Sonntag, 1. Oktober 2017

Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung - Tipp 2: Organisation ist alles

Hallo in die Runde,

letzten Sonntag habe ich bereits damit begonnen euch den ersten Tipp für ein hoffentlich erfolgreiches Studium mit Behinderung zu geben.

Heute kommen wir zum zweiten Teil nämlich der Sache mit der Organisation. Bevor es losgeht, möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass diese Tipps nicht in Stein gemeißelt sind. Es kann sein, dass sie euch weiterhelfen, es kann aber auch genauso gut vorkommen, dass ihr euch überhaupt nicht darin wiedererkennt.

Ich würde mich jedenfals freuen, wenn wir in den Kommentaren ins Gespräch miteinander kommen und ihr von euren Erfahrungen im Studium berichtet  - oder, wenn ihr keine Behinderung habt - vielleicht erzählt, was euch im Umgang mit Studierenden mit Behinderung wichtig ist.


2. Die Sache mit der Organisation 

Organisation ist an sich eine clevere Sache. Allerdings ist das auch leichter gesagt als getan. Je nachdem, was ihr studiert, ist es wichtig, dass ihr euch schnell gut organisiert. Sonst könnte die Gefahr bestehen, dass ihr früher oder später von einem Berg überrollt werdet.

Literaturbeschaffung 
In manchen Studiengängen wird ganz viel gelesen. Blinde und Sehbehinderte können nicht mal eben so die Hochschul- oder Unibibliothek stürmen und sich die wichtigsten Bücher schnappen. Es gibt aber folgende Optionen, um Literatur zugänglich zu machen:

1. Der Service der TU Dortmund: Dieser kann deutschlandweit von allen Studierenden genutzt werden. Ihr müsst nur eine Kopie eures Schwerbehindertenausweises einreichen und einen Wisch unterschreiben. Dieser Service ist HIER zu finden. Falls ein Buch, das ihr dringend braucht, nicht vorhanden sein sollte, könnt ihr Ansprechpartner kontaktieren, die das Buch vielleicht beschaffen können. (Bisher habe ich sehr gute Erfahrungen mit Büchern aus dem Kohlhammer Verlag gemacht).

2. Verlage anschreiben und um PDFs bitten: Das hab ich beispielsweise genutzt, als es darum ging, mir eine Gesetzessammlung zu beschaffen. Glaubt mir, ihr wollt euer Leben nicht damit verschwenden 3.000 Seiten einzuscannen. Mit der Formatierung der erworbenen Sammlung habt ihr so oder so noch genug zu tun. Das PDF hab ich selbstverständlich zum Ladenpreis erworben.

3. Einscannen: Blinde Studierende nutzen hierfür oft Studienassistenzen, also nette Menschen, die ihnen die Texte einscannen und dafür ein Entgelt bekommen. Ich hab mich selbst mal darin versucht, ein Buch einzuscannen und es waren die schlimmsten Tage meines Lebens. Also wenn ihr wirklich Literatur braucht, die nicht anders zu beschaffen ist: Kümmert euch um eine Assistenz! Auch hierfür gibt es Finanzierungsmöglichkeiten über die Eingliederungshilfe. (Alternativ - ich weiß aber nicht, ob das wirklich hieb- und stichfest ist - würde ich sonst das Blindengeld dafür einsetzen).

Hilfsmittel - Ohne die geht gar nichts 
Am besten ist es natürlich, ihr wisst, was ihr für das Studium braucht. Dann könnt ihr euch schon vor Studienbeginn um die nötigen Hilfsmittel kümmern. Wenn das nicht der Fall ist: Schaut auf der Website des DBSV vorbei. Wenn sich eine Geschäftsstelle in eurer Nähe findet, könnt ihr euch die Hilfsmittel vor Ort zeigen lassen.
Wenn das nicht möglich ist, könnt ihr Kontakt zu Hilfsmittelfirmen aufnehmen, die nicht nur Hausbesuche machen, sondern auch bei der Beantragung helfen und euch eine Einführung in das erworbene Gerät geben. Mehr dazu habe ich HIER beschrieben.

Mir hat das gerade für den Start ins Studium sehr geholfen. (Leider hat meine damalige Augenärztin dann dafür gesorgt, dass die Hilfsmittel nicht pünktlich an Ort und Stelle waren. Aber hey, ich hab ein Studium trotzdem gemeistert).

Wenn ihr euch den Studienalltag überhaupt nicht vorstellen könnt, helfen euch vielleicht die folgenden Eckdaten, bei der Hilfsmittel Entscheidung.

Stellt euch darauf ein, dass ihr:
... in Lehrveranstaltungen Texte und ggf. Folien, die an die Wand geworfen werden, lesen müsst.
... Anwesenheitslisten unterschreiben müsst.
... Schnell einen Raum- oder Ortswechsel bewältigen können solltet.
... Eventuell in der Mensa essen wollt und dort Unterstützung braucht.
... Referate und Gruppenarbeiten vorbereiten, durchführen bzw. halten müsst.
... Raum Pläne oder andere Aushänge lesen können solltet.

Und für all diese Dinge, gibt es Hilfsmittel, die euch das Leben extrem erleichtern. Falls ihr euch für einen Hilfsmittel Beitrag interessiert, in dem ich einige Dinge vorstelle, gebt einfach Bescheid.


Ausblick 

Ich habe völlig vergessen, euch im ersten Beitrag einen kleinen Ausblick zu geben. Deswegen hole ich das heute nach und weise darauf hin, dass es im nächsten Tipp um den Umgang mit der Behinderung gehen wird. Ich versuche diesen Beitrag dann etwas allgemeiner zu halten, damit auch Menschen, die andere Behinderungen haben, etwas davon haben.
Der Beitrag erscheint am kommenden Sonntag, ich werde ihn aber wie gewohnt in den Social Media Kanälen bewerben.

-------------------------------------------------------------------

Zu meiner Person und der Sache mit der Sehbehinderung: Ich bin von Geburt an auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge hochgradig sehbehindert. Seit 2017 beträgt mein Sehrest 2%, was bedeutet, dass ich nach dem Gesetz als blind gelte. In der Praxis heißt dass: Ich...

  • Habe Mühe mich in unbekannten oder schlecht beleuchteten Räumen zu orientieren
  • Erkenne mir bekannte Personen nicht im Vorbeigehen 
  • Laufe mit einem Blindenlangstock (von mir als Elderstab betitelt) pendelnd durch die Weltgeschichte 
  • Kann keinen Blickkontakt aufnehmen und mit der Mimik meines Gegenübers nichts anfangen 
  • Kann Personen, die in unmittelbarer Nähe (linker, rechter Sitznachbar je nach Entfernung auch mein Gegenüber) erkennen, alle was darüber hinaus geht aber nicht 

In dieser Rubrik bereits erschienen:  

Bewerben für die Ausbildung / das Studium - HIER KLICKEN
Wo und wie beantrage ich Hilfsmittel - HIER KLICKEN
Wie bewerbe ich mich für ein Praktikum? - HIER KLICKEN
Wie beschaffe ich mir Fachliteratur? - HIER KLICKEN
Was muss ich für Prüfungen beachten? - HIER KLICKEN
Umgang mit der Sehbehinderung eigene Erfahrungen - HIER KLICKEN
Wie arbeite ich mit einer Gesetzessammlung? HIER KLICKEN
Wichtige Tastaturbefehle (Shortcuts) im Überblick HIER KLICKEN
Blind heißt nicht gleich nichts sehen - HIER KLICKEN
Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung: Tipp 1: Orientierung ist alles HIER KLICKEN 


---------------------------------------------------------------------

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen