Donnerstag, 28. Dezember 2017

Bäume reisen nachts

Bild von Insel Verlag 
Steckbrief
Autor: Aude Le Corff
Verlag: Insel Verlag
Geeignet für: Menschen, die gerne zarte Roadtrips mögen
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten





Klappentext 
(von Insel Verlag

"Seit Monaten verbringt die achtjährige Manon ihre Nachmittage allein, unter einer riesigen Birke im Garten. Sie verschlingt ein Buch nach dem anderen und spricht mit Ameisen und Katzen, nur um an eines nicht denken zu müssen: das spurlose Verschwinden ihrer Mutter. Mit dem eigenen Kummer beschäftigt, vermögen Manons Vater Pierre und ihre Tante Sophie das stille Mädchen nicht zu trösten. Doch Manons Einsamkeit erweicht das Herz des mürrischen Nachbarn Anatole, der, seitdem er nicht mehr unterrichtet, sich von Kindern möglichst fernhält. Sie beginnen, gemeinsam den Kleinen Prinzen zu lesen, und es erwächst eine außergewöhnliche Freundschaft. Als eines Tages überraschend Briefe der Mutter eintreffen, schmieden das Mädchen und der alte Mann einen kühnen Plan, der sie gemeinsam mit Pierre und Sophie auf eine abenteuerliche Reise quer durch Europa führt …"


Meine Meinung 
Ich glaube, Bäume reisen nachts wurde mir mal in einer Facebook Büchergruppe empfohlen. Leider habe ich überhaupt keine Ahnung, in welchem Zusammenhang das war. Der Titel und der Klappentext der Geschichte machten mich neugierig, wobei ich jetzt beim Schreiben der Rezension bemerkt habe, dass ich den Klappentext mal wieder nicht genau gelesen habe. Aber fangen wir wie immer erstmal bei der Gestaltung an.

Gestaltung
Das Cover des Buches ist ansprechend gestaltet. Wir sehen drei Gestalten, einen Mann, eine Frau und vermutlich ein Kind, welches im Gegensatz zu den anderen beiden Personen auf den Boden kniet. Der Titel des Romanes wird von Blättern umrahmt. Die Farben sind schlicht gehalten, was mir besonders gut gefällt, weil sie das Cover so nicht überladen. Mir gehen nämlich diese Buchcover auf die Nerven, die so kontrastarm gestaltet sind, dass ich weder Buchtitel noch Klappentext lesen kann.
Allerdings sind wir hier schon beim Problem des Buches: Mir war die Schriftgröße zu klein. Das Lesen gestaltete sich daher als etwas anstrengend, obwohl der Inhalt an sich verständlich dargestellt wird und auch recht spannend war.

Inhalt / Spannung 
Aude Le Corff erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven: Wir beginnen mit Manon, deren Einsamkeit mehr als deutlich spürbar ist. Sie vermisst ihre Mutter und hat zudem das Gefühl, dass ihr auch der Vater entgleitet.
Manon wird von einem älteren Herrn, Anatole, beobachtet. An sich hat Anatole genug mit seinen eigenen Problemen zu schaffen. Seine Gesundheit hält ihn nämlich ganz schön auf Trab oder sorgt besser gesagt dafür, dass er nicht mehr unter die Leute geht und sich am sichersten in seinen eigenen vier Wänden fühlt.
Dann gibt es da noch Manons Tante Sophie, die im selben Haus wie Anatole und Manons Familie wohnt. Auch an ihr geht Manons Kummer nicht spurlos vorbei. Doch das Mädchen möchte sich nicht von ihr helfen lassen. Schließlich glaubt Manon, dass Sophie in die Pläne ihrer Mutter eingeweiht war.

Wieder einmal musste ich feststellen, dass ich den Klappentext nicht ganz richtig gelesen habe. So war ich beispielsweise überrascht, als die Briefe von Manons Mutter eintrafen und man beschließt, sie suchen zu gehen. Außerdem finde ich, dass der Klappentext schon ziemlich viel von der Rahmenhandlung vorwegnimmt.

Aber kommen wir zurück zum Inhalt: Aude Le Corff erzählt die Geschichte von Manon und ihrer Familie sehr zart. An sich hat das Buch eine schöne Atmosphäre. Mir war es hin und wieder aber fast zu seicht und ich hätte mir etwas mehr Kraft gewünscht.

Der Spannungsbogen wird an sich gut aufgebaut. Aude Le Corff fährt eine klare Linie und verzettelt sich hier auch nicht in tausend Geschichten. Hier und da gab es Stellen, die ich etwas unrealistisch fand und die zu schnell aufgelöst wurden. Aber andererseits hat das auch irgendwie den Zauber der Geschichte ausgemacht.

Schreibstil 
Aude Le Corff nimmt hier die Rolle der allwissenden Erzählerin ein. Sie beschreibt eine Szene aus der Sicht der anwesenden Personen. Außerdem schreibt sie viel in indirekter Rede. Bäume reisen nachts enthält wenige Dialoge. Diese Art eine Geschichte zu erzählen, mag ich hin und wieder richtig gern. Aude Le Corff hat hier eine tolle Mischung aus indirekter Rede und Dialogen hinbekommen. Das Wesentliche erzählte sie zwischen den Zeilen, baute aber durch die Dialoge auch eine Bekräftigung der Aussage ein.

Gesamteindruck
Um einen ordentlichen Gesamteindruck haben zu können, müsste ich erstmal herausarbeiten, was ich erwartet habe. Nach Ein Mann namens Ove bin ich davon ausgegangen, dass die Beziehung zwischen Manon und Anatole in Bäume reisen nachts im Vordergrund steht. Das war aber nicht so. Es wurde mehr die Gesamtsituation thematisiert. Das Tolle daran war, dass wir so alle Charaktere etwas kennenlernten und jeder seine Rolle in dem Buch fand.

Ich wusste nicht, wohin sich die Geschichte entwickelt. Allerdings kann ich die ein oder andere Entscheidung unserer Hauptfiguren nicht ganz nachvollziehen, glaube aber, dass die Botschaft des Buches etwas damit zu tun hat.

Wer eine zarte Geschichte für Zwischendurch braucht, und sch nicht von kleinen Schriftarten abschrecken lässt, sollte unbedingt mal zu Bäume reisen nachts greifen.

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Den Textbaustein habe ich von Pergamentfalter übernommen.