Freitag, 30. Dezember 2016

Ge(h)fragt - Lena Hofhansl

Über Lena Hofhansl 

Lena Hofhansl ist Autorin, Poetry Slammerin und Teammitglied des Gegen_Kultur Verlags. Ich habe sie 2015 auf der Frankfurter Buchmesse im Rahmen der Veranstaltung Die jungen Wilden live erleben dürfen. Die Veranstaltung wurde von der Hochschule der MEdien in Stuttgart organisiert. Geladen waren Gäste, die etwas mit Literatur am Hut haben. 

Lena Hofhansl
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Das Interview 

Hallo Lena, stell dich meinen Lesern doch mal vor 

Hey, Emma! Ich heiße Lena Hofhansl, bin 23 Jahre jung und schreibe, lebe und studiere in Stuttgart.


Wie bist du zum schreiben bzw. slammen gekommen?

„Ich wollte Autorin werden, seit ich wusste, das Bücher nicht auf Bäumen wachsen“ - ich glaube, das hat Cornelia Funke mal gesagt, bin mir aber nicht mehr sicher, auf jeden Fall verhielt es sich bei mir genauso. Erst Kurzgeschichten, dann Fantasy, Gedichte und seit einigen Jahren meistens Coming-Of-Age Romane. Bei einem Poetry Slam war ich zum ersten Mal 2009 in Ludwigsburg und war sofort begeistert, traute mich aber lange Zeit nicht aufzutreten. Schließlich ging ich zu einem Slam-Workshop und der Slam Master verstand meine Anmeldung zum Workshop falsch und schrieb mich direkt als Poetin für den nachfolgenden Poetry Slam auf. Ich kriegte einen riesigen Schock, als ich meinen Namen in der Ankündigung las, entschied mich aber, einfach mitzuspielen. Mittlerweile bin ich sehr froh, dass es so gelaufen ist.


Schreibst du eher Poetry Slam Texte oder Kurzgeschichten bzw. Romane?

Beides. An Romanen reizt mich vor allem die enge Bindung, die man mit einer Geschichte eingeht, die Charaktere liebgewinnt und eine ganz eigene Welt schafft. Poetry Slam Texte sind schneller, krasser, man muss auf den Punkt kommen. Das ist aufregend.


Gemeinsam mit Freunden hast du den Gegen_Kultur Verlag gegründet. Wie kam es dazu?

Ungefähr 2011 entstand der GEGEN_KULTUR Verlag im Zuge der Projektwerkstatt. Das war ein linkes Wohnprojekt, eine Art Kommune in Stuttgart. Treibende Kraft dahinter war mein guter Freund Peter Schadt und zunächst veröffentlichten sie dort ab und an Magazine. Auf dem Heimdrucker gedruckt und von Hand zusammengetackert. Die verteilten sie dann zum Beispiel auf Anti-S21-Demonstrationen. Ab 2012 stieß ich dazu und kümmerte mich um die Grafik und das Layout, aber nun veröffentlichten wir nicht nur politische Magazine, sondern auch Gedichtbände, Kurzgeschichten und Romane.


Welches Ziel verfolgst du mit dem Verlag?

GEGEN_KULTUR ist für mich ein Weg, Bücher ganz nach meinem Ermessen herzustellen. Es ist eine Art Hobby, wir haben nicht denselben Druck wie andere Verlage, das zu drucken, was wir für wirtschaftlich halten, sondern können (natürlich in geringer Auflage) veröffentlichen, was wir selbst gut und richtig finden. Was nicht heißen soll, dass wir uns nicht über jedes verkaufte Buch freuen und es schön wäre, wenn mehr Leute unsere Publikationen lesen würden.


Poetry Slammer sind ja oft viel unterwegs. Wie ist das bei dir? Wo kann man dich demnächst live sehen?

Tatsächlich bin ich durch mein Studium momentan ganz schön ausgelastet und kann im Moment nicht viel unterwegs sein. Ich hoffe, das ändert sich in den nächsten Monaten. Ab Februar gibt es aber einen festen Termin im Monat, bei dem ich auftrete. Da wir noch in Planung sind, kann ich darüber aber noch nicht viel mehr verraten ;-)


Gibt es Poetry Slammer, die dir besonders gut gefallen?

Sicher! Ich bin ein großer Fan von Jan Philipp Zymny, Hazel Brugger, Thomas Spitzer und Julius Fischer.

Bist du mit anderen Autoren oder Poetry Slammern vernetzt?

Ich wäre gern mit mehr Autoren und Poetry Slammern vernetzt. Ich kann ein ganz schöner Eigenbrötler sein :') Hanz kenne ich schon ewig, ich habe vor Urzeiten Fotos für sein Buch „In fremden Betten schläft es sich doch am besten“ gemacht. Nikita kenne ich auch schon länger. Ansonsten kam es leider meistens nur zu Small Talk und lockeren Facebookfreundschaften.


Dein erster Roman heißt „Vom Sinn des Scheiterns“ Was hat dich an der Romanidee fasziniert?

Ich wusste sehr lange nicht, was der Kern von „Vom Sinn des Scheiterns“ sein würde. Ich wusste, dass es um Jugendliche gehen würde, die sich verlieben und Drogen nehmen. Auf die Idee, dass sie Autos stehlen und diese für einen guten Zweck weiterverkaufen würden kam ich, als ich selbst nachts im Auto unterwegs war und das Radio voll aufgedreht hatte. Peinlich ist nur, dass dabei Diamonds von Rihanna lief. Ich wünschte wirklich, es wäre ein coolerer Song gewesen ;-)


Wie lange hat es gedauert, bis du „Vom Sinn des Scheiterns“ als Printbuch in den Händen halten konntest? Welche Schritte waren hierfür notwendig?

Ich schrieb den Roman innerhalb von drei Monaten runter. Glücklicherweise hatte ich damals nichts zu tun, sonst hätte es viel länger gedauert. Dann las ich es selbst zweimal Korrektur und gab es dann meinen Betalesern. Als das Lektorat fertig war, setzte ich den Roman, gestaltete das Cover und das Manuskript ging in Druck. Alles zusammen dauerte das so zehn, elf Monate.


Auf deinem Facebook Kanal erzählst du immer wieder von deinem aktuellen Projekt „Freaks“. Wovon handelt das Buch?

Es geht um zwei Geschichten, die miteinander verwoben sind. Die eine spielt in der Gegenwart und handelt von Isa, einer jungen Frau, die ihren Vater nie kennen gelernt hat und plötzlich einen Schallplattenladen von ihm vererbt bekommt. Im Keller des Ladens hat sich der obdachlose Rotze mit seinem Hund eingenistet und die beiden freunden sich langsam an. Die andere handelt von Isas Vater Emilio und spielt 1986. Dasselbe Haus, das er später seiner Tochter vererbt, wird zu dieser Zeit von einigen Punks besetzt, denen Emilio sich anschließt.


Gibt es schon einen Erscheinungstermin?

Nein, ich bin noch in Verhandlung :-)


Welche Bücher sind in deinem Bücherregal zu finden?

Eine Menge von Nick Hornby, Tamara Bach, Chuck Palahniuk, Walter Moers, Isabel Allende und weitere Romane, ein paar Krimis von Gillian Flynn, aber auch das Kapital und sogar noch einige Mangas ;-)


Wo siehst du dich in 5-10 Jahren?

Puh, soweit denke ich eigentlich nie in die Zukunft. Ich hoffe, viel ausprobieren zu können und mehr aus dem Geschichtenerzählen herauszuholen. In zehn Jahren will ich ins Jahr 2016 zurückschauen können und mich so viel verbessert haben, dass mir das, was ich heute mache, ein bisschen peinlich ist.


Und zum Schluss bedanke ich mich herzlich, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Ich hoffe, wir werden noch viel von dir hören bzw. lesen 


Vielen Dank für das Interview!

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