Sonntag, 18. Dezember 2016

Im Jahre 1700


Foto: A. Mack
Liebe Brüder und Schwestern, 
ihr glaubt nicht, welch merkwürdige Ereignisse sich in diesen winterlichen Zeiten zutragen.

„Schreib nicht zu geschwollen. Die Nachwelt soll uns ja auch verstehen.“
„Schweig, Weib und lass mich meines Amtes walten.“
„Oje... Ich seh schon. Ich bastel dann mal an dem Wörterbuch...“

Während unsere Welt in Armut versinkt, stand das gestrige Weihnachtsfest unter einem eigenartigen Stern. Kalte Häuser sind in diesen Zeiten keine Seltenheit. Doch hörte ich erstaunliche Geschichten. Die kinderreichen Familien des gesamten Dorfes wurden beschenkt. Um Mitternacht fanden sich kleine Körbe vor der Tür. Und selbst die kinderlosen Familien gingen nicht leer aus. Die unterschiedlichsten Dinge fanden sich darin. Mal war es Spielzeug, Kleidung oder auch etwas Feuerholz. Und wer nichts mit seinen Gaben anfangen konnte, klopfte beim Nachbarn und begann zu tauschen. Dinge, die die Bewohner schon lange nicht mehr getan hatten. Neugierige Klatschweiber glaubten einen älteren Herrn gesehen zu haben. Er trug einen roten Mantel. Doch bin ich hier der einzige Christliche im Ort. Einen rolten Mantel habe ich noch nie besessen. So stellt sich mir die Frage: Wer ist dieser ominöse Mann? Und was bezweckt er mit diesen Gaben?
Hätte unser Schriftführer schon damals geahnt, dass der Mann nichts Böses im Schilde führte, wäre er von Jahr zu Jahr nicht misstrauischer, sondern glücklicher geworden. Ein Mann, der das Dorf an Weihnachten wieder zusammenführte. Was konnte es denn Schöneres geben?

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