Sonntag, 12. März 2017

GE(H)FRAGT - Ypsilon (YouTuberin)

Über Ypsilon 

Vor einer Weile bin ich zufällig über Ypsilons YouTube Kanal gestolpert und konnte meinen Ohren kaum trauen. Irgendwie kam sie mir verdächtig bekannt vor. Und tatsächlich: Die Wahlkölnerin gehörte zu meinem Abijahrgang. Dieses Erlebnis fällt wohl wieder unter die Kategorie: So klein ist die Welt!

Auf ihrem YouTube Kanal berichtet sie über ihr Leben mit Sehbehinderung, stellt sich euren Fragen und hat es sich zur Aufgabe gemacht Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung abzubauen und gerade über die Themen Blindheit und Sehbehinderung aufzuklären. 
Neugierig? Dann lest das Interview... 

Ypsilon bei
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GE(H)FRAGT - Ypsilon 

Vorstellung des YouTube Kanals

Ypsilon, Du bist YouTuberin. Stell dich meinen Lesern doch mal vor.

Sehr gerne doch! Hey ihr Lieben, erstmal freue ich mich sehr, dass ihr euch für dieses Interview interessiert! ;) Auf YouTube findet ihr mich unter dem Namen „Ypsilon“. Ich bin 22 Jahre alt und studiere in Köln, meiner Wahlheimat. Interessant zu wissen ist denke ich noch, dass ich die Besonderheit einer hochgradigen Sehbehinderung mitbringe, was ich auf meinem Kanal zum Thema gemacht habe und auch immer noch sehr gerne wöchentlich tue!


In welchen Bereichen bist du auf YouTube zu finden?

Wie gerade schon angeschnitten, befasst sich mein Kanal mit der Thematik der Sehbehinderung. Der Slogan dabei lautet „Alles rund um den Alltag mit Sehbehinderung“. Dabei sind die Grenzen zwischen Blindheit und Sehbehinderung teilweise fließend, weshalb manches Video etwa den Titel „Blind fliegen“ ziert. Wenn ihr also in der YouTube-Suche die Schlagwörter „Sehbehinderung“, „Blindheit“ oder „Seheinschränkung“ (diese Bezeichnung präferiere ich grundsätzlich) eingebt, solltet ihr früher oder später auf eines meiner bald 40 Videos stoßen. Die Art der Videos variiert dabei sehr, sowohl von der Dauer als auch dem Inhalt. Die Länge reicht dabei von circa 3 bis hin zu knapp 15 Minuten, je nach Thema und Umfang. Ich greife dabei Dinge auf, die mich entweder persönlich sehr beschäftigen, beeindrucken, die ich immer schon mal loswerden wollte oder die ich einfach mit meiner grandiosen Community teilen möchte. Manches verpacke ich gern in humorvollen Varianten, gerade Themen, die eine grundsätzliche Schwere besitzen. Humor lockert das Ganze dabei doch auf eine sehr positive Art und Weise auf, so sind auch die an mich herangetragenen Rückmeldungen. Um mal ein Beispiel zu nennen fällt mir in diesem Kontext insbesondere meine Playlist „Arten von …“ ein, hinter der sich mein persönliches Verständnis und auch meine Interpretation von Vorurteilen verbergen, wie etwa Reaktionen auf Sehbehinderung und Blindenstock. Sehr gerne rege ich auch „einfach nur“ zum Nachdenken an und hoffe, meine ZuschauerInnen mit dem ein oder anderen Gedanken zu fassen und zu inspirieren (z.B. im Video „Wie wolltest du behandelt werden“). Absolut wichtig ist es mir dabei, nicht nur zu quatschen, sondern genauso Inhalt und Informationen weiterzureichen. Und in manchen Videos rege ich mich auch einfach nur auf :D (wie z.B. in „Ich bin hilflos?!“). Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Videos, in denen ich Geräusche zum Inhalt mache, die von denjenigen vor dem Bildschirm erraten werden können. Das baue ich hin und wieder mit ein, um ein Stück weit zu sensibilisieren und auch zu zeigen, dass man durchaus auch mit den Ohren sehen kann (siehe Video „Aus den Augen, aus dem Sinn?“, „Hear My Morning“). 

In wiederum anderen Videos mache ich Alltagssituationen zum Thema; ich zeige wie ich mich blind schminke oder koche. Dabei fordere ich auch sehr gerne meine Freundin Dilara heraus, die ganz tapfer in den Go-Blind-Challenges mitmacht! („Geld fühlen"„Go-Blind-Challenge Halloween“)


Wie bist du auf dein Pseudonym gekommen?

Hach, du bist lustigerweise die Erste, die mich das in einem Interview fragt! Es ist eine ganz witzige Geschichte, zum Teil etwas verworren. Also wenn ich mich für die kurze Variante entscheide, dann steckt für mich hinter dem Buchstaben Y, den ich nun als Namen aber ganz ausschreibe, die sogenannte „Generation Y“. Why als Warum aus dem Englischen, wir werden nicht zuletzt als diese Generation bezeichnet, weil vieles hinterfragt wird. Und dieses Warum ist etwas, was mir tagtäglich in Bezug auf meine Sehbehinderung von meinen Mitmenschen in vielerlei Hinsicht begegnet und mich ebenso selbst als Fragende durch den Tag begleitet. All diese „Warum’s“ möchte ich im Rahmen meines Kanals gerne bestmöglich und weitreichend aufgreifen.


Wieso hast du dich für das Thema „Sehbehinderung“ entschieden?

Redebedarf, Schockierung, Wut, Amüsement und Kontaktfreudigkeit. Ich könnte sicherlich noch weitere Attribute auflisten, die sich – vermute ich – auch konkret in meinen Videos wiederspiegeln. Es waren letztendlich immer und immer wieder dieselben gestellten Fragen, die mir Tag ein, Tag aus über den Weg laufen. Irgendwann hatte ich mal die naive Fantasie, beim gefühlt 2.000 Mal „Wohnst du denn alleine?“ einfach auf ein Video von mir verweisen zu können. :D Inzwischen ist diese Fantasie fast schon zu einer Realität entsprossen, wobei ich niemandem meinen Kanal aufs Auge drücke. ;) Ich sehe einen RIESIGEN Aufklärungsbedarf im Bereich der Behinderung und viel zu wenig Selbstverständlichkeit. Vorurteile und Stereotype begegnen einem jeden Betroffenen in einer hohen Regelmäßigkeit, was ich für unsere heutige, als so modern und fortgeschritten bezeichnete, Ära wirklich fatal finde. Ich finde nicht, dass dafür andere Themen in den Hintergrund gerückt werden sollen, aber dass im 21. Jahrhundert doch bitte nicht erst die Behinderung und dann der Mensch gesehen wird. Warum ich MICH nun dafür entschieden habe, dieses Thema auf YouTube aufzugreifen ist, dass mich die folgende Frage nicht mehr in Ruhe gelassen hat: wenn nicht wir selbst als Betroffene aufklären, wer denn dann?!


Wie organisierst du deinen YouTube Kanal? Vom Video drehen bis hin zum Video schneiden? Gibt es da irgendwelche Hilfsmittel?

Das ist eigentlich gar nicht so spektakulär, wie man es sich vielleicht vorstellen mag. Wichtig ist mir bei all meinen Videos, dass ich sie authentisch und eigenständig gestalte. Das bedeutet, dass ich selbst die Ideen entwickle, filme und schneide. Wobei ich ab und an auch meine lieben Freunde als Kamerafrau- oder Mann umfunktioniere. ;) Manchmal entstehen durch deren Kreativität dann sogar noch viel schönere oder einfach andere Ideen! Zurzeit habe ich noch kein professionelles Equipment, ich mache das alles mit iPad oder iPhone. Der Grund dafür ist, dass ich auf das Apple-Filmbearbeitungsprogramm iMovie angewiesen bin, dass ich mit den Hilfsmitteln Zoom und VoiceOver auf meinem Smartphone und Tablet prima bedienen kann. Insgeheim wünsche ich mir aber eine „richtige“ Kamera! ;) Dafür muss ich nur erstmal ein sehbehindertentaugliches Schnittprogramm auftreiben – gar nicht so einfach, sag ich euch!


Gibt es in Köln auch YouTuber Treffen bzw. warst du schon mal bei einem dabei?

Die gibt es auf jeden Fall! Bisher allerdings ohne mich. :D Inzwischen habe ich Kontakt zu anderen YouTubern, aus Köln ist da bislang allerdings noch niemand dabei. Auf einem typischen YouTuber-Treffen war ich bislang nicht, das liegt sicher auch an der bisherigen Größe meines Kanals. Ihr könnt euch aber auf jeden Fall schon jetzt auf bevorstehende Kooperationen mit einzelnen YouTubern freuen!


Schaust du selbst YouTube Videos? Welche Kanäle kannst du empfehlen?

Ja, super gerne! Über andere Kanäle kam ich erst nach und nach auf die Idee, mich dieser Plattform selbst zu widmen. Ich bin ein Fan von sehr vielen verschiedenen Kanälen. 
Der erste Kanal, den ich für mich entdecken konnte und auf dem ich bis heute jedes Video gesehen habe, ist der von Nela Lee. Ich finde sie und ihre Videos einfach grandios, das macht total Spaß!! 
Abends oder auch mal am Tag nutze ich YouTube gerne einfach als Auszeit und bin auch sehr gerne auf Kanälen unterwegs, auf denen es nicht um Weltbewegendes geht, wie etwa DailyMandT
Auch Lifestyle fesselt mich hin und wieder, vor allem Niomi Smart und was das Kochen angeht schaue ich auch gerne bei yummtamtam vorbei. Wo ihr auf jeden Fall mal vorbeischauen solltet, ist Molly Burke – sie kommt aus Kanada und erzählt von ihrem Leben mit ihrer Erblindung, sehr inspirierend und offen! 


Leben im Internat 

Du hast früher die blista, ein Gymnasium für Blinde und Sehbehinderte, in Marburg besucht und im Internat gewohnt. Wie war diese Zeit für dich?

Genau. Ich finde, dass die blista einem sehr viele Möglichkeiten bietet und Türen öffnet, die man ohne ihr Angebot womöglich gar nicht erst gefunden hätte. Wie ich meine Internatszeit konkret erlebt habe, beschreibe ich recht ausführlich in meinem Video „Mein Leben auf dem Internat“. Da jetzt nochmal komplett auszuholen würde sicher diesen Rahmen sprengen. Vielleicht daher nur noch kurz zu einem kritischen Punkt: zu meiner Schulzeit habe ich die blista als sehr abgeschottet und abgeschnitten von der Sehendenwelt erlebt. Marburg lebt mit seiner Ausrichtung auf blinde und sehbehinderte Personen vorbildhaft vor, wovon andere Städte sich mehrere Scheiben abschneiden können. Nur leider gibt es eben in fast allen anderen Städten Barrieren. Und diese sind umso schwerer individuell zu überwinden, wenn man zuvor von Marburg und der blista „verwöhnt“ wurde. Damit kritisiere ich keineswegs die Angebote, die sind wirklich super! Allerdings scheint mir auch dort die Inklusion noch nicht wirklich angekommen zu sein…


Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es ziemlich schwierig ist, den Kontakt zu Freunden in ganz Deutschland zu halten. Wie geht es dir damit?

Ich muss sagen, dass ich das gerade seit meiner Studienzeit gar nicht mehr als richtiges „Problem“ empfinde. Wir besuchen uns gegenseitig sehr viel und die Kontakte, die wirklich Hand und Fuß haben, die bleiben auch bestehen! (: Und irgendwo ist es ja auch schön, überall jemanden zu kennen. Gott sei Dank leben wir ja in einem technologischen Zeitalter mit WhatsApp, Skype und Telefon, wodurch wir alle, wann auch immer wir uns vermissen, Kontakt zueinander haben können!


Studium und Leben in Köln 

Mittlerweile studierst du in Köln. Wie war es für dich von einer vergleichsweise blinden-, und sehbehindertenfreundlichen Stadt, wie Marburg, in eine unbekannte Umgebung zu gehen?

Das war, was ich unbedingt wollte! Ich war lange auf einer (damals noch) integrativen Schule und für mich war es eher neu, mit ebenfalls Sehbehinderten oder Blinden auf eine Schule zu gehen und in dieser Hinsicht absolut keine Ausnahme mehr zu sein. Das habe ich sehr genossen, allerdings auch schnell festgestellt, dass mir der Umgang mit Sehenden genauso wichtig ist, wie mit seheingeschränkten Personen. Grundsätzlich bin ich jemand, der gern sein eigenes Ding macht und Hürden gerne als Herausforderung nimmt. Die begegnen mir im Studium zu Genüge, es ist aber ein umso schöneres Gefühl, wenn sie überwunden hinter mir liegen!


Wie hast du dich am Anfang organisiert?

Organisation war mein Wort des ersten Semesters! Nicht nur, dass mich die ganzen neuen organisatorischen Bedingungen der Uni zunächst überfordert haben, wie alle anderen Studierenden auch. Zudem kam, dass ich in eine für mich wildfremde Stadt gezogen bin, in der ich vom Einkaufen, über das Wegelernen bis hin zur Materialbeschaffung und Absprache mit den Dozierenden ALLES organisieren musste. Zum Glück organisiere ich sehr gerne, ansonsten wäre das sicherlich ordentlich schief gegangen. ;) Alles musste nach und nach erstmal zur Routine werden – und das kostet Zeit! Viel Zeit! Ich musste sehr vielen Personen hinterherrennen, habe aber auch mindestens genauso oft Verständnis und Hilfsbereitschaft erfahren! Nervenaufreibend und kräftezehrend war es dennoch und jedes Semester aufs Neue, ja – ich als Studentin rechne in Semestern ;), gibt es neue, häufig auch unerahnte Herausforderungen auf organisatorischer Ebene!


Wie gestaltet sich dein Studienalltag?

Ich würde fast sagen, wie der einer üblichen Studentin. Ich führe meinen Haushalt, gehe zur Uni, habe Hobbys, tolle Freunde und irgendwie immer etwas zu tun! Am Anfang eines Semesters kommen auf jeden Fall die immer gerade genannten organisatorischen Herausforderungen geballt auf mich zu, die sehende Studierende in der Form nicht haben. Ich übe die Wege zu den einzelnen Räumen, informiere die Dozierenden über meine Sehbehinderung, muss Anträge wie Nachteilsausgleiche stellen. Mein Unileben ist also schon mit einem gewissen Mehraufwand verbunden. Wie genau das aussieht erfahrt ihr auch in meinem Video „Studieren mit Sehbehinderung – geht das?“. ;) Das mit den Wegen bezieht sich natürlich auch auf meine Freizeit und mein sonstiges Leben, zum Glück habe ich aber eine gute Orientierung und finde fast immer jemanden, der mit mir mal einen neuen Weg abgeht oder mich auch mal zu etwas begleitet.


Hast du während deiner Schulzeit Tipps oder Anregungen bekommen, die dir im Studium weiterhelfen?

Leider nein. Unser Schulleiter hat an der Abschlussfeier eine tolle Rede gehalten, deren Inhalt ich erst im Studium so nach und nach begriffen habe. Auch er hat die „Käseglocke“ thematisiert und uns ermutigt, Steine aufzuheben und sie hinter uns zu legen. Es ist sehr wichtig zu erkennen, wo seine eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten liegen, um darauf einen Schwerpunkt zu richten. Das beziehe ich jetzt zum Beispiel auf die Alltagsbewältigung. Ein ganz wichtiger Punkt ist dabei, Hilfe annehmen zu können (aufgegriffen in meinem Video „Hilfe!“). Das wurde uns in der Schulzeit tatsächlich auch nahegelegt. Ansonsten muss ich aber sagen, dass ich meine Erfahrungen alle selbst gemacht habe und immer noch mache und da wenig bis gar nicht aus irgendwelchen Ratschlägen oder Erfahrungen anderer geschöpft habe.


Mit welchen Hilfsmitteln arbeitest du speziell im Studium?

Das sind mein Laptop mit der Sprach- und Vergrößerungssoftware ZoomText und mein eben schon genanntes iPad. Ich besitze auch ein Bildschirmlesegerät (BLG), damit kann mein Sehrest inzwischen aber nicht mehr so wirklich viel anfangen. ;) Ach, und natürlich nicht zu unterschlagen: mein treuer Blindenstock. ;)


Immer wieder stehen Blinde und Sehbehinderte vor der Frage, wie sie im eigenen Studiengang mit ihrer Behinderung umgehen sollen. Wie hast du das für dich gelöst bzw. wie waren die Reaktionen in deinem Umfeld?

An der Uni bin ich erstmal auf viel Verständnis, aber einer unglaublichen Unsicherheit zugleich gestoßen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich gleich im ersten Semester Freunde gefunden habe, die einen absolut natürlichen und selbstverständlichen Umgang mit meiner Behinderung haben. Das hat mir unheimlich den Rücken gestärkt!! Ich behaupte mal, dass in der Uni genau die gleichen Reaktionen vorkommen, wie es im Alltag der Fall ist: Verständnis, Verständnislosigkeit, Selbstverständlichkeit, Berührungsängste, Hilfsbereitschaft, Vorurteile und die gerade angedeutete Unwissenheit. Mir war es von Anfang an und ist es bis heute noch ein riesiges Anliegen, auch von meiner Position aus Berührungsängste zu beseitigen. Ich gehe sehr offen mit meiner Einschränkung um, biete immer an Nachfragen stellen zu können und erkläre bei Interesse auch, inwieweit ich eingeschränkt bin. Ganz wichtig ist mir aber auch, meine Sehbehinderung nicht irgendwie in den Vordergrund zu rücken, sie dabei aber auch keinesfalls zu tabuisieren. Wenn es angebracht ist, thematisiere ich sie, wenn es für die Situation keine Relevanz hat, dann richte ich auch keinen Schwerpunkt drauf und vergesse sie auch manchmal. ;) Auch ich muss erst lernen, Hilfe anzunehmen, was mir häufig noch sehr schwer fällt. Ich habe aber gelernt, dass Menschen klare Worte benötigen und es daher von großer Wichtigkeit ist, dass ich meinen Bedarf klar äußere und genauso explizit darin bin, was ich alleine kann.


Gibt es irgendwelche Dinge, die man als sehbehinderter oder blinder Student auf keinen Fall machen sollte?

Jap! Auf gar keinen Fall unfreundlich und respektlos zu hilfsbereiten Menschen sein! Das erlebe ich immer wieder und finde es entsetzlich! Selbst wenn man zum 4. Mal an einem Tag gefragt wird, ob man zurechtkomme, sind das immerhin 4 Menschen mit Zivilcourage und einem Verständnis von Hilfsbereitschaft! Es bricht niemandem etwas ab, zu sagen „ja, vielen Dank“ oder die Hilfe, wenn sie nicht erwünscht oder benötigt ist, dankend abzulehnen.


Was wünschst du dir in Bezug auf das Thema Sehbehinderung und Blindheit für die Zukunft?

Ich befürchte leider zu vieles. Zusammengefasst kann ich sagen, dass ich mir einen selbstverständlichen Umgang mit diesem Thema wünsche. Denn Selbstverständlichkeit beinhaltet zwar das Wahrnehmen des Andersseins, rückt es aber nicht negativ in den Vordergrund sondern ganz im Gegenteil eher in den Hintergrund und setzt die Person an erste Stelle. Jeder wird früher oder später einmal Hilfe benötigen, nicht zuletzt im Alter. Selbstverständlichkeit wäre wirklich wunderbar!!


Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Ich hoffe, wir sehen noch viele spannende Videos mit dir.

Sehr, sehr gerne! Ich danke dir und wünsche dir und deinen Followern noch viel Lesespaß und einen tollen gemeinsamen Austausch! (:

Kommentare:

  1. Huhu!

    Ist ja ulkig, die Welt ist manchmal wirklich extrem klein! :-D Das sehe ich auch am Interview, denn sie erwähnt Molly Burke, und derem Kanal folge ich auch schon eine ganze Weile. :-)

    Das Interview fand ich sehr interessant, und sie klingt wie eine sehr intelligente, sympathische und entschlossene junge Frau.

    Ich bin immer sehr interessiert daran, wie andere Menschen mit ihrer Behinderung leben, vielleicht, weil ich selber eine Schwerbehinderung habe (wenn auch eine ganz andere) und merke, dass man da sehr viel mehr planen und organisieren muss, als nichtbehinderte Menschen, wenn man aktiv mit der Behinderung leben und nicht an ihr leiden möchte.

    Ich spiele online gerne ein MUD ("multiuser dungeon"), also ein textbasiertes Rollenspiel. Und unheimlich viele der Spieler da sind blind oder sehbehindert, denn ihnen kommt natürlich entgegen, dass das Spiel komplett auf Grafik verzichtet. Deswegen habe ich schon so ein paar Dinge mitbekommen, wie zum Beispiel Braille-Keyboards und ähnliche Hilfsmittel.

    Man merkt meist überhaupt nicht, ob man gerade mit einem sehenden oder einem blinden Spieler interagiert - das kommt dann normal erst, wenn ich zum Beispiel jemandem rate, sich den Text für verschiedene Bereiche des Spiels in verschiedenen Farben anzeigen zu lassen, und der dann postet: "Haha, Farben? Du Witzknubbbel, ich bin doch ein Blindfisch!"

    Die blinden Spieler sind in keinster Weise benachteiligt, man merkt überhaupt nicht, dass sie langsamer tippen oder reagieren würden. Ich glaube, viele, die neu im Spiel sind, wundern sich erst darüber und hatten wahrscheinlich so das mentale Bild, wie der blinde Spieler vor dem Rechner hockt und umständlich die einzelnen Buchstaben auf der Tastatur zusammensucht...

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfaht durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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    1. Hallo Mikka,
      vileen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. (Ich glaube, ich kenne dich aus dem KäKuLa bei Facebook:-) ).

      Ich finde mit den behindertenspezifischen Themen ist es immer schwierig, weil auch die Gefahr besteht, dass sich Behinderte quasi "selbst lesen", um entweder zu hören, wie es anderen mit derselben Behinderung geht oder um herauszufinden, wie Menschen mit anderen Behinderungen denken. Beispielsweise schaue ich die Sendung "Krauthausen - face to face" in der Raul Krauthausen Künstler mit Behinderung einlädt. In der letzten Folge war Laura Gelhaar zu Gast, die Rollstuhlfahrerin ist und ihre Biografie veröffentlicht hat. Da wurden dann auch einige Dinge thematisiert, die ich sehr interessant fand bzw. die mir nicht klar waren.

      Das Rollenspiel heißt nicht zufällig Avalon? Das kenne ich nämlich vom hören sagen :-).
      Eine blinde ehemalige Klassenkameradin von mir ist auch auf fanfiction.de zu finden. DA hab ich mal eine Geschichte von ihr gelesen und war von ihrer bildhaften Sprache richtig fasziniert. Sie ist von Geburt an blind bzw. kann glaub ich "nur" hell und dunkel von einander unterscheiden. Und trotzdem hatte sie in der Geschichte Dinge wie Mimik und Gestik sehr gut drauf. Mir fällt das beim Schreiben beispielsweise schon schwer, weil ich es ja in der Realität nicht oder nur selten sehe.

      Es freut mich jedenfalls sehr, dass du den Beitrag bei dir verlinkt hast und das dir das Interview gefallen hat.
      Ich bin gerade auch wieder in der Planung für die Kategorie "Studieren mit Sehbehinderung" (die ruht irgendwie schon eine ziemlich lange Weile :-) ).

      viele Grüße
      Emma

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    2. Nee, es ist das "Morgengrauen", aber "Avalon§ ist die gleiche Art Spiel. :-)

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