Dienstag, 4. Oktober 2016

Nennen wir ihn Anna

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Steckbrief

Name: Nennen wir ihn Anna
Autor: Peter Pohl
Verlag: Ravensburger Verlag
Geeignet für: ab 16 Jahren, oder Menschen, die gerne traurige Bücher lesen
Gelesen oder gehört: gelesen, in deutscher Sprache
Bewertung: 1 von 5 Punkten


Klappentext 


(aus "Nennen wir ihn Anna", von Peter Pohl, erschienen im Ravensburger Verlag). 

" 'Anders Roos' sagst du.
Du hältst den Koffer immer noch in der Hand, siehst aber plötzlich ein, dass das unnötig ist. Du lässt ihn fallen, gehst zur Kommode und zerrst an deiner Schubblade. Die Schubblade gehört zur unwilligen Sorte, und die Kommode, in die sie eingefügt ist, gehört zur Familie der Wackligen. Jetzt scheint die Kommode zusammenbrechen zu wollen, weil du an der Schublade zerrst.
'Rose können wir ihn nicht nennen', bemerkt Mause. 'So heißt schon einer im Sechser'. 'Andy?', murmelt einer der beiden, die sich auf dem Unterbett rechts von dir balgen. Der Andere summt: 'Ich schenk dir eine rote Rooose...'. Beide kichern. 'Anna wäre doch ein guter Name für ihn, finde ich!', sagt Turvan träge.
'Na klar!', ruft Mause. 'Er sieht ja aus, wie ein MÄdchen'.
Plötzlich gibt die Schubblade unerwartet nach und schießt krachend aus ihrem Loch. 'Starker Typ', sagt eine Stimme aus dem unteren Bett neben dem Fenster. Du siehst zwei Füße, aber das Gesicht, das zur Stimme gehört, versteckt sich im Schatten des Vorhangs. 'Okay, nennen wir ihn Anna', bestimmt Turvan. 'Was sagst du dazu, Anna?'.
'Einsame spitze, sagt er', berichtet Mause.
In Wirklichkeit sagst du nichts. Du versuchst, die Schubblade reinzuschieben.

Ein Spitzname, nicht sehr geistreich, aber noch harmlos - sowas kommt vor in einer Gesellschaft, wie sie das Sommercamp ist. Doch der Name ist nur der Anfang, und je länger die Ferien dauern, desto mehr nimmt Anders Roos Geschichte eine bedrohliche Wendung." 


Meine Meinung

Ich bin durch den Klappentext auf das Buch aufmerksam geworden. Ich musste den Text zweimal lesen, um zu verstehen, dass hier die Anfangssituation eines Sommercamps beschrieben wird. Den Auszug, den ich hier geboten bekam, klang vielversprechend.

Allerdings hielt meine Begeisterung für das Buch nicht lange an. Die Geschichte wird aus der Sicht des allwissenden Erzählers Micke erzählt, der einer der zu den Leitern des Sommercamps gehört. Lange Sätze die meist mit einer "Als du" Konstruktion beginnen, sorgten dafür, dass mir das flüssige Lesen schwer fiel. Ich habe etwa 60 Seiten gebraucht um in den Schreibstil der Geschichte reinzukommen. Normalerweise gelingt mir das sonst bei den ersten 5-8 Seiten.

Auch die Handlungsstränge finde ich nur teilweise gut miteinander verarbeitet. Schön beschrieben finde ich zwar, wie sich die Situation im Ferienlager zuspitzt. Das Mobbing beginnt bei anfänglichen Sticheleien und entwickelt sich schließlich zu schweren Misshandlungen. Natürlich findet das meiste dann statt, wenn keiner der Leiter hinsieht.

Allerdings wird einem im Klappentext versprochen, dass die ganze Geschichte im Sommercamp sielt. Dies ist aber nicht der Fall, was dafür sorgt, dass sich Anders Schicksal nur unnötig in die Länge zieht.

An sich ist die Geschichte rund um Anders, der allein durch seine Anwesenheit zum Mobbing Opfer bestimmt wird, durchaus spannend. Jedoch ist es auch schwer vorstellbar, dass es niemanden gibt, der ihn aus dieser Situation befreien kann. Mickes Sicht konnte ich nachvollziehen. Er ist einer der Leiter des Sommercamps. Ihm fällt zwar auf, dass Anders einige Probleme mit sich bringt, allerdings merkt er schnell, dass er der Aufgabe, sich um den Jungen zu kümmern, nicht gewachsen ist. Hier kristallisieren sich in der Geschichte zwei Haupthandlungsstränge heraus: Auf der einen Seite geht es um Anders Schicksal. auf der anderen Seite bekommt der Leser auch mit, wie Micke mit der ihm zugetragenen Verantwortung umgeht.

Das Thema an sich finde ich getroffen. Das Buch handelt von Anfang bis zum Ende von Anders Geschichte. Allein die Perspektive von Micke wird im Laufe der Geschichte weiter ausgebaut.

Allerdings sorgt der Schreibstil der Geschichte dafür, dass "Nennen wir ihn Anna" schwer zu lesen ist. Deswegen kann ich der Altersempfehlung von Amazon, die sich zwischen 13-15 Jahren bewegt, nicht zustimmen. Ich würde das Buch, wie oben schon geschrieben, weiter oben ansetzen.

Zusammenfassend kann ich sagen: Wer von euch ein Buch sucht, dass keine leichte Kost bietet, kann sich "Nennen wir ihn Anna" durchaus besorgen.


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~K~: Dieser Beitrag ist eine Rezension aus der Konserve und wurde bereits veröffentlicht. 

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