Samstag, 10. März 2018

Ge(h)schaut - Unser Lied für Lissabon

Hallo Buchlinge,

am 22. Februar wurde endlich unser Finalist für den diesjährigen Eurovision Song Contest gewählt. Wie versprochen werde ich euch nun von der Sendung und meinen Eindrücken berichten.


Entscheidungen vor der Sendung 

Nachdem unsere Platzierung im letzten Jahr auch eher schlecht als recht war, hatte der NDR wieder in seine Trickkiste gegriffen und uns ein neues Votingverfahren präsentiert. Diesmal sollte es um einiges komplizierter ablaufen:

Wieder gab es ein offenes Casting an dem sich Teilnehmer bewerben konnten. Die 20 besten Künstler sollten dann vor einer internationalen Jury, bestehend aus 20-25 ESC Erfahrenen und vor hundert ausgewählten Zuschauern (auch Eurovision Panel genannt) performen. Diese Konstellation bestimmte über die sechs Finalisten, die am 22. Februar zur Auswahl stehen sollten.

In der Fernsehsendung gab es dann wieder die zwei Jurys. Allerdings hatten die Zuschauer diesmal auch ein Mitsprachrecht, sodass die endgültige Entscheidung gedrittelt wurde. Klingt kompliziert? Ist in einigen Ländern aber bereits Standard, wie wir am 22. Februar erfuhren.

Ende Dezember erfuhren wir dann, wer die sechs Interpreten waren, die es in die Liveshow geschafft hatten: Michael Schulte, Ivy Quainoo, voxxclub, Xavier Darcy, Ryk und Natia Todua.


ULfL - Die Sendung 

Die Moderatoren 
Barbara Schöneberger gab den Moderationsstab an die nächste Generation weiter und so führten uns Elton und Linda Zervakis durch den Abend. Ich war überrascht, dass diesmal wieder ein Duo für die Moderation eingesetzt wurde, freute mich aber, dass Elton diesmal mit von der Partie war. Ich hatte bereits ein paar Sendungen gesehen, die er moderierte und so erhoffte ich mir, dass er gut durch den Abend führen sollte. Linda Zervakis kannte ich bisher noch nicht, war aber gespannt, wie beide miteinander harmonierten.
Für Mai müssen die beiden noch etwas üben. Ich hatte den Eindruck, dass sie etwas Mühe mit den Überleitungen und dem üblichen Smalltalk hatten. Manche Witze empfand ich als fehl am Platz.
In diesem Jahr bekam unser Vorentscheid auch eine Stimme aus dem Off. Und dreimal dürft ihr raten, wer das übernahm? Richtig ESC Urgestein Peter Urban. Er hat zwar eine angenehme Stimmfarbe, allerdings bin ich von seinen Kommentaren recht schnell genervt. Zudem passen manche Dinge einfach nicht zusammen. So verkündete er beispielsweise, dass Teilnehmer Michael Schulte sogar sein eigenes Plattelabel habe. Warum wohl muss ein Künstler sein eigenes Plattenlabel gründen? Richtig, weil er keinen Fuß in ein bereits bestehendes Plattenlabel bekommt.

Die Finalisten und ihre Lieder 
Im letzten Jahr war ich von den sechs Künstlern recht enttäuscht. Hier waren nur zwei dabei, die konstant gut singen konnten. Die Lieder gefielen mir leider überhaupt nicht. Auch hier vermutete ich, dass man sich möglichst wenig Mühe gegeben habe.
2018 hingegen wurden die sechs verbliebenen Künstler in ein Songwriting Camp des NDR geladen. Hier hatten sie drei Tage Zeit gemeinsam mit einem Team ein Lied zu erarbeiten. Allerdings durften sie auch außerhalb des Camps an einem Song feilen und waren nicht gezwungen, das Material zu nehmen, welches im Camp erarbeitet wurde. Kommen wir nun zu den Finalisten und ihren Liedern:

Natia Tudua, aktuelle The Voice Siegerin, trat mit ihrem Lied My own way an. Den Anfang fand ich sehr stark und die Brücke zum Refrain war toll aufgebaut. Allerdings fehlte mir dann die Steigerung. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass die Sängerin bei der Liveshow eher schrie und so ihre Stimme nicht wirklich unter Beweis stellen konnte. Mir tat es wirklich leid, weil ich bei The Voice den Eindruck hatte, dass sie wirklich gerne auf der Bühne steht und nicht, wie viele Sänger, von Angst geleitet wird. Dennoch war ich auch minimal froh, dass sie nicht für uns nach Lissabon fahren sollte. Vor zwei Jahren trat die damalige The Voice Gewinnerin Jamie Lee für uns an und war ebenfalls auf den letzten Plätzen zu finden. Mittlerweile hört man musikalisch nicht mehr wirklich viel von ihr und ich befürchtete, dass Natia, falls unsere Platzierung schlecht ausfallen sollte, ein ähnliches Schicksal ereilte.

Sänger Ryk - dessen Namen die wenigsten richtig aussprechen konnten - trat mit der Ballade You and I an. Die Ballade hätte wirklich typisches ESC Potential gehabt. Mir war das Lied im Refrain fast schon etwas zu theatralisch. Dennoch mochte ich es irgendwie und konnte es mir gut in Lissabon vorstellen . Auch bei Twitter fanden ein paar der internationalen Zuschauer das Lied ziemlich gut.

Am meisten Angst hatte ich vor voxxclub. Schlager sind leider überhaupt nicht mein Fall. Die Gruppe kann zwar gut singen, dennoch war ihr Beitrag I mog di so einfach mal ... moderner Schlager. Schon 2013 traten eine ähnliche Gruppe beim ESC Vorentscheid an. Und ich tröstete mich zumindest damit, dass der Text - von dem ich zwar nicht viel verstand - nicht ganz so zweideutig klang, wie bei dem 2013er Beitrag.

Xavier Darcys Lied Jonah gefiel mir richtig gut. Es brachte etwas Festival Feeling ins Wohnzimmer und ich hoffte, dass der Künstler die Festivalsaison gut für sich nutzen kann. Allerdings befürchtete ich, dass das Lied in Lissabon womöglich nicht funktionieren könnte und das internationale Publikum eher einen anderen Musikgeschmack haben würde.

Auf Ivy Quainoos Lied House on Fire war ich sehr gespannt. Ich habe die Künstlerin vor ein paar Jahren live erleben dürfen und wusste, dass sie die ESC Herausforderung mit Sicherheit meistern würde. Ihr Lied klang mystisch. Sie konnte es stimmlich, im Gegensatz zu Natia Todua aber sehr gut meistern. Bis dato war Ivy unsere Favoritin. Und dann kam...

Michael Schulte mit seinem Lied You let me walk alone. Und innerhalb weniger Töne wusste ich, wen ich in Lissabon sehen wollte. Das Lied fängt ruhig an und steigert sich dann kontinuierlich. Hier hatte ich das Gefühl, dass nicht nur durch den Text, sondern auch durch die Musik eine Geschichte erzählt wird, die langsam beginnt, ihren Höhepunkt hat und dann ihr Ende findet.

Das Voting 
Zuerst war ich von dem Voting Verfahren genervt. Ich fragte mich, warum wir ein internationales Publikum bräuchten, das eine Vorauswahl für uns treffen sollte. Waren wir nicht mehr selbst imstande uns eine eigene Meinung zu bilden zu können? Als dann in der Sendung aber erklärt wurde, dass es sich hierbei um ein typisches ESC Verfahren handelte, welches auch schon von anderen Ländern in Anspruch genommen wurde, stimmte mich das etwas versöhnlicher. Außerdem freute ich mich, dass man diesmal sechs Künstler auswählte, die bereits schon Erfahrung im Musikgeschäft hätten. Ich hatte befürchtet, dass man Newcomern eine Chance gab, diese dann aber wieder fallen ließ, sobald der ESC Rummel vorbei war. Michael Schulte hingegen, kann auf eine Fanbase zurückgreifen, die ihm auch sicher nach dem ESC noch erhalten bleibt.


Mein Fazit 

Pleiten, Pech und Pannen - Emma kann nicht planen 
Nachdem die Entscheidung also gefallen war, war ich ziemlich glücklich. Ich schöpfte zum ersten Mal wieder etwas Hoffnung, weil diesmal ein Kandidat antrat, dessen Stimme und dessen Lied mir wirklich gut gefielen. Vorfreude machte sich breit und ich fragte mich, wie der Abend wohl für uns laufen würde.
Und dann kam der Blick in den Kalender... Ich sollte das ESC Finale nicht im eigenen Wohnzimmer verfolgen können. Schon vor Monaten hatte ich mich nämlich mit Skyara für die LoveLetter Convention in BERLIN verabredet. Und dieser Termin stand sogar in meinem Kalender...

Glücklicherweise ist unser Hotelzimmer mit einem Fernseher und mit WLAN ausgestattet. Skyara ist auch schon mal vorgewarnt und hat nichts gegen einen musikalischen Ausflug. Übrigens: Unseren Sieg 2010 konnte ich damals auch nicht mit meiner Familie feiern. Vielleicht ist es also ein gutes Omen? Wer weiß das schon?

Kommentare:

Kerstin hat gesagt…

Vielen Dank für diese tolle Zusammenfassung!
Ich habe mir nach den letzten Pleiten das ganze gespart, aber vielleicht sollte ich dem ganzen dieses Jahr mal eine Chance geben, denn ich habe mir nun das Gewinnerlied mal angehört und ich finde es auch wirklich total schön <3

Liebe Grüße
Kerstin

Emma hat gesagt…

Guten Morgen Kerstin,

vielen Dank für Deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass Dir der Artikel und unser Lied für Lissabon gefallen. Ich war am Anfang auch sehr misstrauisch, was sich der NDR diesmal wieder überlegt hat. Langsam aber sicher steigt aber wirklich die ESC Vorfreude. Und ich denke mir immer: Selbst, wenn wir auf den hinteren Plätzen landen, mögen zumindest wir unseren Teilnehmer. Und Geschmäcker sind verschieden. Aber natürlich wäre es auch mal schön, nicht schon wieder das Schlusslicht bilden zu müssen.

viele Grüße und einen guten Start in die neue Woche wünscht

Emma