Sonntag, 4. Dezember 2016

Im Jahre ja wenn man das so genau wüsste...

Foto: A. Mack

Er schlich alleine durch die dunklen Straßen. Es war kalt, sein Mantel war dünn. Das Geld für eine gute Bleibe fehlte. Und die Freunde, bei denen er umsonst unterkommen konnte, auch. Zumindest heute.
Er verfluchte diesen Tag. Die Menschen hatten es eilig gehabt. Eigentlich eine perfekte Gelegenheit um sich die ein oder andere Münze zu verdienen. Sei es durch das Stehlen der Geldbörse, oder das Betteln. Wenn Menschen viel zu tun hatten wollten sie nicht groß diskutieren. Also musste er an solchen Tagen nicht immer auf kriminelle Machenschaften zurückgreifen.
Er lief in Richtung des Dorfplatzes. Hier stand ein Baum. Prachtvoll geschmückt. Leuchtend. Friedlich stand er so da. Letztes Jahr hätte er diesen harmonischen Anblick verflucht. Er hätte ärgerlich an sein letztes Weihnachten Zuhause gedacht. Den Ort, den er bewusst verlassen hatte. Und an den er ganz bestimmt nicht mehr zurückkehren wollte. Heute gesellte sich neben die Wut, ein klitzekleines bisschen Wehmut. Auch wenn er das natürlich nie zugeben würde.
„Komm schon, bald beginnt ein neues Jahr. Dann soll endlich was aus dir werden. Schau dir deine Brüder an. Sie wussten auch nicht wohin und nun verdienen sie gutes Geld“, hatte man ihm beim Familienfest verkündet.
Wie er diese Tiraden der Verwandtschaft hasste. Und das war Familie? Die einen unterstützten und förderten, wenn man sie brauchte?
„Macht euren Scheiß doch alleine.“ Das war der einzige Satz, den er ihnen zum Abschied dagelassen hatte. Seither waren zwei Jahre vergangen. Er war von Dorf zu Dorf gezogen und hatte sich treiben lassen. Doch von einem erfüllten Leben nicht die Spur. Nun wäre eigentlich der perfekte Zeitpunkt gewesen, sich die Wahrheit einzugestehen. Er hatte versagt. Und zwar auf ganzer Linie.
Er blickte von unten nach oben. An die Spitze des Baumes. Dort prangte der Stern. Der höchste Punkt leuchtete so prächtig, dass er Kindern sicher glänzende Augen aufs Gesicht zauberte.
Doch da fiel ihm noch etwas auf. Der Stern leuchtete nicht nur, er wurde auch bestrahlt. Und zwar von einem Exemplar am Himmelszelt. An dieser sternenklaren Nacht, war das Objekt gut sichtbar. Doch als er genauer hinsah, fiel ihm auf dass das Objekt blinkte. Verdutzt blinzelte er. Alkohol hatte er die letzten Tage nicht getrunken. Er war stocknüchtern. Doch der Anblick blieb derselbe. Ein Surren ertönte und die Lichter des Baumes erstarben. Das Dorf wollte an diesem Tag sparen. Sie rechneten nicht damit, dass sich jemand um diese Zeit den Baum ansah. Da fiel unserem Namenlosen das zweite, merkwürdige Zeichen auf. Der Stern leuchtete einen Weg. Von Neugier gepackt, folgte er dem Wegweiser. Sein Magen knurrte. Er hoffte auf ein glückliches Ende.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen