Donnerstag, 15. Dezember 2016

Im Jahre 1800

Foto: A. Mack


„Hofnarr! Unterhalte mich! Mir ist so schrecklich langweilig“, beklagte sich der Fürst eines Winterabends. Der Raum war von Kerzen und Fackeln erleuchtet. Aber der Fürst war zu müde, um sich selbst zu beschäftigen. Der Hofnarr unterstellte ihm, dass er des Lesens nicht mächtig war. Obwohl der Fürst das natürlich nie zugeben würde.
„Ähm...“, überlegte er laut.
„Schneller!“, forderte der Fürst.
„Sir, ich hätte da vielleicht etwas...“, meldete sich plötzlich eine Magd von dem Rand des Raumes zu Wort. Im Winter mussten alle etwas näher zusammenrücken. Auch in Adelshäusern.
„Und was hast du, Klatschweib, schon zu berichten?“, fragte der Fürst misstrauisch. „Letzten Sonntag gab es eine Zusammenkunft der Bauern“, erzählte sie. Der Hofnarr sah trotz schlechter Beleuchtung ein Glitzern in ihren Augen.
„Ein Aufstand!“, stöhnten zwei andere Mägde auf.
„Nein!“, wehrte die Erzählerin ab. „Das ist es ja gerade. Es war eine friedliche Zusammenkunft. Sie haben sogar gesungen.“
„Ach ja, und welche Lieder bitteschön?“, der Fürst traute der Sache noch nicht wirklich.
„Na Kirchenlieder. Die unser Christuskind willkommen heißen sollen“, erklärte die Angesprochene wie selbstverständlich.
„Und sie haben gesagt, dass sie sich nächsten Sonntag wieder treffen wollen.“

Jahrhunderte, gar Jahrtausende später, wurde diese Zusammenkunft unter dem Namen Weihnachtsmarkt betrieben. Was als harmloses Zusammenkommen begonnen hatte, neigt hier und da bei einem Glühwein Besäufnis zu enden. Aber das liegt natürlich immer im Auge des Betrachters. Wäre dem Fürst damals schon bewusst gewesen, dass er indirekt Teil einer sehr langen Tradition werden würde, hätte er diesen Markt vielleicht auch einmal besucht.
Die Magd hatte leider nur aufmerksame Ohren besessen. Sonst wäre ihr der erleuchtete Himmel, der um genau zu sein, nur von einem einzigen Stern erhellt wurde, aufgefallen. Sie hätte sich gefragt, woher das Schimmern wohl kommt. Und da wäre ihr dann bewusst geworden, dass das ganze Unterfangen vielleicht unter einem positiven, friedlichen Stern stand.
Aber wer wusste das schon...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen