Dienstag, 29. November 2016

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Bild von Fischer Verlag
Steckbrief

Name: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry (auch als Hörbuch erhältlich)
Autor: Rachel Joyce
Verlag: Fischer Taschenbuchverlag
Geeignet für: Menschen die gerne Gegenwartsliteratur lesen, oder tiefgründig, schöne Geschichten suchen
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 5 von 5 Punkten


Klappentext 

(Klappentext von Fischer Verlag)

"Der unvergessliche Roman, der die ganze Welt erobert hat

Eigentlich wollte er nur zum Briefkasten. Dann geht Harold Fry 1000 Kilometer zu Fuß. Von Südengland bis an die schottische Grenze - eine Reise fürs Leben, eine Geschichte über Tapferkeit und Geheimnisse, Liebe und Loyalität und ein ganz unscheinbares Paar Segelschuhe.".


Meine Meinung 

Dieses Buch gehört zu den glorreichen drei Exemplaren, die ich mir dieses Jahr mithilfe eines Thalia Gutscheins sichern durfte. Es hat mich schon ein paar Mal im Buchladen angelächelt. Als ich dann mit dem Gutschein im Laden stand, habe ich die drei Bücher, nach einem Bauchgefühl folgend, ausgewählt.

Der Einband stach mir ins Auge, obwohl er eigentlich nicht sehr spektakulär wirkt. Es ist kein typisch weibliches Gesicht darauf zu erkennen, sondern ein einfaches Paar Schuhe und ein Vogel, der scheinbar auf einen Buchstaben des Titels einhackt. Was mich daran angesprochen hat, war wahrscheinlich die Farbe des Einbandes. Ich finde die Farbe geht in eine leicht gelbliche Richtung. (Tut mir leid, wenn ich mich da jetzt täusche :-) ).
Das Buch war schnell umgeklappt und schon der erste Satz des Klappentextes klang interessant. Ich glaube, dass ich da gar nicht groß weitergelesen, sondern gleich zugegriffen habe.

Harold ist wahrscheinlich der typische Familienvater. Er liebt seinen Sohn David, weiß aber nicht, wie er es ihm zeigen soll, demnach bestimmt Angst vor dem Unbekannten die Vater-Sohn Beziehung, seine Ehe mit Maureen wird von einem Schweigen geprägt. Schnell wird klar: Auch Maureen erfüllt das scheinbar typische Hausfrauen Klischee. Sie wirkt unzufrieden und wünscht sich mehr Unterstützung von ihrem Mann.

Als dann ein Brief von Harolds ehemaliger Arbeitskollegin eintrifft, beginnt ein Stein ins Rollen zu kommen. Harold und Queenie verbindet eine tiefe Freundschaft, obwohl die beiden 20 Jahre lang nichts voneinander gehört haben. Harold ist von Queenies Brief gerührt, weiß aber mit dieser Emotion nicht richtig umzugehen. Kurzerhand beschließt er nicht nur zu antworten, sondern durch ganz England zu laufen, um sie zu besuchen.

Die Übersetzung des Romanes ist sehr angenehm zu lesen. Der Schreibstil ist flüssig und lebendig gestaltet. Sehr begeistert war ich von den teils witzigen teils ernsten Dialogen und den Charakteren. Sowohl Dialoge als auch Charaktere waren sehr fein und präzise beschrieben und herausgearbeitet. Mir fiel spontan eine Person aus meinem Bekanntenkreis ein, auf die Harolds Beschreibung zutraf. Gerade das sorgte dafür, dass ich mich den Charakteren verbunden gefühlt habe.

Wunderbar verstrickt sind auch die Handlungsstränge der Geschichte. Harolds Drang einfach weiterzulaufen scheint sehr realistisch und wirkt in keinster Weise konstruiert. Allerdings muss ich zugeben, dass mich das Buch entfernt an die "Lauf Episode" im Film "Forrest Gump" erinnert hat und ich bei der Handlung auch entfernt an das Buch "Hectors Reise" denken musste, welches ich aber nicht mehr so präsent habe.

An der Handlung gefiel mir sehr gut, dass die Geschichte durch Rückblicke in die Vergangenheit aufgerollt wurde. Häppchenweise bekam man zu lesen, was in Harolds Leben passierte. So lernte man auch Queenie besser kennen. Ich finde diese Frau, obwohl sie in der ganzen Geschichte kein einziges Wort gesagt hat, wenn man von den Vergangenheitsperspektiven absieht, einfach nur genial und absolut liebenswürdig.

Schön finde auch, dass Harold sich im Laufe der Geschichte weiterentwickelt. Seine Reise bleibt nicht ohne Folgen. Er muss sich Menschen gegenüber öffnen und sieht sich bald mit einer Schar Anhängern konfrontiert. Hier ist folgender Konflikt wunderbar herausgearbeitet: Harolds Ursprungsidee Queenie zu besuchen gerät durch seine begeisterten Anhänger immer mehr in den Hintergrund. So muss Harold überprüfen, was er wirklich will. Dieser Konflikt ist wunderbar aufgegriffen und bearbeitet worden.

Rund um kann ich gar nicht mehr aufhören von dem Buch zu schwärmen. Normalerweise fällt es mir leichter lange Rezensionen zu Büchern zu schreiben, die mir nicht gut gefallen haben. Oft finde ich es einfacher "negative" Aspekte zu erläutern, als sich bewusst zu werden, was einem an einem Buch wirklich gut gefallen hat. Ich hoffe, ich konnte euch das Buch etwas schmackhaft machen.
Ich für meinen Teil kann jedenfalls sagen, dass es den Sprung auf Platz eins meiner Lieblingsbücher geschafft hat.


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~K~: Dieser Beitrag ist eine Rezension aus der Konserve und wurde bereits veröffentlicht. 

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