Dienstag, 22. Mai 2018

Die letzte Stunde

Bild von
Randomhouse Audio
Steckbrief

Name: Die letzte Stunde (auch als Buch erhältlich)
Autor: Minette Walters
Verlag: RandomHouse Audio
Geeignet für: Fans von historischen Romanen oder Buchreihen
Gelesen oder gehört: gehört als gekürzte Lesung
Sprecher: Gabriele Blum
Bewertung: 2,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von RandomHouse Audio)

"Juni 1348: In England bricht die Pest aus. Binnen kürzester Zeit werden ganze Landstriche entvölkert, Angst und Panik regieren. Allein Lady Anne, die Burgherrin von Develish, bleibt ruhig. Als die Pest auch ihr Gebiet erreicht, bringt sie kurzentschlossen all ihre Schutzbefohlenen in der Burg in Sicherheit und lässt die Zugbrücke verbrennen. Nicht einmal ihren Ehemann, der von einer Reise zurückkehrt, lässt sie ein. In ihrem kleinen Reich zählen nicht mehr gesellschaftliche Konvention und Rang, sondern Einsatz für die Gemeinschaft. Als neuen Verwalter setzt Anne Thaddeus ein, den niedrigsten, aber intelligentesten ihrer Diener. Doch können sich die Burgleute gegen die Krankheit behaupten, die vor ihren Toren tobt? Gegen die Verzweifelten und Raffgierigen, die Develish angreifen? Werden die Vorräte reichen? Dann geschieht ein Mord und droht die Burggesellschaft endgültig zu zerreißen ..."


Meine Meinung 

Immer mal wieder greife ich zu einem historischen Roman. Das liegt daran, dass ich mich dafür interessiere, wie Menschen zu unterschiedlichen Zeiten gelebt haben. Je nachdem in welcher Zeit der Roman spielt, kann ich auch in den mittelalterlichen Schreibstil eintauchen. Und ich mag auch die Vermischung von fiktiven Charakteren und wahren Begebenheiten.
Als Ende April anlässlich des Sound der Bücher dann Minette Walters Die letzte Stunde verlost wurde, beschloss ich kurzerhand mich zu bewerben. Von Minette Walters hatte ich bereits viel gehört, allerdings noch nicht das Vergnügen gehabt, in eine ihrer Geschichten eintauchen zu dürfen. Das hat sich nun geändert.

Gestaltung
Gelesen wird der Auftakt der Reihe von Gabriele Blum. Sie hat zwar eine angenehme Stimmfarbe, dennoch hatte ich Mühe, mich an ihre Interpretation der Geschichte zu gewöhnen. Gleich zu Beginn wurden viele Charaktere eingeführt und leider konnte ich die wenigsten voneinander unterscheiden. Deswegen hat es ungefähr bis zur Hälfte der Geschichte gedauert, bis ich wirklich in Die letzte Stunde eintauchen konnte und mich fragte, wie das Abenteuer weiter verlaufen würde.
Bei den Dialogen zwischen den Charakteren konnte mich Gabriele Blum mit ihrer Interpretation dagegen recht gut erreichen und hier hatte ich keine Mühe ihr zu folgen.

Das Hörbuch wurde in einer gekürzten Lesung produziert. Mir machte es hier aber nicht wirklich etwas aus, da ich den Eindruck hatte, dass sich die Geschichte an einigen Stellen sehr in die Länge zog.

Inhalt
Laut dem Klappentext ist der Grundkonflikt folgender: Die Pest bricht aus und Lady Anne muss ihr Landgut und die ihr anvertrauten Leibeigenen vor der Seuche schützen. Sie bringt ihre Dorfbewohner kurzerhand auf dem Gelände ihres Hofes unter und schottet die Dorfgemeinschaft so vor dem Rest der Außenwelt ab. Das dient aber nur dem Sinn, die Seuche zu überleben.

Allerdings wird schnell klar, dass die Geschichte aus mehreren Handlungssträngen besteht: Während wir zu Beginn noch miterleben, wie sich die Dorfbewohner gegen die Pest wappnen, wird schnell klar, dass auch die Konflikte zwischen den Dorfbewohnern eine große Rolle spielt. So hat Lady Anne beispielsweise eine Tochter, die mitten in der Pubertät steckt und gerade fleißig beginnt, sich ihrer Mutter zu widersetzen. Konflikte sind hier also vorprogrammiert. Und die Beziehung zwischen dne beiden war einer der Konflikte, die ich persönlich am interessantesten fand.
Hinzu kommt auch ein Mann, der unehelich geboren wurde, der aufgrund der Pest eine wichtige Stellung auf dem Hof erhält, was einige Dorfbewohner nicht gerne sehen. Und als dann auch noch ein Mord passiert, kommt die Geschichte richtig ins rollen.

Minette Walters führt zu Beginn der Geschichte viele Charaktere ein. Hier hatte ich Mühe zu erkennen, wer für den Verlauf der Handlung wichtig war und wer nur die Rolle eines Nebencharakters einnehmen sollte. Ich war fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die Sache mit der Pest den Großteil der Geschichte einnimmt. Allerdings löst sich dieser Handlungsstrang leider mehr oder weniger von selbst auf und die Konflikte unter den Dorfbewohnern nehmen immer mehr Raum ein. An sich ist das auch verständlich, da hier der Auftakt einer Reihe eingeführt wird. Dennoch waren viele Szenen dabei, die ich eher augenrollend hinnahm, weil ich sie als etwas klischeehaft empfand oder gar nicht wissen wollte wer hier mit wem in irgendeiner Weise zusammenkommt.

Spannung
Mir war der Spannungsbogen nicht gleichmäßig genug aufgebaut. Entweder stieg die Spannung rasant an oder die Geschichte plätscherte so dahin. Gerade nachdem der Mord passierte, wünschte ich mir, dass beispielsweise mehr herausgearbeitet werden würde, wer wen verdächtigte und warum. Beide Handlungsstränge - die Sache mit der Pest und der Mord - schienen nur vorübergehend wichtig zu sein.
Sehr gut gefallen hat mir aber, dass es bei Die letzte Stunde keinen Cliffhanger gibt und die Geschichte an sich geschlossen ist. Es gibt zwar offene Fragen, diese sind aber nicht so gehalten, dass ich deren Antwort unbedingt erfahren muss.

Schreibstil
Zu Beginn der Geschichte war ich von Minette Walters Schreibstil sehr angetan, weil er die damalige Zeit gut transportiert. So wird Lady Anne beispielsweise von ihrer Tochter gesiezt. Zudem flechtet die Autorin Worte ein, die wunderbar zu dem historischen Element passen, heute aber nicht mehr verwendet werden.
Allerdings fehlte mir die Entwicklung in der Geschichte und im Schreibstil.

Gesamteindruck
Es tut mir wirklich leid, dass ich mich nicht wirklich für Die letzte Stunde begeistern konnte. Gerade, weil ich das Hörbuch im Rahmen eines Gewinnspiels gewonnen habe, wäre es wahrscheinlich schöner gewesen, wenn mir die Geschichte besser gefallen hätte.

Minette Walters hat hier eine solide Geschichte geschaffen, die mich aber nicht packen konnte. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass Lesern von historischen Romanen oder Fans der Autorin der Auftakt dieser Reihe vielleicht mehr liegt.

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* Dieses Hörbuch wurde mir im Rahmen eines Gewinnspiels auf LovelyBooks kostenlos zur Verfügung gestellt. 

Sonntag, 20. Mai 2018

SuB Geheimnisse Part 4 - Fantasy Teil 2

Hallo Buchlinge,

neulich habe ich euch via Social Media gefragt, welche Podcast Folgen ihr gerne hören wollt. Und einige von euch waren an einer SuB Podcast Folge interessiert. Heute spreche ich mit euch also über die zwei Hörbücher auf meinem Fantasy SuB, die mich am meisten interessieren.




SuB Fantasy Teil 1 (Blogartikel): https://bit.ly/2Gxjk0E

SuB Geheimnisse Part 1 Abenteuer (XXL Podcast): https://youtu.be/7sKP9zF-iXI

SuB Geheimnisse Part 2 Biografien: https://bit.ly/2IQalwT

Rezension von Selection Band 1: https://bit.ly/2wUVfS7

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Besprochene Hörbücher:

Das Labyrinth der träumenden Bücher: https://bit.ly/2wVX9lj
Die Tribute von Panem: https://bit.ly/2IyGK7Y

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Inhaltsverzeichnis 

00:00 Min: Willkommen und Einstieg in die Folge
01:19 Min: Das Labyrinth der träumenden Bücher Inhalt
02:21 Min: Das Labyrinth der träumenden Bücher Hörprobe
05:36 Min: Infos und Meinung zur Hörprobe
07:09 Min: Die Tribute von Panem
08:37 Min: Die Tribute von Panem Hörprobe
12:01 Min: Infos und Meinung zur Hörprobe
13:06 Min - Schluss: Verabschiedung

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Welche Fantasy Schätze befinden sich auf eurem Stapel ungelesener oder ungehörter Hörbücher? 


Freitag, 18. Mai 2018

Red Rising

Bild von
Heyne fliegt
Steckbrief 

Name: Red Rising (auch als Hörbuch erhältlich)
Autor: Pierce Brown
Verlag: Heyne fliegt
Geeignet für: Menschen, die gerne Dystopien oder Sciene-Fiction Romane mögen, die nicht der Norm entsprechen
Gelesen oder gehört: gelesen als Hardcover Buch
Bewertung: 3 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Heyne fliegt

"Wenn du Gerechtigkeit willst, musst du dafür kämpfen!

Der junge Darrow lebt in einer Welt, in der die Menschheit die Erde verlassen und die Planeten erobert hat. Bei der Besiedlung des Mars kommt ihm eine wichtige Aufgabe zu, das jedenfalls glaubt Darrow, der in den Minen im Untergrund schuftet, um eines Tages die Oberfläche des Mars bewohnbar zu machen. Doch dann erkennt er, dass er und seine Leidensgenossen von einer herrschenden Klasse ausgebeutet werden. Denn der Mars ist längst erschlossen, und die Oberschicht lebt in luxuriösen Städten inmitten üppiger Parklandschaften. Sein tief verwurzelter Gerechtigkeitssinn lässt Darrow nur eine Wahl: sich gegen die Unterdrücker aufzulehnen. Dabei führt ihn sein Weg zunächst ins Zentrum der Macht. Der unerschrockene Darrow schleust sich in ihr sagenumwobenes Institut ein, in dem die Elite herangezogen wird. Denn um sie vernichtend schlagen zu können, muss er einer von ihnen werden …"


Meine Meinung 

Dieses Buch habe ich dank unserem Bücherstammtisch gelesen. Wir haben einen Bücherkreis. Hier hat jeder ein Buch mitgebracht, das man unbedingt gelesen haben sollte. Und diese Bücher routieren momentan. Und ich war richtig glücklich 558 Seiten innerhalb eines Monats gelesen zu haben. 

Gestaltung 
Ich habe die Hardcover Ausgabe gelesen und hatte, um ehrlich zu sein, etwas Angst um das Buch. Warum? Ich befürchtete, dass ich es irgendwann unabsichtlich durchbreche. Jedenfalls gab es beim Lesen spannende Geräusche von sich. Es lässt sich allerdings sagen, dass das Buch bei mir überlebt hat.
Die Schriftgröße war recht klein, allerdings konnte das durch die Schriftart wieder etwas ausgeglichen werden. Die Buchstaben schienen in einer recht fetten Schrift und waren somit einigermaßen gut lesbar. 
Zudem fand ich es sehr angenehm, dass Absätze in den Kapiteln eingebaut waren. Was mich am Anfang etwas verwirrte war, dass die Gedanken unseres Hauptcharakters Darrow fließend ineinander übergehen und ein neuer Gedanke nicht immer in einer neuen Zeile zu finden war. 

Inhalt 
Ich habe vorher keinen Blick auf den Klappentext geworfen und stelle fest, dass dieser ziemlich viel von der Geschichte vorweg nimmt. Ich wusste zu Beginn der Geschichte nicht was mich erwartete, ahnte aber schnell, dass es auf eine Revolution hinauslaufen könnte. 

Darrow lebt mit seinem Volk, den Roten, unter der Erde des Mars. Sie sind die ersten Pioniere und sollen den Mars für die Menschen bewohnbar machen. Dieser Gedanke, dass alle irgendwann friedlich auf diesem Planeten leben können, motiviert Darrow zu Beginn der Geschichte. Doch dann macht er eine grausige Entdeckung, die sein Leben auf den Kopf stellt. 

Was mir hier sehr gut gefallen hat war, dass es sich bei Red Rising um keine typische Dystopie handelt. Meist läuft es schnell auf einen Klassenkampf heraus, in dem viel Blut vergossen wird. Gewalt spielt hier zwar ebenfalls eine große Rolle, jedoch kommt die eigentliche Mission im ersten Band der Trilogie nur bedingt in Gang. Darrow muss nämlich erst eine harte Schule durchlaufen. Und erst danach kann er mit der eigentlichen Mission beginnen. 

Allerdings kann ich mich dem Red Rising Hype leider nicht ganz anschließen: Die Gesellschaftskritik wird in diesem Buch zwar angedeutet, jedoch bleibt mir Pierce Brown zu sehr auf der Gewaltebene hängen. Ich hätte mir gewünscht, dass er die ethischen Fragen mit dem Gewaltthema verknüpft. Hingegen hatte ich eher den Eindruck, dass die ethischen Fragen eher am Rande thematisiert werden und es viel Interpretation und Diskussion braucht, um zu erkennen, was Pierce Brown eigentlich sagen möchte. und das fand ich schade, weil ich so den Eindruck hatte, das mir der Kern der Geschichte verborgen geblieben ist. 

Zudem störte mich die Verknüpfung der Handlungsstränge: Ich kenne es normalerweise von Büchern, dass Protagonisten mehrere Möglichkeiten haben, Probleme zu lösen und wir als Leser die Option haben, einige der Möglichkeiten zu erkennen und Theorien aufstellen zu können, für welche Möglichkeit sich unser Protagonist entscheidet. Darrow hingegen verkündete, dass er einen Plan habe. Wir mussten aber erst warten, bis der Plan in Gang kam und konnten diesen Plan erst dann verstehen, wenn dieser von A bis Z ausgeführt war.
An sich ist das ein abwechslungsreiches Stilmittel. Andererseits erinnerte es mich ein bisschen an meine ersten Schreibversuche, in denen ich mir noch nicht so viel Gedanken machte, wie man Handlungsstränge verstrickt, sondern viele Sätze mit Und plötzlich passiert Situation Z einleitete. 

Spannung 
Pierce Brown braucht etwas, bis er die Geschichte in Gang bringt. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir erst einmal Darrows normales Leben kennenlernen müssen, um dann zu begreifen, wie sich sein Leben ändert und was er aufgibt. Nach den ersten 120 Seiten kommt es aber Schlag auf Schlag und der Spannungsbogen ist kontinuierlich da. Gerade auf den letzten 100 Seiten konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen, weil mich das Ende der Geschichte brennend interessierte. Toll finde ich, dass es keinen Cliffhanger gibt und Red Rising, obwohl es sich hier um den Auftakt einer Trilogie handelt, auch als Einzelband behandelt werden kann. 

Schreibstil
Pierce Brown hat einen Schreibstil, den ich nicht ganz einordnen kann. Anfangs kam mir sein Schreibstil sehr distanziert vor, was daran liegt, dass Darrow mit seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden war. Nach und nach beginnt er aber sein Leben zu hinterfragen und so verändert sich auch der Schreibstil von Pierce Brown. Interessant finde ich es auch, dass er verschiedene Gesellschaftsschichten in Red Rising beschreibt und somit seinen Schreibstil auch an die höheren Schichten anpassen muss. Und das gelingt ihm sehr gut, ohne, dass wir das Gefühl haben, jetzt in einem historischen Roman gelandet zu sein. Nebenbei erwähnt hat er ein paar echt amüsante Dialoge geschrieben, die mich gut unterhalten haben. 

Gesamteindruck 
Ich habe schon sehr viel von Red Rising gehört und war wirklich gespannt, wie mir der Auftakt der Trilogie gefällt. Ich finde das Buch hat einige Schwächen. Dennoch hatte ich angenehme Lesestunden und war von der Geschichte fasziniert. Ein paar Charaktere habe ich ins Herz geschlossen und fand es schade, sie auf dem Mars zurücklassen zu müssen. 
Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass ich erst einmal eine Pause brauche, bevor ich mich dem nächsten Band widme. 

Mittwoch, 16. Mai 2018

10 Jahre Freiheit

Bild von HörbuchHamburg
Steckbrief

Name: 10 Jahre Freiheit (auch als Buch erhältlich)
Autor: Natascha Kampusch
Verlag: HörbuchHamburg
Geeignet für: Menschen, die Biografien mögen und sich für psychologische Phänomene interessieren
Gelesen oder gehört: gehört in ungekürzter Fassung
Sprecher: Sascha Icks
Bewertung: keine Angabe


Klappentext

(von HörbuchHamburg)

"Natascha Kampusch erzählt von ihrem Leben nach der Flucht

Am 23. August 2006 endete eine der spektakulärsten Entführungen in der jüngeren Geschichte. Natascha Kampusch gelang die Flucht aus dem Kellerverlies, in dem sie über acht Jahre eingesperrt war. Darüber hat sie ein viel beachtetes Buch geschrieben. Zehn Jahre nach der Selbstbefreiung gewährt sie Einblick in ihr Leben nach der Flucht. Sie erzählt von ihren Erfahrungen, bitteren und schönen, von ihren Träumen und Alpträumen, von ihrem Alltag. Und davon, dass sie sich für traumatisierte Jugendliche engagiert und hofft, damit auch das eigene Trauma zu überwinden."


Meine Meinung 

Vorabinformation: Ich verzichte aus zwei Gründen auf eine Bewertung: Zum einen handelt es sich hierbei um eine Biografie und da finde ich es nicht gerechtfertigt das Leben bzw. die Darstellung von Erlebnissen eines anderen Menschen zu bewerten. Zumal es sich hier um die Verarbeitung eines Verbrechen handelt, bei dem es schön gewesen wäre, wenn es nie stattgefunden hätte.
Zum zweiten muss sich Natascha Kampusch schon mit mehr als genug Bewertungen und Projektionen herumschlagen.

Gestaltung
Sascha Icks führt uns durch 10 Jahre Freiheit. Sie greift die Emotionen der Biografie wunderbar auf. Auf der einen Seite, der Hass und das Unverständnis das Natascha Kampusch teilweise von der Bevölkerung entgegengebracht wird. Und auf der anderen Seite ihr Wunsch, ein normales Leben führen zu können und nicht ständig mit der Entführung in Verbindung gebracht zu werden. Und an manchen Stellen schaffte es Sascha Icks auch, die Zerbrechlichkeit in Worte zu fassen, die im Raum lag.

Was mich an der Hörbuch Gestaltung etwas verwirrte, war die Chronologie am Ende des Hörbuchs. Natascha Kampusch bezieht sich im Laufe ihres Berichtes zwar immer wieder auf die Chronologie, mir fehlte aber hier und da etwas die Übersicht. Da hätte ich es etwas praktischer gefunden, wenn die relevanten Daten am Anfang eines Kapitels kurz aufgezählt worden wären. Allerdings hat die Chronologie am Schluss meinen Hörfluss nicht negativ beeinflusst.

Inhalt / Spannung
Dieses Hörbuch beweist, was passiert, wenn Menschen projiziere, weil sie die Wahrheit nicht ertragen können. Es war wirklich erschreckend, was Natascha Kampusch in 10 Jahre Freiheit erzählt hat. Sie muss sich immer noch mit Anschuldigungen auseinandersetzen, die völlig an den Haaren herbeigezogen sind.

Umso beeindruckender fand ich es, wie reflektiert Natascha Kampusch damit umgeht. Natürlich verletzen sie die Worte, aber sie versteht auch, dass viel mit Projektion zu tun hat. Ich habe hauptsächlich zu dem Hörbuch gegriffen, weil ich sie als Menschen etwas besser kennenlernen und hören wollte, wie sie die Entführung erlebt hat und wie ihr Leben jetzt aussieht. Und meine Fragen wurden in 10 Jahre Freiheit größtenteils beantwortet.

Schreibstil
Wie oben bereits geschrieben, wirkt Natascha Kampusch sehr reflektiert und um einiges reifer, wie andere in ihrem Alter. Das macht sich in ihrem Schreibstil bemerkbar, der ziemlich präzise und nicht ausweichend ist. Sie teilt in 10 Jahre Freiheit offen ihre Gedanken über das Leben, ihre Situation während und nach der Entführung mit. Allerdings macht sie hierbei auch deutlich, dass es auch Grenzen gibt, die niemanden etwas angehen, was auch mehr als nachvollziehbar ist.

Gesamteindruck
10 Jahre Freiheit ist ein sehr bewegender Auszug einer Biografie. Auszug deshalb, weil Natascha Kampusch Leben ja weitergeht und die Biografie damit stetig weitergeschrieben wird. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Medien so eine präsente Rolle in ihrem Leben einnehmen und das obwohl sie nicht darum gebeten hat.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir hier sehr viel über unsere Mitmenschen lernen und auch sensibler für unser Gegenüber werden können.

Montag, 14. Mai 2018

Verdammt, wer soll das alles lesen?




Hallo Buchlinge,

das Jahr schreitet voran und ich bin immer noch dabei die letzte Frankfurter Buchmesse nachzubereiten. (Es waren eindeutig zu viele spannende Veranstaltungen).
Heute geht es um das Thema Selfpublishing und die Frage, wer das alles überhaupt lesen soll. Leider war ich nicht elbst bei der Veranstaltung, habe aber Skyara beauftragt mir Notizen mitzubringen. Und für mich steht fest: Wenn es bei zukünftigen Buchmessen Veranstaltungen mit Annika Bühnemann geben wird, bin ich sehr wahrscheinlich dabei.

Bei diesem Artikel handelt es sich also um die Notizen, die mir aus der Veranstaltung mitgebracht wurden. Es kann also gut sein, dass nicht alle Aspekte in diesem Artikel auftauchen.


Über Annika Bühnemann 

Annika Bühnemann ist Gründerin der Website vomschreibenleben Bisher veröffentlichte sie Liebesromane, plant 2018 aber einen rasanten Genrewechsel nämlich hin zu Psychothrillern. Außerdem fasziniert sie das Thema Marketing: Wie baut man sich als Marke auf? Wie kann man seine Zielgruppe erreichen?
Rund um das Thema Marketing hält sie Vorträge und Workshops, beispielsweise im Rahmen der Frankfurter Buchmesse.


Zur Veranstaltung 

Das richtige Cover und die Frage nach dem Genre
Zuerst geht Annika Bühnemann anhand eines Beispiels auf das Zusammenspiel zwischen dem Buchcover und dem Klappentext eines Romans ein. Kann man hier schon Rückschlüsse auf das Genre ziehen, in dem die Geschichte spielt? Welche Zielgruppe wird hier angesprochen?

Annika Bühnemann wählte ein Beispiel, das uns bewusst macht, was passiert, wenn eine Eingrenzung des Genres fehlt. Das sorgt dafür, dass das Buch mit Genres konkurriert, die inhaltlich überhaupt nichts miteinandner zu tun haben.
Der Titel sollte etwas über das Genre oder den Inhalt der Geschichte verraten.
Der Klappentext soll die Neugier wecken.

Ein wirklich gutes Buch 
Bevor ihr euch um das Marketing kümmern könnt, ist es wichtig, erst einmal das fertige Manuskript zu haben. Annika betont hier: "Stellt sicher, dass ihr ein wirklich gutes Buch habt!"
Hier müsst ihr leider etwas Geld in ein Lektorat, ein Korrektorat und einen Coverdesigner investieren. Aber es wird sich lohnen. Annika plant bei ihren Projekten ungefähr 1000 Euro ein.. Dieses Geld nimmt sie auch wieder ein. Allerdings braucht das auch ein paar Monate.

Warum Marketing?
Der Selfpublishing Bereich ist in den letzten Jahren ziemlich gewachsen und wird zunehmend unübersichtlicher. Marketing hilft dabei, dass eigene Buch hervorzuheben und zu begründen, warum sich das eigene Buch von den anderen Büchern aus demselben Genre abhebt. Hierbei ist es wichtig, das eigene Genre und die Zielgruppe eingrenzen zu können. Mit Genre eingrenzen ist nicht etwa die Angabe von Fantasy gemeint. Optimal ist es, wenn man seinen Roman schon dem Untergenre von beispielsweise Fantasy zuordnen kann.

Wie finde ich meinen Leser bzw. meine Zielgruppe? 
Annika erklärt, dass es verschiedene Herangehensweisen gibt, um die Zielgruppe zu bestimmen. Nicht jede Option passt zu jedem Autor. Deswegen ist es wichtig, dass man sich das Instrument heraussucht, das einem selbst auch liegt.

Als Merkmal führt sie hier die 80% Regel ein: Wer sind 80% deiner Leser?

Eingrenzen nach Alter: Dein Buch ist für Leser von 12-17 Jahren geeignet. Natürlich kann es auch ältere Leser geben, die dein Buch ansprechen wird. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit eher geringer. Diese Einteilung passt aber nicht auf alle Romane.

Frage nach dem Geschlecht: Auch hier ist es möglich, das auch das andere Geschlecht zum Buch greift.

Eingrenzen nach Medium: Wenn man nur eBooks veröffentlicht, spricht man auch automatisch nur eBook Leser an.

Wer ist meine Konkurrenz?
Das eigene Buch kann mit der Konkurrenz verglichen werden im Sinne von: Wer Harry Potter mag, wird mein Buch mögen.

Was lesen meine Leser? 
Diese Frage ist etwas kniffliger zu beantworten. Man hat hier eine großen Vorteil, wenn man bereits veröffentlicht und Bücher verkauft hat. Man kann sich also anschauen, wer die Käufer waren.
Annika gesteht, dass man beim ersten Buch auch etwas raten muss. Allerdings ist es möglich die Angaben im Nachhinein anzupassen, wenn man beispielsweise merkt, dass man Leute anspricht, die das Buch gar nicht lesen sollten.

Ein großer Vorteil sind hier Facebook Gruppen und Buchblogs. Allerdings ist es wichtig, dass einem die Medien auch liegen. Bei Facebook gibt es viele Gruppen für Buchliebhaber. Bei Buchblogs kann man beobachten, was der Blogger liest und wer dort kommentiert. So kann man Rückschlüsse auf die eigene Zielgruppe ziehen.

Inspiration von anderen Autoren 
Es ist auch immer wieder spannend, sich Autoren aus demselben Genre anzuschauen und deren Marketing Strategie zu beobachten. Auf welchen Netzwerken sind sie unterwegs? Welche Art von Beiträgen veröffentlichen sie dort?

Vermarktung des Buches vs. Marke als Autor? 
Ich denke, der Unterschied zwischen den beiden Herangehensweisen ist klar. Annika erklärt, dass der Vorteil an Autoren- bzw. Personenmarketing ist, dass die Leser wissen, was sie an dem Autor haben. Man braucht zwar einen langen Atem, es kann aber gut sein, dass die Leser einem auch bei einem Genrewechsel begleiten.
Der Schwerpunkt der Veranstaltung war aber das Buchmarketing:

Social Media: 
Annika betont, dass man kein Social Media brauche, um das eigene Buch zu verkaufen. Allerdings ist es deutlich schwieriger, die Leser über andere Wege zu erreichen.

Eigene Website 
Wichtig ist hier, die Über mich Seite. Hier geht es darum, die Zielgruppe anzusprechen. Hier ist es wichtig, sich zu fragen, was den Leser interessieren könnte. Die erste Frage, die sich der Leser vermutlich stellt: Passt der Autor zu mir oder nicht? Passen seine Bücher zu mir?
Erwähnt werden darf auch ruhig, wie man zum schreiben gekommen ist. Auf der Über mich Seite soll die Zielgruppe auch klar eingegrenzt werden, damit der Leser weiß, woran er ist. Der Vorteil ist, dass man so auch die Leser behält, die sich für den Autor oder das Genre interessieren.

Blogs für Autoren?
Man braucht keinen Blog. Wichtig ist, sich darüber klarzuwerden, dass bloggen sehr zeitintensiv ist und man regelmäßig Beiträge veröffentlichen sollte. Und hierfür braucht man auch erzählenswertes.

Umgang mit der Presse 
Annika empfiehlt Interviews vor der Veröffentlichung immer noch einmal Korrektur zu lesen. So können inhaltliche Missverständnisse vermieden werden.

Zusammenfassung - Auf einen Blick
Positionierung: Was will ich bieten? Wen soll das ansprechen?
Klare Kommunikation: In welchem Genre bin ich zu finden?
Hier kommt das rein, was für den aktuellen Roman wichtig ist.

Vier Ks:
Kennenlernen: Wer ist die Zielgruppe? Wen will ich ansprechen?
Kommunikation: Was biete ich an? Was für ein Buch habe ich hier? An wen richtet sich das Buch?
Kontaktaufbau: Tretet mit euren Lesern in Kontakt. Wenn ihr das nicht wollt, beauftragt eine Agentur, die euer Marketing übernimmt.
Kontinuität: Wenn ihr euch auf eine Marketingstrategie einigt, zieht diese auch kontinuierlich durch und veröffentlicht regelmäßig Beiträge, tretet mit Lesern in Kontakt usw.


Meine Meinung zur Veranstaltung 

Zuerst war ich etwas skeptisch und fragte mich, ob es mir im Nachhinein wirklich etwas bringen sollte, die Veranstaltung nachzuarbeiten. Schließlich wusste ich nicht, ob ich den Inhalt trotzdem nachvollziehen konnte. Ihr kennt das sicher auch: Ihr sitzt in einer Veranstaltung, schreibt euch dann einen Stichpunkt auf der in diesem Moment vollkommen Sinn ergibt. Drei Monate später zerbrecht ihr euch dann den Kopf darüber und fragt euch, was zum Henker ihr damit aussagen wolltet.
Ich bin total begeistert, wie gut ich diese Veranstaltung nacharbeiten konnte. Zudem war Annika Bühnemann auch wirklich sehr präzise in dem was sie erzählt. Ich habe schon häufiger Marketing Veranstaltungen besucht. Und immer wurde von dem großen Begriff Zielgruppe geredet, aber niemand verriet, wie man sie denn aufbauen könnte. Hier bekam man konkrete Tipps an die Hand. Und selbst, wenn man mit keinem der Punkte etwas anfangen konnte, regten sie die eigene Kreativität an, um selbst Ideen zu entwickeln.

Didaktisch (dieses Wort klingt so professionell...) fand ich auch ziemlich gut, dass Annika Bühnemann zu Beginn der Veranstaltung ein Beispiel einführt, auf das sie immer wieder zurückkommt und mit dem sie die Zwischenschritte gut zusammenfassen kann. Hier wird deutlich, dass sie Erfahrung darin hat, Workshops und Vorträge zu halten.

Zusammenfassend kann ich sagen: Ein oder mehrere Besuche auf ihrer Website oder ihrem YouTube Kanal lohnen sich auf jeden Fall.

Samstag, 12. Mai 2018

Neues aus dem Hörverlag #3

Hallo Buchlinge,

bei Twitter habe ich euch wieder einmal gefragt, welche Podcast Folge ihr als nächstes hören wolltet. Und glücklicherweise waren wir diesmal einer Meinung.
In der dritten Folge von Neues aus dem Hörverlag spreche ich über Wie man die Zeit anhält von Matt Haig und über Frank Schätzings Tyrannei des Schmetterlings.

Ich wünsche euch gute Unterhaltung!



Vorgestellte Hörbücher:

"Wie man die Zeit anhält": https://bit.ly/2ItyaKY
"Die Tyrannei des Schmetterlings": https://bit.ly/2G5DXkq

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Inhaltsverzeichnis

00:00 Min: Herzlich willkommen!
00:44 Min: Wie man die Zeit anhält
01:29 Min: Hörprobe
06:29 Min: Meinung zur Hörprobe
08:41 Min: Die Tyrannei des Schmetterlings
09:21 Min: Die Tyrannei des Schmetterlings Hörprobe
14:03 Min: Meinung zur Hörprobe
 16:40 Min: Abschluss und Fragen an euch

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Kennt ihr eines der Hörbücher? 
Was haltet ihr von den Sprechern und den Autoren? 


Mittwoch, 9. Mai 2018

Safehouse - Entstehung und Spielbericht

Hallo Buchlinge,

letztes Jahr wurde auf der Frankfurter Buchmesse das Spiel Safehouse präsentiert. Die Idee lieferte Sebastian Fitzek. Bei der Umsetzung bekam er aber Verstärkung von Spieleautor Marco Teubner und Illustrator Jörn Schollmann.

Zuerst erzähle ich euch von der Entstehung des Spiels. Meine Informationen habe ich auf der Veranstaltung bekommen, die im Rahmen der Frankfurter Buchmesse stattfand.

Ge(h)folge Mitglied Skyara hat sich das Spiel gekauft. Daher gibt es im Anschluss unseren chaotischen Spielbericht inklusive einer kleinen Bewertung. Einen Nachmittag haben wir uns intensiv mit Safehouse beschäftigt. Und danach waren wir fix und fertig: Mit der Welt, dem Spiel einfach allem.


Safehouse - Die Entstehung 

Sebastian Fitzek erzählte, dass er bei der Recherche zum Thema Zeugenschutz auf die Idee von Safehouse kam. Hier dachte er sich, dass sich die Idee auch sehr gut als Spiel umsetzen lassen müsste. Und am liebsten wollte er dieses Spiel im moses Verlag unterbringen. Da er aber keine Ahnung hatte, was es brauchte, um ein Spiel zu entwickeln, tat er sich mit Marco Teubner, einem bekannten Spieleautor und dem Illustrator Jörn Schollmann zusammen. Bei der Zusammenarbeit haben sich die drei gegenseitig inspiriert. Alle drei könnten sich eine weitere Zusammenarbeit vorstellen, solange sie das entwickelte Spiel nicht nochmal testen müssten.

Foto: A.Mack
Die Idee
Die Spieler beobachten einen Mord in einem Hotel. Nun müssen sie ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden, welches sich im Safehouse befindet. Um das Safehouse erreichen zu können, müssen fünf Spielebenen durchspielt werden. Man hat 30 Minuten Zeit, um alle Spielebenen zu durchspielen Wenn die Zeit aber abgelaufen ist, hat man verloren.
Alle drei erklärten, dass das Spiel von seinen Regeln her nicht schwer zu verstehen ist. Die Schwierigkeit läge mehr in den verschiedenen Stufen.

Die Entwickler wiesen darauf hin, dass man verschiedene Aufgaben verteilen muss. Es sei sehr wichtig, dass man gut überlegte, wer welche Aufgabe bekomme, um im Spiel gut vorankommen zu können.

Besonderheit beim Spiel - Herangehensweise 
Die Besonderheit bei Safehouse ist, dass man nicht gegeneinander sondern gemeinsam spielt. Sebastian Fitzeks Idee war es ursprünglich, eine Konkurrenzsituation zu schaffen und somit zu erfragen, wer es als erstes ins Safehouse schafft. Teubner erklärte dann aber, dass beim Spielen die Gemeinschaft im Vordergrund stehe und es somit spannender sei, ein Ziel gemeinsam zu erreichen, als gegeneinander spielen zu müssen.

Man kann also gemeinsam gewinnen, aber auch verlieren. Und alle drei teilten übereinstimmend mit, dass sie sehr oft verloren hatten und das Spiel ganz bestimmt nicht noch einmal spielen wollten, was natürlich scherzhaft gemeint war. (Schon da hätten Skyara und ich eigentlich hellhörig werden können).

Zum Spiel wurde auch eine App entwickelt, welche einen Spiele Soundtrack bot. In einem gewissen Zeitabstand war in der Melodie ein Horn zu hören, was den Spielern sagte, dass die Spielfigur des Mörders auf dem Spielbrett einen Schritt vorwärts gehen dürfe. Man wurde akustisch auf die Hälfte der Zeit und die abgelaufene Zeit hingewiesen.

Reiz des Spiels 
Hier betonten alle drei wieder, dass der Reiz darin bestehe, gemeinsam das Ziel zu erreichen. Außerdem habe man das Gefühl, gehetzt zu sein und zusammenarbeiten zu müssen.

Die Spielentwicklung
Man habe hier sehr knapp kalkuliert. Sie hatten zwei Monate Zeit, um das Spiel zu entwickeln. Die Dauer sagt aber dennoch nichts über die Qualität aus.

Muss man Sebastian Fitzeks Bücher gelesen haben, um Safehouse spielen zu können? 
Diese Frage kann ganz klar mit Nein beantwortet werden. Das Spiel enthält hier und da nette Elemente für Fitzek Fans, setzt aber kein Wissen bestimmter Bücher voraus.

Kurzmeinung zur Veranstaltung: Obwohl auf dem Spiel der Name Sebastian Fitzek steht, bekamen bei diesem Termin alle drei Entwickler genügend Raum sich und ihre Arbeit vorzustellen. Das hat mir sehr gut gefallen, weil so betont wurde, dass Sebastian Fitzek Safehouse nicht alleine entworfen hat. Außerdem war es sehr amüsant ihnen dabei zuzuhören, wie sie von der Spieleentwicklung und den Spielversuchen erzählten. Ich hätte mir bei dem Termin aber gewünscht, dass man die Regeln etwas genauer erklärt. Ich hatte hier das Gefühl, dass viel angedeutet wurde, ich danach aber nicht wirklich schlauer war. Daher habe ich hier die Spieleidee und die Regeln kurz dargestellt.


Safehouse - Die Spielregeln 




Unser Spielbericht 

Skyara hatte das Spiel bereits vorbereitet. Das Feld war aufgebaut und die Karten gemischt. Auch die App war problemlos gefunden und versetzte und sofort in Thriller Stimmung. Ich vermute ja, dass man den Soundtrack auch wunderbar beim schreiben einer Hausarbeit hören kann, um den Stress noch weiter zu erhöhen und hoffentlich bald zum Ende zu kommen.

Es wurde allerdings sehr schnell recht hektisch. Karten mussten abgelegt werden. Man musste sich gegenseitig absprechen und durfte die Zahlen, die man auf der Hand hatte nicht laut sagen, sondern musste sich Codewörter dafür ausdenken. Und hier tüfelten wir wirklich eine Weile herum, wie wir das am besten machten, nur um damit zum Schluss doch jeder seine eigene Geheimsprache hat.

Wenn das Horn ertönte, zuckten wir alle zusammen, der gut gefüllte Stresspegel stieg noch weiter an und wir fühlten uns nicht nur gehetzt, sondern waren auch verzweifelt, da wir uns fragten, ob oder wie wir es jemals ins Safehouse schaffen konnten.
Nach vielen Stunden harter Arbeit und einem nach oben geschraubten Zeitplan erreichten wir das Safehouse dann ... entkräftet, müde aber zufrieden, das Spiel geschafft zu haben.

Kommen wir nun zu unserer Bewertung: Wir haben uns hier ein paar Punkte ausgedacht, nach denen wir das Spiel gerne beurteilen möchten.

Spaßfaktor: 6,5 - 7 von 10 Punkten 
Das Spiel erinnerte das Ge(h)folge etwas an Cluedo, nur minimal schlechter. Wenn man eine gute Kommunikation und einen schnellen visuellen Überblick hat, kommt man im Spiel auch gut voran. Isona und emion gehörten eher zu der 6,5 Punkte Fraktion während Skyara für 7 Punkte war. Ich hingegen entscheide mich ebenfalls eher für 6-6,5 Punkte.

Bild von: A. Mack
Stress Faktor: 37,7 von 10 Punkten
Wir alle empfanden das Spiel als ziemlich stressig. Isona meinte, dass läge hauptsächlich daran, dass wir auf Zeit spielen mussten und eine halbe Stunde für das Durchqueren aller Spielebenen auch sehr knapp bemessen sei.

Idee des Spiels: 8,5 von 10 Punkten 
Die Grundidee, dass man gemeinsam ein Ziel erreichen sollte, gefiel uns allen ziemlich gut. Außerdem fanden wir es gut, dass uns nicht alle Informationen von unseren Mitspielern bekannt sind.

Umsetzung: 3 - 4 von 10 Punkten 
Die Umsetzung hingegen, erlebten wir als sehr chaotisch. Wir hatten Stunden damit verbracht, die einfachste Variante zu spielen und haben dennoch sehr oft verloren. Meist kamen wir nicht über die ersten zwei Spielebenen hinaus. Das Blöde war, dass es nicht etwa daran lag, dass wir schlecht spielten und somit durch unser Zutun etwas daran hätten ändern können.
Zudem stellten wir übereinstimmend fest, dass eine halbe Stunde eindeutig zu knapp bemessen war, um alle Spielebenen zu durchspielen. Wir waren mehr damit beschäftigt, Karten abzulegen und Felder umzuklappen, als Zeit dafür zu finden, einen Fall zu lösen.
Ich war etwas enttäuscht, weil ich eigentlich dachte, dass das Spiel eine Art Geschichte enthielt und man auf den unterschiedlichen Spielebenen auch verschiedene Informationen bekam, um das Rätsel um den Mord zu lösen. Uns wäre aber auch überhaupt keine Zeit geblieben, ein Rätsel zu lösen, falls es eine Geschichte gegeben hätte.

Zeitaufwand: 3 von 10 Punkten 
Zum einen braucht es eine kleine Vorbereitungszeit, das Spiel aufzubauen und vorzubereiten. Während des Spielens müssen viele Karten sortiert und regelmäßig gemischt werden. Außerdem braucht man erst etwas Zeit, um in das Spiel reinzukommen. Safehouse ist also definitiv kein Spiel für zwischendurch.

Spieldauer: 30 Minuten 
Insgesamt sind zwar 30 Minuten Spielzeit angesetzt, jedoch ist es sehr unwahrscheinlich, dass man diese erreicht. Meist fliegt man vorher raus. Daher haben wir die Vorbereitungszeit mit eingerechnet.

Barrierefreiheit: 2 von 10 Punkten 
Hier bewerte ich ausschließlich, ob das Spiel für Blinde und Sehbehinderte geeignet ist. Andere Behinderungen kann ich aus mangels an Erfahrung leider nicht miteinbeziehen.

Leider ist es nicht möglich, dieses Spiel sehbehinderten- bzw. blindentauglich umzubauen. Da es sich nicht nur um ein reines Kartenspiel handelt, sondern man auch einen Spielstein auf den Feldern bewegen muss, reicht es nicht aus, die Karten einfach nur in Punktschrift (Blindenschrift) zu beschriften. Bei einigen Kartenspielen steht neben den wichtigen Informationen der Spielkarte noch das Logo des Spiels auf der Karte, das natürlich nicht mit in Punktschrift übertragen werden muss. Hier hingegen ist jede noch so kleine Information auf der Spielkarte wichtig, da man Safehouse in verschiedenen Varianten spielen kann. Deshalb würde der Platz auf der Karte auch gar nicht ausreichen, um diese ordentlich beschriften zu können.

Zudem geht es bei dem Spiel hauptsächlich um Geschwindigkeit und visuelles Verständnis. Um schnell voranzukommen, ist es notwendig, sich nonverbal verständigen zu können, um so nicht viel erklären zu müssen.
Das Ge(h)folge spielte auch zwei Runden ohne mich und kam deutlich schneller voran, da keine Zeit drauf ging, um beispielsweise erklären zu müssen, welche Karten benötigt werden.

Konstruktive Kritik:
emion hatte die Idee, dass man ein Spiel entwickeln könnte, mit dem man anhand von zu erfüllenden Aufgaben eine Geschichte erzählt. Das Umblättern findet dann statt, wenn ein neues Kapitel der Geschichte erreicht ist. Der Vorteil an dieser Methode wäre, dass man Handlungsstränge durch die verschiedenen Spielebenen miteinander verbinden könnte.


Und Du? 

Ist Safehouse bereits bei Dir eingezogen hat und hat sich bei den Spieleabenden etabliert?


Montag, 7. Mai 2018

Wir gehen zur Love Letter Convention nach Berlin!

Bild von Love Letter Convention
Hallo Buchlinge,

Skyara hat dieses Jahr eine Mission: Sie kehrt den Buchmessen den Rücken und macht dafür die Love Letter Convention in Berlin unsicher. Und diesmal tauschen wir die Rollen und ich bin ihr Ge(h)folge...


Was ist die Love Letter Convention?

Der Mai steht in Berlin im Zeichen der Liebesromane. Jährlich findet hier ein Festival statt, in dem LeserInnen und AutorInnen zusammenkommen und sich über ihr Lieblingsgenre austauschen können. Sowohl nationale als auch internationale AutorInnen sind hier vertreten.

Zuerst war ich etwas unsicher, ob das Programm überhaupt etwas für mich sein würde. Schließlich lese ich keine reinen Liebesromane. Aaaber die LitLove hat mir ja auch schon ziemlich gut gefallen. Und ich wollte unbedingt wieder gemeinsam mit Skyara eine Literaturveranstaltung unsicher machen.


Unsere Highlights 

Das Programm verteilt sich auf zwei Tage. Wir sind an beiden Tagen von Anfang bis zum Schluss anwesend, da wir am Sonntag einen Nachtzug zurücknehmen. (Es wird ein Wochenende mit sehr wenig Schlaf...).

Es gibt im Grunde keinen Programmpunkt der uns gar nicht interessiert. Dennoch haben wir euch eine kleine Liste mit unseren Highlights zusammengestellt.


Samstag und Sonntag 

ab 8:00 Uhr: Good Morning Coffee 
Das Gute ist: Skyara ist gesprächig genug für uns beide :-)


Samstag 12.05. 


Skyaras Must have 
Wann: 9:00 Uhr
Was: International Romance Moderation: Annie West Mit: Poppy J. Anderson, Susan Carlisle, Joanne Grant (Harlequin), Katharina Schmidt (LYX), Nalini Singh
Wo: Aula 

Emmas Musthave 
Wann: 10:00 Uhr 
Was: Round Table (Deutsch) Verlag vs. Selfpublishing Moderation: Carolin Reif (Neobooks) Mit: Poppy J. Anderson, Iris Kirberg (BoD), Tina Köpke, Marah Woolf
Wo: Lounge 

Es kann aber gut sein, dass wir den Termin nicht schaffen, weil Skyara nämlich folgendes Must Have hat. 

Wann: 11:00 Uhr 
Was: Q&A (Englisch) Mit: Nicole Leclercq & Nalini Singh
Wo: Haus 1, 1. OG, Raum 112

Emmas tendenzielles Musthave
Wann: 14:00 Uhr 
Was: Panel (Deutsch) Liebe auf Reisen – Traumziele im Liebesroman Moderation: Poppy J. Anderson Mit: Johanna Danninger, Frieda Lamberti, Karen Lindberg, Isabell May, Sarah
Wo: Aula 

Emmas Musthave 
Wann: 15:00 Uhr 
Was: Workshop (Deutsch) Mitten ins Herz – Lieblings-Szenen die berühren Mit: J. Vellguth
Wo: Haus 1, 2. OG, Raum 123

Skyaras Musthave 
Wann: 15:00 Uhr 
Was: Workshop (Deutsch) Mein Auftritt – Tipps für eine tolle Ausstrahlung und eine innere Gelassenheit Mit: Greta Niels
Wo: Haus 1, 2.OG, Raum 129

Skyaras Musthave 
Wann: 16:00 Uhr 
Was: Panel (Englisch) Historical vs. Paranormal/Fantasy Moderation: Terri Osburn Mit: Amanda Bouchet, Brenda Hiatt, Ella Quinn, Nalini Singh
Wo: Aula 

Wann: 17:00 Uhr 
Was: Spiel (Deutsch) Klappentext-Bingo Moderation: Alexandra Panz (LYX), Katharina Schmidt (LYX) Mit: Emmy Abrahamson, Emily Bold, Laura Kneidl, Ellen McCoy, Kim Nina Ocker, Vanessa Sangue, J. Vellguth
Wo: Lounge 

Wann: 18:30 - 20:00 Uhr 
Was: Get-together für Blogger & Autoren
Wo: Aula 


Sonntag 13.05. 

Emmas Musthave 
Wann: 9:00 Uhr 
Was: Workshop (Deutsch) Liebesgeflüster – Bücherpodcasts für Anfänger Mit: Lisa Engels (One Verlag)
Wo: Haus 1, 2.OG, Raum 129

Skyaras Musthave 
Wann: 11:00 Uhr 
Was: Meet & Greet (Englisch) Mit: Ella Quinn, Nalini Singh, Annie West
Wo: Zelt 

Skyaras Musthave 
Wann: 12:00 Uhr 
Was: Panel (Deutsch) Klartext – Sexismus, Rassismus & Gewalt im Liebesroman Moderation: Amy Baxter Mit: Annika Hartmann (be), Laura Kneidl, Tina Köpke, Kim Nina Ocker, Vanessa Sangue
Wo: Aula 

Unser Musthave: 
Wann: 14:00 Uhr 
Was: Workshop (Deutsch) Nebencharaktere an die Macht Mit: Sarah Saxx & J. Vellguth
Wo: Haus 1, 2. OG, Raum 123 

Skyaras Musthave 
Wann: 16:00 - 18:00 Uhr 
Was: Signierstunde 
Wo: Aula 


Und ihr? 

Seid ihr in Berlin auch dabei? 
Falls ihr uns vor Ort entdeckt, dürft ihr uns gerne ansprechen oder Skyara den bedeutungsvollen Ich-will-mit-euch-reden-Blick zuwerfen. 

Samstag, 5. Mai 2018

Zartbittertod

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Zartbittertod (auch als Buch erhältlich)
Autor: Elisabeth Hermann
Verlag: der Hörverlag
Geeignet für: Krimi Fans bzw. Leser, die Krimis für Jugendliche mögen
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Laura Maire
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext 

(von der hörverlag

"Zart wie die Liebe, bitter wie die Schuld
Mia ist in dem kleinen Chocolaterie-Geschäft ihrer Eltern aufgewachsen – mit den wunderbaren Rezepten, aber auch mit dem Familienfoto, auf dem ihr Urgroßvater Jakob und sein Lehrherr zu sehen sind. Der Lehrherr ist weiß, Jakob schwarz. Mia weiß, dass ihr Vorfahr als kleiner Junge aus dem damaligen Deutsch-Südwestafrika nach Deutschland gekommen ist. Aber warum? Und wie?

Als Mia den Nachkommen von Jakobs Lehrer unbequeme Fragen stellt, sticht sie in ein Wespennest. Liebe und Verrat ziehen sich durch die Generationen, und als Mia endlich weiß, wer sie zum Schweigen bringen will, ist es fast zu spät …"


Meine Meinung 

Ich habe euch bereits vor ein paar Monaten einen Roman von Elisabeth Hermann vorgestellt. Hier war ich mir aber nicht ganz sicher, ob die Geschichte wirklich etwas für mich war. Durch Zufall bin ich dann auf Zartbittertod aufmerksam geworden. Und zwar war die Hörbuchsprecherin Laura Maire zu Beginn des Jahres bei einem LovelyBooks Livestream im Rahmen der Sound der Bücher Aktion zu Gast. Hier wurde ich auf die Sprecherin aufmerksam und wollte unbedingt eine Geschichte hören, die von ihr gelesen wird. Da kam mir Zartbittertod gerade recht.

Gestaltung 
Laura Maire hat eine etwas tiefere Stimme, die es ihr ermöglicht, sowohl weibliche als auch männliche Charaktere gekonnt zu interpretieren, ohne, dass es unfreiwillig bemüht klingt. Sie war hier vor Herausforderungen gestellt: Es gab nämlich nicht nur eine verträumte Protagonistin, sondern auch knallharte Geschäftsleute. Und sowohl das Harte als auch das Weiche in Laura Maires Stimme kam sehr gut zur Geltung. Und nebenbei bemerkt, mag ich ihre Stimmfarbe, die mir das Zuhören wirklich leicht gemacht hat.

Inhalt 
Eigentlich wollte Mia nur eine erzählenswerte Geschichte, um sich bei einer Journalistenschule zu bewerben. Und dann wurde sie kurzerhand in einen kleinen Kriminalfall verwickelt.

Mias Urgroßvater kam als Kind aus Afrika nach Deutschland. Er lebte bei der Familie Herder, die ihn zum Chocolatier ausbildeten. Er machte sich schließlich selbstständig und gründete seinen eigenen Laden, der mittlerweile Mias Eltern gehört. Hier hängt immer noch ein Bild, das Jakob und seinen Lehrmeister neben einem Nashorn aus Schokolade zeigt. Und da liegt es nahe, dass Mia erfahren möchte, wie es zu dem Foto kam. Doch bei Familie Herder wird sie nicht mit offenen Armen empfangen.

Ich musste zu Beginn feststellen, dass mir Protagonistin Mia etwas zu verträumt war. Sie ist neunzehn, hat ihr Abitur bereits hinter sich. Dennoch weiß sie noch nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte. Den Betrieb der Eltern zu übernehmen kommt nicht infrage. Da bleibt nur noch Plan B: Die Journalistenschule. Mich störte an ihr, dass sie Dinge machte, die ganz klar als Falle ausgelegt waren. Ich saß da und fragte mich, warum sie so naiv an die Sache heran ging.

Als sich Mia nach Lüneburg aufmacht, um bei den Herders Auskunft über ihre eigene Familiengeschichte zu erfragen, lernen wir auch die anderen Charaktere kennen: Das Ehepaar Herder mit ihrem Sohn Will, der ungefähr in Mias Alter ist. Hier hat Elisabeth Hermann die Ablehnung, die Mia zu Beginn entgegengebracht wird, ziemlich gut herausgearbeitet. Mich interessierte, ob Mia es wirklich schaffte, noch an Informationen zu kommen, oder ob sie unverrichteter Dinge wieder abreisen musste.

Elisabeth Hermann hat die Handlungsstränge gut miteinander verknüpft. Es gibt einen kleinen Handlungsstrang der uns mit in Mias Familiengeschichte nimmt. Auf der anderen Seite erlebten wir unsere Charaktere auch in der Gegenwart und konnten so Stück für Stück das Puzzle zusammensetzen. Aber das Tolle daran war: Wir als Leser waren Mia nicht sehr weit voraus. Immer, wenn wir eine Information bekamen, erfuhr sie auch bald davon.

Spannung 
Was den Spannungsbogen betrifft, bin ich mir noch etwas unschlüssig. Bei Zartbittertod handelt es sich um ein Jugendbuch ab 12 Jahren. Das heißt, Elisabeth Hermann kann uns hier keinen blutrünstigen Kriminalroman bescheren, was aber auch nicht schlimm ist. Obwohl ich bis zum Schluss keine Ahnung hatte, wer die wirklich bösen Geister der Geschichte waren, war mir der Spannungsbogen hier und da doch etwas zu flach und ich hatte den Eindruck, dass sich unsere Charaktere etwas im Kreis drehten. Dennoch vermute ich, dass es für die gedachte Zielgruppe wahrscheinlich genau das richtige Tempo ist, da so genug Zeit bleibt, den Inhalt zu verdauen.

Schreibstil 
Elisabeth Hermann hat einen lebendigen Schreibstil. Sie erzählt die Geschichte größtenteils aus der Ich-Perspektive und aus Sicht von Protagonistin Mia. Hier und da gibt es auch einen anderen Handlungsstrang, der sich vom Schreibstil her, sehr von der Ich-Perspektive unterscheidet. Und dieser Spagat ist der Autorin hier wirklich gut gelungen. Elisabeth Hermanns Schreibstil war verständlich und doch so geschrieben, dass er mir nicht zu kindlich vorkam und ich spannende Stunden mit der Geschichte verbringen konnte.

Gesamteindruck 
Ich hatte eigentlich keine Erwartungen an Zartbittertod und wollte mich einfach von der Geschichte überraschen lassen. Ich bekam hier ein sehr schönes unterhaltsames Jugendbuch mit einem guten Spannungselement. Schön fand ich auch, dass der Roman seinem Titel gerecht wurde und es hier und da Ausflüge in die Welt der Schokolade gab. Gerade deswegen vermute ich, dass sich Zartbittertod als perfekte Lektüre für die Weihnachtszeit eignet.

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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Donnerstag, 3. Mai 2018

Jugendbücher und eine starke Biografie - Hörmonat April Part 2

Hallo Buchlinge,

wei versprochen habe ich nun den zweiten Teil meines Hörmonats von April für euch. Ich spreche diesmal über: Zartbittertod von Elisabeth Hermann, 10 Jahre Freiheit von Natascha Kampusch und Roverandom von J.R.R. Tolkien.
Ich wünsche gute Unterhaltung!



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Inhaltsverzeichnis

00:00 Min - Einstieg und Erklärung zum Inhalt
00:34 Min - Zartbittertod von Elisabeth Hermann
05:32 Min - 10 Jahre Freiheit von Natascha Kampusch
06:22 Min - 10 Jahre Freiheit Hörprobe
09:55 Min - Meinung zur Geschichte
14:33 Min - Roverandom von J.R.R. Tolkien
15:16 Min - Roverandom Hörprobe
17:13 Min - Meinung zum Hörbuch
21:02 Min - Schluss: Was habt ihr im April so gelesen?

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Schriftlicher Monatsrückblick: https://bit.ly/2HIEw9P
Hörmonat Part 1: https://youtu.be/fokEhVjfIk0
Lesen mit Booklovers (Facebook Gruppe): https://bit.ly/2JI8ozm

*Zartbittertod: https://bit.ly/2FxG68u
10 Jahre Freiheit: https://bit.ly/2HJMoDT
Roverandom: https://bit.ly/2rcDo2U

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Dienstag, 1. Mai 2018

Ge(h)lebt im April 2018

Gelesen im April

Buchlinge, schon wieder ist ein Monat rum. Und diesmal war es dank der Lesenacht wieder ein kleiner Leserekord. Ich habe 56 Stunden 34 Minuten in fremden Welten verbracht. Gelesen habe ich 639 Seiten, ein Buch habe ich beendet, ein anderes angefangen, und fünf Hörbücher beendet.

In der ersten Podcast Folge erzähle ich euch von dem Hörspiel Sofies Welt nach einem Roman von Jostein Gaarder, dem Hörbuch Camp 21 von Rainer Wekwerth und dem aktuellen Jugendbuch von Adriana Popescu, nämlich Mein Sommer auf dem Mond.

An dieser Stelle gibt es nur eine kleine Preview für den zweiten Teil des Hörmonats. Leider ist mir zum Schluss die Zeit etwas davon gelaufen. Ich werde über Roverandom von J.R.R. Tolkien, 10 Jahre Freiheit von Natascha Kampusch und Zartbittertod von Elisabeth Hermann sprechen. Ich hoffe, ihr hört rein.

Kommen wir also nun zu meinem imaginären roten Teppich:

Beste Handlung: Hier würde ich am liebsten gleich drei meiner beendeten Lektüren nennen. Aber ich reiße mich zusammen und beschränke mich auf zwei Geschichten:

Bild von cbj
Mein Sommer auf dem Mond gehört für mich zu dem Roman mit der besten Handlung, weil sehr viel Wahrheit in diesem Buch steckt. Die Geschichte gibt vielen Lesern Mut. Worum geht's? Basti, Fritzi, Tim und Sarah müssen ihre Sommerferien mehr oder weniger freiwillig in einem Therapiezentrum in Rügen verbringen. Dort werden sie in eine Gruppe gesteckt und müssen sich wohl oder übel miteinander arrangieren. Dabei könnten sie nicht unterschiedlicher sein...

Bild von der hörverlag
Die zweite Geschichte ist ein Hörspiel: Und zwar Sofies Welt nach einem Roman von Jostein Gaarder. Hier bekommt die 14-jährige Sofie merkwürdige Post von einem Major. Dieser Herr schreibt eigentlich an seine Tochter Hilde. Dabei kennt Sofie wieder den Major noch seine Tochter. Als dann noch ein Alberto bei ihr auftaucht und sie eine Lehrstunde der Philosophie bekommt, stellt sich langsam aber sicher die Frage, in welcher Realität wir eigentlich leben.
Hier mochte ich besonders, wie die Handlungsstränge miteinander verbunden werden. Was anfangs noch Theorie war, wurde sehr schnell in der Geschichte umgesetzt.


Bild von HörbuchHamburg
Bester Charakter: Charakter ist diesmal nicht wirklich der passende Begriff, da es sich hier um eine reale Person handelt. Natascha Kampusch wurde als Kind entführt und jahrelang gefangen gehalten. Mit 18 Jahren gelingt ihr dann die Flucht. Ich finde es bewundernswert, wie sie zum einen die Jahre der Gefangenschaft verarbeitet, aber sich gleichzeitig in Freiheit immer wieder mit Hasskommentaren auseinandersetzen muss. Und sie zerbricht an keinem von beiden. Auf mich macht sie einen sehr reflektierten Eindruck. Sie differenziert und steckt die Leute nicht einfach in eine Schublade. Davon sollten sich einige Menschen wirklich einmal etwas abschauen.


Bild von der hörverlag
Bester Handlungsort: Schon nach wenigen Minuten von Zartbittertod war mir klar, dass die Chocolaterie von Mias Eltern der beste Handlungsort in diesem Monat werden wird. Der Schokoladenladen ist ein Familienbetrieb, in dem ganz viel Liebe und Kreativität steckt. Gerne würde ich dem fiktiven Laden in Meißen mal einen Besuch abstatten.

Beendete Bücher und Hörbücher in der Übersicht:
Sofies Welt nach einem Roman von Jostein Gaarder
Camp 21 von Rainer Wekwerth
Mein Sommer auf dem Mond von Adriana Popescu
Zartbittertod von Elisabeth Hermann
10 Jahre Freiheit von Natascha Kampusch
Roverandom von J.R.R. Tolkien


Im Netz gefunden

Bloggertipps unter die Lupe genommen
Denise beschäftigt sich jeden Monat mit einem Thema, welches die Buchbloggerwelt betrifft. Diesmal geht es um die Bloggertipps, die überall die Runde machen. Wie sinnvoll sind sie wirklich?
Zum Beitrag -> HIER ENTLANG

Was ist die DSGVO und was muss ich beachten?
Hier erklärt BoD ab wann man personenbezogene Daten erhebt und was mit dem Auftragsdatenschutzvertrag auf sich hat und wie man diesen abschließt.
Zum Artikel HIER ENTLANG

DSGVO-Checkliste für Blogspot Blogs
Durch Zufall bin ich auf diesen Artikel aufmerksam geworden. Hier werden ein paar Änderungen aufgeführt, die Blogspot-Nutzer an ihrem Blog durchführen müssen, damit dieser DSGVO tauglich ist. Das Tolle ist, dass auch erklärt wird, wie einige Funktionen umgesetzt werden können. Leider können bis dato nicht alle Kriterien der DSGVO umgesetzt werden.
Link zum Beitrag - HIER ENTLANG


Gefreut 

Das Expose für die Bachelorarbeit ist abgesegnet 
Ich habe jetzt über einen Monat damit verbracht, an meinem Expose für die Bachelorarbeit zu feilen. Und Mitte April konnte ich es dann endlich meinen beiden Bachelorarbeit Betreuern vorlegen. Und glücklicherweise waren beide, bis auf ein paar kleine Änderungen, soweit zufrieden. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste meine Thesis nochmal überarbeiten. Seit ungefähr einer Woche versinke ich schon mehr oder weniger in Fachliteratur. Aber auch hier sieht es relativ gut aus, da die meisten Bücher bereits barrierefrei sind und ich nicht wieder Lebenszeit damit verschwenden muss, Bücher einzuscannen.

Positive Rückmeldungen auf mein Leinwand Debüt  Bei YouTube bekommen 
Im April ist auf meinem YouTube Kanal (und auch hier auf dem Blog, siehe unten) ein kleines Video online gegangen. Hier bin ich ausnahmsweise vor der Kamera zu sehen. Ich habe hier überraschend positives Feedback bekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe.


Hinter den Kulissen 

Die DSGVO - ein wahrer Thriller
Ich habe neulich ja schon bei Twitter gewitzelt, dass es sich bei der DSGVO wahrscheinlich um eine Intrige handelt: Man möchte einfach so viele Buchblogger wie möglich ausschalten. Ich bin gespannt, wie Google die Änderungen alles umsetzt, bin aber mal vorsichtig optimistisch und versuche mich nicht zu sehr von anderen Leuten in den Wahnsinn treiben zu lassen (was einfacher gesagt als getan ist).

Neue Flyer für den Bücherstammtisch 
Wir bzw. um genau zu sein ein Bücherstammtisch Mitglied bastelt gerade an neuen Flyern für den Stammtisch. Und Isona durfte schon einen Blick darauf werfen. Ich bin furchtbar neugierig und freue mich schon tierisch darauf, wenn ich euch das Ergebnis zeigen darf.

Umstrukturierungen 
Buchlinge, ihr habt es vielleicht bemerkt: Ein paar Kleinigkeiten haben sich verändert. Ich habe meine Literaturbegriffe einfach geklärt Seite gelöscht. Diese habe ich vor Jahren einmal angelegt, als ich wieder mal eine Literatursendung geschaut und absolut nichts verstanden habe. Schon seit Monaten gefiel mir die Übersicht nicht mehr wirklich. Da ich mittlerweile mehr oder weniger wissenschaftliches Arbeiten gewohnt bin, wurde mir auch bewusst, dass einige Quellen vielleicht nicht wirklich seriös waren. Deswegen ist die Seite vorübergehend offline genommen. Ob ich mich nochmal daran setzen werde, sie zu überarbeiten, weiß ich noch nicht. Was meint ihr? Fandet ihr die Seite sinnvoll?
Dafür habe ich den Bücherstammtisch nun oben bzw. im offiziellen Menü aufgenommen. Auch dieser Text ist noch nicht in Stein gemeißelt und wird mit Sicherheit nochmal überarbeitet.


Was gab's zu erzählen? 

An dieser Steller erwähne ich wieder einmal die beliebtesten Beiträge des Monats und ein paar Herzensbeiträge. Da einige Artikel in der Statistik immer wieder auftauchen, erwähne ich nur die Beiträge, die im letzten Monat noch nicht in der Top 3 waren.

Top 3: 
Macht uns Bildung zu besseren Menschen?
Unsere Lesenacht im April
Leere Herzen (Hörbuch Rezension)

Herzensbeiträge:
Handlungsorte und Helden aus der zweiten Reihe
Wie können Sehbehinderte lesen?


Gehört 

Beinahe pünktlich zur neuen Staffel Sing meinen Song - Das Tauschkonzert habe ich das aktuelle Album von Mark Forster  mit dem Titel TAPE ausgegraben. Meine Lieblingslieder: Spul zurück, Chöre, Was ernstes, Weiter. Ihr lest: Also im Grunde das halbe Album.

Außerdem habe ich endlich in das Greatest Hits Album von Robbie Williams gehört, welches ich mir vor einigen Monaten gekauft habe. und das Tolle ist: Hier habe ich ein Lied wiedergefunden. Das habe ich mal vor Jahren im Radio gehört, wusste aber nicht, wie es heißt. Auch diese CD lief eine Weile bei mir rauf und runter.

Was waren eure Soundtracks des Monats?


Buch- und Hörbuchzitate

"Nicht jede Veränderung muss scheiße sein."
Mein Sommer auf dem Mond von Adriana Popescu, S. 183

"Wissen Sie, ich habe die letzten Monate vorsichtig gelebt und bin trotzdem hier gelandet. Vielleicht wird es Zeit, mal aufs Herz, statt auf den Kopf zu hören."
Mein Sommer auf dem Mond von Adriana Popescu, S. 203

"Es muss schrecklich sein, sich Tag für Tag selbst verleugnen zu müssen."
Mein Sommer auf dem Mond von Adriana Popescu, S. 209

"Wenn ich ein guter Mensch bin, warum will ich dann böse Dinge tun?"
Red Rising von Pierce Brown, S. 153

"Was zum Teufel machst du da?"
"Sie ist eine Köchin!", rufe ich.
Red Rising von Pierce Brown, S. 298

"Im Leben kommen die Götter nicht heran geschwebt, um für Gerechtigkeit zu sorgen."
Red Rising von Pierce Brown, S. 308

"Ich habe ganz Afrika danach abgesucht."
Zarbittertod von Elisabeth Hermann

"Ich finde Zahlen schön. Sie haben etwas ehrliches. Sie können nicht auf die gleiche Weise missbraucht werden wie Worte."
10 Jahre Freiheit von Natascha Kampusch


In diesem Sinne... 

Was habt ihr im April so erlebt, gelesen oder gehört?
Kennt ihr eines meiner beendeten Bücher?

Ich hoffe, ihr seid gut in den Mai getanzt :-)

Samstag, 28. April 2018

Ge(h)dacht - Macht uns Bildung zu besseren Menschen?

Hallo Buchlinge,

Ende Februar habe ich Elena Ferrantes neapolitanische Saga beendet. Ein zentrales Thema dieser Reihe ist die Bildung: Wie wichtig ist Bildung wirklich? Wie viel kann man durch Bildung bewegen? Macht uns die klassische Bildung wirklich zu besseren Menschen?

In Elena Ferrantes Buchreihe wurde das Thema Bildung anhand verschiedener Aspekte beleuchtet und ziemlich ausführlich dargestellt. Einige dieser Aspekte werde ich in meinem Artikel aufgreifen.

Immer wieder sind mir Menschen begegnet, die Ungebildete belächelten, also Leute, die nicht den klassischen Bildungsweg gewählt und konsequent mit einem Studium beendet haben.
Sie hätten ja keine Ahnung von der Welt und vom Leben, weil sie ja nichts im klassischen Sinne gelernt haben. Und genau solche Ansichten nerven mich tierisch. Als ich dann auf Elena Ferrantes neapolitanische Saga stieß und mitbekam, dass auch ihr die ein oder anderen Aspekte nicht entgangen sind, war die Idee für diesen Artikel geboren.

Hinweis: Um meine Meinung besser belegen zu können, werde ich einige Szenen aus den Büchern beschreiben müssen. Wer die Reihe also noch nicht gelesen hat und die Aspekte lieber selbst entdecken möchte, sollte sicherheitshalber die Finger von meinem Artikel lassen.

Wer sich aber für meine Thesen interessiert und gespannt ist, welche Belege ich hierfür in der Reihe gefunden habe, ist herzlich eingeladen, weiterzulesen.

Einige der Überschriften sind eher plakativ und wahrscheinlich weniger ernstzunehmend anzusehen. Ich wünsche dennoch gute Unterhaltung :)


Zur Buchreihe 

Die Freundinnen Elena und Lila wachsen in ärmlichen Verhältnissen in einem Randbezirk von Neapel auf. Beide Freundinnen besuchen die Grundschule und haben gute, bis sehr gute Leistungen. Sie sind ehrgeizig und wissbegierig. Doch Lilas Eltern halten es nicht für notwendig, dass ihre Tochter eine weiterführende Schule besucht. Elenas Eltern können gerade so von einer Lehrerin überzeugt werden, Elena auf eine weiterführende Schule zu schicken.

Elena arbeitet sich von der Realschule bis hin zum Abitur und einem Studium hoch, während sich Lilas Welt hauptsächlich in ihrer Heimat, dem Rione, abspielt. Doch beide Freundinnen verlieren sich nicht aus den Augen.


Bildung als Wettbewerb? 

Schon im ersten Band der neapolitanischen Saga wird deutlich, dass sich Elena und Lila ständig miteinander vergleichen. Wenn es ein Gebiet gibt, auf dem die eine punkten kann, braucht die andere ein neues Territorium. Die Idee nur etwas wert zu sein, wenn man auch etwas oder am besten viel weiß, wird hier geboren. Und gerade Elena findet sich hier sehr wieder.

Immer wenn Elena glaubt, endlich etwas wert zu sein, bringt Lila etwas hervor, dass Elena klein aussehen lässt. Warum? Darüber können wir nur spekulieren. Als der Machtkampf in der Schule von Lilas Eltern gebremst wird, sucht sich Lila andere Statussymbole aus, um zu beweisen, dass sie es zu etwas gebracht hat. Welche das sind, das müsst ihr selbst herausfinden.

Doch wer glaubt, dass sich Lila in ihrem Leben innerhalb des Riones wohlfühlt, täuscht sich. Während sie nach außen hin stark wirkt und deutlich macht, was sie will, gibt es immer wieder Momente, in denen deutlich wird, an wem sie sich wirklich orientiert.

"Wer bin ich, wenn du nicht gut bist? Wer bin ich dann?"
Die Geschichte der getrennten Wege von Elena Ferrante 

Während ich lange Zeit dachte, dass Elena ihren Selbstwert an Lila misst, wurde mir nach diesem Zitat klar, dass es auch genauso gut anders herum sein könnte. Lila ist eine starke Persönlichkeit. Man meint, sie hat ihr Leben im Griff. Deswegen hat es mich als Leserin manchmal wahnsinnig gemacht, mitansehen zu müssen, wie sehr sich Elena an Lila orientiert. Als ich dann bemerkte, dass diese Orientierung auf Gegenseitigkeit beruht, stellte mich das auch minimal zufrieden.


Bildung und Autorität 

Buchlinge, ihr kennt es vielleicht: Je weiter man im klassischen Bildungsweg gekommen ist, desto mehr Ansehen genießt man. Doktoren werden beispielsweise ganz anders behandelt, als ein Sozialarbeiter, der zwar einen Bachelorabschluss, aber eben keinen Doktortitel hat.

Als Elena die weiterführende Schule besucht, lernt sie Leute aus anderen Kreisen Neapels kennen. Gleichaltrige, die sich bisher keine Sorgen um Bildung oder Geld machen mussten. Und so wird sie eines Tages auf eine Party bei ihrer Leherin eingeladen. Unsicherheit macht sich breit: Was ist, wenn sie der Gruppe nicht genügt?

"Er war der Erste, der mir zeigte, wie angenehm es ist, in eine fremde und womöglich feindliche Umgebung zu kommen und festzustellen, dass dein guter Ruf dir voraus geeilt ist."
Die Geschichte eines neuen Namens von Elena Ferrante 

Hier lernt Elena einen großen Vorteil der Bildung kennen: Viele Menschen interessiert nur das, was du weißt, aber nicht, was für ein Mensch du bist.
Elena ist nicht ohne Grund auf die Party eingeladen worden: Ihre Lehrerin schwärmt für Elenas Aufsätze und macht kein Geheimnis daraus. Hier wird Elena also das erste Mal eine Autorität zugeschrieben. Sie als Mensch scheint sekundär zu sein, was ihr in diesem Moment noch nicht bewusst ist. Erst einmal genießt sie es nur, sich nicht beweisen zu müssen, sondern zu wissen, dass man sie mit offenen Armen empfängt. 

Autorität kann aber auch dazu führen, dass man sich hinter ihr oder dem gelernten Wissen versteckt.

"Dieser Mann strahlte Autorität aus, auch wenn Autorität eine Fassade ist und es manchmal nicht viel braucht, um sie, und sei es nur für Minuten, bröckeln zu lassen, sodass dahinter ein anderer, weniger erfreulicher Mensch zum Vorschein kommt."
Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante 

Hier wird deutlich, dass Elena mittlerweile zwischen dem Menschen an sich und der Autoritätsperson unterscheidet. Nebenbei erwähnt: Nur weil jemand Autorität ausstrahlt, muss das nicht heißen, dass er wirklich vom Fach ist.

Und das sagt mir: Nur weil jemand Experte für sein Fachgebiet ist, heißt das nicht, dass ihm eine allumfassende Autorität zusteht. Dass seine Meinung in jedem Bereich mehr zählt, als die Ansicht eines Menschen, der, von seinem Bildungsweg betrachtet, vielleicht ein paar Stufen tiefer zu finden ist.

Jahre später genießt Elena auch in ihrer Heimat, dem Rione, hohes Ansehen. Sie hat es zu etwas gebracht. Sie kennt wichtige Menschen und weiß viel. Als sie eines Tages wieder von einer Bewohnerin in den Himmel gelobt wird, stellt sie sich folgende Frage:  

"Wie kann ich dieser Frau nur erklären, überlegte ich, dass ich seit meinem siebten Lebensjahr eine Sklavin von Buchstaben und Zahlen bin."
Die Geschichte der getrennten Wege von Elena Ferrante

Selbst zu denken ist anstrengend 

"Die große Masse der Gebildeten kommentiert Zeit ihres Lebens nur faul die Ideen anderer."
Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante 

Ich kann mich noch gut an die ersten Wochen meines Studiums erinnern. Hier und da hatte ich das Gefühl, mir eröffnen sich neue Welten. Ich entdeckte Ansichten, Methoden, Philosophien über die man wunderbar diskutieren konnte. Ich habe das neue Wissen aufgesogen und versucht mit meinen Ansichten zu vergleichen.

Nach und nach stellte ich aber fest, dass uns zwar viele Philosophien vorgestellt wurden, es aber nichts gab, was daran anknüpfte. Es ging nicht darum, die vorgestellten Ansichten infrage zu stellen oder weiterzuentwickeln, sondern einzig und allein darum, diese zu begreifen und nachvollziehen zu können.

Auch in den meisten Fachbüchern ist es nicht anders. Autoren fassen die Ansichten von anderen, vielleicht angeseheneren, Wissenschaftlern zusammen. Im besten Fall kommentieren sie diese Zitate und schmücken das eben gesagte noch einmal besser oder verständlicher aus. In vielen Büchern habe ich aber den Eindruck, dass es sich nicht um ein Fachbuch, sondern mehr um eine Ansammlung an Zitaten handelt. (Dennoch ist auch das ein ziemlicher Arbeitsaufwand, der nicht abgewertet werden soll).

Einerseits konnte ich diese Art des (wissenschaftlichen) Vorgehens nachvollziehen. Warum muss man das Rad neu erfinden, wenn es bisher doch super funktioniert hat? Andererseits stellte ich fest, dass es mir zu wenig war und ich mich beispielsweise in den Vorlesungen darauf freute, wenn Dozenten Beispiele aus der Praxis einfließen lassen konnten. Dann kamen sie nämlich auf Inhalte zu sprechen, deren Theorie zwar vorgegeben war, aber deren Praxis von ihren eigenen Erfahrungen geprägt war.

Nun spannen wir aber den Bogen zum obigen Zitat: Dieses Zitat ist eines meiner Lieblingszitate aus der neapolitanischen Saga. Zum einen, weil ich merkte, dass es noch jemandem so erging, wie mir und zum anderen, weil unsere Protagonistin Elena diesen Gedanken auch noch ausspricht und sich nicht davor fürchtet, man würde sie danach weniger ernst nehmen. 

Auch ihre Freundin Lila kommt zu einer ähnlichen Erkenntnis. Allerdings stellt diese fest, dass das Nicht-selbst-Denken wollen, nicht etwa aus Faulheit passiert, sondern, weil man es nicht anders gelernt hat.

"Sie tun das, weil sie da geboren sind. Aber in ihrem Kopf haben sie nicht einen eigenen Gedanken. Nicht einen, den sie sich erarbeitet haben. Sie wissen alles und wissen nichts."
Die Geschichte eines neuen Namens von Elena Ferrante 

Wenn du nichts weißt, bist du auch nichts wert 

Wie im ersten Abschnitt bereits angedeutet, ist Bildung auch eng mit dem Selbstwert eines Menschen verknüpft. Man wird anders angeschaut, wenn man einen Doktortitel im Ausweis vorzeigen kann.

Wir reisen zurück zu der oben beschriebenen Party. Elena durfte eine Freundin mitbringen. Und natürlich hat sie sich für Lila entschieden. Während sich Lila im Rione selbstbewusst bewegt, hatte Elena Angst, dass sie auch auf der Party schnell alle Blicke auf sich ziehen und alle Gäste um sich scharen würde. Doch da hat sie sich getäuscht:

"Sie wurde behandelt, als könnte sie so etwas nicht begreifen. Sie wollten sie nicht, wollten überhaupt nicht wissen, was für ein Mensch sie war."
Die Geschichte eines neuen Namens von Elena Ferrante 

Während schnell philosophisch, politische Diskussionen in Gang kommen, steht Lila unsicher daneben. Schließlich verfügt sie nicht über Fachwissen, um sich an den Gesprächen beteiligen zu können. 
Dieses Zitat zeigt deutlich, dass man sich nicht für Lilas Meinung interessiert. Elena ist im Fokus, weil sie diejenige, mit den guten Aufsätzen ist. Elena wird bewusst - wobei hier nicht ganz klar ist, ob es schon im Moment, oder erst im Nachhinein war - dass das Mensch sein hier nichts wert war. 


Bildung schützt nicht vor Dummheit 

Nun kommen wir zu einem der Dialoge, die der Grund für diesen Artikel sind. Erst einmal muss ich hierfür auf die gesellschaftlichen Unterschiede eingehen: Elena kommt aus einer Gegend, in der Streitigkeiten lautstark und emotional ausgetragen werden. Man hielt seine Emotionen nicht zurück, brüllte und schlug auch schon mal, wenn es eben sein musste. Mit Argumenten kam man hier nicht weit. Meist behielten diejenigen Recht, welche die höhere Autorität hatten. Bezogen auf Elenas Familie waren das ganz klar ihre Eltern.

Durch Elenas Schulbildung lernte sie, auch andere Arten der Diskussion kennen. So heiratete sie einen Mann, in dessen Familie auch diskutiert und gestritten wurde. Allerdings nicht laut und ausfallend, sondern ruhig und sachlich.
Elena fühlte sich bei ihren Schwiegereltern anerkannt. Ihre Schwiegermutter öffnete ihr beruflich wichtige Türen. Doch als der Bruch mit ihrem Ehemann droht, zeigt sich deutlich, dass Bildung nicht vor Dummheit schützt. Dieser Dialog spielte sich zwischen Elena und ihrer Schwiegermutter ab:

"Nein, ich bin wirklich auf deiner Seite gewesen. Aber im Rahmen einer Abmachung, die du hättest einhalten müssen."
"Was denn für eine Abmachung?"
"Die bei deinem Mann und den Kindern zu bleiben."
[...]
"Ich werde dir alles wegnehmen, was ich dir gegeben habe."
Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante

Neben dem ganzen Wissen was einem durch die Bildung vermittelt wird, lernen wir auch, zu reflektieren. Und zwar nicht nur, Philosophien und Ansichten verschiedener Wissenschaftler, sondern im besten Falle auch die Einstellungen bezogen auf das eigene Leben. 

Hier müssen wir feststellen, dass Elenas Schwiegermutter in ihrer Vorstellung von Richtig und Falsch gefangen ist. Wer sich nicht an ihre Vorstellung von einem korrekten Leben hält, hat es auch nicht mehr verdient, unterstützt und gefördert zu werden. Dass sich Gefühle, oder Dinge auch ändern können und man sich neu sortieren muss, scheint für Elenas Schwiegermutter nicht zu zählen. Wenn wir uns ihre gesellschaftliche Position anschauen: Sie hat studiert und einen einflussreichen Job in einem Verlag.

Und dennoch schützen all ihr Wissen und ihre berufliche Erfahrung sie nicht davor, im eigenen Weltbild gefangen zu sein. Ziel der Bildung sollte es doch eigentlich sein, die eigene Position stehen lassen zu können und sich den Standpunkt von jemand anderem anschauen und kritisch hinterfragen zu können. Leider scheint das bei der guten Frau nicht funktioniert zu haben. 


Bildung vs. nicht Bildung? Was denn nun? 

Bisher habe ich versucht, die Vor- und Nachteile von Bildung zu beleuchten. An welcher Stelle nützt uns Bildung und wo beginnt der Mensch, sich hinter seinem Wissen zu verstecken? Im zweiten Teil des Artikels soll es um die Frage gehen, welche Vorteile Menschen haben, die noch nicht von Bergen von Wissen beeinflusst sind.


Den Menschen so nehmen, wie er ist 

Elena hat es gewagt. Sie hat ihren Mann verlassen und ist mit ihrer Jugendliebe zusammengekommen. Doch ihr neuer Partner hat auch im Rione keinen guten Ruf. Als sie eines Tages mit ihm im Rione auftaucht, inszeniert Lila ein Zusammentreffen mit alten Freunden. Doch dort macht Elena eine ungewöhnliche Feststellung. 

"Keiner der Anwesenden, obwohl sie nicht die geringste Sympathie für Nino bekundeten, deutete eine Kritik an der Kehrtwende in meinem Gefühlsleben an. Nicht einmal mit einem Blick oder einem Grinsen."
Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante 

Elena hat etwas geschafft, wovon viele Menschen im Rione träumen. Sie hat einen Weg heraus aus der Armut gefunden und einen Mann mit einer guten Position geheiratet. Da wäre es doch also logisch gewesen, wenn man ihr es dann vorhält, den Mann zu verlassen. Doch im Rione empfing man sie und Nino mit offenen Armen und freute sich, dass sie wieder einmal vorbeischaute. Im Gegensatz zu Elenas Schwiegereltern konnten die Bewohner des Rione ihre eigene Abneigung gegenüber Nino hinten anstellen und sich für Elena freuen.


Die Menschen auf das Wesentliche reduzieren 

Buchlinge, vielleicht kommt euch das folgende Beispiel etwas bekannt vor: Ihr sitzt in einer Lehrveranstaltung oder einem Vortrag. Der Referent spricht über ein Thema und ihr merkt, dass ihr nicht den Hauch einer Idee habt, worum es eigentlich geht. Dann beginnt ihr langsam abzuschweifen und andere Dinge wahrzunehmen: Seine Sprache, die Gestik. Oder ihr achtet vielleicht darauf, wie der Referent seine Thesen begründet.
Und genau das macht Lila in der neapolitanischen Saga. Sie gibt sich nicht mit ausgeschmückten Formulierungen zufrieden. Es interessiert sie nur, was Menschen tun und nicht das, was sie sagen.

Lila war eine Zeit lang in einer schwierigen Situation. Sie arbeitete in einer Fabrik und musste sich und ihren Sohn über die Runden bringen. In den 70er Jahren gab es in vielen Ländern Bewegungen, die sich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen auflehnten. So geriet auch Lila in so eine Bewegung. Diese wurde allerdings nicht von den Arbeitern angeführt, sondern von den Akademikern. Als Lila in eine Aktion mit hineingezogen wurde, machte man ihr in der Fabrik unmissverständlich klar, dass man sie unter diesen Umständen nicht länger dulden könnte. Da ging sie in die Vollen und suchte diejenigen auf, die sie in diese Lage gebracht hatten:

"Und wenn ich meine Arbeit verliere, komme ich her und wohne hier. Ihr gebt mir was zu essen und die Verantwortung für mein Leben übernehmt dann ihr?"
Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante 

Dieses Zitat zeigt mir, dass sich Lila sehr wohl über ihre Position bewusst ist. Sie weiß, dass sie sich um sich selbst kümmern muss und sich nicht auf Andere verlassen kann. Außerdem klagt sie diejenigen an, die nicht weitergedacht haben. Revolutionen sind ja schön und gut, aber nicht, wenn die Drahtzieher ungeschoren davonkommen.
Immer wieder heißt es, dass Ungebildete keinen Schritt weiterdenken. Lila beweist hier etwas anderes.

Ich habe bereits schon mehrfach von der Party erzählt, auf die Elena und Lila eingeladen wurden Hier kam Lila zu folgender Erkenntnis:

"Kein einziges Wort von dem was sie gesagt haben, war zu verstehen. Sie haben sich nicht einmal untereinander verstanden."
Die Geschichte eines neuen Namens von Elena Ferrante

Und Elena erkannte, dass ihre Freundin die wesentlichen Dinge erfasste, ohne jemals ein Gymnasium oder eine Universität von innen gesehen zu haben. 

"Ich wollte anerkennen, dass sie schon von klein auf alles begriffen hatte, ohne Neapel je zu verlassen."
Die Geschichte der getrennten Wege von Elena Ferrante

Mein Fazit 

Buchlinge, im schlimmsten Fall seid ihr nun hier unten angekommen und fragt euch wutentbrannt, was ich eigentlich von euch will. Schließlich kritisiere ich Bildung, gehe in diesem Artikel aber genauso vor, wie es uns beigebracht wurde:

Ich brauche eine Buchreihe, die mir Zitate liefert, damit ich meine eigene Meinung belegen kann. Und das nur, weil ich bei der Vorbereitung des Artikels gemerkt habe, dass mich wahrscheinlich kein Mensch ernst nimmt, wenn ich meine Meinung einfach so niederschreibe, ohne irgendwelche Belege für meine Thesen zu liefern. Selbst, wenn es sich hierbei nur um eine fiktive Geschichte handelt.

Mir war und ist es wichtig zu betonen, dass Bildung im Prinzip nicht schlimm ist, sie uns aber nicht etwa zu besseren Menschen macht. Durch Bildung erlangen wir vielleicht mehr theoretisches Wissen als andere Menschen. Dennoch schützt uns Bildung nicht davor, Fehler zu machen oder Menschen zu verletzen.

Ich möchte Studenten oder Akademiker keinesfalls abwerten. Schließlich bin ich auch kurz davor, mein Studium erfolgreich zu beenden. Es hat mich viel Arbeit gekostet, hebt mich aber dennoch nicht von anderen Menschen ab, die kein Studium absolviert haben.

Für mich geht es im Leben nicht darum, was Menschen wissen, sondern was sie tun und wie sie ihrem Gegenüber begegnen. Sind sie in ihren eigenen Wertevorstellungen gefangen und können daher gar keine neuen Sichtweisen annehmen? Schaffen sie es über ihren eigenen Tellerrand hinauszublicken? Und das sind Fähigkeiten, die unabhängig von einem klassischen Bildungsweg erreicht werden können.

Ich hoffe, ihr versteht nun ein bisschen besser, was ich zu Beginn des Artikels meinte. Ich möchte diesen Beitrag mit einem letzten Zitat beenden:

"Ihr Lehrer gebt so viel aufs Lernen, weil ihr damit euer Brot verdient. Aber lernen nützt gar nichts. Es macht einen auch nicht zu einem besseren Menschen."
Die Geschichte der getrennten Wege von Elena Ferrante


Und Du? 

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