Donnerstag, 1. Dezember 2016

Im Jahre, als noch keine Zeitrechnung stattfand

Foto: A. Mack


Finstere Nacht.
Eine Höhle.
Am Eingang ein Lagerfeuer.
Und zwei Männer, die Kleidung aus Fell tragen.
Beide starren in das Feuer. Der Tag war nicht sehr erfolgreich gewesen. Genauso wie die letzten Wochen und Monate. Also gibt es wieder einmal vegetarische Kost. Essen welches die Männer verschmähen.
Einem der beiden entfährt ein grunzender Laut, der wohl so viel heißen soll, wie: „Immer dieses Grünzeug. Ich will Fleisch. Richtiges Fleisch.“ Der Andere nickt zustimmend.

Die Tiere bleiben schon seit einer langen Weile aus. Vielleicht liegt es an den Temperaturen. Oder am Talent unserer Jäger, wie die Frauen vermuten. Zeternde Geräusche dringen aus dem Inneren der Höhle nach draußen.
Einer der beiden Namenlosen brüllt in Richtung der Höhle. Das Zetern verstummt abrupt. Die beiden Männer blicken sich eindringlich an. So kann das nicht weitergehen. Sie stehen auf.

Minuten später schleichen sie sich mit Keulen bewaffnet durch den Wald, was sich als schwieriges Unterfangen gestaltet. Denn die beiden Männer machen ordentlichen Lärm, sodass ihr Kommen schon von weitem für den Feind hörbar ist. Ein Schrei durchbohrt die Nacht. Die Männer bleiben angewurzelt stehen. Vor ihnen taucht ein Lichtschein wie aus dem Nichts auf. Beide sind verwundert. Was ist das für ein merkwürdiges Leuchten? Wo kommt es her? Sie folgen dem Lichtschein und entdecken oben am Himmel einen strahlenden Stern. Die funkelnden Dinger sind diesem Volk bereits bekannt. Doch dieser Stern fällt auf. Er ist heller als die anderen. Und leuchtet in eine bestimmte Richtung. Beide Jäger müssen sich nur mit einem kurzen Blick mustern um festzustellen, dass sie sich einig sind. Und zwar über das, was jetzt getan werden muss.
Der Stern leuchtet ihnen den Weg. Und nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen sie eine Lichtung. Eine Wiese mit einem schlafenden Tier. Ein Tier, das eine ganze Familie sättigen könnte. Oder auch ganz einfach, ihre Kompanie. Während unseren Jägern das Wasser im Mund zusammenläuft, ist der Plan schnell gefasst.

Eine geschlagene Stunde später, machen sich die Männer mit den Waffen und dem zerlegten Tier auf den Rückweg. Begleitet von dem Stern. Als ob sie nicht selbst zum Lager zurückfinden würden. Unter lautem Gebrüll, welches wohl so viel wie „Weibsvolk! Es gibt Fleisch“, heißen sollte, erreichen sie ihr Ziel. Die Frauen stürmen sofort herbei und widmen sich der neuen Beute. Die Männer lassen sich gemütlich am Feuer nieder. Die Arbeit ist getan.

Nur wenige Stunden später, wird dem Volk ein leckeres Mahl serviert. Die Alten graben die Trommeln aus und stimmen zur Feier des Tages in ein Lied ohne Text und einprägsame Melodie ein. Es könnte alles heißen. Oder nichts. Und der Stern...? Dieser leuchtet die ganze Nacht lang. Dem Volk wird bewusst, dass dieser Tag in die Geschichte eingeht. Der Tag, an dem ihnen das Fleisch zurückgebracht wurde.

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