Sonntag, 24. Juli 2016

Monat der Biografien - Herr Tourette und ich

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 lovelybooks
Steckbrief 

Name: Herr Tourette und ich
Autor: Pelle Sandstrak
Verlag: Bastei Lübbe

Geeignet für: ab 16 Jahren, oder für Menschen, die gerne Biografien lesen
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 3 von 5 Punkten

Klappentext

(Klappentext von 
"Herr Tourette und ich" von Pelle Sandstrak, erschienen im Bastei Lübbe Verlag)


"Tics und Zwangshandlungen, Wortkaskaden, unkontrollierbare Wut, unüberwindbare Berührungsängste vor den Buchstaben x, z, y, vor der Farbe Rot, vor Wärme, Milch und dem Geräusch, das entsteht, wenn sein Banknachbar eine Möhre kaut: Seine ersten zwanzig Lebensjahre verbringt Pelle in einem Gefängnis aus ritualisierten Bewegungsabläufen, immer auf dem Grat zwischen Kontrolle durch Zwang und berstender Wut. Schließlich braucht er aber Stunden, um eine Türschwelle zu überschreiten, den halben Tag, um sich an- oder auszuziehen: man wird ihm später eine 97%ige Schwerbehinderung bescheinigen. Ein Radiobeitrag über das Tourette-Syndrom bringt Rettung, Pelle weiß nun, es gibt es noch mehr Leute wie ihn. Dank intensiver kognitiver Verhaltenstherapie kann er heute ein normales Leben führen. Er ist gesund - so gesund, wie er sein möchte, denn: Tourette ist nicht nur eine Belastung. Ich sage immer, Tics sind wie ein Orgasmus - nur besser. Das Besondere an seinem Buch ist nicht nur die mit großem Talent beschriebene Innenansicht eines Tourettisten. Es ist der Witz, mit dem Pelle seine Leser in die absurdesten Situationen führt, es ist die wilde Mischung aus Lachen und Anteilnahme, die er auslöst. Ausgezeichnet mit dem Rednerpreis "Årets Ljus" 2007.

Pelle erstarrt, wenn eine Möwe über ihm kreist, klaut Schmuck, nur um ihn berühren zu können, rastet aus, flirtet manisch, ticst und zwangshandelt. Ein Klassenclown, gefürchteter Gegner, manchmal ganz einfach ein netter Junge. Ein rasendes
Leben, getrieben, gezwungen, voller Verzweiflung und irgendwann Resignation. Er steht einen Zentimeter vor dem Abgrund, als all das einen Namen bekommt: Tourette-Syndrom. Mit wahnwitzigem Talent erzählt Pelle Sandstrak, wie er lernte, Herrn Tourette zu zähmen, bringt seine Leser zum Lachen und reißt sie in den Abgrund.



Meine Meinung

Dieses Buch fiel mir in einem Einkaufszentrum in die Hände. Da ich dank dem Film "Vincent will Meer" schon eine ungefähre Vorstellung hatte, was das Tourette Syndrom ist, hatte mich der Klappentext sehr angesprochen. Immerhin war der Spielfilm ja doch eine fiktive Geschichte. Hier sollte ich Einblicke in eine Biografie bekommen.

Anfangs hatte ich Mühe mich in dem Schreibstil und somit auch in der Geschichte einzufinden. Sandstrak begann mit seiner Erzählung ganz von vorne. Die ersten Zwänge fingen bereits in den Kindertagen an. Gerettet hatte mich die Tatsache, dass er sehr genau beschrieb, wie er in Situationen handelte, in denen Tics oder Zwänge auftraten. So habe ich in den Kapiteln, in der die Kindheit behandelt wurde, nicht abgeschaltet.

Je älter er wurde, desto mehr kam der Bezug zu seiner Gefühlsebene. Das hat mir sehr gut gefallen, da ich inzwischen genug Einblicke und Vorstellungen von seinen Tics hatte. Jetzt erfuhr ich das, was ich mir schon dachte: Ihm waren seine Tics, je älter er wurde, immer peinlicher. Die Zwänge wurden immer größer.

Als ich fast über die Hälfte des Buches gelesen hatte, begann ich mich zu fragen, ob es noch schlimmer kommen konnte. Schon seit einigen Seiten hatte ich das Gefühl, dass Sandstrak an den Tiefpunkten seines Lebens angekommen war. Ich fragte mich, ob er in dieser Biografie seine "Rettung" und die genaue Behandlungsmethode, mit der man ihm helfen konnte, überhaupt beschrieb.

Ich wurde nicht enttäuscht. Pelle Sandstraks Biografie ist ein Buch mit Höhen und Tiefen. Anfangs noch vor die Frage gestellt, welche Krankheit er denn eigentlich habe, lernt er letztendlich einerseits mit ihr umzugehen, andererseits bestimmte Verhaltensmuster zu besiegen.

(Warum ich das Buch erst ab 16 empfehlen kann, ist einfach, klingt vielleicht etwas plump. Bei der Altersbegrenzung gehe ich meist von mir aus. Mich hätte solch eine Biografie einfach nicht früher angesprochen).

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~K~: Dieser Beitrag ist eine Rezension aus der Konserve und wurde bereits veröffentlicht.

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