vollen und suchte diejenigen auf, die sie in diese Lage gebracht hatten:

"Und wenn ich meine Arbeit verliere, komme ich her und wohne hier. Ihr gebt mir was zu essen und die Verantwortung für mein Leben übernehmt dann ihr?"
Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante 

Dieses Zitat zeigt mir, dass sich Lila sehr wohl über ihre Position bewusst ist. Sie weiß, dass sie sich um sich selbst kümmern muss und sich nicht auf Andere verlassen kann. Außerdem klagt sie diejenigen an, die nicht weitergedacht haben. Revolutionen sind ja schön und gut, aber nicht, wenn die Drahtzieher ungeschoren davonkommen.
Immer wieder heißt es, dass Ungebildete keinen Schritt weiterdenken. Lila beweist hier etwas anderes.

Ich habe bereits schon mehrfach von der Party erzählt, auf die Elena und Lila eingeladen wurden Hier kam Lila zu folgender Erkenntnis:

"Kein einziges Wort von dem was sie gesagt haben, war zu verstehen. Sie haben sich nicht einmal untereinander verstanden."
Die Geschichte eines neuen Namens von Elena Ferrante

Und Elena erkannte, dass ihre Freundin die wesentlichen Dinge erfasste, ohne jemals ein Gymnasium oder eine Universität von innen gesehen zu haben. 

"Ich wollte anerkennen, dass sie schon von klein auf alles begriffen hatte, ohne Neapel je zu verlassen."
Die Geschichte der getrennten Wege von Elena Ferrante

Mein Fazit 

Buchlinge, im schlimmsten Fall seid ihr nun hier unten angekommen und fragt euch wutentbrannt, was ich eigentlich von euch will. Schließlich kritisiere ich Bildung, gehe in diesem Artikel aber genauso vor, wie es uns beigebracht wurde:

Ich brauche eine Buchreihe, die mir Zitate liefert, damit ich meine eigene Meinung belegen kann. Und das nur, weil ich bei der Vorbereitung des Artikels gemerkt habe, dass mich wahrscheinlich kein Mensch ernst nimmt, wenn ich meine Meinung einfach so niederschreibe, ohne irgendwelche Belege für meine Thesen zu liefern. Selbst, wenn es sich hierbei nur um eine fiktive Geschichte handelt.

Mir war und ist es wichtig zu betonen, dass Bildung im Prinzip nicht schlimm ist, sie uns aber nicht etwa zu besseren Menschen macht. Durch Bildung erlangen wir vielleicht mehr theoretisches Wissen als andere Menschen. Dennoch schützt uns Bildung nicht davor, Fehler zu machen oder Menschen zu verletzen.

Ich möchte Studenten oder Akademiker keinesfalls abwerten. Schließlich bin ich auch kurz davor, mein Studium erfolgreich zu beenden. Es hat mich viel Arbeit gekostet, hebt mich aber dennoch nicht von anderen Menschen ab, die kein Studium absolviert haben.

Für mich geht es im Leben nicht darum, was Menschen wissen, sondern was sie tun und wie sie ihrem Gegenüber begegnen. Sind sie in ihren eigenen Wertevorstellungen gefangen und können daher gar keine neuen Sichtweisen annehmen? Schaffen sie es über ihren eigenen Tellerrand hinauszublicken? Und das sind Fähigkeiten, die unabhängig von einem klassischen Bildungsweg erreicht werden können.

Ich hoffe, ihr versteht nun ein bisschen besser, was ich zu Beginn des Artikels meinte. Ich möchte diesen Beitrag mit einem letzten Zitat beenden:

"Ihr Lehrer gebt so viel aufs Lernen, weil ihr damit euer Brot verdient. Aber lernen nützt gar nichts. Es macht einen auch nicht zu einem besseren Menschen."
Die Geschichte der getrennten Wege von Elena Ferrante


Und Du? 

Was denkst Du über diesen Artikel?

Donnerstag, 26. April 2018

Jugendbücher und Philosophie - Hörmonat April Part 1

Hallo Buchlinge,

bei Twitter und Facebook habe ich euch kürzlich gefragt, welche Podcast Folge ich als nächste produzieren soll. Zwei unterschiedliche Netzwerke ergaben zwei verschiedene Antworten. Da der Hörmonat wieder etwas länger geworden ist, habe ich ihn etwas aufgespart.

In dieser Podcast Folge rede ich über Sofies Welt, ein Hörspiel nach dem Roman von Jostein Gaarder, Camp 21 von Rainer Wekwerth und Mein Sommer auf dem Mond von Adriana Popescu.
Ich wünsche gute Unterhaltung!



Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 

00:00 Min: Ansage
00:38 Min: Sofies Welt Inhalt
01:17 Min: Sofies Welt Hörprobe
03:00 Min: Meinung zum Hörspiel
05:18 Min: Camp 21
10:41 Min: Mein Sommer auf dem Mond
19:03 Min: Abschied und Fragen an euch

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Welche Bücher oder Hörbücher habt ihr diesen Monat beendet? 
Kennt ihr eines der vorgestellten Bücher bzw. Hörbücher? 

Dienstag, 24. April 2018

Mein Sommer auf dem Mond

Bild von cbj
Steckbrief 

Autor: Adriana Popescu 
Verlag: cbj Verlag 
Geeignet für: Jugendliche und Fans der Autorin 
Gelesen oder gehört: gelesen, als Paperback 
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 



Klappentext 

(von cbj Verlag

"Manchmal muss man einmal zum Mond reisen und wieder zurück, um zu erfahren, wohin man wirklich gehört

Cooler Sportler, niedliche Träumerin, lässiger Underdog und freche Sprücheklopferin – alles nur Fassade ...

und die müssen Fritzi, Bastian, Tim und Sarah aufgeben, als sie mit ihren tiefsten Geheimnissen im Therapiezentrum auf Rügen landen. Einen lebensverändernden Sommer lang werden die vier vom Schicksal zusammengewürfelt und ordentlich durchgeschüttelt. Dabei wachsen sie über sich hinaus, finden ihr wahres Selbst, großen Mut und entdecken die erste wahre Liebe ..."


Meine Meinung 

Gestaltung
Das Cover zu Mein Sommer auf dem Mond ist schlicht gestaltet. Wir sehen vier Charaktere, die in verschiedenen Posen auf einer mondähnlichen Landschaft stehen. Die Personen stehen einander zugewandt, was ebenfalls ein schönes Element ist, weil es zeigt, dass Interaktion und Gemeinschaft hier eine große Rolle spielen könnten.
Über ihnen steht in orangefarbener Schrift der Titel des Romans.

Auch in dem Buch werden verschiedene Stilmittel eingebaut: Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: Nämlich aus Fritzis und Bastis Sicht. Beide machen sich viele Gedanken über ihr Leben, die momentane Situation und ihre Mitmenschen. Und hier sind sie innerlich oft hin- und hergerissen. Und diese inneren Dialoge werden in verschiedenen Schriftarten dargestellt. So wurde der Unterschied zwischen den dunklen und die guten Gedanken optisch gut hervorgehoben. Was mich besonders gefreut hat: Ich konnte alle Schriftarten ohne Probleme lesen.

Inhalt / Spannung
In Mein Sommer auf dem Mond lernen wir vier Jugendliche mit psychischen Problemen kennen. Sie besuchen in den Sommerferien mehr oder weniger freiwillig ein Therapiezentrum auf Rügen und werden hier in die Gruppe der Astronauten gesteckt. Dabei könnten sie nicht unterschiedlicher sein: Fritzi, die eigentlich Franziska heißt, zwar immer einen schlagfertigen Spruch auf Lager hat, aber bei genauerem Hinschauen gar nicht so selbstsicher wirkt.
Tim, der Fußballer, der beteuert, seine Eltern würden ihn hier schon bald wieder raus holen,
Sarah, die am liebsten im Erdboden versinken möchte und Basti, den keiner von den anderen so richtig einordnen kann.
Als sie dann auch noch alle vier in der Segelgruppe landen, wird ihnen klar, dass sie wohl oder übel miteinander auskommen müssen. Doch das ist gar nicht so leicht, wie gedacht.

Am Anfang hatte ich Mühe, in die Geschichte reinzukommen. Zum einen lag das daran, dass mich Fritzi etwas in die Irre geführt hat. Ich durfte sie schon in der Kurzgeschichte Schöne Grüße vom Mond kennenlernen und hatte hier den Eindruck, ein recht introvertiertes Mädchen vor mir zu haben. Und dann war ich überrascht, wie offen sie mir auf Rügen begegnete. Und das obwohl nicht einmal ihre beste Freundin wusste, wo sie die Sommerferien verbrachte.
Zum anderen dauerte es etwas, bis wir alle vier Charaktere kennenlernen oder beobachten konnten, wie sie aufeinander reagieren.

Doch als die Fronten geklärt waren und wir unsere vier Astronauten kannten, konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Mich interessierte, was die vier Jugendlichen nach Rügen verschlagen hatte. Natürlich hatten sie hier und da ihre Eigenarten, kamen mir aber andererseits auch nicht so vor, als kämen se im Alltag nicht zurecht. Und gerade das ist eines der wesentlichen Aspekte von psychischen Erkrankungen: Nicht immer sieht man sie den Leuten an. Und das sorgt häufig für Irritationen beim Gegenüber.

Wir erleben in Mein Sommer auf dem Mond nicht nur, wie sich die Astronauten mit sich selbst auseinandersetzen müssen, sondern auch, wie sie auf die Gruppe reagieren. Wie gehen sie mit Konflikten um? Was denken sie über ihr Gegenüber?
Toll fand ich hier, dass die wesentlichen Gespräche unter den Jugendlichen selbst stattfanden und das nicht in einem therapeutischen Setting geschah. Nur durch die Gespräche miteinander hatten die Astronauten die Möglichkeit, über ihr Verhalten nachzudenken. Und dieses Element zeigt wunderbar, was passieren kann, wenn man sich traut, über seine Probleme zu sprechen.

Kürzlich teilte Adriana Popescu auf ihrem Twitter Account, die Worte einer Leserin. Diese sagte sinnbildlich, dass sie es schön fand, dass die Jugendlichen in Mein Sommer auf dem Mond nicht auf ihre Erkrankung reduziert werden, sondern auch Jugendliche mit ganz normalen Problemen sein dürfen. Die erste Liebe, die Frage nach der eigenen Identität wie z.B. Wer bin ich und wer will ich sein? gingen hier fließend in die krankheitsspezifischen Themen über. Ohne, dass eines von beiden zu sehr überwog.

Die Handlungsstränge sind gut miteinander verwoben. Ich war mir erst unsicher, ob vier Protagonisten für die Geschichte nicht zu viel sein könnten. Obwohl wir Mein Sommer auf dem Mond aus der Sicht zweier Charaktere erzählt bekommen, ist es dennoch so, dass alle Charaktere genügend Raum kriegen. Zudem waren die Probleme, wegen denen sie im Therapiezentrum sind, sehr realistisch gewählt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich hier viele Leserinnen und Leser wiederfinden werden.

Schreibstil
Bisher kannte ich Adriana Popescu als eine Autorin mit einem lockeren, lebendigen und vor allem lustigen Schreibstil. Daher war ich wirklich gespannt, wie sie sich dieser Geschichte nähert. Und was soll ich sagen? Der Spagat zwischen Tiefe und Leichtigkeit ist der Autorin hier wirklich gut gelungen. Sie erzählt die Geschichte der Astronauten mit einer Ernsthaftigkeit an der richtigen Stelle, aber auch mit einer Leichtigkeit, ohne die Geschichte dadurch herunterzuspielen.

Gesamteindruck
Ich war unglaublich gespannt auf Mein Sommer auf dem Mond, da die Autorin auf ihren Social Media Kanälen vorab schon ein paar Infos herausgab, wie beispielsweise, dass es sich bei der Geschichte um ein sehr persönliches Buch handelt. Außerdem ist Mein Sommer auf dem Mond im Vergleich zu ihren anderen Jugendbüchern, eine Geschichte, die sich einem Thema widmet, über das in unserer Gesellschaft leider noch viel zu wenig gesprochen wird. Nämlich psychische Probleme oder Langzeiterkrankungen.

Wer also ein Buch sucht, das sich mit psychischen Erkrankungen beschäftigt, aber auch eine kleine Leichtigkeit mitbringt, der sollte einen Blick auf Mein Sommer auf dem Mond werfen.


Sonntag, 22. April 2018

Ge(h)brechen - Wie lese ich eigentlich?

Hallo Buchlinge,

heute wage ich mich mal vor die Kamera um euch zu zeigen, wie das bei mir mit dem Lesen funktioniert. Ich wünsche gute Unterhaltung!

HIER geht's direkt zur YouTube Seite.




Noch ein paar kleine Infos am Rande:

Die Funfacts wurden gestrichen, weil sie an späterer Stelle völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden wären. Wenn es hierzu Interesse gibt, erzähle ich sie aber nachträglich gern in den Kommentaren oder in einem Beitrag.

Die Funktion, die ich nicht kannte: Hier handelte es sich um Kameraeinstellungen. Man kann an das BLG nämlich auch eine Tafelkamera anschließen und sich somit Inhalte vergrößern lassen. (Ich hab mir aber sagen lassen, dass die Qualität nicht sonderlich gut ist).

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Inhaltsverzeichnis: 

00:00 Min: Begrüßung, Kurzinfo zu den Büchern
01:28 Min: Tutorial 1: Kontrast, Zoom, Helligkeit
08:18 Min: Das Schriftgrößen / Schriftarten Problem
09:43 Min: Die elektronische Lupe
12:38 Min: Abschluss

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Zufallswiedergabe? 
Beitrag 1: https://bit.ly/2Hsmg0R
Beitrag 2: https://bit.ly/2HsX22m
Beitrag 3: https://bit.ly/2qoWIdD

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Zu meiner Person und der Sache mit der Sehbehinderung: Ich bin von Geburt an auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge hochgradig sehbehindert. Seit 2017 beträgt mein Sehrest 2%, was bedeutet, dass ich nach dem Gesetz als blind gelte. In der Praxis heißt dass: Ich...

  • Habe Mühe mich in unbekannten oder schlecht beleuchteten Räumen zu orientieren
  • Erkenne mir bekannte Personen nicht im Vorbeigehen 
  • Laufe mit einem Blindenlangstock (von mir als Elderstab betitelt) pendelnd durch die Weltgeschichte 
  • Kann keinen Blickkontakt aufnehmen und mit der Mimik meines Gegenübers nichts anfangen 
  • Kann Personen, die in unmittelbarer Nähe (linker, rechter Sitznachbar je nach Entfernung auch mein Gegenüber) erkennen, alle was darüber hinaus geht aber nicht 

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Und Du? 

Du hast das Video gesehen und noch Fragen? 
Her damit und ab in die Kommentare! 

Ich freu mich auf Dich! 

Freitag, 20. April 2018

Camp 21

Bild von rubikon
Steckbrief

Name: Camp 21 (auch als Buch erhältlich)
Autor: Rainer Wekwerth
Verlag: Rubikon Audioverlag
Geeignet für: Fans von spannenden Jugendbüchern
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Mark Bremer
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von Rubikon Audioverlag)

"Mike und Kayla sind in Camp 21 gelandet. Sie kennen sich kaum und mögen sich noch weniger. Durch elektronische Armbänder aneinander gefesselt, ist es ihnen jedoch unmöglich, sich aus dem Weg zu gehen. Entfernen sie sich zu weit voneinander, empfangen sie über die Fessel quälende Schmerzimpulse. Während Kayla noch versucht mit der Situation zurechtzukommen, ahnt Mike bereits, dass im Camp etwas nicht stimmt. Nach einem tödlichen Vorfall im Lager gelingt den beiden die Flucht. Doch dies ist erst der Anfang einer atemberaubenden Jagd, denn die Fesseln, die geheimen Experimente und die Liebe zueinander bilden für Mike und Kayla ein gefährliches Netz, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint."


Meine Meinung 

Gestaltung
Die Geschichte wird von Mark Bremer, einem der Gründer des Rubikon Verlages gelesen. Mark Bremer hat bereits zahlreiche Hörbücher eingelesen unter anderem für den Hörverlag. Bei Camp 21 handelt es sich um das erste Hörbuch, das ich mit ihm als Sprecher gehört habe. Er hat eine tiefe Stimmfarbe, die unglaublich gut zu der Geschichte und deren Stimmung passt. So bin ich sehr schnell in den Roman rein gekommen. Allerdings muss ich gestehen, dass mir bei Mark Bremer noch das gewisse Etwas gefehlt hat. Ich hatte hier und da Mühe, die Charaktere auseinanderzuhalten. Auch die Stimmung der Charaktere kam nicht immer bei mir an, gerade, wenn es um Feinheiten geht. Allerdings kann es auch gut sein, dass ihr das ganz anders hört.

Mir gefielen ein paar Elemente der Hörbuchgestaltung ganz gut: Zum einen wurde das Hörbuch in ungekürzter Fassung gelesen. Das freute mich besonders. Bei Rubikon handelt es sich um einen recht jungen Hörbuchverlag und da fand ich es echt cool, dass sie sich trotzdem die Zeit nahmen, ungekürzte Lesungen zu produzieren und nicht auf gekürzte Fassungen ausweichen mussten.
Zum anderen enthielt das Hörbuch auch Elemente wie Musik zu Beginn und am Ende sowie das ein oder andere stilistische Mittel, das ich hier aber nicht vorwegnehmen möchte. Was mir ebenfalls gut gefiel war, dass die Kapitel mit aufgesprochen wurden. Bei vielen Hörbüchern wird nicht genannt, wenn ein neues Kapitel beginnt. Das macht es beispielsweise schwierig, mit einem Hörbuch an einer Leserunde teilzunehmen. Hier hingegen hatte ich einen guten Überblick wo ich mich befand.

Inhalt
Inhaltlich hat es mich etwas gewundert, dass es doch etwas gebraucht hat, bis Kayla und Mike im Camp 21 landen. Wir bekommen mit, was die beiden in das Camp führte. Diese Vorgeschichte ist besonders wichtig, um die Charaktere besser verstehen zu können. Mich überraschte nur, dass der Klappentext der Geschichte schon recht viel vorwegnahm.

Man könnte meinen, dass Kayla und Mike einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Sie haben wunderbare Eigenschaften: Nämlich einen Blick für die Menschen in ihrer Umgebung. Doch der Drang anderen zu helfen, sorgt dafür, dass sie sich mehr oder weniger freiwillig in Camp 21 wiederfinden. Einem Camp, von dem man nicht so recht weiß, ob es wirklich gut ist oder ob die eigentliche Gefahr noch irgendwo hinter verborgenen Türen lauert. Mike und Kayla sind durch Armreife verbunden, die sich aktivieren, wenn sich die beiden zu weit voneinander entfernen. Zu Beginn ist der Abstand auf 200 Meter eingestellt, kann aber ausgeweitet werden, sofern die beiden sich benehmen. Die Fesseln erfüllen einen einfachen Zweck: Sie sollen die Campbewohner an einer Flucht hindern. Bisher war das Prozedere auch sehr erfolgreich.

Mir gingen die Handlungsstränge hier und da nicht ganz fließend ineinander über. So durchlaufen Kayla und Mike ein paar Stationen, bis sie sich in Camp 21 wiederfinden. Als sie das Camp dann schließlich erreichten, war mir nicht ganz klar, wie sich die Geschichte weiterentwickelte. Einerseits ist das natürlich toll, weil ich den Verlauf so nicht erraten konnte. Andererseits fühlte ich mich auch etwas orientierungslos. Rainer Wekwerth beschrieb zwar ein paar Dinge, die Fragen aufwarfen, dennoch wurden hier zwar Dinge angedeutet, ich hatte aber keine Ahnung welche Handlungsstränge weiter vertieft werden würden. Allerdings waren die Handlungsstränge in sich logisch.

Wie man schon anhand des Titels erraten kann, behandelt Rainer Wekwerth hier das Thema Bootcamps. Und das hat er wirklich gut umgesetzt. Bootcamps sind Erziehungseinrichtungen, in die Jugendliche geschickt werden, wenn sie wieder lernen sollen, sich in die Gesellschaft einzuordnen. In der Realität heißt es aber oft, dass Eltern mit ihren Kindern nicht zurechtkommen, diese in ein Bootcamp abschieben, in dem es nicht darum geht, eine Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen, sondern sie nur so weit zu konditionieren, damit sie sich an Regeln halten und nicht mehr rebellieren. Dass die Rebellion aber nicht immer ein Zeichen von Trotz sein muss, sondern oft eine Reaktion auf das Nicht-verstanden-werden ist, wird dabei völlig außer Acht gelassen. Rainer Wekwerth hat die Wut und Hilflosigkeit unserer Charaktere sehr gut herausgearbeitet und die Stimmung, die im Camp herrscht, glaubhaft transportiert.

Spannung
Wie bereits berichtet, hatte ich hier und da Mühe, die Struktur in der Geschichte zu erkennen. Dennoch konnte Rainer Wekwerth gerade gegen Schluss den Spannungsbogen wirklich gut vorantreiben. Ich fragte mich, wie die Geschichte wohl ausgehen würde und ob es für Kayla und Mike ein Entkommen aus Camp 21 gibt.

Schreibstil
Rainer Wekwerths Schreibstil sorgte dafür, dass ich sehr schnell in die Geschichte eintauchen konnte. Hier und da kamen mir die Dialoge zwischen den Charakteren etwas künstlich vor. Dennoch waren Mikes und Kaylas Gedanken sehr gut und glaubhaft herausgearbeitet. Rainer Wekwerth erzählt die Geschichte aus der dritten Person, schlüpft hier aber in die Rollen von Kayla und Mike. Ich hatte nicht den Eindruck, dass einer der beiden Charaktere hier zu kurz kommt. Die Kapitel gingen gut ineinander über.

Spannend fand ich hier, dass mir vor allem die Nebensätze in Dialogen auffielen, wie beispielsweise wenn Bewegungen von Charakteren genannt werden oder erwähnt wird, mit welchen Emotionen der eine Charakter gerade etwas zum anderen sagt. Dieses Element ist mir bei anderen Hörbüchern bisher noch nicht so aufgefallen.

Gesamteindruck
Von Camp 21 hatte ich bereits einiges gehört. Ich habe das Buch vor einer Weile auf ein paar Buchblogs entdeckt und habe mich umso mehr gefreut, dass es auch ein Hörbuch gibt. Hier und da fehlte mir etwas die Tiefe. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt und der Autor eine breite Altersspanne erreichen muss. Es braucht also eine gute Mischung zwischen ernster, spannender Geschichte, aber auch einem Ausgleich auf der andere Seite, damit niemand das Buch verschreckt zuschlägt.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir hier eine spannende Geschichte vor uns haben, die mir unterhaltsame Hörstunden beschert hat. 

Mittwoch, 18. April 2018

Die Sache mit den Handlungsorten und Helden aus der zweiten Reihe - Bücherstammtisch im April

Foto: A. Mack

Hallo Buchlinge,

aufmerksamen Lesern unter euch wird sicher nicht entgangen sein, dass es im März keinen Lagebericht von unserem Bücherstammtisch Treffen gab. Zum einen lag es daran, dass ich krank und somit nicht vollkommen aufnahmefähig war. Zum anderen waren wir auch eine kleine Runde und haben uns zu 90% über unseren Stapel ungelesener Bücher unterhalten, was für euch wahrscheinlich nur minimal spannend sein wird. 

Deswegen dachte ich mir, ich steige zum April Treffen wieder ein. Unsere Themen waren diesmal... 


Schönste und schrecklichste Handlungsorte 

Hier stellte ich mir erst einmal die Frage, wo Handlungsort anfängt und wo er aufhört. Beschränkt sich der Handlungsort einer Geschichte auf einen räumlichen Ort also z.B. ein Gebäude oder ein Zimmer? Zählen Länder auch zu den Handlungsorten eines Romans?
Ich ging also auf Nummer sicher und brachte sowohl ein Land als auch einen räumlichen Ort mit. 
Schnell stellte sich heraus, dass die Bücherstammtisch Mitglieder sowohl Land als auch Raum als Handlungsort definierten. 

Bild von A. Mack
Der schönste Handlungsort für viele Stammtisch Mitglieder war ganz klar: Hogwarts, das Internat für Hexen und Zauberer aus den Harry Potter Bänden. Hogwarts ist einfach ein wunderbarer magischer Ort über den ich wahrscheinlich nicht mehr viel erzählen muss. Für diejenigen unter euch, die die Schule noch nicht kennen: Es ist ein Schloss, mit einem schönen (und teils gefährlichen) Außengelände.
Im Schloss gibt es, wie es sich für eine Schule gehört, Klassenräume, die unter anderem auch in Türmen oder Kerkern angesiedelt sind. Nun ein paar Highlights: die Gemeinschaftsräume der Schulhäuser, in die man zu Beginn der Schulzeit eingeteilt wird und die Große Halle, in der die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden. Wie es sich für einen magischen Ort gehört, gibt es auch in Hogwarts jede Menge unbenutzte Geheimgänge, unsichtbare Räume oder Treppen, die schon mal ins Nichts führen können. 

Mein schönster Handlungsort ist Italien. Stellvertretend für dieses Land brachte ich Ein Sommer und vier Tage mit. Eigentlich hatte ich überlegt, wieder einmal zur neapolitanischen Saga zu greifen, aber ich dachte, es wurde mal Zeit den Bücherstammtisch Mitgliedern ein anderes Buch, das in Italien spielt, vorzustellen. 

Bild von A. Mack
Zu den schrecklichsten Handlungsorten gehörten für mich ganz klar die Bootcamps aus Camp 21 bzw. das besagte Camp.
Einige Bücherstammtisch Mitglieder nominierten ohne zu zögern, Forks, den Ort an dem Bella in der Bis(s)-Reihe ein neues Zuhause findet. Hier ist es nicht nur langweilig, sondern auch ziemlich regnerisch.
Ein Merkmal für einen schrecklichen Handlungsort war für viele Stammtischmitglieder daher die fehlende Anbindung an die Zivilisation. Musste unser Protagonist in einer Einöde leben? Oder gab es die Möglichkeit der Langeweile zu entkommen? 

Queens der schlechten Handlungsorte
Es wurde herausgearbeitet, dass sich J.K. Rowling und Agatha Christie nicht unbedingt darauf verstehen, spannende Handlungsorte zu kreieren. Beide Autorinnen schmücken ihre Beschreibungen oft mit Wiederholungen aus, die wenig aussagekräftig sind. Ich fand diesen Aspekt spannend, weil er mir bei J.K. Rowling noch nie aufgefallen war. Wiederholungen rund um den Ligusterweg Nr. 4 entgingen auch mir nicht. Bisher war ich aber davon abgelenkt gewesen, wie J.K. Rowling ihre Charaktere darstellt. Deswegen hat es mich schon fast etwas geärgert, dass mir hier das Fachwissen fehlte um in eine Diskussion mit einsteigen zu können. 

Und was denke ich über die Handlungsorte? 
Tatsächlich hängt es viel mit der bildhaften Sprache eines Autors zusammen, ob ich mich an einem Handlungsort wohlfühle oder nicht. Außerdem spielt es natürlich eine wesentliche Rolle, wie sich unser Protagonist an dem Handlungsort fühlt. So habe ich euch noch in meinem Monatsrückblick von einer Villa vorgeschwärmt. Bei genauerem Überlegen wurde mir aber bewusst, dass es dem Charakter in seinem Zuhause nicht wirklich gut geht und ihm der schöne Handlungsort daher auch nicht hilft. 

Schreckliche Handlungsorte sind für mich mehr mit Assoziationen verknüpft. So erahne ich, dass ein Krankenhaus oder ein Bootcamp keine schönen Orte sein können. Da braucht es dann nicht immer viele sprachliche Bilder. Wie ist es bei euch? 


Helden aus der zweiten Reihe 

Auch hier tat ich mich wirklich schwer, das passende Buch auszuwählen. Denn die Helden aus der zweiten Reihe sind nicht klar definiert. So fragte ich in der offiziellen Stammtisch Einladung zwar, nach den Charakteren, ohne die unser Protagonist aufgeschmissen wäre. Diese Helden sind aber meist auch Protagonisten. So gehören Hermine und Ron für mich nicht zu den Nebencharakteren in Harry Potter
Und als ich mein Bücherregal auf der Suche nach einem passenden Buch abgelaufen bin, stellte sich auch heraus, dass alle Charaktere, die ich eigentlich hätte mitnehmen können, wie bereits erwähnt, auch Protagonisten sind. 

Bild von A. Mack
Ich nominierte also Janusz Korczak einen realen Helden. Er war ein Nebencharakter in David Safiers Roman 28 Tage lang, der von dem Widerstand im Warschauer Ghetto erzählt. Hier vermischt David Safier fiktive Charaktere mit realen Personen. Korczak war Pädagoge und leitete ein Waisenhaus in dem Ghetto. Er hatte viele Freunde außerhalb des Ghettos, die ihn zur Flucht überreden wollten. Dennoch konnte Korzcak weder die Kinder noch die Mitarbeiter des Waisenhauses im Ghetto zurücklassen. Und so kam es, dass er mit ihnen in ein Konzentrationslager ging. Ich fand es wirklich beeindruckend, wie er den Drang selbst zu überleben zum Wohle der anderen hinten anstellen konnte, ohne etwas dafür zu verlangen. 

Drei Stammtisch Mitglieder brachten Die Tribute von Panem mit. Hier nominierten sie ein paar Nebencharaktere, die gemeinsam mit der Protagonistin um das Überleben kämpfen. (Da ich die Reihe immer noch nicht gelesen habe und nicht weiß, ob konkretere Infos gespoilert werden, lasse ich sie lieber weg). 


Die wunderbare Reise des Bücherstammtisches 

Im März hatten wir in kleiner Runde eine spontane Zukunftswerkstatt betrieben. Wieder einmal tauchte die Frage auf, was Interessierte davon abhalten könnte, unserer Gruppe beizutreten. 
Da wir mittlerweile auch einen festen Raum haben, gibt es nun die Möglichkeit wieder gezielter für die Stammtisch Treffen zu werben. 
Also nutzten wir im April die Gelegenheit zwei neue Mitglieder zu befragen, was sie dazu bewogen hatte, bei uns vorbeizuschauen. Eine der beiden Neuen verkündete, dass es schon mal nicht der Name gewesen sei, der sie bisher abgeschreckt habe. Das beruhigte mich ungemein. Natürlich hat man bei dem Wort Stammtisch auch immer das Bild einer grölenden Gruppe vor Augen. Dennoch fasst der Name Bücherstammtisch für mich das zusammen, was es ist: Eine Gruppe, die über Bücher spricht.
Buchlinge, was denkt ihr darüber? Würdet ihr einen Bücherstammtisch in eurer Nähe besuchen? Welche Werbung bräuchte es, damit ihr euch angesprochen fühlt? 

Ich verließ die Runde also mit neuen Inspirationen und würde am liebsten jetzt und sofort alle Ideen umsetzen. Aber manche Dinge brauchen Zeit. 


Besuch von einer Schwester des Nornennetzwerks 

Bei Twitter habe ich vor ein paar Monaten am Rande von dem Nornennetzwerk erfahren. Hierbei handelt es sich um ein Netzwerk für deutschsprachige Phantastik Autorinnen. Im Rahmen ihres Studiums lernte Isona eine Schwester des Nornennetzes kennen und brachte sie zum Bücherstammtisch mit.

Als sie uns dann von dem Netzwerk erzählte, schlug mein Herz höher. In dem Netzwerk geht es vor allem um regelmäßigen Austausch und Kommunikation. Wer sich nicht in das Geschehen einbringt, wird auch wieder hinaus gebeten. Das Netzwerk dient vor allem dazu, sich gegenseitig zu unterstützen. Sei es bei der Recherche für verschiedene Schauplätze oder bei der Suche nach Lektorinnen oder Testleserinnen.
Außerdem hat das Nornennetz einen Stand auf der Frankfurter Buchmesse. (In Leipzig waren sie bereits vertreten und der Stand war sehr gut besucht).

Die Freiburger Nornen suchen noch ganz dringend Interessentinnen. Und ich wäre am liebsten sofort beigetreten. Mein einziges Problem besteht nur darin, dass ich nicht im Genre Phantastik schreibe. An dieser Stelle möchte ich aber unbedingt erwähnen, dass Phantastik nicht ausschließlich mit Fantasy gleichzusetzen ist. Hierunter fällt beispielsweise auch Sciene-Fiction.

Die Nornen
... im Web
... bei Twitter
... bei Facebook


Bücherstammtisch in Freiburg? Ich will mitmachen! 

Du kommst aus Freiburg oder der näheren Umgebung und möchtest Dich mit anderen Bücherwürmern einmal im Monat über Bücher austauschen? 

Dann bist Du hier genau richtig: Wir treffen uns einmal im Monat an einem Montag ab 17:30 Uhr. Zehn Minuten früher treffen wir uns vor dem Haupteingang der Buchhandlung Rombach in der Bertoldstraße und gehen von dort aus gemeinsam zu unserem Raum. Monatlich legen wir bestimmte Themen fest, über die wir uns im besten Falle im Voraus Gedanken machen. 

Momentan besteht unsere Gruppe hauptsächlich aus Studierenden, ist aber für alle Altersgruppen offen. Wir reden hauptsächlich über Bücher aus der Belletristik (Unterhaltungsliteratur wie beispielsweise Fantasy, Jugendbuch, Thriller) sind aber auch offen für andere Bücher. (Nur zum Thema sollte es passen :-) ). 

Um auf dem Laufenden zu bleiben, hast Du zwei Optionen: 

Mailverteiler
Du lässt Dich in den Mailverteiler eintragen. Hier lade ich regelmäßig zu den Stammtisch Treffen ein oder verschicke Umfragen, damit wir die Themen unserer Treffen festlegen können. 

Wir sind auch bei Facebook vertreten. Auch hier werden Einladungen und Umfragen geteilt. Ab und an bricht hier auch eine spannende Diskussion aus. Momentan sucht Isona Interessierte, die gemeinsam mit ihr Herr der Ringe lesen möchten.

Wir hoffen, wir konnten Dein Interesse wecken! 

Montag, 16. April 2018

Neues aus dem Hörverlag Part 2 - Escape und reisende Männer...

Hallo Buchlinge,

vor ein paar Tagen durftet ihr via Twitter und Facebook darüber abstimmen, welche Podcast Folge ich als nächstes hochladen soll. Und das Blöde an der Geschichte war: Zwei unterschiedliche Netzwerke, zwei verschiedene Meinungen. Da der Hörmonat bzw. Lesemonat vermutlich wieder etwas länger wird, dachte ich mir, ich beginne einfach mal mit der Verlagsvorschau.

Heute spreche ich mit euch über Escape von Nina Marin und Drei Mann auf einem Boot ganz zu schweigen vom Hund von Jerome K. Jerome.

Ich wünsche gute Unterhaltung!




Inhaltsverzeichnis 

00:00 Min: Begrüßung
00:24 Min: "Escape" von Laura Marin
01:37 Min: "Escape" Hörprobe
05:32 Min: Meinung zur Hörprobe
06:48 Min: "Drei Mann auf einem Boot..."
07:21 Min: Hörprobe
12:27 Min: Meinung zur Hörprobe
14:06 Min: Abschluss

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Was haltet ihr von den Hörproben bzw. der Podcast Folge? 

Samstag, 14. April 2018

Heute Abend wird gelesen ... - Lesenacht ab 18:30 Uhr

Foto: A. Mack


Guten Morgen Buchlinge,

es ist noch früh, dennoch wollte ich die Zeit nutzen, den Post vorzubereiten. Habt ihr schon alle Vorbereitungen für heute Abend getroffen? Stehen der Speiseplan und die Lektüre bereits fest? 

Diesmal liest das Ge(h)folge im eigenen Heim, sodass in meinem Camp keine Umbauarbeiten stattfinden. Ein bisschen komisch wird es schon, das Ge(h)folge diesmal nur virtuell am Start zu haben. Wir hatten im Februar nämlich jede Menge Spaß. 

Nun wünsche ich euch einen schönen Tag und hoffe, wir sehen uns ab 18:30 Uhr (oder auch etwas später) wieder! 


Der Startschuss ist gefallen... 

Herzlich willkommen zu einer neuen Runde unserer Lesenacht. Bei mir läuft momentan noch meine Ich-backe-Kuchen-Playlist. Die ersten Takte von MfG - Mit freundlichen Grüßen beginnt gerade, während ich diese Zeilen schreibe.

Isona ist bereits anwesend. Von Skyara und emion fehlt noch jede Spur.

Beginnen wir trotzdem mit der ersten Frage:

Mit welchem Buch oder Hörbuch startet ihr in die Lesenacht? Was steht auf eurem Speiseplan? Schickt uns ein paar nette Bilder! 
(Aber mit Bildbeschreibung, damit ich auch was davon habe ;-) ).


Emma
Ich habe heute einen ungesunden Speiseplan. Auf dem Bild seht ihr ein Glas selbstgemischtes Spezi und eine Schüssel voller Paprika Chips. Kurz nach Beginn der Lesenacht ist auch noch ein Joghurt-Kirsch-Schoko Kuchen aus dem Ofen gekommen. Der wird aber erst einmal abkühlen.
Bei Twitter und Instagram habe ich erwähnt, dass ich mir noch unschlüssig bin, welche Lektüre ich heute Abend lese. Ich denke - um das Ungesunde komplett zu machen - es wird Zartbittertod von Elisabeth Hermann. Und tatsächlich scheint Schokolade in dem Hörbuch eine wichtige Rolle zu spielen. Momentan läuft aber immer noch meine Ich-backe-Kuchen-Playlist. Mittlerweile bin ich musikalisch bei der Spider Murphy Gang angekommen.

Skyara ist nun auch am Start und schickt ein Bild von ihrer Verpflegung und ihrer Lektüre. Sie liest heute Bookless - Wörter durchfluten die Zeit von Marah Wolf. Kurz vor Beginn der Lesenacht bestellte Skyara ein T-Shirt für die Love Letter Convention. Ich bin schon sehr gespannt auf ihr Outfit.





20:00 Uhr 

Das Ge(h)folge ist mittlerweile anwesend. Aber in meinem Zimmer ist es trotz Hörbuch etwas leer. Aber ich stelle zufrieden fest, dass ich noch ohne Licht auskomme.
Gleich werde ich mich wohl mal kurz an den Fernseher verabschieden. Die Castingshow Sucht hat mich wohl doch etwas gepackt.
Aber erst einmal präsentieren wir euch die neue Aufgabe:

Erzähle uns etwas über die Charaktere deiner Geschichte: Wer ist deine Hauptfigur? Was weißt du über sie? Gibt es auch einen unsympathischen Charakter, vor dem du uns gerne warnen möchtest? 

Emma: Meine Protagonistin ist Mia, mit vollem Namen Emilia genannt, die auf den Spuren ihrer Familie ist. Und ihre Recherchen führen sie nach Lüneburg in das Haus einer großen traditionellen Chocolatiersfamilie, die sie aber nicht mit offenen Armen empfängt.
Demnach sind meine unsympathischen Charaktere die Eltern von Will Herder, die ziemlich unterkühlt wirken.

emion: Elinor Dashwood ist die, mit der ich mich seltsamerweise am besten identifizieren kann.
Wen ich unsympathisch finde, kann ich nicht sagen, ohne zu spoilern. Und deshalb würde ich gerne ein bisschen weinen, aber das Buch ist zu spannend dafür. (Lektüre: Verstand und Gefühl von Jane Austen).

Skyara: Meine Hauptfigur in Bookless ist Lucy. Wie eigentlich alle Hauptfiguren ist sie mir sympathisch, aber da ich erst auf Seite 40 bin kann ich noch nicht viel darüber sagen! Eine mir unsympathische Figur gibt es auch schon: Mr. Barnes! Da die Geschehnisse in London in einer Bibliothek abspielen, stell ich mir Ihn nicht nur, dem Buch entsprechend, mürrisch vor, sondern auch schon allein vom Aussehen her als seeehr unfreundlich. Er ist Lucys Chef in der Bibliothek von London.

Und sonst so?
Skyara kann nicht mehr kommentieren. Und dabei wollte ich die Kommentarfunktion eigentlich barrierefrei und nicht unkommentierbar machen... Hac, die Technik... Ich hoffe jetzt einfach mal, dass es vielleicht damit zu tun hat, dass Google für die DSGVO aufrüstet :)

emion ist im Jane Austen Fieber!

Die Sache mit der Zeitumstellung 
Um 20:40 Uhr fragte Skyara: "Wann ist denn eigentlich die nächste Frage dran?"
Ich: "Um 21:30 Uhr."
Sie: "Es ist bereits 21:40 Uhr."
Ich: "Nein?"
Und diesmal war es nicht etwa mein PC, der mir einen Streich spielte...


21:30 Uhr 

So langsam aber sicher kehrt etwas Ruhe ein. Bei meiner Lektüre wird es langsam aber sicher etwas schokoladig. So wird die Geschichte voll und ganz ihrem Titel gerecht.

Die nächsten Fragen kommen von Skyara:

Seid ihr noch am selben Buch? Oder habt ihr inzwischen gewechselt? Hattet ihr eine Stelle die euch besonders gefallen hat? Sitzt ihr noch oder liegt ihr schon? ;-D

Emma: Es gab tatsächlich eine schöne Szene: Mia hat einen Brief von ihrem Urgroßvater geerbt. Allerdings fehlt dort eine wichtige Seite. Und durch Zufall ist diese Seite wieder aufgetaucht. Allerdings kann ich nicht mehr verraten, da es gespoilert wäre. 
Ich denke, ich werde den Abend über bei Zartbittertod von Elisabeth Hermann bleiben. 
Liegen kommt für mich nicht inrage, weil ich am PC sitze, um alle Netzwerke im Blick zu haben. Nebenbei läuft das Hörbuch. Aber tatsächlich habe ich mit dem Gedanken gespielt, später auf das Bett und Twitter umzusteigen. Allerdings befindet sic hdas Hörbuch (noch) nicht auf meinem MP3 Player. 

emion: Ich liege mittlerweile (seit etwa einer Minute), aber muss mich wohl bald ergeben, um mich von den Kontaktlinsen zu trennen. Verstand und Gefühl habe ich noch lange nicht beendet, aber es ist weiterhin interessant und aufwühlend.

Und sonst so?
Isona ist wieder aufgetaucht. Skyara und ich hatten schon wilde Dementoren Spekulationen angestellt.
Isona: "Ich hab Schluckauf, das ist total nervig!"
Ich: "Wir denken auch ziemlich intensiv an dich!"

Langsam aber sicher kehrt bei mir etwas Müdigkeit ein. Obwohl ich heute extra auf den Sport verzichtet habe, um nicht so früh schlapp zu werden. Aber jetzt gab es einen kleinen Höhepunkt im Spannungsbogen von Zartbittertod und ich kratze meine Energiereserven zusammen.


23:00 Uhr 

Meine Energiereserven sind aktiviert. Zwischenzeitlich habe ich sogar Besuch von der Katze bekommen. Aber das Hörbuch ist inhaltlich schon zu weit voran geschritten und so hat sie meine vier Wände wieder verlassen. (Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass ich momentan keine Chips mehr esse und mein Vater unten etwas Richtiges zu essen hat).

Kommen wir also zu unseren nächsten Fragen:

Wer von euch ist noch dabei? Schreibe uns den letzten Satz, den du gerade gelesen oder gehört hast. 

Emma: "Mia konnte die beiden am Kücheneingang stehen und miteinander reden sehen." (Zarbittertod von Elisabeth Hermann).
Nachdem ich mich mit meinem Spezi-Mix und einem Stück Kuchen gedopt habe, bin ich wieder aktiv. Und bei Twitter ist gerade überraschend viel los.

Skyara: 
Kapitel 3, Seite 47: "Es dauerte mehrere Stunden, bis er alle Titel aus den Briefen seines Großvaters übertragen hatte.
Eigentlich auch kein Spoiler.. von daher!" (Bookless von Mara Wolf) 

Wer glaubt, dass sich Isona nicht für die Lesenacht interessiert, täuscht sich gewaltig. In der Facebook Veranstaltung ist sie sehr aktiv und berichtet von lustigen Dialogen mit ihrem Freund (oder dem Kampf gegen das Schnarchen des Partners). Ihr Satz lautet: "Harry ließ sich in einen Sessel am Feuer fallen." Aus Harry Potter und der Gefangene von Askaban von J.K. Rowling


And we say goodbye, bye, bye, bye... 

Buchlinge, vielen Dank für diesen wunderbaren Abend. Skyara verabschiedet sich ins Bett und emion haben wir wahrscheinlich schon an die Traumwelt verloren.
Isona und ich sind noch aktiv, aber ich weiß nicht, wie lange ich noch mit dabei bin.

Zum Schluss möchten wir noch Folgendes von euch wissen:

Wie hat euch die Lesenacht gefallen? Habt ihr Ideen für das nächste Mal?

Gerne könnt ihr weiterhin Updates in der Facebook Veranstaltung oder bei Twitter unter dem Hashtag #Lesenacht posten.
Am besten twittert ihr Isona unter isona212 an, wenn ihr weiterhin plaudern möchtet. Sie wird wahrscheinlich noch eine Weile aktiv sein.

In diesem Sinne lesen wir uns spätestens übermorgen wieder, wenn ein neuer Beitrag online geht. (Neugierige unter euch, könnten auch schon mal einen Blick auf meinen YouTube Kanal werfen...)

Bis bald! 

Mittwoch, 11. April 2018

Dark Angels Summer - Das Versprechen

Steckbrief 

Name: Dark Angels Summer - Das Versprechen (auch als Buch erhältlich)
Autor: Kristie Spencer und Tabita Lee Spencer
Verlag: Arena audio
Geeignet für: 11-14 jährige, oder Menschen, die gerne Jugendbuch Dystopien lesen
Gelesen oder gehört: gehört in gekürzter Fassung
Sprecher: Fabiana Frank und Viktoria Frenz
Bewertung: 2 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Arena Verlag)

"Es ist der Sommer, in dem Dawna und Indie beide 17 Jahre alt sind – vertraute, verrückte, beunruhigende 33 Tage lang. Gemeinsam mit ihrer Mutter kehren sie zur Oase ihrer Kindheit zurück: Whistling Wing, voll mit Erinnerungen an die geliebte Granny. Aber diese ist seit einem Jahr tot und Whistling Wing hat sich verändert. Nicht jeder hier spielt mit offenen Karten, Freund und Feind lassen sich immer schwerer voneinander unterscheiden und ein Schwarm unheimlicher Vögel sorgt für Unruhe und Angst unter den Einwohnern. Fast ist es zu spät, als Indie und Dawna beginnen, zu verstehen, was geschieht. Und erkennen, welches unglaubliche Opfer sie bringen müssen, um das aufzuhalten, was sich über ihnen zusammenbraut."


Meine Meinung 

Dieses Hörbuch ist im Rahmen eines Überraschungspakets bei mir eingezogen. Nun habe ich es endlich geschafft, die Geschichte zu hören und bin etwas zwiegespalten. Warum? Das werde ich euch jetzt erzählen. 

Gestaltung 
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: Und dafür gibt es auch zwei Rollen: Nämlich Viktoria Frenz und Fabiana Frank. Leider wurde zu Beginn des Hörbuches nicht erwähnt, wer in welcher Rolle zu finden ist. Allerdings ist diese Information auf der Hörbuch Verpackung enthalten. 
Beide Frauen unterscheiden sich in ihrer Art der Interpretation. Während Fabiana Frank deutlich älter klingt und auch eine etwas tiefere Stimme hat, hört man Viktoria Frenz an, wie jung sie ist. Ich kam mit ihrer Stimmfarbe und ihrer Art, die Geschichte zu interpretieren auch etwas besser zurecht. Ich finde es schön, dass man zwei Sprecherinnen für die unterschiedlichen Perspektiven engagiert hat. Ich hätte mir aber gewünscht, dass beide ungefähr gleich alt klingen, weil die beiden Geschwister in der Geschichte fast gleich alt sind. 
Außerdem kam ich inhaltlich nicht ganz zurecht. Warum erfahrt ihr in dem dazugehörigen Abschnitt. Ich vermute, dass es an eventuellen Kürzungen liegen könnte. Zumindest glaubte ich, dass mir große Teile der Geschichte fehlten. Allerdings kann es auch gut sein, dass ich mich hier täusche. 

Inhalt 
Dawna und Indie haben es nicht leicht: Sie müssen nicht nur mit einer Mutter zurechtkommen, die mehr in ihren eigenen Problemen gefangen ist, sondern sind auch gezwungen den Verlust ihrer Granny zu verarbeiten. Die einzige Frau, die immer für die Mädchen da war und sie so gut es ging unterstützte. Dawna und Indie verbrachten ihre Sommerferien regelmäßig auf der Farm ihrer Granny. Nun da ihre Großmutter verstorben ist, fällt die Farm in den Besitz der Mutter von den beiden Schwestern. Und diese beschließt kurzerhand mit ihren Töchtern, einem neuen Partner und dessen Hund dort einzuziehen. Konflikte sind hier vorprogrammiert. 

Schnell wird die Welt um die Engel eingeführt: Shantany, der Partner der Mutter der Mädchen (was für ein schräger Satzbau, ich weiß) kann nämlich Kontakt zu Engeln aufnehmen und möchte sein Wissen an Seminarteilnehmer weitergeben, die sich ebenfalls auf der Farm einfinden werden. Indie findet das Ganze ziemlich lächerlich und glaubt kein bisschen an Magie. Dawna hingegen möchte nur, dass ihre Mutter nicht schon wieder verletzt wird und die 33 Tage, in denen sie und Indie gleich alt sind möglichst unbeschadet vergehen. In diesen 33 Tagen kann alles passieren. Und das haben die beiden schon ziemlich oft zu spüren bekommen. 

Ich weiß nicht so recht, was ich von dem Inhalt halten soll. Wäre ich jünger, hätte mir die Geschichte wahrscheinlich um einiges besser gefallen. Mich hätte die Magie rund um das Dorf in dem die Schwestern nun leben, gepackt und ich hätte mit ihnen mitgefiebert. Allerdings ertappte ich mich beim Hören zum einen dabei, dass mir viele Elemente bereits bekannt vorkamen und ich nicht wirklich in die Geschichte hineingefunden habe. Warum? Mir fehlten Informationen. 

Ich war mir nicht sicher, ob es einen vorangegangen Band gab, in dem wir Indie und Dawnas Granny kennenlernten und wesentliche Informationen bekamen. In Dark Angels Summer wurde nämlich immer angedeutet, dass sich die beiden Schwestern an wesentliche Dinge erinnern mussten, diese aber nicht mehr wirklich parat hatten. Und das konnte ich nur bedingt nachvollziehen. Schließlich haben sie einige Sommer bei ihrer Großmutter verbracht. Dann gab es auch den Moment in dem beide die Magie entdecken: Zum einen wurde diese Magie als die Beziehung der beiden Schwestern beschrieben. Sie wissen, was die andere denkt, ohne, dass sie groß darüber reden müssen. Ein Blick genügt. Ich war mir nicht sicher, ob es wirklich um die Beziehung der beiden ging, oder ob sie einfach die Gedanken der jeweils anderen lesen konnten. Dann gab es diesen Moment in dem ein anderes Element hinzukam, dass die Schwestern irritierte. Später wurde es dem Leser aber so verkauft, dass beide sich über das andere Element sehr wohl bewusst waren. Und das verwirrte mich: Wenn ich Magie neu entdecke, muss ich diese doch erst einmal ausprobieren, frage mich woher diese kommt und warum ich etwas kann, was sonst niemand kann. Dawna und Indie schienen sich aber recht schnell an ihre neuen Fähigkeiten gewöhnt zu haben.
Zudem verwirrte es mich, wie schnell sie das wichtige Rätsel der Geschichte entschlüsseln konnten. Mir waren diese Entwicklungen teilweise etwas zu weit hergeholt und ich hätte mir gewünscht, dass uns die beiden Schwestern den Inhalt nicht vorkauen, sondern wir Teil des Prozesses sind. 

Spannung
Dadurch, dass mir die Handlung sehr wirr vorkam, konnte ich auch dem Spannungsbogen nur bedingt folgen. Gerade der Höhepunkt war mir etwas zu dramatisch und das Ende ist relativ abrupt, was auch einfach daran liegt, dass es sich hier um den Auftakt einer Reihe handelt, nehme ich zumindest an. 

Schreibstil 
Was mich motivierte das Hörbuch weiterzuhören, war nicht nur die Tatsache, dass es sich um ein Geschenk handelte, sondern auch der Schreibstil des Romanes. Beide Perspektiven waren in der Ich-Form geschrieben und ich stellte überrascht fest, dass der Schreibstil trotzdem flüssig war. Hier stellte sich das Hörbuch als Vorteil heraus: Dadurch, dass die Handlungsstränge von unterschiedlichen Sprecherinnen gelesen wurden, war klar, wann welcher Strang an der Reihe war. Ich befürchte, dass sich dieses Stilmittel bei der Printausgabe als etwas schwieriger gestaltete. 
Besonders der Handlungsstrang von Indie lag mir sehr am Herzen, weil sie eine Rebellin ist und kein Blatt vor den Mund nimmt. So erwarteten uns hier die ein oder anderen unterhaltsamen Dialoge. 

Gesamteindruck 
Die Grundidee von Dark Angels Summer gefiel mir an sich ganz gut. Allerdings haperte es ziemlich bei der Umsetzung. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es einfach daran lag, dass ich zu alt für die Geschichte war, oder ob sie wirklich so chaotisch aufgebaut ist. Mir tat es etwas leid, dass ich nicht ganz in das Abenteuer eintauchen konnte, gerade, weil es sich bei dem Hörbuch um ein Geschenk gehandelt hat. 

Montag, 9. April 2018

Sofies Welt

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Sofies Welt (auch als Buch, Film, Hörbuch erhältlich) 
Autor: Jostein Gaarder 
Verlag: der hörverlag 
Geeignet für: Menschen, die sich für Philosophie interessieren 
Gelesen oder gehört: gehört als Hörspiel 
Sprecher: Christoph Banzer, Gunda Aurich, Peter Fitz, Matthias Habich (u.a.) 
Bewertung: 4 von 5 Punkten 


Klappentext 


"Begleiten Sie die fünfzehnjährige Sofie auf ihrer aufregenden Reise durch die Geschichte der Philosophie. Lauschen Sie voller Spannung, wenn Aristoteles sie in die Geheimnisse und Ursprünge abendländischen Denkens einweiht und folgen Sie ihr auf ihren akustischen Streifzügen durch das mystische Mittelalter über Kants Königsberg, bis auf Freuds berühmte Couch und in unsere Gegenwart.Die stimmungsvolle Musik und so großartige Sprecher wie Matthias Habich oder Gunda Aurich lassen die faszinierenden Gedankenwelten der großen Philosophen immer wieder aufs Neue lebendig werden."


Meine Meinung 

Ich habe vor einer Weile die Verfilmung von Sofies Welt gesehen. Damals fand ich die Geschichte ziemlich faszinierend. Durch Zufall ist mir nun das Hörspiel in die Hände gefallen und ich beschloss nochmal in die Welt von Sofie einzutauchen. 

Die Geschichte beginnt mysteriös. Sofie bekommt Post von einem Major, der eigentlich an seine Tochter Hilde schreibt. Sofie kennt aber weder den Major noch seine Tochter. Als dann auch noch ein Alberto bei ihr auftaucht und sie auf eine Reise durch die Philosophie mitnimmt, bewegen wir uns immer mehr in einem Strudel, der uns zweifeln lässt. In welcher Realität leben wir? Wer ist Hilde? Und was hat sie wirklich mit Sofie zu tun? 

Zu Beginn fand ich die Gestaltung des Hörspiels etwas unstimmig. Die Geräusche waren mir zu laut und verdeckten hier und da die Stimmen. Allerdings hat sich das je weiter ich in der Geschichte voran kam, verbessert. Die Sprecher waren sehr angenehm. Da der Inhalt wirklich komplex ist, war es gut gelöst, dass Gunda Aurich in der Rolle der Sofie den Inhalt immer wieder zusammenfasst oder Rückfragen stellt. Es gab hier keinen Sprecher, der mir überhaupt nicht gefallen hat. Alle haben sehr gut in die Geschichte gepasst. 

Dafür, dass es auf der Verlagswebsite heißt, dass das Hörspiel ab 12 Jahren geeignet ist, finde ich den Inhalt fast etwas zu komplex. Jostein Gaarder nimmt uns mit auf eine Reise durch verschiedene philosophische Ansichten. Ich fand diese zwar spannend, bin aber auch Mitte 20. Da der philosophische Teil am Anfang der Geschichte sehr viel Raum einnimmt, bin ich mir nicht sicher, ob Hörer ab 12 Jahren den Philosophie-Teil durchhalten. 

Inhaltlich baut Jostein Gaarder die Handlungsstränge aber sehr gut auf. Während man am Anfang noch glaubt, eine moderne Lehrstunde zu bekommen, werden die Inhalte sehr schnell auf die Geschichte übertragen. Sofie muss sich fragen, ob sie selbst überhaupt eigene Entscheidungen treffen kann. 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir Sofies Welt sehr gut gefallen hat. Da ich den Roman allerdings nicht gelesen habe und mich kaum noch an den Film erinnere, kann ich die Hörspiel Produktion leider nicht mit den anderen Medien vergleichen. Dennoch bekam ich hier etwas von der Geschichte mit und erlebte diese auch als rund. Ich erlebte es beispielsweise nicht so, dass mir durch das Hörspiel Inhalte verloren gingen. Das Einzige, was ich vielleicht anpassen würde, wäre die Altersempfehlung. 

Samstag, 7. April 2018

Lesenacht am Samstag den 14. April

Foto: A. Mack


Guten Morgen Buchlinge,

es ist wieder soweit. Wir laden euch hiermit herzlich zu unserer Lesenacht ein.


Daten und Fakten 

Wann: Samstag den 14. April ab 18:30 Uhr
Wo: Überall, wo ihr eben lesen möchtet.
Die Aufgaben: Diesmal werden wir alle 1 1/2 Stunden neue Aufgaben oder Fragen veröffentlichen.

Ihr dürft natürlich auch gerne zu einem späteren Zeitpunkt einsteigen. Wir hoffen, durch die Verschiebung der Aufgaben bleibt genug Zeit zum Lesen und Plaudern.

Wie auch beim letzten Mal werden wir uns über Social Media austauschen. HIER geht es zu unserer Facebook Veranstaltung. Bei Twitter sind wir unter dem Hashtag #Lesenacht zu finden.

Bei Bedarf lege ich wieder eine Teilnehmerliste an. Ansonsten starte ich bei Facebook wieder einen kleinen Post unter dem ihr eure Kanäle verlinken könnt.

Seid ihr dabei?


Teilnehmerliste 

Barbara - My Books & Series
Emma und das Ge(h)folge - Ge(h)Schichten

Donnerstag, 5. April 2018

Die Bücherdiebin

Bild von
RandomHouse Audio
Steckbrief

Name: Die Bücherdiebin (auch als Buch und Film erhältlich)
Autor: Markus Zusak
Verlag: RandomHouse Audio
Geeignet für: Fans von Jugendbüchern mit historischen Elementen
Gelesen oder gehört: gehört in gekürzter Fassung
Sprecher: Boris Aljinovic
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von RandomHouse Audio

"Sie hielt immer noch das Buch in der Hand. Verzweifelt klammerte sie sich an die Worte, die ihr das Leben gerettet hatten.
1939, Nazideutschland. Der Tod hat viel zu tun und eine Schwäche für Liesel Meminger.

Am Grab ihres kleinen Bruders stiehlt Liesel ihr erstes Buch. Mit dem „Handbuch für Totengräber“ lernt sie lesen und stiehlt fortan Bücher, überall, wo sie zu finden sind: aus dem Schnee, den Flammen der Nazis und der Bibliothek des Bürgermeisters. Eine tiefe Liebe zu Büchern und Worten ist geweckt, die sie auch nicht verlässt, als die Welt um sie herum in Schutt und Asche versinkt. Liesel sieht die Juden nach Dachau ziehen, sie erlebt die Bombennächte über München – und sie überlebt, weil der Tod sie in sein Herz geschlossen hat."


Meine Meinung zum Hörbuch 

Die Bücherdiebin habe ich das erste Mal vor acht Jahren gelesen. Schon damals hat mir die Geschichte sehr gut gefallen. Allerdings hat mich das Ende wahnsinnig gemacht, weil ich es einfach ziemlich ungerecht fand. Nun wollte ich noch einmal in die Welt von Liesel Memminger eintauchen und habe mir kurzerhand das Hörbuch geschnappt.

Gestaltung
Boris Aljinovic führt uns durch die Geschichte. Zu Beginn hatte ich etwas Mühe mit seiner Stimmfarbe. Nach und nach fielen mir aber die Feinheiten auf, mit denen er Die Bücherdiebin erzählt. Boris Aljinovic hat nämlich eine schwierige Aufgabe: Er muss sich nicht nur mit den Charakteren auseinandersetzen, sondern auch die Rolle des allwissenden Erzählers einnehmen und uns diesen nahebringen. Und das ist gar nicht mal so einfach, denn die Geschichte wird von niemand Geringerem als dem Tod erzählt. Ich mochte die Interpretation von Boris Aljinovic sehr und finde, dass er sowohl die Charaktere als auch den allwissenden Erzähler gekonnt interpretiert hat.

Inhalt
Markus Zusak verbindet in Die Bücherdiebin mehrere Elemente miteinander. Zum einen nimmt er uns mit in die Erlebnisse des dritten Reiches: Liesel Memminger muss ihre Familie verlassen und kommt bei den Hubermanns in der Nähe von München unter. Dort hat sie es nicht leicht: Pflegemutter Rosa Hubermann scheint unterkühlt und bezeichnet alles und jeden nur als Saumenschen. Liesels Pflegevater hingegen - Hans Hubermann - ist wortkarg, schafft es aber eine Beziehung zu dem Mädchen aufzubauen. Dann bricht der zweite Weltkrieg aus und die Familie muss näher zusammenrücken. Eines Tages steht ein Fremder vor der Tür, der die Welt der Hubermanns ziemlich durcheinander bringt.

Und neben diesem historischen Handlungsstrang gibt es natürlich noch Liesels Liebe zu den Büchern: Obwohl Liesel zu Beginn des Buches kaum lesen kann, entwickelt sie eine Liebe zu den Wörtern. Sprache fasziniert sie. Sie nimmt wahr, wie viel man mit Worten anrichten kann, wann es Worte bräuchte, aber doch nicht die passenden über die Lippen kommen und wann Worte nur leer erscheinen.

Interessant fand ich hier, dass der allwissende Erzähler unserer Geschichte der Tod ist. Hier lässt Markus Zusak seine Vorstellung von dem Tod einfließen. Natürlich bekommen wir mit, wie der Tod über die Menschen und Liesels Erlebnisse denkt. Es wird außerdem deutlich, dass ihn das Mädchen fasziniert und er - sofern es ihm möglich ist - gerne bei ihr in der Himmelsstraße vorbeischaut.

Spannung
Der Spannungsbogen von Die Bücherdiebin ist gut aufgebaut. Ich war relativ überrascht, dass die Kapitel des Hörbuches doch recht kurz sind. Dennoch hatte ich nicht den Eindruck, dass es an Informationen fehlte. Ich glaube, ich hätte Liesels Erlebnissen in der Himmelsstraße noch eine Weile zuhören können. Deswegen war ich - zumindest beim ersten Mal lesen - doch etwas überrascht über das abrupte Ende. Als ich nun ein zweites Mal in die Geschichte eintauchte, stellte ich fest, dass die Handlungsstränge hier und da etwas holprig miteinander verwoben waren. Das ist mir beim ersten Mal lesen aber nicht negativ aufgefallen. 

Schreibstil
Wie bereits erwähnt, gibt es hier den allwissenden Erzähler: den Tod. Auch der Schreibstil von Markus Zusak scheint eher erzählend. Es gibt hier und da Dialoge, die sehr von dem Ausdruck Saumensch geprägt sind, was mich etwas schmunzeln ließ. Hier und da musste ich auch erkennen, dass unser allwissender Erzähler minimal spoilert, weil er ja wusste, wann einzelne Charaktere sterben. Dennoch verriet er nichts über die Todesumstände. Und das machte es dann nicht ganz so schlimm.

Beim zweiten Mal hören sind mir einige sprachliche Bilder aufgefallen, über die ich gerne mit jemandem gesprochen hätte, um sie einfach noch besser verstehen zu können. So stiehlt Liesel beispielsweise Bücher, hat aber trotzdem eine Liebe zu diesen. An einem Geburtstag bekommt sie auch eine wunderschöne Geschichte geschenkt, die mit Sicherheit einen tieferen Sinn hat. Auch in Bezug auf den historischen Handlungsstrang gab es einige Elemente, die mich nachdenklich zurückließen.

Gesamteindruck
Am Ende von Die Bücherdiebin stellte ich fest, dass ich mittlerweile etwas anders über das Ende denke. Ich finde es immer noch sehr traurig. Dennoch gehörte es leider zur damaligen Zeit. Inzwischen komme ich etwas besser damit zurecht. Es war wieder toll in Liesels Geschichte eintauchen zu dürfen und mir noch einmal darüber klarzuwerden, wie es mir beim ersten Mal Lesen ergangen ist. Außerdem stellte ich erstaunt fest, dass mir diesmal wieder ein paar Dinge aufgefallen sind, für die ich das erste Mal kein Gespür hatte.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Die Bücherdiebin ein tolles Jugendbuch mit historischen Elementen ist. Es sorgt für viel Diskussionsstoff aber auch trotz ernsten Inhaltes für ein paar lustige Stellen.


Meine Meinung zum Film 

2013 kam Die Bücherdiebin in die deutschen Kinos. Überraschenderweise fanden sich unter dem Cast deutsche Schauspieler wie beispielsweise Heike Makatsch (Liesels Mutter), Rainer Bock und Barbara Auer (Ehepaar Hermann), Nico Liersch (Rudi Steiner, Liesels bester Freund) und Oliver Stokowski (Rudis Vater).

Im Großen und Ganzen hat mir die Verfilmung sehr gut gefallen. Obwohl die Geschichte in einer dunklen Zeit spielt, waren die Szenen bei weitem nicht so dunkel gehalten, wie beispielsweise in den Harry Potter-Verfilmungen.

Allerdings wurden einige Handlungsstränge verschoben oder weggelassen. So entschied man sich beispielsweise dafür, den Fokus auf die historische Geschichte zu legen und dabei Liesels Liebe zu den Büchern etwas zu vernachlässigen. Das fand ich etwas schade, da der Film so einen minimalen Ein-Kriegsfilm-halt-Touch bekommt. Die Idee, was Worte anrichten können, dass sie Freude und Leid bringen können, bleibt hier unausgesprochen und ist für Leute, die das Buch nicht lesen werden, auch nicht erkennbar.

Dennoch hat mir der Film sehr gut gefallen. Ich mochte die Schauspieler, allen voran Hauptdarstellerin Sophie Nelisse, in der Rolle der Liesel Memminger. Sie hat die Protagonistin gut übersetzt. Die Trauer und Mühe, sich bei den Hubermanns einzuleben wurde durch ein paar Elemente betont, die in dem Buch nicht vorkamen, aber trotzdem in die Geschichte passten.

Ich fühlte mich durch den Film sehr gut unterhalten und war froh, dass die Geschichte, im Großen und Ganzen gelungen umgesetzt worden war.