Montag, 19. Dezember 2016

Im Jahre 1930

Foto: A. Mack
„Jedes Jahr gibt es denselben Speis und Trunk. So langsam hängen mir Kekse, Milch, Tee und Punsch buchstäblich zum Halse raus“, beklagte sich der Elf, die rechte Hand des Weihnachtsmannes. Denn er durfte die Teller leeren, die der Weihnachtsmann nicht mehr schaffte. Schließlich hatte der Chef mit den Jahren auch bestimmte Vorlieben und wusste somit auf welches Mahl er getrost verzichten konnte.
„Und was schlägst du vor?“, fragte der Weihnachtsmann, wie jedes Jahr die Ruhe selbst.
„Etwas Neues muss her“, meinte der Elf, wusste aber nicht so recht, wie das geschehen sollte.
„Lass mich nur machen“, erklärte der Weihnachtsmann, der langsam eine Idee davon bekam, was der Elf meinte.

Tagelang schloss er sich in einem Nachbarraum der Küche ein. Der Hauptraum war für die Keksproduktion gedacht, die natürlich nicht unterbrochen werden durfte, nur weil der Weihnachtsmann unter die Experimentellen ging. Zu später Stunde – nachdem er viel gemischt, gerührt, probiert und auch weggeschüttet hatte – hielt er ein kleines Gläschen gefüllt mit einer potentiellen Leckerei in den Händen. Die Konsistenz war flüssig, genauso, wie es bei einem ordentlichen Getränk sein sollte. Die Farbe war einfach: schwarz. Doch der Geschmack... Der Weihnachtsmann fand es ein vorzeigbares Produkt. Der Elf war schnell geholt und blickte dem Gläschen misstrauisch entgegen.
„Was soll das sein?“, fragte er.
„Dein neues Lieblingsgetränk“, antwortete der Weihnachtsmann selbstverständlich. Der Elf nahm das Gläschen vorsichtig entgegen und trank einen kleinen Schluck. Sein Gesicht verzog sich nicht. Ein sehr gutes Zeichen.
„Das schmeckt... Genial!“ Der Elf lächelte zufrieden.
„Und jetzt müssen wir es nur noch unter die Leute bringen“, stellte der Weihnachtsmann fest. Und auch da gab es schon eine Idee.

Finstere Nacht. Ein einsamer Mann stand vor einer verlassenen Kneipe. Ihm gehörte eine kleine Apotheke, die eine Medizin betrieb, die langsam aber sicher in Verruf geriet. So unterstellte man dem armen Mann, er würde die Leute nicht etwa heilen, sondern vergiften und zu abhängigen Bürgern Atlantas machen.
„Immer diese Menschen. Sie kommen nicht auf die einfachsten Dinge dieser Welt“, meinte der Weihnachtsmann zu seinem Compagnon, während sie sich dem Apothekenbesitzer näherten.
„Was wollen Sie von mir?“, fragte der Mann launisch.
„Wir haben ein ultimatives Angebot für Sie, dass Sie nicht ausschlagen können“, redete der Elf begeistert drauf los. Der Herr wirkte unbeeindruckt. Das erzählten ihm seine Lieferanten auch ständig.
„Wir haben von Ihrer misslichen Lage erfahren“, begann der Weihnachtsmann. Erst da blickte der Herr auf.
„Um genau zu sein, haben wir ein paar wesentliche Schrauben an Ihrer Geheimformel verändert. Also natürlich sind keine echten Schrauben im Getränk...“ Der Weihnachtsmann unterbrach den Elf: „Was wir Ihnen dringend raten wollen: Schließen sie Ihre Apotheke und gehen Sie in die Getränkeindustrie.“ Mit diesen Worten überreichte er dem Herrn die Geheimformel für sein selbst erfundenes Getränk und hoffte inständig, dass er nun das Produkt, das später den Namen Cola tragen sollte, statt Milch angeboten bekäme.

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