Freitag, 20. Juli 2018

Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele (Band 1)

Bild von oetinger audio
Steckbrief

Name: Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele (auch als Buch, Film erhältlich)
Autor: Suzanne Collins
Verlag: oetinger audio Verlag
Geeignet für: Jugendliche und Leser, die gerne Dystopien lesen
Gelesen oder gehört: gehört in ungekürzter Fassung
Sprecher: Maria Koschny
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von oetinger audio Verlag

"Mit ihrer Trilogie „The Hunger Games“ sorgte die Autorin Suzanne Collins weltweit für Furore. Allein die deutschsprachigen Ausgaben der Trilogie „Die Tribute von Panem“ haben sich über 3,2 Millionen Mal verkauft. Mit diesen mp3-CDs erwartet Sie die ungekürzte Lesung der Trilogie in einer hochwertigen Verpackung. Mehr Panem geht nicht!"


Meine Meinung 

Gestaltung
Die Hörbücher zu Die Tribute von Panem sind sowohl in gekürzter als auch in ungekürzter Fassung erschienen. Die ungekürzte Lesung ist aber etwas später erschienen. Und deswegen entpuppt es sich als Vorteil, dass ich die Reihe erst nach fast zehn Jahren nach der Veröffentlichung des ersten Bandes für mich entdeckt habe.
Die Trilogie wird von Maria Koschny gelesen, die in den Buchverfilmungen Jennifer Lawrence ihre Stimme leiht. Ich finde es besonders schön, dass die Hörbuchsprecherin somit sowohl in der Verfilmung als auch in der Hörbuchfassung zu hören ist.

Bisher habe ich erst ein Hörbuch gehört, das von Maria Koschny gelesen wurde. Sie fiel mir eher als Synchronsprecherin in ein paar Filmen auf. Und hier war sie meist in Filmen zu finden, die eine lockere, leichte, humorvolle Atmosphäre transportieren.
Da sind Die Tribute von Panem der pure Gegensatz. Hier muss Maria Koschny beweisen, dass sie auch eine ernste, bedrohliche und bedrückende Stimmung transportieren kann. Und das ist ihr hier wirklich gut gelungen. Außerdem mag ich ihre Stimmfarbe. Durch einen Charakter konnte sie auch zwischen locker leicht und ernst und bedrohlicher Interpretation wechseln, was ein sehr interessantes Zusammenspiel war. Und obwohl die Handlung nicht lustig ist, musste ich bei diesem Wechsel schon etwas schmunzeln.

Inhalt
Was mich sehr lange davon abgehalten hat, die Trilogie zu beginnen, war der Inhalt des ersten Bandes bzw. das, was ich über den Inhalt wusste: Die Geschichte spielt in der Zukunft. Hier sind die USA in zwölf so genannte Distrikte aufgeteilt. Und jedes Distrikt stellt einmal im Jahr zwei Teilnehmer für die so genannten Hungerspiele: Da werden die Kandidaten in eine Arena geworfen und müssen sich gegenseitig töten. Natürlich wird das alles für das Fernsehen aufgezeichnet. Und dieser Plot hat mich ziemlich frustriert, weil ich mich fragte, wie man sich so etwas ausdenken kann. 
Mit den Jahren wurde mir aber mehrfach von der Trilogie vorgeschwärmt und ich fragte mich, was es mit der Geschichte auf sich hat und ob die Handlung wirklich so voller Gewalt war, wie ich vermutete.

Was die Gewalt betrifft, kann ich an der Stelle schon einmal eine Entwarnung aussprechen: Natürlich werden Jugendliche sterben, aber der erste Band von Die Tribute von Panem sind keinesfalls eine Vorstufe von Horrorromanen.

Die Handlungsstränge sind übersichtlich gehalten und der rote Faden liegt auf der Hand: Kathniss und Peetah sind die Kandidaten der Hungerspeile aus Distrikt zwölf. Das Distrikt, das bei den Spielen selten den Hauch einer Chance hat. Dennoch wissen wir ja bereits, dass es die Reihe eine Trilogie ist und es ist daher sehr unwahrscheinlich, dass die anderen Bände eine neue Protagonistin haben. Deswegen stellt sich die Frage: Wie schafft es Kathniss in der Arena zu überleben?

Leider erkannte ich hier ein paar typische Merkmale der Dystopien wie beispielsweise: Die Protagonisten stammen aus ärmlichen Verhältnissen, eine Liebesbeziehung wird angedeutet, die Protagonisten müssen eine Mission erfüllen, die im Zusammenhang mit einer Kritik an dem herrschenden System zu tun hat.
Allerdings sind das alles Merkmale, die ich Suzanne Collins nicht wirklich vorwerfen kann, weil mit Die Tribute von Panem das Genre der Dystopie eingeläutet wurde. Das wäre beispielsweise wie, wenn ich J.K. Rowling vorwerfen würde, dass sie ihre Charaktere auf ein Zaubererschule schickt.
Die Handlung war durchaus gut verstrickt und ich habe die Geschichte auch sehr gerne gehört. Dennoch war bei mir minimal etwas die Luft raus.

Besonders gelungen finde ich hier unsere Charaktere, weil sie keinen Rollenklischees entsprechen: Normalerweise ist es ja so, dass sich Mädchen oder Frauen in Büchern oft anpassen müssen und den Jungen bzw. Mann dabei unterstützen, die Mission zu erfüllen. Hier hingegen ist das genaue Gegenteil der Fall: Kathniss musste früh lernen auf eigenen Beinen zu stehen und für ihre Familie zu sorgen. Das hat sie nach außen hin hart gemacht. Sie hat gelernt, ihre Gefühle zu verstecken, da die Härte ihr Überleben sichert. Allerdings ist Kathniss auch sehr impulsiv und lässt sich leicht provozieren.
Peetah ist introvertiert und konfliktscheu. Er möchte Kathniss unterstützen, aber ohne dafür zu viel Aufmerksamkeit auf sich und seine Handlungen zu ziehen. Und nun werden die beiden vom Schicksal zusammengewürfelt und müssen gemeinsam eine Mission bestehen. Es war interessant zu beobachten, wie beide aufeinander reagieren und verschiedene Aufgaben bewältigen.

Spannung
An sich ist der Spannungsbogen durch den Plot schon bestimmt: Wer wird die Hungerspiele überleben?
Das Problem für mich beim Hören war: Ich wusste, dass es zwei Folgebände gibt. Daher konnte ich mich bei manchen bedrohlichen Szenen entspannt zurücklehnen, weil ich damit rechnete, zu wissen, wie das Ganze ausgeht.
Allerdings wusste ich nicht, ob alle drei Bände in der Arena spielten. Gut gefallen hat mir auch, dass Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele an sich eine abgeschlossene Handlung hat. Wer nach diesem Band beschließt, die Reihe doch nicht zu beenden, wird nicht mit größeren Cliffhangern zurückgelassen.

Schreibstil
Suzanne Collins erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive und zwar aus der Sicht von Kathniss. Kathniss ist aber keine allwissende Erzählerin, was auch dafür sorgt, dass die Handlung übersichtlich bleibt und nicht allzu verstrickt ist, was aber kein Nachteil ist.
Suzanne Collins überzeugt hier mit einem lebendigen und flüssigen Schreibstil. Sie lässt uns an Kathniss Gedanken teilhaben, sodass ihre Reaktionen auf Handlungen für uns als Leser realistisch und nachvollziehbar sind. Dennoch wird deutlich, dass Kathniss Reaktion auf bestimmte Handlungen auch damit zusammenhängt, wie sie die Situationen interpretiert. Sprich: Es gäbe auch andere Handlungsmöglichkeiten. Und dieses Element hat Suzanne Collins hier gut herausgearbeitet. Sehr gut gefallen haben mir Suzanne Collins Dialoge.
Was ich überraschenderweise bemerkt habe ist, dass Suzanne Collins viel beschreibt, aber uns verhältnismäßig wenig erleben lässt. So lässt sie Kathniss immer wieder erzählen, wie man in ihrer Heimat vermutlich auf die Hungerspiele oder manche gezeigte Szenen reagiert. Das hätte die Autorin aber auch gut durch einen Perspektivenwechsel darstellen können, was vielleicht auch dafür gesorgt hätte, dass man die Handlungstränge besser verstricken könnte. Dennoch ist das nur ein Nebeneffekt und hat das Hören nicht negativ beeinflusst. 

Gesamteindruck
Ich muss gestehen, dass meine Erwartungen an den ersten Band der Reihe etwas zu hoch waren. Die Entwicklungen unserer Protagonisten wurden nicht ganz deutlich herausgearbeitet, waren aber am Rande erkennbar.
Außerdem war ich überrascht, wie viele Elemente ich aus dem Genre der Dystopie wiedererkennen konnte.

Dennoch hat Suzanne Collins hier den soliden Auftakt einer vielversprechenden Trilogie geschaffen. Ich habe den ersten Band von Die Tribute von Panem sehr gerne gehört und vermute, dass mir die kritischen Punkte als Jugendliche wahrscheinlich gar nicht so aufgefallen wären. Ich bin sehr gespannt, wie es mit der Geschichte weitergeht. 

Mittwoch, 18. Juli 2018

* Tote Mädchen lügen nicht

Bild von
RandomHouse Audio
Steckbrief

Name: Tote Mädchen lügen nicht (auch als Hörbuch vorhanden)
Autor: Jay Asher
Verlag: cbt Verlag
Geeignet für: Jugendliche zwischen 14 - 17 Jahren, oder Menschen, die gerne traurige Jugendbücher lesen
Gelesen oder gehört: gelesen als Hardcover und gehört als gekürztes Hörbuch

Sprecher: Robert Stadlober, Shandra Schadt
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext


(von RandomHouse Audio)

"Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf „Play“ – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ..." 


Meine Meinung

Gestaltung

Die Geschichte wird von zwei Sprechern gelesen, denn auch hier erwarten uns wieder zwei Handlungsstränge: 
Der erste Handlungsstrang ist Hannahs Geschichte. Sie hat diese auf 13 Kassetten aufgesprochen und in Umlauf gebracht. Clay ist einer der dreizehn Menschen, die für Hannah Bakers Tod verantwortlich sein sollen. In seinem Handlungsstrang geht es darum, wie er mit Hannahs Erzählung umgeht. 
Robert Stadlober und Shandra Schadt sind beide um die 30 Jahre und klingen unheimlich jung, was bei Tote Mädchen lügen nicht ein großer Vorteil ist.
Beide Sprecher sind sehr gut besetzt. Sie harmonieren gut miteinander und interpretieren ihre Rollen gekonnt. Robert Stadlober hört man die Verunsicherung seines Charakters wirklich an. Im Laufe der Geschichte wird die Verunsicherung dann durch Verzweiflung ersetzt. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie Clay leidet.
Shandra Schadts Interpretation war zu Beginn mit Genugtuung bestückt. Ich konnte förmlich hören, wie Protagonistin Hannah sehr gerne miterlebt hätte, wie die einzelnen Adressaten auf die Kassetten reagieren. Doch die Genugtuung beginnt nach und nach zu 
bröckeln. Und diesen Wechsel von Selbstsicherheit zur Ohnmacht hat die Sprecherin sehr gut transportiert. 

Etwas überraschend war das Ende von Tote Mädchen lügen nicht. Hier hätte ich mir noch eine Art Outtro gewünscht. Allerdings ist die Produktion schon etwas älter und vielleicht hielt man es damals nicht für notwendig. Zudem finde ich es erstaunlich, dass der Titel nur noch als Hörbuch Download erhältlich ist. Gerade im letzten Jahr als die erste Staffel der gleichnamigen Netflix Serie so erfolgreich war, bin ich irgendwie davon ausgegangen, dass auch Buch und Hörbuch nochmal an Bekanntheit gewinnen. 

Zum Schluss noch ein paar Worte zur gekürzten Hörbuch Fassung: Vor Jahren habe ich das Buch gelesen, konnte mich aber nur noch grob an den Inhalt erinnern. Ich glaube nicht, dass bei dem Hörbuch viel gekürzt wurde. Wenn ich raten müsste, würde ich vermutzen, dass Clays Handlungsstrang vielleicht etwas zusammengeschnitten wurde. 

Inhalt / Spannung 
Kommen wir also zuerst zur Handlung der Geschichte. Hannah Baker liefert uns hier dreizehn Gründe, die für ihren Suizid verantwortlich sind. Und genau das Element hat mich beim ersten Mal lesen ziemlich aufgeregt, weil keine wirkliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Gründen stattfindet, sondern nur eine Menge von Schuldzuweisungen verteilt werden. 
Heute sehe ich es etwas differenzierter, finde aber nach wie vor, dass Jay Asher das Thema Suizid alles andere als gelungen darstellt. 

Zum einen stellt er es so dar, als ob man viele Gründe bräuchte, um einen Suizid zu begehen. Und das stimmt nicht. Allein von Hannahs Liste würden wahrscheinlich schon 1-2 Gründe ausreichen, damit junge Menschen in eine Krise kommen. Jay Asher führt hier aber dreizehn Gründe auf. Lesern wird so das Gefühl vermittelt, dass es einem schon so richtig schlecht gehen muss, um Suizid zu begehen. Und das stört mich massiv, weil die Menschen, die eben nur eine von Hannahs Problemen haben, als harmlos dargestellt werden. Dabei sind ihre Gedanken genauso ernst zu nehmen. 

Zum anderen geht Jay Asher bei den dreizehn Gründen kein bisschen in die Tiefe. Er reiht einfach eine Menge schlimmer Dinge hintereinander und hofft, dass der Leser zum Schluss versteht, dass es natürlich nur den Suizid als Ausweg geben kann. Wenn der Autor sich hier tiefgehend mit den Themen auseinandergesetzt hätte, wäre deutlich geworden ,dass schon ein Thema reicht, um eine Kettenreaktion in Gang zu bringen. Stattdessen erschienen mir die Gründe hier und da etwas zusammenhangslos. Gerade der Grund, der als Ausgangspunkt für die Kettenreaktion angeführt wurde, fand ich unrealistisch dargestellt. 

Kommen wir nun zu den Charakteren: Wie bereits beschrieben, hatte ich beim ersten Mal lesen eine große Antipathie gegenüber Hannah. Nicht, weil sie Suizid begangen hat, sondern, weil sie zuvor noch ordentlich austeilt und sich dem Konflikt nicht stellt, sondern die Menschen mit ihren Gedanken zurücklässt. Inzwischen denke ich aber, dass es solche Schicksale vielleicht wirklich gibt. Nicht so extrem - mit dreizehn Kassetten - sondern eher in Form von einem Abschiedsbrief. Wer aber nicht reflektiert an das Buch heran geht, kann Hannah ebenfalls als unsympathisch wahrnehmen und das wirft kein gutes Licht auf die vielen Jugendlichen auf dieser Welt, die wirklich in einer psychischen Krise stecken und Unterstützung brauchen. 

Das Einzige, was ich an Hannah als Protagonistin gelungen fand, war ihre Veränderung. Dass das Thema Tod Stück für Stück näher rückt und sie selbst in eine resignierende Lage kommt, weil sie keinen Ausweg aus ihrer Situation sieht und es ihr daher egal ist, was mit ihrer Psyche und ihrem Körper gemacht wird. 

Clay hingegen fand ich sofort sympathisch. Er ist ein ruhiger Junge, der nicht groß auffällt, den aber dennoch jeder zu kennen scheint. Er wirkt sehr empathisch. Und gerade deshalb fällt er auch aus allen Wolken, als er erfährt, dass er einer der dreizehn Gründe ist, die für Hannahs Suizid verantwortlich sind. Clay merkte man die Ohnmacht und die Verzweiflung an. Und das spiegelt oberflächlich gesehen den Schmerz wieder den Angehörige von suizidalen Menschen empfinden. 

Der Inhalt ist also definitiv kritisch zu betrachten und ich befürchte, dass die Handlung mehr Schaden anrichtet, als wirklich hilft. 

Schreibstil
Eines muss man Jay Asher lassen: Er zeigt in Tote Mädchen lügen nicht einen wirklich guten Schreibstil. Clays Verzweiflung und Ohnmacht, sowie Hannahs Wut und ihre Verletzlichkeit kommen sehr gut zur Geltung. Beide Handlungsstränge sind aus der Ich-Perspektive erzählt und sorgen somit für einen guten Lesefluss. Außerdem wirken beide Protagonisten auf ihre Art reflektiert, weil sie ihre Handlungen begründen, was zeigt, dass sie durchaus darüber nachdenken und nicht aus einer Laune heraus handeln. (Leider wirkt sich das nicht auf die Handlung der Geschichte aus). 


Gesamteindruck

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Hörbuchfassung das ernste Thema sehr gut aufgearbeitet hat, obwohl es nicht immer leicht war, hinzuhören und ich an manchen Stellen wirklich gerne vorgespult hätte. 

Es ist traurig, dass Jay Asher das Thema Suizid nicht gut darstellt, weil gerade durch die Netflix Serie viele Menschen auf Tote Mädchen lügen nicht aufmerksam geworden sind und die Handlung nicht wirklich dazu beiträgt, dass man für Themen wie Suizid oder Lebenskrisen sensibilisiert wird. Dennoch waren die Charaktere ganz gut ausgearbeitet. 
Tote Mädchen lügen nicht sollte aber auf jeden Fall in einem Setting gelesen werden, in dem man über die Handlung reflektiert und sich damit auseinandersetzt. Ich vermute aber, dass das leider sehr selten der Fall sein wird. 

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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

* Die Rezension ist bereits auf einem alten Blog erschienen, wurde aber anlässlich des Rezensionsexemplars noch einmal komplett überarbeitet.

Weitere Meinungen 
Tapsis Buchblog 

Montag, 16. Juli 2018

[Buchclub] Thema: Lektüre für den Sommerurlaub

Guten Morgen Buchlinge,

heute wird das Geheimnis um das erste Thema unserer ersten Buchclub Leserunde gelüftet.
Ihr wisst nicht, um was es beim Buchclub geht? Dann hilft euch dieser Beitrag bestimmt weiter.

Das erste Thema lautet...


Die perfekte Lektüre für Deinen Sommerurlaub 

Egal ob Strandurlaub, Städtereise oder der Liegestuhl auf Balkonien: Welches Buch soll Dich im August und September begleiten?
Möchtest Du einfach nur abschalten? Suchst Du etwa nach einem großen Abenteuer? Oder gibt es ein Buch, das Du schon immer mal im Sommer lesen wolltest?

Schreibe Deine Buchvorschläge in die Kommentare.
Bitte erwähne dabei folgende Punkte:

  • Autor und Titel Deines Vorschlags 
  • Lege einen Link mit einer Beschreibung dazu. (Verlinke entweder direkt auf die Verlagsseite oder auf einen Onlineshop). 
  • Du kannst so viele Vorschläge einreichen, wie Du möchtest 
Weitere Einschränkungen gibt es vorerst nicht, können aber bei den nächsten Leserunden eingeführt werden. 


Die erste Lesrunde im Überblick

Einreichen der Buchvorschläge: Mo 16.07 - So 22.07
Abstimmung über die Buchvorschläge: Mo 23.07. - So 29.07
Verkündung der drei Bücher: Montag 30.07
Gemeinsames Lesen und austauschen: August / September


Bisherige Vorschläge 

Adams Erbe von Astrid Rosenfeld
Alle Küsschen von Roald Dahl
Das Labyrinth der Wörter von Marie-Sabine Roger
Der Sommer der Sternschnuppen von Mary Simses
Fahrenheit 451 von Ray Brandbury
Fast genial von Benedict Wells
Ich und die Menschen von Matt Haig
Im Land der leeren Häuser von P. D. James
Julie weiß, wo die Liebe wohnt von Gilles Legardinier
Palast aus Staub und Sand von Haroon Gordon
Sand von Wolfgang Herrndorf
Schöne neue Welt von Aldous Huxley
Super, und dir? von Kathrin Weßling
Worte in meiner Hand von Guinevere Glasfurd
Wunder von Raquel J. Palacio


Fortsetzung folgt... 

Dieser Beitrag wird im Laufe der Woche weiter ergänzt. Zudem kann ab Montag den 23. Juli unter diesem Beitrag für die eingereichten Vorschläge abgestimmt werden.

Seid ihr dabei?

Sonntag, 15. Juli 2018

Die Tribute der toten Mädchen - Ge(h)plaudert im Juli Part 1

Guten Morgen Buchlinge,

ich habe die ersten beiden Hörbücher im Juli beendet und beschlossen, euch von diesen Geschichten zu erzählen. Ich spreche über Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher und den ersten Band von Die Tribute von Panem von Suzanne Collins.



Besprochene Hörbücher

*Tote Mädchen lügen nicht: https://bit.ly/2L7kAhr
Rezension: https://bit.ly/2Lhwy56

Die Tribute von Panem: https://bit.ly/2uzV9uz
Rezension: https://bit.ly/2mfNii2
Podcast Folge mit der Hörprobe: https://youtu.be/nGrLvojXtf8

Bei den mit * gekennzeichneten Büchern handelt es sich um Rezensionsexemplare, die mir vom Verlag zur Verfügung gestellt wurden.

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Inhaltsverzeichnis

00:00 Min: Ansage
01:00 Min: Tote Mädchen lügen nicht
01:34 Min: Tote Mädchen lügen nicht Hörprobe
04:30 Min: Meinung zum Hörbuch
09:56 Min: Die Tribute von Panem Meinung zum Hörbuch
15:36 Min: Outro

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Kennt ihr eines der Geschichten? 

Freitag, 13. Juli 2018

Keine Angst vor dem weißen Blatt - Freiburger Bücherstammtisch im Juni 2018

Foto: A. Mack

Hallo Buchlinge,

Lesen und das Schreiben eigener Geschichten liegt für viele Bücherfreunde sehr nah beieinander. (Ok, zumindest tut es das für mich). Da wir auch ein paar Autorinnen beim Bücherstammtisch in Freiburg haben, schlug ich im Januar vor, eines unser Bücherstammtisch Treffen für eine kleine Schreibwerkstatt zu nutzen.  

Und so wollten wir uns im Juni den weißen Blättern stellen. Unsere Gruppe schrumpfte im Juni etwas zusammen, was vermutlich daran lag, dass sich die wenigsten etwas unter dem Begriff kreatives Schreiben vorstellen konnten. Um euch etwas die Angst vor dem weißen Blatt oder den bösen Wörtern kreatives Schreiben zu nehmen, berichte ich nun, wie wir unser Juni Treffen gestaltet haben. 


Kreatives Schreiben - Was ist das? 

Kreatives Schreiben, soll, wie der Name schon sagt, die Kreativität anregen und dafür sorgen, dass der Kopf mal eine kleine Pause einlegt. Es geht nicht darum, den perfekten Text zu verfassen, sondern eher sich durch Schreibübungen oder Schreibspiele inspirieren zu lassen und ein paar lustige Stunden miteinander zu verbringen. 
Und mit viel Glück gibt es vielleicht auch die ein oder andere Inspiration für einen Roman. Wer weiß...  

Gleich zu Beginn forderte ich die Gruppe heraus: Da es nämlich in diesem Sinne auch keine schlechten Texte gibt, führte ich ein, dass jeder seine geschriebenen Zeilen vorlesen sollte. Obwohl wir uns untereinander mittlerweile alle recht gut kennen, sorgte die Ansage bei einigen Stammtisch Mitgliedern für Stirnrunzeln und Augenrollen. Was sollte nur daraus werden? 


Der perfekte Einstieg: Das Akrostichon 

Meine Lieblingsübung zum Einstieg in eine Schreibwerkstatt ist das Akrostichon. Erst einmal beschreibe ich die Grundlage der Übung, bevor ich zu unserer Version komme. 

Akrostichon - Was ist das? 
Du nimmst dir ein Blatt und schreibst ein Wort senkrecht auf das Papier. Dann hast du in jeder Zeile einen Anfangsbuchstaben. Du suchst dir nun Wörter, die mit diesen Buchstaben beginnen. Sobald du alle Wörter beisammen hast, bringst du sie in einem kleinen Text zusammen. 

Varianten: Diese Übung wird sehr gerne mit dem eigenen Namen oder den Namen der anderen Gruppenteilnehmern gemacht. 

Meine Version: Vorsicht: In der Theorie klang meine Version viel cooler, als es sich in der Praxis umsetzen ließ. Dennoch möchte ich diese Übung hier vorstellen: Ich bat die Teilnehmer sich einen Buchtitel zu überlegen. Hier könnten sie es sich aussuchen, ob sie den Artikel eines Buchtitels dazu nehmen oder weglassen wollten. 
Dann sollten die Teilnehmer die neu gewonnenen Wörter in einem Text unterbringen. Angedacht war eigentlich, die Buchtitel zu erraten, was aber beinahe unmöglich war, wie ihr an meinem Beispiel erkennen werdet. 

Mein Beispiel: 
Irland im November. Der Elefant brach aus dem Circus aus. Sein Hintern war unglaublich groß, er hätte Tote beherbergen können. Der Elefant wünschte sich, er wäre in einem Garten in der Natur in der Nähe des Waldes, bei seinem Freund dem Dachs. Wenn es Nacht wurde, nutzte er seine Chance und rief nach ihm. Der Dachs aß dann meist einen Apfel und wartete auf den Igel. Gemeinsam lasen sie sich den Duden vor. Doch wenn der Tiger kam und drohte, ihnen eine Hand abzuhacken, wenn sie noch weiterlasen, hörten sie auf. Dabei wollten sie ihre Chancen nicht verpassen, sich in der Sprache der Menschen weiterzubilden.

Frage: Na, welcher Buchtitel versteckt sich hinter diesem Text? Die Auflösung gibt es im August, wenn ich euch von unserem Juli Treffen berichte. 


Geschichte aus der Tüte - Das pure Chaos mit viel Witz! 

Bild von A. Mack
Wer mir auf Instagram folgt, durfte bereits dieses Bild bewundern. Ihr seht eine Stofftasche, die mit vielen kleinen Dingen gefüllt war. 

Geschichte aus der Tüte - Was ist das?
Ihr braucht eine Tasche in die ihr viele kleine Dinge steckt, wie beispielsweise Besteck, einen Schnürsenkel, einen Schlüsselanhänger usw. Dinge, die man in die Hand nehmen kann. Alternativ könnt ihr auch die Teilnehmer vor Ort bitten, in die eigene Handtasche oder den mitgebrachten Rucksack zu greifen und den ersten Gegenstand herauszuholen, der ihnen in die Hände fällt. 
Danach lasst ihr die Tasche in der Gruppe herumgeben. Jeder darf sich nun einen Gegenstand aus der Tasche nehmen, allerdings ohne einen Blick hineinzuwerfen. 
Lasst den Teilnehmern kurz 1-2 Minuten Zeit, sich ihren Gegenstand anzuschauen. Was ist es für ein Gegenstand? Was könnte er sein? 
Jeder Teilnehmer hat dann 1-4 Sätze Zeit, seinen Gegenstand in eine Geschichte einzubauen. 
Die Geschichte beginnt mit Es war einmal und endet mit Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute

Variante 1: Ihr macht die Übung laut. Jeder Teilnehmer hat einen Satz Zeit, seinen Gegenstand in die Geschichte einzubauen. 

Variante 2: Jeder Teilnehmer bekommt ein Blatt und baut seinen Gegenstand mithilfe von 1-4 Sätzen in die Geschichte ein. Dann gibt er sein Blatt an den linken oder rechten Sitznachbarn weiter. (Letztendlich ist es egal, wichtig ist nur, dass jeder weiß, an wen er sein Blatt weitergeben muss, damit es nachher kein Durcheinander gibt).
Jeder Teilnehmer hat dann eine neue Geschichte vor sich, in die er wieder seinen Gegenstand einbauen darf. Wenn man zum Schluss wieder seinen eigenen Text vor sich hat, kann man die Geschichte noch mit 1-4 Sätzen zum Abschluss bringen. 

Die zweite Variante ist deutlich komplizierter, aber dafür auch lustiger. Um euch neugierig auf uns zu machen, präsentiere ich euch an dieser Stelle keinen einzigen Text von unserem Treffen, sondern schreibe selbst einen kleinen Text, in den ich die gezogenen Gegenstände einbaue. 


Bild von A. Mack
Mein Text: 
Es war einmal ein einsamer Frosch, der in einem fernen Königreich lebte. Hier waren Frösche zwar geachtete Lebewesen, dennoch war Vorsicht geboten. Hatten doch alle Frösche die Legende von der Prinzessin im Ohr, die einen Artgenossen gegen eine Wand geworfen hatte Menschen brachten also kein Glück, sodass der Frosch nur Freunde hatte, die ungefähr so groß waren, wie er. Also beispielsweise eine Maus. 
Eines Tages kam sein Freund der Mäuserich angerannt und rief: "Hilfe, Hilfe!" 
"Was ist denn los? Wer verfolgt dich?", fragte der Frosch. 
"Die Katze, die Katze! Sie hat ihre Tatze nach mir ausgestreckt!" 
Die Katze war dem Mäuserich dicht auf den Fersen und brüllte: "Er hat meinen Freund die Ente belagert. Er lag neben den Eiern und wartete bis die Küken schlüpfen!" 
Der Frosch hätte seine Stirn gerunzelt, sofern das denn möglich gewesen wäre. Er fragte sich, ob Enten überhaupt Eier legen konnten und ob die Katze Hühner und Enten überhaupt auseinanderhalten konnte. 
Von weit her hörte man ein Quaken, das immer lauter wurde: "Haltet den Dieb! Er hat meine Eier gestohlen!" 
Die Katze blickte sich gehetzt um, das Quaken wurde immer lauter. 
"Haltet den Dieb!" 
Und wie es nun mal bei Geschichten mit sprechenden Tieren so üblich ist, enden se in einem Chaos und niemand weiß so recht, was man davon halten soll. 
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. 


Wie kam das kreative Schreiben an? 

Mein Fazit 
Da ich bereits eine Schreibwerkstatt organisiert hatte, durfte ich die erste Schreibsession in unserer Runde durchführen. Einerseits war es toll, die Übungen diesmal vor bekannten Leuten anzuleiten. Andererseits befürchtete ich, dass es auch etwas schwierig werden würde, eine gute Schreibatmosphäre herzustellen, da wir eben eine lebendige Gruppe sind und es bei bekannten Leuten wenig Sinn ergibt, den Gruppenleiter raushängen zu lassen. Da wäre ein Setting mit unbekannten Leuten womöglich einfacher gewesen. 

Ich habe bei dem Treffen gemerkt, dass mir das Schreibübungen anleiten irgendwie fehlt. Meine Motivation, nach meinem Studium die Ausbildung zur Schreibpädagogin zu machen, flammte also wieder auf. 

Rückmeldungen von den Teilnehmern zu den Übungen 
Die Übungen kamen bei der Gruppe nur bedingt gut an. Während das Akrostichon an sich eine tolle Übung ist und mir die Idee mit dem Buchtitel erraten in der Theorie auch sehr gut gefiel, stellte sich in der Praxis sehr schnell heraus, dass das nicht funktionierte, weil es viel zu schwierig war, zum einen die eingebauten Wörter zu erkennen und diese noch zu einem Buchtitel zusammenzubasteln.
Der zweite Grund, warum die Übung scheiterte, erkläre ich weiter unten. 

Außerdem kam es bei einigen Mitgliedern nicht gut an, dass die erste Übung eine Einzelübung war. Hier bekam ich die Rückmeldung, dass man die Übung ja auch theoretisch zu Hause machen könne und man sich dafür nicht mit einer Gruppe treffen müsse. Wenn man sich also mit einer Gruppe zum schreiben treffe, wolle man auch gemeinsam mit der Gruppe schreiben und nicht alleine vor sich hin schreiben müssen.

Ich hatte für den Anfang bewusst eine Einzelübung gewählt, da nicht alle in der Gruppe Erfahrungen mit dem kreativen Schreiben hatten und ich so erst einmal Unsicherheiten abbauen und nicht gleich Druck aufbauen wollte. 

Die zweite Übung hingegen kam bei allen sehr gut an. Es wurde während des Schreibens und während des Vorlesens sehr viel gelacht. 

Schreiben beim Bücherstammtisch? 
Während für mich das Schreiben eigener Geschichten und das Lesen von Büchern sehr nah beieinander liegt, stellte sich im Juni heraus, dass es den meisten Bücherstammtisch Mitgliedern anders ergeht. Sie wollten beim Bücherstammtisch eben über Bücher reden und nicht Zeit damit verbringen, Texte zu schreiben. Zumal waren wir uns alle einig, dass das Kreative Schreiben wahrscheinlich viele Interessenten abschreckte. Außerdem meinte ein Bücherstammtisch Mitglied, dass durch das Kreative Schreiben die Zeit fehle, über Bücher zu reden. So entstehe eine Pause von zwei Monaten. 

Wir einigten uns also darauf - falls es ein Comeback des  kreativen Schreibens geben sollte - hierfür einen zweiten, unregelmäßigen Termin zusätzlich zum Bücherstammtisch Treffen einzuführen. 


Du möchtest eine Schreibgruppe anleiten, ... 

und fragst dich, was du beachten solltest? 

1. Probiere die Übungen aus, die du mit der Gruppe durchführen möchtest. 
Das Internet biete jede Menge Schreibübungen oder Schreibspiele. Diese eignen sich nicht nur für Schreibsessions, sondern auch für Spieleabende. 
Allerdings ist es ratsam, die Übungen vorher selbst einmal auszuprobieren und einen kleinen Text zu schreiben. Hier merkt man nämlich, wo es hakt, bzw. worauf man achten sollte, wenn man die Übung für die Gruppe erklärt. 

2. Lass dir Zeit, wenn du die Übung erklärst 
Wir alle kennen es: Wir müssen vor einer Gruppe sprechen, sind aufgeregt und versuchen daher, die Erklärungen schnell hinter uns zu bringen. Aber wozu die Eile? Lass dir ruhig Zeit, wenn du die Übungen erklärst. 
Manche Übungen, wie beispielsweise die Geschichte aus der Tüte lassen sich am besten in mehreren Schritten erklären, damit alle Teilnehmer den Überblick behalten. 

3. Bring lieber einen kleinen Vorrat an Übungen mit 
Ich sage immer: Lieber mehr Übungen mitbringen, als nachher zu wenige dabeizuhaben. Gerade bei den ersten Malen, wenn ihr eine Gruppe anleitet, dauert es etwas, bis ihr ein Gefühl dafür bekommt, wie viel Zeit die Teilnehmer für die Übungen benötigen. Ich kalkuliere meist 15-20 Minuten ein. 
Unsere Bücherstammtisch Treffen gehen meist 1 1/2 bis 2 Stunden. Und ihr seht: Die Zeit hat uns gut für zwei Übungen inklusive Vorlesen und Plaudereien zwischen drin gereicht. 


Ausblick: Freiburger Bücherstammtisch im Juli

Wie ihr bereits wisst, hatten wir eine Bücherstammtisch Lektüre. Und zwar haben wir uns im Januar für den ersten Band von Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams entschieden. Am Montag den 16. Juli werden wir über dieses Buch sprechen. 

Wie hat es uns gefallen? Was halten wir von der Grundidee? Wie gefällt uns der Schreibstil des Autors? Welche lustigen Zitate haben wir entdeckt?
Und das Wichtigste: Wie viele Sterne würden wir dem Buch geben? 


Bücherstammtisch in Freiburg? Ich will mitmachen! 

Du kommst aus Freiburg oder der näheren Umgebung und möchtest Dich mit anderen Bücherwürmern einmal im Monat über Bücher austauschen? 

Dann bist Du hier genau richtig: Wir treffen uns einmal im Monat an einem Montag ab 17:20 Uhr vor dem Haupteingang der Buchhandlung Rombach in der Bertoldstraße in Freiburg.
Von dort aus gehen wir gemeinsam zu unserem Raum. Monatlich legen wir bestimmte Themen fest, über die wir dann bei unseren Treffen sprechen.
Auf dieser Seite findet ihr Infos zu unseren nächsten Treffen und den Themen. 

Momentan besteht unsere Gruppe aus Studierenden, ist aber für alle Altersgruppen offen. Wir reden hauptsächlich über Bücher aus der Belletristik (Unterhaltungsliteratur wie beispielsweise Fantasy, Jugendbuch, Thriller) sind aber auch offen für andere Bücher.

Um auf dem Laufenden zu bleiben, hast Du zwei Optionen: 

Mailverteiler
Du lässt Dich in den Mailverteiler eintragen. Hier lade ich regelmäßig zu den Stammtisch Treffen ein oder verschicke Umfragen, damit wir die Themen unserer Treffen festlegen können.
Den Mailverteiler führe ich über GMX: Deine E-Mailadresse wird also in meinem GMX Account im Adressbuch gespeichert, aber nur nach Deinem Einverständnis an die anderen Bücherstammtisch Mitglieder weitergegeben. 

Wir sind auch bei Facebook vertreten. Auch hier werden Einladungen und Umfragen geteilt. Ab und an bricht hier auch eine spannende Diskussion aus. Momentan sucht Isona Interessierte, die gemeinsam mit ihr Herr der Ringe lesen möchten.

Sehen wir uns im Juli?


Mittwoch, 11. Juli 2018

* Die Tyrannei des Schmetterlings

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Die Tyrannei des Schmetterlings (auch als Buch erhältlich)
Autor: Frank Schätzing
Verlag: der Hörverlag
Geeignet für: Schätzing-Fans und Sciene-Fiction Leser
Gelesen oder gehört: gehört als gekürzte Fassung
Sprecher: Sascha Rotermund
Bewertung: 1,5 von 5 Punkten


Klappentext


"Füllhorn der Wünsche? Oder Büchse der Pandora?
Frank Schätzing – der neue Thriller als Hörbuch


Kalifornien, County Sierra, Goldgräberprovinz: Sheriff Luther Opoku hat mit Kleindelikten und illegalem Drogenanbau zu kämpfen. 300 Meilen westlich davon, im Silicon Valley, wetteifern IT-Visionäre um die Erschaffung des ersten ultraintelligenten Computers mit dem Ziel, die großen Probleme der Menschheit zu lösen. Als eine Biologin in Sierra unter rätselhaften Umständen ums Leben kommt, muss Luther erkennen, dass sein verschlafenes Naturidyll längst Testgelände eigenwilliger Experimente geworden ist. Bald beginnt er an seinem Verstand zu zweifeln. Tote werden lebendig, die Zeit gerät aus den Fugen ... der Anfang einer Odyssee über die Grenzen des Vorstellbaren hinaus."


Meine Meinung 

Gestaltung
Das Hörbuch wurde in einer gekürzten Lesung produziert und hat eine Laufzeit von ca. 22 Stunden. Ich war selten so froh, ein gekürztes Hörbuch vor mir zu haben. Warum? Das werde ich in dem Abschnitt in dem ich auf den Inhalt eingehe, noch weiter begründen.
Sascha Rotermund interpretiert die Geschichte. Er hat eine angenehme Stimmfarbe, die gut zu der Atmosphäre der Geschichte gepasst hat. Dennoch konnte er mich mit seiner Interpretation nicht vollständig überzeugen. Bei Die Tyrannei des Schmetterlings wird deutlich, wie schwierig es sein kann, ein Hörbuch zu interpretieren, das einen sperrigen Schreibstil hat. Sascha Rotermund versuchte Schätzings ausführliche Beschreibungen in seiner Interpretation hervorzuheben, was bei mir nur dafür sorgte, dass der Effekt der Übertreibung verstärkt wurde. Zudem hatte ich den Eindruck, dass er nicht so recht wisse, wie er das Sperrige im Schreibstil lebendig werden lassen könnte.
Seine Stärken konnte Sascha Rotermund aber beweisen, wenn es um die Interaktion unserer Charaktere ging. Mir haben hier seine Interpretationen der Dialoge sehr gut gefallen.

Inhalt
Frank Schätzing widmet sich in Die Tyrannei des Schmetterlings dem schwierigen Thema künstliche Intelligenz. Allerdings dauert es sehr lange, bis wir erfahren, welche Rolle die künstliche Intelligenz in diesem Hörbuch spielt. 

Zu Beginn der Geschichte erfahren wir erst einmal, dass es einen Mord aufzudecken gilt. Und das wirkte auf mich eher wie ein kleines Krimi Klischee, das von den Charakteren unterstützt wurde, auf die ich im Laufe der Rezension noch weiter eingehen werde.
Dafür, dass der Schwerpunkt der Handlung auf dem Thema künstliche Intelligenz liegen sollte, dauerte es mir viel zu lange, bis wir zu diesem Handlungsstrang vorgedrungen sind. Die erste Hörbuch CD zog sich ziemlich in die Länge und Schätzing baut hier ein Element ein, das ich definitiv nicht mit künstlicher Intelligenz in Verbindung gebracht hätte, sondern mehr mit Sciene-Fiction.

Zudem fehlte mir der rote Faden in der Handlung. Die Handlungsstränge liefen zwar zusammen, wurden aber nicht gut miteinander verwoben oder zum Schluss wieder aufgelöst, was mich ziemlich störte. Ich hatte mehr den Eindruck, dass Schätzing dem Hauptthema seiner Geschichte ausweicht, das Thema künstliche Intelligenz mehr andeutet, aber nicht wirklich darauf einsteigt. Natürlich wird die berechtigte Kritik an dem Thema künstliche Intelligenz deutlich, allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Kritik in die Geschichte eingeflochten und nicht mal eben so im Showdown angeschnitten wird.

Kommen wir nun zu unseren Protagonisten Luther und Ruth. Beide arbeiten bei der Polizei und hatten es bisher in ihrem Leben nicht leicht: Luther ist alleinerziehender Vater und blickt auf eine gescheiterte Ehe zurück, während Ruth mehr oder weniger zwangsversetzt wurde.
Gerade Luther kam mir hier stellenweise sehr klischeehaft vor: Einsamer Kommissar, der einen Mordfall lösen will, aber selbst am Rande des Abgrundes steht. Im Laufe der Geschichte wird er vor eine schwierige Herausforderung gestellt, die - wie sollte es anders sein - mit seiner Vergangenheit zu tun hat.
Allerdings: Und das fand ich eines der frustrierendsten Dinge: Wir erfahren nicht, wie er sich entscheidet.

Ruth hat eine raue Schale, aber einen weichen Kern. Sie und Luther sind ein eingespieltes Team, das sich gegenseitig bei der Arbeit unterstützt und auch zusammenhält. Sie mochte ich fast lieber als Luther, weil sie nicht ganz klischeehaft wirkte und ziemlich gute Sprüche zur Geschichte beisteuert.

Frank Schätzing führt in Die Tyrannei des Schmetterlings auch viele Nebencharaktere ein, die im Laufe der Geschichte zusammenarbeiten müssen, um eine Mission zu erfüllen. An sich fand ich diese vielen Charaktere etwas unübersichtlich und ich neigte dazu, viele miteinander zu verwechseln.
Es gab aber, als der Spannungsbogen anstieg, ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl, weil man merkte, dass hier eine Gruppe zusammenarbeiten muss, um ein Ziel zu erreichen.

Allerdings waren mir die Charaktere zu oberflächlich. Das was an Tiefe angedeutet wurde, unterschied sich für mich nicht groß von den vielen, vielen Krimis, die es bereits schon gibt. Und das enttäuschte mich wirklich.
Erstmals gibt es also für den Inhalt in meiner Bewertung keinen Punkt.

Spannung
Leider dauerte es mir zu lange, bis der Spannungsbogen wirklich aufgebaut war. Gefühlt hatte man das erste Drittel der Geschichte gnadenlos zusammenstreichen können.
Als die Fronten allerdings geklärt waren, nahm die Handlung rasant an Fahrt auf und ich war gespannt, wie unsere Charaktere ihre Aufgabe meistern würden und ob es mit der Tyrannei ein gutes Ende hatte.
Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Handlungsstränge und der Spannungsbogen besser miteinander vermischt werden und das vor allem der Spannungsbogen gleichmäßiger verläuft und nicht das erste Drittel gebraucht wird, bis es mit der Handlung richtig los geht.

Schreibstil
Frank Schätzings Schreibstil konnte mich bei Die Tyrannei des Schmetterlings leider nicht überzeugen.
Zum einen lag es daran, dass er viel Zeit darauf verschwendet hat, alltägliche Dinge, größer darzustellen, als sie eigentlich sind. Natürlich sind sprachliche Bilder für eine Geschichte wichtig, um die Handlung auszuschmücken und den Leser in die Handlung eintauchen zu lassen. Schätzing Wortwahl wirkte auf mich aber eher hochgestochen. Ich fragte mich oft, warum er so viel Zeit braucht, um diese eine Szene zu beschreiben, die man in zwei Sätzen hätte erzählen können.

Zum anderen verwirrten mich seine Perspektivenwechsel: Die Geschichte wurde jeweils aus der Sicht von Luther und Ruth erzählt. Diese Perspektiven waren aus der dritten Person geschrieben. Dann gab es aber noch Abschnitte, in denen Luther direkt angeredet wurde wie beispielsweise "Du überlegst dir, was du tun sollst." Das verwirrte mich dann völlig, weil ich überhaupt nicht wusste, ob es sich hier um einen Traum, eine Vogelperspektive oder etwas völlig anderes handelte.
Ich hätte mir gewünscht, dass sich Frank Schätzing mehr darauf konzentriert die Handlung voranzubringen und sich nicht mit banalen oder mysteriösen Beschreibungen aufhält, die er aber nicht weiter präzisiert.

Gesamteindruck
Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit Die Tyrannei des Schmetterlings so gar nichts anfangen kann. Ich habe mich gefragt, ob es wirklich an der Geschichte als solche lag, oder ob mir nun einfach Elemente an Frank Schätzings Schreibstil aufgefallen sind, die ich früher nicht wahrgenommen habe.
Ich finde es immer etwas schade, wenn mich ein Hörbuch gar nicht überzeugen konnte, weil es in den wenigsten Fällen an der Produktion oder an der Sprecherwahl liegt. Und im Endeffekt läuft es auf eine schlechte Bewertung hinaus, weil der Inhalt einfach nicht packen konnte.

Zusammenfassend kann ich sagen: Wer einen langen Atem hat, mit ausschweifenden Beschreibungen gut zurechtkommt und Sascha Rotermund gerne zuhört, kann zum Hörbuch greifen.
Wer solche Beschreibungen eher überfliegt, sollte sich vielleicht vorsichtig der Printausgabe nähern.

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* Dieses Hörbuch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

Montag, 9. Juli 2018

Nicht weg und nicht da

Bild von Heyne
Steckbrief 

Autor: Anne Freytag 
Verlag: Heyne fliegt 
Geeignet für: Menschen, die gerne Jugendbücher lesen, oder jemanden durch Suizid verloren haben 
Gelesen oder gehört: gelesen, als Hardcover 
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 


Klappentext 

(von Heyne fliegt

"Den Anfang kannst du nicht ändern, das Ende schon

Nach dem Tod ihres Bruders macht Luise einen radikalen Schnitt: Sie trennt sich von ihrem mausgrauen Ich und ihren Haaren. Übrig bleiben drei Millimeter und eine Mauer, hinter die niemand zu blicken vermag. Als Jacob und sie sich begegnen, ist er sofort fasziniert von ihr. Doch Luise hält Abstand. Bis sie an ihrem sechzehnten Geburtstag aus heiterem Himmel eine E-Mail von ihrem toten Bruder bekommt – es ist die erste von vielen. Mit diesen Nachrichten aus der Zwischenwelt und dem verschlossenen Jacob an ihrer Seite gelingt es Luise, inmitten dieser so aufwühlenden wie traurigen Zeit das Glitzern ihres Lebens zu entdecken ..."


Meine Meinung 

Gestaltung
Ich habe das Buch in der gebundenen Ausgabe gelesen. Daher beziehe ich ein paar Merkmale mit ein, die in der Taschenbuchausgabe wahrscheinlich anders dargestellt werden. Das Cover ist schlicht gehalten. Hier sehen wir zwei Silhouetten, die durchsichtig oder silbern aussehen. Sie blicken in einen Sternenhimmel und in den Buchtitel, der am oberen Rand des Covers zu sehen ist. Der Hintergrund des Covers ist in dunkelblau gehalten und das Cover wird durch leuchtende Sterne geschmückt, die man in der gebundenen Ausgabe auch fühlen kann. Der Titel des Buches wird in einer recht dünnen, aber gut lesbaren Schrift dargestellt. Der Klappentext ist ebenfalls gut zu lesen.

Das Buch enthält zudem kleine Illustrationen. So ist zu Beginn jeden neuen Kapitels auch ein kleines Symbol wie beispielsweise ein Kugelschreiber oder ein Sofa zu finden. Das Symbol lässt ungefähr erahnen, um was es thematisch in dem Kapitel gehen könnte. Dieses Element fand ich sehr gelungen. Im Roman bekommen wir immer wieder E-Mails zu lesen. Und ihr glaubt nicht, wie froh ich war, dass sich diese von der Schriftart nicht groß von der eigentlichen Schriftart des Romanes unterschieden. So konnte ich die Mails auch mühelos lesen. Für die Gestaltung gibt es also die volle Punktzahl.

Inhalt 
Bevor ich genauer auf die Charaktere eingehe, werde ich erst einmal den Inhalt des Romanes genauer unter die Lupe nehmen. Luise muss den plötzlichen Tod ihres Bruders verarbeiten. Und das ganz allein. Ihre Mutter flüchtet sich in die Arbeit und Luises beste Freundin lebt nun in Berlin. Luise kapselt sich ab und lässt niemanden an sich heran. Bis ihr Jacob begegnet. Als Luise zu ihrem sechzehnten Geburtstag eine E-Mail von ihrem toten Bruder bekommt, beginnt eine spannende Reise.

Zuerst war ich ziemlich skeptisch, weil ich kurz befürchtete, dass Nicht weg und nicht da einen leicht phantastischen Touch bekommt. Wie sollte es sonst möglich sein, Mails aus einer Zwischenwelt zu senden? Doch schnell stellte sich heraus, dass die Mails zwar einen zentralen Raum in der Geschichte einnehmen, es aber nicht darum geht, dass die beiden Geschwister wieder Kontakt zueinander aufnehmen. Anne Freytag widmet sich in Nicht weg und nicht da dem schwierigen Thema psychische Erkrankungen und schildert deren Folgen, besonders für die Angehörigen. In Nicht weg und nicht da steht Luise eine schwierige Aufgabe bevor: Sie muss lernen ohne ihren Bruder, weiterzuleben. Und das ist alles andere als einfach.

Mit der ersten E-Mail von Luises Bruder bekommt die Geschichte einen Handlungsbogen: Denn Kristopher - Luises Bruder - meldet sich nicht einfach so. In seiner ersten E-Mail erfährt Luise nicht nur, wo sich das letzte Geburtstagsgeschenk ihres Bruders befindet, sondern bekommt auch die erste einer Reihe von Aufgaben gestellt. Aufgaben, die ihr den Schritt zurück ins Leben erleichtern sollen.
Und an dieser Stelle bekam das Buch einen klitzekleinen Touch von PS Ich liebe dich, nur dass Kristophers Todesursache eine andere war.

Damit ihr einen meiner Kritikpunkte nachvollziehen könnt, werde ich seine Todesursache hier vorwegnehmen. Im Buch wird es relativ schnell klar, woran er gestorben ist. Da ich aber nicht unabsichtlich spoilern will, wird der folgende Satz gekennzeichnet:



ACHTUNG SPOILER 

Kristopher hat Suizid begangen.

SPOILER ENDE 



Mein Kritikpunkt gilt nicht etwa seinem Tod an sich oder der Begründung für seinen Tod. Diese war sehr gut herausgearbeitet und für mich vollkommen nachvollziehbar. Allerdings war es für mich nur schwer zu glauben, dass sich ein Mensch, dem es nicht gut geht, Zeit für Andere nehmen kann. Natürlich kann es auch gut sein, dass ich mich täusche. Bisher habe ich aber eher die Erfahrung gemacht, dass Menschen in einer Krisensituation eher mit sich selbst beschäftigt sind und keine Kraft haben, zu schauen, wie es ihrem Umfeld geht. Oder sie machen sich Vorwürfe, weil sie sehen, was sie ihrem Umfeld zumuten. Aber, dass sie die Kraft aufbringen und sich etwas für ihr Umfeld ausdenken, habe ich bisher noch nie erlebt.

Und an dieser Stelle merkte ich, wie mir Kopf und Gefühl einen gehörigen Strich durch die Rechnung machten: Der Kopf sagte, dass diese E-Mails ziemlich unrealistisch seien. Allerdings dienten sie dazu, die Geschichte voranzubringen.
Das Gefühl hingegen, regte sich über den Kopf auf und fand die E-Mails ein tolles Stilmittel. Zum einen lernten wir Kristopher so außerhalb von Luises Erzählungen kennen. Zum anderen sorgten die E-Mails dafür, dass sich Luise veränderte. In welche Richtung diese Veränderung stattfindet, dürft ihr selbst herausfinden.

Und dann gibt es ja noch den zweiten Handlungsstrang: Jacob, der auf Luise aufmerksam wird. Auch er lässt nur sehr wenige Menschen an sich heran. Doch zu Luise fühlt er sich sofort hingezogen. Sein Misstrauen gegenüber den Menschen scheint berechtigt. Schafft er es, sich Luise anzuvertrauen?

Kommen wir nun zu den beiden Protagonisten der Geschichte: Luise und Jacob sind sich beide sehr ähnlich. Sie gehören beide nicht zu den extrovertierten Menschen dieser Welt, kamen aber bisher mehr oder weniger gut zurecht.
Interessant ist hier, dass Jacob Luise unbewusst Orientierung gibt, was hauptsächlich daran liegt, dass Luise gefangen in ihrer Wut und ihrem Schmerz ist. Nach und nach wird aber deutlich, dass sie sich gegenseitig brauchen, um ihren Platz in der Welt zu finden.

Durch die beiden Hauptcharaktere sorgte Anne Freytag dafür, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod zwar den Großteil der Geschichte einnimmt, es aber durch Jacob auch kurze Auszeiten von dem traurigen Handlungsstrang gibt, aber ohne, dass dieser an Bedeutung verliert.

Spannung 
Nicht weg und nicht da hat mehrere Spannungselemente. Zum einen stellt sich die Frage, wie Luise wieder Freude am Leben empfinden kann, ohne das Gefühl zu haben, ihren Bruder dadurch zu verraten.
Zum anderen erfahren wir durch die E-Mails Kristophers Geschichte. Welche Botschaften möchte er Luise noch mit auf den Weg geben? Wie viele E-Mails wird er seiner Schwester schreiben, bis der endgültige Abschied kommt?
Und dann wäre da noch die Beziehung zwischen Jakob und Luise. Was hat es mit Jacobs Geheimnis auf sich? Warum kann er über manche Dinge nicht sprechen?

Schreibstil
Anne Freytag beschreibt die Einsamkeit und die Wut, die Luise zu Beginn der Geschichte umgibt, unglaublich gut. Beide Gefühle sind sehr deutlich spürbar und haben mich sofort erreicht. Die Autorin bedient sich diesmal dem Stilmittel der Musik. So verbindet Jacob und Luise eine Playlist. Anne Freytag bezieht sich immer wieder auf einige Lieder der Playlist und beschreibt, was die Musik in den Protagonisten auslöst.
Was mir besonders aufgefallen ist: Anne Freytag ist die erste Autorin, die die verschiedenen Facetten von Stille und Sprachlosigkeit erkennen und beschreiben kann. Sie baut verschiedene sprachliche Bilder ein, die nachvollziehbar erscheinen und uns die Angst vor der Stille nehmen.

Gesamteindruck 
Ich gebe zu, ich hatte Angst, dass mir Nicht weg und nicht da nicht gefallen könnte. Das liegt aber nicht an dem schwierigen zentralen Thema der Geschichte.Ich befürchtete eher, dass es nicht glaubhaft dargestellt ist oder eher oberflächlich behandelt wird.

Stattdessen greift die Autorin zentrale Fragen auf und gibt dem Thema dadurch sehr viel Raum. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass Nicht weg und nicht da vielen Menschen Kraft gibt, die Freunde oder Verwandte früh verloren haben.

Samstag, 7. Juli 2018

5 Dinge, die ich gerne vor meinem Studium gewusst hätte - Part 2

Hallo Buchlinge,

heute berichte ich euch wieder von einem der fünf Dinge, die ich gerne vor Beginn meines Studiums gewusst hätte. Im Juni gab es bereits den ersten Beitrag in dieser Reihe. Dort beschäftigte ich mich mit der These, dass man auf keinen Fall an Hilfsmitteln sparen sollte.

Diese Reihe richtet sich nicht ausschließlich an Studierende mit Behinderung, sondern auch an Studierende ohne Behinderung oder solche, die demnächst mit ihrem Studium beginnen und an Erfahrungsberichten interessiert sind.

Bevor ich inhaltlich einsteige, noch die alt bekannten Hinweise:

  • Wenn ihr Fragen oder Ideen habt, über welche Themen ich in Bezug auf Sehbehinderung oder Blindheit unbedingt schreiben sollte: Lasst mir eure Ideen sehr gerne in den Kommentaren da oder schreibt mir eine Mail an EmmaZecka@gmx.de.
  • Am Ende des Beitrages findet ihr wie gewohnt eine Übersicht der letzten fünf Beiträge, die in dieser Rubrik bereits erschienen sind. Außerdem gibt es die altbekannte Info, wie sich meine Sehbehinderung in der Praxis äußert.

5 Dinge, die ich gerne vor meinem Studium gewusst hätte... 


2. Dass ein gemeinsames Studienfach noch lange nicht Interesse aneinander und Gemeinschaft bedeuten muss

An dieser Stelle möchte ich unbedingt darauf hinweisen, dass dieser Punkt - genau wie alle anderen Punkte - meiner subjektiven Wahrnehmung entspricht und es Leute aus meinem Semester gibt, die diesen Punkt mit Sicherheit völlig anders sehen.

Während meines Studiums hatte ich das Glück, eine Hand voll Leute kennenzulernen, auf die ich mich verlassen konnte und mit denen ich - wenn auch nur zwischen Tür und Angel - schöne Stunden verbracht habe, wofür ich sehr dankbar bin.

Außerdem vermute ich, dass zwei Kriterien, eine wichtige Voraussetzung für die obige These sind. Daher werde ich kurz darauf eingehen:

Unterschied zwischen der Universität und der Hochschule
Zum einen muss erstmal unterschieden werden, ob man an einer Universität oder an einer Hochschule studiert. An einer Uni hat man zwar eine Art Leitfaden, nach welchen Kriterien man Vorlesungen und Seminare belegen kann, ist aber nur bedingt an Vorgaben gebunden. Das heißt, es kann vorkommen, dass ihr in einem Seminar sitzt, in dem verschiedene Semester oder verschiedene Studiengänge zusammenkommen. Das heißt, ihr habt mit ziemlich vielen Menschen zu tun und für den ein oder anderen mag es vielleicht schwieriger sein, hier Kontakte zu knüpfen.
Ich habe an einer Hochschule studiert. Hier hatten wir einen vorgegeben Stundenplan und konnten maximal zwischen verschiedenen Seminaren wählen. Es kam selten vor, dass sich Studierende aus höheren Semestern in unseren Jahrgang verirrt haben. Das Setting erinnerte also an Schulzeiten. Nach und nach kannte man die meisten Leute aus seinem Jahrgang.

Menschen sind unterschiedlich
Zum anderen kann sich das Interesse aneinander von Jahrgang zu Jahrgang oder von Studienfach zu Studienfach unterscheiden. Wir Menschen sind bekanntlich verschieden. Die einen suchen nach Gemeinschaft und die anderen eben nicht.

Aber kommen wir nun zum eigentlichen Thema:

Meine Erwartungen - knapp daneben ist auch vorbei
Mein Abi habe ich in einem anderen Bundesland absolviert. Schon als ich aus meiner Heimatstadt weggegangen bin, stand für mich fest, dass ich so schnell wie möglich wieder nach Hause kommen und dort studieren wollte. Glücklicherweise klappte das trotz einem Jahr Wartezeit.

Ich rechnete damit, dass Leute, die Soziale Arbeit studieren nicht blind durch die Weltgeschichte laufen, sondern sich für ihre Umgebung interessierten. Daher vermutete ich stark, dass eine Art Gemeinschaft entsteht und man aufeinander achtet und sich gegenseitig unterstützt. Nebenbei hoffte ich, mir hier einen Freundeskreis aufbauen zu können. (Durch meinen Schulwechsel sind einige Kontakte verloren gegangen bzw. aufgrund anderer Interessen nicht mehr existent. Der Großteil meiner Freunde wohnt weiter weg, sodass wir uns nur 1-2 Mal im Jahr sehen können).
Kurzum: eine ziemlich romantische Vorstellung mit ziemlich hohen Erwartungen.

Die Realität: 

1. Wie in der Schule 
Vielleicht kennt ihr es noch aus Schulzeiten: Da gibt es die Leute, die aufmerksam sind, sich um ihre Sachen kümmern und versuchen sich im Wirrwarr der To Dos zurechtzufinden. Und dann gibt es eben auch die Leute, die Spaß haben und sich nicht festlegen wollen und denen schon mal die ein oder andere wichtige Info entgeht.

Ein ähnliches Prinzip findet sich auch im Studium: Schnell kamen Gerüchte auf, wer den Durchblick hatte und wen man erst gar nicht nach Inhalten fragen musste. Dass natürlich wenig Motivation da ist, Leute mitzuziehen, die sich während der Vorlesung lieber unterhalten, ist vielleicht verständlich.

Wie auch in der Schule war es meist so, dass gefühlt alle Studierenden fluchtartig den Raum verließen, wenn die Lehrveranstaltung beendet worden war. Auch hier blieb wenig bis gar keine Zeit mit Leuten ins Gespräch zu kommen.
Selbst in Seminaren, die über mehrere Semester in derselben Konstellation stattfanden, war das Interesse aneinander eher verhalten.

So kam es innerhalb meines Semesters zur Grüppchenbildung. Viele waren froh, während der ersten Wochen nicht alleine durch die Flure laufen zu müssen. Die Grüppchen lockerten sich nach und nach auf und im Gegensatz zu Schulzeiten hatte ich den Eindruck, dass man leichter zwischen den Gruppen wechseln konnte und dieses Nee-dich-wollen-wir-nicht-dabei-haben-Prinzip mittlerweile out war. 

2. Unterschiedliche Vorstellungen von sozialen Kontakten innerhalb des Studiengangs 
Mit der Zeit lernte ich eine Hand voll Leute kennen. Das Problem an der Sache war: Entweder kamen sie nicht aus Freiburg und pendelten am Wochenende daher viel zwischen ihrer Heimatstadt und unserem Studienort hin und her, oder sie waren hier verwurzelt, hatten bereits einen Freundeskreis und waren daher viel und oft ausgebucht. Der Kontakt beschränkte sich also maximal auf Treffen in den Pausen unserer Lehrveranstaltungen.

Die Frage aller Fragen: Mangel an Kontakten wegen der Behinderung? 
Neben den obigen Punkten bezog ich meine wenigen Kontakte lange auf mich.
Zum einen dachte ich, dass die Leute, mit denen ich gut klar kam, mir gegenüber zwar keine Berührungsängste hatten, aber eben aufgrund eines bereits bestehenden Freundeskreises oft beschäftigt waren.
Zum anderen vermutete ich, dass die andere Hälfte des Studiengangs, mit denen ich bis heute noch kein Wort gewechselt hatte, eben Berührungsängste mir gegenüber hatten. Einige schafften es, diese im Laufe des Studiums abzulegen, andere eben nicht.
Wie ich darauf komme? Immer wieder wurde beispielsweise in Vorstellungsrunden gefragt, was wir nach unserem Abschluss machen wollten. Und immer wieder saß ich mit Leuten im Kurs, die sich für das Handlungsfeld der Behindertenhilfe interessierten. Und da horchte ich auf, weil ich damit rechnete, dass die Leute wahrscheinlich offen mit Menschen mit Behinderungen umgehen würden. Fehlanzeige: Mit den meisten, die in das Arbeitsfeld wollten hab ich bis heute nicht gesprochen.
Allerdings: Denkt an dieser Stelle auch an den ersten Artikel aus dem Juni zurück. Hier habe ich ja bereits berichtet, dass ich in den Veranstaltungen allgemein nur das Nötigste gesagt habe. Und ich glaube, dieser Punkt spielt ebenfalls mit rein. Schließlich kann nur ein Gespräch zustande kommen, wenn es Input gibt.

Große Erleichterung: Es hat nicht alles etwas mit mir als Person zu tun  
Erst im vorletzten Semester wurden die oben beschriebenen Bedenken über den Haufen geworfen. In einem Seminar gesellte sich eine Kommilitonin zu uns, die ihr Studium wegen der Elternzeit pausieren musste und dann bei uns wieder einstieg. Sie berichtete von ihrem Jahrgang genau das, was eigentlich meinen Vorstellungen entsprach: Man achtete aufeinander, half sich gegenseitig. Sie berichtete, dass ihr ebenfalls auffiel, dass bei uns im Studiengang jeder vor sich hin lebte oder sich innerhalb einer Gruppe bewegte.
Ich war hier unglaublich froh, weil ich merkte, dass es offenbar ein Phänomen war, dass nichts mit mir als Person zu tun hatte. Und ich war auch erleichtert, dass andere das wahrnahmen, was ich bereits bemerkt hatte.

Was nehme ich für mich mit?  
Das ist relativ einfach: Ich möchte mich nicht an Erwartungen und Wünschen festklammern, sondern mich davon überraschen lassen, was das Leben eben für mich bereit hält.
Ich habe erst einmal zwei Semester gebraucht, um zu erkennen, dass das was ich mir wünsche nicht eintreten wird. Als ich mich dann von meinem Ideal verabschiedete, ging ich befreiter an die Hochschule und war offener für Begegnungen im Alltag.

Ich bin einsam: Was soll ich tun? 
Du hast in deinem Studiengang vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht und fragst dich jetzt, wie du Leute kennenlernen kannst? Dann werfe gerne einen Blick oder ein Ohr auf diesen Beitrag. Ganz zum Schluss gehe ich auf den Punkt mit der Einsamkeit ein.


Und Du?

Kommt dir diese zweite These irgendwie bekannt vor?
Welche Erfahrungen hast Du in Deinem Studium oder Deiner Ausbildung gemacht?

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Wie ich lese - BLG Tutorial - HIER KLICKEN
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5 Dinge, die mich an meiner Sehbehinderung stören HIER KLICKEN
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Tipp 4: Bezieh nicht alles auf dich HIER KLICKEN 
Tipp 3: Umgang mit der eigenen Behinderung HIER KLICKEN

Zu meiner Person und der Sache mit der Sehbehinderung: 
Ich bin von Geburt an auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge hochgradig sehbehindert. Seit 2017 beträgt mein Sehrest 2%, was bedeutet, dass ich nach dem Gesetz als blind gelte. In der Praxis heißt dass: Ich...

  • Habe Mühe mich in unbekannten oder schlecht beleuchteten Räumen zu orientieren
  • Erkenne mir bekannte Personen nicht im Vorbeigehen 
  • Laufe mit einem Blindenlangstock (von mir als Elderstab betitelt) pendelnd durch die Weltgeschichte 
  • Kann keinen Blickkontakt aufnehmen und mit der Mimik meines Gegenübers nichts anfangen 
  • Kann Personen, die in unmittelbarer Nähe (linker, rechter Sitznachbar je nach Entfernung auch mein Gegenüber) je nach Tagesform erkennen, alle was darüber hinaus geht aber nicht 

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Donnerstag, 5. Juli 2018

* Der Kreidemann

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Der Kreidemann (auch als Buch erhältlich)
Autor: C. J. Tudor
Verlag: der hörverlag
Geeignet für: Menschen, die Jugendbücher mit Thrillerelementen mögen,
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch
Sprecher: Devid Striesow
Bewertung: 5 von 5 Punkten


Klappentext

(von der hörverlag)

"Jeder hat ein Geheimnis. Jeder macht sich schuldig. Und Kinder sind nicht immer unschuldig ...

Alles begann an dem Tag, als der zwölfjährige Eddie den Kreidemann zum ersten Mal traf. Der Kreidemann war es auch, der Eddie auf die Idee mit den Zeichnungen brachte: so konnten er und seine Freunde sich geheime Botschaften zukommen zu lassen. Und erst einmal hat es Spaß gemacht – bis die Figuren sie zur Leiche eines jungen Mädchens führten. Das ist 30 Jahre her, und Eddie denkt, die Vergangenheit liegt hinter ihm. Dann bekommt er einen Brief, der zwei Dinge enthält: ein Stück Kreide und die Zeichnung eines Strichmännchens. Und Eddie begreift, dass das Spiel nie zu Ende war ..."


Meine Meinung

Gestaltung
Devid Striesow interpretiert die Geschichte und ist als Sprecher eine sehr gute Besetzung. Er hat eine helle Stimmfarbe, die gut zu unserem Ich-Erzähler Eddie passt. Devid Striesow hat bei Der Kreidemann eine kleine Herausforderung: Er muss Eddie als 12-jährigen und als Erwachsenen interpretieren. Und hier passt die helle Stimmfarbe des Schauspielers wirklich gut, da er beide Perspektiven glaubhaft darstellt. Außerdem sticht seine Stimmfarbe hervor und hat einen Wiedererkennungswert. Mich erinnerte sie sehr an Hape Kerkelings Lesung von Ich bin dann mal weg, obwohl beide Handlungen absolut nichts miteinander zu tun haben. Das machte mir noch einmal bewusst, dass der Schauspieler die Rolle von Kerkeling im gleichnamigen Film sicher gut verkörpert.

Devid Striesow interpretiert die Kindheits- und die Erwachsenenperspektive wirklich gut, aber für einen Thriller auch vergleichsweise schlicht, was mich aber nicht störte. Der Kreidemann ist für mich kein reiner Thriller, sondern erinnert mich mehr an ein Jugendbuch mit Thriller Elementen. Erst bei den letzten Minuten findet eine Veränderung von Striesows Interpretation statt, was aber auch daran liegt, dass unser Protagonist eine Veränderung durchmacht. Hier kam etwas Bedrohliches durch, das mir sehr gut gefallen hat, weil es uns Hörer mit der Frage zurücklässt was real und was Fiktion ist.

Der Kreidemann wurde als gekürztes Hörbuch produziert. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sich die Kürzungen groß auf die Handlung auswirken. Hier und da gab es ein paar Aspekte, über die ich gerne mehr gelesen hätte, es kann aber auch sein, dass diese in der Buchvorlage ebenfalls keine große Rolle spielen.

Inhalt
Wie bereits erwähnt, wird Der Kreidemann aus zwei Perspektiven erzählt. Erst einmal baut C. J. Tudor die Handlung mit einem düsteren Prolog auf, der mich neugierig auf das Abenteuer gemacht hat.
Nun komme ich aber wirklich zu den zwei Perspektiven: Wir erleben Ich-Erzähler Ed in der Gegenwart und blicken mit ihm zurück in seine Kindheit. Nämlich als der 12-jährige Junge gemeinsam mit seiner (fast) vollständigen Clique eine Leiche fand. Zerstückelt. In einem Wald. Wer jetzt glaubt, wir erleben hier einen blutigen Horrorroman, den kann ich etwas beruhigen: Ja, es wird Blut fließen und auch weitere Körperteile bleiben nicht da, wo sie sein sollten, aber C. J. Tudor verzichtet auf ausführliche und detaillierte Beschreibungen. (Mehr dazu aber im Schreibstil).

Mir haben die beiden Handlungsstränge sehr gut gefallen, weil sie gekonnt miteinander verwoben sind. Es wurde nicht nur Spannung aufgebaut, indem die Autorin zwischen den beiden Handlungssträngen variierte, sondern die beiden Handlungsstränge ergänzten sich auch. Das Tolle ist, wir entdecken Der Kreidemann Stück für Stück und zum Schluss passen beinahe alle Puzzleteile zusammen und es wird dennoch nicht unrealistisch.

Kommen wir nun zu unseren Charakteren: Durch die beiden Handlungsstränge werden diese sehr gut eingeführt und beschrieben. Ich-Erzähler Eddie nimmt uns im Kindheits-Handlungsstrang mit in seine Welt. Er beschreibt beispielsweise für ihn wichtige Menschen wie beispielsweise seine Eltern oder seine Clique, aber nicht unbedingt, wie er emotional zu ihnen steht, sondern welche Handlungen sie kennzeichnen und wie er diese Handlungen deutet. Und schon durch das Beschreiben der Handlungen können wir Rückschlüsse auf die Charaktere ziehen.

Eddies wichtigste Bezugspersonen sind seine Clique bestehend aus Fat Gave, Eddies bestem Freund, Metal Mickey, wegen seiner großen Zahnspange, Hoppo und - dem Mädchen - Nickey. C. J. Tudor hat die unterschiedlichen Charaktere hier sehr gut herausgearbeitet: Nickey ist nicht etwa ein typisches Mädchen, welches mit Puppen spielt und sich kaum in der Natur aufhält, sondern eher eine Amazone. Sie ist schlagfertig und schreckt nicht vor einer Prügelei zurück, weiß aber auch, wo ihre Grenzen sind.
Fat Gave ist der Anführer der Clique. Er gibt den Ton an. Freundschaft ist ihm aber besonders wichtig. So sagt er einmal zu Eddie, dass Freunde das Wichtigste seien und man für sie da sein soll.
Lange weicht ihm Metal Mickey nicht von der Seite. Eddie und Hoppo bilden die Schlusslichter. Sie sind treu, erheben aber keine Ansprüche aus dem Schatten der Anderen zu treten.

Spannung
Der Spannungsbogen war durch die beiden Handlungsstränge sehr gut aufgebaut. Gleich zu Beginn der Geschichte erfahren wir, dass es eine Tote gibt, sodass die Frage aufkommt, wer es sein wird und ob oder wie die Clique in den Mordfall verstrickt ist.

Allerdings schien mir der Spannungsbogen nicht einwandfrei aufgebaut. Ich hatte den Eindruck, dass C. J. Tudor gerne dafür gesorgt hätte, dass wir einen bestimmten Charakter des Mordes verdächtigen. Allerdings kam dieser Charakter, dem Ed in der Geschichte den Spitznamen Kreidemann gibt, viel zu harmlos rüber und stellte aus meiner Sicht eher einen Nebencharakter der Geschichte dar. Er bringt zwar die Kreide ins Spiel, mir fehlte hier aber der Moment, in dem er den Kindern das Kreide malen nahe bringt und sie von den Kreiden-sind-uncool zu Kreiden-sind-cool wechseln.
Hier gab es einen relativ großen Bruch in der Geschichte, da wir unsere Charaktere erst wiedertreffen, als die Kreiden wieder out werden. Daher hat mir die Verbindung zwischen Kreiden, Mord und dem Kreidemann etwas gefehlt.

Aber die Geschichte rund um den Mord stimmte für mich total. Ich hatte keine Ahnung, wer das Mädchen ermordet haben könnte und hätte auch nicht mit dieser Auflösung gerechnet. Toll finde ich hier, dass C. J. Tudor keinen Charakter umsonst in die Geschichte eingeführt hat und jeder ein wichtiges Puzzleteil darstellte.

Schreibstil
Durch die zwei Perspektiven nimmt C. J. Tudor auch zwei Schreibstile ein. Ed als Erwachsener ist natürlich viel reflektierter. Er schmückt die damaligen Erlebnisse aus, beschreibt, wie er sich gefühlt hat und welche Auswirkungen die Ereignisse auf sein jetziges Leben haben.
In der Kinderperspektive ist sein Denken einfacher. Er nimmt Konflikte zwar wahr, jedoch haben nur die Konflikte für ihn eine wichtige Bedeutung von denen er auch unmittelbar betroffen ist.

C. J. Tudor beschreibt Der Kreidemann aus der Ich-Perspektive. Und dieses Element sorgte dafür, dass die beiden Perspektiven fließend ineinander übergegangen sind und das es keinen großen Bruch zwischen der Kinder- und der Erwachsenenperspektive gab. Außerdem baute die Autorin wichtige Informationen scheinbar harmlos in einen Nebensatz ein. Gerade gegen Ende als die Geschichte aufgelöst wurde, hatte ich den Impuls Der Kreidemann am liebsten nochmal hören zu wollen, um auch ja alle Hinweise selbst erkennen zu können.

Gesamteindruck
Als mir 2017 bei der Buchmesse von Der Kreidemann erzählt wurde, war meine Vorfreude ziemlich groß. Die Geschichte wirkte interessant und ich witterte ein großes Abenteuer. Und schon nach wenigen Minuten konnten Devid Striesow und C. J. Tudor mich für sich gewinnen.

Der Kreidemann stellt eine Mischung aus Jugendbuch und packendem Thriller dar. Als Thriller bezeichne ich das Hörbuch, weil die Stimmung innerhalb der letzten Minuten nochmal ordentlich kippt und wir eine völlig neue Perspektive bekommen, mit der ich absolut nicht gerechnet hätte.
Da es doch einige blutige Stellen gibt, würde ich das Hörbuch wahrscheinlich ab 16 Jahren empfehlen. Außerdem erinnerte mich die Handlung an den Film Stand by me, der von einer Stephen King Vorlage stammt. Hier sucht eine Clique von Jugendlichen eine Leiche. Warum? Weil das ihr erstes großes Abenteuer ist.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich Der Kreidemann sehr gut unterhalten hat und ich hoffe, dass wir noch viel von C. J. Tudor hören werden.

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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Dienstag, 3. Juli 2018

* Wie man die Zeit anhält

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Wie man die Zeit anhält (auch als Buch erhältlich)
Autor: Matt Haig
Verlag: der hörverlag
Geeignet für: Menschen, die Liebesgeschichten mögen
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürzte Fassung
Sprecher: Christoph Maria Herbst
Bewertung: 5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von der hörverlag

"Tom Hazard ist Geschichtslehrer, ein introvertierter Mann, der ein zurückgezogenes Leben führt. Und er hat ein Geheimnis: Er sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Er hat die Elisabethanische Ära in England, die Expeditionen von Captain Cook in der Südsee, das Paris der 20er Jahre erlebt und alle paar Jahre eine neue Identität angenommen. Aber eines war er immer: einsam. Seine einzige große Liebe endete schmerzvoll. Doch dann begegnet er der Französischlehrerin Camille. Während er ihr allmählich näherkommt, verändert sich für ihn alles ..."


Meine Meinung 

Mein erstes Buch von Matt Haig hatte mich etwas irritiert zurückgelassen, weil ich den Autor nicht ganz einordnen konnte. (Die Rezension dazu gibt, es um die Weihnachtszeit). Deswegen war ich mir kurz nicht ganz sicher, ob ich in Wie man die Zeit anhält eintauchen sollte. Dann machten mich aber der Titel und die Tatsache, dass das Hörbuch von Christoph Maria Herbst gelesen wird, doch ziemlich neugierig.

Gestaltung
In der ersten Lesung, die ich von Christoph Maria Herbst hörte, interpretierte er eine Kindergeschichte. Ich war also sehr gespannt, wie er bei einem Erwachsenenroman lesen würde. Interessanterweise ist seine Lesegeschwindigkeit dieselbe. Er liest schnell, aber nicht mit so einer Geschwindigkeit, dass der Inhalt verloren geht oder man sich konzentrieren muss, um ihm folgen zu können. Es wirkt auch so, als habe er eine Art  Rhythmus: Kaum habe ich mit dem Hörbuch begonnen, zogen mich die Interpretation und die Handlung in ihren Bann und ich konnte das Hörbuch kaum von den Ohren nehmen.
Christoph Maria Herbst interpretiert die Charaktere im Vergleich zu einer Kindergeschichte etwas schlichter. Dennoch konnte ich sie gut voneinander unterscheiden und fand seine Interpretation sehr angenehm.

Das Einzige, was etwas in die Irre führen könnte, wofür ich in der Bewertung aber keine Punkte abgezogen habe, ist der Klappentext: Ich glaube, es ist schwierig, diese Geschichte kurz zusammenzufassen, da sie viele Themen anspricht. Dennoch habe ich die Annäherung von Tom und Camille als Nebenhandlung empfunden, auf die man aber immer wieder zurückkommt: Kurzum, wer Angst vor einer reinen Liebesgeschichte hat, wird hier eines besseren belehrt.

Inhalt / Spannung 
Die Handlung der Geschichte erinnerte mich sehr an eine Mischung aus dem Film Forrest Gump und dem Roman Die vielen Leben des Harry August von Claire North. Allerdings hat Matt Haig hier eine übersichtlichere Handlung geschaffen, als es Claire North in ihrem Roman tut. Beide Autoren beschäftigen sich mit dem Thema Zeit und der beinahen Unsterblichkeit: Harry August wird immer wieder im selben Leben wiededergeboren, während Tom Hazard in Wie man die Zeit anhält nicht sterben kann. Zumindest nicht so bald.
Zuerst befürchtete ich, dass die Handlung ähnlich komplex sein könnte, wie bei Die vielen Leben des Harry August, weil Tom aufgrund seines Alters ja jede Menge Erinnerungen hatte. Dennoch beschränkt sich Matt Haig hier zum Glück auf eine Anzahl von Ereignissen und springt mit uns nicht wahllos in der Zeit herum.

Einerseits gefiel es mir gut, da so der rote Faden der Geschichte klar zum Vorschein kam.
Andererseits hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte etwas länger geht. Das Buch liegt von den Seitenzahlen knapp unter 400 Seiten. Als Hörbuch hatte die Geschichte eine Spieldauer von um die 9 Stunden.

Die zentralen Themen dieser Geschichte sind zum einen Liebe und zum anderen die Frage, wie man ein glückliches Leben führen kann, ohne in Angst vor der Zukunft leben zu müssen. Tom Hazard musste schon früh eine sehr traurige Erfahrung machen. Dieses Ereignis prägte ihn so sehr, dass er sich viele Jahrhunderte niemandem anvertraute. Dann trifft er auf Camille und er merkt, wie gut ihm der Kontakt tut.
Doch natürlich gibt es hier auch einen Antagonisten. Einen Menschen, der Tom Orientierung gibt und ihn immer wieder aufs Neue für sich gewinnt. Wird er auch diesmal siegen?

Matt Haig baut hier zwei Handlungsstränge ein: Zum einen begegnen wir Tom in der Gegenwart. Hier blickt er immer wieder auf sein Leben zurück und somit wird ein Teil der Geschichte von hinten aufgerollt. Dieses Element hat mir sehr gut gefallen, da die Zeitsprünge genau zur richtigen Stelle kamen und mich auch neugierig machten, wie die jeweiligen Handlungsstränge weiter verlaufen.

Kommen wir nun zu den Charakteren der Geschichte: Tom wirkt nicht nur introvertiert, sondern auch sehr passiv. Er weiß nicht so recht, wie er mit manchen Situationen umgehen soll und macht sich verwundbar. Er braucht also jemanden, der ihm sagt, was er zu tun hat. Und da kommt unser Antagonist ins Spiel. Er manipuliert Tom nicht nur, sondern hat auch ein Druckmittel gegen ihn in der Hand.
Tom hat mir als Protagonist sehr gut gefallen. Er entwickelt sich in der Geschichte langsam aber sicher weiter und lernt, auf das zu hören, was er fühlt. Es muss sicher schwierig gewesen sein, einen Protagonisten zu erschaffen, der schon über vierhundert Jahre gelebt hat, aber nur knapp vierhundert Seiten zur Verfügung zu haben, um seine Geschichte zu erzählen. Matt Haig hat Tom sehr gut erschaffen. Ich hatte den Eindruck, unseren Protagonisten ziemlich gut zu kennen.

Schreibstil 
Tom Hazard tritt hier als Ich-Erzähler auf. Und vermutlich hat auch dieses Element dazu beigetragen, dass ich mich schnell in Matt Haigs Schreibstil einfinden konnte. Mich hat der Autor hier mit tollen Dialogen überzeugt, die wieder viel zwischen den Zeilen transportierten und nicht immer eine Erklärung gebraucht haben.

Gesamteindruck 
Wie man die Zeit anhält hat meine Erwartungen übertroffen. Ich rechnete eigentlich mit einer etwas schrägen Geschichte, die aber von einem guten Sprecher vertont wurde. Und stattdessen bekam ich eine - wie erwartet - gute Lesung, eine Handlung mit Tiefe, schöne Dialoge und angenehme Charaktere.


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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.